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Gsssrkr Abendzeitung

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Wksfische Abendzeitung

1» Jahrgang

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Fernsprecher 951 und 952.

Donnerstag, den 19. Januar 1911.

Fernsprecher 951 «nd 952.

Vierzig gab« später.

Bier Jahrzehnte Deutsches Reich.

Trüb und neb licht schaut der achtzehnte Januartag ins deutsche Land, winterlich düster vier Jahrzehnte nach der herrlichen Aufer- stehungsstunde deutscher Einheit, die achtzehnhunderteirmndstebzig dem Germanen­land nach heißen Kämpfen schlug. Glück und »Stolz schwellen auch heut die deutsche Brust wie einst, als auf Frankreichs Schlachtfeldern Deutschlands Kaiserkrone von heldenhaften Söhnen eines tapferen Volkes neu erobert ward, aber der Blick durchfliegt die Spanne Zett, die zwischen dem Einst und dem Heute Legt, ruhiger, prüfender und kritischer, denn eS ist naturgemäß, daß der Riesenschwung der Gefühle nach der Gründung des Reichs einer gewissen Ernüchterung wich, und die kleinen Sorgen des Alltags, wie das Haus zu bestellen sei, die Gemüter vollauf beschäftigten. Es war vielleicht sogar nützlich, daß eine Zeitlang das deutsche politische Denken aus rein praktische Dinge gelenkt wurde, um eine Art Korrektiv gegen den allzu idealistischen Gedankenflug der Nation zu bieten. Aber nun scheints leider, als ob der Schüler die praktischen Lehren gar zu einseitig in fich ausgenommen und verarbeitet habe, und als ob er der großen Zeiten, die vor vierzig Jahren das Reich gebaren, sich nicht mehr erinnere. Wenn es wahr ist, daß die .Staaten nur von den Ideen getragen und erhalten werden, die zu ihrer Gründung führten, so ist in Deutschland Gefahr im Ver­zug: Gewiß, an Gedenktagen, au Festtagen und bei Feierklängen wird auch das Reich gebührend erwähnt, und es ist nicht schwer zu prophezeien, daß der heutige vierzigste Ge­burtstag des Reichs eine große Zahl festlicher Veranstaltungen bringen und daß manch ehrlich gemeinter Ruf M Deutschlands höherer Ehre die Luft erschüttern wird. Aber wir vermissen auch nicht diesen äußeren Tribut, sondern das lebendige Wirken des Reichs- gedankenS in allem staatlichen Geschehen und in der Vorstcllungswelt des deutschen Bürgers.

Jssis schon vergessen, daß daS neue Reich seinen nationalen Endzweck in hohem Maß erfüllt hat? In vierzigjähriger, ununterbroch- »er Friedensarbeit haben deutsche Bürger in einem gesunden, von Korruption freien Staats­wesen mit den staatlichen Werten auch die wirtschaftlichen Güter und ihre eigne Habe sich mehren sehen. Wo ist das Land, das Volk, das einen ähnlichen Auflchwung erlebt hat, wie Deutschland in diese» vier Dezennien? Von einem fast bedeutungslosen Begriff hinauf in die erste Reihe der Weltmächte, aus Enge und Dürftigkeit hinauf zu den Höhen der welt- wirtschaftlichen Bedeutung, die uns den Neid der reichsten Nationen des Erdballes zugezogen hat: Wenn heut Gegensätze zwischen uns und den großen Mächten der Erde bestehen und dem Deutschen Reich nicht jeder Mann wohl- zesinnt ist, so ist das eine naturgemäße Folge dieser Entwicklung aus Pauperismus zum Reichtum, aus Ohnmacht zur Macht, und wenn heut der deutsche Arbeiter im Alter geborgen, in Krankheit geschützt ist, wenn grade jetzt dem wirtschaftlich schwachen Stand der deutschen Privatangestellten ein finanzielles Rückgrat von Staatswegen gegeben wird, so ist daS alles nur möglich als Folge der beispiellosen Ent­wicklung deS Reichs. Ohne dieses einigende Band, daS die zuweflen immer noch ausein­anderstrebende« deutschen Einzelftämme um­schließt und sie zu ihrem eigenen Besten vor dem Zerfall in kümmerliche staafliche Lebewesen schützt, wäre das alles nicht möglich, wäre kein einziger der Bürger Das, was er ist, wäre er weder polittsch das Glied des gewaltigen Reichs,, nach wirtschaft­lich der Nutznießer der ebenso gewaltigen neuen wirtschaftliche« Möglichkeiten. Der Tag von Versailles war der Geburtstag nicht nur des neuen Reichs, sondern auch des neuen Deutschtums und seines Siegeszugs durch die Welt. Und das sollen dankbare Enkel der großen Väter nie vergessen!

