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1. Jahrgang.

Casseler WmLMung

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Fernsprecher 951 und 952.

Sonntage den 15. Januar 1911.

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Irr Imk der Vaterlands?

Unsere Veteranen und das Reich.

Am achtzehnten Tag im Januar sind vier Jahrzehnte verflossen, feit im goldglitzernden Spiegelsaal des Schlosses zu Versailles Preußens greiser König Wilhelm im Kreis der deutschen Fürsten feierlich zum Träger der Kaiserkrone ausgerufen und das stolze Reich der Deutschen aus dem Staub der Geschichte zu neuem Glanz emporgehoben ward. Vier Dezennien gewaltiger Friedens- arbeit trennen uns von fenen großen Tagen, da deutsche Kraft und deutsche Treue auf blutigem Schlachtfeld das junge Reich erkämpf­ten und heldenmütige Krieger um unvergäng­lichen Lorbeer warben. Richt mancher mehr von ihnen, die damals für Voll und Vaterland stritten, weilt heut noch unter den Lebenden: Der Tod hat auch unter der Friedenspalme seine Ernte gehalten, und so manche Helden­brust, die einst im Kampf ums Vaterland kühn dem Feind entgegendrängte, deckt nun schon die kalte Heimaterde. Wie ferner Glorienschein grüßt die große Zeit deutscher Siegestat ins Jahrhundert der Nachgebornen hinüber, und grade in diesen Tagen, in denen die Erinne­rung zurückstreist auf die höchsten Höhen deut­schen Heldentums: Grade jetzt schauen wir mit bewundernder Ehrfurcht auf die Männer mit der schlichten Broncemedaille und dem Kreuz von Eisen auf der Brust, deren Arm und Schwert das Vaterland groß und mächtig schufen. Sie, deren Haupt heut der Schnee des Alters deckt: Sie waren es, die in blutiger Schlacht das starke Fundament deutscher Kraft und Einheit schichteten und das neue Reich er- stritten, dessen gewaltige Frtedenswehr heut eine Welt beherrscht. Auf den Schultern der Braven, die vor vierzig Jahren Ehr um Ehr an All-Deutschlands Fahnen ketteten, ruht die historische Wucht der Reich-Werdung; ihr Arm erkämpfte Sieg und Preis, und ihre Herzen waren's, die zuerst der Jubel der Einheit durchzitterte.

Auf dem Grundstein, der vor vier Dezen­nien mitten im Schlachtgetümmel gelegt ward, hat Jung-Deutfchland weitergebaut, geschirmt »ott blanker Wehr und nationaler Stärke, und am Tag, da sich zum vierzigsten Mal der Augenblick der Reichsgründung jährt, blickt All- Deutschland mit Dank und Ehrfurcht auf jene Braven, die einst voll kühnen Muts den Traum der Edelsten und Besten im Volk verwirklichten. Des Vaterlands Dank war karg. Heute, vier­zig Jahre nach dem gewaltige': Ringen um Reu-Deutschlands Sein und ? erden, harren die Sieger von Weißenburg ' tb Wörth, die kühnen Streiter von Sedan und Gravelotte noch des bescheidensten Lohns, und mancher von ihnen, die einst, mit Lorbeer gekränzt, von blutiger Walstatt zur Heimat zogen, starb arm und verlasse« in Elend und Rot.Krieger- »nb Heldentat findet ihr Lorbeerblatt": Aber der Kummer greiser Veteranen und das Elend notleidender Helden­krieger aus Deutschlands größter Zeit haben beut noch keine Linderung gefunden. Der Invaliden- und Unterstützungsfonds für be­dürftige Krieger verfügt nur über bescheidene Mittel, und im Reichshaus ist die Veteranen- Fürsorge noch nach vier Jahrzehnten Friedens­arbeit ei» schöner Traum geblieben. Steigt hinab in des Lebens Niederungen, und Ihr werdet sie finden, die Männer, deren Heldenmut das Vaterland sein Dasein dankt. Der Drehorgelspieler mit der Siegeszier im Eisenkreuz auf der Brust; der greise Arbeiter, der unterm Druck des Elends seufzt; der kleine, um des Daseins kargen Lohn ringende Beamte und der Invalide, der das dürftige Brot ärm­licher Versorgung in Bitternis und Kummer ißt: Das sind sie, deren Stirn einst der Lorbeer kränzte und deren Äug' das Morgenrot des jungen Reichs heraufdämmern sah.

