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wohl verblüffend genug ausfallen. Diese Kategorie von Veteranen dürste wohl (zumal bei der geringen Anzahl der ihr angehörigen, ganz besonderer Berücksichtigung zu empfehlen sein, auch in denjenigen Fällen, in denen die Betreffenden zwar nicht zu den durchaus Bedürftigen, Wohl aber zu den nicht mit Glücksgütern Gesegneten gehören: denn mancher ist jetzt nicht gerade bedürftig, weil er lange Jahre hindurch Selbstbeherrschung übte und sich Entbehrungen aus- erlegte, während • andere das Leben leichter auffaßten und das Dasein weniger tragisch
Letzte Telegramme.
(Nach Schlug der RedaMo» eingegangen.)
g r a m m aus Berlin berichtet, ist gestern zum Präsidenten der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft Geheimrat Professor Dr. Harnack gewählt worden.
Ein Karlsbader Festspielhaus. Man schreibt uns aus Karlsbad: Die Statthalterei hat dem Karlsbader Advokaten Dr. Stett- ner und dem Berliner Theateragenten Norbert Salier als Vertreter eines amerikanischen Syndikates soeben die Konzession zur Errichtung eines Festspielhauses in Karlsbad erteilt. Das Festspielhaus wird außerhalb der Stadt Karlsbad, und zwar an der linken Seite von der Posthofftraßc errichtet werden. An Stelle des früher in Aussicht genommenen Generalmusikdirektors Albert Dippel -aus Chikago wird der Hofoperndirektor Felix W e i n g a r t n e r aus Wien die artistische Leitung übernehmen, dessen Verpflichtungen zum Wiener Hofopernhause bekanntlich mit Ende Mai 1911 aufhören.
As Frau Curies Niederlage. Aus Paris wird uns depeschiert: Der Wahlkampf in der Akademie der Wiffenschaften v.m den durch den Tod erledigten Sitz des Pbvsikers Professor Gerne; hat gestern mit einer Niederlage der Frau Cu i-r geendet. Zum neuen Mtglied wurde Branlv gewählt.
Ein arabisches Pompeji? Ein Pri- vat-Telegramm meldet uns aus London: Nach einer Meldung der Times ist in der Umgebung von Cordova in Spanien ein arabisches Pompeji entdeckt worden. Es handelt sich um die Ausgrabung eines Platzes, der von dem großen Kalifen Abderah- man III. im zehnten Jahrhundert zur Errichtung eines Lusffchlosses benutzt wurde. Die spanischen Altertumsforscher kannten diesen Platz und seine Bedeutung schon längere Zeit, haben sein Geheimnis aber bisher eifersüchtig gehütet. Jetzt endlich besteht die Aussicht, daß die spanische Regierung eine wiffenschastliche Ausgrabung veranstalten wird, die für die Kenntnis der maurischen Kunst jener Zeit wichtige Aufklärungen versprechen würde. Leider scheinen Privatleute an dieser Stelle bereits schlimm gehaust zu haben.
A Cassel als Kongretzstadt. Ostern findet im Palais-Restaurant der Vertretertag des Verband es der deutschen Typographischen Gesellschaften statt. Eine Drucksachen-Ausstellung wird zu gleicher Zeit auf die Dauer von vier Wochen in der Gemäldegalerie arrangiert. Die Hand- w e r ks k a m m e r, die diesen Fortbildungsbestrebungen des Buchdruckerberufs großes Interesse entgegenbringt, übernimmt in bereitwilliger Weise einen Teil der Unkosten der Ausstellung. Die Stadtverordnetenversammlung soll gleichfalls um einen kleinen Zuschuß zu den Unkosten gebeten werden.
A „Nächtlicher Spuk" in der Lutherstratze. Wird da kürzlich in einem Hauie an der Lüth e r st r a ß e des Nachts der Hausherr wach. Ein Geräusch in seiner Wohnung war die
Die Hoffmann-Affäre.
Berlin, 24. Januar. (Spezial-Tele- gram m.) Aus dem Abgeordnetenhause wird mitgeteilt: Wie verlautet, dürfte der Zwischen- fall des sozialdemokratischen Abgeordneten Hoffmann mit dem Präsidenten v o n K r ö- cher noch nicht erledigt sein. Es besteht bei verschiedenen Parteien die Absicht, auf die Sache zurückzukommen, umsomehr, als sich gestern die sozialdemokratische Partei mit Hoffmann solidarisch erklärt hat. Heute mittag fand, nachdem schon gestern in dieser Angelegenheit Beratungen stattgefunden haben, nochmals eine Konferenz zwischen den Vertretern der bürgerlichen Parteien und dem Präsidium des Abgeordnetenhauses zur Beratung von Schritten in dieser Angelegenheit statt. Verschiedentlich wird eine erneute Bersrbnrffing der Geschäftsordnung erwogen.
