vrmmner 26.
1. Jahrgang.
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Laflrier Abendzeitung
n hrsflschr AbrnLMnng
Mittwoch, den 4. Januar 191h
Fernsprecher 951 und 952,
Fernsprecher 951 vnd 952»
die
ZU
Der kranke Kaiser.
erhalten wir t^enben
Nachrichten aus
des der eine fen,
Berliner Vereins für Luftschiffahrt (bem »Hildebrandt" gehört) ist bisher irgend Nachricht von den Aeronauten etngetrof- so daß die ernstesten Befürchtungen für
Befinden des Kranken Draht^«"rcht aus
Wien, 3. Januar.
Hofkreisen besagen, daß
BallonS »Hildebrandt- auf den Gemütern, und es scheint leider, daß man sich mit der schlimmsten Befürchtung: Der des Todes der beiden Insassen und der Zerstörung des Ballons, vertraut machen mutz. Am Donnerstag der vergangenen Woche stieg der Ballon von dem Gelände bei der Schmargendorfer Gasanstalt auf, und seitdem ist jede Spur von ihm verloren, sodaß mit der Hoffnung auf eine glückliche Beendigung der Fahrt fast nicht mehr zu rechnen ist. Auch alle Versuche, Erkundigungen über Fahrtrichtung und Ziel der Reise etnzuziehen, sind resultatlos verlaufen, und man weiß heute nicht einmal, ob der Ballon nach Osten oder Norden abgetrieben worden ist. In der Gondel des verschollene» Ballons befand sich neben dem Führer, Rechtsanwalt Dr. Kohrs- Berlin, als Begleiter der Kaufmann Seidel, der als Prokurist in einer Berliner Maschinenfabrik tätig war. Weder bei de» Verwandten der beiden Insassen noch bei der Geschäftsstelle
gttferttonäpnife: Di« fed)8gefpaUette 3eile für etnüetetfd* DeschLftelL Bf, für <ntto>6rttge gnterate 25 Pf^ SetlamejeUe für einheimische Geschäft« 40 Bf, für auswärtige 60 Pf. Geschäftsstelle: Kölnische Straße 5. Berliner Vertretung: SW, Friedrichstraße 16, Telephon: Amt VL, 678.
geringste zu verschweigen. Der Gewährsmann kann bestätigen, daß von einem Unwohlsein nicht gesprochen werden kann, höchstens von einer Unpäßlichkeit. Der Kaiser inkliniert zu katarrhalischen Erscheinungen, und der Leibarzt Dr. Kertzel beobachtete mit großer Freude, daß im vorigen Jahre der übliche Schnupfen des Kaisers ausblieb. Alle Vorsichtsmaßregeln gelten der Verhinderung, daß der Katarrh auf die Bronchien übergeht. Der Kaiser war gestern nachmittag guter Laune. Es verstimmt ihn nur, wenn von einem Jnacht- nehmen die Rede ist..
Die »Casseler Neueste Nachrichten' erscheine» wöchentlich sechsmal. Bis auf wettereS werde» die.Neueste Nachrichte»- alle« iiantUien in Lasse! völlig tottenloä geliefert Druckerei, «erlag x. Redaktion: Schlachthosstraße 28/30. Seltner Vertretung; SW, Friedrichstraße 16, Telephon Statt VI. 676.
Ballon Hildebrandt.
Ein «eneS Opfer der Luftschiffahrt?
unglüctt ist und die Insassen ein Opser ihres sportlichen Eifers geworben sind.
