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1. Jahrgang

Nummer 42

Casseler Dbrnitzeitung

Di«Laffiler Neueste Nachrichten" erscheinen wöchentlich sechsmal. Bis auf weiteres werden dieNeueste Nachrichten" allen Familien in Cassel völlig kostenlos geliefert. Trulteret, Verlag u. Redaktion: Schlachthofftratz« 28/30. Berliner Vertretung; SW, Friedrichstraße 16, Telephon: Statt VI, 676.

n Hessische flbenki,eitung

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Fernsprecher 951 und 952*

Sonntag, den 22. Januar 1911.

Fernsprecher 951 und 952.

Sie Tragödie einer Fran.

Der Nürnberger Totschlagsprozeß.

Vor de» Nürnberger Geschwomen der Gerechtigkeit steht eine Frau unter der schweren Anklage, den Gatten gemordet und durch Leidenschaft und Eifersucht ein auf dem Felsen der Liebe errichtetes Familienglück zer­stört zu haben. Die Gattin des unglücklichen Professors Herberich brütet seit langen Monden in der engen Zelle des Untersuchungsgefäng­nisses über das düstere Geschick, das sie, die Sprosst» gutbürgerlicher Häuslichkeit und ehe­malige Dasetnsgefährtin eines vom Volks- Vertrauen ins Reichsparlament Entsandten, zum Abgmnd des Mordverbrechens trieb, und wer die von schwerer Schuld Bedrückte nun vorm Tisch des Gerichts schaut: Nieder­gebrochen in tiefempfundener Reue, dann wie­der hell aufblickend und müßige Alltäglichkeiten mit munterm Wort erörternd, den überschleicht tiefes Mitleid mit dieser Frau, die zwar ein schweres Verbrechen auf sich geladen hat, die aber sicher auch unterm Zwangbann schwerer seelischer Defekte steht und demgemäß nicht mit dem harten Schuldmaß der Normalgerechtigkeit gemessen werden kann. Die unter Eid bekun­deten Zeugenaussagen entrollen ein beklem­mend-tragisches Familienbild: Der Mann, von unten herauf mit eiserner Energie empor- gekämpst zu achtbarer Lebensstellung, den Pedanten nicht ganz verleugnend, sucht Besrie- vigung in Beruf und Arbeit, betäubt das Ver­langen der Seel? im Rausch beruflichen Erfolgs und wird dem Heim und der Familie mählich ein Fremder, ohne Verständnis für das Sehnen in der Seele der Frau, der er sich, als der Reiz der Jugend schon längst verwelkt war, nach kurzer Brautzeit vermählte. Die Frgu, im Lebensalter dem Gefährten fast um ein Jahr­zehnt voraus, erfüllt mit allen Leidenschaften rassigen Tencheraments, stark angekrankt von hysterischen Wallungen und vererbten De­generationsmerkmalen, sieht sich vernachlässigt, fürchtet den Verlust des heiß erkämpften Her­zens und . . . strauchelt auf dem Weg, den sie im Recht zu gehen wähnt.

