1. Jahrgang
Nummer 53
b hessische Mrndftitung
Cssselet Mmvzeitung
Di« »Lafteler Neueste Nachrichten" erscheinen wüchenliich sechsmal und zwar abends. Der SlbonnementSpreiS beträgt monatlich SO Pfg. bei freier Zustellung ins HauS. Druckerei, Verlag u. Redaktion: Schlachthofstratze 28/30. Berliner Vertretung; SW, Friedrichstraße 16, Telephon: Amt IV, 676.
stnsertiouSpretl«: Die sech-gespaltene geil« für einheimische Seschäfte 15 ®f, für auswärtige Inserate 26 Vk R-rlamezeile Wr einheimische «»- schäfte 40 Pf, für auswärtige 60 Pf. SeschäftSstelle: stointsche Straße 5. Berliner Vertretung: SW, Friedrichstraße 16, Telephon: Amt IV, 676.
Fernsprecher 951 und 952.
Fernsprecher 951 und 952.
gungen hätten.
hat
vor Maßnahmen, die Herrn Hoffmann billige Ruhmkränzchen des Märtyrers
ums man dem Lei-
echs Männer auf der radikalen Bank gegen Beleidigungen von dieser Seite schärf« reagieren. Natürlich rechtfertigte die Aeußer^ng des Präsidenten noch keineswegs den dom impulsiven »Zehngebotemann" in seiner Antwort gebrauchten Ausdruck: »Unverschämtheit". Die Erfahrung lehrt indessen, daß jede Erwiderung auf eine Beleidigung um einige Nuancen gröber ausfällt, und gerade deshalb sollte ein Präsident niemals Anlaß dazu geben, daß auf einen groben Klotz ein noch viel gröberer Keil gesetzt wird.
Am Klügsten wär's gewesen, den Spree- Waffer-Groll des temperamentvollen Herrn Hoffmann in sich selbst verschäumen zu lassen, und den Mann, der den „Knigge" noch nicht kennt, zu ignorieren. Jetzt knüpft man das Schicksal und die Daseinsmöglichkeit greiser Senioren an das Geplauder eines Wortgeplänkels, dem man bestenfalls die Bedeutung eines unästhetischen Intermezzos beimessen kann, und läßt damit von dem Herrn Adolf Hoffmann (dessen seltsame Eigenart man auch im Parlamentshaus an der Prinz Albrecht- stratze hinreichend kennen sollte) die Institution des Senioren-Konvents einfach über's
die französisch-russische Allianz und die Frage der Truppenverschiebung an der polnischen G r e nze zur Sprache bringen. Der Minister habe ihm erwidert, daß er sich weigere, auf diese beiden Fragen zu antworten.
greifende Lockenhaupt winden würden, da damit nicht dem Parlament, sondern grimmen Hagen Hoffmann diene, dessen denschaftlichkeit sich dann mit dem Groll der
Häufchen rennen. Wir warnten schon damals tim Nachklang des Hoffmann-Kröcher-Kriegs) " " das
nächtliche Trauerprozessionen der Moham- nicdaner veranstaltet, und unter Beten und Klagegesängen zieht die Volksmenge um die Stadt da die Derwische für die nächsten Tage eine neue Erdbebenkatastrophe prophezeit haben.
Nach einem Telegramm des Generals Vollbaum sind in Wernyji während des Erdbebens sechsunddreißig Menschen ums Leben gekommen. Im Kreise Wernyji wurden 81 Tote gezählt, in Jsharkont 1, in Tokmak 3, in Diljaryk 13, tn der Sarybagischewskaja Wolost 164, in Atelinsk 4, in Ssasanowka 9, in Alexejewskoje 2, in der Kungetassupkaja Wolost 12, in der Kurmektinskaja 26, in der Turai- gymskaja 3. Insgesamt haben beim Erdbeben nahe an vierhundert Personen den Tod gefunden, darunter vierzehn Ruffen. Die übrigen sind Kirgisen, Ta- rantschinzen und Sarten.
Der Zug des Unglücks.
Die neuesten Katastrophen.
(Telegraphische Meldungen.)
liegen uns folgende Drahtmeldungen vor: Newyork, 3. Februar. (Prtvat-Telegramm.)
