1. Jahrgang
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hessische flbenineitung
Tsflrlrr MmLzeitung
Fernsprecher 951 und 952,
Sonntag, den 5. Februar 1911
Fernsprecher 951 und 952.
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Paris, 2. Februar:
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geblich gebracht worden ist!
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Der Kamps gegen die Pest.
(EigeneDraht Meldung.)
Bus London wird uns depeschiert: Wie
Di« „Taffeier Neiretze Nachrichten" erscheine» wöchentlich sechsmal und zwar abends. Ter Abonnementspreis beträgt monatlich sa Pfg. bei freier Zu. stellung ins Haus. Druckerei, Derlag u. Redaktion: Schlachthofstrabe 28/30. Berliner Vertretung; SW, Friedrichstraße 16, Telephon: Amt IV. 676.
Zer Tobeszug der Eholera.
Hundcrttausendc an Menschenopfern.
(Von unserem Korrespondenten.)
der ruffischcn Gesundhcitskommiffion, von denen fünfzig Prozent von der Seuche befallen wurden. Der Arzt Tr. Michel, eines der Opfer beruflicher Pflicht, wurde auf sein Verlangen mit „Hata 606" behandelt, das eine günstige Wendung in seinem Befinden herbeigeführt haben soll. Es soll infolgedessen die Anwendung des Mittels auch in den Pcst- barackcn der Eingeborenen erfolgen.
beiter und seine ganze Familie befanden sich im Jsolierhaus. Ob die Krankheit inzwischen weitere Ausdehnung angenommen hat, ist noch nicht festgestellt. Die Gesundheils Polizei hat umfassende Sicherungsmaßregcln angeordnet, da man eine Weiterverbrei- tung der Pocken befürchtet.
Paris, 4. Februar.
Die Lag« im Pariser Quartier latin (dem Studentenviertel) gestaltet sich immer bedrohlicher. Einer der hervorragendsten Rechtsgelehtten mit dem unsranzösischen Namen Wahl, der bei den Studenten wegen seiner großen Strenge bei den Prüfungen in Ungnade gefallen ist, ist gestern abermals insultiert worden. Bei Beginn seiner Vorlesungen entstand ein derartiger Tumult, daß der Professor den Saal verlassen und in seine Wohnung slnichtcn mutzte. Die Manifestanten verfolgten ihn und brachten ihm eine Katzenmusik am bellen Taac vor t einem
In der lebten Sitzung der Pariser Acadö- mic de Modecinc machte Professor C h a n- temessc authentische Mitteilungen über die Ausbreitung der Cholera während des Jahres neuzehnhundertzehn, aus denen hervorgeht, daß auch im vergangenen Jahre die schreckliche Seuche Hunderttaufende von Menschen gefordert hat. Unser Pariser Korrespondent teilt uns aus den Darlegungen Ehantemesses folgende interessante Einzelheiten mit:
auch sicher nicht an menschlichen Mühen fehlen, den nun Rehabilitierten des Schicksals Härte tunlichst zu erleichtern: Die Kerkerhaft aber mit ihren Schrecken und Seelenängsten, den Kampf um die Unschuld im Banne dicker Zuchthausmauern kann keine menschliche Hand und keine Gnade ungeschehen machen, und an der Größe des Opfers gemessen, erscheint das Verhängnis des Essener Justizirrtums riesenhaft und unsühnbar: Eine dringliche Mahnung an die Gerechtigkeit, aus den betrübenden Erfahrungen dieses Prozesses die gebotene Nutzanwendung zu ziehest. Im ersten Essener Prozeß stand der Aussage des Gendanncn das entlastende Zeugnis einwandfreier Bürger entgegen, und das Gericht kam dennoch zum Schluß, daß dem Mann im Amtsrock mehr Glauben zu schenken sei, als dem nicht durch Diensteid verpflichteten Manne bürgerlichen Werks. Hoffentlich bleibt die nun wie schwere Schuld auf demGewissen derGerechtigkeit lastende Erfahrung im deutschen Strafprozeß für immer lebendig, damit uns neue Gewissensnöte erspart bleiben. Der mit dem Kaiserdelcgiertcn auf der Anklagebank sitzende Schicksalgenosse ein siecher Krüppel, klagte vor Gericht tränenden Auges die Justiz als Zerstörerin seines Glücks an, und in Wirklichkeit war hier auch die Gerechtigkeit die Vernichterin, die dem Unschuldigen Heim und Herd, Familie und Existenz raubte.