Eine Tragödie wie hundert andere, deren düstere Tage und deren Schmerzgestöhn die Tünche der Alltagsform deckt. Diese Frau, die dem heimkehrenden Gatten mit der Todeswasfe in der Hand entgegenging, ist nicht eine Ver­brecherin aus niederm Trieb, keine Mörderin aus kühler Ueberlegung: Sie ist das unglück­liche (und darum mitleidwerte) Opfer ihrer eignen Psyche, deren unheimliche Wirrnis Karin Michaelis der Welt des zwanzigsten Jahrhunderts im Buch vom .gefährlichen Alter" in Flammenschrift vor. Augen gehalten hat. Im Vaterhaus schon verkannt, wegen ihrer .Extravaganzen" von den ihr im Leben Nächsten rauh angefaßt, im ersten Ehebunde eine unglücklich Leidende, die dem Erwählten seelisch nie nahekam, durch des Lebens Herbheit und Härte verbittert, blüht der schon Alternden nach schicksalreichen Enttäuschungsjahren eines neuen Lebens junger Mai herauf, und die schon Entsagende Hämmert sich mit letzter Hoffnungs­kraft ans eilig vorüberhuschende Glück, um für des Daseins letzte Wegezeile noch einen Rest von Sonnenschein für sich zu retten. Ringt, als das Glück gefesselt ist, mit ganzer Seelen­kraft um des Ersehnten Sicherung und ver­mass (trotzdem nah ein Jahrzehnt in Fühlen und Denken sie von der Seele des Erwählten trennt), dem zweiten Gatten, der nach langer, kalt-fröstelnder Junggesellenzeit das Glück des eignen Herds zu schätzen weiß, das Dasein warm und sonnig zu gestalten. Die ersten Ehe­jahre des ungleichen Paars waren (wie glaubhafte Zeugen versichern) heiter und glücks- klar, und kein Wölkchen trübte des Hauses stillen Frieden. Bis der Jahre Unterschied sich merkbar machte, in der Seele des WeibeS sich das Bangen um den Besitz des Gatten regte, im Aufwallen der Leidenschaften der Groll zur Oberfläche drängte und im Manne das Empfinden aufleimte, die von ihm Er­wählte fessele seines Geistes Flug an die Niederungen Platter Alltäglichkeit: Das Ver­hängnis war da, und was sich im Nürnberger Professorhaus in der weitern Entwicklung der Dinge dann ereignet hat, ist (bis auf den tragi­schen Ausgang) als natürliche Konsequenz des Zwiespalts zu betrachten, wenn auch die Aeuße- rungen der Konfliktverschärfung sich schroffer merkbar gemacht haben, als es sonst wohl (unterm Zwang strafferer Erziehung) der Fall sein mag.

Ob die Volksrichter von Nürnberg über die unglückliche Frau des unglücklichen Professors ein Schuldig sprechen, oder ob die Gerechtigkeit die Hartgeprüfte als Opfer des Verhängnisses

im eignen Ich vorm Kerker bewahren wird: Die Frau als solche heischt Mitleid. Mitleid aus dem natürlich-menschlichen Emp- inden heraus, daß diese Frau, deren Seelen­leben schon durch die Defekte der Vor-Ge- chlechter vergiftet war, unter den Wirrnissen eines seit Jugendtagen empfundnen schweren Schicksalskampfs den inner« Halt verlor und so, aller Hemmungen bar, dem Verhäng­nis der eignen Psssche und der düstern Fügung des Unglücks widerstandslos zum Opfer fiel. Nur aus diesem Wege läßt sich auch ein Aus­gang aus dem Irrgarten der Nürnberger Familientragödie finden, der in seiner düstern Tragik erschreckend wirkt und der doch (wenn man den wohltätigen Vorhang vom Schicksal o mancher unglücklichen Ehe zurückziehen könnte) nicht vereinzelt dasteht im Gesellschafts­leben des zwanzigsten Kultur- und Humani­täts-Jahrhunderts. Beide: Der tote Professor und die Frau in der Gefängniszelle, sind be­klagenswerte Opfer eines verhängnisvollen Irrtums; aber während der stärkere Mann, dessen Wille die Wogen der Leidenschaft zu meistern vermochte, in Beruf und Leben Ab­leitung und Tröstung fand, brach die schwächere Frau im verzehrenden Jnnenkampf, einge- pannt in den enger» Bannkreis häuslicher Pflichten, im letzten Ansturm des Verhängnisses zusammen, und ward damit zur Vernichterin des Besitzes, um dessen Erhaltung sie ein langes, schicksal- und kämpfereiches Jahrzehnt lehend und fluchend gerungen hatte. An des Gatten Leiche hört entsetzte Teilnahme die Unglückliche wimmern: »So weit mußte es kommen; soweit!" Aus dem Wehlaut schreit der Schmerz einer gequälten und im tiefsten Innern verzweifelten Frauenseele, und dieses Gewimmer eines von schwerer Schuld beladnen Weibes zittert auch durch das düstere Gerichts­drama von Nürnberg; trotz aller trivialen Momente, die wie flackernde Irrlichter aus der dumpfen Niederung dieser verhängnisvollen Tragödie eines Seelen-Jrrtums aufsteigen!

ungeheure Anzahl von Katastrophen und Menschenopfern stehen.