Fortschritt und Entwicklung sind fauch auf sporüichem Gebiet) ohne Opfer nicht denkbar, ebensowenig ist es möglich, der Luftschiffahrt ohne den Wagemut kühner Männer neue Wege und Ziele z» weisen. Es gewinnt indessen den Anschein, daß grade in der Lustschiffahrt die Zahl der Opfer wesentlich vermindert werden könnte, wenn Forschereifer und Sportinteresse sich in einigermaßen erträglichen Grenzen halten würden. Eine ganze Anzahl von Lustschisfer-Tragödien der jüngsten Zeit ist erwiesenermaßen auf ungenügende und nicht ausreichend sorgfältige Vorbereitungen zur Fahrt und unzulängliche Sicherheitsvorrichtungen zu- rückznführen, und die unglücklichen Insassen der zerstötten Fahrzeuge sind weniger Opfer des Kampfs gegen die widerstrebenden Naturgewalten als Opfer eigner Unvorsichtigkeit und weit überspannten Wagemuts geworden. Wenn es zutrifft, daß der Führer des verschollenen Ballons .Hildebrandt" gleich beim Beginn der Fahrt die Absicht hatte, eine lang dauernde Fernfahrt an- zutreten, und von vornherein mit der Möglichkeit einer Landung auf dem Meer oder in unwirtlichen Gegenden rechnete, dann ist auch hier wieder ein ähnlicher Fall von Außerachtlassung gebotener Vorsichtsuiaß» regeln zu beklagen, denn soweit aus den uns vorliegenden Meldungen ersichtlich ist, war die Ausrüstung des »Hildebrandt" sür eine tagelange Fernfahrt nicht berechnet, und die Gefahr eines Mißerfolgs und eines Unglücks ward schon dadurch in nächste Nähe gerückt Es scheint eben leider, daß Mut und Sportliebe gerade auf dem Gebiet der Luftschistahtt die Grenzen weiser Vorsicht und Mäßigung mit Unbedacht überschreiten, woraus «s auch zu er- Bäten ist, datz mit der Verallgemeinerung der luftsportlichen Interesse- die Zahl der Opser der Aviattk eine geradezu beängstigend starke Zunahme erfährt. ES wird schließlich nichts anderes übrig bleiben, als auch hier im Wege der Verordnung bestimmte Grenze« zu ziehe«, die, ohne daS sporütche Interesse zu beeinträchtige«, doch daS Menschliche im Sport und die Rücksichten auf die Allgemeinheit gebührend erkennbar werden lassen. **
müssen. Die russische Regierung wird zu bat gegen sie erhobenen schweren Vorwürfe« unmöglich schweigen können, und es tottb sich dann zeigen, wie sie sich zu rechtfertigen vermag.
-rhs-
Fünf Tage hindurch lastet nun schon Sorge um das Schicksal des verschollenen
Mne Mziers-Tragödie.
Der Selbstmord eines beleidigten Leutnants, (Eigene Drahtmeldung.)
In einer Beinen Garnison, nahe der russischen Grenze, hat sich (wie erst jetzt bekannt wird) am Reujahrstag eine erschütternd« Offizierstragödie ereignet, der ein junges, hoffnungsvolles Menschenleben zum Opser gefallen ist. Wir erhalten über de» Vorfall, der in den beteiligten Kreisen das'größte Aufsehen erregt, folgende» Drahtbericht aus
die ganze Woche vergehen wird, ehe der Kaiser Schönbrunn zu einer Ausfahrt verlassen kann. Das Allgemeinbefinden des Pattenten kann indessen als ein gutes bezeichnet werden, doch verlangt sein Zustand alle mögliche Schonung. Die Krankheit des Kaisers besteht (wie eine aus Schönbrunn kommende Nachricht besagt) in einem Rachen- und Kehlkopfkatarrh, der von starkem Schnupfen begleitet ist. Namentlich beim Schlucken treten unangenehme Beschwerden auf. Auch der Appetit des Monarchen hat sich einigermaßen verringert. Man nimmt in Hoflrcisen an, daß sich der Kaiser die Erkältung bei einer der letzten Ausfahrten zuge- zogen hat, bei denen er (entgegen den Vorstellungen des Leibarztes) einen offenen Wagen benutzte. Die Umgebung des Kaisers weiß ganz genau, daß der Zustand des Monarchen trotz der UnbedenBichkeit der Krankheit angesichts des hohen Alters des Patienten die größte Vorsicht geboten erscheine« läßt. Für den Optimismus, mit dem man den Zustand des Kaisers beurteilt, ist charakteristisch, daß der Leibarzt des Kaisers keinen Permanentdienst hält. Eine hochstehende Persönlichkeit, die gestern längere Zeit mit dem Dionarchen zusammen war, gibt folgende Erklärung über das Befinden des Kaisers: Zu einer Beunruhigung ist auch nicht die Spur vorhanden, um so weniger, als das System herrscht, dem Publikum alles mitzuteilen mL. nicht das
Dom Krankenlager Kaffer Franz Josef».