Vier Dezennien sind eine lange Zett, und mancher Wunsch ist auch in diesen vierzig Strebensjahren unerfüllt geblieben. Aber wer die Geschichte der Reichsgründung nachliest (nicht dort, wo sie Sttmmungsräusche entfacht, sondern wer sie aus den Quellen der Geschichte schöpft), der wird finden, daß auch schon bei der Gründung die willensgewaltigen Bau­meister manchen Wunsch zurückstellcn mußten, »m das Ganze nicht zu gefährden. Ist es nicht beinah eine Tragödie zu nennen, wie Bis­marck, der eigenfliche Schöpfer des neuen Gc-

bilds, in der Geburtsstmrde von seinem kaiser­liche» Herren, von dem güttgen Wilhelm, bei- sette geschoben wurde, und wie er noch bet der Krönung in Versailles von seinem Kaiser kei- nen Dank füi die ungeheure Mehrung des Glanzes der Hohenzollernkrone erhiell? Und spricht es nicht für die Macht des deutschen Gedankens, daß dieser Mann keinen Augenblick irre wurde an der Notwendigkeit der Schöp­fung, der Richtigkeit des Geschaftenen? Daß der Riese wohl fast zerbrach an dem Zwang, den er den vulkanisch tobenden Kräften seines eigenen Jchs anlegen mußte, daß er aber selbst die kaiserliche Ungnade auf fich nahm und sich selbst »antipreußischer (^Seiumg verdächtig machte, um ein treuer DternK seines Herrn und des deutschen Vaterlands zu werden? Nach­dem wir gelernt haben, zu wirtschaften und zu arbetten, nachdem wir den Fluch des lehr­haften Pedantentums in den Segen der organi­sierten Gründlichkeit zu wandeln gemußt haben, ist es an der Zeit, auch dem" Reichs- gedankcn wieder den ihm gebührenden Platz im deutschen Staats- und Völkerleben einzuräumen, wenn wir eine No Wirkung der Reichsfreudigkeit jener Tage in uns spüren wollen, die einst All-Deutschland nach Jahren kümmerlicher Wirrnis zum großen Reiche einten. Der Reichsgedanke, der einst den eisernen Kanzler zur Selbstverleugnung und zur Duldung bewog, darf in uns nicht erkalten, wenn wir des Erbes würdig bleiben wollen, das die Väter uns auf blut'ger Wal­statt erstritten. **

M Dmum im Parlament. .

Ei« Wahnsinniger in der Deputiertenkammer. (Telegraphische Meldungen.)

Die stanzöstsche Deputierten! am mer war gestern (wir wir schon durch Hang gemeldet haben) der Schauplatz einer Attentats, das dem Ministerprä­sidenten Briand galt, der in letzter Zeit wie­derholt Angriffen und Attentaten ausgesetzt war. Erst kürzlich (bei der Enthüllung des Ferrh-Denkmals) schlug ihm ein fanatischer Camelot du Roy den Hut vom Kopfe, und gestern hat ein Irrsinniger mit einer weit ge­fährlicheren Waffe ein neues Attentat ver­übt: Im Verlaufe der Dienstag-Sitzung der Deputtertenkammcr wurden von der Zuschau- ertribüne zwei Revolverschüsse auf den Ministerpräsidenten Briand, der auf der Ministerbank saß, abgefeuert. Briand blieb unverletzt, dagegen wurde der Di­rektor deS Armenwesens. Mirman, an der Wade verwundet. Der Angreifer wurde fest­genommen; eS ist ein ehemaliger Gerichts­schreiber Sizolme aus Bavonne. Ein Telegramm meldet uns über das Attentat noch folgende Einzelheiten:

Paris, 18. Januar.