Der Landwirtschaftsetat im Landtag.
Berlin, 24. Januar. (Spezial-Telegramm.) Im Abgeordnetenhausr wurde heute die allgemeine Besprechung über denEtatder Landwirtschaft fortgesetzt. Der Abgeordnete von Kessel (kons.) gab ein allgemeines Bild von der Lage der Landwirtschaft. Er führte den Nachweis, datz diese sich nicht so gut verzinse, wie heutzutage vielfach behauptet würde. Als Beweis hierfür führte er an, daß sich das Grotzkapital an der Land- wirffchast nur sehr wenig beteilige.
Im Jähzorn...
Essen, 24. Januar. (Sp ez ia lt cle- gram m.) Eine schwere Ausschreitung beging der Lehrer Strohbusch von der evaugelischen Volksschule in Huttrop, der dcni Trünke ergxbr» ist und mit seiner Rachbar schäft fortwährend im Streit lebte. Er geriet mit der 17jährigen Tochter einer in seinem Hanfe wohnenden Witwe in einen Wortwechsel, weil da-5 Mädchen ihn beim Stratzen- reinigen versehentlich mit Wasser bespritzte. Plötzlich zog der Lehrer einen Revolver aus der Taichc und gab zwei Schüsse auf das Mädchen ab, das schwer verletzt zusammen- brach. Der Täter wurde verhaftet.
A Im letzten Augenblick... In einer hiesigen Maschinenfabrik waren gestern Arbeiter mit dem Heben schwerer Maschinenteile durch einen Krahn beschäftigt. Plötzlich riß das Seil und die schwere Last stürzte aus eine Werkzeugmaschine, die gänzlich zerstört wurde. Die Bedienungsmannschaften sprangen im letzten Augenblick zur Sette und wurden so vor Schaden bewahrt.
A Cassels schwere Industrie. Zwei Erzeugnisse von Cassels schwerer Industrie werden dieser Tage ihre Reise in das Ausland antrc- ten. Es sind zwei große Schnellzugslokomotiven, die die Firma Henschel & Sohn für die Paris-Lyoner Mittel- me e r b a h n liefert. Ter ganze Auftrag umfaßt 30 Lokomotiven. Welche gewaltigen Dimensionen diese Schnellzugsmaschinen haben, kann man ermessen, wenn man erfährt, daß ihre Länge ohne Tender 16 Meter beträgt, während die größten auf deutschen Bahnen laufenden Lokomotiven nur 11 Meter messen. Daß die Firma bereits früher größere Aufträge für dieselbe Bahn zur Ausführung gebracht hat, berechtigt zu dem Schluß, daß die Lokomotiven sich vollauf bewährt haben.
A Und es hat's keiner gewußt . . .? In der letzten Sitzung der Stadtverordneten hat man bekanntlich mit Dankesworten die neue Stiftung eines alten Casselaners, des in London verstorbenen Herrn Dr. Ludwig Mond, entgegengenommen. Dabei wurde von Herrn Kommerzienrat Rosenzweig der Wunsch ausgesprochen, man möchte das Andenken dieses vortrefflichen Mannes dadurch noch besonders ehren, daß man eine Straße in Cassel Ludwig Mond st raße benenne. In der Stadtverordnetensitzung wurde damals der gutgemeinte Vorschlag nicht näher erörtert. Wie uns nun aus unserem Leserkreise mitgeteilt wird, ist die Anregung des Herrn Rosenzweig durch die Tatsachen bereits überholt, denn... Cassel besitzt schon eine M o n d st r a ß c, die im Stadtplan im Feld B 8 verzeichnet ist. Im Adreßbuch findet sich über der Straßen-Anaabe folgender Passus: ..Nach Dr. Ludwig Mond, hervorragender Chemiker, geb. in Cassel, hat seiner Vaterstadt Stiftungen gewidmet". Die Mondstraße verbindet die Gartenstraßc mit der Wolfsangerstraße. Ihr Dasein ist ein Beweis dafür, daß Cassel seinen Wohltäter dankbar in Ehren gehalten bat.
