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92t. 27. — L Jahrgaug.

Casseler Neueste Nachrichten

Donnerstag 5. Januar 191L

Sie Seit in Waffen.

Die Grotzmacht-Heerc und Marinen 1910.

(Dou unserem militärischen Mitarbeiter.)

Der Beginn des Jahres neunzchnhundert- elf steht aus militärischem Gebiet überall große Fortschritte. In Frankreich brachte das letzte Jahr mehrere große Resor- men, und die Artillerie erfuhr eine bedeutende Vermehrung, sodaß sie jetzt über 689 Batterien mit 2756 Geschützen verfügt. Die Kavallerie erhielt einen neuen Karabiner und setzt sich am Ende des Jahres ans 89 Regimentern mit 445 Schwadronen zusammen. Bei der Infanterie wurden Mängel am Gewehr festgestellt, und viele Systeme von neuen Selbstladegewehren probiert. Die Luftschiffahrt hat (besonders was die Flugzeuge anbetrifft) große Fort­schritte gemacht, da hier bereits 36 Flugzeuge im Heere eingestellt sind. Die Luftschiffe haben geringere Erfolge aufzuweisen, da es tatsäch­lich nur zwei fettige Luftschiffe gibt und eins sich eben im Bau befindet. Die französische Flotte verfügt über 8 Dreadnoughts, die aller­dings alle noch nicht fertig sind, über 16 ältere Linienschiffe, über 21 Panzerkreuzer, 10 ge­schützte Kreuzer und 72 Torpedoboote. Auch Oesterreich hat im Jahre 1910 manche Neuerung erfahren, und der drohende serbische Krieg Hai eine Vermehrung der Gebirgsar­tillerie des 15. und 16. Armeekorps gebracht, die mit 10-Zttn.-Gebirgshaubitzen ausgestattet wurden. Ein neues Wehrgesetz ist die bedeu­tendste Erscheinung im abgelausenen Jahre. Die Kavallerie wurde um vier neue Maschinen­gewehrabteilungen vermehrt und die Vettehrs- truppen erhielten ein Brigadekommando. Eine schiffbautechnische Anstalt ist geplant, und die Luftflotte hat eine starke Kräftigung erfahren.

Oesterreichs Luftflotte besteht jetzt schon aus 3 Luftschiffen und 2 Flugapparaten, die natio­nalen Systems sind. Die österreichische Flotte setzt sich aus 11 Linienschiffen, 3 Panzerkreu­zer», 4 geschützten Kreuzern und 14 Torpedo­booten zusammen. 2 Dreadnoughts befinden sich im Bau. Italien hat im vergangenen Jahre eine statte Heeresorganisation und eine Vermehrung der Truppen erfahren. Die Ein­teilung des Heeres in 12 Armeekorps wurde vollendet, und bei allen Waffengattungen ist Die zweijährige Dienstzeit zur Einführung ge­langt. Die Kavallerie erhielt eine statte Un­terstützung durch die Errichtung von 12 Rad- sghrerbataillonen, und die bestehenden Maschi­nengewehrzüge wurden auf 60 erhöht, dadurch, daß jedes Kavallerie-, Infanterie- und Ber- saglieriregiment, sowie jedes Gebirgstruppen- bataillon euren Maschinengewehrzug erhielt. Die Lustschiffertruppen wurden um 3 'liegt- meuter vermehtt, und auf allen anderen Gebie­ten sind gleichfalls Steuerungen eingeführt Wor­ten. So wurden beispielsweise 3 neue Alpini- Brigaden, 7 Batterien Feldartillerie und 8 Kompagnien Festungsartillerie neu aufgestellt. Die Luftflotte besteht aus 3 fahrfähigen Luft- fchiffen und 2 Flugapparaten. Die Marine setzt sich aus 8 Linienscbijfen, 10 Panzerkreu­zern, 5 geschützten Kreuzern und 23 Torpedo­booten zusammen, 4 Dreadnoughts befinden sich im Bau. Endlich hat auch Rußland eine Reorganisation seines Heeres vorgenom- uten, man ist dort aber noch mit Verwaltungs­aufgaben statt beschäftigt. Eine Altersgrenze für Offiziere wurde festgesetzt und eine Ver­mehrung des Heeres durch 3 Eisenbahnkom- pagnien vorgenommen. Rußland besitzt ein fettiges Suftf&iff und 2 sind im Bau. Die Flotte besteht aus 4 Linienschiffen, 6 Panzer­

kreuzern, 6 geschützten Kreuzern und 80 Tor­pedobooten. i Dreadnoughts befinden sich im

Bau. -bp.

Der Tod der Schönheit.

Das Berhäugnis des Schleiers.

