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1. Jahrgang

Nummer 49

hessische Abenüftitung

Lgssrlrr Abendzeitung

Fernsprecher 951 und 952.

Dienstag, den 31. Zannar 1911

Fernsprecher 951 und 952.

denen man hier keine Ahnung hat, und vor denen man ja auch tatsächlich weiter nichts gehört, hat, als daß sie von Zeit zu Zeit von irgend einem ausländischen Blatte aufge­wärmt werden. Es ist selbstverständlich, das

«inferttontaretfe: Dte fed)8gefpaUene Sette für etnhetmtsche Geschäfte 15 Df, fßr LllSwärttge Inserate 25 «ft WeTtamejette für etnhetmtsche »»- schhfte 40 Pf, für auswärtige 60 Pf. Geschäftsstelle: Kölnische Straße 5. Berliner Vertretung: SW, Friedrichstraße 16, Telephon: Amt IV, 676.

Dte »Gaffel« Neueste Nachrichten" erscheinen wöchentstch sechsmal. Bis auf wettere« werden die »Neueste Nachrichten" allen Familien in Cassel völlig Taften tos geliefert. Druckerei, Verlag u. Redaktion: Schlachthofftratze 28/30. Berliner Vertretung; SW, Friedrichstraße 16, Telephon: Amt IV, 676.

leit durch den Prozeß überzeugend dargetan werden solle. Für die Verhandlung gegen My- lius sind alle Plätze im Gerichtssaal bereits wochenlang vorher für erhebliche Summen ver­kauft worden.

Die Königliche Kunst.

Kaiser Wilhelm und die Freimaurerei.

Durch den Blätterwald rauschte dieser Tage, geheimnisvoll und listig flüsternd, die Mär. der Deutsche Kaiser habe sich aus einem gütigen Freund zum innerlich überzeugten Gegner der Freimaurerei wandeln las­sen, und als ein Ausfluß dieses Gesinnungs­wechsels sei das kaiserliche Verlangen zu be­trachten, Mozarts ewigeZauberslöte" im Bannbereich der Zollern'schen Hofoper der vom Maurer-Komponisten ihr eingewobenenmau- rerischen Attribute" zu entkleiden. Tatsächlich ist denn auch am Abend des siebenundzwanzig- sten Januartags Mozarts Zauberwerk in ver­änderter Milieu-Gestaltung durch's Hosopern- baus gerauscht: Statt Alt-Agytens traumhast- klasstschen Reizen glitzerte und funkelte im Bühnenbild des fernen Morgenlands märchen- fchöner Zauber und Mozarts Geist belebte neues Gebild. Tie Kunst des Tonmeisters Ift indessen von diesem Wandel unberührt ge­blieben: An des Giganten Werk tastete keines schwachen Epigonen stümpernder Finger, und der Wunderklang der Zauberflöte berauschte die Seelen mit der ganzen Kraft klassischer Elementargewalt. Man darf sich dessen freuen, denn wenn auch des toten Meisters Ruhmes­glanz durch des Alltags Zufall nicht verdunkelt werden kann: Die offizielle Erklärung, daß das Geflüster über den Stimmungswandel in den höchsten Sphären ein Gespinnst müßiger Hirne sei und kein Ernsthafter an eineKorrektur" Mozart'schen Geistes denke, ist mit Dank zu ver­merken und darf als Zeichen verständnisvoller Würdigung unantastbarer Werte gedeutet werden.