Von den bei der E xp l o s i o n aus der Jerseh-Zentral-Eisenbahn tödlich verunglückten Personen sind bisher acht erkannt. Elf Personen werden noch vermißt. Auch diese sind zum größten Teil tot. Hunderte von Personen kamen mit leichteren Verletzungen davon. Es ist bis heute noch nicht gelungen, alle Toten zu bergen, da die Räumungsarbeiten auf der Trümmerstätte große Schwierigkeiten bereiten.
Rom, 3. Februar. (Privat-Telegramm.)
Bei Schießübungen der Torpedoschule in dem italienischen Kriegshafen Spezia platzte ein Torpedo; tötete drei Unteroffiziere und verwundete zehn Eleven. Die Ursache des Unglücks ist noch unbekannt; es ist aber nicht ausgeschlossen, daß die Katastrophe auf einen verbrecherischen Anschlag zurückzusühren ist. Die Militärbehörde hat eine strenge Untersuchung eingeleitet. Die Leichen der Getöteten wurden furchtbar verstümmelt und von den schwerverletzten Eleven wird kaum einer mit dem Leben davonkommen.
Madrid, 3. Februar. (P r i v a t - T e l e g r.)
Bei Lagunto in der Provinz Valenzia sank gestern früh das baskische Kohlen- schiff .Avant o". Zweiundzwanzig Mann der Besatzung sind ertrunken. Die Leichen konnten bereits geborgen werden. Wie es heißt, sank das Schifs infolge einer Explosion im Maschinenraum. Es war der Besatzung nicht mehr möglich, sich zu retten, da das Schifs gleich nach der Explosion barst und im Meer versank. Nur der Steuermann konnte sich retten. Barcelona, 3. Febmar. (Spezialtelegr.)
In ganz Zentralspanien dauert der Schneefall unvermindert fort. Sämtliche Eisenbahnverbindungen sind im Norden unterbrochen. In der Umgegend von Sara- goffa sind zwei Eis en b a hnzüg e von den Schneemaffen vollständig ein geschlossen. An der spanischen Küste herrscht furchtbarer Sturm, durch den zahlreiche Schisfskatastrophen verursacht worden sind. Das ganze Küstengebiet ist von Trümmerstücken übersät, und unter der Bevölkerung ist eine Panik auSgebrochen.
London, 3. Februar. (Spezial-Telegr.)
.Daily Telegraph" berichtet aus T t e nisten: Die Zahl der in Chardin von der Pest geforderten Opfer betrug am letzten Sonntag 34 222 im Chinesenviertel und im Russenviertel 956. Die Pest dehnt sich äußer» schnell nach der Gegend von Mulden aus. Tausende von Flüchtlingen verlassen die von der Pest betroffenen Gebiete. Die Regierung trifft Maßnahmen, um einer Hungersnot vorzubeugen.
Moskau, 3. Februar. (Privat-Telegramm).
In der Stadt Wernyji in Turkestan, die kürzlich von dem schweren Erdbeben heimgesucht worden ist, haben zahlreiche der unglücklichen Einwohner die Nervenerregung nicht überstehen können und Selbstmord verübt. Die Mullahs am Ort weisen aus eine Strafe Gottes hin und predigen den Reliaionsaenossen Buße. Ls werden
Wie uns aus Newyork depeschiert wird, die amerikanische Regierung im Hinblick auf die vorgestrige schwere Dynamitkata- t r o p h e einschneidende gesetzliche Maßnahmen über den Verkehr mit Dynamit in Aussicht genommen. Es ist bekannt, daß fast täglich in Newyork große Quantitäten von Explosivstoffen durch die Straßen gefahren werden, ohne daß selbst die einfachsten Vorsichtsmaßregeln beachtet werden. Diesem Unwesen soll jetzt durch den Erlaß eines besonderen Ge- etzes gesteuert werden. Ueber die Katastrophe vom Mittwoch und über neue Unglücksfälle
Jas tote Märchen.
Das Ende des Zweimächte-Bundes- (Telegraphische Meldungen.) Die Pariser Presse kann sich noch immer nicht über die Erklärungen des Kriegsministers Brun beruhigen, die das schöne Märchen von der franko-russischen Allianz so grausam zerstört haben. Inzwischen ist man auch aus russischer Seite munter geworden, und die „France militaire", eine angesehene französische Militärzeitschrift, veröffentlicht einen sichtlich aus der Pariser russischen Botschaft stammenden Artikel, in dem die sranzösifcherseits an der Organisation der russischen Armee geübte Kritik aufs entschiedenste zurückgewiesen wird. Ein Telegramm meldet uns feiner aus
Paris, 3. Februar.
