Casseler Neueste Nachrichten
Nr. 49. — 1. Jahrgang.
über den polnischen Bestrebungen erst dann errungen wird, wenn das Enteignungsgesetz aus alle zweisprachigen Landesteile im Osten ausgedehnt und daneben cm Gesetz zur Verhinderung schädlicher Par- , zellierungen gcschasfen wird.
Wir haben bereits darauf hingewiesen, aus ' welchen beachtlichen Gründen eine Einverleibung der Reichslande in das Königreich Preußen nicht wünschenswert erscheint. Dieselben Bcd'clcken hat in seiner Sonnabendrede auch der Reichs kanzer zum Ausdruck gebracht, und im Reichstag selbst besteht ebenfalls bei der Mehrheit keine Neigung, durch die Einverleibung im Süden des Reiches und im Reichstag selbst böses Blut zu machen. Und was die Enteignung anbelangt, so darf von unserer Dftmarkenvolitik gesagt werden, daß sie den tatsächlichen Bedürfnissen Rechnung trägt und eine Verschärfung deshalb ruch hier nicht erforderlich erscheint. -n.
* Zer Zug des Todes.
"" (Telegraphische Meldungen.)
Der Schreckenszug der Pest nimmt unaufhaltsam seinen Weg und die Nachrichten aus China und der Mandschurei lausen täglich betrüblicher. Zu dem Schwarzen Tod 'gesellt sich nun auch noch die Cholera, die Unter den nach dem Armen entsandten Truppen und unter der Bevölkerung große Ver- 'cheerungen anrichtet. Depeschen aus Hoheida berichten von . Hunderten von Ovfcrn, die dort die Cholera täglich fordert. Unter der Bevölkerung herrscht eine Panik, und zanze Dörfer sind von den Bewohnern verlassen worden. Ueber die Pest-Evidemie im fernen Osten berichtet uns ein. Privattclegramm aus
Paris, 30. Januar.
v Der französische Professor am Kaiserlichen Kollegium in Tientsin, Eh ab an eir, . aer gegenwärtig eine Quarantänestation in ' Sch anhe.ikvan testet, telegraphiert an ne hiesige medizinische Fakultät: Die jetzige
. Pestepidemie tritt in Form von Lungenpest aus und zeichnet sich durch besondere Scharfe aus. Zweifellos trägt die Kälte zur Verbreitung der Pest bei, so daß wahrscheinlich auch noch die B u b o n c n p e st in kurzer Zeit zum Ausbruch kommen wird. Gestern wurden auf Befehl des Gouverneurs . vpn Chardin zweitausend Leichen verbrannt. Die Erde ist so fest gefroren, daß man selbst durch Dynamitsprenqung kein .. Grab Herstellen konnte. Man mußte die Leichen deshalb verbrennen. In Mulden sind von hundert Pestkranken inner« - halb eines Tages zweiundneun Hi g gestorben. Die chinesische Regierung entsandte Truppen an die große Mauer, um das Herüberströmen von Kulis zu verhindern, die aus Mulden und den benachbarten - mandschurischen Städten nach China fliehen. vS« Peking selbst wurden bisher amtlich nur zehn Pestfälle konstatiert. Die Polizei arbeitet 5 an der Ausrottung der Ratten, von denen täglich Tausende vertilgt werden. Verseuchte Häuser werden n i e d e r g e b r a n n t. Pcstverdächtige, sowie die mit' ihnen in Verbindung gekommenen Personen werden isoliert, doch : erweisen sich alle diese Maßnahmen als wenig erfolgreich, und die Epidemie greift im- mer toiitfr um sich.
Die Berichte der Charbiner Presse über die Pest lauten geradezu entsetzenerregend. In Fudsadan und auf den Straßen der Umgegend llegen die Leichen dutzend- und Hundcrtweise umher. Sie werden von herrenlosen H und eh benagt und von Raben und anderen Vögeln gefressen, die die Pest über das ganze Land verschleppen. Gegen derartige Infektionsträger sind alle Schutzmaßregeln der Welt nutzlos. Zahllose Leichen werden in den Sunghari- fl u ß geworfen, von wo aus sie in den Amur
Jas Gold der Ade.
Sechs Millionen Kilogramm Gold.
(25 on unserm Korrespondenten.)
