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Nummer 50.

! Jahrgang.

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Mittwoch, den 1. Februar 1911

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Schwarzseher?

Herr Baffermann in Duisburg.

Je näher die Reichstagswahlen heranrücken, je mehr weiten sich die Herzen und bange Sorge läßt Kleinliches vergessen. Das Heer der Unheilkünder wächst ins Riesenhafte und dem Mann auf der Bierbank wird's gruselig, wenn er gen Himmel schaut, dessen strahlendes Hofsnungsblau keifender Pessimismus mit grauem Gewölk verdüstert. Auch Herr Ernst Baffermann, der »Aesthet vom Rhein", der feinsten Köpfe einer im nationalliberalen Haus, ist unter die Schwarzseher gegangen: In Duisburg hat er am letzten Sonntag in einer von Tausenden besuchten nationalliberalen Versammlung über »Die politische Lage im Reich" gesprochen und dabei die Aengstlichen unter den Lauschern sicherlich das Gruseln spüren lassen. Herr Bassermann attestiert der Regierung des Herrn Theobald von ÄetLmanm Hollweg rund und nett, daß sie auf bin) Vertrauen des Volks keinen Anspruch erheben könne und auch nichts Ernstliches getan habe, um dies Ver­trauen zu erringen. Ihr Ruf zur Sammlung in der gegenwärtigen politischen Hochsaison sei verspätet, gehe im Volke ohne Echo vor­über und das Fazit Bethmann'scher Mühen werde im drohend nahenden Herbst neunzehn- hundertelf ein jähes Erwachen aus leichtfer­tigem Traumschwelgen sein, wenn »Singers rotes Heer" in voller Kriegsstärke zum Hause Wallots marschieren werde. Also sprach Herr Bassermann, und Die, die seinen düstern Worten lauschten, fühlten, wie die Haare langsam zu Berge stiegen.

Wilhelm der Zweite hat einmal gegen die Schwarzseher gepredigt und davon gesprochen, daß die Nörgler di? Freude an Werk und Tak verwässerten. Ma« verstand damals die kaiserliche Kritik am Handwerk der Schwarzseher als übertriebne Zuversichts- äußerung und reklamierte für die Nörgler das altverbriefte Recht der Kritik, das auch durch eines Kaisers herbes Wort nicht aus der Welt geschafft werde. Zweifellos: Kritik ist nütz­lich, denn sie bahnt der Erkenntnis die Wege und regt zum Fortschrittsstreben an; wenn sic aber zum Grundsatz politischer Weisheit wird, wirkt sie als Uebel und verbittert da, wo sie anregen sollte. Wenn int Reichshaus der Kritik Redebächlein plätschern, erachtet man's als recht und löblich, denn die vom Volk Er­wählten sind entsandt, um die Interessen der Reichsgemeinschaft nach Kräften zu fördern und da, wo's not tut, im Stile Dernburgs »die Eiterbeule aufzustechen". Weniger nütz­lich, und sicher auch weniger fruchtbringend ist indessen das Uebermaß kritischer Beize, das jetzt, dem Quell der Wahlkampfängste entsprudelnd, Tag um Tag durchs Land schäumt, bei den Bürgern das Empfinden weckt, daß der »große Kladderadatsch" nah vor der Türe steht und die Gegner bürger­licher Reichsarbeit allmählich zu der Ueher- zeugung führen muß, daß es um den Staat und die Regierung, die in dieser Weise von den ihr Nächsten eingeschätzt werden, wirklich schlecht bestellt ist, und drum der Kampf um die Lederpfühle im Wallothaus im nahen Herbst für die Siegbewußten nur ein harm­los Kinderspiel sein kann.