Die Unzuverlässigkeit der Motore und die Unberechenbarkeit des Materials sind troft al­ler Bemühungen der Ingenieure immer noch die Ursachen zahlreicher Katastrophen und es hat den Anschein, als ob der Widerstand der rohen Materie aller Anstrengungen des feinen und edlen Menschengeistes spotte. Einen Hauptanteil an diesen modernen Menschenhe­katomben haben überhaupt die modernen Verkehrswerkzeuge: Kein Jahr geht vorüber, ohne daß mehrere große Eisenbahn­katastrophen gemeldet werden, bei denen Hun­derte von Menschen ihr Leben verlieren. Die Eisenbahnverwaltungen tun das Meni^en- mögliche, um durch die Sicherung des Schie­nenwegs und durch gediegene Ausbildung des Zersonals derartige Unglücksfälle unmöglich u machen. Eine Herabminderung der ahl der Katastrophenopfer ist ihr wobl auch gelungen, eine vollständige Beseiftgung ist aber nach menschlichem Ermessen unmöglich, da selbst die besten, automatisch funktionierenden elek­trischen Signale des öftern versagen. Endlich hat auch das modernste Verkehrsinstrument: Die Hoch- und Untergrundbahn, schon zahlreiche Menschenopfer gefordert. Man erinnere sich nur an die fuchtbare Katastrovhe, die sich vor nicht zu langer Zeit auf der Ber­liner Hochbahn ereignete. Schiffskatastrophen, Unglücksfälle durch Geschütze und Waffen al­ler Art sind ebenfalls an der Tagesordnung, sodaß man also mit Reckt von .modernen To­desindustrien" sprechen kann. K. H.

Sin neues Grubendrama, Sechs Bergleute verunglückt.

(Telegraphische Meldung.)

Depeschen aus Kattowitz zufolge geriet ge­stern plötzlich die GrubeKasimir in Sosnovice in Brand. Die im Laufe des Tages verbreiteten Meldungen von einer gro­ßen Zahl von Verunglückten haben ich glücklicherweise nicht bewahrheitet, lieber den Brand ist auf Grund authentischer Daten zu berichten: Aus der ganzen Grube arbeiteten gegen viertausend Mann, als plötzlich ein Feuer auf einer ab gebauten Strecke ent- tand. Ter beißende Rauch drang bis auf die Arbeitsstätte. Die Bergleute gerieten in eine große Aufregung und stürmten mit dem Rufe Die Grube brennt! Rettet Euch!" dem Ausgange zu. Die Gefahr war sehr groß. Die Bergleute drängten wild durcheinander und warfen ihr Handwerkszeug und die Müt­zen fort, um besser laufen zu können. Die Beamten ordneten gleichzeitig die Abgrenzung des Brandherdes an. Dank ihres energischen Vorgehens und weil im Verlaufe der Arbeiten die Bewässerungsmöglichkeit eine andere wurde, konnte der Brandherd bald abgegrenzt werden. Leider gelang es nicht allen Berg­leuten, sich zu retten. Nach der Eindämmung des Feuers wurde festgestellt, daß sechs Bergleutefehlten. Sie find an R a u ch- vergiftung gestorben. Die Ursache des Feuerausbruchs ist noch nicht festgestellt.

Schiff und erreichte in einem Rettungsboot am 19. Dezember die St. Pauls-Inseln. Drei Mann von der Besatzung st a r b e n an Erschöpfung. Die Ueberlebenben fanden an der Küste ein Nahrungsmittelde­pot vor, von dessen Vorräten sie lebten, bis sie ein englischer Dampfer auffand, der sie nach Albany brachte.

Petersburg, 21. Januar. (Telegramm.)

Das skandalöse Bugumabahnpa- n a m a, das im März zur gerichtlichen Ver­handlung kommen wird, bringt siebzehn P e r s o n e n auf die Anklagebank, von denen die meisten eine höhere gesellschaftliche Stel­lung einnehmen, und in der Hauptsache wirkliche Staatsräte, also Exzel­lenzen sind. Von den Angeklagten sind die Brüder Reratow bereits in Haft, außer ihnen sind alle übrigen D i r e k t o r e n, der Bahn, sowie das ganze Direktorium und der Verwaltungsrat der Petersburger Privatbank und der Direktor der Dcmidow- werke, Ratkow-Rachnow, einer Reihe schwe­rer Mißbräuche angeklagt. Die Summe der Unterschlagungen, die de» Gegenstand des Prozesses bilden, beläucht sich auf Über zehn Millionen Mark.

