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der Oberstleutnant davon erfahre» hatte? Wohl kaum, der Oberamtmann hatte es seinem Sohne ja auf die Seele gebunden, damals in Frankfurt am Main, Sommerus nichts wissen zu lassen, freilich, nun war das nicht mehr zu verheimlichen, niemand hatte voraussehen kön-

1. Vellage.

Dienstag, 10. Januar 1911

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nen, daß der das Regiment .Großherzogin von Hessen" bekommen würde, das warf alle guten Vorsätze um, Heinz fühlte sich zum Kampf her- ausgesordert, gut, der Oberstleutnant sollte ihn haben!

Und dem fiel, natürlich das wundervolle Pferd sofort auf. Er schätzte es ab, mindestens tausend Taler war es unter Brüdern wert. Wie kam der junge Offizier, dessen Verhältnisse er doch ganz genau zu kennen glaubte,, zu die­ser bildschönen Stute? Sie wird ihm einer ge­borgt haben, dachte er bei sich. Er ritt heran an die sechste Batterie.

»Herr Hauptmann, — ich bitte!"

.Herr Oberstleutnant!"

Im Galopp kam der Batteriechef auf ihn zu, eine kurze Parade, er legte die Hand an die Mütze, um die Befehle seines Vorgesetzten ent­gegenzunehmen.

.Ich möchte die Batterie für eine halbe Stunde dem Leutnant Rühling übergeben, bitte rufen Sie ihn heran!"

.Herr Leutnant Rühling!" :

.Herr Hauptmann!"

In gestrecktem Galopp jagte der auf seine beiden Vorgesetzten zu.

.Exerzieren Sie mir die Batterie vor", der Oberstleutnant gab ihm einen Auftrag.

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Set Liebe Rot.

Po« Horst Bodemer.

(Nachdruck verboten.)

ziemlich still draußen. Die Kavallerie befand sich auf dem Hagenauer Exerzierplatz zum Bri­gadeexerzieren, die Infanterie war auch zum größten Teile aus der Garnison abwesend, sie schoß im Breuschtale und in Bitsch oder übte Fclddienst. Aus den Schießständen im Rhein-

I.Zu Befehl, Herr Oberstleutnant!"

Er sprengte zur Truppe zurück.

.Die Batterie hört aus mein Kommandos

Er ließ abbrechen und nach dem Ausgang« vrm Reudors antraben.

Der Oberstleutnant folgte mit Heinz Batteriechef.

.Sind Sic zufrieden mit Herrn Leutnant Rühling, Herr Hauptmann?"

। .Jawohl, Herr Oberstleutnant, außer­ordentlich, er ist sehr zuverlässig und pflicht­treu, auch die Mannschaften haben ihn sebi gern!"

I .Ich kenne seine Ellern. Sie werde» es begreiflich finden, wenn ich ein ganz beson-

I deres Interesse an dem jungen Offizier nehme!

Der Hauptmann legte die Hand an die Kopfbedeckung und machte eine zustimmende Bewegung mit dem Kopfe.

.>sd) habe mir seine Kondnite durchge­sehen", suhr der Oberstleutnant fort, »fte ist sehr gut, warum ist eigentlich Rühliua »och nicht Adjutant?"

»Leutnant Vogt wurde Abteiluugsadju- tant vor reichlich zwei Jahren, damals war Rühling noch zu jung, aber ich glaube, Herr Major Rehfeldt, unser Abtcilungskommau- deur, wird ihn dazu ernennen, rewektive sei­nem Nachfolger empfehlen, wenn Leutnant Vogt nach dem Manöver übers Jahr in die Front zurücktritt!"

Der Oberstleutnant antwortete nicht da- rauf, denn eben kam von Neudorf her die Bat­terie im Galopp angefegt; sie hatte den Auf­trag, am Wachthäuschen in Feuerstellung zu gehen. Exakt wurde die Uebung ausgeKhrt, dann ein Stellungswechsel nach vorn vorge­nommen, anschließend wurde zum Schul- crerzieren übergegangen. Heinz machte seine Sache famos.

