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Nummer 46

L Jahrgang

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Csflrler Abmdrettung

hessische Abendrettung

Fernsprecher 951 mr- 952,

Freitag, den 27. Januar 1911

Fernsprecher 951 und 952.

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Di- .Tasfeler Neueste Nachrichten- erscheinen wöchentlich sechsmal. Bis auf weiteres werden die .Neueste Nachrichten' allen Familien in Cassel völlig kostenlos geliefert. Druckerei, Verlag u. Redaktion: Schlachlhofstrabe 28/30. Berllner Vertretung: SW. Friedrichstraße 16, Telephon: Amt Vl, 676.

aramm berichtet uns aus den Mitteilungen Brazzas folgende Einzelheiten:

vertrauend der Lauterkeit des Volksemp- findens, das sich eins weiß mit seinem Kai­ser in dem stolzen Bewußtsein: Deutschland über alles in der Welt!

könne. Es ist anzunehmen, daß auf Grund dieser Anklagen nun eine eingehende Un­tersuchung des geheimnisvollen Vorganges stattsinden wird. Es ist aber fraglich, ob sie nach so langer Zeit noch Erfolg haben wird, da inzwischen alle Beweisstücke vernichtet und alle Spuren verwischt sind. Dessenungeachtet hat sich die Behörde der Angelegenheit sofort angenommen, und man sieht mit Spannung einer amtlichen Erklärung in der ge­heimnisvollen Affäre entgegen.

Aerzte erklären, die jetzige Pestepidemie sei eine Hl die je um sich gegriffen

habe. Alle bis jetzt verzeichneten Fälle ver- lrefen tödlich. Die Schnelligkeit ihrer Aus­breitung zeige sich durch die Zahl der Erkran­kungen in den Provinzen südlich der großen Mauer, die bereits von ihr heimgcsucht werden, trotz aller Quarantänemaßnahmen. Der Ver­kehr auf der Bahnlinie Tientsin-Kukow ist unterbrochen. Die Behörden teilen mit, daß a ch t z i g P e st l e i ch e n längs der Bahnstrecke südlich von Tientsin aufgcfunden worden sind. Aus Peking selbst werde« jetzt vierzehn Fälle gemeldet, doch ist wahrscheinlich, daß zahlreiche Fälle von den Behörden verheim­licht werden.

JnsertionSpretse: Die sechsgespaltene geile für einheimische Geschäfte IS Vf., für auswärtige Inserate W Pf^ Reklamezeile für einheimische Ge­schäfte 40 Pf. für auswärtige 60 Pf. Geschäftsstelle: Kölnische Straße 5. Berliner Vertretung: SW, Friedrichstraße 16, Telephon: Amt VL, 676.

vom .sozialen Kaiser" entlockte.

Nah an dreiundzwanzig Jahre sind seit­dem vergangen, und noch jedesmal, wenn der Morgen des siebenundzwanigsten Januartags heraufdämmerte, durfte der Deutsche sich be­wußt sein, daß das vergangne Jahr im Dasein des Trägers der Krone der Arbeit für des Reiches Wohl und des Friedens Sicherung gewidmet war; einer Arbeit, deren Früchte allen Denen zugute kamen, die im Schatten des Reichs friedlich strebten und mit dem Monar­chen gemeinsam im Interesse des Vaterlands wirkten. Gewiß: Es zogen auch dunkle Tage herauf; Tage, an denen zwischen Fürst und Volk sich Gegensätze offenbarten, die im Augen­blick höchster Gefahr unüberbrückbar schienen und im Herzen des Volks den Zweifel rege werden ließen, ob ein Ausgleich überhaupt je zu ermöglichen fei. Die .Novemberschatten" von neunzehnhundertacht sind indessen nicht unscheuchbar gewesen und das, was damals trennend zwischen Thron und Hütte stand, darf heut als beseitigt gelten. Auch in eines Kai­sers Seele kämpft menschliches Empfinden, Pflicht und Neigung einen schweren Kampf, und die Psyche des dritten Kaisers ist nicht der­art, als daß sie sich ohne Widerstreben dem Taggebrauch anzupassen vermöchte. In Wil­helm dem Zweiten ist die Eigenart einer in sich geschlossenen Persönlichkeit verkörpert, die nicht mit dem Alltagmaß gemessen werden kann, und deren Vorzüge der Enthusiasmus des Auslands über den Grenzpfahl hinein lauter ins Land ruft, als sie zuweilen im Reich der Zollern selbst gewürdigt werden. Die ganze Eigenart deutscher Verhältnisse (und deutscher Kleinlichkeit) kommt in der Beur­teilung Wilhelms des Zweiten durch die natio­nale Zeitgenossenschaft schärfer zum Ausdruck, als es die historische Gerechtigkeit gestattet: Am lautern Bild des Kaisers hat aber auch die Kritik keine Linie zu dunkeln vermocht, und Deutschland hat ein Recht, mit Stolz und Ver­ehrung auf den Träger der Krone zu schauen, der ihm in drciunbzwanzigjähriger Regie­rungszeit das Gut des Friedens ungemindert erhalten hat.

