Lsffkler pbmdzrilmg WWM hkfstflhr Mmosntung
1. Jahrgang.
$te »Laffeler Neueste Nachrichten' erst-ein en wüchentltch sechsmal und pvar abend». DerLbonnementSpreiS betrügt monatlich 50 Pfg. bei freier Zu- stellung ins Haus. Truckerei, Verlag u. Redaktion: Schlachthofstraß, 28/30. Berliner Vertretung; SW, Friedrichstraße 16, Telephon. Amt IV. 678.
InsertionSpreife: Die sechSgespaltene Zeile für einheimische GeschüftelK Vf, für auswärtige Inserate 25 Pfg Reklamezeile für einheimische Geschäfte 40 Pf, für auswärtige 60 Pf. Geschäftsstelle: Kölnische Straße 5. Berliner Vertretung: SW, Friedrichstraße 16, Telephon: Amt IV, 6781
Fernsprecher 951 und 952.
Donnerstage den S. Februar 1911.
Fernsprecher 951 und 952*
Sie Zukunft in der Lust.
Die Stein-Tragödie und die Militär-Aviatik.
(Bon unferm «diätischen Mitarbeiter.)
Prinz Heinrich von Preußen, der bekanntlich selbst das Fliegerexamen abgelegt hat, hatte erst dieser Tage Gelegenheit, die Offiziere unserer militärischen Fliegerabteilung aus dem Flugplatz Döberitz kennen zu lernen und die Fortschritte anzuerkennen, die in dieser kurzen Zeit gemacht worden sind. Einer der hervorragendsten Fliegeroffiziere war der Leutnant Stein, der jetzt bei einem unglücklichen Flug fein Leben verloren hat. Die Witterungsverhältniffe sind indeflen sicherlich nicht schuld an dem Unglücksfall gewefen, da bei her Vorführung der Fliegeroffiziere vor dem Prinzen Heinrich ein ftarker böiger Wind von zwölf Metersekunden herrschte. Trotzdem gelangen damals die Flüge ausgezeichnet. Wenn nun jetzt bei aller Erfahrung noch ein Unglück möglich war, so kann das nur an der U n z u - länglichkeit der Konstruktion der Flugapparate liegen und es muß deshalb darauf hingewiesen werden, daß die Zukunft unserer Militär-Aviatik wie überhaupt der ganzen Flug- technik auf der Entwicklung des Flugapparates zu einem s i ch e r n Fahrzeug beruht. Die Katastrophe in Döberitz ereignete sich auf einem Farman-Doppeldecker und wenn man die bisherigen Flugapparat-Katastrophen verfolgt, dann wird man feststellen können, daß die meisten Unglücksfälle sich auf Doppeldeckern ereigneten, und daß der Blöriotsche Eindecker bisher die größten Leistungen und die größte Fahrsicherheit aufzuweifen hatte.
Diese Tatsache kann natürlich auf dem Umstand beruhen, daß die meisten Flieger bisher Doppeldecker benutzten. Trotzdem wird die Frage einer eingehenden Prüfung unterzogen werden müssen, ob der Eindecker oder der Zweidecker zu bevorzugen ist. Auch der Laie wird ohne weiteres zugeben, daß dasjenige Flugzeug siegen wird, das füx eine ernsthafte Verwendung zu gebraüchen ist. Nicht Akrobaten mit gefährlichen Flugversuchen will man als Spezialitäten züchten, sondern es besteht die Notwendigkeit, die Aufgaben, die das Flugzeug für lange Flugstrecken zu Verkehrszwecken und im Dienst der Wehrmacht erfüllen soll, auch zu lösen. Von diesem wohl einzig richtigen und soliden Standpunkte aus kommt man ohne weiteres zu dem Resultat, daß für alle diese Zwecke nur eine mehrsitzige Maschine in Frage kommt, die nicht nur den Führer, sondern auch den Beobachter tragen kann. Man geht jetzt mit Recht weiter und verlangt, daß drei Sitze als ein Minimum anzusehen find, da die Führung eines Flugzeugs an und für sich bekanntlich eine Ner- venanstrengung darstellt, die in ihrer Art kaum ihresgleichen hat. Wenn man nun damit rechnen muß, daß noch ganz befondere Gelände- schwierigkeiten und ungünstige Witterungsverhältniffe zu überwinden find, fo kann man sich denken, daß die Anftrengung eine ganz außergewöhnliche ist. Dementsprechend verlangt man denn auch schon heute, daß eine viersitzige Flugmaschine die Regel fein foll. Dies ist na-, mentlich auch dann notwendig, wenn noch die Bedienung der drahtlofen Telegraphie und andere schwierige navigatorische Ausgaben hinzutreten.
