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Tasseler Neueste Nachrichten

V. M.

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in einem Duell gefallen ist.

Zwischen einer älteren Freundin des Grafen und der jugendlicheren kam es eines Tages zu einem Skandal, woraus Baronesse Voisey mit einer großen Summe, die ihr Graf Keglevich gab, die Heimat verließ, um ihre Talente in dem Dorado aller Halbweli- lerinnen, in Nizza und Monte Carlo, leuchten zu lasten. Das Glück war chr auch hold: Sie kam, sie wurde gesehen und .. . sie siegte. Aber sie siegte nicht nur über die Her­zen der Weltenbummler an der französischen Goldküste, sie besiegte auch die Bank und er­rang, nachdem sie nur wenige Tage an der Roulette teilgenommen hatte, fast über eine Nun war ihre Zu-

Marine günstig, da keinerlei Unglücksfälle in diesem Jahr erntraten. Im Jahre 1909 sank das englische Unterseeboot ,C 11“ in der Nordsee und verusachte den Tod von 13 Mann der Besatzung. Ru ßland verlor im selben Jahre durch den Untergang des Unterseebootes .Kambala“ im Schwarzen Meere 17 Menschen. Auch Italien hatte in diesem Jahre einen Verlust durch eine Unterseebootskatastrophe zu verzeichnen: Am 26. April 1909 kamen nämlich durch eine Gasolinervlosion auf dem Untersee­boot ,Foca“ 13 Menschen ums Leben. Einige Monate später kam das russische Untersee­boot »Drakan“ durch eine Explosion in Brand, bei dem 17 Menschen schwer verwundet wurden. Im Jahre 1910 hatte Japan in der Bucht von Hirochima durch den Verlust des Untersee­bootes Rr. 6 16 Menschenopfer zu verzeichnen.

Reu« vom Zage.

Venus auf Reifen.

unserem Korrespondenten.)

Man schreibt uns aus Petersburg: Im Jahre 1895 tauchte in Budapest eine ge­borene Baronesse Alice Voisey auf, die ihre ersten Triumphe als Ch mb al vir- tuosin im Herzmann-Varietee feierte. Die reichsten Aristokraten der ungarischen Haupt­stadt wurden ihrer Schönheit tributpflichtig, und einer ihrer feurigsten und freigebigsten Verehrer war Graf Stefan Keglevich, Intendant der Oper, der vor wenigen Jahren

Million „------- --------

fünft gerettet und die arme ungarische Venus brauchte nicht mehr ihre Schönheit zu Markte zu tragen, um den luxuriösen Lebenswandel bestreiten zu können. In Monte Carlo blühte ihr aber auch ein anderes Glück. Ein russi­scher Fürst, ein Mitglied der Petersburger Hofkreise, wurde derart von ihrer tempera­mentvollen, reifen Schönheit in Fesseln geschla­gen, daß er beschloß, sie zu heiraten und mit seinem Wappenschild die Liebesflecken threr Vergangenheit zu verdecken. Und so wurde die Cymbalspielerin aus dem Budapester Tingel- Tangel eine russische Fürstin, so wurde aus'dem Mädchen, das schon die ersten Stu­fen zum Verderben schnell uiedergeglitten war, die legitime Gattin eines russischen Hoch­aristokraten. Sie verstand es vortrefflich, sich in die neue hohe gesellschaftliche Positton hin­einzufinden und fand sogar am Z a r e n h o f e

Politische Chronik.

Einem Telegramm aus Berlin zufolge ist Landtagsabgeordneter Borgmann, der stellvertretende Vorsitzende der sozialdemokrati­

schen Fraktion in der Berliner Stadtverordne- ten-Venammlung, an einem Magenlciden schwer erkrankt.

Der Reichsanzeiger teilt die Ernennung des Landrats des Kreises Gelnhausen von G r ö n i n g zum Geheimen Rat und Vortra­genden Rat im Ministerium des Innern mit.

Nach einer Meldung aus Dresden hat das Königreich Sachsen nach dem vorläufi­gen amtlichen Ergebnis der Volkszäh­lung rund 4 797 700 Einwohner gegen 4 508 600 im Jahre 1905. Das bedeutet eine Vermehrung um 6,41 Prozent.

Aus Ko bürg wird uns depeschiert: Das Staatsministerium beschloß, den Teilnehmern an den Feldzügen 1849, 1864, 1866 und 1870, deren steuerpflichtiges Einkommen 1200 Mark nickt übersteigt, die Steuerbefreiung zu gewähren.