Schließlich berichtet uns noch ein Pri­vattelegramm ans Paris: In der Volksschule in dem Städtchen Cajaro im Departement Lot brach gestern nachmittag ein Feuer aus, das derart schnell um sich griff, daß sich nur ein Teil der Lehrer und Sckuler retten konnte. Der Direktorder Schule er­litt schwere Brandverletzungen, de­nen er kurz darauf erlag. Neun Schuler wurden ebenfalls schwer, zahlreiche andere leich­ter verletzt. Man vermutet Brandstiftung a u s R a ch e, da der verstorbene Direktor we­gen seiner Strenge nicht beliebt war.

An Torpedoboot verunglückt.

(Telegraphische Meldung.) , Depeschen aus Karlskrons (Schwer den) zufolge hatte das neuerbaute Torpe­dobootSBefta" gestern abend eine Pro­befahrt unternommen, von der es nach einigen Stunde» zurückkehren sollte. Als'das Torpedoboot bis sechs Uhr abend snicht zu­rückgekehrt war, erhielt ein Bugsier - dampfer der Marinewerft den Befehl, Rach- orschungen anzustellen. Um acht Uhr ging das TorpedobootThetis" gleichfalls in See. DieThetis" fand dann um zwei Uhr früh das vermißte TorpedobootVesta" südöst­lich von Hanö in hilfloser Lage und schleppte eS in den Hafen zurück. DieVesta" wurde mit gebrochener Schrauben welle und verlorener Schraube angetroffe», da sie auf der Probefahrt einen schweren Unfall erlitten hatte und ohne das rechtzeitige Ein­treffen von Hülfe verloren gewesen wäre.

Sie Parlamente.

Die Reichslande: Preußische Provinz?

(Don unserem Berliner Bureau.)

Die Reichstagsdebatte über den elsaß- lothringischen Verfassunfl 8 - Ent­wurf steht bevor. Die Aufrollnng der Wahl- rechtssrage ist nur ein Gesichtspunkt, unter dem diese hochbedrutsame Auseinandersetzung sich vollziehen wird, die Herr von Bethmann- Hollweg mit einer längeren Rede einzuleiten gedenkt. Ob das verfassungspolttifche Experi­ment ein Ergebnis zeitigen und ob dieses im Reichsland mit Befriedigung ausgenommen werden wird, steht dahin. Schon das Zu­standekommen des Gesetzes ist nur_ nach Ueberwindung großer Schwierigkeiten möglich, denn die Ansichten gehen hier scharf ausein­ander. Darum sollten nicht immer neue Ideen aufgerollt werden, wie beispielsweise die neu­erdings mit einer gewissen Hartnäckigkeit ver­tretene, ebenso absonderliche wie aussichtslose: Das Reichsland zu einer pneußischen Provinz zu machen. Die Befürworter des Gedankens stehen auf dem Standpunkt, daß nur durch die scharfe pre«-ische Disziplin dem Treibe» der Französlinge ein Ende gemacht merben könne. Gewiß sprechen die Zwischenfälle der jüngsten wie der weiter zurückliegenden eZeit nicht für da- Vorhandensein eines starken deutschnatio­nalen Bewußtseins in der gesamten reichsländischen Bevölkerung, gewiß macht sich auch die französische Propaganda stellenweise so ungeniert breit, daß die Besorgnisse deut­scher Patrioten verständlich sind. Doch wichti­ger als die Zurückdrängung dieser praktisch wohl ohnmächtigen Tendenzen ist unbestreitbar, daß eine Reform, die lange genug auf sich warten ließ, der süddeutschen Wesens­art der Elsaß-Lothringer sich an- patzt, wie das verständigerweise in der Regie­rungsvorlage auch geschieht. .Mußpreußen" zu schaffen, dazu sind die Zeitverhältnisse wahrlich nicht angetan, und das preußische Element ist zudem zur Genüge im Militär verkörpert, das massenhaft im Reichslande gar- nifontert. Eine stämmeverbindende Kraft (auf deren reges Wirken es in diesem

Moderne Todes-Industrieu.

Die Massenopfer der modernen Technik. (Vonunserm Korrespondenten.)

