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Erster Jahrgang

Zas MMum

Avernou, der Herzog von Cröqui, der Ml

I ten: ist es nicht schon unendlich viel, überhaupt leine Daseinsberechtigung zu haben? Das kön-

über sind, dann gehen ihr die Augen aus. und^

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sicher nichts zu wünschen übrig lassen, An der Theaterleitung würde es allendings liegen, das Publikum zu fesseln und den Besuch dadurch zu steigern. Es geht hierbei gerade wie berm Geschäft: Einer empsiehlt es dem andern und dann kommt es darauf an, was geboten wird, ber.it jeder Mensch liebt doch das Schöne. Wenn es allerdings nicht möglich ist, einen Platz zu erringen, setzt man sich mit bei Fa­milie in bie Kneipe, spielt bett Philister und träumt von vergangenen Zeiten. Meine Zeit ist sehr knapp; wollte Ihnen aber in der Eile auch mal eine Ansicht aus Hanbwerker- kreisen zugehen lassen, damit auch der Mit- telstand einmal in der Theaterfrage zum Wort kommt. W.

2. Beilage.

Sonnabend, 14. Januar 1911

Weniger Starrst wäre ... mehr Gssrrndheit!

An Wasser scheint man bei den allabend­lichen Straßenreinigungen in Cassel gehörig zu sparen. Wer einmal zu später Stunde so einer Straßenreinigerkolonne bei ihrer Arbeit begegnet, kann die Gestalten nur in einer dunstigen Masse (Staubwolke genannt) spärlich unterscheiden. Bedenkt man denn nicht, daß solch' Verfabren int höchsten Grade un- bvgienisch ist? In anderen Städten gibt man sich Mühe, die Staubplage nach Möglich­keit eiuzuschränken, sogar durch die Anwen­dung von stanbbindenden Mitteln bei der Straßenreinigung. Sollte etwas Aehnlickes in Cassel nicht auch gemacht werden können? Ich glaube, daß die Erreichung des Zieles nicht zu große Schwierigkeiten bieten würde. Auch hie damit verbundenen Kosten könnten wohl nicht allzu hoch sein und die Stadtverordneten würden der Bewilligung der erforderlichen Summe sicher keine Schwierig­keiten in den Weg legen. Es bandelt sich wirk­lich hier um eine Plage. Im Sommer läßt sich die Staubentwicklung bei der Straßenreinigung noch einigermaßen durch Wassersprengung be­heben: im Winter aber, wenn wegen des Fro­stes kein Wasser gesprengt werden kann, ballen sich die von den Besen aufgewirbelten Staub-

Sin Hendwrrkrr zur Thcatsifraoe,

Betreffs eines zweiten Theaters möchte ich mir erlauben, auch mal als Han d- Werker meine Ansicht zu äußern. In meinen Fremdenjahren, Ende der 70er Jahre, wo die Verbienstverhältnisse bedeutend geringer waren wie heute, habe ich als junger Mensch das Be­dürfnis gehabt, mindestens die Woche ein­mal das Theater zu besuchen an dem Platz, wo ich gerade in Stellung war und diese Aus­gabe hat mich nie gereut. Jetzt, wo ich er­wachsene Kinder habe und längere Jahre in Cassel wohne, hat sich mein Sinn nach Kunst und Bildung nicht verringert, aber man findet nur schwer die Stätte, wo man diese Neigung befriedigen kann; was für eine Stadt wie Cassel gerade leinen günstigen Eindruck macht. Ich bin zum Beispiel so lange wie das neue Theater eröffnet ist, zweimal in demselben ge­wesen, fünf- bis sechsmal habe ich mittogs den Versuch gemacht, Karten in der mittleren Preislage für die Abendvorstellung zu bekom­men, aber stets die Antwort erhalten: Aus­verkauft !" Seitdem habe ich mir die Mühe nicht wieder gemacht, nachzusragen, sondern habe auf den Genuß verzichtet. Und wie es mir gegangen ist, so habe ich schon viele Ein­wohner erzählen hören. Ich wurde bei meiner starken Familie doch sicher jede Woche minde­stens ein- oder zweimal den Besuch des Thea­ters einrichten. Was sind 300 bis 400 Plätze mittlerer Preise in einem Theater für eine Stadt von 150 000 Einwohner, ohne die Um- gegenb gerechnet, deren Bewohner fünf bis sechs Stunden weit nach Cassel reifen, lediglich um das Theater zu besuchen. Ich halte Cassel als Kenner einer Reihe von Großstädten für einen recht günstigen Platz, wo ein zweiies Theater, das Gutes bietet, und in der Vreis- stellung auf den Mittelstand Rücksicht nimmt, sehr Wohl bestehen kaum Der Besuch würde