Ein Brüsseler Blatt weiß zu berichten, daß der Deutsche Kaiser auf seiner Rück­reise von Korfu Rom besuchen werde. Ange­sichts der Tatsache, daß das Jahr 1911 vom Vatikan als ein Trauerjahr betrachtet wird, soll der Besuch des Kaisers beim Papst nur privaten Charakter tragen

Nach einer Meldung aus Konstanti- nopel erlitt der Abgeordnete Dr. Arif I s m i t, Mitglied der Majoritäts- partei, im Sitzungssaale einen Schlagan­fall mit tödlichem Ausgang.

Einer Meldung aus Tokio zufolge sind in dem Anarchistenprozeß gegen 26 Personen, die beschuldigt waren, dem Kaiser und anderen Mitgliedern der kaiserlichen Familie nach dem Leben gettachtet zu ha­ben, 24 Angeklagte zum Tode und zwei zu acht bezw. elf Jahren Gefängnis verurtellt worden.

Wann kommst Du wieder?

Lustspiel-Premiere im Hoftheater.

Dieses Lustspiel hat leider kein Gehirn. Es ist ein innig dummes Werkelchen, das sich unter Tränen scherzend abrollt. Seine federleichte Konstitution (Humor beschwert es nicht) bedarf sehr der Schonung, weshalb man ihm nicht gram sein diirfte. Es fleht auch förmlich darum, es doch ja als Amüsement, als Laune, zu neh­men — trotzdem, trotz alledem. Und man möchte ihm den Gefallen tun, weil man jeden Augen­blick helle Angst darum in den blassen Winkeln seines krampfhaft lächelnden, krampfhaft plap­pernden Mäulchens zittern sieht. Wer versöhn­lich ist, wird sich an die heiße Bemühung halten, die hier auf jeden Fall sichtbar wird. Die Hörer waren denn auch gestern abend gegen die (ich möchte sagen feminine) Wirkung der locker vosierenden Heiterkeit der Szene' sehr liebens­würdig. Man hatte nichts einzuwenden, lä­chelte gnädig. Selbst dann, wenn einen hin und wieder aus den drei Akten Irgend ein grauer Hauch, wie von einem verlängerten englischen Ncbelsonntag. verstohlen, aber effektvoll an­wehte. Und das Spielchen selbst wohl einmal ein sanftes Gähnen höchst reizvoll htnunter- schluckte.

Uebel nehmen könnte man dem Theater nur, daß es. als sei es geistig kultiviert, sehr über­legen, sehr (pseudo-)skeptisch, mit der Selbstver­ständlichkeit eines Keinen Ehebruchs spielt, und zwar mit eleganter, gelassener Geste, als haue es zum mindesten den Gipfel weltmännischen Jmmoraltsmus, urbaner Abgeklärtheit passiert. DaS stimmt nun einmal nicht zu seiner inner­lichen Harmlosigkeit. Das Stück wirft nämlich etwa wie dominierende Baumwolle unter Sei- dendessous. Seine Hauvtftgur ist die niedliche Penelope, die von ihrem Gatten, dem Arzt O'Farrel, mit der verführerischen Ada Ferqusson hintergangen wird. Aber sie ist schlau, kommt dem Pärchen auf die Schliche, ohne daß dieses «ine Ahnung davon bat. Sie nimmt ihrem Ge­mahl die kleine »Luftveränderung“, die andere Htürmung, Wetter nicht übel, erobert sich ledig-

So gelangen ihr am besten die beiden Zeplerschen Lieder »Die Gänsehüterin“ und »Berliner Republikaner, »Des Teufels Hoch­zeit“ und »Das Tanz-ABC“ von Oskar Straus, während sie mit den ,4 Temperamen­ten der Liebe“ wahre Lachsalven hervorricf. Für die modernen Volkslieder, die die Dame sonst recht anmutig vortrug, wäre jedoch etwas größere Schönheit der Stimme von Vorteil gewesen. Daß Bozena Bradskhs Kunst hier noch ihre Anziehungskraft für viele ausübt, be­wies der herzliche Beifall, der der Künstlerin von dem Publikum, das allerdings für den recht geräumigen Hanuschsaal zahlreicher hätte sein dürfen, gezollt wurde. Volle Anerkennung gebührt Herrn Steinbach-Cassel, der die Be­gleitung sämtlicher Nummern in gewohnt künstlerischer Weise unter vollständiger Anpas. jung an den oft recht freien Vortrag der Künstlerin ausführte. 8.