Man schreibt uns: Kaum war die Nach­richt von der endlichen Auffindung des lange verschollenen BallonsHildebrandt" gemeldet, als schon eine neue Schreckenskunde durch Deutschland eilte: Die Nachricht vom Un­glück des Unterseeboots ,U III", das mit drei­ßig Menschenleben aus den Grund des Mee­res sank. Glücklicherweise ist durch die Schnel­ligkeit des Handelns unserer Marine der größte Teil des Unglücks abgewendet wor­den. Trotzdem wird man sich nicht verhehlen können, daß die moderne Technik eine wahr­hafte Todesindnstrie erzeugt, wie man sie in früherer Zeit nicht kannte. Der unge­heure Fortschritt, den die Flugapparate bar« stellen, muß fast täglich mit Menschenopfern bezahlt werben. Kein Sport hatte bisher ähnliche Opfer aufznweise». Man benle bei­spielsweise an bie Olympischen Spiele, bei benen Menschenverluste trotz der anstren­genden Sorileistungen höchst selten zu ver­zeichne» gewesen sind. Der große Genosse des Flugapparates, das lenkbare Lusffckiff. ist ebenfalls von seiner Entstehung an bis au den heutigen Tag von Katastrophen und To- desopsern begleitet gewesen, und erst jetzt scheint in demParscval-Luftschiff" ein wirk­lich betriebssicheres Luftschiff vorbanden zu sein. Tie Reihe der Erzeugnisse der moder­ne» Todesindustricn wird von dem Auto­mobil fortgesetzt, auf dessen Schuldkonto eine

Unglück und Verbrechen.

Die Katastrophe» der letzten Tage. (Telegraphische Meldungen.) Die letzten zwei Tage haben in verschiede­nen Teilen Europas sowohl wie in den außer- europäischen Küstenländern große Sturm­verheerungen gebracht, denen zahlreiche Menschenleben zum Opfer gefallen sind. Am chwersten hat der Sturm an der Küste des Kaspischen Meeres gewütet, wo schwere Scha­den angerichiet wurden. Gleichzeitig kommt die Kunde von einem neuen schweren Grubenun­glück und einer Schiffskatastrophe, denen eben-- Ülls mehrere Menschen zum Opfer gefalle» ind. Wir lassen die uns vorliegenden Draht­meldungen hier folgen:

Essen, 21. Januar. (Privattelegramm.)

Auf den Zechen B III und IV der Grube Matthias Stinnes in Horst hat sich gestern spätabends ein schw er es Gru­benunglück ereignet Dort wurden drei Bergleute verschüttet. Einer von ihnen fft tot, die beiden anderen erlitten lebensgefährliche Verletzungen. Ans der Zeche Julia bei Herne wurde ein Bergmann durch hereinbrechendes Ge­stein erschlagen. Auf der Zeche Vikto­ria stürzte ein Arbeiter und verstarb an Schädelbruch. Auf der Erzgrube bei Meggen kamen drei Bergleute unter nie­dergehendes Gestein und wurden schwer verletzt. Kaum einer von ihnen dürfte mit dem Leben davonkommen.

Datum, 21. Januar. (Telegramm.)

Auf dem Kaspischen Meere wütet seit Donnerstag ein ungewöhnlich heftiger Sturm. Das Wasser unterspülte den U f e r - dämm und drang in ba8 Gymnasium ein. Aus dem ebenfalls bedrohten Gefäng­nis wurden die Gefangenen in Sicherheit gebracht. Infolge Eindringens der Mee­reswellen in den nahgelegene» R u r i e» See' ist dieser über die Ufer getre­ten und überflutet den Stadtgarten und das Boulevard. Die Lesehalle wurde zer­stört. Im Gouvernement E r i v a n wütet seit einer Woche ein Schnee sturm. Meh­rere Personen sind darin umgekommen. Newyork, 21. Jan. (Spezialtelegramm.)

Aus Albany (West-Australien) wird gemeldet, daß der brttsche Stahlschrau­bendampferParisiana" auf der Fahrt von Newyork »ach Melbourne am 13. Dezember vorig. Jahres verbrannt ist. Nach vergeblichen Anstrengungen, die Flam­men zu ersticken, verließ bie aus fünfunddrei- tzig Köpfen bestehenbe Besatzung das