Da nun der Doppeldecker sehr tragfähig ist und eine Verteilung der Paffagiere nach räumlichen und statischen Gesichtspunkten ermöglicht werden kann, so gebührt ihm wohl in dieser Hinficht die Zukunft. Andererfeits hat allerdings auch bet Eindecker bedeutsame Vorzüge. Was die Entfernungsleistungen beider Typen anbetrifit, fo find sie beide etwa gleich leistungsfähig und und die erzielten Resultate des vergangenen Jahres haben die Ses Jahres neunzehnhundertneun weit hinter sich gelassen. Hinsichtlich bet Fahrdauer läßt sich sagen, daß von einzig dastehenden Einzel- leistungen abgesehen (Farman zum Beispiel) sowohl Ein- wie Zweidecker unter normaler guter Führung imstande sind, vier- bis fünfstündige Fahrten ohne Passagiere bei gleicher Motorstärke auszuführen. Die Leistungsfähigkeit gegen das Vorjahr hat sich etwa verdoppelt. Wenn aber neben der Zeitleistung gleichzeitig die Entfernungsleistung berücksichtigt wird, so bat der Eindecker einen Vorsprung, der ihm wieder mehr Chancen für die Zukunft gibt. Der Durchschnitt bet Stundenleistungen der Eindecker bei den großen Dauerflügen liegt im allgemeinen etwas über achtzig Kilometern, bei bett Doppeldeckern dagegen unter siebzig Kilometern. Sodann kommt auch noch die Steigerung der E i g en g e s chw i n d i g k e i t in Frage, die unter dem Gesicktsvttntt ganz befon
dere Bedeutung gewinnt, daß die Stabilisierung der Apparate infolge des Mangels einer felbsttätigen Gleichgewichtshaltung am besten durch möglichst hohe Geschwindigkeit erzielt wird. Auch hier ist der Eindecker dem Doppeldecker überlegen; er ist somit ht bet Lust sicheret. Man steigert nun natürlich die Motorstärke nach Möglichkeit, und der 100 ?8.-Motor tritt anstelle des früher als normal gelteniV 50 PS.« Motors.
Hieraus ist ersichtlich, daß der eine Typ besitzt, was dem anderen fehlt, und umgekehrt. Vom nüchternen praktischen Standpunkt aus (von dem aus die Eignung der Flugzeuge für bestimmte gegebene Zwecke betrachtet werden muß) haben übrigens die in den Zeitungen sonst mit Recht gerühmten Höhenleistun- gen nur bis zu einer gewissen Grenze Wert. Im allgemeinen find in dieser Beziehung beide Typen gleichwertig, wobei zu beachten ist, daß Flüge über fünfzehnhundert Meter für die Praxis kaum in Betracht kommen; als Sport- leiftungen sind sie felbstverständlich zu bewundern. Die bisherigen Höhenfahrten wurden übrigens ohne Passagiere ausgeführt, und für die Verwendung der Flugzeuge ist es wichti- ger, daß man mit Passagieren etwa achthundert oder tausend Meter erreicht, und längere Zeit die Höhe innehält, als daß eine bedeutendere Höhe ohne Passagiere erklommen wird. Im allgemeinen hat sich die Wut an Rekorden noch nicht gelegt, und man kann das nicht als ein Glück bezeichnen, denn ganz abgesehen von der Zahl der Todesfälle ist dadurch der Fortschritt in der Technik gehemmt worden. Wohl haben wir mehr Flieger, und auch das T r a i n in g ist vorwärts gekommen, nicht aber die Technik der Apparate. Und das ist bedauerlich, denn die Technik ist eben alles, und es wäre deshalb auch für unsre Militär-Aviatik zweifellos wünschenswert, wenn sie ihre Aufgabe weniger in tüchtigen Höhenleistungen, als vielmehr in soliden Ueberland- flügen erblicken wollte. v. Li
niert bleiben, doch sind bereits für die nächsten Wochen ausgedehnte Flüge geplant, um die Kriegstüchtigkeit des Militärlustfchiffes grade in dem schwierigen Gelände an der westlichen Reichsgrenze zu erproben. Wie uns ein Telegramm aus Metz meldet, äußerte sich Major Sperling, der Führer des Lustjchiffs, über die gestrige Fahrt hochbcfriediat. Die Konstruktion des „M. III" hätte sich selbst den widrigsten Windverhältnissen gewachsen gezeigt, und die Motore hätten ohne Störung selbst bei den stärksten Luftströmungen ausgezeichnet gearbeitet. Die Fahrt von Gotha nach Metz sei sowohl hinsichtlich der erzielten Schnelligkeit als auch bezüglich der Widerstandsfähigkeit des Militärluftschiffs ein glänzender Beweis der Leistungsfähigkeit, auf den die deutsche Militärluftschiffahrt stolz sein könne.