Die Goldfundc in der Eifel lenken wieder einmal die Aufmerksamkeit auf die Goldgewinnung in den verschiedenen Ländern. Bei der Frage, wer als Goldproduzent in Betracht kommt, muß zunächst zwischen solchen Ländern unterschieden werden, deren Boden selbst das kostbare Metall enthält, und solchen, die die Golderze aus anderen.Ländern beziehen, um daraus das Edelmetall fabrikationsmäßig herzustellcn. Es würde zu weit führen, die «beschichte der Goldgewinnung bis in das graue Altertum hinein zu-verfolgen. Spielte doch das Gold schon bei den Aegyptcrn, die.daraus,tm siebzehirtcn Jahrhundert vor Christi Münzen Herstellten, eine große Rolle. Wo allerdings das jur Zeit Salomos so ertragreiche Goldland Sphir zu suchen ist, darüber gehen die Ansichten der Gelehrten auch heute noch weit auseinander. Nächst Aegypten waren verschiedene Gebiete in As i em« besonders Indien und die ^Gegend im K aukasus ihres Goldteich- tums wegen berühmt. In späteren Jahrhunderten betrieben Karthager und Römer auf der Iberischen Halbinsel eine umfangreiche und er- iragdrinacnde Goldgewinnung, und auch in anderen Teilen Galliens, ferner in Siebenbürgen,. in den Karpaten und in den Taurischen HWn existierten zu jener Zeit regelmäßige Geldwäschereien.
Im Mittelalter gelangte Böhmen als Goldland zur Blüte, bis es von den östlichen Alpenländern verdrängt wurde. Aber in ganz Europa bat sich die Goldproduktion während des 18. und der ersten.Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts M keiner besonderen Höhe em- porzuschwiugen vermocht. Größere Erfolge wlwden in außereuropäischen Ländern erzielt, so zum Beispiel in Meriko, dessen Silbererze ganz:besonders.reich an Goldgehalt waren. Im achtzehnten -Jahrhundert - kamen dann noch Dra silicn mit feilten durch die Paukisten
gelangen und auf diese Weise den Schwarzen Tod weiter ins Land hineintragen. «
Geradezu heroisch ist der französische Arzt Meunier gestorben, bei sich bei der Untersuchung eines Pestkranken infizierte. Er selbst diagnoszierte seine Erkrankung an der Pest und bestellte sich, da er in einem Hotel in Char - b i n wohnte, selbst einen Wagen, um niemanden von seiner Umgebung anzusteckcn. Dann hüllte er sich in ein mit Sublimatlösuug getränktes Laken und fuhr nach der Pestbaracke ab. Dort angckommen, erklärte er. seinen Kollegen, daß er nach zwei Tagen tot sein werde. Er bat nur, seine Angehörigen von seinem Tode zu benächrichtigen. Alle Bemühungen der russischen Kollegen, ihn zu retten, waren vergeblich, und nach zwei Tagen erlag der Held dem Schwarzen Tod . . .
Re Politik des Lages.
rN-Der ,,Prediger in der Wüste". (P r i - vat-Telcgramm.) • Aus Duisburg wird uns depeschiert: Ter nationalliberale Abgeordnete Basfermann sprach hier gestern nachmittag fh einer großen nationaLiberalen Versammlung über die p olitische Lage im Reiche. Bassermann richtete im Verlaufe der Ausführungen die Mahn u n g an die Regie ru n g, sich nicht zum Werkzeug einer einseitigen Jnteressenpolstt.it machen zu lassen. Unter den gegenwärtigen Umständen habe sic .keinen A n sp ruch auf Vertrauen, das sie so sehr nötig habe. Ihr Ruf zur Sammlung in der gegenwärtigen politischen Hochsaison sei verspätet und gehe im Volke ohne. Echo vorüber. Bei den kommenden ReichstagswMen gelte der Kamps der Nätio- nallibcralcn in. erster Linie ihren beiden größten Gegnern, dem Zentrum und der Sozial d e m ok r ati e.
gP Sturmzeichen in Portugal? <T el c - graphische M e l d u n g c rt.) Nach einet in Paris aus Lis so b o u eingetroffenen Depesche, haben im 'Lause des gestrigen Nachmittags in verschiedenen' Städten des Landes be - benf Hefte Manifestationen stattgesunden. Augenscheinlich ist das- Telegramm durch die Zensur verstümmelt worden. Man weiß noch nicht, nm was es sich handelt und g c g e n w e n die Manifestationen gerichtet waren. Dahingegen meldet uns ein Spezial- Tel egra m m aus Rom:
In vatikanischen Kreisen hat man die Bestätigung erhalten, daß eine schwere Krisis in der portugiesischen Republik bestehe. Die Propaganda, die für die Wiederaufrichtung des König s r e i ch s und des früheren Regimes getrieben wird, sei im Norden des Landes besonders lebhaft, und gebe zu den e r n st e st en Befürchtungen Anlaß.
