!♦ Jahrgang.
Nummer 48
g Hessische Abendzeitung
Laflrlrr Wrndzeituiig
Tie „(Saffeltt Neueste Nachricht«,' erscheine« wöcheEch sechsmal. SiS auf weiteres werden die »Neueste Nachricht«,' allen Kamillen in Haff et völlig kostenlos geliefert. TruUeret, Verlag tu RedoMon: Echlachthofstratze 28/30. Berliner Vertretung; SW, Friedrichstraße 16, Telephon. Amt 1V. 676.
gnserttonSpreile: Die lechSgespaltene Zeile für einheimische GeschLste 18 Bf. für auswärtige Inserate 'S> vfg Reklamezetl« für einhetmifche ®e> schLfte 40 Pf. für auswärtige 00 ®t «efchäftSflelle: »ölnifche Strafte 5. Berliner 'Vertretung, SW. Friedrichftraße 16, Telephon. Amt 1V. 676.
Sonntag, den 29. Januar 1911
Fernsprecher 951 und 952<
Fernsprecher 951 nnd 952.
Herr Plate, M. d. H.
Ei« Klempnermeister im Herrenhaus.
Das Hohe Haus der .erlauchten, edlen enb geehrten Herren" in Preußen hat UWe- wohnten, aber grade deshalb umso schätzenS- wertern Zuwachs erhalten: Der König von Preußen hat aus besonderm Vertrauen am Tag seines dreiundsünszigsten Wiegenfestes den Vorsitzenden des Deutschen Handwerker- und Gewerbekammertags und Obermeister der Klempner-Innung in Hannover, August Plate, auf Lebenszeit ins Herrenhaus berufen und dadurch dem .Eliteparlament- zum ersten Mal seit seinem Schöpfungstag einen Angehörigen des Handwerks und Mittelstands zugesellt. Die Berufung des Hannoverschen Klempnermeisters ins Haus der Peers ist ein »Symptom der modernen Zeit- und ein Ereignis, das aus seinem politischen Motiv heraus beurteilt werden muß, um cs gebührend würdigen zu können. Das .Haus der Herren- war auch in Preußen von altershcr der Gegenstand grimmigen Haffes auf Seiten der Gegner und das Objekt giftigen SpottS, der in der Ersten Kammer der Monarchie den Hort parlamentarischer Reaktion sah und mit allen Kräften bemüht war, die Existenzberechtigung der »fossilen Institution- zu entkräften. Otto von Bismarck hat das „Oberhaus" an der Prinz Albrechtstraße in Berlin einst den »Ballast im preußischen Staatsschifs- genannt und damit unbewußt den Gegnern des Herrenparlaments eine Waffe gegen die Erste Kammer in die Hand gegeben, die, geschärft durch ethhmologische Klügeleien, stets mit Ausdauer gegen die Peerskammer geschwungen worden ist.
Der „Ballast im Staatsschiff" hat sich in- dessen in sturmbewegter Zeit als außerordentlich nützlich erwiesen, und erst in den Tagen des WahlrcchtS-Haders in Preußens Parlamenten hat das Herrenhaus wieder bewiesen, daß fein Dasein im Staate ein wohltuendes Gegengewicht gegen den Ueberschwang parteipolitischer Leidenschaftlichkeit darstellt, besten Wert politisch nicht unterschätzt werden darf. Daß das Herrenhaus in seiner heutigen Zusammensetzung sich lediglich aus Angehörigen ver sozial und wirtschaftlich bevorzugten Volksklaffen rekrutiert, ist allerdings ein Mangel, und diefer Mangel wird offenbar auch dort erkannt, wo man die Institution als solche zu schätzen weiß. In der Ersten Kammer dominiert der Großgrundbesitz und die Kommunalpolitik; Heer und Marine sind nur schwach vertreten, Industrie und Handel kommen kaum zum Wort, und der Mittelstand war bisher überhaupt ausgeschaltet. Daß dadurch in der parlamentarischen Arbeit des Hauses eine gewisse politische Einseitigkeit großgezogen werden mußte, ist erklärlich, und gegen diese Einseitigkeit wendet sich in der Hauptsache auch die am Wesen des Oberhauses geübte ernsthafte Kritik, die ihre Aufgabe nicht darin erblickt, das „Kind mit dem Bade auszuschütten-, sondern auf dem Boden des historisch Gewordenen verständigen Fortschritt und zeitgemäße Reform zu erstreben. Die Notwendigkeit einer Konzession an die Entwicklung der Zeitverhältnisse wird auch seitens der Krone erkannt, und ein Ausfluß dtes-r Erkenntnis ist die Berufung des Hanoverfchen Klempner- Bisters ins Haus der Herren.
