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Sie PMamente.
Der Tod in den Sielen.
(Von unserem parlamentarischen Mitarbeiter.)
In dem gestern jählings verstorbenen Polenführer von I a z d z e w s k i ist ein Volksvertreter alten Schlags dahingegangen. Seine parlamentarische Glanzzeit ist freilich längst vorbei: Sie fiel in die Kulturkampfperiode, wo die feingeschliffenc Redekunst des aristokratischen polnischen Priesters die Hörerschaft in Bann hielt. Später trat er rednerisch weniger hervor, betätigte sich aber hinter den Kulissen als gewandter Diplomat, der einen viel zu weiten Gesichtskreis hatte, als daß er die wild anstürmenden Leute vom polnisch-radikalen Flügel im Parlament gewähren ließ. Er hat nie ein Hehl daraus gemacht, daß ihm das Treiben der Radikalen vom Kor- fanty-Schlag in der Seele zuwider war. Welche Angriffe andererseits wurden auf den distinguierten Polenführer vom demokratischen Flügel noch im vorigen Jahre gerichtet, als er im Landtag die Erhöhung der Ziviltiste des Königs befürwortete. Für die Sache des Polen- tums bedeutet der Tod Jazdzewskis unbestreitbar einen kaum zu ersetzenden Verlust, und auch im preußischen Landtag wird man diesen Mann vermissen, der zu den geistig regsten und kultiviertesten Parlamentariern zählte, und deffen Rede zu lauschen stets ein Genuß war. Mitten in den Sielen ist er gestorben, als er sich gerade zu einer Fraktionsberatung mit seinen Parteifreunden eingefunden hatte, und über der gestrigen Sitzung des Abgeordnetenhauses lag ein Zug ehrlicher Trauer um einen Mitarbeiter, dessen feine, weltmännisch vollendete Art auch im wildesten Patteigetümmel wohltuend und beruhigend wirkte. -i-
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Ire zweite Lesung des Etats.
Abgeordnetenhaus-Sitzung vom 23. Januar.
Am Ministertisch: von Schorlemer. Das Haus ehrt das Andenken des gestern früh plötzlich während der Frakttonssitzung verstorbenen Abgeordneten von Jazdzewslr durch Erheben von den Sitzen. Vor Eintritt in die Lagesordnung nimmt das Wort
Abg. Stengel (ft): Der Abgeordnete Hoffmann hat in der Sitzung vom 20. d. M., bett ersten Präsidenten dieses Hauses schwer beleidigt. Wemr auch der Abgeordnete Hoffmann infolge einer vorhergehenden, gegen ihn gerichteten Bemerkung des Präsidenten sich zu einer Abwehrerklärung für berechtigt hielt, hat er doch durch den dem Präsidenten, deffen Ehre
die Ehre des ganzen Hauses ist, angetanen Schimpf alles Maß überschritten und nicht nur die Ordnung des Hauses, sondern auch das Ansehen des Parlaments in einer, in Deutschland bisher noch nicht dagewesenen Weise verletzt. (Lebhaftes Sehr richtig!) Da die Fraktion, der der Abgeordnete Hoffmann angehört, keinen Anlaß genommen hat, sein Verhalten gegenüber dem Präsidenten zu mißbilligen, so weise ich im Namen sämtlicher übrigen Patteien die dem Parlament und seinem Präsidenten angetane Beschimpfung aufs nachdrücklichste zurück. (Lebhafter Beifall bet allen bürgerlichen Parteien.)
Abg. Hirsch (Soz.): Ich kann nur erklären, daß wir uns den Ausführungen des Abgeordneten Stengel nicht anschließen können. (La
chen bei den bürgerlichen Parteien.) Es beginnt sodann die zweite Lesung des Etats und eine Reihe kleiner Etats wird ohne Debatte erledigt.
Auf Anregung der Abgeordneten Dr. Wagner (ft) und Dr. König (Ztr.) kündigen Re- gierungsvettreter voraussichtlich noch für laufende Tagung Gesetzentwürfe an über
Vereinfachung im Rechnungswefen und Einführung der Wiederaufnahme im Dis. ziplinarverfahren.