sie bemerkt an ihrem Gemahl dies und das, was sie an sein Schneidertum erinnert, und suhlt sich totunglücklich darüber und... Doch wozu das Ende ausmalen? Ich denke, ton gehen weiter."

Sie schauerte zusammen, als habe ein kal­ter Lufthauch sie gestreift. .Gehen wir weiter: oder nein, kehren wir um, mir ist kalt.

Ebenso schweigend, toic sie gekommen, leg­ten sie den Weg wieder zurück. An der Türe des Hotels reichte sic ihm die Hand. Um die vollen Lippen zuckte cS wie verhaltenes Wei­nen, aber ihre Worte klangen spöttisch: .Ali» adieu, mein Schneiderlein, das es nicht wagt, seine Hand nach einer KönigSkrone auszu- strecken. Das ist gewiß scbr klug von dem Schneider, so klug, daß es beinahe dumm er­scheint."

Auf dem Heimwege veriuchte er sich ein-n- reden, daß er eben febr anständig und sehr ver­nünftig gebandelt bade. Aber es wollte keine rechte Freude, kein Gefühl deS Sieges in ihm auflommen. Planlos irrte er den ganzen Tag hin und her, schlaflos verbrachte er die fol­gende Nacht. Und als die Sterne zu verbleichen begannen, da war er mit sich im Reinen. Er konnte es nickt erwarten, bis es Tag wurde, biS es so svät wurde, daß er ins Hotel eilen, daß er sich bei den Damen anmelden konnte.

Als er die Treppen hinauf steigen wollte, kam der Portier aus seiner Loge. »Sie wollen zu Miß Maud. Herr Doftor? Die finden Sie nicht mehr. Sie ist heute Knall und Fall mit dem ersten Frühdamdfer ab gereift. Nicht einmal gesagt hat sie, wohin."

Wankenden Schrittes verließ Lingen das Hotel. Der Poriier blickte ibm nach und schüt­telte den Kopf. .Hol' bet Teufel alle Weibs­bilder! Erst verdreht sie dem armen Mensche« den Kopf und dann, wenn sie sieht, daß er «nist machen will, buidi. hast mich gesehen. Hol' der Teufel alle Weibsbilder'"

Mit dieser philosophischen Betrachtung zog er sich wieder in seine Loge zurück.

Eine Mahnung an unsere Hausfrauen.

Es ist eine Tatsache, daß es eine Menge Haushaltungen gibt, in denen peinlichste Ord­nung und Sauberkeit herrschen, wo fernstes Linnen und geschmackvolle Stickerei das Bett bekleiden, wo mit größter Pünktlichkeit die so­genannten Groß-Reinemachetage ftattfinben, unb dennoch niemand daran denkt, daß es etne mindestens ebenso große Notwendigkeit ist, die Federn und Roßhaare der Betten von Zeit zu Zeit einer g rü n d l i ch en R ei­nig n n g zu unterziehen. Es genügt nicht, daß man bei Gelegenheit die Betten einige Stunden in die Sonne legt; m vielen Fallen ist die Gelegenheit hierzu in der Großstadt auch noch nicht einmal vorhanden. Die Ausdun tung des Körpers, die während des Schlafens besonders stark vor sich geht, teilt sich naturge­mäß den Federn mit. Selbstverständlich neh­men die Betten auch Krankheiiscneg er auf, unb es bilden sich Milben und Würmer, die die Federn zerfressen. Man sehe nur ein­mal in der Reinigungsanstalt in der Kaiser- ttatze die bei der Bettenreinigung zuruckblel- benden Mengen Staub und Schmutz an, unb man wird erkennen, daß es eine Notwendigkeit ist, daß eine saubere und sparsame Hausfrau die Betten von Zeit zu Zeit gründlich rei­nigen läßt, damit der schlimmste Feind der Gesundheit, der Staub, aus dem Schlaf- zimmer ferngehalten wird. K-

