Erster Jahrgang
— erschallten Kommandos in Zügen wurde aufmar-
Fühlung mit dem Feinde bekommen, wenige Minuten später erschallten Kom bei der Infanterie, . ------ .
schiert, die Kolonnen stampften durch die Felder und breiteten sich fächerförmig zu beiden Seiten der Hauptmarschstraße, in zwei Treffen, starke Reserven dahinter, aus. Die Artillerie ratterte vorbei und bald zitterte der erste Kanonenschuß in den anbrechenden, schönen Frühlingstag. mit freudigem Ahl von den Mannschaften begrüßt, man war ran an den Feind!
In gestrecktem Galopp jagte der Gouver
neur mit seinem Stabe einer Anhöhe zu. Hinter dem Führer wehte die Kommandoflaqge im Morgenwinde, Generalstabsoffiziere. Adjutanten, Meldereiter kamen angesprengt, machten ihre Meldung, empfingen neue Befehle und galoppierten von dannen.
Immer mehr lichtete sich der Stab, Weisungen au die i» der Front stehenden Truppen waren zu überbringen, neue Befehle an die Reserven, da hatte Heinz wahrlich keine Zeit seinen ttüben Gedanken nachzuhängen, denn kaum kehrte er zum Stabe zurück, bekam er einen neuen Auftrag. Schließlich war sein Pferd völlig ausgepumpt, er setzte sich auf einen grobknochigen Ulanenschinder, der an der Truppe klebte, rücksichtslos schlug er ihm die Sporen in die Weichen, beinahe hätte sich das Biest mit
Am neunten April, früh 3,30, meldete sich am Schiltighetmer Tor Leutnant Rühling bei Seiner Erzellenz dem Gouverneur. Die Truppen standen in der Marschformation bereit, die töte in Oberhausbergen, der Vormarsch über Truchtersheim wurde angetteten, der Stab ttabte an die Spitze des Gros, Kavallerie- pattouillen jagten vor, Meldungen liefen ein, und als die Sonne aufging, wurden die ersten Gewehrschüsse vcrnehmvar, die Spitze hatte . . ‘ . Und
Set Liebe Rot.
18) Von Horst Bodemer.
x v (Nachdruck verboten.)
ihm überschlagen. Vorn knatterte das Gewehr- seuer untermischt mit dem dumpfen Ton der Geschütze, eine Haubitzenbatterie sang ihren tiefen Baß dazu. Ein neuer Befehl, er ritt los in Schweiß gebadet auf Teufel komm raus, sein Gaul warf die feuchten Erdklumpen haushoch in den schönen Frühlingstag. Hecken waren zu nehmen, Gräben, weiter, immer weiter und im stillen dachte er: Wenn der Schinder nur hinschlagen wollte und ich liegen bliebe mit gebrochenem Genick, wie wohl wäre mft dann! Aber der Gaul hielt aus und als das Signal ertönte: Das Ganze halt!, von einer Truppe nach der anderen ausgenommen und das Feuer allmählich schwieg, da legte sich Heinz Rühlings Stirne in Falten. Der Mittag war herangekommen, in den Dörfern läuteten die Glocken, jetzt trat bald Klara Herbart mit einem anderen vor den Altar, nachdem sie bereits der Vater als Standesbeamter zivilrechtlich zusammengegeben. Der Offiziersruf riß ihn aus seinen Grübeleien heraus, zwischen den beiden Patteien hielt der kommandierende General,
Lsffrlrr Meueste Mchrichtrn
Ratterte die große Kommandostandarte, schwarz-weiß-rot, im Winde. Von allen Seiten kamen die bettttenen Offiziere herangeprescht, jüngere Herren von der Infanterie, die dem Standorte des Kommandlerenden nicht allzu weit entfernt waren, nähetten sich zu Fuß von beiden Patteien. Der Kampf war vorläufig aus. die Kritik begann. Der Gouverneur meldete sich, hinter ihm sein ganzer Stab, mit kurzem Gruße dankte der Führer des fünfzehnten Armeekorps. Die Saiten wurden herausgenommen, immer dichter wurde der Kreis um den kommandierenden General, die Kritik begann. Mit weithinschallender Stimme, ohne Ansehung der Person, wurden Lob und Tadel ausgeteilt, man war im Dienst, und der erfor- dette Wahrheit, nichts als die, dann wurde die Uebung abgebrochen.