Das Haus der Hohenzollern hat mit der Freimaurerei seit Jahrhunderten enge Füh­lung unterhalten und Könige und Prinzen vom Stamm der Dynastie haben im Logenleben als werktätige Maurer den Hammer geführt. Wil­helm der Zweite stqht zwar außerhalb der frei­maurerischen Kette, aber er hat wiederholt Ge­legenheit genommen, den menschheitfreundlichen und menschtumfördernden Bestrebungen der Maurerei Achtung und Sympathie zu bezeugen, und es ist zweifellos ein schlecht erfundenes Märchen, wenn aus Lakaienstuben heraus der Welt ins Ohr geraunt wird, der Kaiser habe sich zum Gegner der Freimaurereibekehren" lassen. Kaiser Friedrich der Dritte war als Kronprinz lange Jahre Ordensgroßmeister und Ehren-Protektor der preußischen Landeslogen und sein Idealismus war der Erzeuger eines gewissenModernismus" im Wesen der deut­schen Freimaurerei, der im Lauf der Jahre manche verständige Konzession an den Geist der neuen Zeit geboren hat. Friedrichs Idea­lismus war allerdings auch die Ursache einer Art UnverstandenseinS, das in spätern Jahren sich zwischen dem kronprinzlichen Maurer und dem Verband der altpreußischen Logen merkbar machte, und bei Friedrich schließlich eine Abkühlung der Empfindungen hcrbeiführte, die wie Enttäuschung aussah. Man weiß auch, daß diese Erfahrung seines Va­ters Wilhelm den Zweiten davon abgehallen hat, sich selbst in die Bruderkette der Loge ein­reihen zu lassen: Persönlich indessen trennt den Kaiser nichts von den Bestrebungen, die sich im Wesen der deutschen Freimaurerei verkörpern.

Es ist schon an anderer Stelle davon die Rede gewesen, daß Friedrich der Große (bei selbst den Schurz des Maurers trug) die Frei­maurerseine besten Untertanen" nannte, und tatsächlich hat auch der Staat und das König­tum in der Freimaurerei deutscher Art eine starke Stiitze. Der geistig-sittlichen Erhebung und Vervollkommnung der Menschheit gewid­met, auf dem Prinzip idealster Nächstenliebe aufgebaut, dient die deutsche Maurerei lediglich ethischen Zwecken, und unterscheidet sich da­durch grundsätzlich von den romanischen Logen, in denen die politische Betätigung den breitesten Baum im maurerischen Wirken beansprucht. Aus der Arbeit der deutschen Logen ist die Politik gänzlich ausgeschaltet; ihre Kraft kommt ausschließlich der Erstrebung idealer Ziele zugute und ihr Wirken im Dienst des Vaterlands und der Gesamtmenschheit ist unbeeinflußt von parteilichen Eigennützigkei­ten. Daß aus den Tempelballen maurerischer Arbeit kein Laut ins Getriebe der profanen Welt dringt, daß man über Wesen und System der Logenarbeit immer noch den Schleier des Geheimnisses deckt, ist zweifellos nicht mehr zeitgemäß angesichts der Tatsache, daß die Königliche Kunst" (wie der Maurer sein Werk im Dienst der Nächsten- und Bruderliebe nennt) imgrunde gar n i ch ts besitzt, das vor

der Welt Augen ängstlich zu verbergen wäre, und eben diesesGeheimnis" ist der Grund, weshalb die maurerische Wirksamkeit von ihren Gegnern so scharf befehdet und vom Unverstand so töricht verdächtigt und ver- gruselt wird.

Goethe, Mozart, Lessing, Wagner, Fichte und andere Große deutschen Geistes waren Freimaurer; Friedrich der Große, Wilhem der Erste, Friedrich der Dritte, Eduard von England, Oskar von Schweden und Humbert von Italien standen als Maurer in der Bruderkette der Loge, und die Ideale, die einst sie beseelten, sind auch heut noch lebendig im Wesen der Freimaurerei, die nichts anderes sein will und in Deutschland auch nie etwas anders gewesen ist, als ein Männerbund zur Erstrebung idealer Ziele im Dienst rei­nen und edlen Menschentums. Auch der religiöse und konfessionelle Kult hat nicht Grund, in der Freimaurerei dem Gegner zu er­blicken, denn der G o t t e s g l a u b e ist die elementare Voraussetzung maurerischer Bestre­bungen, und das religiöse Prinzip beherrscht die Arbeit der Loge als Fundamentalsatz ethischen Wirkens. DerMystizismus, der der Freimaurerei anhastet, deckt weder in politischer, noch gei­stiger oder religiöser Beziehung ein revolu­tionäres Motiv; er umkleidet vielmehr nur als (freilch veraltete) Form einen guten und im Innern durchaus gesunden Kern geläuter­ter Menschlichkeit mag auch die äuße­re Gestaltung der Arbeitsart noch so scharser und in mancher Hinsicht zweifellos berechtigter Kritik unterliegen. Dieser Mystizismus der Aeußerlichkeiten ist das einzige Geheimnis der Freimaurerei, und es ist deshalb ein Kin­dermärchen, wenn von denletzten Geheimnis­sen der Loge" gesprochen wird,in die selbst die maurerischen Vorfahren des Kaisers nicht eingeweiht" gewesen sein sollen. Dasletzte Geheimnis" der Freimaurerei ist ihr stilles Wirken im Dienst des Nächsten und Bruder­liebe, und diesGeheimnis" ist gleichzeitig der Daseinswert derKöniglichen Kunst".