A Ach, wie so trügerisch . .. Ein hiesiger Geschäftsmann wurde bon betrüblichem Geschick heimgesucht: Er machte heute morgen nicht nur die an sich noch erttägliche Entdeckung, daß seine Frau verschwundeu war, sondern gleichzeitig stellte der betrogene Ehegatte auch fest, daß aus seinem Kassenschrank bare viertausend Mark fehlten, die die reisefrohe Gattin wahrscheinlich „zur Deckung der Fahrtspesen" mit sich genommen hat. Ob die Treulose allein oder in Begleitung männlichen Schutzes „unbekannten Zielen" cntgegengedampft ist. hat der betrübte Ehemann noch nicht feststellen können. Ein Detektiv ist bereits auf der Spur der Flüchttgen und der betrübte Gatte hofft, nicht seine Frau, aber doch die viertausend Silberlinge zurückzuerhalten.
A Dem Verdienste seine Krone. Dem O b e r st und Direktor der III.. Train-Direktion in Cassel, Herrn Gutzeit, wurde vom König der Rote Adlerorden III. Klasse mit der Schleife verliehen.
A Mehr Licht für die Fiedler- und Quell- hosstratze! Die Anwohner der Fiedler- und Ouellhofstraße sind mit der Beleuchtung der Sttaßen unzufrieden. Man kann
Ursache, daß er entsetzt aus süßem Schlummer! auffährt und angespannt in das Dunkel hin- cinhorcht. Da: Nochmals das verdächtige, leise Tappen, als ob jemand heranschleiche. Ein Sprung, und der Mann ist aus dem Bette. Vorsichtigerweise hat er die geladene P i - st o l e immer bereit liegen. Die Sicherung wird gelöst, die Waffe schußbereit gehalten, und nun kann's losgehen. Anstatt dem unheimlichen Gast aber nun auf den Leib zu rücken, macht der so stark Bewaffnete „rückwärts marsch" und öffnet das Fenster und bald hallen...laute Hilferufe durch die nächtliche Stille der Straße. Ein noch spät durch die Straßen wandelnder Nachtschwärmer hört sie und ist zum Handeln entschlossen. Er holt . . . einen Schutzmann herbei, von der Ansicht ausgehend, daß der „Dreibund" auch hier den Angreifer zur schleunigen Flucht veranlassen werde. Der am offenen Fenster in tausend Aengsten Harrende hat inzwischen Haus- und Korridorschlüffel seinen Alliierten herunterg.-- worfen, die nun in das Haus eindringen. Da aber die Korridortür noch mit einer Sicherst e i t s k e t t e verschlossen ist, und der „Mann mit der Pistole" das Zimmer nicht zu verlassen wagt, schlagen die Alliierten kurz entschlossen die große Scheibe ein und gelangen nunmehr in die Wohnung. Der Schutzmann zieht seinen Säbel, der andere faßt seinen Regenschirm fester und der Dritte hinterdrein mit dem Schießprügel. Man dringt durch alle Zimmer, findet aber Niemanden. Da plötzlich macht sich das Geräusch von neuem aus dem Nebenzimmer bemerkbar. Leise, auf den Zehenspitzen gehend, schleicht man hinein, macht Licht und . . . findet wieder nichts. Das Feuer flackert lustig im Ofen und die Asche fällt durch den Rost in den Aschkasten: Da . . . horch . . . abermals das verdächtige Geräusch, und nun dämmerts den Dreien: Die vom Rost in den Aschenkasten fallenden Kohlen batten den Spuk verursacht und drei wackere Männerherzen erzittern lassen. Der Dreibund löste sich auf und der Mann mit der Pistole wischte sich beruhigt den Angstschweiß von der Stirn . . .
nert, Grimelle: Fräulein Stiewe, Para- nis: Fräulein Selchow, Herzog Deno- oalin: Herr Alberti, Dinas von Lidan: Herr Heilbach, Ganelun: Herr Jürgen- en, Ugrin: Herr Strial, der fremde Sieche und der fremde Narr: Herr Z s ch o k k e.