Abg. Fritsch (nl.) wünscht eine Kodifikation des gesamten Beamtenrechts. Es folgt die zweite Lesung des Landwirffchaftsetats. Berichterstatter ist Abg. von Arnim-Züsedom (kons.).
Abg. Schulze-Pelkum (kons.) hält eine Erhöhung des Dispositionsfonds zu Prämien bei Pferderennen für nötig und ersucht um ein Vorgehen gegen die schwindelhaften Tipanzei- gen.
Zum Titel Ministergehalt beantragen die Konservativen Maßnahmen zur Bekämpfung der Maul - und Klauenseuche.
Abg. Reck (kons.) begründet den Antrag. Wir sind damit einverstanden, daß die Maul- und Klauenseuche mitdenschärsstenMit- teIn bekämpft wird, doch sollen unnötige Hätten, insbesondere bei der Ausfuhr von Vieh, vermieden werden.
Landwittfchaftsminister von Schorlemer: Ich danke den Vorrednern dafür, daß sie die Anordnungen der landwirtschaftlichen Verwaltungen zur
Bekämpfung der Maul- und Klauenseuche wohlwollend beurteilt und anerkannt haben. Aus den Zahlen, die ich bei früherer Gelegenheit im Haufe vorgeführt habe, geht hervor, daß gerade in diesem und im vergangenen Jahre unsere Maßnahmen gegen die Seuchen größeren Erfolg gehabt haben, wie in früheren Jahren. Was die Frage der Sperr- maßregeln anlangt, muß darauf geachtet werden, mehr vielleicht wie bisher, daß die Sperrbezirke nicht so groß gebildet werden. Rach dieser Richtung wird eine Anordnung an den Regierungspräsidenten ergehen. Wir werden ferner in Grenzbezirken nochmals die Frage prüfen, ob und inwieweit ein Nofftand der Bevölkerung anzuerkennen ist und es wird Sorge der Staatsregierung sein müssen, zur Beseitigung dieses Notstandes bei- zuttagen.
Abg. Graf von Spee (Ztt.) dankt dem Minister für feine Erklärungen und gibt feiner Freude Ausdruck über die Zustimmung auch der Freisinnigen zu den Anttägen Reck.
Abg. Hoffmann (Soz.): Auch meine Pattei teht auf dem Standpunkt, daß wir jeden Staatsschutz bewilligen bei Seuchen für München fowohl wie Tiere. Bei Milchverkauf wird die Seuche oft verschwiegen, um das Ste- relifieren zu ersparen. Es heißt, es gebe sogar Notagrarier, die ein Interesse daran haben, die
Seuche künstlich zu erzeugen.
(Lachen rechts), um die Grenze hermetisch abzu- chließen.
Aba. Graf Gartner (kons.) verlangt den Desinfektionszwang für die Personen und Hab und Gut des von einem verseuchten Gehöft abziehenden Gesindes.
Die Aussprache über die Maul- und Klau- enseuche schließt, und der Antrag Reck geht an. die Budgetkommission. Das Haus vettagt sich.
Abg. Hirsch (Soz.) verliest eine Erklärung, daß seine Partei sich der vom Abgeordneten
Stengel b’tk.cnen Erklärung nicht anschließen könne, vielmehr das Verhalten des Abgeordneten Hoffmann durchaus billige, (hört, hört!) weil sie darin einen gebotenen Akt der Selb st Verteidigung erblicke, dessen Schärfe sich aus der bisher noch nicht, dagewefenen Herabwürdigung eines Abgeordneten durch den Präsidenten erlläre.
Nächste Sitzung Dienstag 11 Uhr mit der Tagesordnung: Zweite Lesung des Landwirt s ch a f ts e t a t s.
Las PubllüM.
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Theorie und Praxis.
