1» Jahrgang
hessische Abendzeitung
Casseler Abendzeitung
Freitag, den 13. Zannar 1911
Fernsprecher 951 und 952,
Fernsprecher 951 und 952.
mit zwingender Notwendigkeit ergibt.
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Kamorra zu suchen sind.
-db-
sich
zum Zentralbureau der sozialdemokratischen Partei, und der Aufruhr in der Reichsmetropole sei im Grunde das planmäßige Werk politischer Maffenverhetzung. In der Presse der roten Dreimillionenpartei war dagegen zu lesen, der Moabiter Krawall charakterisiere sich als raffiniertes Polizeimanöver; sein gefährlichstes Aufschäumen sei auf brutale Provokation zurückzuführen, und das Nachspiel der Straßenschlacht werde in später» Tagen das Volk in Form einer neuen „Umsturz-Vorlage" erschrecken. Der gestern geendete Prozeß hat (dies eine Verdienst ist anerkennend aus der breit ausgetretenen Verhandlung hervorzuheben) mit erfreuender Deutlichkeit und Uebcr- zeugungskraft alle diese Märchen zerstört, und den tatsächlichen Sachverhalt nüchterner Wirklichkeit aus der trügerischen Umkleidung parteiisch gefärbter Dichtung herausgeschält. Und dieser Kern der Dinge zeigt folgendes Bild: Auf der einen Seite die nach dem Strafgesetz mit harter Strafe zu ahndenden Ausschreitungen wider Ordnung und Bürgerpflicht, auf der andern die Hebelgriffe und Ungesetzlichkeiten der Polizei in ihrem Kampf gegen die Menge, lieber die Uebel- täter der Straße hat gestern das Gericht fein Urteil gesprochen: lieber die Frevler int Dienstrock der Polizei wird noch zu richten fein, denn wenn dem Rechtsempfinden Genüge geschehen soll, muß int Moabiter Prozeß die Gerechtigkeit ihrem Schwert nach beiden Seiten hin Geltung verschaffen. Das ist die Forderung, die sich nun, nachdem über dem forensischen Drama der Vorhang gefallen ist, aus sittlichem und ethischem Empfinden heraus
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Sie Parlamente.
Das Programm des Reichstags.
(P r i v a t - T e l e g r a m m.)
Der Seniorenkonvent des Reichstags hat gestern über folgenden Arbeitsplan
geeinigt: Sitzungsfrei bleiben der 21. und der 23. Januar, sowie Kaisers Geburtstag am 27. Zannar, sodann der 2., 3., 4., 18. und 20. Februar und der 4., 6., 25. und 27. März. Die zweite E t a t s l e s u n g soll erst am 13. Februar beginnen. Bis dahin sollen erledigt werden: Die zweiten Lesungen der Novelle zum Strafgesetzbuch, des Zuwachs- steuergesetzes, der Fernsprech- gebührenordnung und des Reichs- besteuerungsgesetzes. Vom 24. bis 26. Januar soll die erste Lesung des Gesetzes über die Verfassung Elsaß-Loth- ringens stattfinden und am 28. Januar die zweite Beratung der Strafprozeßordnung beginnen. Für die Etatsberatung (zweite und dritte Lefung) stehen nach diesem Arbeitsplan, falls der Etat rechtzeitig vor dem ersten April verabschiedet werden soll, dreiunddreißig Tage zur Verfügung, und es erfcheint fraglich, ob es unter diesen Umständen möglich fein wird, den Etat vor Ostern unter Dach zu bringen.
daß die Gendarmerie in dem Orte vervierfacht worden ist: Die Leidenschaft des Vol- k e s reißt alle Dämme der Vernunft und Ordnung nieder, und das Verbrechen fordert seine Opfer. Von den vierzig Schwerverletzten werden voraussichtlich nur wenige mit dem Leben davonkommen und über zwanzig Familien beklagen Tote und Schwerverletzte.
Sommer-Wahlen?
Des alten Reichstags letzte Monde.
(Von unscrm parlamentarischen Mitarbeiter.)