Fenier wird aus Lissabon berichtet: Das Blatt „Diario de Roticias" behauptet, die Negierung wolle dem ehemaligen König Manuel eine monatliche Entschädigung von WO Pfund Sterling zahlen. Die Schecks für Oktober bis Dezember seien an den König bereits abgegangen.
• tiS Die Arbeiter von Barcelona. (Spezial-Telegramm.) Wie uns aus Barcelona berichtet wird, veranstalteten dort gestern abend zweitausend Ar b e i t c r, die infolge des Eintreffens von Streikbrechern arbeitslos geworden sind, auf den Hafenquais eine K u nd g evnng und brachten Hochrufe auf die Republik aus. Gegen einen Streikbrecher wurde aus einer Gruppe von Ausständigen zwei Schüsse abgegeben, wodurch der Mann verletzt wurde. Gegen einen anderen Streikbrecher wurden fünf Schüsse abgefeuert, von denen ihn zwei leicht und einer schwer verletzte. Der Zustand des Mannes ist hossnungslos. Es wurden zahlreiche Verhaftungen vorgenommen.
Politische Chronik.
Nach einer Meldung aus Hamburg hat sich das Befinden des Generaldirektors der Hamburg-Amerika-Linie, B a l l i n, nach der gut verlaüfenen Bliuddarmoperation so erfreulich gebessert, daß er sich bereits heute zur
entdeckten Goldlagerstätten, Peru, Chile, Columbien, Venezuela und Niederländisch -Guayana als Goldländer hinzu. Am Anfang des neunzehnten Jahrhunderts wurde die südamerikanische Goldproduktion durch die großartigen Funde am Ostabhang des Urals weit überflügelt, der noch um die Mitte des vorigen Jahrhunderts fast das doppelte Quantum wie Südamerika und dreiviertel alles auf der Erde gewonnenen Goldes lieferte.
Die Entdeckung der Goldfelder im Westen von Nordamerika und Australien brachte der Goldproduktion einen ganz ungeahnten Auschwung, und 1896 trat auch Kanada in die Reibe der Goldländer ein, nachdem in den siebziger Jahren der Goldmarkt durch Zufuhr aus Südafrika eine wesentliche Steigerung erfahren Hatte. Angesichts der Schwankungen der Goldproduktiön im Lauf der Zeiten, die einerseits auf die zunehmende Ausbeutung der entdeckten Goldlagerstätten, andererseits auf die Vermehrung der Produktionsgebiete' zurückzuführen ist. ist es schwer, einen einheitlichen U eberblick über die bisher erzielte Goldgewinnung aller Zeiten zu erhalten.
Was Deutschland betrifft, fo hat die Goldgewinnung einen wirklich nennenswerten Umfang erst innerhalb der letzten dreißig Jahre angenommen. Hier sind es hauptsächlich amerikanische und australische Erze, die zur Verarbeitung Klängen. Wurden in den fünfziger Jahren des achtzehnten Jahrhunderts nur wenige Kilogramm erzielt, so konnten um das Jahr 1900 herum bereits 3000 Kilogramm in reinem Golde hergestellt werden, wovon allerdings nur 100 Kilogramm auf in Deutschland selbst gefundene Erze zurückzuführen sind. Im Vergleiche damit lieferten die Vereinigten Staaten 11ÖÖ0Ö Kilogramm, Australien 110 000 Kilogramm, Rüßländ 30 000 Kilogramm und Südafrika 13 000 Kilogramm Gold, Ter Goldwert, der auf-hier ganzen Erde in barem Golde existiert, wird um das Jahr 1900 herum auf 20,3 M illiurden Mark geschätzt; es entspricht dieser Wert einer Menge von etwa sechs Millionen Kilogramm. In der
völligen Wiederherstellung nach Meran begeben kann.