Der Schlußvortrag im Tubettulose- Waudermuseum im Saale der Murhardtbiblio- thek fand am Sonntag nachmittag statt. Der Redner, Herr Dr. K r ö t k e, Chefarzt der Lungenheilstätte Oberkaufungen, wies bei dieser Gelegenheit darauf hin, daß das Moment der Disposition, d. h. der körperlichen Eignung zur Aufnahme der Tuberkulose, Wohl Wittig und nicht zu unterschätzen, aber nicht immer entscheidend sei. Das „massenhafte" Eindringen von Tuberkelbazillen könne auch den gefundesten Körper krank machen. In der Therapie feien die natürlichen Heilmittel vollauf zur Geltung gekommen, wie die zahlreichen Heilstätten zeigten: neuerdings habe man jedoch auch auf das vielfach verkannteKochfcheSerumzurückgegriffen, mit dem (in Vereinigung mit den natürlichen Heilmitteln) gute Erfolge erzielt seien. Wichtig sei, daß die Krankheit frühzeitig erkannt werde; denn die Krankheit fei in dem ersten Stadium heilbar. Auf das Wohnungselend (eine der Quellen der Krankheit) ging der Redner nicht ein, fonbern ließ es mit einem Hinweis bewenden. Soweit die Theorie, nxn die Praxis. In Cassel muß die Stadtverwaltung zur Bekämp- ung der Seuche auch das Jhre b ertragen; denn was helfen alle Reden und Ausstellungen, wenn es am Notwendig» ten gebricht! Der Begünstigung des Grund- stückwuchers, der die natürliche Entwik- k e l u n g der Stadt und die Anlage ge - unber, billiger Wohnungen htnbert, müßte enblich mit eherner Faust entgegengetreten werben. Das schlimmste von allen Hebeln ist bie Staubentfaltung ber „Müllgarbe". Allerbings bemerkte Herr Dr. Krötke, baß in Berlin unter ben städtischen Straßenreinigern keine Tuberkuloseerkrankungen festgestellt seien. Das kommt aber baher, daß in Berlin mit Wasser und staub- bindenden Mitteln gearbeitet wird.Die „famose Trockenreinigung" bleibt Cassel Vorbehalten. Ferner: ist das rauhe Klima Cas- ols mit dem milden Berlins nicht vergleichbar, und schließlich werden auch die todbringenden Miasmen durch die Spalten und Ritzen der Türen und Fenster in bie Wohnungen hineingewirbelt. wo bet Tuberkelbazillus dann nach der Ansicht der Aerzte sein Heim aufschlägt. Man sollte also meinen, es läge im ureigensten Interesse der Stadtverwaltung, die Staubent
wicklung in den Straßen tunlichst auf ein Minimum zu beschränken, da nur dann eine einigermaßen aussichtsreiche Tuberkulose-Bekämpfung möglich ist. Dr. T. D. ,
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Das älteste preußische Kavallerie-Resiment.
Vor einigen Tagen wurde in einem hiesigen Tageblatt bie Frage erörtert, welches bas älteste Kavallerie-Regiment in Preußen sei, unb ich kann nicht umhin, eine weitere Darstellung darüber zu geben. Meiner Ansicht nach ist das älteste Kavallerie-Regiment das jetzige Grenadier-Regiment zu Pferde Dragoner-Regiment Frhr. von Derfflinger, Neumärkisches Nr. 3 in Bromberg. Dieses Regiment wurde im Jahre 1704 von dem zweiten Sohne des Generalfeldmarschalls von Derfflinger in Berlin begründet, und zwar als Grenadier-Regiment zu Pferde. Natürlich war vorerst nur das halbe Regiment beritten, die andere Hälfte zu Fuß. In der Schlacht bei Malkaque im Jahre 1709 erhielt das Regiment die Feuertaufe. Bei dieser Schlacht wurde dem Regiment der Gardestern, auf der Kartusche zu tragen, verliehen. Seinerzeit trugen im Regiment Mannschaften wie Offiziere bie lebernen Grenabiermützen, wie sie heute noch historisch bei wichtigen Ereignissen vorgeführt werben. Das Regiment hat sich an allen Feldzügen hervorragend beteiligt, wurde dann 1866 im Kriege gegen Oesterreich zersplittert (bie Standarte blieb beim jetzigen Regiment). 1866 hieß das Regiment die Dragonerbrigade von Wedell, das Schwester-Regiment sind die Demminer Ulanen und die Pasewalker Kürassiere. Nach dem Feldzuge von 1866 erhielt das Regiment den Namen Neumärkisches Dragoner- Regiment Nr. 3 und als Garnison zwei Eska- drons Greiffenberg in Pommern und drei Eskadrons Treptow an der Rega. 1888 wurde das Regiment nach Bromberg verlegt und erhielt den Namen Dragoner-Regiment Freiherr von Derfflinger (Neumärkisches Nr. 3), Seit dem 100. Geburtstage Kaiser Wilhelms I. trägt das Regiment den Namen „Grenadier-Regiment zu Pferde Dragoner-Regiment Freiherr von Derfflinger, Neumättisches Nr. 3". Der Gardestern befindet sich nicht mehr auf der Kartusche, sondern am Helm, wie ihn die Reserveoffiziere tragen. Auf der Kartusche befindet sich die flammende Granate, eine Auszeichnung, die kein weiteres Kavallerie-Regiment besitzt. Die Uniform ist: Kornblumenblau mit rosaroten Auffchlägen, weißen Knöpfen und weißem Beschlag. C. K.