Die gestrige Senatsrede Pichons wird von den Morgenblättern eingehend erörtert und als sehr bedeutsam hingestcllt. Der ministerielle »Petit Parisien" schreibt: Die Rede hat dem Minister einen grotzenund vollen Erfolg eingetragen. Nach feinen überzeugenden und beredten Ausführungen bleibt nichts von der Befürchtung übrig, die bezüglich der Aufrichtigkeit und Festigkeit der Tripleentente wachgerufen worden ist. Nach den Reden des deui- fchen Reichskanzlers und des Grasen Aehrenthal war es nützlich, daß der französische Minister des Auswärtigen sich an die öffentliche Meinung wandte. Durch die Erklärung, daß Rußland die franzöfifche Regierung über feine Verhandlungen mit dem Berliner Kabinett auf dem Laufenden hielt, hat er alle Diejenigen, die an eine Ueberra- schung der französischen Diplomatie geglaubt haben, beruhigt, und es fei auch kein Anlaß mehr gegeben, irgendwelche Zweifel oder Befiirchtungen auskommen zu lassen. Die Situation fei jetzt klar vor Aller Augen.
Der sozialistische Deputierte Dumas teilte einem Berichterstatter mit, er wisse, daß Rußland demnächst aus dem Pariser Geldmärkte beträchtliche Mengen Wertpapiere für den Bau russischer Staatsbahnen einführen werde. Es sei dies eine versteckte Anleihe. Er habe dem Minster Pichon erklärt. er werde auch dir Gerüchte über
Sie Senioren.
Der „aufgeflogene" Seniorenkonvent.
Der Seniorenkonvent des preußischen Abgeordnetenhauses ist nicht mehr: Die Konservativen haben (wie wir schon mitteilten), ihre Drohung, den Sitzungen fern zu bleiben, solange ein Vertreter der Sozialdemokraten zu den Verhandlhungen zugelaflen werde, wahr gemacht, und so kann der Seniorenkonvent als ausgelöst betrachtet werden. Im Gegensatz zu den Kommiffionen beruht der Konvent der Senioren nicht auf einem Paragraphen der Geschäftsordnung, sondern auf einem ungeschriebenen Gewohnheitsrecht. Seine Aufgabe besteht lediglich in der Festsetzung des Ge- schästsplans, nach dem die Arbeiten des Parlaments abgewickelt werden. Da der Seniorenkonvent materielle Fragen nicht zu entscheiden hat, so sind in ihm die Parteien auch nicht im Verhältnis ihrer Stärke vertreten, und als bei den letzten Wahlen sechs Sozialdemokraten in die Landstube einzogen, hat man geglaubt, auch ihnen einen Vertreter im Seniorenkonvent zubilligen zu sollen. Man kann darüber im Zweifel sein, ob dies bei der geringen Stärke der sozialdemokrattschen Gruppe nötig war. Wie jetzt von konservativer Seite ganz richtig betont wird, gilt im allgemeinen die Zahl Fünfzehn als Minimum für eine felbständige Fraktion. Es wäre daher kaum etwas dagegen einzuwenden gewefen, wenn die Konservativen gleich anfangs unter Berufung auf die bisherige Gepflogenheit dem Genossen den Eintritt in den Konvent der Senioren verweigert hätten. Das ist aber nicht geschehen. Man hat sich offenbar nicht der Erkenntnis verschlossen, daß es mit den sechs Sozialdemokraten doch eine andere Bewandtnis hat, als mit den Gruppen und Grüppchen, um die es sich in frühem Fällen handelte. Sie waren zumeist kleine Gmppen von Eigenbrödlem, die keinerlei Anspruch auf irgendwelche Bedeutung im politischen Leben erheben konnten: Die sechs Genossen indessen repräsentieren eine Partei, die im Reich mehr als drei Millionen Anhänger kommandiert.
