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Casseler Neueste Nachrichten

Nr. 49. 1. Jahrgang.

über den polnischen Bestrebungen erst dann errungen wird, wenn das Enteig­nungsgesetz aus alle zweisprachigen Lan­desteile im Osten ausgedehnt und daneben cm Gesetz zur Verhinderung schädlicher Par- , zellierungen gcschasfen wird.

Wir haben bereits darauf hingewiesen, aus ' welchen beachtlichen Gründen eine Einverlei­bung der Reichslande in das Königreich Preu­ßen nicht wünschenswert erscheint. Diesel­ben Bcd'clcken hat in seiner Sonnabendrede auch der Reichs kanzer zum Ausdruck ge­bracht, und im Reichstag selbst besteht ebenfalls bei der Mehrheit keine Neigung, durch die Einverleibung im Süden des Reiches und im Reichstag selbst böses Blut zu machen. Und was die Enteignung anbelangt, so darf von unserer Dftmarkenvolitik gesagt wer­den, daß sie den tatsächlichen Bedürfnissen Rechnung trägt und eine Verschärfung deshalb ruch hier nicht erforderlich erscheint. -n.

* Zer Zug des Todes.

"" (Telegraphische Meldungen.)

Der Schreckenszug der Pest nimmt unauf­haltsam seinen Weg und die Nachrichten aus China und der Mandschurei lausen täglich betrüblicher. Zu dem Schwarzen Tod 'gesellt sich nun auch noch die Cholera, die Unter den nach dem Armen entsandten Trup­pen und unter der Bevölkerung große Ver- 'cheerungen anrichtet. Depeschen aus Hoheida berichten von . Hunderten von Ovfcrn, die dort die Cholera täglich fordert. Unter der Bevölkerung herrscht eine Panik, und zanze Dörfer sind von den Bewohnern verlassen worden. Ueber die Pest-Evidemie im fernen Osten berichtet uns ein. Privattclegramm aus

Paris, 30. Januar.

v Der französische Professor am Kaiser­lichen Kollegium in Tientsin, Eh ab an eir, . aer gegenwärtig eine Quarantänestation in ' Sch anhe.ikvan testet, telegraphiert an ne hiesige medizinische Fakultät: Die jetzige

. Pestepidemie tritt in Form von Lungen­pest aus und zeichnet sich durch besondere Scharfe aus. Zweifellos trägt die Kälte zur Verbreitung der Pest bei, so daß wahr­scheinlich auch noch die B u b o n c n p e st in kurzer Zeit zum Ausbruch kommen wird. Gestern wurden auf Befehl des Gouverneurs . vpn Chardin zweitausend Leichen ver­brannt. Die Erde ist so fest gefroren, daß man selbst durch Dynamitsprenqung kein .. Grab Herstellen konnte. Man mußte die Leichen deshalb verbrennen. In Mulden sind von hundert Pestkranken inner« - halb eines Tages zweiundneun Hi g gestorben. Die chinesische Regierung ent­sandte Truppen an die große Mauer, um das Herüberströmen von Kulis zu verhin­dern, die aus Mulden und den benachbarten - mandschurischen Städten nach China fliehen. vS« Peking selbst wurden bisher amtlich nur zehn Pestfälle konstatiert. Die Polizei arbeitet 5 an der Ausrottung der Ratten, von denen täglich Tausende vertilgt werden. Verseuchte Häuser wer­den n i e d e r g e b r a n n t. Pcstverdächtige, sowie die mit' ihnen in Verbindung ge­kommenen Personen werden isoliert, doch : erweisen sich alle diese Maßnahmen als we­nig erfolgreich, und die Epidemie greift im- mer toiitfr um sich.

Die Berichte der Charbiner Presse über die Pest lauten geradezu entsetzenerre­gend. In Fudsadan und auf den Stra­ßen der Umgegend llegen die Leichen dutzend- und Hundcrtweise um­her. Sie werden von herrenlosen H und eh benagt und von Raben und anderen Vögeln gefressen, die die Pest über das ganze Land verschlep­pen. Gegen derartige Infektionsträger sind alle Schutzmaßregeln der Welt nutzlos. Zahl­lose Leichen werden in den Sunghari- fl u ß geworfen, von wo aus sie in den Amur

Jas Gold der Ade.

Sechs Millionen Kilogramm Gold.

(25 on unserm Korrespondenten.)