sie sich bei der großen Masse keiner größeren Beliebtheit, als der Freitag. In der Tat hat der Dreizehnte zahlreiche geschichtliche Er­eignisse auf dem Gewissen. So war es ein Dreizehnter, an dem der Herzog von Aveiro hingerichtet wurde. An anderen, dasselbe Da­tum tragenden Tagen, starb der Herzog von Avernou, der Herzog von Berry, der Herzog von Cröqui, der Maler Le Brun, Boileau-

Despöreaux, Mahomet, Montpalembert, der Zar Alexander der Zweite (der 1881 von Nihilisten ermordet wurde), ferner Chamsort, Rivarol, Bourdalone, Cuvter du Gueselin, Montaigne, Cromwell, Kellermann, Floria, Malebranche und andere. An einem Dreizehnten wurde Heinrich der Dritte zum König gekrönt, an einem Dreizehnten unterdrückte die National- Versammlung während der Revolution die re­ligiösen Orden, an einem Dreizehnten unter­warf sich Korsika Frankreich, wurde Bonaparte zum Vertreter des Volkes erwählt, und er­dolchte Charlotte Gorday Marat in seiner Ba­dewanne. Gilt nun der Freitag für sich allein und das Datum des dreizehnteil schon für wenig Glück bringend, so ist die Kombination beider sicherlich ein .sehr böses" Omen. Naive Leute gehen an einem solchen Tage nicht ins Theater, aus Furcht, daß Feuer ausbricht, ge­hen nicht spazieren, aus Furcht, daß (wie es dem griechischen Dichter erging) eine Schild­kröte vom Himmel fallen und sie töten könnte, und vermeiden alles, was außerhalb des Rah­mens ihres Tagwerks liegt. Auf einen Freitag den 16. verlegen die .Propheten" auch meistens den "-n so oft erwarteten, aber noch nie ringetrokfenen „Weltuntergang".

Andere Beispiele beweisen allerdings, daß die auf einen Dreizehnten fallenden Freitage den ihnen anhaftenden schlimmen Ruf in kei­ner Weise rechtfertigen. An einem solchen Tage wurd'N Heinrich der Vierte und Carnot ge­boren. Allerdings sind beide von Mörderhand gefallen, aber erst, nachdem der Erste König

nen nicht alle Menschen von sich behaupten. Ich zum Beispiel."

Sie schwieg, als erwarte sie eine Antwort, unb als keine erfolgte, fragte sie plötzlich, unver­mittelt: „Warum haben Sie eigentlich nicht ge­heiratet?"

.Ich habe noch nie baran gebacht, ein Be­weis. baß es auch noch nie an ber Zeit war. Uebrigens, ich könnte Ihnen die Frage zurück- geben."

Sie lachte kurz aus. .Ich könnte antwor­ten, weil mich noch nie jemand begehrt hat. und ich würde damit keine Lüge sagen, trotzdem ich schon über ein Dutzend Körbe ausgetesi habe. Denn mich, meine Person, hat wohl noch keiner begehrt. Höchstens mein Geld!"

Er runzelte die Stirn«. .Das ist häßlich, was Sie da sagen."

.ES ist die Wahrheit, und wenn die häßlich ist, so ist es nicht meine Schuld."