A- Am Vorabend der „Rosenkavalier"- Premiere. Aus Dresden schreibt man uns: Das verschleierte Bild des „R o.sen- k a v a l i e r" soll nun am Donnerstag allen Denen preisgcgeben werden, die den fünf- unst sechsfach erhöhten Normalpreis der Ernlaß- karteu zur festgesetzten Stunde ohne Murren erlegt haben. Damir ist Richard Strauß auch in äußerlichen Dingen, wenn man Geldfragen so nennen barf, dem Bayreutüer Maestro zur Seite getreten. Und er kann sich freuen samt dem Opernhauskassierer, daß auch unter diesen erschwerenden Umständen das Haus vierzehn Tage vorher vollständig aus- verkauft war. Der „Rosenkavalier" hat viel Staub aufgewirbelt, aber er wird samt Gefolge trotz alledem in bildsauberer, tadelloser Eleganz erscheinen. Lassen doch die Kostüme, die nach den Entwürfen von Professor Roller- Wien echt und streng historisch aus- gesüstrt sind, allenthalben die weitestgehende Freigebigkeit der künstlerischen Hand des Grafen Seebad) erkennen. Ebenso die Dekorationen von desselben Künstlers Hand, die im ersten Akt geradezu bestrickend wirken sollen. Zu der Erstaufführung im hiesigen Hoftheater staben sich die Großen der internationalen Musik- und Tbeaterwelt fast ausnahmslos als .Premieren-Gäste" angemeldet.
A: Professor Ehrlich beim Kaiser? Wie uns aus Berlin berichtet wird, beruht die von einigen Blättern gebrachte Nachricht, daß Professor Ehrlich gestern vor dem Kaiser einen Vottrag über sein Heilmittel Ehrlid)-Hata 606 gehalten habe, auf einer Kombination, die an die Tatsache geknüpft worden ist, daß Mitglieder der Kaiser- Wilhelm - Gesellschaft aus Anlaß der heutigen ersten Senatssitzung vom Kaiser zur Tafel geladen waren. Ein Empfang Professor Ebrlichs beim Kaiser hat nicht stattgesunde». Wie uns ein weiteres Privat-Tele-
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und abzustufen. Die Militärpässe könnten dazu wohl eine Grundlage bieten. Vollständig einwandfrei würde sich eine solche Einteilung freilich nicht ausführen lassen, aber unvollkommen bleibt ja alles menschliche Tun. Einzelne der alten Veteranen haben die drei Feldzüge 1864, 66 und 70—71 von Anfang bis zum Ende ohne Unterbrechung in der Front ihrer Truppe mitgemacht, haben häufig ihre ganze Willens- Iraft aufgebotcn, um dies durchzusetzen, sich etwa bietende Gelegenheiten, den harten Kriegs- dlciist einmal einige Zeit verlassen zu können, unbenutzt gelassen und daher Lazarette nur von außen kennen gelernt. Viele der Veteranen waren 1864 oder 66 noch gar nicht Soldat oder ihre Truppe wurde gegen Dänemark nicut mobil gemacht, und andere, die am ersten Feldzüge beteiligt waren, schieden vor 1870 aus. Schließlich dürfte es wohl einzelne Veteranen geben, die, außer auf Schießständeu und bei Fclddienstübungen, kaum Pulver gerochen haben. Sogar Verwundete haben nicht immer das schlechteste Los gezogen.
Bei Spichern zum Beispiel wurden verwundete Soldaten von todesmutigen Saarbrückener Samaritern alsbald nach erlittener Verletzung vom Schlachtfelde in die Stadt getragen und sogleich in beste Pflege und sachgemäße ärztliche Behandlung gebracht. Einzelne dieser Verwundeten sind, nachdem sie zunächst freilich Schmerzen zu erdulden hatten, schnell und gänzlich gesteift worden; sie erlitten in ihrer Erwerbsfähigkeit kaum eine Beschränkung und empfanden auch später keinerlei Beschwerden mehr, haben nun aber, die vielen Jähre hindurch, die Verwundungszulage bezogen (die ihnen indessen, dies sei hier besonders ausgesprochen, keineswegs mißgönnt wird) und erhalten, wenigstens auch zum Teil, auch wohl noch Beteranenbeihilfe. Ändere, die nicht verwundet wurden und bei der Truppe blieben, hatten später eine solche Kette von Leiden zu erdulden und so viele Entbehrungen zu ertragen, daß damit wohl mancher Verwundung das Gleichgewicht gehalten wurde. Nicht die Erinnerung an Schlachten und Gefechte, Wohl aber an die ausgestandenen, zum Teil entsetzlichen Strapazen und L e i d en verursacht manchem Veteranen heute noch Grauen. Eine Winter- oder kalte verbstnacht, in erschöpftem Zustande und mit leerem Magen, in völlig durchnäßten, plundri- gen Stiefeln, die dem Straßenschlamm freien Eintritt gestatteten und in Resten von Strümpfen, die der breiige Straßenkot durch- ttänkt hatte, in kaltem, zugigen Raume auf blankem Fußboden liegend verleben zu müssen, hat manchen Willensstärken Menschen der Verzweiflung nahe gebracht. Eine einzige solcher Nächte wog vielleicht schon manche leichtere Verwundung auf.