Sie Politik des Zages.

s Rach dem Attentat. (Spezial- Telegramm.) Ministerpräsident B r i a n d empfing im Laufe des gestrigen Nachmittags den englischen Botschafter, der ihn im Namen seiner Regierung beglückwünschte, unverletzt aus dem Attentat hervorgegangen zu sein. Auch der italienische Botschaf­ter und der belgische Geschäfts­träger sprachen bei Briand vor. Außerdem empfing Briand Svmpathie-Kundgebungen vöm belgischen König, dem italienischen Minister des Aeußern,. dem spanischen Ministerpräsidenten, vom russischen Finanz­minister, sowie zahreichen russischen Parlamen­tariern. Der Zustand des verletzten Armen­direktors M i r m a n ist andauernd befriedigend.

Manuel und Comp. (Spezial- Telegramm.) Rach einer Meldung des »Morning Leader“ aus Neapel beabsichtigt der Herzog von Oporto, demnächst nach London zu reisen und dort in Gemeinschaft mit dem abgesetzten König Manuel für die Wiederaufrichtung der Monarchie in Portugal zu wirken. Die Absicht des Herzogs veranlaßt lebhafte Kommentare.

Der Kampf der Bergarbeiter. (Spe­zial-Telegramm.) Nach einer uns aus Lüttich zugehenden Meldung herrscht unter den Bergarbeitern große Erregung über den BeMuß des Grubenverbandes. Viele Arbeiter sind der Ansicht, man müsse mit der Wiederaufnahme der Arbeit solange warten, bis die drei letzten Grubendirektoren sich ge- äußett hätten. Diese drei Direktoren haben bekanntlich die Bedingungen noch nicht unter­zeichnet. Andererseits glaubt man mcht, daß bis zum nächsten Tage die Arbeit in vollem Umfange ausgenommen werden kann, da viele Arbeiter inamentlich Vlamen) in ihre Heimat abgereist sind. Gestern streikten noch 27 000 Arbeiter.

Vandalen in der Marine? (Spezial- Telegramm.) Depeschen aus N e w y o r k zufolge ist an Bord des Leichterschiffes Rr. 2 Sabotage sestgestellt worden. Die Telegraphendrähte wurden abgeschnitten, der Dynamo, sowie sonstige elftrische Apparate zertrümmert und die Kessel durchbrochen. Es ist bisher nicht gelungen, die Urheber dieser verbrecherischen Taten ausfindig zu machen.

Die schwerste Tragödie ereignete sich am 26. Mai 1910 bei dem Untergang des französi­schen Unterseeboots »Pluviose“, das durch den Dampfer »Pas de Calais“ gerammt wurde und untersank. Dabei kamen 27 Menschen ums Leben. Aus dieser Uebersicht geht hervor, daß Deutschland bisher von Unterseeboots­katastrophen verschont worden ist. Am schwersten litt England, wo die Untersee­boote bisher 63 Opfer forderten. Rußland hatte bisher 60 Opfer zu beflagen, Frank­reich 56, Italien 13 und Japan 16.

Bozena Bradsky in Kassel.

Rovitäten-Abend im Hanufch-Saal.

Einen lustigen Rovitäten-Abend hatte Bozena Bradsky für gestern abend an­gekündigt, und lustig wurde es. Die Bradsky hat ihre Bedeutung durch das Bretfl erlangt. Unser Hoftheater, dem sie vor längeren Jah­ren angehörte, war ftellich nicht die geeignete Stätte, wo sich ihre Talente entwickeln konn­ten; erst als Mitglied des Wolzogen-Brettls wurde ihre Eigenart entdeckt und entwickelte sich auf das vollkommenste. Die Künstlerin will nicht durch besonders schöne Stimmittel glän­zen. Sie fesselt das Publikum auch nicht mebr durch die Reize der ersten Jugend — aber sie versteht cs, diese Mängel durch hinreißendes Temperament, durch drastisches Mienen- und Gebärder-'vicl *u ersetzen.

lich sein Herz zurück, sodaß Ada am Schlüsse als wirklich Düpiette übrig bleibt.