Der „Mann im Kasten".
In unferm sonst so schätzenswerten Hof- theater hat sich ein Uebelstand eingeschlichen, der vielen Verehrern des Schauspiels, insbe- öndere des klassischen, den Genuß an den Vorstellungen raubt, nämlich das überlaute Souffliere«. Man hat den zweifelhaften Genuß, wie zum Beispiel dieser Tage im „Wallenstein", die schönen Schillerschen Verse doppelt zu hören, und zwar zunächst vom Souffleur und dann . . . vom Darsteller. Hier müßte die Intendantur unbedingt Wandel chaffen, denn diese laute Zuflüsterei ist in einem Hostheater doppelt unangenehm. Vielleicht liegt die Hauptuttache in dem Umstand, daß der Zuflüsterer im Schauspiel eine Dame ist, bereit Organ unb Gründlichkeit störend wirft. Einsender dieses kann sich nicht erinnern, daß der langjährige Schauspiel-Souffleur Haustein jemals fo störend in die Erscheinung getreten ist. T. R.
M Gauner-Lück.
Eine Kriminalgeschichte von St. Adolf.
„Herr Doktor, ich brauche Ihre Hllfe."
Mit diesen Worten trat ein gutgekleideter Mann mittleren Alters in das Sprechzimmer Dr. Schuberts, des beschäftigtsten Arztes der großen Provinzstadt, welcher besonders als Chirurg einen guten Ruf hatte.
Der Hausherr lud den Fremden mit einer Handbewegung ein, Platz zu nehmen, und sagte in jenem beruhigenden und jovialen Tonfall, den er Patienten gegenüber anzunebmen pflegte: „Nun, wir wollen sehen! Wo fehlt es denn?"
Der Besucher lachte hell auf. „Pardon, das ist ein Irrtum. Ich bin, Gottfeidank, ganz gesund. Aber gestatten Sie, daß ich mich vorstelle."
Schubett nahm das weiße Kättchen vom Schreibtische, hielt es dicht vor die Augen, denn er war ein wenig kurzsichtig, und las halblaut: „Max Krause, Kriminalbeamter aus Berlin."
„Sehr erfreut", fuhr er dann geschäftsmäßig fort, indem er eine leichte Verbeugung gegen den Besucher hin machte. „Sehr erfreut, aber da Sie selbst nicht krank sind, ist es wohl einer Ihrer Angehörigen, für den Sie meinen Rai wünschen." '
„Auch das nicht, Herr Doktor. Als ich vorhin sagte, ich brauchte Ihre Hllfe, meinte ich nicht Ihre Hilfeleistung als Arzt, sondern als Mensch, als' Bürger eines gesitteten und geordneten Rechtsstaates. Ich bin auf der Spur eines Verbrechers und Sie sollen mir behilflich fein, ihn zu fangen."
Schubert lächelte. „Das ist ja sehr interessant, und ich bin natürlich gerne zur Hllfe bereit, wenn ich wüßte, wie ich mich dabei anstelle« soll."
„O, nichts leichter als das. Ich will Ihnen tn Kürze das Notwendigste erzählen. Es handelt sich um einen schweren Jungen, einen berüchtigten Einbrecher, der jedoch, wie viele lemes Berufes, im Privatleben sehr ruhig und anständig, ja fogar distinguiert aussieht. Der Bursche hat gestern abend in Berlin einen Einbruch verübt, bei dem es ihm aber nicht ganz nach Willen ging. Zwar gelang es ihm, me Kaffe zu erbrechen und eine beträchtliche eumme zu entwenden, aber der Eigentümer rarn dazu unb feuerte auf ben flüchtigen Vor-1 Becher, mit Erfolg, wie wir aus den Blutspu-1
ren entnehmen konnten. Trotzdem ist der Bursche entkommen."