Die berittenen Truppen hatten es gut, sie trabten nach Hause, während die Infanterie, das schwere Gepäck auf dem Rücken, viel längere Zeit brauchte,, um in die Garnison zu „tippeln". Und dazu hatten sie noch den Staub zu schlucken und die höhnischen Reden, die ihnen von den Pferden oder Protzkästen oder Lafettensitzen herunter entgegengerufen wurden, einznstecken. Aber man blieb weder den Heinrichen*), noch den Pulverjuden, den Attille- risten, die Antwott schuldig.
Der Gouverneur entlieft mit kurzem Danke die zu seinem Stabe abkommaudietten Ofst- ztere, nachdem er sich noch verschiedene Auskünfte hatte geben lassen, denn für ihn und seine Generalstabsoffiziere begann erst noch die schwerste Arbeit, den Schlachtbettcht dem kommandierenden General einzureichen, und das hatte schnell zu geschehen.
Heinz sondette sich von den übrigen Ofst- zieren des Stabes ab und ritt, in Gedanken versunken, im Schttit auf Sttaßburg zu. Das Heranrattern von Geschützen schreckte ihn auf, er wollte seinem Pferde die Sporen geben und schleunigst nach Hause reiten, nur jetzt keinen Menschen sprechen, aber der Gaul war völlig ausgepumpt, wenn er ihn forcierte, blieb er womöglich auf der Landstraße liegen. Er sah sich um, ausgerechnet seine Abteilung war es, die an ihn herankam, und an der Töte seiner Batterie.
.Hallo, Heinz Rühling." rief ihm sein Hauptmann fteudlich zu, „Sie und das arme Pferd scheinen für heute genug zu haben! Teufel auch, war das ein Tag!"
Der Batteriechef reichte seinem Leutnant fteuudlich die Hand.
.Wenn ich den „Robert" nur nach Hause bringe!"
.Reiten Sie man hübsch mit uns. viel traben lasse ich nicht, wir sind von einer Feuerstellung in die andere gejagt worden, und den Tölpel, den Meyer, hat es bei einem Stellungswechsel in hohem Bogen vom Protzkasten gewedelt. Gott sei Dank, hat's ihm weiter nichts geschadet, na ja, war auch so ’ne Geschichte- mit den Rekruten, so schnell bttngt man den Leuten nicht alles bei!"
Die Mannschaften sangen luftige Weisen und schwermütige Lieder.
Heinz' Nerven drohten zu reißen; alles war vergnügt um ihn — an Klara Herbarts Hochzeitstag. Und nun brüllten die Kerle auch noch in den Frühlingstag hinein:
„Verlassen, verlassen,
Wie könnt's auch anders sein?
In Sttaßburg, ja, in Stta—a—ßburg
Soldaten müssen sa—a—ein,
In Sttaßburg, ja, in Straßburg, Soldaten müssen sein!"
Da knirschte er vor Wut mit den Zähnen, zum Verrücktwerden war's! —
Um ein halb vier Uhr war man wieder in der Kaserne.
.Obgleich Sie für heute abkommandiert sind, Herr Leutnant, bleiben Sie doch bitte mit mir und Herrn Leutnant Menkcn noch in der Kaserne, die Pferde sind höllisch sttapaziett, da wollen wir selbst das Futterschütten und das Putzen überwachen, nicht wahr, Sie sind so freundlich?"
„Zu Befehl, Herr Hauptmann, selbstverständlich !"
Wieder erhielt er einen Händedruck und einen freundlichen Blick, da wußtt er, fein Hauptmann hatte Kenntnis, daß heute Klara Herbart zum Altar schritt.
Und als endlich um sechs Uhr in der Kaserne alles in Ordnung war, nahm der Batteriechef Heinz Rühling unter den Arm und sagte:
„Einen Vorschlag, den Sie mir nicht abschlagen dürfen, — wollen Sie?"
„Wenn, ich ihn erfüllen kann, Herr Hauptmann!"
Heinz hatte eine unangenehme Empfindung.
^Jch komme jetzt mft zu Ihnen, in Ihre nette Leutnantsbucht, Sie ziehen sich in aller Gemütsruhe um und essen bei mir, meine Frau hat Ihrethalben Kalbsnierenbraten mit Kartoffelsalat machen lassen, — Ihr Leibgericht!"