Die Goldfundc in der Eifel lenken wieder einmal die Aufmerksamkeit auf die Goldge­winnung in den verschiedenen Ländern. Bei der Frage, wer als Goldproduzent in Betracht kommt, muß zunächst zwischen solchen Ländern unterschieden werden, deren Boden selbst das kostbare Metall enthält, und solchen, die die Golderze aus anderen.Ländern beziehen, um daraus das Edelmetall fabrikationsmäßig herzustellcn. Es würde zu weit führen, die «beschichte der Goldgewinnung bis in das graue Altertum hinein zu-verfolgen. Spielte doch das Gold schon bei den Aegyptcrn, die.daraus,tm siebzehirtcn Jahrhundert vor Christi Münzen Herstellten, eine große Rolle. Wo allerdings das jur Zeit Salomos so ertragreiche Goldland Sphir zu suchen ist, darüber gehen die Ansich­ten der Gelehrten auch heute noch weit ausein­ander. Nächst Aegypten waren verschiedene Gebiete in As i em« besonders Indien und die ^Gegend im K aukasus ihres Goldteich- tums wegen berühmt. In späteren Jahrhun­derten betrieben Karthager und Römer auf der Iberischen Halbinsel eine umfangreiche und er- iragdrinacnde Goldgewinnung, und auch in anderen Teilen Galliens, ferner in Siebenbür­gen,. in den Karpaten und in den Taurischen HWn existierten zu jener Zeit regelmäßige Geldwäschereien.

Im Mittelalter gelangte Böhmen als Goldland zur Blüte, bis es von den östlichen Alpenländern verdrängt wurde. Aber in ganz Europa bat sich die Goldproduktion während des 18. und der ersten.Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts M keiner besonderen Höhe em- porzuschwiugen vermocht. Größere Erfolge wlwden in außereuropäischen Ländern erzielt, so zum Beispiel in Meriko, dessen Silbererze ganz:besonders.reich an Goldgehalt waren. Im achtzehnten -Jahrhundert - kamen dann noch Dra silicn mit feilten durch die Paukisten

gelangen und auf diese Weise den Schwarzen Tod weiter ins Land hineintragen. «

Geradezu heroisch ist der französische Arzt Meunier gestorben, bei sich bei der Unter­suchung eines Pestkranken infizierte. Er selbst diagnoszierte seine Erkrankung an der Pest und bestellte sich, da er in einem Hotel in Char - b i n wohnte, selbst einen Wagen, um nieman­den von seiner Umgebung anzusteckcn. Dann hüllte er sich in ein mit Sublimatlösuug ge­tränktes Laken und fuhr nach der Pestbaracke ab. Dort angckommen, erklärte er. seinen Kol­legen, daß er nach zwei Tagen tot sein werde. Er bat nur, seine Angehörigen von seinem Tode zu benächrichtigen. Alle Bemü­hungen der russischen Kollegen, ihn zu retten, waren vergeblich, und nach zwei Tagen erlag der Held dem Schwarzen Tod . . .

Re Politik des Lages.

rN-Der ,,Prediger in der Wüste". (P r i - vat-Telcgramm.) Aus Duisburg wird uns depeschiert: Ter nationalliberale Ab­geordnete Basfermann sprach hier gestern nachmittag fh einer großen nationaLiberalen Versammlung über die p olitische Lage im Reiche. Bassermann richtete im Verlaufe der Ausführungen die Mahn u n g an die Re­gie ru n g, sich nicht zum Werkzeug einer ein­seitigen Jnteressenpolstt.it machen zu lassen. Unter den gegenwärtigen Umständen habe sic .keinen A n sp ruch auf Ver­trauen, das sie so sehr nötig habe. Ihr Ruf zur Sammlung in der gegenwärtigen politi­schen Hochsaison sei verspätet und gehe im Volke ohne. Echo vorüber. Bei den kommenden ReichstagswMen gelte der Kamps der Nätio- nallibcralcn in. erster Linie ihren beiden größ­ten Gegnern, dem Zentrum und der Sozi­al d e m ok r ati e.

gP Sturmzeichen in Portugal? <T el c - graphische M e l d u n g c rt.) Nach einet in Paris aus Lis so b o u eingetroffenen De­pesche, haben im 'Lause des gestrigen Nachmit­tags in verschiedenen' Städten des Landes be - benf Hefte Manifestationen stattge­sunden. Augenscheinlich ist das- Telegramm durch die Zensur verstümmelt worden. Man weiß noch nicht, nm was es sich handelt und g c g e n w e n die Manifestationen gerichtet wa­ren. Dahingegen meldet uns ein Spezial- Tel egra m m aus Rom:

In vatikanischen Kreisen hat man die Bestätigung erhalten, daß eine schwere Krisis in der portugiesischen Republik bestehe. Die Propaganda, die für die Wiederaufrichtung des Kö­nig s r e i ch s und des früheren Regimes ge­trieben wird, sei im Norden des Landes be­sonders lebhaft, und gebe zu den e r n st e st en Befürchtungen Anlaß.

Fenier wird aus Lissabon berichtet: Das BlattDiario de Roticias" behauptet, die Negierung wolle dem ehemaligen König Manuel eine monatliche Entschädigung von WO Pfund Sterling zahlen. Die Schecks für Oktober bis Dezember seien an den König bereits abgegangen.

tiS Die Arbeiter von Barcelona. (Spe­zial-Telegramm.) Wie uns aus Barce­lona berichtet wird, veranstalteten dort gestern abend zweitausend Ar b e i t c r, die in­folge des Eintreffens von Streikbrechern ar­beitslos geworden sind, auf den Hafenquais eine K u nd g evnng und brachten Hochrufe auf die Republik aus. Gegen einen Streikbrecher wurde aus einer Gruppe von Ausständigen zwei Schüsse abgegeben, wo­durch der Mann verletzt wurde. Gegen einen anderen Streikbrecher wurden fünf Schüsse ab­gefeuert, von denen ihn zwei leicht und einer schwer verletzte. Der Zustand des Mannes ist hossnungslos. Es wurden zahlreiche Verhaf­tungen vorgenommen.

Politische Chronik.

Nach einer Meldung aus Hamburg hat sich das Befinden des Generaldirektors der Hamburg-Amerika-Linie, B a l l i n, nach der gut verlaüfenen Bliuddarmoperation so erfreu­lich gebessert, daß er sich bereits heute zur

entdeckten Goldlagerstätten, Peru, Chile, Columbien, Venezuela und Niederlän­disch -Guayana als Goldländer hinzu. Am Anfang des neunzehnten Jahrhunderts wurde die südamerikanische Goldproduktion durch die großartigen Funde am Ostabhang des Urals weit überflügelt, der noch um die Mitte des vo­rigen Jahrhunderts fast das doppelte Quantum wie Südamerika und dreiviertel alles auf der Erde gewonnenen Goldes lieferte.

Die Entdeckung der Goldfelder im Westen von Nordamerika und Australien brachte der Goldproduktion einen ganz unge­ahnten Auschwung, und 1896 trat auch Ka­nada in die Reibe der Goldländer ein, nach­dem in den siebziger Jahren der Goldmarkt durch Zufuhr aus Südafrika eine wesentliche Steigerung erfahren Hatte. Angesichts der Schwankungen der Goldproduktiön im Lauf der Zeiten, die einerseits auf die zunehmende Aus­beutung der entdeckten Goldlagerstätten, ande­rerseits auf die Vermehrung der Produktions­gebiete' zurückzuführen ist. ist es schwer, einen einheitlichen U eberblick über die bisher erzielte Goldgewinnung aller Zeiten zu erhalten.

Was Deutschland betrifft, fo hat die Goldgewinnung einen wirklich nennenswerten Umfang erst innerhalb der letzten dreißig Jahre angenommen. Hier sind es hauptsächlich ame­rikanische und australische Erze, die zur Verar­beitung Klängen. Wurden in den fünfziger Jahren des achtzehnten Jahrhunderts nur we­nige Kilogramm erzielt, so konnten um das Jahr 1900 herum bereits 3000 Kilogramm in reinem Golde hergestellt werden, wovon aller­dings nur 100 Kilogramm auf in Deutschland selbst gefundene Erze zurückzuführen sind. Im Vergleiche damit lieferten die Vereinigten Staaten 11ÖÖ0Ö Kilogramm, Australien 110 000 Kilogramm, Rüßländ 30 000 Kilogramm und Südafrika 13 000 Kilogramm Gold, Ter Gold­wert, der auf-hier ganzen Erde in barem Golde existiert, wird um das Jahr 1900 herum auf 20,3 M illiurden Mark geschätzt; es entspricht dieser Wert einer Menge von etwa sechs Millionen Kilogramm. In der

völligen Wiederherstellung nach Meran be­geben kann.