(Eigene Drahtmelduncu)
Die letzten aus Wien eingetroffeneu Meldungen über daS Befinde« des greisen Kaisers Franz Josef (bet, wie wir berichteten, a» einer Erkältung erkrankt ist) lassen hoffen, daß irgend eine Besorgnis um den Zustand des Kranke« nicht mehr besteht, wen» auch bei dem hohe» Wer des Kaisers jede Erkrankungserscheinung mit doppelter Sorgfalt beachtet werden muß. Hebet das
Sei Märchen - König.
Intimes von Ludwig dem Zweiten.
(Von unsetm Korrespondenten.)
Paris, 1. Januar.
Unter dem Titel »Chee Louis IL, rot de Baviöre" hat Ferdinand Bac soeben als Forffetzung seiner »philosophischen" Reise» durch Deuffchland ein sehr interessantes Buch erscheinen lassen. I» zuweffen etwas phantastischer, aber immer fesselnder Weise schildert er die romanttschen Orte des Bayernlandes und beschwött dabei den Schatten des unglückliche« Königs Ludwig des Zweiten herauf. In den bayerischen Berge« ist die Erinnerung an die Lohengttn-Gestalt des bizarren Monarchen, der auf so ttagische Weise ums Leben kam, noch nicht verblaßt: Ueberall spricht das Volk mit einer wahren Schwärmerei von den herrlichen Geistesgaben und dem edlen Charakter des unverstandenen Fürsten, und der Franzose hört andächtig zu, wenn ihm die derben Aelpler in ihrer schlichten Art das Bild ihres Lieblings vor die Seele zu zaubern suchen. Bae hat es besonders gut gettosfen: Der Postillon, der bett Autor durch Bayern fuhr, war einst der erste Vorreiter Ludwigs des Zweiten, und man weiß, daß der König sich gerade im Verkehr mit dem niederen Volke so gab, wie et wirklich war. Nikodem (so nennt Bac den Postillon) war es, der den für alles Roman- ttsche und Romanhafte begeisterten Fürsten in mondbeglänzten Zaubernächten oder in wilder Sturmnacht in dem mtt sechs Weißen Rossen bespannten Wagen durch Talmulden, über Bergsttaßen und an Schluchten vorbei durch das Land fuhr.
Mein Herr (so erzählte Nikodem) war kein Freund der reichen Leute, der vornehmen Herren, der Hochwohlgeborenen, der Stadffracks. Er haßte sogar die Städte selbst. .Sechs Weiße Elefanten könnten mich nicht wieder dorthin bringen," sagte er einmal scherzend, als er von München sprach. Er fürchtete dort die Kabale» der Hoficute und die Jnttigen der Jesuiten, die im Lande einen sehr großen Einfluß hatten. Oft hörte Nikodem ihn, obwohl der König hn Grunde recht fromm war, sagen: .Wie schön wäre unsere Refigion, wenn nur der H a ß und der Fanatismus nicht tonten!" Rührend war des Königs Liebe zu den Kindern: Er nahm sie, ungekämmt und schmutzig, wie sie in unfern B-rgen sind, auf den Arm und küßte sie. Wie ost Netz et nicht, auf einem bemooste»
Das Drama von Lzenstochau.
Das Berbrechen im Kloster.
(Von unfern Korrespondenten.)
Breslau, 2. Januar.
Eigenartige Verbindungen zwischen den Verbrechen der Mönche im Paulinerklo- ster zu Czenstochau und der russischen Geheimpolizei stellt ein polnisches Blatt, der .Dziennff Slaski" her, der zu erzählen weiß, daß in den letzten Tagen in Petrikau ein Herr in Zivilkleidung aus Petersburg ein» getroffen sei, der sich bei dem Vorsteher beS Untersuchungsgefängnisses meldete,. mit dem Wunsche, die darin inhaftierten ehemaligen Paulmermönche Macoch und StraczewS- k i sprechen zu wollen.