♦
Die Landung in Metz.
(Telegramm unsers Korrespondenten.)'
Die Landung des Militärluftschiffes in Metz war für die ganze Stadt ein festliches Ereignis, an dem die gesamte Bevölkerung lebhaften Anteil nahm, lieber das Eintreffen des Luftkreuzets und die Begrüßung in Metz berichtet uns folgendes Telegramm unseres Korrespondenten:
Metz, 8. Februar.
Ursprünglich erwartete man den „M. III" bereits für nachmittags drei Uhr, und um diese Zeit hatte sich in der Gegend des Korpsübungsplatzes eine nach Zehntaufenden zählende Menfchenmenge eingefunden, die das Eintreffen des Luftschiffs mit Ungeduld erwartete. Vor der Luftschiff-Halle, bereit Nachbarschaft wegen bet Landung im weiten Umkreis von Militär abgesperrt war, staute sich schon von den frühen Mit- lagstunden an eine unübersehbare Menschenmenge, die trotz der herrschenden Kälte geduldig aushatrte. Endlich (es war inzwischen sechs Uhr und bereits dunkel geworden) wurde das Nahen des Luftschiffs
Bon Gotha nach Metz.
Die Fernfahrt des Militär-Luftschiffes. (Telegraphische Meldungen.)
Mev, 8. Februar. (Telegramm unseres Körrespondenten.) Die Ankunft des MUitärlustschifies „M. HI" war bereits für gestern nachmittag bestimmt angezeigt worden. „M. III" traf aber erst abends 6,30 Uhr hier ein und landete um 6,45 Uhr glatt vor der Halle, nachdem er etwa zehn Minuten über dem Korpsübungsplatz geschwebt hatte. Es war flares Frostwetter. DaS Mrlitärluft- schisf war von Scheinwerfern hell beleuchtet. Die Insassen schienen vom Frost stark angegriffen zu fein.
Das Militärluftschiff *M. III", das am letzten Donnerstag von Berlin ausi eine Fernfahrt nach Metz antrat, und den ersten Teil der Fahrt von der Reichshauptstadt nach Gotha in einem Tage ohne Unfall erledigte, hat am gestrigen Dienstag die Weiterfahrt angetreten und ist abends nach teilweise stürmischer Fahrt glatt am Ziel der Fahrt, in Metz, gelandet. In H a n a u war ursprünglich eine Zwischenlandung vorgesehen, deren Wahrscheinlichkeit durch zwei Tatsachen noch bestärkt wurde. Einmal war ein bei Fulda aus dem Ballon geworfenes Diensttele- gramm, das das Eisenbahnregiment in Hanau von einer Landung benachrichtigte, bekannt geworden und ferner hatte das Frankfurter Bureau der „®elag" ihren in Griesheim lagernden Vorrat an gefüllten Gasflaschen zur eventuellen Nachfüllung des Ballons zur Verfügung gestellt, von welchem Angebot Mazor Sperling Iber allerdings Flaschen zur Rachfül- lung an Bord hatte) im Bedarfsfälle Gebrauch machen wollte. Die außerordentlich günstigen Windverhältnisse des gestrigen Tages jedoch machten alle Vorsorge gegenstandslos, und das Luftschiff zog stolz in der Luft ohne Zwischen- landuna seinen Weg, der ihm vorgeschneben war. In Metz erfolgte die Landung glatt und ohne Zwischenfälle, und e8 ist mit dieser Fahrt der überzeugende Beweis von der hohen Leistungsfähigkeit und Kriegs- brauchbarkeit deS Militär-Lufttreuzers erbracht worden.