Er schüttelte den Kopf. „Ich kann cS nicht glauben. ES ist kein schales Kompliment, wenn ick Ihnen sage, daß Sie. bei Ihrer Schönheit, bei Ihrem Geiste, bei Ihrem Charakter auch ohne Geld begehrenswert erscheinen. Gewiß, Sie werden vielen Glücksrittern begegnet sein. Gold zieht solche Charaktere an, wie Honig die Wespen. Aber sollten Sie nie in Ihrem Le­ben einen Mann getroffen haben, von dem Sie sagen konnten: er will mich, nickt mein Geld?"

Sir sckaute ihm fest ins Auge: „Niemals, bevor ick S i e kennen lernte, Dr. Lingen."

Wieder herrschte Schweigen. Vom See her klang dar Pfetsen des Dampfer», btt, um bl« Ecke biegend, mit rascher Fahrt der Landungs­stelle von Gardone zustrebte. Unten auf bei Landstraße zog ein Trupp italienisckcr Solda­ten vorüber, bestaubte, müde Gestalten, welche die kleinen, mit Kanonenbestandteilen und Fut- tcrsäcken beladenen Maulesel vor sich hertrie- brn. Dann war auch das vorüber und wieder herrschte tiefe Stille. Die beiden Menschenkin­der auf der fonnenbeschienenen Bank saßen da

unb ber Zweite Präsibertt der Republik ge­worden war. Mae Mahon, Favart, Forroul und andere sind ebenfalls an einem Freitag geboren, der auf den 13. Tag des Monats iel. Bekannt ist, daß sich vor einiger Zett n Philadelphia ein „Klub der Drei• " gebildet hat, dessen Ausgabe es ist,, den üben zu bekämpfen. Bei jedem Diner,

zehn" gebildet hat, dessen Aufgabe es ist, den Aberglauben zu bekämpfen. Bei jebem Diner, das der Klub gibt, sind natürlich 13 Tischge­noffen, und die Geladenen werden von einem Komitee von 13 Mitgliedern empfangen. Man speist an 13 Tischen, und die Wände sind mit Kartons geschmückt, von denen den Gästen To- tenschadel entgegengrinsen, und auf denen die Inschrift sieht: „Tod, ich grüße dich!" In der Geschichte Amerikas scheint die Drei­zehn in der Tat einen hervorragenden Platz einzunehmen: Amerika wurde an einem Drel- Saten entdeckt, und bei ihrer Gründung um«

te die Republik 13 Staaten. Amerikas Wappenschild trägt das Bild der Freiheit, über deren Kopf sich dreizehn Sterne befinden. Der Adler hält einen Oelzweig mit 13 Blättern tn der einen Kralle und in der anderen ein Bün­del mit 13 Blitzstrahlen. Auf feiner Brust steht man ein Schild mit 13 Streifen, und je­der Flügel setzt sich aus 13 Federn zusam­men. 13 Kanouenschläge begrüßten die Fahne, die Washington hißte; die amerikanische Ma­rine hatte damals 13 Schiffe und ihr Stif­ter John Paul Jones hat 13 Buchstaben in seinem Namen. Wie man sieht: „Freitag der Dreizehnte" ist noch nicht das Unglück in Per­son und ängstliche Seelen brauchen darum auch nicht vorm heutigen „Freitag dem Drei­zehnten" zu zittern ... Dr. H. St.

wölken haushoch, und am andern Morgen la­gern auf Dächern und Fensterbänken dicke Staubschichten. Gerade für die W i n t e r z e i 1 würde die Anwendung ftaubbindender Mittel bei der Straßenreinigung nützlich und wün- chenstoert sein, und unsere Straßenbauver­waltung, die doch hier eifrig auf den Rus Cassels als „einer der saubersten Städte im Reich" Bedacht nimmt, könnte sich durch diese Art der Staubbekämpfung ein schätzenswertes Verdienst erwerben. Dr. Th. H.....r.

Sie Sünde« wider den Verkehr.

