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Nummer 45

CasscklMueste

Cassekr Abendzeitung

Die »Tafseler Neueste Nachrichten" erscheinen wöchenütch sechsmal. Bis auf weiteres werden die .Neueste Nachrichten" allen Familien in Gaffel völlig loftenlos geliefert. Truäerei, Verlag u. Redaktion: Schlachthofftratze 28/30. Berliner Vertretung; SW, Friedrichstraße 16, Telephon: Amt VI. 676.

Fernsprecher 951 und 952.

Donnerstag, den 26. Januar 1911

Fernsprecher 951 und 952.

Sie Fhre der Hauser.

Dergute Ton" in Preußens Landstube.

Im preußischen Abgeordnetenhaus, »essen Etatunterhaltung der selige Eugen Richter einst mitleidigein Plauderstündchen" nannte, hat in der Hitze des Werktaggefechts der Genosse Hoffmann (dasenfant ferrible" der kleinen roten Fraktion) den Präsidenten der Unverschämtheit ge­ziehen, und die fünf Mitstreiter des impulsiven Herrn Hoffmann haben sich mit ihrem Frak­tionskollegen (nachdem die bürgerlichen Par­teien gegen die gröbliche Verletzung des parlamentarischen Tons entschieden Ver­wahrung eingelegt hatten) solidarisch erklärt. Die Sache ist einigermaßen fatal, und es ist begreiflich, daß die Frage, wie einer Wieder­holung solcher und ähnlicher Szenen vorge­beugt werden kann, dem Konvent der Senioren ernstliche Sorgen bereitet. Man hat gestern in den Sitzungen der Fraktionen die durch die Geschäftsordnung gegebenen Abwehrmaßregeln erörtert, scheint indessen davon nicht sonderlich befriedigt zu sein und erwägt deshalb den Gedanken, ob angesichts der üblen Sitten des parlamentarischenSauherdentons" nicht eine abermalige Verschärfung der Ge - fchäftsordnung angemessen erscheine. Uns dünkt eine solche Maßnahme (wenn sie wirklich geplant sein sollte) wenig glücklich, denn fürs erste bietet die jetzt bestehende und im letzten Sommer erstverschärfte" Geschäfts­ordnung genügend Handhaben zur Wahrung des parlamentarischen Anstands, sodann aber auch dürfte es sich aus ästhetischen Gründen kaum empfehlen, die Rauhbeinigkeit des Ge­nossen Hoffmann zum Anlaß einer besondern Aktion zu machen, die dem Zehngebotemann unverdienterweise ein Märthrerkränzchen ums greise Lockenhaupt winden würde.

Herr Hoffmann führt zu seiner Entschuldi- bung an, er sei vom Präsidenten des Hauses persönlich gereizt worden und sei in­folgedessen verpflichtet gewesen, sich seiner Haut zu wehren. Präsident von Kröcher soll näm­lich (auf eine deplazierte Bemerkung des Abge­ordneten Hoffmann hin) gesagt haben, Herr Hoffmann seinicht ernst zu nehmen", und der also Gehöhnte will dann in der Erregung über diese Bemerkung die sonst übliche parlamen­tarische Selbstbeherrschung verloren haben. Ob Herr Jordan von Kröcher (dem kaustischer Witz und schneidender Spott auch auf dem Olymp präsidialer Herrlichkeit wohlvertraut geblieben sind) die den Abgeordneten Hoffmann er­regende Aeußerung wirklich getan' hat, scheint noch nicht überzeugend festgestellt; ist sie aber tatsächlich gefallen, so ist sie zum mindesten ebenso bedauerlich, und verstößt genau so scharf wider die int Parlamentshaus geheiligten Bräuche, wie der Zornruf des Genossen Hoff­mann, dessen Leidenschafflichkeit zudem nicht, wie bei Herrn von Kröcher, durch die festen Hemmungen schulgerechter, logisch-konsequenter Denkmethode reguliert wird. Herr Hoffmann gehört im Preußenparlament zu den Rednern, die um ihres Temperaments, nicht um ihrer Ueberzeugungskraft willen gern gehört werden, und wenn er zuweilen die Heiterkeit des Ham ses weckt, so geschiehts dann und wann sogar durch einen lapsus linguae, dessen Urwüchsigkeit indessen die Mängel der Technik schonend ver­deckt. Es gab einen Tag, an dem Herr Hoff­mann mit dröhnender Stimme ins Parlament hineinrief:Meine Herren, das ist nicht nur eine Heraussorderung; nein, meine Herren, das ist eine Provokation!" Und in die schallende Heiterkeit des Hauses stimmte dann (nach der Erkenntnis des Lapsus) Herr Hoffmann am lautesten ein. Trotz alledem: Der Vorwurf, daß manden Abgeordneten Hoff­mann nicht ernst nehme", ist unberechtigt und mußte den Betroffenen im parlamentarischen Empfinden verletzen.