Die Fahrt des „M. in“ zeigte wiederum, welch' bedeutenden Vorsprung wir in der Motorluftfahrt vor anderen Ländern haben. Beinahe in gerader Linie wurden die beiden Sttecken Berlin-Gotha und Gotba-Metz zurückgelegt, und alle Teile des Luftschiffs, die bet solchen Dauerleistungen immerhin sehr stark angestrengt werden, haben sich vorzüglich bewährt. Jedenfalls können wir auf die Leistung des „M. in* stolz fein, besonders, wenn wir sehen, wie große Anstrengungen England und Frankreich machen müssen, um mit der deutschen Motorlustschifsahrt Schritt zu halten. Der Luftkreuzer wird vorläufig in Metz statio
angekündigt, das in ruhiger, glatter Fahrt sich der Stadt näherte. Die Menge brach in lauten Jubel aus und die Insassen des Luftschiffs schwenkten Tücher. Neben dem Gelände des Uebungsplatzes fuhr der „M. III" eine weite Schleife- und hielt dann längere Zeit unbeweglich auf dersel- benStelleim Luftmeer. Rach etwa zehn Minuten traten die Steuer wieder in Tätigkeit, und das Luftschiff fuhr in langsamer Fahrt der Halle zu, wo Truppen bei der Landung behflslich waren. Die Landung selbst erfolgte außerordentlich sch nell und ohne Schwierigkeiten. Major Sperling und die übrigen Insassen des Militärluftschiffes wurden von der begeisterten Menge mit lauten Hochrufen begrüßt und im Triumphe von der Landungsstelle geleitet. Der „M. III" wurde später von Truppen in die für ihn erbaute Halle geschafft, vor vorläufig seine Station sein wird.
Die Insassen des Militärluftschiffes haben während der langen Fahrt bei scharfem Wind und schneidender Kälte unter den Einflüssen der Witterung gelitten, befanden sich aber tat allgemeinen bei ihrem Eintreffen in Metz wohlauf. Wie Major Sperling erzählte, war die Fahrt von Gotha nach Metz eine der fchönsten und interessantesten, die er als Luftschiffer jemals unternommen habe.
Straßburger Intermezzo.
Ein polittschcr BertrauenSbruch.
(Telegraphische Meldungen.)
Im Elsaß, wo der Nattonalitätenzwist gegenwärtig wieder bedauerlichste Blüten treibt, hat sich abermals ein übles Intermezzo ereignet, das helles Licht auf die Taflache wirst, mit der dort der politische Kampf betrieben wird. In der letzten Sitzung des elsaß-lothringischen Landesausschusses war von einem gro.ben Vertrauensbruch eines pflichtvergessenen Beamten (der bisher noch unbekannt geblieben ist) die Rede, liebet die das größte Aufsehen erregende Affäre liegen uns folgende Drahtmeldun- g e n vor;
Straßburg, 8. Februar.
Zu Beginn der gestrigen Sitzung des Landesausschusses für Elsaß-Loth- ringen gab Staatssekretär Zorn von Bulach eine Mitteilung- des Statthalter? Grafen von Wedel bekannt, aus der hervorgeht, daß der Abgeordnete Wetterlö dem Unterstaatssekretär Petri vorige Woche Einsicht gestattet hat in die bruchweise Abschrift eines vertraulichen Erlasses, den der Statthalter am achtundzwanzigsten September vorigen Jahres an das Kaiserliche Ministe
rium gerichtet hat. In jenem, nur durch groben Vertrauensbrnch eines pflichtvergessenen Beamten, vermutlich auf anonymem Wege an den Abgeordneten Wetterls gelangten Erlasse sind, wie die statthalletliche Zn- fchrift feststellt, gewisse tendenziöse und geradezu perfide Fälschungen insofern enthalten, als zum Beispiel unter anderem die San« desausschußmiiglieder als „meist auf niederer Bildung?- und Gefellschaftsstuse stehend" bezeichnet werden, und auf diese Weise die Sache so hingestellt wird, als ob der Statthalter von den Vertretern des Landesausschusses eine abfällige, geringtoertenbe Meinung habe.