Fünfzehn lange Fähre haben die im ersten Prozeß Verurteilten um die endliche Erhörung der Gerechtigkeit ringen müssen, und es hat der ganzen Energie eines klugen und Wackern Verteidigers bedurft, um den vom Zuchthaus Heimgekehrten die Möglichkeit eines neuen Verfahrens zu erstreiten. Das Walten des Geschicks hat diesen Kampf ums Recht noch begünstigt: Sonst würde eine Wiederaufnahme des Verfahrens wohl für immer unmöglich gewesen sein, und die Opfer eines bedauerlichen Justizirrtums wären ins Grab gesunken, ohne daß je die Sonne der Gerechtigkeit wieder ihren Schicksalspfad bestrahlt hätte. Zivei der Opfer sind bereits aus diesem Leben geschieden, bemakelt mit dem Brandmal ehrlosen Verbrechens, und auch die Zwei, die gestern das Essener Gerichtshaus als Entschuldete verließen, tragen des Siechtums düstere Merkmale auf der Stirn. Ihr Schicksal spricht eindringlicher und überzeugender für die Notwendigkeit prozessualer Reform, als Bünde rechtskluger Logik, und grade der Essener Mein- cidsprozetz ist eine (wenn auch tragische, so doch' wertvolle und lehrreiche) Unterlage für die Bestrebungen, die Form des Strafprozesses zu vereinfachen und den Bedürfnissen der Rechtspflege sorglicher als bisher anzupassen. Die Erschwerung des Wiederaufnahmeverfahrens ist eine Gefahr für die Sicherheit der Rechtsprechung und eine Schranke auf dem Weg zur Gerechtigkeit, deren Beseitigung nicht länger hinausgeschoben werden kann, mögen auch noch so viele juristisch-technische Einwände dagegen sprechen. Wäre der einstige Gendarm von Essen nicht später auf der Lebensbahn gestrauchelt: Es würde nie die Möglichkeit gegeben gewesen sein, sein Zeugnis zu entkräften und der Gerechtigkeit zum Sieg zu verhelfen. Hoffentlich lernt man aus der „Tragödie der Unschuld", damit das schwere Opfer nicht v e r-
Hause dar. Gestern mittag, als der Professor wieder zur Vorlesung erschien, erneuerten sich die Skandalszenen und die Studenten verhinderten die Vorlesung. Professor Wahl entfernte sich abermals und die Studenten zogen dann in Gruppen nach dem nicht weit davon entfernten Senatsgebäude und versuchten dort einzudringcn. Die Wachtposten stellten sich ihnen mit dem aufgepflanzten Bajonett entgegen. Schließlich veranstalteten die Studenten eine Manifestation, wobei es zu derartigen Ausschreitungen kam, daß ein Polizeiaufgebot gegen die Manifestanten mit blanker Waffe vorgehen mußte. Acht Studenten wurden verhaftet und einige durch Säbelhiebe leicht verletzt.
Professor Wahl, ein Elsässer von Geburt, ist bei der ganzen Pariser Studentenschaft unbeliebt, da er gegen die Ausschreitungen von Studenten wiederholt mit rücksichtsloser Strenge eingeschritten ist. Tic Studenen haben auch öfter Beschwerden über den Professor eingereicht, die indessen nicht den gewünschten Erfolg hatten, worauf eine Versammlung der Studenten beschloß, zu offenen Demonstrationen überzugehen, und, falls Vroft,- sor Wahl auch dann noch nicht zur Rechenschaft gezogen werden sollte, in einen allgemeinen Streik einzutrcten.
Sie Tragödie der Unschuld.
Gerechtigkeit nach fünfzehn Jahren.