Was Wilhelm der Zweite an weltgeschicht­licher Arbeit für des Reiches Wohl geleistet hat, wird die Historie einst mit Stolz den Nach­fahrn künden, wenn der Parteien Haß und Gunst nicht mehr der Wahrheit helles Taglicht trübt. Getragen vom hohen Bewußtsein seines verantwortlichen Amts, durchdrungen vom Ge­fühl ernstester Pflichterfüllung und geleitet von dem Streben, ein Herrscher des Friedens und ein Förderer nationaler Entwicklung zu sein, wird Kaiser Wilhelms Gestalt für immer als leuchtendes Vorbild deutscher Herrschertreue vor der Nachtwelt bestehen, und seine Friedens­arbeit wird für ewige Zeiten ein Glanzpunkt in des jungen Reichs mächtig vorwärts drän­gender Entwicklung sein. Höhere Ziele, als die

Ehavez' Lodessturz.

Ein Attentat auf den Simplon-Ueberflieger? (Telegraphische Meldungen.)

zum Gesetz erhoben wurden, allerdings nach einem erbitterten Kampfe in der Staatslegis­latur. Der deutsch-amerikanische Abgeordnete F o e l k e r gab damals die entscheidende Stimme ab. Er war aus dem Hospital, wo er an einer Lungenentzündung darniederlag, nach dem Staatskapitol zur Teilnahme an der Abstimmung gebracht worden. Seine Stimme war aber notwendig, um die Vor­lagen durchzubringen. Seitdem sind allerlei sensationelle Enthüllungen über die Verteilung dieses Fonds, über Be­stechung von Legislaturmitglie­dern gemacht worden, die wohl das Geld nahmen, aber trotzdem für die Vorlagen stimmten, und die Einleitung einer Unter­suchung war das Resultat. Als Stadtkäm­merer hat Hyde auch die Obhut der städtischen Bankdepots, und die Schließung der Northern und anderer Bank­institute seit dem Verschwinden Hydes, wobei auch städtische Gelder in beträchtlicher Höhe festgelegt wurden, haben einen üblen Eindruck hervorgerufen, Als Stadtkäm­merer bezieht Hyde ein Jahresgehalt von _ 12 000 Dollars oder 1000 Dollars pro Monat.

Bürgermeister G a y n o r, der Hyde zum Stadtkämmerer ernannte, hat sich über den Skandal noch nicht geäußert. Hyde hat sich der­art sicher versteckt, daß die New-Orleans'er Presse bereits einige hundert Dollars Beloh­nung für irgendwelche Informationen über sei­nen Verbleib ausgesetzt hat. Es scheint, daß Hyde auch von seinem Hausboot verschwunden ist, da das Boot dieser Tage in Tampa (Flo­rida) festgehalten wurde, allerdings ohne Hyde an Bord zu haben, der es jedenfalls vor­gezogen haben wird, den Staub der Heimat von den Füßen zu schütteln.

Wilhelm der zweite.

Auf der Schwelle eines neuen Lebensjahrs.