Das Liegen in nasser, vom Regen durcst- tränkter oder auch durchschwitzter Kleidung, mit eisigkalten Füßen, war immer das Schrecklichste in den Feldzügen und brachte zweifellos Manchem den Tod. Rheumatismus und chronischer Katarrh sind die Folgen und Errungenschaften für viele der noch Lebenden und der ganze Lohn für einzelne Veteranen, die drei Feldzüge ohne Unterbrechung mit- machten, besteht nun in den Erinnerungen, den Kriegsdenkmünzen und unzähligen Stunden nächtlicher Rheumaschmerzen statt erquickenden Schlafes. Außerdem haben auch damals manche Reservisten die mäßigen Ersparnisse, die sie zwischen 1866 und 70—71 machten, im Verlaufe des letzten Feldzuges zugesetzt, um sich kriegstüchtig zu erhalten; dann verdienten sie ein Jahr lang (während der Kriegszeit) nichts und hernach haben sie (bis heute) ein kleines Vermögen an Aerzte» Apotheker und Kuranstalten bezahlt, um die Feldzugsandenken nur einigermaßen abzuschwächen. Vielleickst unterzieht sich einmal Jemand, dem die statistischen Unterlagen zu Gebote stehen, der Mühe, annähernd festzustellen, wieviel Prozent aller Krieger, vom 1864er Feldzuge ab, Wohl die drei Feldzüge ohne Unterbrechung, das heißt: ohne im Lazarett gewesen zu sein, mitgemacht haben. Die richtige Zahl würde, im Verhältnis zur Gesamtzahl der Veteranen,
Kassel« Gartenbau-Freunde.
Vor einem größeren Kreis von Damen und Herren sprach gestern abend Herr Garteninspektor Engeln im Gartenbauverein über „Die Einrichtung kleiner Haüsgärtenund das Formobst". Der Redner ging davon aus, daß die Hausgärten unserer Stadt vornehmlich der Erholung und Erbauung der Eigentümer und Bewohner eines Hauses dienen; es sei Pflicht jedes Naturfreundes, dieses Kleinod so reizvoll und angenehm, wie nur möglich zu gestalten. Ob ein Hausgarten architektonisch oder landschaftlich zu gestalten sei, richte sich nach dem Geschmack des Eigentümers, noch mehr aber nach der Architektur des Hauses. Man soll sich vor der Ueberladung des Gartens mit Vasen und Figuren hüten und bestrebt sein, Kontraste stimmungsvoll abzuwägen. Der Vandalismus in der Behandlung von Hausgärtenanlagen sei in der Hauptsache auf die unsachgemäße Bearbeitung derselben durch „sogenannte" Gärtner (die im Sommer einem ganz anderen Berufe nachgehen, im Winter dagegen sich als Gärtner ausgeben, zurückzuführen. Die Verunstaltung der Gartenanlagen, durch solche unberufenen Personen kennzeichnete der Redner an Modellen und Zeichnungen.
Den Wünschen der Ha u s f r a u würden auch Anlagen für Suppen- und Gemüsekräuter Rechnung tragen. Zu empfehlen fei ferner die Anlage sogenannter Naschgärten für die Kinder. Zuweilen treffe man Turn- und Spielplätze für die letzteren an. Da tue man gut, diese Anlagen durch Pfirsich- und Formobst-Anlagen von den eigentlichen Hausgärten abzusperren bezw. zu verdek- ken. Bezüglich der Forrnobst-Anlagen unterscheidet der Redner drei Hauptgruppen, und zwar: Pyramiden, Schnurbäume und Spaliere. Wie es Pflicht der Hausfrau sei, die Wohnung sowohl gemütlich wie geschmackvoll einzurichten, sei es Pflicht der Haus- und Gar- tenbefitzer, mit gleicher Sorgfalt und bestem Geschmack der Gestaltung ihrer Gärten die volle Aufmerksamkeit zu widmen. Der Vortrag sand bei der Versammlung die denkbar beste Ausnahme und reichen Beifall. Im Interesse der Verschönerung unseres Stadtbildes ist es nur zu wünschen, daß die gegebenen Anregungen des Garteninspektors Engeln allseits auf fruchtbaren Boden gefallen seien.