Demgemäß scheints, als sei die Schuld am üblen Intermezzo auf beiden Seiten zu suchen: Der Abgeordnete Hoffmann wurde be­leidigt und beleidigte wieder, gab das Stein­chen des Spotts mit dem Erdklumpen grober Beleidigung zurück und wandelte das zarte Porzellanfigürchen parlamentarischen Wohl- anstands unterm Entsetzen des Hohen Hauses in ein betrüblich Trümmerhäufchen. Daß man nun im Rat der Fraktionen darüber sinnt, wie am sichersten einer Wiederholung solcher Ucbel- iat vorzubeugen sei, ist löblich und zeugt von dem Ernst der Beteiligten, dieEhre des Hauses" vor den Zufälligkeiten der Alltags­laune zu schützen. Erfreulicherweise findet eine abermalige Verschärfung der parla­mentarischen Hausordnung (nachdem eben erst

das Schwert aufs neue geschliffen ward) nur wenig Sympathie; dahingegen macht sich die verständige Auffassung merkbar, daß einerseits eilens der Abgeordneten alles zu meiden ei, was die parlamentarische Würde irgend zu verletzen geeignet erscheine, daß auf der andern Seite aber auch jegliche Herausforderung des Schwächen! durch das Präsidium verhütet werden müsse, da die Präsidialgewalt das Organ des gesamten Parlamentarismus repräsentiere und infolgedessen die Objek­tivität die unerläßlichste Voraussetzung für die ersprießliche Leitung der Geschäfte sei. Nun wird allerdings niemand einem Parla­ments-Präsidenten zumuten können, daß er wie ein eherner Gott unbewegt und unbeweglich überm* Gewühl der Meinungen und Selben« chaften throne und am eignen Empfinden alles Menschliche unberührt abprallen lasse, und wer Herrn Jordan von Kröcher kennt und die Methode seiner präsidialen Geschäftsleitung zu würdigen versteht, wird's begreiflich finden, daß grade er (der mit den Leuten auf dem linken Flügel schon so manchen Sturm erbittert ocht) nicht derFels im Meer" zu fein ver­mag, an dessen granitner Kühle sich die Wogen schäumend brechen. Auch Herr von Kröcher ist ein Mann des Temperaments und des Impulses, und weun's nun der Zufall will, daß zwei Köpfe dieses Genres gegeneinander- ahten, bleiben Beulen selten erspart. Daß darunter dieEhre des Hauses" leidet, bleibt reilich zu bedauern; wenn aber diese Ehre gegen Zufälligkeiten geschützt werden soll, darf die Sicherung keine einseitige sein, sondern muß beiden gerecht werden: Dem Starken und dem Schwächcrn! **

Der Kampf gegen die Best.

Immer neue Opfer der Epidemie. (Telegraphische Meldungen.) Wie uns aus Berlin berichtet wird, hat die chinesische Regierung in einer Zirkularnote mehrere Mächte gebeten, China int Kampf gegen die Pest durch Entsendung wissen- chastlicher Kräfte zu unterstützen. Man hat Ich in Peking auch an Deutschland gewandt und die Berliner chinesische Gesandtschaft hat das deutsche auswärtige Amt ersucht, geeignete Schritte zu tun, damit auch deutsche Aerzte und Gelehrte sich der chinesischen Regierung zur Verfügung stellen. Das Auswärtige Amt hat eine Erfüllung dieser Bitte zugesagt. lieber das Vordringen der Seuche berichtet uns ein Privat-Telegramm aus

Petersburg, 25. Januar.