Am siebzehnten Augusttag des Jahres achtzehnhundertfünftrndneunzig verurteilten die Geschworncn der Essener Schwurgerechtigkeit den Bergmann Schröder zusammen mit einer Anzahl Schicksalgenossen zu langer Zuchthausstrafe, weil das Gericht nach dem Befund der Beweisaufnahme es als festgestcllt erachtete, daß Schröder und Die, die mit ihm vor den Richtern auf der Anklagebank saßen, in einem Bagatell-Prozeß des Eides hcil'ge Pflicht verletzt, und im Angesicht der Gerechtigkeit bewußt der Wahrheit entgegen ausgesagt hatten. Am dritten Tag im Februar neun- zchnhunderelf, reichlich fünfzehn Jahre nach dem ersten Spruch, hat nun dasselbe Gericht dieselben Angeklagten von der Schuld des gleichen Verbrechens freigesprochen, nachdem der öffentliche Ankläger selbst die Rehabilitierung der hinter Zuchthausmauern Vergrämten beantragt hatte. Mit dem gestrigen Urteflsspruch ist also endlich der Gerech- ttgkeit Genüge geschehen, und arme Unschuldige, die das unheilvolle Walten eines beklagenswerten Irrtums dem Zuchthaus überantwortete, sind von schwerem Verdacht befreit. Sie alle, die gestern abend ihre Unschuld künden hörten, und von einer vielhnndertköpfiqen Menge als die endlich Entschuldeten umjubelt wurden, haben des Gesetzes Härte in ihrer ganzen Tragik spüren müssen, haben (der Unschuld sich bewußt) lange Kerkerhaft und entehrende Sühneforderung ertragen und auch dann, als das Tor zur Freiheit sich ihnen wieder öffnete, um Recht und Ehre noch einen langen, erbitterten und an Enttäuschungen reichen Kampf ringen müssen, ehe es ihnen gelang, die Handhabe des Gesetzes der Erstre- bung wahrer Gerechtigkeit dienstbar zu machen. Nun, da des Dramas letzter Akt im Beifallsruf des Volkes hell verflungen, ist's gestattet, einmal kritischen Blicks zurückzuschauen auf hiese Tragödie der Unschuld, deren Einzelheiten der Essener Drei-Tage-Prozeß so grell »clcuchtet hat.
Der öffenüiche Ankläger im nun beendeten Schröderprozeß, der Vertreter der Staats- autorität im Tempel der Gerechtigkeit, hat gestern, als er beim Volksgericht den Freispruch der Angeklagten forderte, darauf hingcwiesen, daß der erste Prozeß wider den Kaiser-Delegierten und seine Mitopfer durch die Schatten parteipolitischer Leidenschaftlichkeit verdüstert worden sei, daß sich aber auch aus den Feststellungen der neuerlichen Beweisaufnahme kein einzig Moment ergebe, aus dem etwa mangelnde Objektivität der Richter von achtzehnhundertfünfundneunzig. gefolgert werden könne. Die Tatsache darf an sich als feststehend erachtet werden, denn es wird auch dem Uebel- wollen nicht möglich sein, aus der Geschichte des ersten Schröder-Prozesses wider die Richter den Vorwurf unzureichender Objektivität haltbar und überzeugend zu konstruieren. Die Richter aus dem Volk, die vor fünfzehn Jahren den „Kaiser-Delegierten" als des Meineids schuldig ins.Zuchthaus schickten, Haben ihren Spruch sicherlich aus der tiefinnern und aus den Ergebnissen der Beweisaufnahme heraus gebornen Ueberzeugung gefällt, daß die Leute auf der Anklagebank tatsächlich des Verbrechens schuldig waren, dessen sie die sühneheischende Gerechttgkeit zieh. Daß diese Ueberzeugung sich auf dem schwachen Grunde einer einzigen amtlichen Zeugenbekundung (der Aussage des am Straffall aktiv beteiligten Gendarmen Munter) aufbaute, bleibt bedauerlich, und die Folgezeit hat denn auch erwiesen, daß das Fundament, auf das sich der Wahrspruch der Schwurverpflichtigen gründete, nicht Hatter Granit, sondern dürftiger Ton war, dessen schwacher Halt kein Gerechtigkeitsurteil tragen durfte. Man darf indessen nicht dies eine ttagische Moment auS dem Rahnen des Mllieus herausheben: Die ganze Situation, in der der erste Schröderprozeß spielte, war durchtränkt von den Schwaden parteipolitischer Leidenschaftlichkeit, und in dieser trüben Schwüle versagte selbst der Helle Strahl des
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___„Times" auS Chardin gemeldet wird, hat die Herstellung eines sanitären Schutz wehrs um Chardin im Kampf gegen die Pest ausgezeichnete Resultate ergeben. Es ist innerhalb der abgesperrten Zone kein neuer Fall von Pest vorgekommen, ausgenommen unter den Medizinern nnd Offizieren
Wahrheitlichts.