Da schoß Heinz Rühling das Wasser in die Augen. Rasch drehte ihn fein Batteriechef um, das brauchten die Leute nicht zu sehen.
„Ich weiß, mein Lieber, — ich weiß, so weit wir Ihnen helfen können, tun wir's ja so gern!"
Mit stummem Danke ergriff Heinz die Hand feines Vorgefetzten: dann gingen sie in seine Wohnung auf der Münstergasse. Keinen Augenblick ließ der Hauptmann den jungen Offizier aus den Augen.
In der Schwarzwaldstraße wurde er von der Gemahlin seines Batteriechefs mit der ihr eigenen Herzlichkeit empfangen, bis nach Mtt- ternacht blieb er dort, dann begleitete ihn sein Hauptmann wieder nach Hause. Heinz
*) So werden beim fünfzehnten Korps die Kavalleristen genannt.
Beilage.
Dienstag, 3. Januar 191L
wünschte es nicht, aber sein Widerstand war vergebens.
„Nein, Sie müssen heute auch außerdienstlich Ordre parieren!"
Da fügte sich der arme Kerl.
Als sie durch i>te stillen Straßen langsam der Münstergasse zuschlenderten, blieb der Bat- teriechef plötzlich stehen.
„Lieber Rühling, Sie stammen aus gutem, christlichem Hanse, sind der einzige Sohn Ihrer Eltern, geben Sie mit Ihr Ehrenwort, daß Sie keinen dummen Streich machen, etwa gar Hand an sich legen!" ■
Ein leiser, milder Frühlingswind wirkte besänftigend auf Heinz' Nerven, kühlte feinen heißen Kopf. Nach einer Pause sagte er ruhig:
„Herr Hauptmann, ich gebe mein Ehren- toort!"
„Gott fei Dank!"
An der Haustüre erst ttemtteu sie fich. * * *
In der kleinen Wernsdorser Kirche hatte am Nachmittage eine todbleiche Braut ihren Verlobten das Jawort gegeben, bis daß bei Tod sie scheidet. Und doch waren ihre Gedanken immer wieder fortgeirrt von der heiligen Handlung zu jenem, der jetzt am Fenster stand und hinüberblickte auf Erwin von Steinbachs herrliches Gotteshaus, als wollte er ans diesem Kraft fangen für ein Leben, dessen Tauftische, dessen Blütensianb ein Orkan hinweg, geweht für immerdar.
XV.
Zwei Tage später erhielt Heinz einen langen Brief aus Wernsdorf. Der Vater schrieb ihm über den Verlauf der Hochzeit, nur der kommandierende General und zwei General- stabsoffiziere mit ihren Damen hätten der Feier beigewo^nt. schon um vier Uhr fei das junge Paar direkt nach Berlin abgereist. Herr von Sommern habe nur einen zehntägigen Urlaub erhalten können, den wollte er in Berlin verleben, er habe außerdem dort auch dienstlich zu tun. Sonst schrieb bet Oberamtmann viel über Wernsdorf, wie die Saaten ständen, das Hasenjahr scheine sich diesmal besser anzulassen, der Märzsatz sei gut durchgekommen; auch aus Gogulkowo lauteten die Nächtigten gut, Gretes Junge, er war um die Weihnachtszeit zur Welt gekommen, scheine sich prächtig zu entwickeln, er Hoffe, sein braver Heinz werde nun bald fein Gleichgewicht völlig wieder erhalten, beim schließlich müsse es ihm boch zur Beruhigung dienen, daß Klara einen so tüchtigen, vornehm gesinnten Mann bekommen habe, bei dem sie geborgen sei für ihre ganze Zukunft. Sie schiene sich mit ihrem Schicksal ausgesöhnt zu haben, das möge hart klingen, aber das Leben sei nun einmal ohne Mitleid, und am Ende habe auch die traurigfte Lehre ihr Gutes, das solle er sich immer vor Augen halten.
( Fortsetzung folgt.)
Konservatorium der Musik
Gegründet 1895
■ .---------- ----------~ -------Gegründet 1895
Wllhelmshöher Allee 43, CASSEL, Wilhelmshöher Allee 43.
Das II. Trimester beginnt Mittwoch den 4. Januar 1911.
