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Caffrlrr Mrurste Mschrichten

Läuferreihe hinüber so zusammengehöria

Täglich

in den Abendstunden bringen die „Caffeler Slenefte NechrLchten" ihren Lesern

Interessante, originale Leitartikel, stets das aktuellste Ereignis des Tages behandelnd;

Line aktuelle politische Rundschau, frei von Parteizank, objektiv, interessant und national;

Die neuesten Depeschen vom Tage, gleichzeitig mit der großen Berliner Nach­richtenpresse ;

Fesselnde Romane und Skizzen erster Autoren und ein ausgcwähltcs Tages­feuilleton ;

Das Neueste aus Caffel, enthaltend selbständige kommunale Artikel und eine Chronik des Neuesten;

Die neuesten Handelsdepescheu, früher als jedes andere Casseler Blatt; ebenso die Kurse vom gleichen Tage;

SPorlnrchrichten und Telegramme aus dem Reich und aus dem Ausland in reicher Fülle.

verhüllen. gebogen, daß es nicht gar so zusammcngehörw

Heinz wußte eS selbst nicht, daß ihm, wäh- aussehc, doch er trat stets nur dichter au sie rend sie redete, einmal die Braue« zuckte«. Ter heran. Da suchte sie nicht mehr von ihm zurück- Chef, von dem sie was geschercki «ahm — fein zuweichen. Es begegneten ihnen ja auch nur

wolle sie mit de« vielen Serien ihr »Wein' ihm den ihm hinweg zu der — gebogen, daß es nicht gar

Nr. 39.

Erster Jahrgang.

8m zwei schöne Augen.

Noma« von H. A b t.

t) (Nachdruck verboten.)

Er ging et« wenig hinter ihr drein aus der andere« Seite der Straße, wußte genau die Stelle, wo sie hinüberbicgen mußte, und stand vor ihr au der Ecke, um die ihr Weg sie führte.

Sie hatte ihn schon erblickt. Ihr zartes, kindlich weiches Gesichtchen war erglüht, die goldbraunen Augen strahlten ihn an, und etwas war in ihrem Leuchten, das zu ihm sprach: »So lang hab' ich ihn nicht gesehen!'

Er wandte den Blick von ihren Augen ab, sah auf die Blumen hernieder. Ganz selbst- verständlich ging er an ihrer Seite weiter, nach­dem sie ihren Gruß gewechselt.

»Sie sind wie der wandelnde Frühling, Fräulein Adele.'

-Ich hab' Geburtstag heute.'

Er antwortete nicht gleich, obschon ihr Lächeln auf einen Glückwunsch wartete. Er sah ihr wieder ins Gesicht. Geburtstag hatte sie. wurde heut zwanzig Jahre, er kannte ihr Alter.

»Ich wünsche Ihnen alles, alles Glück, Adele!'

Es klang so seltsam ernst. In ihre Augen kam ein Fragen, und über die leis geöffneten Lippe» ging etwas rascher der Atem.

Liebes, kleines Mädchen, sie verstand sich Licht darauf, mit Seelcnregungeu Versteck zu spielen! Ahnte sie etwas davon, daß er um Besonderes heut ihren Weg gekreuzt? Einen Augenblick kam's ihm: „Sag's ihr jetzt nicht, verdirb ihr den Geburtstag nicht, tu ihr heut nicht weh.' Denn sein Lebewohl würde ihr weh tun, er wußte es, und es gab ihm fast ein glückliches Gefühl, daß er es wußte. Dabei ober erfaßte es ihn wie Angst. 91 ein, kein Hin­ausschieben mehr, das Ende machen! Doch nicht hier auf der Straße unter all den hin- und berlausenden Leuten. Dort der Weg geradeaus führte znm Englische« Garten hinüber. Es war nur eine kurze Strecke bis dorthin. Er hielt ben Schritt ein, sagte rasch, drängend:

»Ich mach es umgekehrt, statt eines Ge- burtstagsangehindes habe ich eine Bitte an Sie: Kommen Sie mit mir in den Englischen Gatten hinüber.'