„Zeit ist Geld!" Das ist heute der Wahl­spruch der ganzen Welt. Um im Alliaasver- kehr Zeit sparen zu können, besitzen wir in Cassel neben anderen Verkehrsmitteln (die allerdings so gut wie nie zu sehen sind) die „Große Casseler Straßenbahn". Man sollte auch wohl meinen, mit dieser Ein­richtung genügend bedient zu werden. Leider ist's aber nicht so: Unsere Straßenbahn scheint c5 sich zum Prinzip gemacht zu haben, dem Wort, daß die Welt „im Zeichen des Verkehrs" steht, ein Schnippchen zu schlagen. Ich denke, wenn ich dies sage, nicht nur an die vieltriti- sierie Sekundärbahngesckwindiakeit, vielmehr möchte ich das ewige Anhalten an den Haltestellen rügen, wenn kein Fahr- g a ft weit und breit zu sehen ist. Die ganze Fahrt besteht gewissermaßen aus dem Motor- emtrieb bis zur Stromstärke 3. dann ist schon die nächste Haltestelle da, und die Bremsbacken schmiegen sich knirschend an die Räder Das wiederholt sich alle sünfzehn Sekunden. Die Bummelfahrt wird aber erst an den An­schlußstellen gekrönt: Vornehmlich kommt da der K ö n i g s p l a tz in Frage, der mit feinem Rangierbetrieb der Linie 1 geradezu ein Verkehrshindernis bedeutet. Kost­bare Minuten werden dort täglich vergeudet, und zum Hohn zeigt einem dazu noch die Uhr auf dem Postgebäude, toic die nicht rastende Zeit auch ohne die Casseler Straßenbahn, die sich „bie Große" nennt, unentwegt ihren Weg weiter rollt. Unsere Straßenbahn soll bock ein Verkehrsmittel unb eine Verkehrs -Er­leichterung, nickt aber ein Verkehrs -Hin­dernis sein, und es erscheint im Interesse des lokalen Verkehrs auch recht wünschenswert, vaß ihr Verkehrsplan den tatsächlich bestehenden Verkehrsbedürknissen mehr angepaßt wirb, als es jetzt leibet ber Fall ist.

Merkur.

unb atmeten schwer, unb wagten einanber nicht anzuschanen. Endlich stieß Dr. Singen die Worte hervor: „Das hätten Sie nicht sagen sollen! Wozu einen schönen Traum zerstören, ber ja hoch nie Wirklichkeit werben kann?" ,

Auf ihrer Stirne erschienen zwei böse, tiefe Falten. „Sie sinb feiere!“

„Nicht f o, wie Sie glauben. Ich weiß, Sie meinen, ich wage es beshalb nicht, um Sie zu werben, weil bie Welt mich einen Mitgift­jäger nennen würbe, einen schlauen Spekulan­ten, ber cs verstauben hat. ben Golbfisch für sich einzufangen. Aber Sie irren. Das Urteil ber Welt laßt mich kalt, wenn ich mich selbst schulb- los weiß. Es ist ein anberer Grunb."

„Und der wäre?" Sic blickte verständnis­los zu ihm auf.

„Er ist doch sehr naheliegend. Wir ge­hören zwei Welten an, die so weit voneinander entfernt sind, wie die Erde vom Mars. Es ist ein Zufall, daß wir einander biet begegnet sind, sozusagen auf neutralem Boden. Aber wie denken Sie sick ein Sehen Seite an Seite? Bei einiger Ueberlegung werden Sie sich sagen, daß Ick in Ihrer Welt als ein Fremdling da- steben müßte, ia vielleicht eine lächerliche Figur bilden würde." .

Ihre Züge hatten sich wieder geglättet. ..Nun und was bann, wenn ich Ihnen in Ihre Welt folgen würbe?"