Herr Bassermann ist von Hause aus we­der Schwarzseher noch Nörgler: er war sei­nerzeit, als Bernhard Bülows sonnenheller Optimismus noch das Vaterland regierte, der fteu'ste Bannerträger munterer Zuversicht, und stand an der Wiege und am Grab des Paarungsblocks als nächster Gevatter und aufrichtiger Leidftagender. Wenn ein Mann dieser wohltemperierten, heitern Wesensart nun plötzlich ins düstere Lager der Pessimisten flieht, und Bethmann Hollwegs tragische Phi- losophen-Mission als Spielrätsel glossiert, verdient der Fall sorgliches Aufmerken. Was hat sich seit den Tagen, da der vierte Kanzler von der Wilhelmstraße zum Tiber zog, in Vaterland und Reich verändert? Dem vier­ten folgte der fünfte Mann im Kanzleramt: kein Causeur, kein Büchmann-Aesthet und kein Blockvater: Ein ehrlicher, grader, wenn auch etwas schwersälligerer Staatsmann mit här­terer Hand und ernsterm Blick, den »der schon etwas abgetragene Mantel des Philo­sophen" nicht übel kleidet, und der das nüch­terne (und im Gegensatz zum Vorgänger: We­niger ideale) Ziel verfolgt, mit tauglichen Mitteln praktische und nutzbringende Arbeit zu leisten. Daß Bülows Rachlaßpfleger bei Peter Spahn und Ernst von Hehdebrand die Marschroute seiner Politik votieren laste, hat der Kanzler mit scharfem Wort bestritten, und schlüssige Beweise für die »gottgewollte Ab­

hängigkeit" des Bethmann - Kurses von »schwarz-blauer Gnade" vermag auch spähen­der Argwohn nicht zu entdecken. Trotz­dem: »Die Regierung hat keinen Anspruch auf das Volksverftauen" und: Es lagert die Finsternis düstern Mißvergnügens auf deut­scher Erde".

Die so sprechen, vergessen, daß des Wahl­kampfs Schatten bereits die Seelen schrecken, und daß die »Forderung des Tags" immer dringlicher ans Gewissen pocht. Der Krieg um die Sitze im Reichshaus wird diesmal erbit­terter sein als seit Jahrzehnten, und cs ergibt sich für alles Bürgerliche in diesem Kampf die natürliche, schon durch den Selbsterhaltungs­trieb bedingte Notwendigkeit, die Kräfte zu sammeln und den Schlag mit geeinter Macht nach der Seite hin zu führen, von der für Reich und Volk die schwerste Gefahr droht. Herr Bassermann hat in Duisburg bereits angedeutet, gegen welchen Gegner die Natio­nalliberalen ins Feld ziehen werden: Ihr Kampf gllt dem Zentrum und der So­zialdemokratie; der nationalliberale Schlachtplan entspricht also dem Sylvesterbrief des vierten Kanzlers und dem alten Grundsatz der Bülow'schen Blocktheorie. Ob sich nach diesem System heut (wo über'm Grab des toten Blocks die Trauerweide längst verblühte) noch Erfolge werben lassen, muß die Zukunft lehren. Des fünften Kanzlers Sammlungsruf steckt andere Ziele, und auch der kritisch Prüfende darfs sich nicht verhehlen, daß die »Sammlung aller nationalen Kräfte" zu nutzbringender und förderlicher Ar­beit ein wertvolleres und erstrebens­werteres Ziel ist, als der Kampf um Dinge, die dem andern Morgen überlassen bleiben können: Die dunlle Brille des düstern Pro­pheten ist heut weniger nötig, als der helle Blick der Zuversicht und der kühle Kops nüchterner Vernunft, und auch Hrrrn Bassermanns Rede wäre lieblicher zu hören gewesen, wenn man ihn als Prediger der Tat und nicht als tragischen Seher grauen Unheils am Rhein gesehen hätte! **

Der Kaiser-Delegierte.

Bergmann Schröder norm Schwurgericht.

(Bericht unseres Korrespondenten.)

Unter gewaltigem Andrange des Publi­kums begann gestern früh vor dem Essener Schwurgericht das Wiederaufnahmever­fahren in dem großen Meineidsprozeß Schrö­der und Genossen, der vor nunmehr sechzehn Jahren weit über die Grenzen des Jndustriereviers hinaus die Oeffenüichkeit be­schäftigte. Wir haben bereits dieser Tage die Geschichte dieses Monstre-Prozeffes, der jetzt im Wiederaufnahme-Verfahren abermals zur Ver­handlung kommt, erörtert. Ueber den Beginn der neuen Verhandlung berichtet unser Korrespondent aus

Essen, 31. Jarmar.