Da rief der Oberftleutnaut plötzlich, wäh­rend die Batterie trabte:

.Herr Leutnant,, in Ihrer linken Flanke, vom Ausgange jenes Dorfes, kommt Kavalle­rie heraus, um Sie zu attackieren!"

Hell klang Heinz' Kommando in de» Sommermorgen hinein, die Geschütze wurden herumgeworfen, abgeprotzt, das Feuer mar­kiert.

Befriedigt nickte Herr von Sommern, er ritt an die Batterie heran.

.Ihr habt eure Sache gut gemacht, Leute, Sie auch, Herr Leutnant Rühling, führen Sie die Batterie in die Kaserne zurück. — Morjen, sechste Batterie!"

.Morjen, Herr Oberstleutnant!"

.Herr Hauptmann, Sie bitte ich, mtt mir zu reiten, es freut mich, daß ich Ihre Batterie loben konnte!"

Dankbar ergriff der die ihm gereichte Hand seines Kommandeurs.

Eine Weile ritten sie im Schritt durch Neudorf, ohne ein Wort zu sprechen. Der Hauptmann dachte: Na. er wird mich nun endlich über Heinz Rühling ausfragen, denn nur deshalb war ja das qanze Theater.

Der aber war in der übermütigsten Stim­mung, er ließ antraben. Der Oberstleutnant hatte zu ihm gesagt, er sei mit ihm zufrieden gewesen; gewesen, gewiß bis heute. Aber noch heute sollte es anders werden, vor halb zwei kam der aus der Kaserne nicht weg, da wollte er gleich nachher der neuen Komma«- deuse seine Aufwartung machen.

Er rief den Leuten zu:

.Kerls, singt mal ein übermüttges Lied, mir ist sauwohl, und heute abend kriegt ihr einen Helloliter Schützenberger*) und jeder drei Zigarren!"

Da sangen denn .die Kerls" los.

Endlich wandte sich Herr von Sommern an Heinz' Batteriechef:

.Sagen Sie mal, wem gehört denn die wundervolle Fuchsstute, die Leutnant Rühling ritt?"

.Ihm, Herr Oberstleutnant;*

»Nicht möglich! Die muß ja horrend fettn gewesen sein!"

»So viel ich weiß, kostete sie viertausend Mark!"

»Aber dazu hat Leutnant Rühling doch gar nrcht die Mittel, ich kenne seine Eltern sehr qe- nau, sie müssen sich einschränken!"

*) Straßburger Bier.

(Fortsetzung fotgty

wald und der Klebsau drang vereinzelt ei» Schuß über das Polygon, bei Neuhof zeigten sich ein paar Jnfanterieschützenketten, der ganze große Uebungsplatz stand der Artillerie zur Verfügung. Die nahm die Gelegenheit wahr und fegte von einer Ecke in die andere, protzte ab, markierte Feuer, dann ging's kreuz und guer bald nach dem Wachthäuschen am Ein­gänge von Neudorf, bald hinüber nach dem Rhemwald, dabei wurden fleißig Schwenkun­gen geübt und. von einer Formanon in die an­dere übergegangen.

Aufmerksam folgte der Oberstleutnant den Bewegungen seines Regimentes, das Manöver nahte heran, aus eigener Anschauung wollte er sich über den Zustand des ihm unterstellten Truppenteils ein Urteil bilden.

Auch die sechste Batterie übte auf dem Po­lygon. Bei seinem Zuge ritt Leutnant Rühling auf ferner wundervollen Stute .Wallada". Sonst saß er im Dienst fast immer auf seinem Batterreschinder, dem .Robert", aber seit der neue Kommandeur das Regiment übernom­men, batte er immer die Fuchsstute satteln las­sen. Dieses selten schöne Pferd mußte Herrn von Sommern auffallen und gerade das be- zweckte er. Aus dem armen Leutnant war ja über Nacht ein halber Millionär geworden, ob

,93/ri- das schön. Kläre, — süß?"