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6ines Königs tzhe.

König Georg morganatisch getraut?

(Telegraphische Meldung.)

In England feit längerer Zeit umgehende Gerüchte über eine morganatische Ehe des Königs haben jetzt Veranlassung ge­geben, gerichtliche Klarheit in die An­gelegenheit zu bringen. Offenbar fürchtete man eine Beeinflussung der gerade in solchen Din­gen sehr empfindlichen öffentlichen Meinung tn England zu Ungunsten des Königs, wenn keine öffentliche Klärung erfolgen würde. Aus London wird uns jetzt telegraphisch berichtet:

London, 30. Januar.

Mehrere Sonntagsblätter bringen die Meldung, daß der Attorney-General und der Solicitor-General namens des Königs ein Prozeßverfahren gegen Edward I. M y l i us eingeleitet haben. Der Fall wird vor dem Lord-Oberrichter im Son­dergericht am nächsten Mittwoch zur Ver­handlung kommen. Mylius ist der Heraus­geber des Blattes, in dem die Mitteilung über die angebliche morganatische Ehe des Königs zuerst erschienen war. Die Nachricht erregte damals in England gewaltiges Auf­sehen, da tatsächlich frühere Gerüchte in Um­lauf waren, die von einer früheren un­glücklichen Liebe des damaligen Prin­zen zu erzählen wußten. Die jetzige Prozeß- affäre steht im Zusammenhang mit der Mel­dung, die aus Paris von dem BlattThe Liberator" veröffentlicht wurde, und bezieht sich auf die seit Jahren umlausenden Ge­rüchte, daß der König als Prinz von Wales tn Malta mit der Tochter eines Ad- mi r a l s eine morganatische Ehe eingegangen sei. Auf die Gerüchte, denen nach der Thronbesteigung des Königs in bestimm­ter Weise entgegengetreten worden war, wurde Mylius am 26. Dezember 1910 ver­haftet und ins Gefängnis gebracht, da er die auf vierhunderttaufend Mark festgesetzte Kaution nicht aufbringen konnte. Trotzdem haben sich in England die Gerüchte über die angebliche morganatische Ehe des Königs er­halten, und man sieht deshalb dem bevor­stehenden Prozeß mit großer Spannung ent­gegen.

Wie es heißt, bat die Verteidigung My­lius' umfangreiche Äeweisanträge vorbereitet, durch die dargetan werden soll, daß die Mel­dung des Blattes in wesentlichen Punk­ten den Tatsachen entspricht. Von amtlicher Seite wird dagegen behauptet, daß die Nach­richt nichts anderes als die freie Erfindung eines Pariser Reporters sei. deren Unhaftbar­

Iie neueste Katastrophe.

Sechzehn Bergleute im Schacht verunglückt.

(Eigene Drahtmeldungen.)

Auf der ZecheD e u t s ch e r K a i s e r" bei Hamborn, im Rheinland, hat sich am Sonn­abend eine schwere Gruben-Kata- strophe ereignet, bei der (nach den bisherigen Feststellungen) sechzehn B e r g l e u t e ver­unglückt sind. Die Ursache des Unglücks ist aus einen unglücklichen Zufall zurück­zufuhren. Wir erhalten über die Katastrophe folgende telegraphischen Meldungen:

Bochum, 30. Januar.