Herr Plate erfreut sich in der deutschen Mittelstandsbewegung des besten Rufs: Aus kleinen Anfängen heraus zum wohlhabenden Handwerksmeister emporgearbeitet, ausgerüstet mit regem politischem Interesse und klarem Verständnis für die politischen und sozialen Bedürfniffe seines Standes, steht er seit Jahren in den vordersten Reiben des deutschen Handwerks und gilt (ein Gegenstück zum eben in Erfvrt verblichenen Handwerksmeister und früheren Abgeordneten Jakobskötter) als einer der weitblickendsten und tatkräftigsten Führer der heimische» Handwerksklasse. Er wird auch im Kreis der „Erlauchten und Edlen- feinen Mann stellen und in das Parlament der Herren einen frischen Zug kraftbewußten Volkstums hineintragen, den alle Einsichtigen dort bisher schmerzlich vermißten. Man darf damit rechnen, daß im grellroten und purpurnen Blätterwald der Mann aus Hannover als der »Renommier-Klempner der Peerskammer' mit billigem Spott überschüttet werden wird, und daß auch diesmal in allen Variationen das Wort von der „Schwalbe, die noch keinen Sommer macht", von der Bierbank aus ins Land klingt. Gewiß: Ter Klcmpnermcister aus der Leinestadt wird das preußische Herrenhaus nicht aus den Angeln heben und wird auch an den alten Tradittoncn des Sonderparlaments
nichts wandeln können. Jedenfalls aber zieht mit Herrn August Plate aus Hannover ein Vertreter des Mittel st ands in Preußens Erste Kammer ein, und diese Tatsache allein stellt schon einen politischen Wert und einen achtenswerten Forschritt dar.
Vom preußischen Herrenhaus kann kein Verständiger liberalen Sturm und Drang verlangen: In den Ledcrpfühlen der Ersten Kammer sitzen in der Mehrzahl Leute, die ihrer ganzen Wesensart nach jenen Regungen fremd gegenüberstehen, aus denen angeblich der Freiheits- und Fortschrittsdrang geboren wird, und die paar Oberbürgermeister, die zusammen mit den Vertretern des „geistigen Elements" die sogenannte Reue Fraktion repräsentieren, sind zum größten Teil dem parteilichen Liberalismus ebenfalls nicht seelenverwandt. Das alles (das man im Gcgnerlager dem Herrenhaus als Schwäche und Mangel anrechnet) hat indessen nicht verhindert, daß die Kammer der Peers in den Sommcrtagen des vergangenen Jahrs sich gelegentlich der Wahlrcchtsdebattcn viel tatkräftiger und zielbewußter erwies, als das aus der Dreiklassenwahl geborene Bolks- parlament, an dessen Unzulänglichkeit und parteilicher Zersplitterung schließlich das Werk scheiterte. Die Lebens- und Attionsfähigkcit der Ersten Kammer und der Wert des „Bal- lasts im preußischen Staatsschiff- braucht also füglich nicht bezweifelt zu werden. Es wird indessen ein erstrebenswertes Ziel nützlicher Arbeit bleiben, dos „Eliteparlamcnt" durch die Berufung zahlreicher Angehöriger der breiteren Volkskreise zu verjüngen, damit sein Wirken mehr als bisher den Bedürfnissen der Volksgesamthcit sich anpasscn kann. Mit Herrn Plate aus Hannover ist. nun der Anfang gemacht worden, und es bleibt nur noch der Wunsch übrig, daß Herr Plate nicht lange der Einzige bleiben möge, dessen Stimme sich im Hs>us der „Erlauchten und Edlen" für die Interessen des Mittelstands erhebt. **
Reichslaud und Reich.
Eine Erklärung des Reichskanzlers.
(Eigene Drahtmeldung.)