Sie machte ein betroffenes, etwas beklom­menes Gesicht. So geradezu hatte er sie noch nie zu etwas aufgefordert. Immer hatte es sich wie von selbst gemacht, wenn sie den gleichen Weg hatten, und stets hatten ihre Begegnun­gen, auch wenn sie es beide anders wußten, wie ein liebenswürdiger Zufall ausgeschen.

„Ich mutz ja doch um zwei schon wieder im Geschäft fein und mutz erst nach Hause. Und es gebt schon stark auf eins. Ich bin beut so aus- gehalten worden. Wie ich oben fort wollte, kam erst noch der Chef und hat mir gratuliert, und ich hab mir ein Winterjackett ausfuchen dürfen, so schön, wie ich's nur wollte. Und dann hatten die Mädels aus dem Atelier un­ten noch einen Scherz gemacht und wollten mich absolut dazu bringen, daß ich heute abend mit ihnen zum Ball ginge, aber so die großen, öf­fentlichen Bälle, da mach ich mir nichts draus und hab sie mir lieber alle auf Sonntag zum Kaffee eingeladen.'

Mit ihrer weicken, zärtlichen Stimme hatte sie das alles fehl schnell hervorgeplaudett, als

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Blick ging an ihr hin und her. Das Geschästs- fräulem sah man ihr nicht an. Sie hätte eben­sogut eine junge Dame sein können, nur daß bei denen dieser holde Reiz nicht zu finden war, der sie umgab.

„Ich muß Ihnen etwas sagen, Adele, das ich Ihnen hier so mitten auf der Straße nicht sagen kann."

Wieder der seltsam ernste Klang in seine: Stimme. Da sanken ihr die langen, schwarzen Wimpern über die leuchtenden Augen herab, legten sich wie dunkle Schatten über die leicht verblassenden Wangen, und ihre Fuße wandten sich der Richtung des Englischen. Gartens zu.

Sein dankbarer Blick traf nur ihre gesenk­ten Lider. Er war nie so recht mit sich inS reine gekommen, wie er sie wohl am lieblichsten fand: wenn sie die braunen Augen aufschlug, so groß und staunend, als ob sie ringsum lau ter Wunder schaue, oder wenn sich ihr goldenes Leuchten hinter den weißen Lidern verbarg und die seidenen Wimperfchleier liebkosend über den rosigen Wangen zitterten. Jetzt dünkte es ihm, als wäre sie am anmutvollsten mit dieser sich selbst verbergenden Scheu.

Sie redeten nicht mehr, schritten schweigend nebeneinander dahin. Ein paarmal war Adele

wenig Menschen in der stillen Straße, die nur einen Durchgang bildete. Ihren Blumenreich­tum, den sie zuvor fast prunkend, mit liebevoller Sorgfalt getragen, hielt sie jetzt zu einem festen Strauß zusammengerafft; hm und her fiel eine Blüte daraus zu Boden, sie achtete nicht dar­auf. So kamen sie zum Englischen Gatten hin­über. Es war der nördliche, wildere Teil, der weniger von Spaziergängern, belebt war als die sorgfältig gepflegte Südhälfte. Der schmale, rechts und links von hohem Buschwerk bestan­dene Weg, in den Heinz jetzt einbog, war völlig menschenleer. Ein paar Schritte tat er noch: dann blieb er, hart den Fuß aufsetzend, mit einem Ruck stehen.

„Ich muß Ihne« Lebewohl sagen, Adele.' Die Zähne hatten sich ihm unter seinen Worten kaum voneinander gelöst.