In vier Jahrzehnten hat das dankbare Vaterland sich noch nicht zur Dankesleiftung aufraffcn können, und es Ningt wie ein schriller Mißton in die feierliche Stimmung pietätvollen Erinnerns an Deutschlands große Zeit das Wort vom Undank, der hier die Helden lohnt. Im Parlament des neuen Reichs fordert der Volksvertreter Mehrheit seit Jahren Hülse und Beistand für die ergrauten Opfer heißer Kamvfestage. Seit Jahren: Aber des Reiches Kassen sind leer, und die Millionenflut sickert nicht hernieder bis aus den dorrenden Acker der Veteranen-Rot. Fern, am blauen Horizont politischer Möglichkeiten, schimmert matt noch die Hoffnung auf endliche Erfüllung längst gebotener Pflichten: Bringt der Steuern neuer Goldstrom die ersehnte Fülle, winkt auch

der Veteranen-Rot ein leidlich Ende. Als ob die Pflicht durch leichten Zufalls Spiel ge- tvandelt werden könnte! Er schmerzt die See­len, dieser Blick auf die Aermlichkeit vater­ländischen Danks, und die Erkenntnis des Pflichtgebots war'S, die mancherorts im Reich die Kommunen zur Sorge für Deutschlands Heldensöhne rief. Aber auch der Gemeinde Wohltat lindert noch nicht alle Not und über Steuerbefreiungen und bescheidne Zuwen­dungen ist zudem die (am Dank des Reichs ge­messen: Großherzige) Hülfsaktion vaterländisch empfindender Stadtverwaltungen nicht hinaus­gegangen. Die Grenzen wirtschaftlicher Kraft sind eng gezogen und eine durchgreifende Für­sorge für die bedürftigen Helden großer Tage ist im beschränkten Kreis kommunaler Wohltat nicht möglich. Trotzdem ist zu schätzen, was von dieser Seite opferstoh geschah: Es ist der Tribut der Dankbarkeit, den die Nachgebornen den greisen Verteidigern des Vaterlands zollen und die Freude der Wohl­tat wird nur verdüstert durch die Erkenntnis der Unzulänglichkeit Dessen, was bisher ge­schah.

Im Parlament des Reichs hat am letzten Donnerstag ein Vertreter der Partei, der man sicher nicht nationale Empfindsamkeit zum Vor­wurf machen kann: Herr Noske vom sächsischen Erzgebirg, der Regierung und der Versamm­lung der vom Voll Erwählten die harte An­klage entgegengeschleudert, es seieine Schande, daß das Reich die alten Veteranen schütz- und hilflos im Stiche lasse", und es ist betrübend, daß die verantwortliche Stelle gegenüber die­sem von staatsfeindlicher Seite erhobe­nen Vorwurf nur die dürftige Entschuldigung hatte:Die Verteilung der Unterstützungen an notleidende Veteranen müsse durch* die Bundesregierungen erfolgen, wie dies auch geschehe." Dem Geist der Form entspre­chend, ist diese Schuldabweisung (leider) be­rechtigt, dem Gebot der Pflicht aber, die das Reich gegenüber den Erstreitern des Vaterlan­des zu erfüllen hat, wird dadurch noch nicht entsprochen, und es bleibt für ewige Zeiten eine unentschuldbare Unterlassung des Par­laments und der Reichsregierung, daß in den vierzig Friedensjahren, die uns seit den letz­ten, in gewaltigem Völlerringen erstrittenen Siegen beschieden waren, nichts geschehen ist, das als ausreichende und der Heldentat würdige Versorgung unserer Kriegsvete­ranen angesprochen werden kann. Noch heut, wo sich das Vaterland endlich auf seine Dan­kesschuld besinnt: Noch heut hängt das Schick­sal der Veteranenfürforge am dünnen Zufalls­faden, denn wenn das Parlament Herrn Wer­muth die Wertzuwachssteuer versagt, muß des Reiches Säckelmeister abermals die Erfül­lung vaterländischer Dankespflicht gegenüber den Greisen vom letzte« Krieg verschieben; ein traurig-düsteres Bild aus dem Reich deut­scher Einheit und deutscher Würde. Jetzt, wo die Tage der Erinnerung an das in schwerem Kampf Erworbene heraufdämmern, müßte das Parlament frohen Herzens sich seiner Pflicht bewußt sein, die Veteranen-Fürsorge endlich allen Schwierigkeiten trotzend, zu verwirklichen, damit die Sonnentage swlzer Erinnerung auch Denen einen Lichtschein bringen, die einst Blut und Leben im Kampfe um des Vater­landes Größe mutig wagten! **