Am siebenundzwanzigsten Januartag voll­endet der Deutsche Kaiser sein zweiund- jünfzigstes Lebensjahr, und der Tag ist auch nicht mehr fern, da Wilhelm der Zweite au: den Abend seines dreiundzwanzigsten Regie­rungsjahrs zurückblicken kann. Seit dem tragi­schen Sommersonnentag, der im Unheiljahr achtzehnhundertachtundachtzig Kaiser Friedrichs Leiden endete, ist nun bald ein Menschenalter verflossen, und das Reich der Germanen erfreut sich unterm Szepter des dritten Kaisers einer Entwicklung, die in gleichem Matze kein anders Volk der Erde in wenig Dezennien durchlaufen hat. Seit vier Jahrzehnten ermöglicht der Friede Werke der Kultur und des Fortschritts, und die Segnungen nationaler Entwicklung offenbaren sich auf allen Gebieten wirtschaft­lichen und geistigen Strebens. Als der damals Reunundzwanigjährige als dritter Hohenzoller im ncugegründeten Reich der Väter Thron bestieg, wagte selbst unwandelbares Vertrauen nicht die kühne Hoffnung auf den sieghaften Auffchwung, den deutsche Arbeit und deutsche Art seitdem erkämpften, und manche ernste Sorge knüpfte sich an des Schicksals Walten, das in einer kurzen Spanne Zeit zwei Kaiser von des jungen Reiches Thron zum Grabe niedersteigen ließ, und kraftbewußter Jugend die Bahn zu Tat und Ruhm ebnete. Draußen cm Weltgetriebe wirtten noch die Erschütterun­gen des Schicksalsjahres achtzehnhundertacht­undachtzig nach, als der junge Kaiser schon sein Friedenswerk begonnen hatte, das dann später seinen Namen aller Welt vertraut machen sollte, und das schon in seinen Anfangsstadie« vem Welt- und staatsklugen Leo dem Dreizehn­ten auf Petri Stuhl das bewundernde Wort

Florenz, 26. Januar.

Als Chavez aus einer verhältnismäßig sehr geringen Höhe herabstürzte und unter dem zerschmetterten Flugappparat begraben wurde, blieb Graf B r a z z a mit seinem Freunde Mercatori aus dem Unglücks­platz, um die Trümmer des Apparates zu bergen und, soweit es möglich war, die Ur­sache der Katastrophe aus dem Tatbestand festzustellen. Wie nun Graf Brazza erzählt, fiel es ihm und Mercatori sofort auf, daß ein Flügel des Flugzeuges auffallender, weise nur mit kleinen Nägeln be- festigt war. Noch auffallender schien es ihnen, daß diese mangelhafte Befestigung, die vielleicht in der Eile hergestellt worden war, sehr sorgfältig mit Firnis und Lack überdeckt war, gleichsam als ob dadurch das auffällige Aussehen dieser Stelle hätte verborgen werden sollen. Man konnte nicht den Eindruck los werden, daß hier irgend eine ruchlose Hand im Spiele war, die mit geübter Technik eine gewaltsame Aenderung an dem in­takten Zustande des Apparates vorgrnom- men hatte. Sonst würden nicht solche Be­mühungen dazu verwandt worden sein, die schadhafte Stelle durch eine hübsche Ueber- malung zu überdecken. Bei einer Reparatur, die von Chavez selbst angeordnet worden wäre, würde jedenfalls auf die Schönheit des Aussehens bei weitem nicht solch ein Gewicht gelegt worden sein. Graf Brazza teilte sofort seinen Verdacht der Sachver­ständigenkommission des Simplon- flugs mit. Es wurde aber trotzdem eine Untersuchung nicht eingeleitet, jedenfalls aus dem Grunde, weil man das internationale Aufsehen fürch­tete. Die Sachverständigen, die bei der Katastrophe anwesend waren, waren aber alle der Ansicht, daß der Absturz des Chavez nur aus dem Grunde erfolgt war, weil der Flügel infolge der mangelhaften Be­festigung gebrochen war. Der Bruch eines Flügels wurde auch amtlich als Ur­sache der Katastrophe bezeichnet, sodaß sich die amtliche Fesfftellung mit dem auffälligen Befund deckt. Jedenfalls gegen den Willen der Attentäter hat die Befestigung des Flü­gels während des ganzen Fluges vorgehal-

Lebens in direkte Berührung kommen, und bei denen die geringen Mittel in scharfem Ge- gensatz zu dem heißen Lebensdrang und den Lurusbedürfniflen stehen. Man könnte des­halb den japanischen Sozialismus ganz gut einenBourgeois-Sozialismit s"nen­nen. Er tritt aber trotzdem hier unter densel­ben äußeren Erscheinungen auf wie in Europa. Die japanischen Streiks spielen sich genau so ab wie unsere Arbeitseinstellungen; es gibt auch hier oft (obwohl das japanische Volk sei­nem Charakter nach ruhig und indifferent ist)

bedenkliche Gcwalttäffgkeiten.