Ihr gesenkter Kopf neigte sich noch tiefer. Sne hatte gewußt, daß es das sein würde, was er ihr sagen wollte. Nun überraschte es sie nicht, aber sie hatte auf einmal ein Gefühl, als zitterten ihr die Knie, als beginne unter ihr die Erde leise zu schwanken. Ein paarmal beweg­ten sich lautlos ihre Lippen, bevor sie kaum hörbar fragte:

»Sie gehen fort, sind versetzt worden k'

Er sah sie nicht an. An ihr vorbei llrick, sei,

Blick hin über ba3 bunt sich färbende Land „Lebewohl muß ich Ihnen sagen," wieder- holte er noch einmal. Und bann, noch immer ohne sie anzusehcn, faßte er mit sanftem Druck ihre Hand.

„Liebe, kleine Adele' —

Die kinderkleine Hand bebte nicht, sie lag wie leblos in der seinen, fiel matt herab, als er sie wieder freigab. Und abermals klang die kaum vernehmbare Stimme:

„Wann gehen Sie beim fort?'

Statt der Antwort begann er von neuem vorwärts" zu schreiten. Sie folgte ihm wie ein gehorsames Kind. Seitlich des WegeS, zwischen einer gelb und rötlich schimmernden Buchen- und Ahorngruppe stand eine Bank, zu der zog er sie mit sich hinüber, hob ihre Hand sich an die Lippen und hielt sic bann in seinen beiben fest.

Sie saß ganz regungslos ba, bas Köpfchen mit dem braun-schwarzen, lockigen Haar, bas so sanft die Schläfen umschmiegte, zur Brust gebeugt, bic Augen unverwanbt auf seine un­bekleidete Linke starrend. Er hatte an dieser so oft er mit Adele zusammengetroffen, aus Zufall oder unbewußter Absicht, stets den Handschuh getragen, so sah sie nun an seinem Finger zum ersten Male den breiten goldenen Reifen. Der sagte ihr's, warum er Abschied von ihr nehmen mußte.

Unter seinen Händen begann die , ihre zu beben, zuckte, wollte sich befreien, mit plötz­licher Heftigkeit hielt er sie fest. Da hob sie die Lider und sah ihm ins Gesicht.

„Seit wann sind Sie verlobt?'

Ganz still fragte sie es, und nichts von Vorwurf stand in ihrem Blick. Ihm aber war's, als falle schwere Schuld auf ihn her­nieder. Gespielt! Er hatte ja doch nichts weiter als nur mit ihr gespielt!

Da lächelte sie ein wenig mit ganz blassen Lippen, und übr ihren Augen tag der goldene Glanz wie ein feuchter Schleier.

„Ich wünsche Ihnen alles Glück."

Rein, nicht gespielt hatte er! Und et konnte nicht das blaffe Lächeln auf ihren Lip­pen sehen! Er konnte nicht seinen Abschied von ihr nehmen, bevor er nicht einmal, ein einziges Mal die süßen Lippen geküßt.

„Siebe — liebe, kleine Adele" —

Jäh, wild hatte er sie an sich gerissen, und fein Mund brannte auf dem ihren.

Sie hatte nicht Zeit gehabt, emporzusprin- gen und hatte keine Kraft, sich ihm zu entwin­den. Sie schien in seinen Annen wie vernich­tet. Auch als er sie wieder freigab, rührte sie sich nicht. Ihr hinten übergebeugtes Gesicht mit den geschlossenen Angen sah aus, als läge sie im Sarge.

„Sie hat dich lieb, sie hat dich lieb!" Dg^, jauchzte und weinte in ihm zugleich.

»Liebe, kleine — kleine" —

Wie ein furchtsamer Schauer ging es durch sie hin. Ihre Hände drängten ihn von sich.

„Nicht lassen Sie mich. Lassen Sie mich fort."

Sic wollte aufstehen, mit sanfter (SelveW*—- hielt er sie fest.

„Nicht eher, als bis Sie mir sagen, daß Sie mir verzeihen."

(Fortsetzung folgt.)

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