Das Hauptinteresse in der gesftigen Ver­handlung wendet sich naturgemäß dem Hauptangeklagten Schröder zu, der, ebenso wie seine Mitangeklagten, sehr ernst und blaß aussteht. Der Vorsitzende Landgerichtsdtrek. tor König ersucht die Geschworenen in einer Ansprache, ohne Voreingenommenheit an ihre schwere Aufgabe heranzutreten, und sich nur von ihrer Gewissenspflicht leiten zu lassen. Nach der Personalfeststellung beginnt die Vernehmung der Angeklagten, die im wesentlichen keine neuen Momente er­gibt. Schröder schildert in ruhiger Weise den Verlauf der in Frage kommenden Versamm­lung und behauptet wieder, daß er von dem Gendarmen zweimal gestoßen worden sei, so­daß er zu Boden fiel. Seine Mitangeklagten schließen sich seinen Aussagen an. Der An­geklagte Meyer, der an zwei Krücken geht und sich nur mühsam aufrechterhält, darf bei seiner Vernehmung sitzen bleiben. Er erklärt, sein Morgen- und Abendgebet wäh­rend der Sftafverbüßung sei gewesen, daß er unschuldig im Zuchthaus sitz«; er habe dadurch alles verloren: Frau, Kinder und Ettern. In der Zeugenverneh- mung behauptet der sozialdemokratische Reichstagsabgeordnete Hue, daß durch die Art der Fragestellung in dem ersten Prozeß die damaligen Zeugen und jetzigen Angeklagten verwirrt worden seien. Der Zeuge Münter habe damals seine Aussage in birei Versionen vorgebracht und sich in Widersprüche verwickelt, ohne daß ihm diese vom Vorsitzenden vorgehalten wurden. Auch der Zeuge Journalist Dr. Rütgenau, seinerzeit Redakteur der »Arbeiterzeitung", hat in dem Meineidsprozeß die Empfindung gehabt, daß in den Aussagen des Gendarmen Münter ein schroffer Widerspruch enthalten war. Verschiedene Zeugen haben sich mit Schröder über ken politischen Mein­

eid unterhalten, aber haben diese Art des politischen Kampfes scharf verurteilt. Es werden dann die Aussagen des verstorbenen Gendarmen Münter verlesen. Münter gibt darin lediglich als »möglich" zu, daß er mit seinem Leibe Schröder berührt haben könne. Dabei müsse Schröder gestolpert sein, sodaß er hinfiel. Von den behaupteten zwei Stößen will Münter nichts wissen.

Wie uns ein Telegramm unsres Essener Korrespondenten meldet, wurde in der heutigen Verhandlung die Zeu­genvernehmung fortgesetzt. Die Aussagen der meisten Zeugen lauten für die Angeklagten außerordentlich günsftg und es ist wahrschein­lich. daß schon am Mittwoch der Prozeß zu Ende geführt werden kann, da sich nach den be­stimmten Bekundungen der Hauptzeugen die Vernehmung zahlreicher anderer Zeugen er­übrigen dürfte. Die Verteidigung der Ange­klagten rechnet bestimmt mit einer Rehabili­tierung Schröders und seiner Mitangeklag­ten. Den heutigen Verhandlungen wohnt im Auftrag des Justizministeriums ein hoher Justizbeamter bei.

6in Philippinen-Drama.

Fünf Dörfer durch Bulkanausbruch zerstört. (Telegraphische Meldungen.) Depeschen aus Manila berichten über einen folgenschweren Vulkan-Ausbruch auf den Philippinen, durch den fünf starkbevölkerte Dörfer vernichtet und zahlreiche Menschen getötet worden sind. Der ganze Um­fang des Ereignisses läßt sich noch nicht über­sehen, da die Meldungen aus Manila nur spär­lich eingehen und eine telegraphische Verstän­digung mit der am schwersten betroffenen Insel bisher nicht möglich war. Es liegen uns bisher über die Katastrophe folgende Drahtmel­dungen vor:

Manfta, 31. Januar.