Nach der Rede beS Staatssekretärs gab Abgeordneter Wetterls zu, daß er von vornherein der Ansicht gewesen sei, daß es sich um eine Fälschung handle, er habe aber geglaubt, korrekt zu handeln, wenn er den Interessenten Einsicht in den Wortlaut der anonymen Zuschrift gebe.
Weiteren Depeschen aus Straßburg zufolge gab eine Zuschrift des Statthalters den authentischen Wortlaut jenes Erlas- ses an die Bezirkspräsidenten nachträglich bekannt unter gebührender Brandmarkung jener Machenschaften, deren Bekanntgabe „baS Brandmal der Pflichtverletzung und niederer Gesinnung an der Stirn trage." Die zuständigen Stellen haben übrigens sofort eine.Untersuchung eingeleitet, um den Urheber der Affäre zu ermitteln.
Ein Storno in der Statt
Der Doppelmörder Franz vor Gericht.
(Bericht unseres Korrespondenten.)
Neu-Ruppin, 7. Februar.
Unter großem Andrange des Publikum? begannen heute vor dem hiesigen Schwurgericht die Verhandlungen gegen den Doppelraubmörder Hermann Franz aus Teterow in Mecklenburg, der am Abend der achtundzwanzigsten September vorigen Jahre? den Bauerngutsbesitzer Wilhelm Klein und dessen Frau in dem Dorfe Schönhagen bei Pritzwalk in der Priegnitz ermordete und beraubte, und außerdem die beiden Töchter seiner Opser überfiel.
Das dörfliche Drama
hat seinerzeit wegen der unerhörten Frechheit des Täters großes Aufsehen erregt. Der Angeklagte hatte sich ausschließlich zu dem Zweck ein dem Bauerngutsbesitzer Klein als Knecht verdungen, um den scheußlichen Doppelraubmord in allen Einzelheiten und in voller Ruhe vorbereiten zu können. Er spionierte zunächst die Vermögensverbältnisse der Kleinschen Eheleute aus und stellte sest, daß der einzige Sohn der Ermordeten damals gerade als Soldat bei der neunten Kompagnie des Kaiser Franz Garde-Grenadier-Regiments in Berlin stand, die alten Leute also keinerlei Hilfe zu erwarten hatten. Unter irgend einem Vorwande lockte er dann am Abend des achtundzwanzigsten September den Bauerngutsbesitzer
in die dunkle Scheune des GntShofes
und schlug ihn hier mit einem schweren Hammer nieder. Mit drei furchtbaren Schlägen zertrümmerte er dem alten Mann die Schädeldecke vollständig, sodaß Klein sofort eine Leiche war. Dann schlich sich Franz in das Schlafzimmer der Eheleute, überfiel hier die bereits im Bett liegende Bauern- gutsbefitzerin, und tötete auch d i e f e, indem er ihr mit dem gleichen Hammer ebenfalls die Schädeldecke zertrümmerte. In einem Nebenraum schliefen während dieser ganzen Zeit ahnungslos die beiden sechzehn- und fünfundrwan.zigjäbrigen Töchter der ermordeten Eheleute. Der Mörder besorgte sich in aller Ruhe feste Stticke, band bann beide Mädchen an den Armen und Beinen in ihren Betten fest und drohte, falls sie auch nur einen Laut von sich geben würden,
sie gleichfalls zu erschlagen.
Daß er sie nicht ebenfalls tötete, hatte sein eck Grund nur darin, daß die älteste Tochter wiederholt von ihm beobachtet worden war, wie sie von einem dem Mörder unbekannten Aufenthaltsort Wirtschaftsgeld holte. Der Mörder glaubte daher, daß der Gutsbesitzer sein Geld irgendwo vergraben habe, und als er das Mädchen unter Todesdrohungen aufforderte, ihm diese Stelle anzugeben, besaß da? Mädchen die Geistesgegenwart, ihn hinter die Scheune zu schicken, wo der Mörder im Schweiße seines Angesichts nach dem vermeintlichen Schatz zu graben begann. Sobald er davongeeilt war, zerbiß die älteste Tochter unter ungeheuren Anstrengunaen ihre Fesseln und befreite auch ihre jüngere Schwester, worauf beide nur mit dem Hemd be-