Das gestern in der Kammer verübte Attentat hat keinen politischen Cha­rakter. Der Attentäter ist ein ehemaliger Gertchtsschreibcr aus Bayonne, der an V e r- folgungswahn leidet und bereits im vorigen Jahre einen Attentatsversuch gegen den spanischen Konsul in Biartttz began­gen hatte; er ist deshalb von dem Minister des Innern abgesetzt worden. Ein Bruder des Attentäters ist gegenwärttg Ka­binettschef des Ministers Lafferre. Der Attentäter befand sich auf der oberhalb der äußersten Linken und unterhalb der Jour- nalistentribüne gelegenen Zuschauertribüne. Der erste Schuß ging hart an dem Kopfe deS konservattven Deputterten Villebotsmo- rruil vorbei. Die zwette Kugel streifte den Direktor des SanttätsdepartementS im Ministerium des Innern, Mirman, der der Sitzung als Regierungskommiffar bei­wohnte, am Bein und durchbohrte die rechte Wade. Der Täter Sizolme befand sich noch vor kurzem in dem Irren- Hause in Villevrard bei Parts. Er wurde seiner Familie übergeben, da die Aerzte, die ihn als Ncurasthentter ansahen, emp­fahlen, ihm möglichst viel Zerstreuung zu bieten. Zu diesem Zwecke hatte man ihm auch eine Karte für die gestrige Kammersit­zung gegeben. Es heißt, daß er vor dem Staatsanwalt und dem Untersuchungsrich­ter erklärt habe, daß er mit dem Attentat keinerlei Rache üben, sondern »sich nur amüsieren wollte-. Sein Bruder, der der Kammersitzung beiwohnte, war ent­setzt, als er erftihr, wer der Urheber des Revolverattentates sei.

Ein weiteres Pariser P r i v a t = XeI c- gramm vom heutigen Mittag meldet uns dagegen: Sizolme hat heute cingc- standen, daß er Briand habe erschie­

ße» wollen, um sich an ihm zu r ä ch e n. Er gibt Briand Schuld, daß er seine Stel­lung als Gerichtsschreiber verloren habe, denn Briand sei damals Justizmini­ster gewesen. Diese Annahme ist jedoch falsch. Sizolme soll wörtlich gesagt ha­ben: Ich wollte zu meinem Vergnügen einen Minister oder einen Depu­tierten erschießen. Einen Minister hätte ich vorgezogen, und es tut mir leid, daß Mirman so nahe saß.

Im Senat brachte bei Bekanntwerden der Tat Senator Goujon den Vorschlag ein, dem Ministerpräsidenten und dem Dtrettor Mirman die Sympathien und die Teilnahme des Hauses auszudrücken. Der Vorschlag wurde angenommen. In der Kammer wurde nach dem Wiederbeginn der Debatte beim Budget deS Innern der Passus, der der Re­gierung das Vertrauen ausspricht, mit 388 «76 Sttmmen angenommen, und dieses nmungsresultat kann nach den Umstän­den als Sympathiekundgebung auf­gefaßt werden. Die Tagesordnung im gan­zen wurde einstimmig angenommen.

2er bedrohte AhemfM.

Ein Opfer der Industrie?

(Von unserm Korrespondenten.) Zürich, 17. Januar.

Der Rheinfall bei Schaffhausen, diese herr- ftche Naturerscheinung, ist durch ein indu­strielles Unternehmen aufs ernstlichste bedroht, wenn nicht durch einen allgemeinen Protest der Schlag, der gegen die Schönheit dieses Naturwunders geführt wird, abgewehrt wird. In Verbindung mit einem Schiffahrts­kanal will nämlich eine Schweizer Industrie- Gesellschaft ei» Wasserwerk errichten, durch das dem Rheinfall bei Schaffhausen so viel Wasser entzogen werden würde, daß in kurzer Seit daS Ende deSWasserfallZ zu erwarten wäre, n jedem Falle wird die Schönheit des Rheinfalles völlig vernichtet werden. Die »Schweizerische Naturschutzkommission" hat nun bei dem sogenannten »Projektierungskousor- thun* (das die industrielle Anlage plant) ge­gen die Verwirklichung dieser Idee schriftlich eine» scharfen Protest erhoben. Daraufhin ging der »Schweizerischen Raturschutzkommis- fum" von dem betreffenden Konsortium folgen­des Schreiben zu:

Wir werden nicht ermangeln, die I n t e - grität des Wasserfalles so gut wie mög­lich (!!) zu wahren. Immerhin werden wir aber mit dem Schiffahrtskanal ein Wasser­werk in Verbindung bringen und dadurch ge­zwungen fein, dem Rhein 50 cbm Was- ser pro Sekunde zu entziehe», das heißt so viel, wie beide Kantone, Zürich und Schaffhausen, zusammen dem Rhein zu ent­nehmen berechtigt sind. Die Entnahme des Wassers wird hoffentlich (?) auf die Schön­heit des Rheinfalls nur bei kleinem Was- serstand, also während des Winters, von Einfluß sein.

Gegenüber diesen Mitteilungen bedenke man, daß die Wassermenge des Rheinfalles ost nur 80 cbm pro Sekunde beträgt Die Ent­nahme von 50 cbm pro Sekunde würde also den Rheinfall einfach völlig vernich­ten. Dabei ist noch zu befürchten, daß die Mittellung der Gesellschaft fefir optimistisch ist, und daß mehr als 50 cbm Wasser pro Se­kunde gebraucht werden. Geradezu köstlich wirkt die Bemerkung der Gesellschaft, daß fie dazu .berechtigt" sei. Ms ob es nicht bei einem so seltenen Naturwunder Verpflichtungen gegen die ganze Welt gäbe, hinter denen die indu­striellen Bedürfnisse zurücktteten müssen. In- Mischen hat schon am 81. Dezember 1910 der Regierungsrat von Schaffhausen gegen das Projett energisch Stellung genommen und dagegen protestiert, daß die Verbindung mit der Schleusenanlage zur Hebung der Schiffahtt durch eine Wafferkrastanlage am Rheinfall her- gestellt werde. Man erftärt mit Recht, daß die Ausnutzung des Rheinfalles zu einem Kraft­werke geschäftlich zwar sehr rentabel sein möge, daß sie aber aus Rücksicht auf die Schönheit der Landschaft unter allen Umständen unterbleiben müsse. Ein Gegenstück zu der Ausnutzung der Niagara-Fälle dürfe in Europa nicht geschaf­fen werden.

, , Die Konzession zur Errichtung dieser Was­serkraftanlage hat der Schweizerische Bundes­rat zu vergeben. Der Regierungsrat von Schaffhausen hat darum bei dem »eidgenössi­schen Departement des Inneren" eine Petttton cingereicht, in der ersucht wird, daß der Schwei­zerische Bundesrat jede Konzession verweigere, die geeignet sei, die Integrität des Wasserfalls zu beeinträchtigen. Es werden auch gesetz­liche Vorschriften verlangt, durch die ein für ave Mal jeder Angriff auf die Schönheit oder auf das Bestehen des Rheinfalls verboten Wirb. Ta sich die Unternehmer darauf beru­fen, daß die beibeu Kantone Zürich und Schass.

bausen dem Rheinfall 50 cbm Wasser pro Se­kunde zu entnehmen berechtigt find, so wird ein: anderweitige Regelung dieser sogenannter »Gerechtsame" verlangt. Dabei ist zu bemer­ken, daß am 4- April 1895 (also bereits voi sechzehn Jahren) ein Bundesbeschluß gefaßt wurde, durch den der Bundesrat den Auftrag erhielt, »so schnell wie möglich eine Vorlage einzubringen, betreffend die Regelung der in­terkantonalen Beziehungen mit Bezug aus Wasserwerkanlagen". Bis heute ist dieser Ge­setzentwurf indessen noch nicht eingebracht wor­den. Da aber die Gefahr groß ist, so ist eine baldige Einbringung dieser Vorlage jetzt zu er­hoffen, da sonst tatsächlich die Gefahr besteht, daß der Rheinfall bei Schaffhausen demnächst der Vergangenheit angehören wird. -or.