Wie uns ans Berlin depeschiert wird, setzte heute der Reichstag nach debatteloser Erledigung zweier Anträge über die Strafverfolgung bezw. Zeugenvernehmung von Abgeordneten in erster Beratung die Verhandlungen über die Verfassung Elsaß-Loth- ringens fort. Der konservative Abgeordnete Winkler erklärte, daß auch die Konservativen diese Materie für eine der wichtigsten ansähen, die den Reichstag beschäftige. Sie seien erstauntübcrdenOptimismus, von dem die Vorlage der Regierung getragen fei. Auch die Konservativen betrachteten den vcrsassungsmätzigcn Zustand, der in Elsaß- Lotbringen vor vierzig Jahren herbeigeführt wurde, nur als ein U e b e r g a n g s st a d i u m und es werde ein Tag Heller Freude sein, wenn die Regierung vor den Reichstag hintreten und sagen könne, daß der Zeitpunkt gekommen sei, Elsaß-Lothringen zu einem selbständigen und gleichberechtigten Bundesstaat zu machen. Nach der Rede des konservativen Abgeordneten ergriff Reichskanzler von Bethmann Hollweg selbst das Wort, um den Standpunkt der Regierung in der reichsländischen Verfaffungsfrage darzulegen. Ein Telegramm uns er es parlamentarischen Mitarbeiters berichtet uns darüber Folgendes:
Berlin, 28. Januar.
Im Reichstag erklärte heute der Reichs- k a n z l e r zu der elsässisch-lothringischen Ber- fassungsfrage: Währenm im Vorjahr sich gegenüber der Verleihung weiterer staatlicher Rechte an die Reichslandc eine günstige Stimmung in der Presse zeigte, ist biefe infolge verschiedener Vorgänge nach und nach merklich zurückgegangen. Ich habe indessen aus der bisherigen Debatte doch einen etwas günstigeren Eindruck erhalten. Daß die Verhältnisse in Elsaß-Lothringen ideale sind, wird niemand behaupten wollen. Die jüngste« Vorgänge zeigten vielmehr, daß die Zeit noch immer nicht gekommen ist, größere Freiheiten «nd größere Selbständigkeit zu gewähren. In ihren äußersten Konse- qucnzen kommt diese Auffassung zu dem Schluffe, daß, wenn überhaupt etwas gesche- yen soll, nur die Einverleibung der Reichslande in Preußen oder in einen anderen Bundesstaat in Frage kommen kann. Ich will keine Behauptung darüber aufstellen, ob eine derartige Ordnung der Dinge, wenn sie im Anfang erfolgt wäre, zweckmäßiger gewesen wäre: würde sie heute vorgenommen werden, so würde sie unzqei- selhaft im schärfsten Gegensatz zu der
Politik des Reichs gegenüber Elsatz-Lothrin- gen stehen. Der Reichskanzler geht hierauf ausführlich auf die historische Entwickln n g der Dinge ein und bemertt dann, daß die Verhältnisse ttotz mancher Zwischenfälle nicht derartige seien, daß man ein Entgegenkommen auf die Wünsche der Elsaß- Lothringer ganz von der Hand weisen müsse.
Die Erklärung des Kanzlers erregte im Reichstag allgemeines Aufsehen, da aus ihr die geringe Zufriedenheit der Regierung mit der Vorlage selbst spricht. Die Erledigung der reichsländischen Berfassungs- frgge wird dadurch noch wesentlich komplizierter, als sie es heute schon ist, und es erscheint fraglich, ob in nächster Zeit eine Erledigung überhaupt möglich sein wird. Die Fraktionen des Reichstages werden heute abend Sitzungen abhalten, um sn den neuen ErMrungen der Regierung Stellung zu nehmen. Man erwartet, daß die Vorlage noch wesentliche Aenderunaen erfahren wird, ehe sie aus der Kommiffiffon zur cnd - a ü l t i g e n Entscheidung wieder an den Reichstag gelangt.
ßiu Srkan im Wen.
Die Wetter-Katastrophe am Schwarzen Meer. (Telegraphische Meldungen.) Depeschen aus Petersbtrrg zufolge herrschen im Küstengelände des Schwarzen Meeres seit einigen Tagen furchtbare Schneestürme, verbunden mit gewaltiaen Schnee-Verwebungen, die namentlich die Stadt Batum schwer heimgesucht haben. Viele Häuser sind eingiHtürzt, und zahlreiche Menschen sollen in dem Orkan nmgekommen sein. Ein Privat-Telegramm berichtet uns über die Katastrophe folgende Einzelheiten:
Petersburg, 28. Januar.