Sülle öorm Sturm?

Die Situation in Portugal.

(Eigene Drahtmeldungen.)

Den letzten Depeschen aus Lissabon zufolge dauert in Portuaal der Streik d er Eifen- bahner noch fort, und die Situation wird mit jedem Tage kritischer. Man befürchtet bereits für den Sonntag Ruhestörungen und Ausschreitungen, da die Streiken­den fick i« erregter Stimmung befinden und ost'enbar auch von den Monarchisten auf- gewtegclt werden. Wir erhalten über die augenblickliche Situation folgenden Draht­bericht aus

Madrid, 14. Januar.

Hier ist man übereinstimmend der Ueber- zeugung, daß die gegenwärtige Ruhe in Portugal die Stille vor dem Sturm bedeutet. Aus den Industriezentren kommen besorgniserregende Meldungen von M a s - sen-Demonftrationen, die für mor­gen angefetzt sind. Der Eisenbahnverkehr ruht fortgesetzt auf allen Strecken. In ein­zelnen kleinen Ortschaften im südlichen Por tugal kam es gestern abend bereits zu Kra­wallen, da unter der Landbcvöllcrung die Lebensmittel auSgeben. Auch

die Haltung einzelner Regimenter flößt U n - ruhe ein. Man verheimlicht sich in poli­tisch kundigen Kreisen nicht, daß der zu­nehmende Ausstand eine große Gefahr für die Regierung bedeutet. Von der spanisch-portugiesischen Grenze wird gemel­det, daß die portugiesischen Monarchi­sten eine immer regere Tätigkeit an den Tag legen. Die versprechen sich von ihrer Propaganda viel und glauben a» die W i e - dereinführung der Monarchie. Die Regierung hat die Direktoren der lokalen Presse zu sich gerufen und ihnen mitgeteilt, daß die Hauptagitatoren gegen die Republll der Provinzial der Jesuiten in London, sowie die Führer der Roya­listen seien. Ferner wird bekannt, daß weitere Konflikte infolge der Haltung der Arbeiterklasse heraufbeschworen werden.

Ein weiteres Telegramm berichtet uns aus Paris: In hiesigen Finanzkreisen hegt man auf Grund vorliegender Meldungen aus Portugal ernste Besorgnisse um die Zukunft der Republik. Es ist festgestellt, daß die Monarchisten bis weit hinauf in die höch­sten militärischen Ränge heimliche An­hänger haben, die unermüdlich gegen die Republll arbeiten. Man fürchtet auch, daß der Eisenbahnerausstand dazu benutzt werden wird, der Regierung Schwierigkeiten zu be­reiten. Jedenfalls erscheint die augenblickliche Lage ernster und bedenklicher als seit Wochen.

Die Stimme des Gewissens.

Ter Wahnsinn der Gräfin Tarnowska.

(Bon unserm Korrespondenten.)