Durch den Blätterwald rauscht das Gerücht, man müsse allen Ernstes mit der Möglichkeit eines frühem Termins der Reichstagsneuwahlen rechnen, weil angeblich in Kreisen des Bundesrats die Ansicht an Boden gewinne, die a l l g e m e i n e St i nt m u n g im Parlament gestatte nicht mehr, auf eine gewinnbringende Arbeit in dem ursprünglich erhofften Maße zu rechnen. Wir meinen, über diese wichtige Frage muffe .sich im Lauf der Etatberamng Gewißheit erzielen lasten, weil es gerade der Eigenart des Herrn von Beth- mann Hollweg nicht entspricht, dem Volke mit Ueberrafchungen zu kommen. Es ist an sich allerdings unbestreitbar, daß die Neigung, von der Reichstagstribüne Wahlagitationsreden zu halten, immer mehr zunehmen wird, je näher der Frühling heranrückt, was natürlich den Reichsgeschäften und der Förderung der gesetzgeberischen Arbeit kaum zuträglich fein wird. Mit der gleichen Gewißheit ist aber auch vorauszusehen, daß int Fall von Herbstneuwahlen die Erregung des Wahlkampfs in den Verhandlungen des dann bald danach einzuberufenden neuen Reickstags noch lange nachzittern und den ruhigen Verlauf der parlamentarischen Arbeit ungünstig beeinflußen würde.
Diefcs Moment und die Erfahrungen mit den Frühfommerwahlen der Jahre 1898 und 1903 fprechen in der Tat für die Anberaumung auch der diesjährigen Neuwahlen etwa auf den Mtzuqi Juni, jedenialls vor dem Beginn der Ernte. Eine kurze, zwei- bis dreiwöchige Sommertagung des Parlaments könnte sich dann zweckmäßig anschließen, in der diejenigen Regierungsvorlagen in erster Lesung zu erörtern sein würden, die infolge der früheren Auflösung des gegenwärtigen Reichstags unter den Tisch fallen und unter Berücksichtigung der bisherigen Kontmifsionsarbeit im Sommer schleunigst wieder einzubringen wären. Andrerseits müßte es freilich befremden, wenn die Regierung sich jetzt mit der Verabschiedung des Etats/ der Mitttärvorlage und des Zuwachs- steuergesetzes begnügen, und bei so mühevoll vorbearbeiteten großen Gesetzentwürfen, wie der Reichsversicherungsordnung und der Strafprozeßreform, zu einer Verzichtlei- stung sich entschließen sollte.
Die Entscheiduitg ist nicht leicht, doch bis gegen Ende der Etatberatung (im März) dürfte sich das Für und Wider immerhin fo geklärt haben, daß beispielsweise beim Etat des Reichskanzlers eine Erklärung der Regierung über den Termin der Neuwahlen wird herausgefordert werden können. Vom Parteistand- punkt wäre gegen Frühsommerwahlen schwerlich etwas einzuwenden. denn mit den Wahlvorbereitungen sind sämtliche Parteien ziemlich weit vorgeschritten. Das Volk vollends würde je eher je lieber diesen Reichstag, der seinen Beruf als „Bülow-Block-Parlament" zweifellos verfehlt hat, durch einen andern ersetzen. Daß die Zeit bis zum Herbst zu weiterer Aufklärungsarbeit erforderlich fei, erachtet das Volk in seiner großen Mehrheit gewiß nicht für nötig. Den Empfindungen der Volks- feele wurden die Bundesregierungen alfo ebenfalls Rechnung tragen, wenn sie einem Vorschlag des Reichskanzlers auf frühzeitige Auflöfung des Reichstags ihre Zustimmung erteilten. Die Stimmung im Bundesrat soll nicht unbedingt gegen einen Sommertermin für die Neuwahlen fein, und so ist's nicht unwahrscheinlich, daß der Tag des Reichstagsendes eher kommen wird, als man. heute anzunehmen geneigt ist. -re.