Dr. Schubert unterbrach den Erzähler mit einer ungeduldigen Handbewegung. „Recht schön, aber ich sehe noch immer nicht, auf welche Weise ich . . ."
„Sofort komme ich zur Sache. Mein Verdacht fiel fofort auf eine bestimmte Person unb würbe noch verstärkt, als ich erfuhr, der Bursche sei am Abend noch von Berlin abgedampft. Ich folgte seiner Spur bis hierher. Im Hotel erfuhr ich, er habe sich nach der Adresse eines Arztes erkundigt und sei zu Ihnen gewiesen worden. So nahm ich denn ein Mietsautomobil und fuhr direkt hierher . Auch der andere kann nicht lange auf sich warten lassen."
Schubert nickte. „Ich beginne zu begreifen."
„Die Sache ist allerdings ganz einfach. Ich könnte ihn ja fofort beim Eintritt noch im Wattezimmer verhaften, aber das würde unnützes Aufsehen erregen und dann ist der Junge . . . eigentlich ist er schon hübsch all . . . ein rabiater Mensch und imstande, mich nieder- zuknallen, wenn ich ihm nicht zuvorkomme, denn er kennt mich ganz gut. Uebrigens kommt noch etwas dazu. Ich habe wohl einen, wie Ich glaube sehr begründeten, Verdacht, aber ganz sicher werde ich meiner Sache doch erst fein, wenn Sie mir das Vorhandensein der Schußwunde bestättgen. Mein Plan ist etwa folgender: Sie haben wohl bier noch ein Rehen; immer, welches Sie mir für kurze Zeit zur Verfügung stellen können."
„Gewiß, hier diesen Heinen Salon". Dr. Schubert öffnete eine Türe und ließ den Ktt- minalbeamten in ein kleines, sehr elegant ausgestattetes Zimmer eintreten. „Tas ist mein Privaffalon, den ich auch bisweilen als Wartezimmer für besonders distinguierte Patienten benütze."
Sehr gut. Ich will da drinnen warten. Sie stellen sich natürlich nichts abnend, verbinden dem Burschen ruhig seine Wunde, bann aber lassen Sie ihn, anstatt baß er das Zimmer direkt verläßt, hier durchgehen. Das Uebrige ist meine Sache."
Schubert nickte. „Sehr gut, unb damit Sie gleich wissen, woran Sie sind, will ich, falls eine Schußwunde vorhanden ist, noch an der Türschwelle eine darauf bezügliche Aeußerung machen."
Krause rieb sich die Hände. „Famos, famos. Ich sehe schon. Sie sind ein idealer Mit
arbeiter, Herr Doktor. Doch jetzt will ich Sie nicht länger aufhalten. Ihre Kranken warten."
Die Untersuchungen Schuberts ließen heute viel von der Gründlichkeit vermissen, die man ihm sonst nachrühmte. Und als einer der Kranken (es war der vierte oder der fünfte in der Reihe) sich Hllfe für eine Schutzverletzung erbat, war Schubert so aufgeregt, daß er sich beinahe verraten hätte.
Während der Arzt die Wunde auswusch und verband, erzählte der Verletzte eine Geschichte, wie er zu der Verwundung gekommen sei. Seine Reisepistole sei ein wenig verrostet gewesen und er habe beim Pützen ungeschickt banttert, so daß der Revolver losgegangen sei. Schubert lachte sich ins Fäustchen und dachte: „Du kannst lange Watten, bis ich dir dein Märchen glaube."
Als der Fremde sich verabschiedete, legte er einen Fünfzigmattschein auf ben Tisch.
„Wie nohel Spitzbuben mit gestohlenem Gelb sein können," buchte Schubert, während er den Empfang des Honorars mit einer tiefen Verbeugung quittierte. Dann begleitete er ben Fremden, der übrigens nur ganz oberflächlich verletzt war, zur Salontüre, die er weit öffnete, und als gäbe er dem anderen noch beim Abschied einen guten Rat, sagte er laut: „Also bitte, große Schonung! Schußverletzungen, auch oberflächliche, sind immer mit Vorsicht zu behandeln."