Diesem Verlangen konnte bet Vorsteher auS formalen Gründen jedoch nicht stattge- den und verwies bett Herrn att bett Direktor, bezw. den Untersuchungsrichter zwecks Einholung einer Genehmigung. Doch auch bei biefen erreichte bet Herr nichts, obwohl et sich durch Papiere als ettte hohe, im Dienste der russischen Polizei stehende Persönlichkeit auswieS. Da trafen fast gleichzeitig sowohl von Warschau tote von Petersburg Telegramme mt den Gefängnisvorsteher ein, mtt dem Befehl, jenem bei ihm sich melbenben und Einlaß inS Gefängnis forbernben Herren keine weiteren Schwietigketten mehr zu bereiten. DaS Warschauer Telegramm war von bem K om- manbeur bet Geubatmerie in Russisch-Polen, General Uthof, unterzeichnet, baS Petersburger stammte btreft vo« dem zuständigen Ministerium. Auf diese ausdrücklichen Befehle hin erfiUlte nun der Gefängnisvotsteher den Wunsch des unbekannten Herrn und dieser begab sich in die Zellen Macochs und Starczewski's und konferierte mit jedem einzelnen unter vier Augen längere Zeit. Darauf verließ er das Gefängnis und reiste von Pettffau wieder ab. Dieses geheimnisvolle Gebaren der russischen Regierung erhärtet (dem polnischen Blatte zufolge) den schon geäußerten Verdacht, daß sie in jene unglückseligen Vorkommnisse im Czensto- chauet Kloster mitverwickelt ist und nun alles aufbietet, alle sie etwa kom- prommttttietenden Aussagen der beiden Inhaftierten zu verhindern. Der Besuch dieses, zugleich von zwei Behörden protegierten und empfohlene« Herrn bet bett beide» ehemaligen Paulinennönchen hätte nur den Zweck gehabt, die Spuren jener seit Jahren mtt diesen verkappten »Spionen" im Kloster gepflogenen Beziehungen zu verwischen. Eigentümlich ist es allerdings, daß (obwohl es sonst keiner außenstehenden Person gestattet ist, mit einem in Untersuchungshaft befindlichen Häftling während des Ganges ‘tet Untersuchung zusammenzukommen oder zu spreche« )hier vo« der so strenge durchgeführten Regel eine Ausnahme gemacht wurde. Es sollen sogar ohne besondere« Vorbehalt langdauerude Kou- ferenzeninden Zellen unter vier Augen gehalten tvorben sein.
Es kann bies Wohl den Schluß zulassen, daß die russische Regierung e"was zu v e r b e r- gen hat, was mit den letzten Vorgängen im Czenstochauer Kloster zusammenhängt. Das polnische Blatt nimmt keinen Anstand, zu behaupten, daß die russische Regierung schon seit langem auf die Entweihung dieser heili- gen Stätte hingearbeite habe. Man wird indessen dieser Darstellung gegenüber vorsichtig bleiben und weitere Aufklärung abwarten
Wie uns ein weiteres Telegramm meldet, hat der Deutsche Kaiser gestern ein in den wärmsten Worten gehaltenes Telegramm an Kaiser Franz Josef gerichtet, in dem er sich nach dem Gesundheitszustand des hohen Patienten erkundigt und baldige Genesung wünscht. Kaiser Franz Josef hat den Auftrag gegeben, das Telegramm sofort in beruhigendem Sinne beantworten.
Königsberg, 3. Januar.
Ein ergreifendes Offiziersdrama hat sich soeben in Deutsch-Eyla« ereignet Als bet Seutnant Krüger von bet Maschinengewehr-Abteilung des dortige« Infanterie-Regiments Rr. 59 am Reujahrsmotgen nach bet Silvester-Feier sich in seine Wohnung ergab, daß er mit mehreren Zivili- fien, die ebeufalls Silvester feierten, zusammen. Es kam zu einem Wortwechsel, der schließlich dahin ausartete, daß der Offizier tätlich mißhandelt wurde. Hierauf begab sich der Leutnant in seine Wohnung und schoßsichdorteineRe- volvetkugelindenKoPs. Et wurde in das Gatmsonlazatett gebracht, wo et heute früh verschied. Leutnaut Krüger stand im 24. Lebensjahre und galt allgemein als tüchtiger und beliebter Offizier. Die Zivilisten, die durch ihr Borgeheu de» «»- glückliche« Leutnant in de« Tod getrieben habe«, find bereits ermittelt und zur Anzeige gebracht worden. Es handell fich um einige junge Leute, die offenbar betrunke« waren, als ste de« Offizier angrifien.