In der Nacht zum '.Lonnerstag herrschte auf dem Schwarze» Meere ebt furchtbarer Orkan, der ungeheures Unglück anrichtete und viele Schiffskatastrophen zur Folge hatte. Der Orkan, der mit Schneefall, Blitz und Donner einl,erging, war so stark, daß in Sewaftovol sogar eiserne Dächer durch die Gewalt des Sturmes abgerissen worden sind. Dachrinnen wurden von den Häusern losgerissen, große Fabrikschornsteine, die durch eiserne Träger gehalten waren, wurden wie schwache Bäumchen umgebrochen und stürzten, Tod und Verderben bringend, ans die Straßen der Stadt, Ladenschilder wurden auf die Straßen geschleudert, Telephon- und Telegraphenpfosten umgeworfen und Bäume entwurzelt. Am nächsten Morgen sah die Stadt aus, als ob sie durch ein gewaltiges Erdbeben zerstört worden wäre, oder als ob sie feindliche Truppen beschossen hätten. Der Seegang war gewaltig hoch, die Brandung an der Felsküste gigantisch. Um vier Uhr nachts erreichte der Orkan seine Höch st e Stärke: Wellen von riesiger Größe stürzten mit donnerndem Krachen über die Ufer und verwandelten den Stadtmarkt und den Strandboulevard in ein wildes Meer. Alle in der nach Nordwesten offenen Artilleriebucht stehenden Fahrzeuge, Fischerbarkassen und türkischen Kotschermen wurden entweder am Kai in Splitter zerschlagen ober von den berghohen Wellen aufs Festland geworfen. Rur fünf Barkassen sind, wenn auch stark beschädigt, so doch noch erhalten geblieben, gegen dreißig dagegen sind zertrümmert, zerschellt und versunken. Ein Fischer, der durchaus sein Fahrzeug retten wollte, wurde vor den Augen der Menge vom Ufer fortgespült und verschwand in den Fluten. Diese furchtbare Tturmnacht Hai in Batum die neuen städtischen Useranlagen völlig zerstört: der erste Stock des Gebäudes der biologischen Station der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften wurde unter Wasser gesetzt. Dabei wurde leider das Aquarium besonders mitgenommen, sodaß dort eine Menge Fische umgekommen find. Auf dem Meer sind mehrere Barkassen mit Arbeitern verschollen. Am nächsten Tage ließ der Orkan etwas nach, wenn auch auf dem Meer noch immer ein gehöriger Sturm tobte. Die Passagierdampfer konnten nicht aus dem Hafen. Am Mittag ging der »Oleg" nach Konstantinopel in Tee, war aber wegen des noch immer hohen Seeganges genötigt, umzukehren und im Hafen Schutz zu suchen. Die Verluste sind noch nicht abgeschätzt, dürsten aber für Sewastopol ganz ungeheure sein. Von städtischen Gebäuden sind außer dem obenerwähnten Kai der ganze Frucht- und Milchmarkt zerstört, ein großer Schuppen im Schlachthof ist
eingestürzt und zwei Anfahrten im Hafen sind von den Fluten fortgeriffen worden.
Wie uns ein weiteres Privat-Tele- aramm meldet, mußte infolge der Wetterkatastrophen der letzten Tage der Bahn- und Postverkehr zwischen den Küstenstädten des Schwarzen Meers ;»tm großen Teil eingestellt werden. Auch aus den übrigen Küstenorten werden schwere Sturmverheerun- gen und Wasserschäden gemeldet, und es verlautet, daß die Zahl der Menschenopfer erheblich größer ist, als nach den ersten Schätzungen angenommen wurde. Der durch die Wasserkatastrophe angerichtete Sachschaden beziffert sich aus Millionen von Rubeln.
Ser Mag der Betermen.
Ei« Vermächtnis aus dem große« Krieg.
(Von unserem Korrespondenten.)
Paris, 26. Januar.