Der italienische Deputierte Arturo B e c ckini, der im Mordprozeß gegen die Gräfin Tarnowska vor dem Schwurgericht in Ve­nedig der Verteidiger der Angeklagten war, er­klärt in derTribuna", daß feine Klientin mit raschen Schritten dem Wahnsinn zueile, und daß dieser Wahnsinn nach der übereinstimmen­den Ansicht hervorragender Psychiater sicher un­heilbar sein werde. Die Gräfin habe häufig epileptische Anfälle und leide an dauernder Schlaflosigkeit; sie habe Angstgefühle, fürchte, daß man sie vergiften werde, und liege aus Angst vor dem Bett Tag und Rächt auf der Erde. Aus den Mitteilungen Vecchinis werden uns aus Rom noch folgende Einzelheiten be­richtet:

Rom, 14. Januar.

Die Tarnowska (erzählt der Anwalt) war ein Geschöpf, das für das höchste Glück geboren zu fein schien, und es hätte niemand geglaubt, daß sie einmal eine solche Abenteurerin werden könnte; aus sehr vor­nehmer und reicher Familie stammend, war sie von überaus feiner Wesensart und hochgebildet. Sie hat im Gefängnis Italie­nisch gelernt und spricht und schreibt unsere Sprache ganz korrekt; außerdem kennt sie die lateinische, die französische, die deutsche, die englische, die spanische, die polnische und die russische Sprache. Sie spielte Klavier und Harfe, und war eine vortreffliche Sängerin. In der zweiten Hälfte des Monats Dezem­ber schrieb die Gräfin an eine Person, die ich rricht näher bezeichnen möchte, nachstehenden Brief:Besten Dank, mein Herr, für die freundlichen TrosteSworte. Was kann mir das Leben noch bieten? Selbst wenn ich die schreckliche Krankheit, die mich niederwirst, nicht hätte... was könnte ich noch erwarten oder erstreben? Die Schlaflosigkeit zehrt ftänbja an mir; mein Hirn hat nicht einmal dm TraumdenFrieden und die Ruhe der Illusion. In einem kurzen Schlummer sah ich mich auf geräuschlosem Schlitten über die weiße Schneefläche dahin­jagen. Ich rüttelte mich auf und sah nur die eisernen Gitter st äbe. Glauben Sie mir, o glauben Sie mir, daß es für mich nichts mehr auf der Welt gibt, das sich nicht in Tränen löste. Gestern abend hatte ich eine besonders starke Krisis: Ich konnte bis zum Morgen nichts sehen. Welches Ent­setzen, blind zu fein! Ich hatte nicht einmal mehr die blasse Hoffnung gehabt, mein Kind wiederzusehen und dem teuren Greis, der mit sechsundstebzig Jahren sich durch Europa schleppt, um mit einem zärtlichen Wort das düstere Schweigen meines Kerkers zu brechen, ins liebe Antlitz sehen zu können. Oh, wenn die Menschen die unsäglichen Schmerzen, die ich leide, und die so viele gleich mir erleiden, ermessen könnten! Sie würden dann begreifen, daß nicht die Qua­len der Gerichtsverhandlungen, nicht das höhnende Geheul der Menge, nicht die Ser« keriabre die Sühne für grauenvolle Schuld

sind, sondem die entsetzensvollen Augenblicke, in denen die Seele Einkehr hält und an das Vergangene denkt und die Zukunft zu ergründe« sucht... Sterbe« ... sterben möchte ich! Ich habe vor so vielem Angst, vor allem davor, daß ich wahnsinnig werden könnte. Bin ich es vielleicht schon? Mein Gott, welches Ent­setzen! Mein Herz leidet so sehr, daß ich mir am liebsten das Leben mit beit Zähnen her­ausreißen möchte...

Wie Abgeordneter Vecchini versichert, ist die unglückliche Frau, die im Kerker schwere Schuld büßt, unrettbar dem Wahnsinn ver­fallen, und der Kampf zwischen dem Licht und der Rächt dieses Frauengeistes soll ein furcht­barer fein. Wiederholt hat die Gefangene Selbstmordversuche unternommen, die indessen stets noch rechtzeitig vereitelt werden kannten. Auf ärztliche Anordnung soll die Grä­fin in den nächsten Tagen einem Irren­haus e zur Behandlung zugesührt werden.

Mertur Morins.

Der jüngste konstitutionelle Fürst.

(Von unserm Korrespondenten.)

Paris, 12. Januar.