„Ich zweifle nickt an Ihrem guten Willen, aber an Ihrer Kraft. Es ist unmöalt*! Wir können nicht, selbst wenn wir wollen. Glauben Sic mir. Miß Maub. bas Seben stellt noch ganz anbere Probleme, als bie Romanschriftsteller ober Theatcrbickter. Die macken es sich sehr leicht. Da heiratet eben ber Sckncibcr die Prinzessin, und dann wird er selbst König, und alles ist aut..auf ber Bühne ober im Mär­chen. Aber im Sehen ist cs nicht so einfach. Tenn selbst wenn ber Sckneibcr taufenbmal

Freilag, der Aeizehnte. «-er erste „Unglückstag" im neuen Jahr. (DouuusermKorresponbenten.)

Das neue Jahr, des einen so srieblichen grfang genommen hat, scheint eine furcht- fcare Wendung nehmen zu wollen: bringt dock i'a'ou die zweite Woche einen Unglücks« taa aans besonderer Komplikation: Freitag den dreizehnte» Januar! Die Aber- oläubi'chen überläuft es dabei eiskalt. Schon der einfache Freitag gilt ja vielen Seilten als ein ausgemachter Unglückstag, und die Furcht vor tiefem Tage läßt sich auch tatsächlich bis in 2ic frühesten Jahrhunderte zurückversolgen. So ließen die Könige des Feudalstaates mei­stens am Freitag keine Gerichtsurteile fällen, und tn Frankreich war lange der Glaube ver­breitet, daß man am Freitag niemals eine Hinrichtung zugelassen habe. Es handelt si hierbei indessen um einen Irrtum, da gerade zahlreiche Verbrecher an einem Freitag ihre Verbrechen gesühnt haben, so Fiescki, Pspin, «Köret, Verger, der Mörder des Erzbischofs von Paris unter dem Kaiserreich, Papavoinc, e«n Scheusal von der Art Soleillands, und Ga- mahitt. Mau tut überhaupt unrecht baran, bem Freitag bic verhängnisvolle Rolle zuzuschrei­ben, bie ihm gewöhnlich angebichtet wirb. Hat doch erst vor kurzem ein Statistiker den Nach­weis geführt, daß von 9948 verschiedenen Ver­brecken, die in einer gewissen Zett sestgestellt wurden, 1674 aus den Montag tarnen, während nur 401 an einem Freitag verübt wurden. Be­kannt ist die große Rolle, die der Freitag im Leben Napoleons gespielt hat: An einem Freitag (dem 23. April 1773) trat Napoleon in die Schule von Briemie ein. Freitag, den 13. Dezember 1799, wurde er zum Ersten Kon­sul ernannt, Freitag, den 18. Mai 1804 wurde er Kaiser und am Freitag, den 11. August 1815 schiffte er sich nach St. Helena ein. Im gro­ßen und ganzen also ist der Freitag für den Sieger von Austerlitz kein schlimmer Tag ge­wesen.

Was nun die Zahl „13* betrifft, so erfreut

fiönin würde, er bleibt doch ein Schneider sei­ner Erziehuna. seinem Wesen, seinem Gedan- tengana ncch. 'Uni) die Prinzessin bleibt eine Prinzessin! Und wenn Sie Flitterwochen vor-

zwei Welten.

Skizze vo» Adolf Stark.

(Nachdruck verboten.)

Seite an Seite schritten sie die sonnige Straße hinab, gegen Solü zu. Es war noch früh am Tage, kaum 10 Uhr. Um die Zett trau­ten sich die meisten Gäste noch nicht ins Freie; so waren sie denn allein. Miß Maud bückte sich von Zett zu Zeit, um einen der weiß schim­mernden, runden, glatten Kiesel aufzuheben, mit denen bie Straße bestreut war, bann, als sie eine ganze Hand voll beisammen hatte, warf sie bie Steine achtlos toiebet fort.

„Wollen wir uns nicht fetzen?" fragte Dr. Lingen. Es war bas erste Wort, bas heute zwischen ihnen gewechfelt würbe.