Wie aus Essen verlautet, erklärte der sozialdemokratische Reichstagsabgeordnete H u e in einer Gewerkschaftsversammlung^ die lei­tenden Kreise der in der-Lohnbewegung der Ruhrbergleute zusammengebenden Bergarbei­terverbände hätten bisher überhaupt nicht von einem Streik gesprochen und arbeiteten auch nicht auf einen Streik hin.

Aus Prü s s e l meldet uns ein Stz,e - zial-Telegramm: Der Besuch des Prä­sidenten Falliere am hiesigen Ort wird nunmehr, wie definitiv festgestellt ist,. Ende April kurz Nach Lern Osterfeste erfolgen.

Wie aus- Stockholm berichtet wird, be­schloß die schwedische interparlamentarische Friedensgruppe, für den diesjährigen Rob c.l- Friedenspreis den. deutschen. Redakteur Alfred Fried und die von ihm gegründete deutsche Friedensgesellschaft in Vorschlag zu bringen. Fried ist Herausgeber der von Berta von Suttner hegründeten ZeitschriftDie Friedenswärte".

Wie aus Konstantinopel berichtet wird, hat an der Hedschasbahn ein neues Gefecht stattqefunden, das mit einer Niederlage der Beduinen endete. Die Beduinen verloren über dreihundert Tote, Verwundete und Ge­fangene. Die Truppen hatten achtzehn Tote und fünfnnddreißig Verwundete.

In Petersburger Hofkreisen zirkuliert das Gerücht, die älteste Tochter des Zaren, Groß­fürstin. Olga, die das 15. Lebensjahr zurück- aelegt hat, sei mit dem Großfürsten Dimitri Pawlowitsch, einem Neffen des Zaren, und Sohn des Großfürsten Paul Alexan- d r o w it sch,'verlobt worden

Neues Dom Tage.

Hedwig alsBaronesse."

(Von unserm Korrespondenten.)

Man schreibt uns aus Königsberg in Preuße rt : Wozu es ein Dienstmäd­chen bringen kann, wenn es die nötige Un­verfrorenheit besitzt, das zeigt die Laufbahn des Hausmädchens Hedwig Müller, das wegen abgefeimter Schwindeleien hier verhaftet worden ist. Das Mädchen entstammte einer ganz armen Arbeiterfamilie, kam als Dienstbote in gute Häuser und eignete sich dabei im Laufe der Iahte die äußeren Allüren einet Dame an.

Am Ende behagte ihr aber dasDienst­botenelend" nicht mehr, und sie verwandelte sich über Nacht in . . . eineBaronesse Ruth v o u H o t n", mietete sich ein hübsches Zimmer und lebte nun von dem, was ihre Verehret ihr spendierten oder was sie ergau­nerte. Die neue Baronesse brauchte natürlich auch seht feine. und schicke Garderobe, um ihrem Stande gemäß gekleidet zu fein. Sie bestellte daher bei hiesigen Geschäften munter darauf los, ohne ans Bezahlen zu denken. Die Schulden wurden schließlich recht erheblich, und so verschwand sic eines Tages, unter Mit­nahme verschiedener, ihren Wirtsleuten gehö­rigen Gegenstände. Sie tauchte unter anderem Namen in einem anderen Stadtviertel auf und machte von da aus Gastspielreifen in die P r o b in z, wo sie ebenfalls eine ganze Menge leichtgläubiger Personen prellte. Nirgends hielt sich dieBaronesse" lange Zeit auf, fodaß sie der Polizei, die ihr bald auf den Ferfen wat, stets entging. Als ihr der ostpteußische Boden doch zu heiß wurde, ging sie nach Berlin, wo sie.sich in eineStudentin" umwandelte und vermöge ihres ungemein sicheren und gewandten Auftretens Anschluß an vermögende. Kommilitonen fand. Schließ­lich beging sie aber, nachdem sie in Berlin verschiedene Schwindeleien und Diebstähle verübt hatte, die Unvorsichtigkeit, wieder auf dem alten- Schguplatz ihrer Tätigkeit, in Königsberg, zu erscheinen, wo sie nun endlich von der Polizei feftgenomen wurde, die nun dafür sorgen wird, daß dieBaronesse Ruth von Horn" ihrerVergangenheit" wieder zurückgegeben werden wird. rs.