einen ganz außergewöhnlichen Einfluß aus. Politische Angelegenheiten, wie Aufstellung und Wahl von Abgeordneten, lokale Angelegenheiten, wirtschaftliche und foziale Fragen: Alles untersteht der Kontrolle der Geheimgesellschaften. Weit darüber hinaus betätigen sich die Mitglieder auch noch als Fälfcher, Betrüger, Räuber und Entführer, ja sie verhängen sogar gegen Personen, die sich bei einflußreichen Mitgliedern mißliebig gemacht haben, Strafen der verschiedensten Art, und zwar von der Geldstrafe hinauf bis zur Todesstrafe. Diesen verbrecherischen Geheimverbindungen gehören nicht etwa nur arme und einflußlose Personen an, sondern sehr oft auch wohlhabende Leute, deren Stimme ins Gewicht fällt. Die Führer derartiger Verschwö- rergesellschaften dürften fogar meistens in iien oberen Klassenzu suchen sein, und es ist -sogar nicht selten vorgekommen, daß Führer der Geheimverbindungen als - A A- geordnete in das Parlament einziehen. Die Mitglieder sind ihren Führern zu unbedingtem Gehorsam verpflichtet; dafür steht aber auch hinter jedem Mitglied die Macht der Verbindung. Bezeichnend für die Macht der italienischen Geheimverbindungen ist es, daß die Verwandten und Bekannten der an» geklagten Kamorristen bis der Prozeß abge» fchlossen ist, ständig unter Aufsicht von Gendarmen stehen, um ja jede Verbindung mit den Angeklagten zu verhindern und zugleich auch um die Zeugen, die in dem Prozeß auftreten werden, vor Rachezu fchützen.
Der in den nächsten Tagen beginnende große Kamorristenprozeß erstreckt sich auf Angehörige fast aller sozialen Schichten, und unter den der schwersten Verbrechen Angeklagten befindet sich fogar ein schwerreicher Gutsbesitzer und Dorfbürgermeister, der eigenhändig geraubt und geplündert hat. Die Behörden sind den Geheimbünden gegenüber machtlos, und es ist ein offenes Geheimnis, daß selbst in hohen Beamten st eklen einflußreiche Angehörige der Maffia und
Moabiter Mam.
Das Urteil im Krawallprozeß.
Gestern, als die Dämmerstunde des Januartags de» Strafgerichtssaal im Moabiter Kriminalhaus schon verdüsterte, ist nach sechs langen, öden und manchmal kaum der Rechtsarbeit werten Verhandlungswochen das Urteil im Moabiter Krawallprozeß gesprochen worden. Jahre und Monde an harten Gefängnisbußen harren der Sünder, und nur wenige von Denen, die in den Sturmtagen des letzten Frühherbstes der Gerechtigkeit ins Netz gingen, verlassen den Schauplatz des forensischen Nachspiels als vom Recht Rehabilitierte. Dennoch hört man, daß der Spruch der Richter von Moabit von den auf der Anklagebank ihres Schicksals Harrenden wie- befreiende Erlösung von wochenlangem, schwerem Druck begrüßt worden fei. Gegenüber dem Sühneheifchen des öffentlichen Anklägers hat das Gericht ersichtlich eine mlldere Anffaffung bet Straftaten walten lassen,, und die Strafzumessung bleibt denn auch in der überwiegenden Mehrzahl der Fälle wesentlich hinter den Anträgen des Staatsanwalts zurück. Dessenungeachtet trifft auch der Richter Milde die Frevler noch hart genug: Familienväter, Ernährer unmündiger Kinder, die mit der Hände Arbeit den Unterhalt für die Ihren erwerben müssen, bleiben auf Jahre und Monate hinaus der Familie entzogen, um in langer Gefängnishast die Unbesonnenheit einer einzigen, leidenschaftlich erhitzten Stunde zu sühnen, nachdem schon die lange Dauer der Untersuchungshaft die des Ernährers Beraubten der Rot und der Sorge preisgegeben hatte. Kummer und Elend fchrei- ten als düstere Zeugen der Gerechtigkeit im Moabiter Strafprozeß hinter der Justiz einher, und die fchwerste Strafe für die Uebeltat weniger Erregungsmomente trifft nicht die eigentlich Schuldigen, fondern die unschuldigen, aber mitleidenden Familien und Angehörigen der Verutteiüen, vor deren Türe schon das Gespenst bleicher Rot und Hatter Entbehrung lauert.