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es ihnen schließlich nicht verdenken, wenn sie anstatt der jetzt vorhandenen . . . Petroleumbeleuchtung Gasbeleuchtung wünschen. Der Bürg er verein Quellhöser Gemeinde hat sich jetzt mit der Angelegenheit besaßt und eine Eingabe an den Magistrat gerichtet, die eine Verbesserung ^der Beleuchtung der Fiedlerstraße (von der Schlachthof- bis zur . Quellstofftraße) und des oberen Teiles der
Mittwoch, 25. Januar isri.
Ouellhofstraße wünfcht. In der letzten Ver- sammlung kam das Antwortschreiben des Magistrats zur Verlesung. Daraus ging hervor, daß die Stadtverwaltung den Änttagstellern zwei weitere ... Petroleumlampen für den oberen Teil der Ouellhofstraße bewilligt hat. Mit diesem Bescheide war die Versammlung unzufrieden. Cs wurde geltend gemacht, daß die neu angelegte B u n s e n st r a ß e mit Gaslaternen versehen sei, trotzdem diese Sttaße abends fast keinen Verkehr habe. Anders sei es auf der Fiedler- und Quellhofstraße. Hinzu kam noch, daß bei starkem Winde die Petroleumlampen ausgeblasen würden. Auch der Vorschlag des Vereins, die Bogenlampen des Viehhofs zur besseren Beleuchtung der Fiedlersttaße brennen zu lassen, ist abgelehnt worden. 'Die Versammlung nahm einen Antrag an, sich mit einer Beschwerde an den Eingabenausschuß der Stadtverordneten zu wenden, um auf diesem Wege Abhilfe zu erzielen.
A Das Residenz-Theater. Die Direktion teilt uns mit: Heute abend geht „Jugend" von Mar Halbe mit Frl. Hennig als Annchen und Herrn Neukikrch als Hans in Szene. Von Mitwoch bis Sonnabend finden im Residenztheater keine Vorstellungen statt, und am Sonntag abend geht „Rosenmontag" über die Bretter. Demnächst weilt Agnes Sor- m a als Gast im Residenztheater.
A Die starken Männer in der Wunderha-lle. Der gestrige Abend in der „Wunderhalle" brachte den Entscheidungskampf zwischen dem Westfalen Grünewald und dem Holländer, v a n B e r g, der seinen Gegner nach einem erbitterten Kampf von 47 Minuten durch halben Nelson und Eindrücken der Brücke be- >siegte. Der zweite und letzte Ringkampf des Meisterringers S i e g f r i e d mit dem Deutschamerikaner Maxon blieb nach der vorqe- schriebenen Maximalzeit von 20 Minuten unentschieden und wird in bett nächsten Tagen bis zur völligen Entscheidung ausgekampst werden.
A Kleine Tages-Chronik. Herr Bandagist Konrad Becke, Oberste Gasse 14, konnte auf eine 25jährigeTätigkeitals selbständiger Geschäftsmann zurückblicken, gleichzeitig aber auch das gleiche Jubiläum als Mieter tm genannten Hause begehen. — Der Pa 1 ri- otrsche Gemeindeabend, der vom Alt- städter Kirchenchor zur Feier des 40jährigen Bestehens unseres Deutschen Reiches veranßal- tet war, hat in jeder Beziehung einen glänzenden Verlauf genommen. — Auf dem Holzmarki sind zwei neue Bogenlampen montier! (bisher war nur eine vorhanden), die nunmeht genügende Helle für den Platz spenden. — Ein Naturmensch mit Namen „KurzeMknabe' spazierte dieser Tage in seinem eigenarttgen Kostüm durch Cassels Straßen und erregte einiges Aufsehen. — Die Oberrealschule I veranstaltet am 27. Januar (morgens 91/, Uhr) int Festsaale des Schulgebäudes eine Kaisersgeburtstagsfeier. — Morgen begeht der Schlosser Conrad Grabow in der Eisenbahw-Hauptwerkstatt sein 25jähriges Arbeitsjubiläum. — Die Schülerinnen der Amalien-Schule veranstalten am 27. Januar zum Besten der Hüpeden-Stiftnng eine Abendunterhaltung. Es ist ein hübsches Programm zusammengestellt worden, das einen schönen Abend verspricht.
A Das Wetter am Mittwoch. Der amtliche Wetterbericht sagt für den morgigen Mittwoch für Hessen-Nassau folgende Witterung voraus: Meist trübe, etwas milder, strichweise leichte Niederschläge.