Fürst Albert Honorius von Mo­naco, der seinem kleinen Lande soeben eine Verfassung gegeben hat, entstammt dem be­rühmten genuesischen Adelsgefchlecht Grimaldi, das im vierzehnten Jahrhundert die Herrschaft über Monaco erlangte und seinen Ursprung bis auf den griechischen Mythos zurücksührt. Nach einer höfischen Legende sollen die Grt- maldi von Herkules, dem Sohne Jupiters und der Alkmene, abstammen, und Herkules selbst soll es gewesen pin, der zwischen denk Raub der goldenen Aepfel aus dem Garten bet Hesperiden und der Befreiung des Theseus mit einem einzigen Schlage seiner allmächtigen Keule den kleinen Hafen unter dem wuchtigen Felsen geschaffen hat. Der Ruhm einer soer­lauchten" Abstammung klingt denn auch in den glänzenden Titeln wieder, die der regierende Fürst von Monaco sich beizulegen geruht hat. Er ist Fürst von Monaco und von EhLteau- Porcien, Herzog von ValenttnoiS, von Estoute- ville, von Mazarin, von Meilleraye und Mayenne, Marquis von Guiscard und Baux, Gras von Carlados, von Thorigny, von Ferrette, von Belfort, von Thann und von Resemont, von Saint-Remy und von Jsenheim. Er ist Hoheit-Serenissimus, und die zeitgenös­sische Geschichte hat ihm noch den Titel eines Prince de la Roulette* und einesDuc de Trente-et Quarante* verliehen. Die Untertanen des Fürsten von Monaco sind nicht sehr zahl­reich: Auf 17000 Bewohner des Fürstentums kommen nur 1200echte" Monegassen. Die anderen sind zum größeren Teil Franzosen oder Italiener, zum Heineren Russen, Amerikaner, Engländer, Schweden, Polen, Brasilianer und Belgier. Auch alle Beamte des Fürste« sind Ausländer, meist Deutsche oder Franzose«, einige Schweden oder Portugiesen, die meisten Erzellenzen oder Monseigneure, denen wenig Wohlwollen gegenüber der eingeborenen Be­völkerung nachgesagt wird.

Die öffentliche Gewalt ruht in den Händen von einem Trüppcken Gendarmen, das von vier Offizieren befehligt wird. Als Victorien Sardou seinenRabagas* aufführen ließ, ver­legte er die Szenerie nach dem Fürstentum Monaco, und da er selbst aus der alten Grafschaft Nizza stammte, so kannte er ohne Zweifel die revolutionäre Ver­gangenheit des Fürstentums. Die jüngste Verfassungsbewgung ruft die Erinnerung an die Bewegung vom Jahre 1848 wach. Damals gehörten Mentone und Eabbs- Roquebrune noch zu Monaco. Sie verlangten Reformen, ähnlich denen, wie sie jetzt gefordert wurden, und da die Regierung ihre Bewilli­gung ablehnte, zerrissen sie das fürstliche Ban­ner und warfen sich dem König von Piemont, Karl Albert, in die Arme. Als die Grafschaft Nizza 1860 von Frankreich annektiert wurde, nachdem die Bewohner auf dem Wege des Plebiscits über ibre Meinung befragt worden waren, versuchte sich Monaco auf alte Rechte zu berufen. Aber Mentone und Cabbs-Rogue- brune sprachen sich einstimmig für die Annek­tion durch Frankreich auS. Diesmal wollte Fürst Albert die Fehler feiner Väter nicht wie­derholen und schenkte seinem Lande eine Ver­fassung. Die Thronfolgefrage in Monaco scheint nach den letzten Meldungen noch immer nicht geregelt. Man hat zwar die Nachricht, daß der Erbprinz von Monaco auf die Thron­folge verzichtet habe, offiziös dementiert, aber in unterrichteten Kreisen bezeichnet man doch mit aller Bestimmtheit den Herzog von Urach, dessen Mutter eine Prinzessin von Monaco war, als den künftigen Regenten des Landes.

Die Herzöge und Fürsten von Urach bilden Sie vierte Linie des württembergischen Königshauses, dessen fünf Linien be*