Freilich: Die Gerechtigkeit kann von menschlicher Anteilnahme sich nicht bestimmen lasten, und der Weg zum Recht führt nicht durch den Gatten der Barmherzigkeit. Im Moabiter Krawallprozeß wider die unmündigen Knechte politischer Leidenschaftlichkeit und parteilichen Fanatismus hadelte es sich um den Schutz der bürgerlichen Gesellschaft vor gewalttätigen Uebergrlffen einer fanatisierten Menge und um die Sicherung staatlicher Autorität gegenüber dem Ansturm ordnungstörender Elemente, bereit Leidenschaftlichkeit die Gesetze des Rechts und der Ordnung wild durchbrach. Diesem kategorischen Jmperattv (besten zwingenbe Gewalt nicht durch Sentiments abgeschwächt werden kann) trägt das Moabiter Strafurteil vom elften Januattag angemeffen Rechnung, und in der Begründung des Richterspruchs (die wir an anderer Stelle ausführlich toiebergeben) werden für diese Notwendigkeit Argumente angefühtt, denen sich das Ohr des billig Denkenden nicht verschließen kann; mag auch menschlich das Schicksal der Opfer des „Septemberkriegs" noch fo sehr zur Anteilnahme zwingen. Der Staat muß sich vor feindlichen Angriffen im Innern mit demselben Nachdruck und derselben Energieentfaltung fchützen, wie sich das Vaterland gegen Feinde draußen über’m Grenzpfahl zu sichern verpflichtet ist, und es kann gegenüber dieser Forderung nicht als Entschuldung der Frevler gelten, daß die Beweisaufnahme im Sechswochenprozeß auch manches charakteristische Moment ergeben hat, das in den Tagen der Erbitterung die Masse zu noch fchlimmerm Verhängnis stachelte, und in den Seelen der rechtlich ohne alle Hemmung Empfindenden die Wut wider die Ordnung und ihre Organe aufflammen ließ. Im Richter- sprnch von Moabit wird biefe Tatsache bedingungslos anerkannt, unb_e8 ist bamit über» jeugenb bargetan, daß bie Schuld am liebel nicht einseitig bei den nun dem Gefängnis Ueberantwotteten zu suchen ist.
Die Lehren, die sich aus den Sturrn- tagen von Moabit und auS den sechs langen Oed-Wochen des gerichtlichen Recht-Findens ergeben, sind zwingender Natur, und werden hoffentlich überall da beherzigt werden, wo die Sonde der Beweiserhebung im Moabiter Prozeß Schäden und (Entartungen aufgedeckt hat. Skls die Wogen der Erregung am höchsten gingen, Warb gegen bie politische Arbeiterpartei per schwere Vorwurf erhoben, bie Lunte zum Pulverfaß ber Volkserregung führe zurück bis
Nummer 34.
selMeueste
Kamorra und Maffia.
Das büftere Verhängnis des Südens.
(Von unserm.Korrespondenten.)
Rom, 10. Januar.
Trotzdem Italien in den letzten Jahrzehnten gewaltige Fortschritt in ber Kultur unb im Wirtschaftsleben gemacht hat, ist es dock bisher nicht gelungen, die Verschwörer gesell- schäften wie die Maffia in Sizilien unb bie Kamorra in anderen Teilen Italiens zu unterdrücken.
In der nächsten Zeit wird sich in Italien abermals ein großer Kamorristen- Prozeß abfpielen, in dem vierundvierzig Kamorristen sich Wegen der verschiedensten Verbrechen zu verantworten haben werden. Diese geheimen Verbindungen üben auf das öffentliche Leben Italiens
Tragödien des Lebens.
Italienische Dorfgeschichten.
(Telegraphische Meldungen.)