Sicherung des Friedens, die Förderung der Volkswohlfahrt und die Wahrung des Reichs- ansehens kann auch eines Kaisers Streben nicht kennen, und vom Kaiser, der nun durch drci- undzwanzig Jahre seiner Väter Krone trägt, darf geschichtliche Aufrichtigkeit vorbehaltlos be­kennen, daß seine Kraft allezeit der Erstrebung dieser Ziele und der Verwirklichung höchster Ideale gewidmet war. Ein Monarch, dessen hoher Sinn so ganz in der Erfüllung seiner Herrscherpflicht aufgeht, wie es bei Wilhelm dem Zweiten auch der kritische Blick erkennen muß, der darf auch auf der Schwelle eines neuen Lebensjahrs voll Zuversicht in der Zu­kunft Dunkel schauen: Vertrauend der Kraft gewissenhafter Pflichterfüllung, ver­trauend dem Stern des Reiches und

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Furchtbar war beispielsweise der Streik vom vierten Februar 1907 in den Kupferbergwer­ken von Ashio: Die Streikenden, die damals von dem der Bourbonenpcst unterscheidet. Ticschon seit drei Jahren in ständiger Erregung

ten, um erst in der letzten Minute die Ursache des Todessturzes des kühnen Simplonübersliegers zu werden. Ucber die Persönlichkeit der Attentäter kann Graf Brazza keinerlei Auskunft geben, da es sich um irgend einen der vielen Techniker handeln kann, die vielleicht aus irgend einer Ursache Chavez feindlich gesinnt wa­ren und nun auf diese schreckliche Weise ihre Rache an ihm ausgeübt haben.

Graf Brazza erflärt zum Schluß in seinem Artikel, daß er nicht mehr länger schweigen

Heber den Todessturz des berühmten Avi­atikers und Simplonüberwinders Chavez macht jetzt der italienische Flieger Gra Brazza, der in den Sportkreisen Italiens einen hervorragenden Namen hat. in dem in Florenz erscheinenden Sportblatt .Piccolo" aufsehenerregende Mitteilungen. Gra: Drazza war bei der unglücklichen Landung des Limplonüberfliegers persönlich anwesend, um den amtlichen Bericht des gelungenen Flugs zur Erteilung des Preises auftuseden. Mit ihm waren zugleich die beiden Lustschiffer Mer eatori und Dutien in Domodossola. um den

Amerika««.

Ncwyorks verschwundener Stadt-Kämmerer.

(T e l e g r a p h i s ch e r Be r i ch t.)

Ein interessantes Vexierbild beschäftigt die Newyorker: Wo ist der Stadtkämmerer Charles H. Hyde? Seit 4.3 Tagen hält er sich seinem Bureau fern, gondelt er in sei­nem Hausboot auf den kühlen Fluten irgend­wo an der Küste herum. Sein .Hausboot beißt .Wartet eine Weile", es ist seinem Namen aber untreu geworden, denn fast nir­gends blieb es lange genug, um identifiziert zu werden. So wirksam svielt er fein Versteck­spiel. daß er selbst Dr. Cook beschämt, ließet die sensationelle Affäre wird uns aus

Newyork, 26. Januar berichtet: Hyde verschwand in demselben Augenblick, in dem ein Untersuchungs­komitee der Staatslegislatur ibn als Zeugen wünschte, um über den Verbleib einer riesigen Summe Auskunft zu geben, die von am Pferderennsvort interessierten Personen vor zwei Jah­ren aufgebracht war, um zur Ver­hütung der Annahme der Gesetzesvorlagen verwendet zu werden, welche das Wetten auf Rennbahnen und überhaupt verboten.

Iar rote gainm.

Japans Sozialisten und Anarchisten.

i (VonunsermKorrefpondenten.)

Rom, 24. Januar.