(Von unserer Mode- Mitarbeiterin,)

Die Domen können von der Anwendung des Schleiers nicht lasten, soviel auch schon gegen das feine, zarte Gewebe gesprochen und geschrieben worden ist. Momentan steilich trägt der Schleier dazu bei, die Trägerüt zu verschönern: Er gibt dem Gesicht eine rätselhaft anziehende Weichheit der Linien, er verleiht den Augen einen geheimnisvollen Glanz, und er birgt alle Mysterien, die alles das hat, was halb verhüllt und halb den Blicken der anderen preisgegeben ist. Dennoch ist der Schleier an kalten Tagen ein sehr tückischer Freund der Damen, denn er ist in Wirklichkeit ihr Todfeind, der Zerstörer der «Schönheit, Und das ist ja auch klar Der Atem, der von der Trägerin ausgestoßen wird, sindet nicht sei­nen Weg ins Freie, sondern er setzt sich in den Maschen des Gewebes fest und ...gefriert. Diese feine, mit dem Auge oft kaum wahr­nehmbare Eiskruste liegt nun ständig über der zarten Gesichtshaut der Trägerin und beginnt sie zu scheuern und zu reiben. Man sieht es auch meistens, daß die Damen, die ständig Schleier tragen, eine eigentümlich gerötete, von Blutäderchen unterlaufene Haut haben, die fast den Anschein hat, als wäre sie gefroren. In Wirklichkeit teilt sich der Erfrierungsprozetz nicht nur dem Schleier, sondern auch der Haut mit, sie wird spröde und rissig, und der häß­liche, gerötete Teint ist die Folge davon.

Am meisten leidet unter dem Schleier der­jenige Teil des Gesichtes, der am weitesten ex­poniert ist, und das ist die Ras e. Reizende Damen, die sich sonst einer feinen, zarten Haut rühmen dürfen, zeigen uns im Winter ein rotes Näschen und sind über die Verunstaltung des Gesichtes trostlos. In Wirklichkeit tragen sie selbst die Schuld daran. Auch der Glanz der Augen ist unter dem Schleier nur schein­bar. Die Tränendrüsen werden von dem Ge­webe, das ständig vor den Augen liegt, gereizt, und man kann die Beobachtung machen, daß konseguente Schleierträgerinnen an tränenden Augen leiden. Dieses Tränen beeinträchtigt natürlicherweise die Schönheit und Klarheit des Auges selbst. Am meisten wirkt der Schleier tötend auf die Schönheit bei der Ge­legenheit, bei der die Damen im Interesse ihrer Frisur den Schleier nicht entbehren wollen, und das ist bei windigem Wetter. Namentlich bei Nordostwind sollte es die Frau vermeiden, sich einen Schleier vor das Gesicht zu binden, denn der Wind, der die Haut rötet und das Gesicht frisch macht, wenn man es der Luft unmittelbar aussetzt, bringt in den Teint Risse und Un­ebenheiten, sobald der Schleier davor gespannt ist. Zum Teil nämlich halten die Maschen des Gewebes den Wind ab, während die Löcher ihn durchlaffe», und die Saut nur teilweise davon berühren lassen. So wird also der Schleier, mit dem die Damen ihre Schönheit steigern, ein Feind und Zerstörer der Jugend und Frische. -fn-

Sunt« Merlei.

Zwei „Majestäten".

Eine amüsante Anekdote aus der Zeit Friedrichs des Großen wird uns be­richtet. Bekanntlich setzt gleich nach Neujahr

der Karneval mit seinem Treiben sehr lebhaft ein, und so wie cs heute ist, ist cs auch schon zu Friedrichs des Großen Zeiten gewesen. Nun pflegte Friedrich der Große in den früheren Jahren seiner Regierungszeit während des Karnevals die sogenannten „R e b o u t c n" in Berlin zu besuchen. Es wurden bann dort auf seine Kosten mehrere Tafeln reserviert, eine für ihn selbst und die königliche Familie, eine an­dere für vornehme Personen, und bann noch einige für Personen aus dem Mittelstände. Es war aber Vorschrift, daß sich jeder, der sich an diese Tafel setzte, demaskieren mußte, damit sich nicht ein Unberufener einschliche. Aus einer dieser Siebouten wurde nun der König einen Wann gewahr, der einen roten Domino trug und die Maske vor dem Gesicht hatte. Der König schickte sofort den wachthabenden Offi­zier, damit er sich erkundige, wer der Fremde fei. Der Offizier näherte sich dem Unbekann­ten und fragte: Mein Herr, wer sind (Sic?" Der Fremde wandte sich um und sagte: „Wer sind Sie?" „Ich bin der Leutnant von N . . .". „Dann bin ich mehr wie Sic!" entgegnete der Fremde. Das meldete der Wachoffizier dem Könige, und dieser schickte nun einen Adjutan­ten, einen Major mit derselben Frage zu dem Mann im roten Domino. Wieder spielte sich das Gleiche ab; das hotte der Prinz von Preu­ßen, der nicht weit davon entfernt stand, und sagte zu dem Adjutanten: „Lassen Sie mich einmal hingehen, mir wird der Mensch doch Rede stehen." Er machte sich auf den Weg und sagte zu dem roten Domino: „Hören Sie mal, sagen Sie endlich, wer Sie sind!" „Und ich will erst wissen, wer Sie sind", meinte der Fremde. „Ich bin der Prinz von Preußen." „So bin ich mehr als Ew. Königliche Hoheit." Der Prinz meldete dies dem Könige. Fried­rich erhob sich nun selbst, sah dem Unbekann­ten in das Gesicht und fragte in scharfem Tone: „Wer ist Er?" Nun wurde die Stimme des Mannes kleinlaut: „Ew. Majestät halten zu Gnaden, ich bin...der Schützenkönig von Bernau und der Fastnachtskönig der Redonte." Bei der Antwort verzog sich Friedrichs Miene zu einem Lächeln, und in­dem er sich niederfetzte, winkte er dem Schüt­zenkönig, der sich schleunigst aus dem. Staube machen wollte, freundlich mit der Hand zu und sagte: „Bleibe Er hier, Fastnachtskönig, und freß Er sich satt."