Wie aus Essen verlautet, erklärte der sozialdemokratische Reichstagsabgeordnete H u e in einer Gewerkschaftsversammlung^ die leitenden Kreise der in der-Lohnbewegung der Ruhrbergleute zusammengebenden Bergarbeiterverbände hätten bisher überhaupt nicht von einem Streik gesprochen und arbeiteten auch nicht auf einen Streik hin.
Aus Prü s s e l meldet uns ein Stz,e - zial-Telegramm: Der Besuch des Präsidenten Falliere am hiesigen Ort wird nunmehr, wie definitiv festgestellt ist,. Ende April kurz Nach Lern Osterfeste erfolgen.
Wie aus- Stockholm berichtet wird, beschloß die schwedische interparlamentarische Friedensgruppe, für den diesjährigen Rob c.l- Friedenspreis den. deutschen. Redakteur Alfred Fried und die von ihm gegründete deutsche Friedensgesellschaft in Vorschlag zu bringen. Fried ist Herausgeber der von Berta von Suttner hegründeten Zeitschrift „Die Friedenswärte".
Wie aus Konstantinopel berichtet wird, hat an der Hedschasbahn ein neues Gefecht stattqefunden, das mit einer Niederlage der Beduinen endete. Die Beduinen verloren über dreihundert Tote, Verwundete und Gefangene. Die Truppen hatten achtzehn Tote und fünfnnddreißig Verwundete.
In Petersburger Hofkreisen zirkuliert das Gerücht, die älteste Tochter des Zaren, Großfürstin. Olga, die das 15. Lebensjahr zurück- aelegt hat, sei mit dem Großfürsten Dimitri Pawlowitsch, einem Neffen des Zaren, und Sohn des Großfürsten Paul Alexan- d r o w it sch,'verlobt worden
Neues Dom Tage.
Hedwig als „Baronesse."
(Von unserm Korrespondenten.)
Man schreibt uns aus Königsberg in Preuße rt : Wozu es ein Dienstmädchen bringen kann, wenn es die nötige Unverfrorenheit besitzt, das zeigt die Laufbahn des Hausmädchens Hedwig Müller, das wegen abgefeimter Schwindeleien hier verhaftet worden ist. Das Mädchen entstammte einer ganz armen Arbeiterfamilie, kam als Dienstbote in gute Häuser und eignete sich dabei im Laufe der Iahte die äußeren Allüren einet Dame an.
• Am Ende behagte ihr aber das „Dienstbotenelend" nicht mehr, und sie verwandelte sich über Nacht in . . . eine „Baronesse Ruth v o u H o t n", mietete sich ein hübsches Zimmer und lebte nun von dem, was ihre Verehret ihr spendierten oder was sie ergaunerte. Die neue Baronesse brauchte natürlich auch seht feine. und schicke Garderobe, um ihrem Stande gemäß gekleidet zu fein. Sie bestellte daher bei hiesigen Geschäften munter darauf los, ohne ans Bezahlen zu denken. Die Schulden wurden schließlich recht erheblich, und so verschwand sic eines Tages, unter Mitnahme verschiedener, ihren Wirtsleuten gehörigen Gegenstände. Sie tauchte unter anderem Namen in einem anderen Stadtviertel auf und machte von da aus Gastspielreifen in die P r o b in z, wo sie ebenfalls eine ganze Menge leichtgläubiger Personen prellte. Nirgends hielt sich die „Baronesse" lange Zeit auf, fodaß sie der Polizei, die ihr bald auf den Ferfen wat, stets entging. Als ihr der ostpteußische Boden doch zu heiß wurde, ging sie nach Berlin, wo sie.sich in eine „Studentin" umwandelte und vermöge ihres ungemein sicheren und gewandten Auftretens Anschluß an vermögende. Kommilitonen fand. Schließlich beging sie aber, nachdem sie in Berlin verschiedene Schwindeleien und Diebstähle verübt hatte, die Unvorsichtigkeit, wieder auf dem alten- Schguplatz ihrer Tätigkeit, in Königsberg, zu erscheinen, wo sie nun endlich von der Polizei feftgenomen wurde, die nun dafür sorgen wird, daß die „Baronesse Ruth von Horn" ihrer „Vergangenheit" wieder zurückgegeben werden wird. rs.