Aber selbst wenn man sich jetzt plötzlich darauf besinnen wollte, daß die Sozialdemokraten keinen Anspmch auf einen Sitz im Seniorenkonvent haben, so wäre damit zunächst doch nur für die l a u f e n b c Legislaturperiode geholfen, denn wenn bis zu den nächsten Wahlen die heiß erflehte Wahlreform nicht zustande kommen sollte, ist es nicht unwahrscheinlich, daß die „rote Flut" mehr als fünfzehn »Hechte in den Karpfenteich" schwemmt. Dann aber wäre man doch wieder gezwungen, mit einem Sozialdemokraten verhandeln zu müssen, ober aber man würbe zu einer bauernben Beseitigung bes Konvents ber Senioren schreiten müssen. Niemanb wirb aber behaupten wollen, daß bas ein wünschenswerter Zustand wäre. Solange die beiden konservativen Fraktionen ihre jetzige Machtstellung in der Landstube behaupten können, brauchen sie freilich den Se- niorenkonvent nicht, denn auch ohne ihn (oder vielleicht erst recht ohne ihn) wird die geschäftliche Behandlung der Vorlagen in ihrem Sinne erfolgen können. Aber man kann unmöglichst eine solche Frage nach dem augenblicklichen Tagesbedarf enffcheiden: Der Seniorenkonvent hat sich als eine Notwendigkeit herausgestellt und sein Fortbestand liegt im Interesse des Parlaments selbst, dessen geschäftliche Wirksamkeit ber regulierenden unb ordnenden Instanz bedarf, wenn die Maschine glatt und ohne Störung laufen soll.
Unter diesen Umständen hätte man doch wohl besser daran getan, die ganze Sache weniger .tragisch" zu nehmen. Durch diese Demonstration erschwert man dem Präsidenten nur das Amt, ohne ihm indessen eine Genugtuung für die spreeathenische „Anslüsterung" durch den Genossen Hoffmann verschaffen zu können. Das Unerquicklichste dabei ist zudem die Taffache, daß den Anlaß zur ganzen Aktion doch nun einmal eine Inkorrektheit des Präsidenten gegeben hat. Wenn Herr Jordan von Kröcher bei Ausübung seines Amts gelegentlich ben Humor walten läßt und durch eine scherzhafte Wendung einen Redner »rektifiziert", so weiß man das auf allen Bänken zu schätzen. Seine Aeußerung, daß er »den Abgeordneten Hoffmann nicht ernst nehme", überschritt dagegen bei weitem den Rahmen eines Scherzes. Mögen auch die Sozialdemokraten auf ihren Parteitagen noch ganz andere .Scherze" machen: Für den Präsidenten des Abgeord - netenhaufes kommt biefer Maßstab nicht in Betracht. Gerade auf der Rechten ist man in solchen Dingen besonders empfindlich, unb man tarnt sich daher nicht wundern, wenn die
Kulturbilver vom Mn.
Rnfsische Prozeß-Sensationen.
(Von unserm Korrespondenten.)
Petersburg, 1. Februar.
Am Montag haben vor dem Petersburger Bezirksgericht die Verhandlungen eines Prozesses begonnen, der in mehr als einer Beziehung bemerkenswert ist. Ange- klagt ist der Arzt P antsckenko des Gif t- mords an dem Ministerbeamten Wassili Buturlin, der Edelmann Patrick O'Brien de Lacy bet Anstiftung zu diesem Mord in erbschleicherischer Absicht und die Edelfrau M u r a w j e w a als Mitwisserin Dr. Pan- tschenkos. Der Prozeß dürfte mehrere Wochen währen, denn es sind
annähernd dreihundert Zeugen
geladen, die aus den höchsten Kreisen der Aristokratie bis in die t i e f ft e n Volksschichten führen. Der Sachverhalt ist der folgende: Im Mai des Vorjahres verstarb ohne vorhergehende Erkrankung nach einigen fuboutanen Einspritzungen ber junge Wassili Buturlin, Sohn des Generals der Infanterie, Dmitri Buturlin. Wassili Buturlin war Leutnant im Preobrashenski-Regiment gewesen und hart, das ausschweifende Leben eines jungen Garde- Offiziers geführt. Als er eine durch ihre Schönheit unb Bilbung ausgezeichnete junge Vari^t^künstlerin, eine Deutsche, namens Siecke, kennen lernte, verliebte er sich in das reizende Mädchen, quittierte ben Dienst unb heiratete trotz bes Einspruchs seines Vaters, der sich jedoch in der Folge mit der Ehe auS- söhnte und dem Sohn eine Anstellung int Ministerium des Innern verschaffte, wobei et ihm eine Zulage von 7000 Rubel gewährte. Die Buturlins gehören zu ben
alten, vornehmen Geschlechtern Rußlands.