Das Unglück ereignete sich am Sonn­abend abend gegen sieben Uhr auf der fünf­ten Sohle der ZecheDeutscher Kaiser" in­folge einer schweren Schlagwetter- Explosion, von der sechzehn Berg­leute betroffen wurden. Die Wirkung der Explosion blieb auf einen verhältnismäßig kleinen Raum der Sohle beschränkt. Unmit­telbar nach dem Unglück drangen die Kame­raden der Verunglückten an den Herd der Ex­plosion vor. Ein Bergmann ift tot, einer sehr schwer verletzt, vierzehn andere erlitten weniger schwere Verwundungen. Schon gegen acht Uhr waren alle Verun­glückten geborgen und ins Krankenhaus geschafft. Im Lauf des gestrigen Tages star­ben von den Schwerverletzten sechs wei­tere Bergleute; bei acht andern sind die erlittenen Verletzungen derart schwer, daß auch ihr Ableben stündlich be- sürchtet wird. Als Ursache der Ex­plosion wurde sestgestellt, daß kurz vor der Vesperpause ein Schuß im Nebengestein abgegeben worden ist, der wahrscheinlich einen kleinen Bläser freigelegt hat. Als nach der Pause der Schießmeister vor- schristSmäßig den Ort auf Schlager unter­suchen wollte, hat das inzwischen angesam­melte Gas sich auf bisher unaufgeNärte Weise an der Lampe entzündet. Der Oberpräsident der Rheinprovinz hat der Di­rektion der Grube telegraphisch fein Bei­leid ausgedrückt.

Wie uns ein Telegramm unseres Duisburger Korrespondenten mel­det, hat die Direktion der GrubeDeutscher Kaiser" beschlossen, die Hinterbliebenen der verunglückten Bergleute in der Weise zu versorgen, daß sie den betroffenen Familien Sparkassenbücher in Höhe bis zu tausend Mark Einlage überweisen läßt, um die des Ernährers beraubten Familien vor Not zu schützen.

Pariser Blau.

DasKomplott gegen den Kaiser". (Telegraphische Meldungen.)

DasEcho de Paris" brachte dieser Tage die sensationelle Mitteilung von einem augcb lichen Attentatsplan, der gegen den Deutschen Kaiser gerichtet gewesen sein sollte und 'dessen Ausführung nur durch einen Zufall verhindert worden sei. Wie sich jetzt herausgestellt, handelt e8 sich bei der Meldung um eine freie Erfindung, die jeglicher Begrün­dung entbehrt. Ein Telegramm unseres Korespondenten berichtet uns darüber:

Berlin, 30. Januar.

Wie mir von amtlicher Stelle versichert wird, ist die Meldung desEcho de Paris" von einem Attentatsversuch auf den Deutschen Kaiser freie Erfindung. Schon vor Jahres­frist tauchte das Gerücht auf, daß Anfang neunzehnhundertsieben in Warschau ein Ge­heimbund zur Ermordung des Deutschen Kaisers gegründet worden fei. Zu diesem Zweck seien angeblich vier russische Anar­chisten nach Charlottenburg gekommen, wo die Pläne unter der Beihilfe des berüchtigten deutschen Anarchisten Senna Hoy festere Ge­stalt angenommen hätten. Später, hn Januar neunzehnhundertzehn wurde dieselbe Mittei­lung von derRußkoje Sslowo" verbreitet, und heut wird sie noch durch die angebliche Aussage des russischen Ministers des Innern gefüllt. Demgegenüber kann versichert werden, daß in Berlin an maßgebender Stelle von der Angelegenheit nichts daS Geringste bekannt ist. Im Gegenteil, man erklärt, dvß es sich ausschließlich um die Erfin­dungen eines russisch. Polizeispitzels handelt, der seine Vorgesetzten von seiner Tüchttgkeit" überzeugen wollte. Man kennt hier die anarchistischen Kreise sehr genau, und es ist ausgeschlossen, daß in Charlottenburg Attentatspläne geschmiedet worden sind, von