Reihe der goldverwertenden Länder stehen die Vereinigten Staaten mit 25 000 Kilogramm an der Spitze. Es folgen Großbritannien mit 23 000 Kilogramm, Frankreich mit 20 000 Kilogramm und Deutschland mit 10000 Kilogramm. In Deutschland sind im Laufe des Jahres 1898 zirka 30 Millionen Mark Goldmünzen für gewerbliche Zwecke eingeschmolzen worden; außerdem wurden zur selben Zeit von der Scheideanstalt zirka 20 Millionen Mark Gold der Industrie überlassen, sodaß diese innerhalb eines Jahres etwa 16 000 Kilogramm Feingold verarbeitete. Von dieser Verarbeitung gehen ungeheure Werte verloren. Dieses sogenannte Verlusts old wird jährlich auf nicht weniger als 15 Millionen Mark geschätzt. E. G.
Kleines Feuilleton.
Das „Lagenland Atlantis" entdeckt? Aus Lome (Westastika) meldet ein Telegramm: Nach hier eingegangenen brieflichen Nachrichten hat L e 6 F-r öbenius, Chef der deutschen inner afrikanisch en Forsch ungsexHe-di t-iwn, im benachbarten Hinterlande Entdeckungen gemacht, die er mit dem sagenhaften All aut i s in Zusammenhang bringt. Als wichtigstes Beweisstück dafür dient ihm ein von ihm ausgegrabener antiker BronzekvPf von hochkünstlerischer Arbeit, mit den Insignien des Possiden, der nach den Ueberlieferungen der Eingeborenen der Gründer jenes Staates ist, von dessen Existenz ihre Sägen berichten.- Dieser Gott wird bei ihnen noch heute als „Olokurtk, das heißt: „Gott des Meeres" verehrt. Der Typus dieses Kopfs, von dem Skizzen und Photographieen eingesandt wurden, hat n i ch ts Negerhaf- tes. Der Köpfest in verlorener Form, also innen hohl, die Oeberslächertbchandlung so schön wie bei einein erstklassigen Guß des Altertums, das Gesichts borträtlebenbia und von
Dienstag, 31. Januar 1911.
Alfonso «nd 6na.
Der Pariser „Jnttansigeant" brachte dieser Tage nach den Angaben eines angeblich „sicheren" Londoner Berichterstatters, der über alles, was das englische Königshaus betrifft, genau informiert fein soll, eine sensationelle Mitteilung, in der es wörtlich h'ieß:
Eine europäische K ö n.r g i n, die mii dem englischen Königshausc nahe verwandt ist, hat die Absicht, sich von ihrem Gatten zu trennen und in ihre Heimat zurückzukehren. Jedermann, auch die Königin, weiß, daß der junge König, der viele Jahre lang von einer strengen Mutter bevormundet und unter Aussicht gehalten wurde, sich nach seiner Verheiratung alle erdenklichen Freiheiten nahm. In Paris, wo er einmal ein viel, besprochenes Liebesabenteuer hatte, unterhält er noch jetzt Beziehungen zu einer Frau, deren Lächeln ihn schon oft über die Sorgen der Regierungstätigkeit Hinwegtrösten mußte. Seine häufigen Exkursionen und fein Fernbleiben vom Hose haben der Königin schon großen Kummer bereitet, und sie hat sich nur schwer darein fügen können; sie hat das alles drei Jahre lang getragen, soll aber jetzt entschlossen fein, es aufs Aeußerste ankommen zu lassen und selbst vor einem Skandal nicht zurückzuschrccken. Man sucht sie zu beruhigen; es ist aber sehr fraglich, ob es gelingen wird. Es heißt, daß man ihr vor allem vor Augen zu führen sucht, daß auch der Vater ihres Mannes kein Muster ehelicher Treue war und sich trotzdem überall beliebt zu machen wußte.
Die Anspielung des Berichterstatters auf das spanische Königspaar ist zu deutlich, als daß irgendwelche Zweifel über die hier genannten Personen, auskommen könnten. Spanischerseits wird allerdings bestritten, daß das Eheglück des Königspaares getrübt fei, und es wird behauptet, daß „das Einvernehmen zwischen König Alfonso und feiner Gattin Ena niemals gestört gewesen sei. Die Ehe erfreue sich vielmehr einer seltenen Har - moni c."