Wie festgestellt fft, trifft den Leutnant an bem Zusammenstoß keine Schuld. I« Deutsch-Evla« erregt der Vorfall bas größte Aufsehen, und gestern abend wäre eS beinahe zu Zusammenstößen gekommen, da die Bevölkerung gegen die Urheber des Unglücks eine drohende Haltung entnahm.
das Sehen bet beide» Luftschiffe! bestehen. Es ist nur noch eine Hoffnung vorhanden: Datz Kohrs und Keidel in ttgend einer unbewohnten G.egend niedergegangen sind und bisher keine Gelegenhett hatten, fich mit dem Telegraphen in Verbindung zu setzen. Rechtsanwalt Kohrs hatte nämlich bei dem Ausstieg geäußert, daß der Ballon vielleicht ttr Serbien uiedergehe» würde. Es ist möglich, daß diese Vermutung zur Wahrhett geworden, möglich auch, daß der Ballon in einer einsamen Gegend Ober-UngarnS gelandet ist; wahrscheinlicher aber ist leidet, daß Ballon und Insasse» verunglückt sind und die Sunde vo» ihrem Ende erst später zur Heimat gelangt.
Der Ballon »Hildebrandt" ist ei» Freiballon von über vierzehnhundert Kubikmeter Inhalt, und die Fahrt, die Dr. KohrS mit bem Ballon antrat, war die vierzigste, die mtt bem .Hildebrandt" unternommen worden ist. Dr. KohrS, bet fett mehreren Jahren Mitglied beS Berliner Verein- für Luftschiffahrt ist, hat schon vor längerer Zett daS Führerexamen bestanden und bereits mehrere Fahrten auSge» führt. Im vorigen Jahre hatte et eine Fernfahrt unternommen, bei der er in Rußland landete und dort von den russische» Behörde» sest- gehalten wurde, wett mau annahm, datz die Fahrt zu Evwnagezwecken unternommen worden sei. Er gttt in Luftschiffetkreifeu als tüchtiger Ballonführer, allerdings auch alS sehr verwegener Fahret, und es heißt sogar, daß Kohrs die Fahrt in bet bestimmten Absicht unternommen habe, ste zu einet längere« Fernfahrt auszudehnen und tunlichst den Fteiballon-Rekotd für Fernfahtten zu schlagen. Für diesen Zweck sollen auch alle Vorbereitungen zur Fahrt, die Vetptoviantio- tung und Ausrüstung, berechnet gewesen fein. Im Gegeufatz zu dieser Annahme steht allerdings das Versprechen, das Dr. Kohrs bei der Abfahrt seinen Freunden gegeben hatte: Sofort nach bet Landung telegraphisch Nachricht zu geben. Ursprünglich hatte Kohrs die Ab- sichtsi, eine Strecke von über fünfhundert Kilometern zurückzulegen. Er nahm an, daß ihn der Wind nach Rußland treiben werde, und hatte sich (um dort ungehindert landen zu können) eine Bescheinigung ausstellen lassen, daß er die Fahrt nur zu Spottzwecken gemacht habe. Beim Aufstieg äußette Dr. Kshrs indessen, daß der Wind ungünstig sei, und datz er nach seiner Meinung nach bet Ostsee abgetrieben werden würde. Für diesen Fall wollte er nach kurzer Fahrt mit dem Ballon niedergehen. Einige der bei dem AuMeg anwesenden Henen erklärten jedoch, daß die Befürchtung Kohrs unberechtigt sei, und daß bet Wind in den oberen Luftschichten eine ganz andere Richtung habe, so daß bet Ballon voraussichtlich in Serbien oder sonstwo im Südosten Europas landen werde. Andere fachmännische Meinungen gehen wieder dahin, daß der Ballon möglicherweise die See überflogen und von der starken Lustströmung bis nach Finnland ge- tragert worden fei, wo die Insassen dann wahrscheinlich in einer Gegend landen mußten, aus der eine Verbindung mit der Heimat nur schwer zu erreichen war: Alles Annahmen, deren Möglichkeit einleuchtet, die aber ausnahmslos stark erschüttert werden durch die andere An- «ahme, daß der Ballon auf der Fahrt ver-