Wicbcr fchwiegen bcibc. Es ist etwas eige­nes um bas Schweigen zwischen zwei Men­schen, bie fühlen, baß sie einanber unenblich viel zu sagen haben. Worte können verletzen, beleidigen, abstoßen; Schweigen aber bindet nur noch enger. DaS fühlte auch Maud, und aus diesem Gefühle heraus sagte sie: „Ich weiß eigentlich so wenig von Ihnen, von Ihren Le­bensschicksalen, von Ihren Hoffnungen. Et- zählen Sic mir doch etwas darüber."

Er zeichnete mit dem Spazierstock Figuren in den Sand, und es dauerte geraume Zeit ehe er sick zur Antwort entschloß. „WaS ist da viel >u erzählen« Welterschütterndes habe ich nicht erlebt und werde es wohl. auch nie erleben. Mein Dasein ist wie diese Straße hier: Gerad- ihrig und wohlgeordnet nicht immer sonnen- bestrablt, aber zum Gluck waren die schatten, die darauf lagen, nie all zu schwer uni all zu (anqbaucntb. Und meine H°Mungen?Men Gott, um bei dem Bilde zu bleiben, was ist vicses Stück WcgS an und für si». allein be­trachtet? Nichts; aber es ist -in Glied in der großen Kette der Straßen und Wege, die den Erdball umspannen, und als solches hat es seine Daseinsberechtigung."

Sie schüttelte den Kopf. .Jchglaiche Sie ö«d zu helcheidm. SE w«« SU Kecht W

Sie Rubrik: ,Tk>r Publikum" stellt die Redaktion Ooffentltchkeit »um allgemeinen Meinungsaustausch Verfügung. Alle dafür bestimmten Einsendungen muffen die genaue Adreffr des Verfassers tragen. (Der Name bcS Einsenders bleibt Red-tktionSgeh-imniS), auch können bei der Veröffentlichung nur Einsendungen sachlichen Inhalts bc. rürkstchtiat werden unb die Redaktion übernimmt dafür nur die vrestgesetzltüre Verantwortung.

Aus Kassels Serelues, *

Der Kanaricnzüchter - Verein Cassel hielt dieser Tage im Vereinslokül seine diesjährige Hauptversammlung ab Der Vorsitzende erstattete zunächst Bericht über otc am 4. und 5. Dezember abgehaltene Ausstcüuna mit Verlosung; er verlas dir Abrechnung, die eine Einnahme von 1982,70 Mark unb eine Ausgabe von 1946,25 Mark aufweist. Es folgte bann bic vom Kassierer gebrachte Jahresab­rechnung. nach ber ein Kassenbestand von 718,72 Mark vorhanben ist. Die Ausnellunas- sowie Jahresabrechnung würbe, t in bester Orbttung gefunben. Bei ber Vo rstaub s- wahl würben toiebet« resp. neugetoahli die Herren: R. Hesse, 1., H. Schütruin Pf 2. Vorsitzenbcr. H. Fenner 1., H. Boller« hey 2. Schriftsührer; C. G r e b e 1., G. I u n« ler 2. Kassierer; H. Auel Jnventancnvcr. Walter.

Im Naturheilüerein fpricht- - wi« Montag ben 16. Januar, abends 8% Uhr, Dr. med Mader aus Nieder-Lindewiese über die „Schrotkur, ihre Anwendung und Erfolge". Der Vortrag findet im gronen Saal des Palais-Rcstaurants statt. An Jyr Kasse wird auch das Buch über bie „Kur fnr U nach eilte* zu haben sein.

Am Freitag, ben 20. Januar, abends 8'/> Uhr, eröffnet ber „Stenogravhenverctn Gabelsberger 1881* in seinem Vcrcm- lokal, Obere Karlsstraßc 12, I (altes Rathaus, einen neuen Kursus für Anfänger. Damen und Herren, in der Gabelsbergcrfchcn Stenographie. Die ftänbige Nachfrage nach stcnograplnekiin- btgen Kräften ist zur Genüge Beweis für die Bedeutung, die der Stenographie in unserer Zeit beigemeffen wird. Näheres über den Kur­sus ist aüs dem Inserat in ber heutigen Num­mer ber „Casseler Neueste Nachrichten* er- fichtlich.