Reihe der goldverwertenden Länder stehen die Vereinigten Staaten mit 25 000 Kilogramm an der Spitze. Es folgen Großbritannien mit 23 000 Kilogramm, Frankreich mit 20 000 Kilo­gramm und Deutschland mit 10000 Ki­logramm. In Deutschland sind im Laufe des Jahres 1898 zirka 30 Millionen Mark Gold­münzen für gewerbliche Zwecke eingeschmolzen worden; außerdem wurden zur selben Zeit von der Scheideanstalt zirka 20 Millionen Mark Gold der Industrie überlassen, sodaß diese in­nerhalb eines Jahres etwa 16 000 Kilogramm Feingold verarbeitete. Von dieser Verarbei­tung gehen ungeheure Werte verloren. Dieses sogenannte Verlusts old wird jährlich auf nicht weniger als 15 Millionen Mark geschätzt. E. G.

Kleines Feuilleton.

DasLagenland Atlantis" entdeckt? Aus Lome (Westastika) meldet ein Tele­gramm: Nach hier eingegangenen brieflichen Nachrichten hat L e 6 F-r öbenius, Chef der deutschen inner afrikanisch en For­sch ungsexHe-di t-iwn, im benachbarten Hin­terlande Entdeckungen gemacht, die er mit dem sagenhaften All aut i s in Zusammen­hang bringt. Als wichtigstes Beweisstück da­für dient ihm ein von ihm ausgegrabener an­tiker BronzekvPf von hochkünstlerischer Arbeit, mit den Insignien des Possiden, der nach den Ueberlieferungen der Eingeborenen der Gründer jenes Staates ist, von dessen Exi­stenz ihre Sägen berichten.- Dieser Gott wird bei ihnen noch heute alsOlokurtk, das heißt: Gott des Meeres" verehrt. Der Typus dieses Kopfs, von dem Skizzen und Photographieen eingesandt wurden, hat n i ch ts Negerhaf- tes. Der Köpfest in verlorener Form, also innen hohl, die Oeberslächertbchandlung so schön wie bei einein erstklassigen Guß des Al­tertums, das Gesichts borträtlebenbia und von

Dienstag, 31. Januar 1911.

Alfonso «nd 6na.

Der PariserJnttansigeant" brachte dieser Tage nach den Angaben eines angeblich sicheren" Londoner Berichterstatters, der über alles, was das englische Königshaus betrifft, genau informiert fein soll, eine sensationelle Mitteilung, in der es wörtlich h'ieß:

Eine europäische K ö n.r g i n, die mii dem englischen Königshausc nahe verwandt ist, hat die Absicht, sich von ihrem Gatten zu trennen und in ihre Heimat zurückzukehren. Jedermann, auch die Königin, weiß, daß der junge König, der viele Jahre lang von einer strengen Mutter bevormundet und unter Aussicht gehalten wurde, sich nach seiner Verheiratung alle erdenklichen Freiheiten nahm. In Paris, wo er einmal ein viel, besprochenes Liebesabenteuer hatte, unterhält er noch jetzt Beziehungen zu einer Frau, deren Lächeln ihn schon oft über die Sorgen der Regierungs­tätigkeit Hinwegtrösten mußte. Seine häufigen Exkursionen und fein Fernbleiben vom Hose haben der Königin schon großen Kummer be­reitet, und sie hat sich nur schwer darein fügen können; sie hat das alles drei Jahre lang ge­tragen, soll aber jetzt entschlossen fein, es aufs Aeußerste ankommen zu lassen und selbst vor einem Skandal nicht zurückzuschrccken. Man sucht sie zu beruhigen; es ist aber sehr fraglich, ob es gelingen wird. Es heißt, daß man ihr vor allem vor Augen zu führen sucht, daß auch der Vater ihres Mannes kein Muster ehelicher Treue war und sich trotzdem überall beliebt zu machen wußte.

Die Anspielung des Berichterstatters auf das spanische Königspaar ist zu deut­lich, als daß irgendwelche Zweifel über die hier genannten Personen, auskommen könnten. Spanischerseits wird allerdings bestritten, daß das Eheglück des Königspaares getrübt fei, und es wird behauptet, daßdas Einvernehmen zwischen König Alfonso und feiner Gattin Ena niemals gestört gewesen sei. Die Ehe erfreue sich vielmehr einer seltenen Har - moni c."