Sie Katastrophe desUIII".

Das Boot gerettet; drei Mann tot! (Telegraphische Meldungen.) Wie wir schon gestern berichteten» und durch Aushang mitgeteilt haben, ist es im Laufe des gestrigen Tages gelungen, den größten Teil der Mannschaft des in der Heitzendorfer Bucht im Kieler Hasen gesunkenen Unter- seeboots ,U III" zu retten. Wie uns ein Telegramm aus Kiel meldet, konnte heute morgen gegen vier Ubr auch das gesun­kene Boot durch das Hebeschiff »Vulkan" ge­borgen werden. Die im Turm Befindlichen, Kapttänleutnant Fi s ch e r, Leutnant Kalbe und der Mattose Rteßer, wurden leblos her- atisgehott; sie waren von Gase» betäubt, und Wiederbelebungsversuche haben sich bisher als erfolglos erwiesen. Hebet die Katastrophe selbst berichtet uns ein Privattelegramm auS

Kiel, 18. Januar folgende Einzelheiten: Das seft Mai 190$ in Dienst befindliche Unterseeboot ,U III" unternahm gestern vormittag eine Uebungs- fahrt. Es war ohne Begleitung eines an­deren Bootes. Gegen elf Uhr bemertte man, daß das Vorderteil des Bootes einige Mss' über der Wasserlinie lag und das Hintertell sich unter der Wasserlinie befand, so daß das Boot uanövrierunfähig war und sank. Die im Hafen liegenden Kriegsschiffe sandten sofort Dampfboote nach der Unfallstelle ab. Auch ein Torpedoboot fuhr dotthin und einige Dampfer von der Kaiserlichen Werst. Ein großer Schwimm- kran wurde zunächst an die Unfallstelle ge­schleppt, da das eigenttiche Hebeschiff für Un­terseeboote, .Vulkan", gegenwärtig auf der Kaiserlichen Werft zur Reparattir liegt und infolgedessen keinen Dampf hatte. Es wurde deshalb erst später von zwei Schleppern nach der Heißendorfer Bucht gebracht. Jetzt stellte sich heraus, daß der Schwimmkran das verunglückte Boot zwar wohl bis zur Was­serfläche, aber nicht weiter zu heben vermoch­te. Die Mannschaft des untergegange­nen Bootes stand während der Rettungsar­beiten mit der Außenwelt in telephoni­schem Verkehr, der durch eine vom Un­terseeboot aufgelassene Telephonboje vcrmit- ielt wurde. Es gelang zunächst nur, einen kleinen Teil des Bootes über Wasser zu he­ben. Hier wurde in die Wand ein Loch ge­schlagen, durch das siebenundzwanzig Mann der Besatzung gerettet wur­den. Die drei Offiziere des Bootes, die sich in dem Kommandoturm befanden, konnten durch die Oeffnung nicht so rasch herausge­bracht werden, und es gelang erst heute inder Morgenfrühe, sie aus dem Turm herauszuholen. Sie ivaren stark betäubt und es ist fraglich, ob dir ununterbrochen sortgesetzten Wiederbelebungsversuche Erfolg haben werden. Prinz Heinrich von Preußen weilte bis spat abends au dei Unfallstelle. Die geretteten siebenundzwanzig Mann wurden, da sie sehr erschöpft waren, sofott nach dem Lazarett gebracht. Ucber die Ursache der Katastrophe ist noch nichts bekannt geworden, da die gerettete Mann­schaft noch teilte Auskunft zu erteilen ver­mochte. Ein unkonttollierbares Gerücht be­sagt, daß das Unterseeboot von einem ande­ren Boote begleitet und von diesem a n g c - rannt worden sei.

Bo» heute nachmittag berichtet uns ein Telegrammunseres Kieler Kor­respondenten: Tie heute früh auk dem Turm des UnterseebootsU III" ge­borgenen drei letzten Insassen: Kapitän­leutnant Fi s ch e r, Leutnant Kalbe und Matrose R i e p e r sind tot; fie wurden bereits als Leichen geborgen. Alle drei sind in dem engen, nur etwa zwei Kubikmeter umfassenden Raum erstickt. Tie geretteten stebcnundzwanzig Man« der