Der reich begüterte General Dmitri Buturlin wat mit einet Komtesse Bobrinski verehelicht, von der er sich jedoch vor Jahren getrennt hatte. Seine frühere Gattin heiratete später einen Brasilianer und lebt in Paris. Aus bet Ehe Buturlins stammte der Sohn Wassili und eine Tochter Ludmilla, die einen Vetter heiratete, jedoch bei einem Besuch auf dem Stammgute ihres Vaters, im Gouvernement Grodno, ben dortigen Edelmann und Gutsbesitzer Patrick O'Brien de Lach kennen unb Heben lernte. Sie heiratete O'Brien, obgleich ihr Vater sich gegen die Ehe mit diesem sehr tätigen, aber ewig in Geldverlegenheiten steckenden Manne wehrte. Der Tod Wassili Burtulins war für den greifen Vater unb für die junge Gattin ein furchtbarer Schlag: Man ging bet Todesursache nach unb konstatierte, baß ber junge, starke Mann an einer Blutvergiftung gestorben war. Der Arzt Pantschenko gab an, er habe bem Verstorbenen, der an männlicher Schwäche litt, einige Sperminein- spritzungen gemacht, unb er gab bic Möglichkeit zu, daß
die Spritze mtrein gewesen
sein könne. Die Autopsie ergab keine belastenden Beweise, man bestattete die Leiche Buttrr- lins, und ber bedauerliche Fall schien erledigt. Da erschien eines Tages bet ber Petersburger Geheimpolizei ein junger Mann, namens Preobrashenski, bet Angaben machte, die den Fall Buturlin in einem ganz anderen Lichte erscheinen ließen: Preobrashenski hatte bei einer Frau Murawjowa gewohnt, deren Hausgenosse seij Iahten der Dr. Panffchenko war. Während "das Paar sich bis dahin kümmerlich durchgeschlagen hatte, wat in der letzten Zeit Geld im Hause, und die Murawjowa erzählte, sie würden „bald reich werden". Pantschenko schrieb und erhielt viele Briese. Er reiste ost nach Wilna, wo er lwie er sagte) einett sehr reichen Patienten behandle. Preobrashenski bezeichnete Dr. Pantschenko als einen Mann, dem man alles Zutrauen dürfe. Die Polizei ging ber Spur nach, und sie gelangte zu überraschenden Ergebnissen. Pantschenko, ber über sechzig Jahre alt ist, hat ein Leben hinter sich, bas in bic Helft en Tiefen ber Menschheit geführt hatte. Er war bem Trunk nnb allen Ausschweifungen ergeben gewesen Er wat
von einer Straßendirne ausgefallen worben unb hatte in den Höhlen der Verkonp
Wie uns ein weiteres Privat-Telegramm aus Paris tnelbet, sollen in einer ber nächsten Parlaments-Sitzungen von sozialistischer Seite die Gerüchte übet die franco-russische Allianz zur Sprache gebracht werden, um die Regierung zu einer Erklärung zu zwingen, da Pichons gestrige Darle- nicht genügend Klarheit geschaffen
verfolgten Unschuld und des geknickten Rechts zu trauter Harmonie einen dürfe. Nun bat man Herrn Hoffmann zwar nicht zum Märtyrer gemacht, aber man hat ben Konvent ber Senioren allzu eilfertig ... in ben Fasching geschickt, während Genosse Hoffmann schmun- -clnd die Pritsche schwingt. Unb uns dünkt: Das Eine ist so übel wie das Andere, unb es wirkt tatsächlich mehr komisch als tragisch, wenn man steht, wie ber Konvent der Senio- reen aus geruhiger Werkstatt verschwindet, wenn's einem Hitzigen beliebt, die spitze Zunge der Leidenschaft stechen zu lassen. Die Grundmauern parlamentarischer Ordnung sollten eigentlich f e ft e r stehen, als daß sie schon durch den Tontopf radikaler Unhöflichkeit (wie weiland Jerichos morsches Stadtgemäuer) zum Einsturz gebracht werden könnten! **
Sonnabend, den 4. Febrnar 1911