man die deutschen Behörden, falls irgend welchen amtlichen Stellen im Auslande der­artige Attentatspläne bekannt geworden wären, sofort unterrichtet hätte. Offenbai existiert der ganze phantastische Attentatsplan nur in der Phantasie eines Spitzels ober Reporters. Was dasrussische Terroristen, komplott" vom Jahre 1907 anbelangt, so sind die offiziellen Petersburger Meldungen, wo- nach es seiner Zeit der Berliner Kriminal­polizei gelungen sei, die Verbrecher dingfest zu machen und an Rußland auszuliesern, grundfalsch. Die Berliner politische Polizei ist allerdings damals von russischer Seite ver- anlaßt worden, in einer vermeintlichen Attentatsgeschichte Schritte zu unternehmen, die daraufhin angestellten Ermittelungen haben aber nicht den geringsten Erfolg für die Richtigkeit der Attentatsgerüchte gegeben, und mußten als vollständig erfolglos ein­gestellt werden. Das ist der Tatbestand, der hoffentlich dazu beitragen wird, den immer wieder auftauchenden Legenden von derbe­ständigen Bedrohung des Lebens des Kaisers" ein Ende zu machen.

Im übrigen darf auch versichert werden, daß die Berliner Anarchistengruppe unter Füh­rung des bekannten Senna Hoy in der Haupt­sache völligungefährlich ist. Es handelt sich in der Mehrzahl um unreife junge Leute, die im Grunde selbst nicht wissen, was stt wolleni und die im Anarchistentum nur die äußere Form der Unzuftiedenheitsäußerung sehen. Politisch sind die Leute kaum e r n st zu nehmen und mit der sogenanntenP r o p a. ganda der Tat" habe» sie jedenfalls nicht das geringste zu tun.

Sie Alldeutschen.

Reichslandverfassung und Enteignung.

(Eigener Bericht.)

Berlin, 29. Januar

Unter vollzähliger Beteiligung feiner Mit- glieder hat gestern hier der Geschäftsführende Ausschuß des Alldeutschen Verbandes eine Sitzung abgehalten, um zu zwei, zurzeit im Vordergründe des Interesses stehenden po­litischen Fragen Stellung zu nehmen. Zu­nächst beschäftigte sich der Ausschuß mit dem Gesetzentwurf betteffend die reichsländi- sche Verfassung. Zu diesem Thema lagen verschiedene Aeußerungen vor, und zwar von genauen Kennern von Land und Leuten bet Reichslande. Uebereinstimmend warn­ten alle diese Aeußerungen vor den Folgen der geplanten Verfassungsänderung. Nach ein­gehender Erörterung wurde folgende Entschlie­ßung einstimmig angenommen:

Der Geschäftsführende Ausschuß bei Alldeutschen Verbandes hat die von den Ver­bündeten Regierungen vorgeschlagene Ver­fassungsänderung in Elsaß-Lothrin- gen von vornherein als eine Gefahr für das Deutschtum im Reichslande und für die Machtstellung des Reichs an­gesehen und ihre Einbringung deshalb be­dauert. Er hat die Ueberzeugung, daß dis Annahme des jetzt dem Reichstage vorlie- genden Entwurfes schwere Erschütte­rungen der Ruhe und Sicherheit des Rei. ches zur Folge haben wird. Der GeschäftS- führende Ausschuß ist der Ansicht, daß die endgllttge und gedeihliche Lösung der reichs­ländischen Frage nur durch die Einverlei­bung Elsaß-Lothringens in das Königreich Preußen erreicht werden kann.

Das zweite Thema der Beratungen bil­dete das Enteignungsgesetz. Hinsicht- lich der Verzögerung in der Anwendung des Enteignungsgesetzes wurde von allen Setter auf die Beunruhigung der öffentlichen Mei­nung hingewiesen und zum Ausdruck gebracht daß die Polenpolitik vor einer entschei­denden Wendung stehe. Die Ansicht des Ge- schästsführenden Ausschusses wurde in folgen­der Eittfchließung niedergelegt:

Der Geschäftsführende Ausschuß des All­deutschen Verbandes bedauert, daß die Preu­ßische Staatsregierung bisher das Enteig« nungsgesetz nicht angewendet hat, und teilt die Befürchtung weitester vaterländi­scher Kreise, daß durch Verzögerung seiner Anwendung dem preußischen Staat und dem Deuffchtum im Osten nicht wieder gut zu machender Schaden zugefügt wird. Der Ausschuß ift deshalb der Ansicht, daß die Enteignung unverzüglich angewendet werden muß; er spricht feine wiederholt vertretene Ueberzeugung aus, daß ein dauernder und endgiltiger Erfolg gegen-