Aber wenn man auch alle Eigenarten des Milieus und bie' ganze Wirrnis der ethischen und flassenpolittschen Momente tot ersten Prozeß nach ihrem taffächlichen Werte schätzt: Die Gründung eines hatten Utteilsprnchs auf die Aussage eines einzigen (nnd nicht einmal klassischen) Zeugen bleibt in diesem tragischen Fall ein bedauerlicher Irrtum, und ein Fehl, dessen unheilbringende Folgen das Schicksal unschuldiger Menschen verdüstert haben. Tie barten Jahre der Zuchthausbuße liegen hinter den Opfern dreies Irrtums, und es wird
Mit dem Winter ist in Rußland die Cholera wieder langsam entschlummert; sic hat dort im verflossenen Jahr 281259 Personen befallen und 131433 von ihnen getötet, Besonders heftig trat die Choleraepidemic im Süden Rußlands, in der Gegend des Schwarzen Meeres, auf; infolgedessen konnten der Lauf der Donau und sein Fluß- schifservolk der Seuche nicht entgehen, und die Donau öffnete der Cholera den Weg nach Mitteleuropa.. Bon Flößern verschleppt, tauchte sie in Rumänien, in Serbien und in Ungarn auf; vereinzelte Fälle kamen auch in den österreichischen Provinzen vor, wurde doch sogar Wien betroffen, und zwar von einem Ausläufer, der über Galizien aus Polen kam. In Deutschland sah Ostpreußen die Cholera in bedrohlicher Nähe; ein paar Fälle wurden auch in der Umgegend von Berlin konstatiert. Ganz entsetzlich hatte Italien unter der Epidemie zu leiden: Von einer in Brindisi gelandeten russischen Zigeuncr- bande mitgebracht, erschien sic im August in der Provinz Apulien, wo sie infolge einer unbegreiflichen Sorglosigkeit der Behörden _ sich rasch ausbreiten konnte. Bald forderte "die Epidemie in Neapel innerhalb eines Zeitraumes von sechs Tagen 187 Opfer. Im ganzen wurden in Italien 1700 Personen von der Seuche befallen; von diesen starben 768. Es ist so gut wie sicher, daß in einigen der 137 Ortschaften, die von der Cholera heimgesucht waren, noch heute kleine Choleraherde vorhanden sind, so daß man für dieses Jabr mit einem Wiederaufflackern der Epidemie rechnen kann. In der Türkei richtete die Cholera große Verheerungen an, besonders in der Armee; es hat sich hier aber keine Statistik aufstcllen lassen. Was Frankreich angeht, so tauchte im Monat Oktober die Cholera in Marseille auf; eingeschleppt hatte sie ein Schiff, das aus dem Piräus kam. Es kamen aber im ganzen nur vier Fälle vor. Insgesamt läßt sich annehmen, daß im vergangenen Jahr in allen fünf Erdteilen der Cholera mindestens eine halbe Million Menschen zum Opfer gefallen sind.
Einem uns aus Duisburg zugehenden Spezial-Telegramm zufolge ist dort der prakttsche Arzt Dr. Möller, der den vor einigen Tage» an schwarzen Pocken verstorbenen Arbeiter R c g e r m a n n behandelt hatte, nunmehr nach amtticbcr Festste ,ug ebenfalls an schwarzen Pocken erkrankt. Tr. Möller ist ein sehr beschäftigter Arzt, und bat keine Praris bis zuletzt ausgeübt. Der A.r-
Luartier latin.
Tie Pariser Studenten demonstrieren.
(Eigene Drahtmeldungen.)