Das Huudertmillionen-Baby.

Aus N e w y o r k schreibt man uns: Das Tagesgespräch in Washington bildet das Fest, das in der letzten Dezembcrwoche gelegent­lich des Geburtstages von Winson Walsh M c. Lean, dem bekannten „Hundertmillio­nendollarbaby", veranstaltet wurde. Das Kind, der einzige Erbe seines Großvaters Thomas Walsh, besitzt bereits eine eigene Jacht, ein Automobil, verschiedene prächtig eingerichtete Häuser, ein Ponnh, einen schönen Patt usw. Aber die Freiheit, die das ärmste Kind genießt, hat es nicht. Aus Furcht, daß der angehende Multi-Millionär von Dieben gestohlen werden konnte, um von der Familie ein Hohes Löse­geld zu erpressen, wird der „arme" reiche Kleine, wenn er Lust schöpfen muß, umherge- sahren in einem Wagen, der wie ein stählerner Käfig aussieht. Das Fest, das ihm zu Ehren in der glänzenden Wohnung seines Großva­ters gegeben wurde, und dem alle die obersten Zehntausend Washingtons beiwohnten, mancbe mit Babys noch jünger als der kleine Walsh, übertraf alles, was man sich selbst in diesen fabelhaft reichen Kreisen denken konnte. Beim Diner spielte das beste Orchester der Vereinig­ten Staaten, die ausgesuchtesten Speisen wur­den auf goldenen Schüsseln gereicht, während

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Der Chef des Welthauses Rudolf g Herzog in Berlin hat Erfahrungen ® auf dem Gebiete des Reklamewesens D gesammelt, die ihn zu dem Ausspruch § veranlassten;

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Alles, was ich besitze, verdanke ich nicht nur der Solidität meiner Geschäftsführung, sondern zu /wo den Zeitungsannoncen.

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Besser als durch die vorstehenden ®

Worte eines hervorragenden Kauf- ®

mann es kann der hohe Nutzen, den §

die Zeitungsannonce bringt, nich ■

illustriert werden. Kommt dazu noch ■

die richtige Wahl der Zeitungen, in denen inseriert werden soll, dann kann H der Erfolg nicht ausbleibcn. ®

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eine Fülle der herrlichsten Blumen dem Saal ein außergewöhnlich festliches Aussehen gaben. Welch' kdftbare, dieser ganzen „Ausmachung" enffprechende Geschenke das Baby erhielt, kann man sich ungefähr vorstellen.

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Das beste Hochzeitsgeschenk.

Man schreibt uns: Ein sonderbares Hoch, zettsgeschenk überreichte jüngst der Pfar­rer eines Dorfes einem Paare, das er getraut hatte. Nach dem Hochzeitsschmause fanden im die Angehörigen des Brautpaares und die Dorfbewohner ein, um, der Sitte gemäß, dem jungen Paare die Geschenke darzubringen. Ganz zuletzt trat der alte Pfarrer heran sind sagte: „Auch ich will meiner lieben Gutsherr­schaft das Hochzeitsgeschenk darbringen. Gold und Silber habe ich nicht zu verschenken, irdi­sche Güter haben Sie in so reichem Matze be­kommen, daß ich nichts mehr zuzufügen wüßte. So will ich Ihnen denn ein andetes Hausge­schenk geben, das besser fein wird als Gold und wilder. Sehen Sic, Sie haben sich heute von ganzem Herzen lieb und wünschen natür­lich, daß das immer und bis an Ihr Lebens­ende so bleiben möge. Da beachten Sie nun mein Hausgeschenk, das heißt: Jeder Mensch hat seine guten und seine garstigen Tage. Kommt nun einmal in Ihrer Ehe eine kleine Differenz, ein kleiner (Streit, fo denken Sie nur: Entweder habe ich heute meinen garstigen Tag ober meine grau hat ihn und umgekehrt. Dann kommt schon von selbst der Gedanke: Laß ge­ben! Der gute Tag wird auch wieder kommen!" Das junge Ehepaar lachte, aber siehe da: Im Verlauf der Ehe sand es, daß auf dem Haus­geschenk des alten Pfarrers ein alter Segen ruhe. Denn machte eine kleine Mißstimmung sich geltend, sagte gewiß bald der eine: „Ent­weder habe meinen garstigen Tag heute, ober bu hast ihn. Laß also gehen, es wirb auch schon wieder der gute Tag kommen!" Bei­de mußten dann lachen und sich Hand und Mund wieder freundlich reichen.

fernruf. 1156. ggj|(|||||g Molttestraße 14.

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