Tas «Pariser Journal" veröffentlicht (Wie der Telegraph bereits berichtet hatt eine seltsame und erstannliche Geschichte, die die Erinnerung zurücksührt in die Zeit vor vierzig Jahren, wo auf Frankreichs Schlachtfeldern deutsche Krieger mit Frankreichs Söhnen einen erbitterten Kampf kämpften. Ein braver Mann (so erzählt das Journal) ist über den Atlantischen Ozean nach Europa gekom- men. um sich eines Auftrages zu entledigen der ihm vor vierzig Jahren
von einem Sterbenden
erteilt wurde. Der Mann war Sergeant in der baveriscken Armee, die damals gerade Paris einschloß. Der ihm den Auftrag gab, war ein französischer Offizier; sic kannten sich nicht. Ein sterbender Soldat richtete eine Bitte an einen Feind und vertraute ihm seinen Ring an, damit er ihn seinen Angehörige« überbringe. Und Mar Sonner (Sommer?!, der bayerische Sergeant, bat während dieser vierzig Jahre das Versprechen, das er am Abend des Schlachttaas gegeben hatte, nickt vergessen. Die Verhältnisse hatten ihm nicht gestattet, früher nach Frankreich zu fommwK- aber er hatte bett Ring wie ein Kleinod auf bewahrt und will, seinem Worte treu, jetzt seine Pflicht erfüllen. Der alte Veteran gibt von dem Vorfall folgende Schilderung: „Ick heiße Mar Sonner und bin am zehnten Februar 1854 in Burghausen in Bahern gehöret-. Den Krieg gegen Frankreich mochte ich als Unteroffizier im dritten Bataillon des ersten Infanterieregiments mit. das damals in München stand. Die Episode, die mich jetzt,
vierzig Jahre nach dem Kriege, nach Frankreich zurückführt, (hielte sich im Laufe des zweiten Kampfes bei E h L t i l l o n ab. Mit dem fünften bayerischen Jägerbataillon hielt mein Bataillon, im Rücken von anderen Truppen unterstützt, den Ort Chötillon besetzt. Am dreizehnten Oktober wurden gegen uns zwei Jnfanterieregimenter geschickt, nut dem Auftrage, uns aus dem Orte zu vertreiben. Sie wissen, daß das Gefecht, das um neun Uhr morgens begann, ungewöhnlich heftig War. und daß der Ort mehreremal wcage- nommen und im Sturm wieder ’.nrüdcrobct wurde. Um die Mittagszeit kämpften wir io nahe, daß ich im Laufe des Kampfes (ich erinnere mich dessen ganz genau) zu meiner Verteidigung das kleine Jagdmesser, dos jeder eckte Baver besitzt, aus der Talche zoa. Um zwei Ubr nachmittags beoannen die Fron zosen endlich sich zurückzuzieben. Aber nickt alle. Einer ihrer Offiziere sammelte, indem er den Säbel schwang, etwa dreißig Mann von verschiedenen Komvagnien. und diese Handvoll tapferer Männer setzte in den Straßen von EhLiillon den heroischen Kampf fort. Sie schossen aus uns mit bewundernswerter Treffsicherheit. so daß fast jede ihrer Kuaeln einen der unsrigen fortriß. Plötzlich sah ich,
wie ihr Offizier fiel.
„Hurra! Vorwärts!" schrien unsere Führer, indem sie uns im Laufschritt mit sich fori- rissen. Durch den Verlust ihres Führers ent mutiflt, setzten uns die letzten Stützen der tav feren Phalanr fast gar keinen Widerstand mehr entgegen. Wir zerstreuten uns und verfolgte« ohne großes Interesse einige besonderes bart näckige Kämpfer, die nickt zu sehen schienen, daß die Schlacht zu Ende war. Es wurde zum Sammeln geblasen . .. Ich kehrte nm. um rasch zu meinem Bataillon zu gelangen. Als ich an den Ort kam, wo ich den französischen Ossizicr fallen gesehen hatte, sah ick, wie dieser, der mitten unter Toten und Sterbenden lag. sich schwach bewegte. Es War (soweit ich mich erinnere) ein Mann von dreißig oder fünstmddreißig Jahren, groß und krästig. Ich erinnere mich nicht mehr genau, ob er Leutnant oder Hauptmann war; ick habe mir nur gemerkt, daß er eine rote Hose mit breiten schwarzen Streifen trug; und rot war auch fein Rock, aber nur von dem Blute, das er verloren hotte. Ich bot ihm meine mit Kaffee gefüllte Feldflasche an. Er schüttelte abweisend den Kopf und machte fieberhaft mit den Händen eine Bewegung, die mich in einen Irrtum ver-