Dieser Handlung hat der Autor mit ein wenig Charme zu legieren versucht. Ein biß­chen Fröhlichkeit zerstäubt darin, eine Unze Parfüm, die Pariser Luft (in welchen Farben hätte nicht z. B. Jules Lemaftre ein solches Nichts funkeln lassen!) vortäufchen möchte. Aber der Urheber heißt nun einmal William Somer- et-Mangham, und hat imgrunde den verfäng- ichen Ehrgeiz, die Galerie der britischen Blu­menthals up-to-date um eine Nummer zu be­reichern. Zu abermaligem Sieg führt auch er die glorreichen Traditionen des europäischen Schwanktricks. Nur deswegen ist der Import mit Aufwand unternommen worden. Die Aus- führung, für die Herr Jürgensen zeichnet, wer sehr aut. Reizvoll gab das annmttge Fräulein Stiewe die Penelope, wahrend Fräulein Jähnert die Ada Fergusson Mit Eleganz, mit dem Air der Weltdame ausstat­tete Durch flottes, humorvolles spiel zeich­nete sich ferner der vorzügliche Herr Strial aus Herr Derend nur könnte scharfer cha­rakterisieren. Sonst waren die übrigen Chargen gut besetzt. Walter Behrend.

Monna Varma; Francesco Petrarca ferne Laura; Boccaccio Fiammetta; Tasso Eleonora d' Este: Alfieri die Gräfin von Albany; Fos- colo Isabella Bomoui; Leopardi Gertrude; Cassi Lazzari und Fanny Targioni Tozzetti. Die italienischen Frauen waren aber nicht blop die »Musen“ der Dichter: Sie taten sich viel­mehr auch s e l b st in der Dichtkunst und in an­dern schönen Künsten hervor. Lucrezia De Medici dichtete geistliche Lieder; Alessandra Macinghi Strozzi schrieb herrliche Briefe, und Vittori'a Colonna, Gaspara Stampa, Vcro- uica Gambara, Leonora Falletta und Sucre Bertana waren ausgezeichnete Dichterinnen Die großen Kurtisanen waren (wie im alten Griechenrum) geiibt in Gesang, Musst und Tanz: so Camilla Visana, die schone Jmpcrra, Veronica Franco. Tullra d'Aragona und Lrn;a Bergalli, die Dichterin des achtzehnten Jahr- Hunderts, die der Chronik ihrer Zett mcht nur durch ihr zügelloses Leben, sondern auch durch ihr Talent reichlichen Stoff zum Plaudern bot Durch ihren Lebenswandel und ihre Verschwendungssucht ruinierte sie ihren Gatten, den geistreichen Venezianer Gozzr, der der le- benslustigen Frau alles opferte, und kaum ge­nug behielt, um seine fünf Kmder anständix erziehen zu können.

su Kleine Chronek. Dre Gerüchte von einer Verschiebung der Uraufführung des Rosenkavalier“ im Dresdner Hofthea­ter sind, wie die »Dresdner 91. Nachr.“ von kompetenter Seite erfahren, unbegründet. Die Uraufführung findet, wie angekündigt, am 26. Januar statt. — Das Ende der Berliner Sezession dürfte nunmehr nahe bevorste­hen. Wie aus der Reichshauptstadt telegra­phiert wird, haben außer Prof. Max Sle- Vogt jetzt auch der Bildhauer Prof. Fritz Kl im sch und der Maler Franz Kruse erklärt, eine Wiederwahl in den Vorstand nicht annehm en zu wollen. Prof. Max Liebermann hat jetzt dem Vorstand der sezeffionistischen Vereinigung in aller Form mit­geteilt, daß er eine auf ihn fallende Wieder­wohl zum Präsidenten nicht annehmen werde.

Luterseeboot-Katastrophen.

Ueber zweihundert Menschenopfer.

(Don unferm Marine- Mitarbeiter.)

Zum Unglück auf dem deutschen Untersee­boot ,U III“ wird uns von marinetechni­scher Seite geschrieben: Trotz der kurzen Zeit feines Bestehens hat das Unterseeboot­wesen schon eine ungeheure Anzahl vonMenschenopfern gefordett, an denen alle großen Nationen, die Unterseeboote in ihrer Kriegsmarine haben, beteiligt sind. Die erste Katastrophe ereignete sich im Jahre 1903, wo an Bord des englischen Unterseebootes „A I“ eine Gasolinexplosion 7 Menschenopfer forderte. Während bei dieser Katastrophe die Besatzung nur schwere Verwundungen erlitt, büßte im nächsten Jahre, am 18. März 1904. die Besatzung desselben Unterseebootes bei einer Katastrophe ihr Leben ein. Das Unter­seeboot wurde von dem Postdampfer »Borwick Castle“ zum Sinken gebracht, wobei 11 Men­schen umkamen. Am 16. Februar des nächsten Jahres ereignete sich wiederum auf einem englischen Unterseeboot „A 5“ eine Gaso­lin-Explosion, die 14 Opfer batte, 6 Menschen wurden nämlich getötet und 8 schwer verwun­det. Die englische Marine wurde noch im sel­ben Jahre von einer anderen Unterseeboots- Katastrophe betroffen: Am 8. Juni 1905 sank nämlich das Unterseeboot „A 8“ im Hafen von Plymouth, wobei 15 Menschen ihr Leben ver­loren. Drei Wochen später, am 6. Juli 1905, sank das französische Unterseeboot »Far- saledt“ im Hafen von Biserta, wobei 14 Men­schen getötet wurden. Einen viel größeren Verlust brachte dasselbe Jahr der russischen Marine, wo das Unterseeboot »Delphin“ bei Kronstadt sank und 26 Menschen in das nasse Grab zog.