Lr Ein Raubmord um zehn Mark. Vor den Toren Berlins in der Nähe des an der Nordbahn gelegenen Ortes Stolpe wurde an einem Feldweg die vicrunddreißig Jahre alte Ziegeleiarbeiterfrau Pauline Gorgo- linski ermordet aufgefunden. Die Fran war ihrer Barfchaft, bestehend aus zehn Mark, beraubt worden. Von dem Täter fehlt jede Spur. Schwere Kratzwunden im Ge­sicht lassen schließen, daß ein hartnäckiger Kampf mit dem Mörder stattgefunden hat, Ur- fprünglich nahm man an, daß es sich um einen Lustmord handle. Die ärztliche Untetsuchung ergab, daß dies nicht der Fall ist. Der Tod wurde durch Erdrosselung herbeigeführt.

zx Schlesien unter Wasser. Aus Bres­lau wird uns berichtet: Die anhaltenden Re­gengüsse haben in verschiedenen Teilen Schle­siens Ueberschwemmungen verursacht. So hat die Bartsch ausgedehnte Flächen Landes von der Mündung in die Oder bis hin­auf zu den Ortschaften Zeippern, Mech- lau und Schabenau überflutet. Auch der Queis ist stark gestiegen und hat bei S i e ge r s d o r f die angrenzenden Wiesen un­ter Wasser gesetzt. Bei L a u b a n ist der A lt - Laubanbach, der schon oft Unheil angerich­tet hat, aus feinen Ufern getreten.

zx Eine Strasicnbahntragödie. Einem Te­legramm aus Bonn zufolge überfuhr gestern die Dampsstraßenbahn B v n n - M e h l e m den Univerfltätsprofessor Geheimrat W i l Helm W i l m a n s, der schrecklich verstümmelt wurde und sofort tot war.

zx Der Mörder Löhmer verhaftet. Nach einem Telegramm aus H il d e n ist der seit drei Monaten von der Polizei gesuchte Mör­der Löhmer verhaftet worden. Löhmei hatte in der Nacht zum Allerheiligen-Tag vori­gen Jahres den Arbeiter Butz mit einem Spaten aus seinem Versteck heraus erschla­gen. Löhmer gab bei seiner Vernehmung

oben bis unters Kinn mit einer am Hals ver­lausenden Tätowierung in Paralellinien ganz fein überzogen, einer Tätowierung, wie sie ge­nau so beute noeft bei dem Volke dieser Ge­gend blich ist. Die Sagen dieses Volkes be­richten auch von einer berfunlenen Kö­nig s st a d t des Olokun, deren Burg von einer inneren Messingmauer geschützt war. Frobenius erinnert an den Bericht P l a- tos über Atlantis, der mit seinen Funden so stark übereinstimme.

üMadame Butterfly" in Cassel. Aus dem Bureau der Intendantur der Königlichen r Schauspiele wird uns mitgeteilt: Die Puccini- sche OperMadame Butterfly." (Ttt Tragödie einer Japanerin) geht am Sonntag, den 5. Februar, hier zum ersten Male in Szene. Der Vorverkauf der Karten zu dieser Vorstel­lung beginnt am heutigen Montag. Am Diens­tag, den 7. Februar, wird das Werk als Pen­sionsbenefiz Serie A erstmalig wieder­holt. Der Eintrittskartenvorverkanf zu dieser letzteren Vorstellung beginnt am' nächsten Don nerstag.

Streit im Hause Tolstoi! Aus Pe­tersburg meldet uns ein Telegramm: Zwi­schen der Witwe Tolstois und deren Tochter Alexandra ist es wegen des lite­rarischen Nachlasses des Dichters zum offe­nen Bruch gekommen. Die Gräfin verwei­gert die Herausgabe der Originalhandschriften die im Moskauer historischen Museum aufbe­wahrt werden. Sie verbot ihrer Mutter durch notariellen Akt den Zutritt zum Aufbcwah rungsorte. Ferner inhibierte sie bis zur Her­ausgabe der Handschriften den Druck der ihrer Mutter gehörigen Werke, von denen eben ein 20bändiges Werk in Druck gegeben werden sollte.

=Ai Björnsons Briese. Wie uns-ein Tele- . aramm meldet, ist eine Ausgabe von Björn- icns Briefen geplant, die von Professor Haly-