In FudSjadjan, dem PestherS, find aus Peking tausend chinesische Sol­daten und englische Aerzte einge­troffen. Ganze Straßen werden auf gerif« fen und ausgeschwefelt. Die Sterb­lichkeit in Charbin wächst täglich. Jeden Tag werden zahlreiche Tote von der Straße aufgelesen, da es an der Möglichkeit gebricht, die Leichen bestatten zu können. Die von der Regierung getroffenen Abwehrmaßnah­men haben sich bisher als unzulänglich erwiesen und die Bevölkerung setzt auch ihrerseits der Durchführung der behördlichen Maßregeln auS Aberglauben den schärf- stenWiderstand entgegen. Es find des­halb Truppen beordert worden, um die Durchführung der Absperrung und der sanitären Maßnahmen gn erzwingen.

Einem uns aus London zugehenden T e- l e g r a m m zufolge berichtet dieDaily Mail" aus Peking, daß in dem Europäer-Viertel wegen bet Pest eine Panik ausgebro- chen fei. Die Europäer verproviantieren sich wie zu einer Belagerung, unb Eingeborene werben nur noch nach einer Quarantäne zuge­lassen. Da bie Zahl bet Todesfälle in ber Mil- lionenstabt Peking gestern erst elf betrug, so erscheint bie Nachricht erstaunlich, wenn nicht biefc elf Todesfälle gerade in dem Europäer­viertel (wo eine genauere Kontrolle geübt wirb) vorgekommen sind.

Sturm iu Hellas?

Griechenlands früherer KriegSminister verhaftet. (Telegraphische Meldungen.) Wie wir schon gestern kurz mitgeteUt haben, ist in Athen eine neue Militär-Ver­schwörung aufgebeckt worben. . Man ent­deckte, baß ber Oberst Lapathiotis, ber unter ber revolutionären Regierung Kriegs­minister war, Unteroffiziere in später Stunde bei sich empfing, entgegen den bestehen­den Vorschriften. Vorgestern würbe infolge« bessen ber Oberst verhaftet, ebenfo die sechs mitschulbigen Unteroffiziere, lieber bie Vor­gänge melbet und ein Privat-Tele- qramm aus

Athen, 25. Januar.

Die Verhaftung des Obersten Lapathio­tis und ber sechs Unteroffiziere hat hier

tiefe Bestürzung hervorgerufen. Wie weit bie revolutionäre Bewegung im Heere verbreitet ist, unb welche Absichten sie ver­folgt, ist noch nicht ganz sicher. Es ist aber ge­wiß, baß sie keinen antibynastischen Charakter tragen sollte, fonbern vielmehr gegen ben Minister Venizelos ge­richtet war, ber burch verschiedene Verfügun­gen bie Unzufriebenheit unter ben Unteroffizieren erregt hat. Die Regierung war feit längerem schon von allerlei geheim­nisvollen Zusammenkünften und Verstänbigungen unter ben Unteroffi­zieren unterrichtet, ebenso bavon, daß sie häufig spät nachts im Hause von Lapathiotis zusammenkamen. Lapathiotis sagte in sei­nem Verhör aus, baß er allerdings Unter­offiziere bei sich gesehen und ihre Klagen an­gehört habe, weil eine größere Anzahl von ihnen trotz bestandener Prüfungen zur Un- terofsizierschule nicht zugelassen wurden. Er bestreitet aber, baß er barüber hinaus in ir­gend welcher Beziehung zu ber Bewegung stehe. Venizelos äußerte, in bem selbstver- stänblichen Bestreben, bie Affäre möglichst harmlos hinzustellen, baß bis jetzt kei­nerlei Grunb zu Beunruhigun­gen vorliege. Vorläufig sehe bie Angele­genheit noch nach einer einfachen Disziplin­verletzung aus. Dahingegen macht sich in politischen Kreisen eine lebhafte Beunruhigung bemerkbar, unbman be­trachtet bie Umtriebe bes früheren Kriegs­ministers als Ausfluß bet im ganzen Heer herrschenben Unzufriebenheit mit ber gegen­wärtigen Regierung. Die griechische Presse äußert sich über bie Vorgänge mit großer Reserve; es heißt aber, baß Lapathiotis' Ver­haftung in Offizierskreisen große Erregung hervorgerufen unb bie ohnehin schon herrschende Erbitterung noch ge­steigert habe. Die Situation erscheint jebenfalls recht kritisch unb es unterliegt kei­nem Zweifel, baß Lapathiotis im Heere bis herauf zu ben höchsten Chargen Anhän­ger hat, bie bereit fein würben, jeben Augenblick bas jetzige Regime zu stürzen.