Die Städte leiden in einem Umkreise von zwanzig Meilen unter einem Regen von Schlamm und Steinen infolge eines vul kanischen Ausbruchs des Taal. Die Eingeborene« verlassen die Dörfer und fliehen in die Berge. Zwanzig Einge­borene sollen in einer Flutwelle umge­kommen fein. Der Ausbruch des Bullans Taal erfolgte in der Morgenfrühe deS gestrigen Tages und war von einem schwere« Erd - und Seebeben begleitet, das eine mächtige Flutwelle über die ganzen Philip­pinen trieb. Stundenlang dauerte der Nieder­gang des von dem Vulkan ausgeworfenen Steinregens und der Lavaströme, von denen fünf Dörfer und mehre re Plan­tagen vollständig begraben w«r de«. Es läßt sich zur Zeit noch nicht feststellen, wie viele Personen der Katastrophe znm Opfer gefallen sind, doch steht fest, daß außer de« Opfern der Flutwelle auch zahlreiche Einge­borene bei dem Erdbeben u«Ä unter dem furchtbaren Steinregcn z«gründe gegan­gen sind. Eine der kleinen Inseln ist gänzlich verwüstet und man befürch­tet, daß ihre sämtlichen Bewohner Opfer der Katastrophe geworden find. Die Flut­welle hat ungeheuren Schaden angerichtet, und heute früh wurde ein neues Seebeben verspürt, das aber keinen weiteren Schade« anrichtete. Am Taal ist die ganze Gegend eine einzige Trümmerstütte «nd der Vulkan wirft «och immer Menge« vo« Lava und Steinen aus. Der Lavastrom dringt unaufhaltsam weiter vor und droht, neue Verheerungen anzurichten. Die Lavamassen habe« tut zahlreichen Stellen Brände verursacht, in denen ebenfalls viele Eingeborene umge­kommen find. Ma« schätzt die Gesamtzahl der Menschenopfer nach de« bisher vorlie­genden Meldungen aufmindestenSTau- send wahrscheinlich ist, aber die tatsäch­liche Berlustzifser noch weit größer. Jede« Augenblick treffen hier in Manila nette Schreckensmeldungen vom Schau­platz der Katastrophe ein, ditz eine der schwersten ist, die die Philippinen je beiros­se« haben. Während der Katastrophe beob- achtete man in Manila seltsame Ratnrer- scheinungen: Der Himmel sah grünlich- gelb aus und durch die Luft zuckte Blitz um Blitz, während unablässig Gewitter niedergingen.

Der Vulkan Taal gehört mit bee Dullanen Mahayhay und BuguiaS zu der westlichen der beiden Vulkanketten, von denen die Philippi­nen durchzogen werden und die sich sämtlich auf tertiärem Gelände erheben. Der Vulkan Taal liegt an einer Bucht der Sankt Bernan- dinostraße zwischen den Inseln Mindoro und Luzon. An seinem Fuße führt die Bahnstrecke nach der Holenstadt BattngaS vorbei; der Taal

erhebt sich bis zu einer Höhe von etwa drei­tausend Metern und besitzt als einziger der Philippinen-Vulkane einen großen Kratersee. In neuerer Zeit waren im Innern des Vul­kans Eruptionen nicht mehr erfolgt.

Die Tragödie eines Prinzen.

Der Selbstmord des Prinzen Pomm Tschien. (Vonunserem Korrespondenten.)