1 Anläßlich des dieser Tage beendeten gro- : Bett Anarchistenprozesses in Tokio, der mit der qualvollen Hinrichtung der Verur­teilten soeben sein Ende gefunden hat, über­mittelt der in Tokio lebende Korrespondent der Tribuna", Ernesto Cauda, seinem Blatt eine interessante Schilderung des Sozialis­mus inJapan, die interessante Streiflich­ter auf die Tätigkeit der staatsgegnerifchen ja­panischen Parteien wirst.Es gibt heute (so schreibt Cauda) in Japan tatsächlich eine So­zialistenfrage, und für den, der die Geschichte des Landes kennt, ist das durchaus nichts Ueberraschendes. Der Europäer betrachtet die Japaner gewöhnlich als ein zufriedenes

unterwürfiges, ruhiges Voll, das seit vielen Jahrhunderten unter dem feu­dalen Regime demutsvoll das Haupt gesenkt hat, ohne je den Versuch gemacht zu haben, seinen Bedrückern kühn ins Auge zu sehen. Das mag wohl zum Teil wahr sein; man darf aber anderseits nicht vergessen, daß schon in den er­sten Zeiten des Feudalismus der Bauerdie Bambuslanze in die Hand nehmen" und sich gegen seinen Herrn empören konnte, wenn et Unrecht erlitten zu haben glaubte. Und oft empörte er sich nur, um feine persönliche Würde zu wahren, obwohl er genau wutzte, daß seine Lanze bald zerbrochen werden, und daß er seine Kühnheit teuer zu bezahlen haben würde. Das war der Geist, der dieotoko- dato" schuf, die Rebellen, die man überall fand, wo eine gerechte Sache zu verteidigen, ober ein Unterdrückter zu schützen war. Man kann sich also nicht Wundern, wenn man hört, daß auch in den Japanern von heute ein sol­cher Charakter lebendig ist. Dazu kommt aber noch etwas anderes: Während der Reichtum

vor der Wiedergeburt Japans ausschließlich in den Händen der feudale« Herren war und die anderen Bevölkerungs­klassen nicht die geringste Aussicht hatten, je­mals in die Höhe zu kommen, hat sich die Lage jetzt gründlich geändert. Japan hat (un­ter der Anleitung Englands und Amerikas) die Industrien und den Handel zu Ehren ge­bracht, und da Handel und Industrie jedem zugänglich sind, kann jeder, wenn er nur intelligent genug ist, sich zu einer achtbaren und angesehenen Stellung int Staate ausschwin- gen. Daß auf solchem Boden auch der So­zialismus gedeihen konnte und mutzte, ist sozusagen selbstverständlich. Der japanische Sozialismus ist aber eher ein .theoreti­scher Sozialismus", als ein Sozialis­mus, der aus wirflicher Notwendigkeit ent­sprungen ist. Japan hat zwar viele Arme, aber nur wenig Menschen, die ganz hilflos sind und sich in Not befinden. Die Bedürf- tisse des Volkes waren und sind zum großen Teil noch heute sehr Nein; das eigentliche Volk hat daher

keine Neigung für den Sozialismus;

es ist von der Berührung mit der Zivilisa­tion noch viel zu weit entfernt, als daß es chon ihre verderblichen Wirkungen empfunden haben füllte; es lebt vielmehr in feiner großen Mehrheit heute wie gestern sein naives Kin­derdasein dahin. Weit mehr zugänglich für bett Sozialismus finb bie Mittelstands- Haffen, bie mit ben Zentren intensiven

Die Pest in Peking.

Chinesische Jäger als Seuchenbringer.

(Eigene Drahtmelbung.)

Ein Spezial-Telegramm meldet uns aus Paris: Depeschen zufolge, die dem Rettyork Hetald" soeben aus Peking zu­gehen, scheint jetzt festzustehen, daß die Pest­epidemie hier eine sehr große Aus­dehnung angenommen hat. Sie ist durch chinesische Jäger eingeschleppt worden, die im Norden von Sibirien auf Pelztiere gejagt und von dem Fleifch eines der Gattung der Murmeltiere angehörenden Tieres, eines ogenannten Bartages, gegessen hatten. Die Felle der Tiere sind in großen Quantitäten nach Vancouver (Amerika) gesandt worden. In der Tat sind diese Jäger die Ersten gewesen, die der Pestepidemie zum Opfer gefallen sind. Bisher ist kein einziger Fall festgestellt worden, in dem die Pest durch Ratten übertragen worden ist. Das Studium des Blutes der Pestkranken hat ergeben, daß der Bazillus der etzt ausgebrochenen Krankheit sich wcfentlich