Einem Telegramm aus Athen zu­folge hatten bie verhafteten Unteroffiziere in einer Eingabe an ben König gegen das von ber Regierung erlassene Verbot von ihrer Neuaufnahme in bie Unteroffizierschule prote­stiert. Nach einer Blättermelbung hatten die Unteroffiziere beschlossen, im Falle ber Zurück­weisung ihres Protestes zu befertieren unb in frembe Dienste zu treten. Das Ktiegs- ministerium hat heute gegen Lapathiotis unb bie verhafteten Unteroffiziere ein kriegsge­richtliches Verfahren eingeleitet.

Nach der Katastrophe.

Neue Sicherhettsmatznahmen für Unterseeboote. (Von unserem Marine- Mitarbeiter.) Von einem Marine-Fachmann wirb uns im Anschluß an bie Katastrophe besU III" geschrieben: Die nächste Folge ber Unter« seebootskatastrophe wird voraussichtlich in ber Einrichtung neuer Sicherheitsmaß­nahmen für unsere Unterseebote zu sehen sein. Diese Sicherheitsmaßnahmen bürsten sich auf zwei Punkte erstrecken, nämlich auf die Lufterneuerung im Unterseeboot, unb auf bie schnellere Möglichkeit ber Hebung eines gesunkenen Unterseebootes. Es würben schon bisher mehrfach neue Erfiubungen auf dem Gebiete ber Lufterneuerung im Unter­seeboot von der Marineverwaltung untersucht unb erprobt, ohne daß jedoch bisher ein System alS tadellos funktionierend angesehen werden konnte. Die Sachlage ist bie, baß bei Unver­sehrtheit des Unterseeboots bie bisherigen Ein­richtungen völlig genügten. Da früher bei den englischen Unterseebooten bie Benzinbämpfe öfters in bas Bootsinnere bringen, ftnb jetzt die Benzintanks außerhalb bes sogenann­tenDruckkörpers" angelegt. Ein Einbringen von Benzinbämpfen in ben eigentlichen Kör­per ist also ausgeschlossen. Der Bootskörper, ber aus Stahl besteht, hält einen Druck von fünf Atmoshären aus unb kann deshalb bis zu 50 Meter untertauchen, ohne baß eine Beschä­digung entstehen kann. Ein Einbringen von Wasser ist barum unter normalen Umstän­den ausgeschlossen. Kommt es aber boch vor, bann ist auch jetzt schon Vorsorge gettof- fen. daß bie Besatzung möglichst lange frische Lust hat. Im Innern bes Bootes »ftnb beson­dere Lustremigungsapparate angebracht, bie bie ausgeatmete Kohlensäure entfernen. Außer- bem hat jebes Unterseeboot Preßlnftbehälter zum Abschleubern ber Torpedos.

Wenn trotzdem imU III die drei Leute im Turm erstickt sind, bann sind bie bisherigen umfangreichen Maßnahmen noch nicht ausrei- chenb, unb man wirb baran gehen, neue zu treffen, bie eine verhältnismäßig absolute Sicherheit für bas Leben ber Mannschaften ge­währen. Welcher Art biefe Maßnahmen fein

werben, ist vor ber Hand noch nicht zu bestim­men, da bis jetzt sich noch kein System be­währt hat. Ob dieSchutzhelme" ber engli- fchen Unterseeboote, von benen jüngst viel bie Rede war, ein sicheres Mittel gegen Katastro­phen sind, ist augenblicklich noch gar nicht sicher. DerSchutzhelm" hat mannigfache Vorrichtun­gen zur Verlängerung bes Lebens im Unter­seeboot. Diese Vorrichtungen ftnb ober nicht besser, als anbere berartige Einrichtungen, die sich bisher schon bewährt haben. Im Falle ber Gefahr ist bie Wirksamkeit ber Schutzhelme noch nicht erprobt worben. Auf ber anberen Seite ist aber ein ungeheurer Mechanismus zu be­wältigen, ber sehr zeitraubend ist. Beim Un­tersinken eines Unterseebootes hat bas Abwer­fen bes Bleikiels bei ber italienischen Marine schon eine sehr günstige Wirkung gehabt. Man darf hoffen, baß diese Sicherheitsmaßnahme stets wirksam bleibt. Sinkt bas Unterseeboot in verhältnismäßig flachem Wasser, bann ist ein schnelles Heben bes Unterseebootes am et- solgversprechenbsten. Es werben also bie Maß­nahmen, bie zur schnelleren Hebung gesunkener Unterseeboote dienen können, ergriffen werben, um auf biefc Weise bie Sicherheit der Unter­seeboote am erfolgreichsten zu gewährleisten unb man barf auch zu unserer Marineverwal­tung bas Vertrauen haben, daß sie nichts un­versucht lassen wirb, um bieses Ziel zu errei­chen. v- M-

Ser Mnig unter Wache.