Wie wir dieser Tage bereits telegraphisch berichteten, hat sich in einem der entlegenen, vom ärmeren Mittelstand bewohnten Vor- orte Petersburgs, im Stadtteil Nowoja Dere- weja in feiner bescheidenen Wohnung der frühere Gesandte Koreas am russische« Kaiserhofe und Vetter des entthronten Kai­sers von Korea, Prinz Pomm Tschie» a« einem Lampenhaken erhängt. Einer der Vertreter des ältesten Dynastengeschlechts der Erde hat auf diese tragische Weise, fern von der Heimat, ein ärmliches und trauriges Ende gefunden. Ueber die Tragödie des Prin­zen werden uns jetzt folgende Einzelheiten be­richtet:

Petersburg, 29. Januar. 1

Der Prinz lebte, da seine Güter von de» Japanern konfisziert sind, bescheiden und zurückgezogen mit seinem Sekretär und sei­nem Diener in einer Wohnung von sechs Zimmern. Am vorigen Donnerstag knall­te« in feinem Schlafzimmer plötzlich meh­rere Schüsse, und als man die Tür sprengte, sah man den Prinzen am Lampen- haken hängen: in der Hand einen Re­volver, aus dem er in der Agonie Schüsse abgegeben hatte. Der Prinz war tot. In einigen an den Kaiser von Korea und an mehrere Freunde hinterlassenen Briefen er­klärte er, er habe den Untergang Ko­reas nichf verwinden können. Der Prinz hatte vor einigen Tagen bei einem hiesigen Beerdigungsbureau eine größere Summe für die Ueberführung einer Leiche nach Korea hinterlegt, und feine Woh­nungseinrichtung einem Möbelhändler ver­kauft. Er hinterläßt einen in Petersburg lebenden Sohn. Ein Freund des Verstor­benen gibt von dem Prinzen nachstehende Schilderung: Prinz Pomm Tfchien war im Jahre 1863 geboren. Seine Jugend ver­brachte er sorglos im Kaiserpalast zu Söul. Später war er Justizminister und Hofmini st er. Seine liberalen Anschau­ungen veranlaßten ihn dazu, alles daran zu setzen, um in Korea die Konstitution einzu­führen, doch scheiterten seine Bemühungen an dem Widerstand der reaktionären Par­tei. Während des Umsturzes, der der Kaiserin von Korea das Leben kostete, spielte er eine hervorragende Rolle: Er be­freite den Kaiser und brachte ihn aus der Gewalt der Japaner in die russische Ge­sandtschaft. Nachdem das Land sich beruhigt hatte, gewann der Prinz Einfluß auf den Kaiser, doch verfiel dieser bald wieder der japanfreundlichen Partei, die den Prinzen als ihren gefährlichsten Gegner betrachtete Der Prinz sah feilt Leben bedroht, und ging schließlich, um sich vor Nachstellun­gen zu sichern, als Gesandter nach Washing­ton, wo er vier Jahre verbrachte. Nach kurzem Aufenthalt in Paris und Loudon traf er neunzehnhundert in Petersburg ein, wo er am russischen Kaiserhof aSrebibiert war. Prinz Pomm war ein ausgesprochener Rufsenfreund und ein überzeugter Hasser Japans. Nach dem Verlust der koreanischen Selbständigkeit lebte er hier als Privatmann. Sein Leben war zerstört und er verfiel einer tiefen Melancholie. Am Vorabend seines gewaltsamen Todes plauderte er mit mehreren Freunden in einem der fashionablen Restaurants; er war wortkarg und äußerst niedergeschlagen, was man aber dem Gesprächsthema zu­schrieb, das sich um Korea drehte. Am an­dern Tag in der Frühe machte er dann sei­nem Leben ein Ende . . .

In Petersburg weckt das tragische Ende des Prinzen allgemeine Teilnahme und die russischen Behörden sind angewiesen worden, alles zu tun, um die Ausführung des letzte« Willens deS Toten zu erleichtern. Der Sohn des Prinzen, dem der Vater angeblich wich- tifle politische Dokumente anvertraut haben soll, wird in einer russischen Militär­anstalt erzogen und soll später in die rus­sische Armee eintreten. O. G.

6ine Frau und Mutter.

Lätttia Bonaparte, Napoleons Mutter.

(Vonunserm Korrespondenten.)

Am zweiten Februartag werden fünfund­siebzig Jahre, daß Lätitia Bonaparte, oder (wie sie nach der Krönung Napoleons