»Nimm Vernunft an, — ich bin Som- merns Weib!"

Er beugt sich über sie.

»Hab liebst mich !"

Sie schließt die Augen.

»So sag's doch, — schrei's hinaus tu die Welt!"

"Ich gehöre einem anderen, — bedenke doch!"

Matt sagt sie eS.

»Und dem nehm' ich sei» Weib!"

V*

»Jawohl, — dem nehm ich sein Weib!"

Drohend klingt seine Stimme.

.Du bist von Sinnen!"

Absolut nicht, ich will, und damtt Punktum!"

Er knirscht mit den Zähnen.

.Lieber, guter Heinz, ich bitte dich, hab' Erbarmen mit mir!"

»Eben deshalb!"

Sie springt auf und schüttelt verzweifelt seine Schultern.

.Du—u, — deinethalben brachte ich das Opfer und heiratete einen ungeliebten Manu, nur um dir Ruhe zu schaffen!"

.Weiß ich!"

Triumphierend sagt er eS.

.Und du hast kein Mitleid mtt mir?"

.Nein", jubelt er.

»So hart kannst du sein, so hart, o Gott, gefesselt fürs Leben an Sommern und ihn nicht lieben können, — aber das schlimmste, Heinz, — ich muß ihn achten, — ja—a, wenn 8 ihn hassen könnte, — hassen, dann ertrüg 's, ich kann's ja nicht, ich kann's ja nicht!"

Lächelnd steht er vor ihr.

»Du—u, du wirst — gemein!"

.Warum Kläre?"

»Ueber meine Not zu lachen, — pfui!"

Da schüttelt er den Kopf.

.Nicht über die lach' ich, ich freu' mich nur des Siegs!"

»Des Sieges? — lieber ein schwaches Weib?"

»Jawohl des Sieges, denn Kläre," — er «reift iu die Rocktasche, lies mal, da drin steht, daß ich auf der Oberrheinischen Dank, gleich da drüben um die Ecke, fast 'ne halbe Million liegen habe!"

»Du bist wahnsinnig, — geh, — ich fürchte Mich!"

So lies doch?"

»Wirklich, woher hast du das Geld?"

Onkel Reuter ist zu Ostern gestochen, er hat mir's vermacht.

»Gerade, — als ich — Sommerns Weib wurde?"

»Wenige Tage später!"

Sie bricht auf den nächsten Stuhl zu- sarmncn

.Kläre!"

Keine Antwort.

.Kläre!"

. »Ja", sie fährt mtt der Hand über die ©tim, als wollte sie ihre Gedanken ordnen.

.Mach dich frei, — werd' mein Weib!"

Da springt sie auf, umschlingt seinen Nak- reu und sieht ihn lange mit zusammengebisse- nen Zähnen prüfend an.

»Ja, Heinz, ich will, ich will, wir gehen »ach Wernsdorf, ich werde dein Weib, — o" und sie küßt ihn wie rasend.

Und er jubelt.

»Das Glück ist da, das Glück! — Nun mag mir Gott eine Welt voll Feinde schaffen, ich ringe sie nieder, — alle, — alle!"

Da schlägt es eins.

»Jetzt gehe ich, Kläre, mtt deinem Manne mußt du dich allein auseinandersetzen, ich aber schreibe sofort zu Hause mein Abschiedsaesuch!"

»Ja, — ja, geh nur, Heinz, — geh, die Zu­kunft lebe, die strahlende Zukunft an deiner Seite, du sollst mit mir zufrieden sein!"

Ein glückliches Weih geleitet Heinz Rüh­ling über die Schwelle.

XIX.

An diesem Morgen war Oberstleutnant von Sommern hinausaeritten auf den großen Exerzierplatz, das Polygon. Mehrere Batte­rien seines Regimentes übten dott, sonst war's

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