König Georg unb die Geheimpolizei.

London, im Januar.

Trotzdem die Bewegungsfreiheit des eng- lisch en Königs und seiner ganzen Fami­lie eine ungleich größere ist, als jene irgend eines anderen Herrschers, darf man boch nicht annehmen, baß Georg ber Fünfteunbewacht" durchs Leben geht. Die Arrangements, bie bie Geheimpolizei trifft, sind allerbings so geschickt burchgesührt, baß bas göße Publi­kum, bas ben König im Hyde-Park reiten ober spazierengehen sieht, fast niemals eine Ahnung hat, wie sorgfältig unb systematisch jeder Schritt des Monarchen behütet wird. So lange Georg Prinz von Wales war, standen ihm in Marlborough House bloß zwei Detek­tivs zur Verfügung; in Buckingham-Palace hat er jetzt

jederzeit zwölf Mann um sich, und zwei davon sind immer (das ist wörtlich zu nehmen) in seiner unmittelbaren Nähe ober zumindest in Sehweite. Bei Nacht stehen zwei Wächter vor dem Eingang seines Schlafge­machs. Diese Detektive unb auch jene des Ta­gesdienstes werden nach einigen Stunden ab- gelöst, damit keinerlei Ermüdung oder Abspan­nung sie an bei Wachsamkeit hinbert. So forg- fältig biefe Vorkehrungen getroffen werden, so geheim werben sie burchgesührt, unb selbst die allernächste Umgebung des Königs, ja oft dieser selbst, weiß nicht, w o bie Detektivs postiert ftnb, ober welche ber herumstehenden Lakeien echt ober nur verkleidet sind. Der König kommt nur mit einem Geheimpolizisten, bem.Ches" in Berührung, unb zwar hat er mit biefem zuminbest einmal täglich ein Inter­view. Der Chef wirb stets von ben Absichten bes Königs unterrichtet, so weit bies vorher möglich ist unb bann bestimmt er feine Maß­regeln. Fährt ber König fpazieren, reitet er aus ober will er einen Besuch machen, so tele­phoniert ber Chef an die nächste Polizeistation derjenigen Gegend, bie bet König passieren wirb. Von dort aus werben

bie Wachleute auf der Strasse instruiert, bamit sie unauffällig aber scharf bie Umgebung bewachen. König Georg hat eine Leibwache von zwei Mann, bie ihm überallhin folgt. Der königlichen Equipage fol­gen bie Unzertrennlichen auch in einem Privat­wagen ober in einem Gefährt, bas sich burch nichts von einem Straßen-Cab unterscheidet. König Eduard, der fein Automobil liebte, hatte stets neben feinem Chauffeur einen als Auto­mobilisten verkleideten Detettiv sitzen. Ist der König irgendwo zu Gast, so quartieren sich selbstverständlich die Detekiivs auch dort ein; bleibt ber König zum Wochenenbe im Lanbhaus irgenb eines Aristokraten, so wirb ihm unb sei­ner Suite ohncbies eine ganze Zimmerflucht eingeräumt unb ein Gemach in ber unmittel­baren Nähe bes Monarchen ist immer ben G e- heimpolizisten reserviert. In ben Kor­ridoren von Buckhingham Palace sinbet man ieberzeit Detektivs in geeigneter Tracht, boch ftnb hier bie Vorkehrungen nicht so umfang­reich wie zum Beispiel in Winbsor Castle. Im Schlosse zu Winbsor sind niemals weniger als fünfundzwanzig Mann auf Wache;

bieses hat seinen Gnmb barin, baß Winbsor mehrere Geheimzugänge hat unb bei jebent muß ein bewaffneter Wächter stehen. Die Ge­fahr, baß König Georg von einem seiner eige­nen Untertanen bebroht wird, ist natürlich äußerst gering, aber bei bet vetschiebenartigen srembenBevölkerung LonbonS sind Vorsichtsmaßregeln bennoch geboten, wenn auch bisher die Anficht vorgeherrscht hat, baß