Das Jahr 1906 hatte nur eine Untersee- boott-Katastrophe zu vereichnen: Am 16. Okto­ber ging nämlich das franzölsische Unter­seeboot »Luttien“ unter. 15 Menschen wurden getötet. Das Jahr 1907 brachte wieder der englischen Marine durch eine Gasolin- erplosion auf dem Unterseeboot »0 8“ am 13. Juli einen Verlust Don einem Offizier und zwei Matrosen. T« Jahr 1908 war der

Kleines Feuilleton.

's-' Ein Gemeälde für den Reichstag. Aus Berlin wird uns gemeldet: Bei der Audienz, die der Oberbürgermeister der Stadt Lindau Hofrat Schützinger und Prof. Die- m e r - München am Dienstag Beim Kaiser hatten, gab dieser seiner Bewunderung über das Diemersche Gemälde, das für den Reichstag bestimmt ist, wiederholt Aus­druck und beglückwünschte zum Schluß den Bürgermeister unter einem kräftigen Hand­schlag dazu, daß die Stadt Lindau einen Künst­ler gewählt habe, der die ihm übertragene schwierige Aufgabe so ausgezeichnet gelöst habe. DaS Bild wurde am Dienstag in das Reichstagsgebäude gebracht, wo eS im Sprech­zimmer der Abgeordneten einen würdigen Platz gefunden hat.

Die Frau tu der Dichtung. Ueber die Stellung der Frau in der italienischen Literatur plaudert die französische Schrift­stellerin Valentine de Saint-Point in der „Noubelle Revue“: Jeder iialienische Dichter von Bedeutung hatte seine »göttliche Muse“. Dante batte Beatrice; Guido Guinicelli batte

M —D Jähr gang.

vernichtete. Auch der zweite Anklagefall be- trifft eine öffentliche Dirne, eine Mau­rersfrau, die einem Ingenieur, der sic in ihrer Bohnung besucht hatte, ein Messer stahl. Aus die Anzeige des Ingenieurs hin erfolgte die Festnahme der Frau, die auf der Polizei mit- teüte, daß sich in ihrer Wohnung ein Geld­betrag befinde; man möge diesen in Verwah­rung nehmen, damit ihr Mann und ihr Sohn das Gell» nicht vertrinken würden. In der Wohnung wurde dann auch eine Summe von 100 Mark gefunden, die Schreiber ebenfalls in fein Pult ettischloß. Die Sache wurde schließ­lich bekannt und daraufhin die Untersuchung gegen Schreiber eingeleitet. In der Verhand­lung behauptete er, er habe sich für berech- tigt gehalten, die Gelder in seine Verwah­rung/zu nehmen, er habe später mit den bei- den/Frauen, die der Polizei resp. dem Kran- keichaus Unkosten verursacht hatten, avrechnen wollen. Als er hörte, daß in der Sache Recher­chen angestellt wurden, habe er die beiden Beträge dem Polizeidezernenten Schwidetzki 'überbracht und ihm über die Angelegenheit Vortrag gehalten. Allerdings habe er ab und zu von dem Gelde

kleinere Beträge für sich verbraucht,

aber den fehlenden Teil nachher immer wie­der ersetzt. Die als Zeugen geladenen bei­den Frauenspersonen bestätigten den hier mitgeteilten Sachverhalt, die ihnen gehören­den Gelder wollen sie noch jetzt nicht wieder zurückerhalten haben. Die Verhandlung, die ein sehr bedenkliches Licht auf die Organi­sation der Bromberger Polizei wirft, wird heute fortgesetzt. Das Urteil ist gegen Abend zu erwarten. In der Angelegenheit des In­spektors Bathe und des Kommissars Benner schweben noch Ermittelungen, die noch nicht zum Abschluß gebracht sind. -rsch-