Im selben Augenbftck, als der Verletzte die Schwelle überschritt, fauste ein Hieb auf seinen Schädel herab, und wie vom Bfttze getroffen fiel er.zusammen. Erschrocken sprang Schubert berbei und fing ihn auf. „Um Gotteswlllen, was haben Sie getan?"
Krause lachte tob. „Pab. an so einem Hieb mit einem amerikanischen Polizeiknüttel stirbt der Bursche nicht. Mit einer Viertelstunde Bc- wuötlonakeit unb etwas Kopfschmerzen nachher ist es abgetan. Immer noch besser, als wenn ? wich oder vielleicht gar uns beide niederge- knallt hätte. Doch jetzt, bitte, ehe er erwacht, ein paar tüchtige Stricke, um ihm Hände und Fuße zu binden."
„Sofort, ich hole ein paar Riemen aus dem Ordinationszimmer."
Wenige Minuten später lag der Verbrecher, der noch immer bewußtlos war. an Händen und Füßen zufammengefchnütt wie ein Wäschebündel auf dem Sofa. Krause lachte befriebiat
„So, jetzt brauchen wir nur noch bie Voli- »ei in verÜändiaLN. Sie haben kroch ein Tele
phon? Dann bitte, klingeln Sie die Haupt- wache an, unb erbitten Sie die Zusendung eines Transportwagens."
„Die Hauptwache? Hm, die ist am anderen Ende der Stabt. Aber ich kann ja die Wachstube anrufen, die zwei Straßen von hier. . ." „Nein, nein," fiel ihm Krause ins Wort, „damit ist mir nicht gedient. Dort haben sie keine Transportwagen. Klingeln Sie nur nach der Hauptwache. Im Ucbrigen lassen Sie sich nicht stören, und fertigen Sie ihre Patienten ab. Ich bleibe inzwischen hier.
Beinahe mit Gewalt schob der Kriminalbeamte den Arzt über die Schwelle und drückte die Türe hinter ihm zu.
Es waren noch mehrere Leute im Vorzimmer und Schubert, in dem nach Vollendung des Abenteuers wieder bet gewissenhafte Arzt erwachte, hatte über eine halbe Stunde zu tun, ehe er sie alle abgefettiat hatte. Gerade, als der letzte Kranke bas Zimmer verließ, betrat ein Kommissär der städtischen Polizei in Begleitung zweier Wachleute bas Vorzimmer.
„Um was handelt es sich, Herr Doktor?"
»Das soll Ihnen Ihr Berliner Kollege erzählen." Schubert wollte in den Salon ein- treten, aber die Türe gab nicht nach. Sie war von innen geschlossen. Man horte deutlich aus dem Nebenzimmer ein dumpfes Stöhnen. Der Arzt erblaßte.
„Um Gotteswillen, der Verbrecher wird sich doch nicht befreit unb am Ende den Kommissär verletzt haben?"
„Das wollen wir gleich sehen!"
Dem gemeinsamen Ansturm der drei Männer hielt bie schwache Tür nicht stand. Polternd stürzte sie ins Zimmer.
„Gottlob, der Verbrecher ist noch da." Und Schubert beutete auf das stöhnende, zusammen- geschnütte Bündel, das auf dem Sofa lag. „Aber wo ist der Kommissär Krause? Und was ist denn das?"
Erschrocken starrte der Arzt um sich. Tie kostbaren Bronzen und Nippes waren verschwunden. das Silberschränkchcn erbrochen und seines Inhaltes beraubt . . .
Drei Monate später wurde der angebliche Krause verhaftet. Er hatte im feiben Hotel mit dem Verletzten gewohnt, hatte gehört,'wie derselbe vom Pottier die Adresse Schuberts erhielt unb darauf seinen Plan aufaebaut, sich der wohlgefüllten Brieftasche zu versichern Dr Schuberts Bronzen und Silberzeug hatte er als Mann, der auch „das Kleine zu ehren" weiv, mitgeheg geheiße» --------- -