Der Ersahrungssatz, daß bas Leben mitunter Weit sensationellere Dramen bichtet, als sie ber kühnsten Phantasie entspringen können, hat sich dieser Tage in einem kleinen dörflichen Milien des südlichen Italiens von neuem bewahrheitet. Es ist im Grunde nicht ein Drama, sondern eine beispiellose Häufung und Verschlingung mehrerer Dramen. Die Tatsachen werden in einem Drahtbericht wie folgt mitgeteilt:
Neapel, 12. Januar.
In einem Dorfe bei Avellino in Companien lebte ein junges Ehepaar. Der Mann Wanberte nach Amerika aus, um bort Arbeit zu suchen unb ein neues Heim zu grünben. Er ift fleißig und sicht vor der Erfüllung seines sehnlichsten Wunsches: Sein junges Weib zu sich nach Amerika kommen zu lasten. Ein Brief aus der Heimat zerstött feine Träume. Sein eigener Vater hat ihm feine junge Frau verführt. Das mühsam gespatte Geld reicht gerade zur Rückreise. Mit dem nächsten Schiff ist er in der Heimat und steht plötzlich vor dem Vater. Eine hefttge Szene, und der Vater sinkt mitbemDolcheimHerzen tot zu Boden. Im selben Dorfe lebte eine junge Frau. Auch ihr Mann War nach Amerika gegangen: Ans den Augen, aus dem Sinn! Von einem Arm Wanderte sie in den anderen. Ihre Schwiegermutter machte ihr Vorwürfe und suchte sie wieder auf den rechten Weg zu bringen. Da gab es Streit. Und eines Tages erfdjlug bie junge Frau ihre Schwiegermutter mit dem Beil. Die Mörderin unb ber Vatermörder kamen vor biefelben Geschworenen. Man billigte ihnen mildernde Umstände zu und sie wurden nur zu vier Jahren Kerker verurteilt. Die vier Jahre sind verflossen. Die Kerker- türen öffnen sich für die beiden. Mörder unb Mörderin lernen sich kennen und lieben. Sie fangen ein Verhältnis mit^nanber an. Darüber ist bie Mutter der jungen Frau empört. Sie trifft den Liebhaber ihrer Tochter in der Kirche unb schicßtihn, ohne ein Wort zu sagen, nieder. Eine Panik entsteht unter den Gläubigen: Die Kirche ist geschändet! Die wütende Menge verfolgt die fliehende Mörderin. Sie flüchtet in den Gemeindesaal, die Menge ihr nach. Da, alS ob die Hölle ihre Psotten öffnet, bricht der Fußboden des Saales zusammen Die Mörderin und ihre Verfolger stürzen in bie Tiefe. Vierzig Menschen liegen schwerverletzt, sich in Schmer- v zcn windend und stöhnend, in der Tiefe.
Die italienische Perste berichtet grausige Einzelheiten ans dem Dorfe des Verbrechens und des Unglücks. Es bat nicht viel geholfen,
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Der Mndholzsteuer-KaMpf.
Reichstagssitzung vom 11. Januar.
Am Tisch des Bundesrats: Reichsschatz- fekretär Wermuth. Auf der Tagesordnung steht die Fortsetzung der freisinnigen Jnterpellatton über bie Aufhebung der Zündwaren- steuer.
Abg. Schöpslin (Soz.): Das Zentrum if fchuld daran, daß die Zündwarenarbeiter keim Entschädigung erhalten haben. Wir forberr die Aufhebung der Steuer unb haben bies auch schon, allerdings vergebens, in ber Budget-Kommission beantragt. Wenn ber Reichskanzler wegen dieser Steuer ein Wahttänzcher. Wagen will, wir sind bereit!
Abg. Frhr. von Gamp (Rp.): Meine Partei ist nie eine Freundin ber Zündholzsteuer gewesen. Die Weinsteuer, die Wir haben wollten und die die besseren Stände getroffen hätte, hat man abgelehnt. Dadurch waren wir genötigt, an Ersatzsieuern zu denken. Ich würde für beschäftigungslos geworbene Arbeiter ber Zündholzindustrie gern Unterstützungen bewilligen. Die Mittel müßten durch eine Ersatzmittelsteuer beschafft werden.
Abg. Seltmann (Wittsch. Vgg.): Die Jnterpellatton ist eine künstliche Wahlmache.