Lr Ein Raubmord um zehn Mark. Vor den Toren Berlins in der Nähe des an der Nordbahn gelegenen Ortes Stolpe wurde an einem Feldweg die vicrunddreißig Jahre alte Ziegeleiarbeiterfrau Pauline Gorgo- linski ermordet aufgefunden. Die Fran war ihrer Barfchaft, bestehend aus zehn Mark, beraubt worden. Von dem Täter fehlt jede Spur. Schwere Kratzwunden im Gesicht lassen schließen, daß ein hartnäckiger Kampf mit dem Mörder stattgefunden hat, Ur- fprünglich nahm man an, daß es sich um einen Lustmord handle. Die ärztliche Untetsuchung ergab, daß dies nicht der Fall ist. Der Tod wurde durch Erdrosselung herbeigeführt.
zx Schlesien unter Wasser. Aus Breslau wird uns berichtet: Die anhaltenden Regengüsse haben in verschiedenen Teilen Schlesiens Ueberschwemmungen verursacht. So hat die Bartsch ausgedehnte Flächen Landes von der Mündung in die Oder bis hinauf zu den Ortschaften Zeippern, Mech- lau und Schabenau überflutet. Auch der Queis ist stark gestiegen und hat bei S i e ge r s d o r f die angrenzenden Wiesen unter Wasser gesetzt. Bei L a u b a n ist der A lt - Laubanbach, der schon oft Unheil angerichtet hat, aus feinen Ufern getreten.
zx Eine Strasicnbahntragödie. Einem Telegramm aus Bonn zufolge überfuhr gestern die Dampsstraßenbahn B v n n - M e h l e m den Univerfltätsprofessor Geheimrat W i l Helm W i l m a n s, der schrecklich verstümmelt wurde und sofort tot war.
zx Der Mörder Löhmer verhaftet. Nach einem Telegramm aus H il d e n ist der seit drei Monaten von der Polizei gesuchte Mörder Löhmer verhaftet worden. Löhmei hatte in der Nacht zum Allerheiligen-Tag vorigen Jahres den Arbeiter Butz mit einem Spaten aus seinem Versteck heraus erschlagen. Löhmer gab bei seiner Vernehmung
oben bis unters Kinn mit einer am Hals verlausenden Tätowierung in Paralellinien ganz fein überzogen, einer Tätowierung, wie sie genau so beute noeft bei dem Volke dieser Gegend blich ist. Die Sagen dieses Volkes berichten auch von einer berfunlenen König s st a d t des Olokun, deren Burg von einer inneren Messingmauer geschützt war. Frobenius erinnert an den Bericht P l a- tos über Atlantis, der mit seinen Funden so stark übereinstimme.
ü „Madame Butterfly" in Cassel. Aus dem Bureau der Intendantur der Königlichen r Schauspiele wird uns mitgeteilt: Die Puccini- sche Oper „Madame Butterfly." (Ttt Tragödie einer Japanerin) geht am Sonntag, den 5. Februar, hier zum ersten Male in Szene. Der Vorverkauf der Karten zu dieser Vorstellung beginnt am heutigen Montag. Am Dienstag, den 7. Februar, wird das Werk als Pensionsbenefiz — Serie A — erstmalig wiederholt. Der Eintrittskartenvorverkanf zu dieser letzteren Vorstellung beginnt am' nächsten Don nerstag.
■Sä Streit im Hause Tolstoi! Aus Petersburg meldet uns ein Telegramm: Zwischen der Witwe Tolstois und deren Tochter Alexandra ist es wegen des literarischen Nachlasses des Dichters zum offenen Bruch gekommen. Die Gräfin verweigert die Herausgabe der Originalhandschriften die im Moskauer historischen Museum aufbewahrt werden. Sie verbot ihrer Mutter durch notariellen Akt den Zutritt zum Aufbcwah rungsorte. Ferner inhibierte sie bis zur Herausgabe der Handschriften den Druck der ihrer Mutter gehörigen Werke, von denen eben ein 20bändiges Werk in Druck gegeben werden sollte.
=Ai Björnsons Briese. Wie uns-ein Tele- . aramm meldet, ist eine Ausgabe von Björn- icns Briefen geplant, die von Professor Haly-