YO, Die Todesfahrt des „Hildebrandt". Aus Wildenbruch in Pommern meldet uns ein Telegramm: Die Leiche des mit dem Bal­lon »Hildebrandt“ verunglückten Luftschif- fers Keidel ist gestern nachmittag gebor­gen worden. Die Bergung gestaltete sich ziemlich schwierig, da die Leiche etwa 50 Me ter südlich vom Fundort des Ballons im See lag. Außerdem fand man noch den Pelz und eine Pelerine des Rechtsanwalts Dr. Kohrs, eine Karte und mehrere Apparate. Die Leiche Keidels wird heute eingesargt und nach Oste­rode überführt werden.

rrr „Raubritter" von heute. Aus Bei- lin wird uns telegraphiert: Im Grünewald wurde gestern auf einen sich besuchsweise in Berlin aufhaltenden jungen Kaufmann namens Schwenke ein Mordanschlag verübt. Zwei in knieender Stellung befindliche junge Leute gaben, als er sich ihnen näherte, Schüsse auf ihn ab, durch die er an der Stirn und unterhalb des Herzens getroffen wurde. Er blieb bewußtlos eine Zeitlang liegen. Als er erwachte, entdeckte er, daß er völlig ausgeraubt war.

«x Born Schicksal ereilt. Einem Tele­gramm aus Köln zufolge wurde gestern nach­mittag im Schwurgerichtssaal hier ein lang­gesuchter Verbrecher verhaftet, als er als Zeuge auftrat. In feinem Besitz wurdc eine Menge falscher Hundert- und Tausendmarkscheine gefunden. Er ver­trieb solche Scheine als Mitglied einer gro­ßen Falschmünzerbande in den Groß- städten West- und Norddeutschlands.

„Hubertus-Tragödien". Aus Köln erhalten wir die Nachricht, daß es in der Nähe von Köln in den letzten Tagen mehrfach zu Zusammenstößen zwischen Wilddieben und F ö r st e r n kam. In einem Falle wurden von mehreren Wilddieben Schüsse auf einen Förster abgefeuert, worauf dieser sich zur Wehr setzte und einen Wilddieb schwer verwundete. In einem anderen Falle wurde ein berüchtigter Wilddieb von einem Förster erschossen.

ä „BergmannsloS"." Aus Mülhau­sen (Elsaß) erhalten wir folgende Meldung: In dem noch im Ausbau befindlichen Schachte „Max“ bei Re ich w eil er der Gewerkschaft »Amelie“ ist heute Mittag eine Hängebank auf der vier Bergleute beschäftigt waren, aus 15 Meter Höhe herabgestürzt. Gin Ar­beiter wurde getötet, drei andere, darun­ter Ingenieur Spieß sowie zwei wei­tere Arbeiter, sind schwer verletzt. Alle vier stammen aus Baden.

Eine „Familienschlacht". Aus Qued­linburg wird uns depeschiert: Während eines Stteites warf der Steinsetzer Jordan auf seinen Kollegen Ulrich mit einer bren­nenden Petroleumla mp e. Dieser schlug ihn darauf mit einer Pflasterfpitzhackc auf den Kopf, fodaß die Schädeldecke stark verletzt wurde. Währenddessen geriet die 18- jährige Tochter Jordans mit Ulrichs Frau ebenfalls in Streit und bearbeitete diese

Freitag, 30. Januar 1911.

Eingang. Ihr Salon sah nicht nur die Mit­glieder der russischen Hocharistokratic, sondern der Zar selbst verschmähte es nicht, den »Jours“ der gefürsteten Artistin beizuwohnen, und als zu Beginn des russisch-japanischen Krieges eine patriotische Sammlung unter dem Protektorat der Zarin-Mutter veranstaltet wur­de, sand man keine Würdigere zur Uebernahmc des Ehrenpräsidiums als ... die frühere Tingel-Tangel-Sängcrin. Erst jetzt nachdem der Krieg schon längst zu Ende, wur­de entdeckt, daß die Gemahlin des Fürsten Lo b an o w - R e sto w s ky s sechsund­zwanzig Millionen aus der Kasse des Komitees, dessen Ehrenvorsitzende sie war, de- fraudiert hat. Nun hatte also die fünf­zehnjährige Herrlichkeit ein Ende und die ein­stige Varieteesängerin hat dieser Tage ihren Weg nach der Gefängniszelle angetre-- ten. Sic transit gloria mundi! -tr-