Aehnlich wie in Lemberg ist es nun auch in Paris zu argen Ausschreitungen der akademischen Jugend gekommen, die am gestrigen Tage den Charakter eines förmlichen Aufruhrs annahmen, und das Einschreiten eines starken Polizeiaufgebots erforderlich machten. Trotzdem befürchtet man, zu dem morgigen Sonntag eine Wiederholung der Erzessc, und der Polizeipräfekt bat deshalb umfassende Vorkehrungen getroffen, lieber die Ursache der Demonstrationen und die Vorgänge am gestrigen Tage bettchtet uns ein Privat-Telegramm aus
Bor neuen Stürmen?
Die portugiesische Sphhnx. Balkan - Gerüchte. (Telegraphische Mcldungen.) Durch die Presse gehen über die Lage in Portugal die widersprechendsten Nachrichten, und während aus englischer Quelle fast täglich Meldungen üver die nahe Gefahr neuer Unruhen vorliegcn, erklärt die por tngiesische Regierung offiziös, daß tot Lande vollständige Ruhe herrsche und der Befand der Republik gesichert sei. Ein T e l e g >■ a m in meldet uns darüber aus
Lissabon, 4. Februar.
. In einer Unterredung mit den Vertretern^ der Presse hob der Minister der auswärtigen Angeiegenheiten die B e s s e r u n g der inner politischen Betätigung in den Zeitungen und Versammlungen ber vor. Die Cholera in Madeira sei so gut wie erloschen und die Tatsache, daß in immer größerem Umfang Freiwilligen- Bataillone sich bildeten, beweise die Entwicklung des militärischen Geistes toi Volk. Die portugiesische Regierung habe an bie deutsche Regierung zum Geburtstage des Kaisers Glückwünsche gesandt. In 9)1 n ä t i d sind gestern die englischen Generäle L a - mässe und Friezon eingetryffen, die vor der englischen Regierung beauftragt worden worden sind, Erhebungen über die Lage der portugiesischen Republik anzustellcn. Sie beiden Generäle reisen vollständig inkognito und geben sich als Vertreter von Handelsfirmen aus. Sie haben die Stadt Lissabon in allen ihren Teilen besichtigt und sich auf längere Zeit au der spanisch-portugiesischen Grenze aufgehalten. Pressevertretern gegenüber haben sie sich über ihre Wahrnehmungen dahin ausgesprochen, daß die Lage nach wie vor zu Besorgnissen Anlaß gebe, da das republikanische Regime im Lande von zahlreichen und einflußreichen Gegnern bedroht sei.
Im Zusammenhang hiermit berichtet uns aus Madrid ein Telegramm unseres Korrespondenten: Cs bestätigt sich, daß die Regierung Truppen au die portugiesische Grenze lonmmn diert hat, um bei etwaigen neuen Unruhen in Portugal die Grenzgebiete schützen zu könne«. Dir Maßnahmen, die seitens der spanischen Regierung nach dieser Richtuu; hin getroffen werden, beweisen deutlia:, daß man in politischen Kreisen ernstlich mit der Wahrscheinlichkeit neuer 11 m wälznngrn in Portugal rechnet, und sich tiont gegenwärtigen republikanischen Regime keine »angeDaucr verspricht. Auch vom Balkan ist neuer Kriegs- l ä r m zu hören: Einem Telegramm aus B c I- grad zufolge hat die dottigc „Politiea" zuverlässig erfahren, daß sich an der österreichisch- serbischen Grenze bedeutende österreichische Truppenkontingente ansam- lueln. Wie das genannte Blatt weiter zu bc richten weiß, ist ein Teil dieser Truppen mit Pontons versetzen, um einen eventuellen Uebe rg ang üver den Grenzfluß Drina zu ermöglichen. Oesterreich wird neuerdings wie der die Absicht zugeschrieben, zu Beginn des Frühjahrs das Sandjack von Ravi Bazar m i litärisch besetzen zu wollen In Wiener politischen Kreisen werden die Mitteilungen ces Belgrader Blattes (dessen Informationen sonst sehr zuverlässig sind» allerdings a!s .böswillige Erfindungen" be- zkichMt.