Unterrichtsfächer: Pianofortespiel; Violine; Cello; Harfe und alle übrigen Orchester-Instrumente; sowie Gitarre, Mandino und Mandola; Konzeit- und Operngesang; Italienisch; Sprechübungen; Mimik; Gehörübungen; Musikdiktat; Harmonie- und Kompositionslehre; Zusammenspiel mit anderen Instrumenten (Kammer- und Orchesterspiep; Analyse; Instrumentenkunde; Partiturspiel; Geschichte der Musik; Aesthetik; Ethik; Logik; Philosophie; Psychologie; Physiologie; Akustik mit Anwendung der erforderlichen Apparate.
Einteilung: Konzertklassen, Seminarklassen;
Oberklassen; Mittelklassen; Elementarklassen für Kinder vom 6. Lebensjahre an.
Lehrer: Die Damen Luise Beyer; Giulia Giessa-Fabbroni; Frieda Leimbach; Margarete Weist; Clara Weipert; Helene Wclffberg u. A.; die Herren Hans Altmüller; Hob. Bartram, Königl. Opernsänger; Professor Dr. Franz Beier, Königl. Kapellmeister; W. Deyerberg, König). Kammer- virtuos; Musikdirektor Carl Hallwachs; Kammervirtuos Adolf Hartdegen; Prof. Dr. E. Höbe!; Otto Kalatsch, Königl. Kammervirtuos; Lange-Frohberg, Kammermusiker; A. Lohmann, Kammermusiker; Gust Müller, KönigL Kammermusiker; 0. Riege, Königl. Kammermusiker; W. Monbaupt, KönigL Kammervirtuos; st. Wille, KönigL Kammermusiker; Hans Wuz6l, KönigL Opernsänger u. A.
Statuten sind zu beziehen durch die Schriftleitung des Konservatoriums. Eintritt In die Hauptfächer zu jeder Zeit Anmeldungen nimmt täglich zwischen 12 o. 1 Uhr entgegen Luisa Beyer, Wilhelms!:. Alle 43.
Serie D —
Faust.
Ster reist) . m ’
und fünf Aufzugen von Goethe.
Musik von Eduard Lassen.
In Szene gesetzt von Herrn Oberregisseur Hertzer. Gewöhnliche Preise. ■
Kaffenöffnung 57« Uhr. Anfang 6 Uhr. Ende gegen 11 Uhr.
Königliche Schauspiele
Montag, ds« 2. Januar 1911.
(Mit ausgehobenem Abonnement) Vierte Vorstellung — Serie D - zum Besten der Pensionsansialt des Königlichen Theaters.
Zum 100. Male:
Sonnabend, den 14. Samar 1911
Protektorat: Herr Graf Bhlaudt-Rheydst
linier blühenden Rosen
Dienstag Den 3. Fanuar 1910.
lAbonn. B. 22):
Die Hugenotten.
Kroße Over in fünf Aufzügen. — Nach dem FranzöUchen des
Eugen Scribe und Emile Deschamys von I. F. Castelli. — Musik von G. Meyerbeer. , ~
Mvrgerethe von Valois.....Frau Painsen als Gast
Raoul de Nangis Herr Brandenberger.
Gewöhnliche Preise. ,
Kassenöffnung 6'/> Uhr. Anfang 7 Uhr. Ende nach 10/« Uhr.
Mittwoch den 4. Januar. Mit augehobenem Abovnnemenst Sondervorstellung zu ermäßigten Preisen. Fran Holle. Anfang 2t'- Uhr.
8 Uhr abends
Kaiser-Säle Ä
!!8»MK «LWW!I
Abonnementskarten, giftig bis zum 31. März 1911, sind zum Preise von 6,60 Mark, einschließlich BUietsteuer, abends im Theater erhältlich.
Im Parterresaal: „Schadt’s Varietee - Sterne“ (:] und das Damen - Ensemble „Chat-Noir“ [:]
Gesellschaftsabend mit Konzert und Ball
in sämtlichen Räumen des Zentralhotels, gegeben von den Mit- gliedern des Königst Theaters zu Gunsten ihrer Pensionsanstalt. siintriftnfarten ä 4.20 Mst an der Tageskasse des Königlichen Theaters und bei Frau Straube (Schlnnks Zigarrengeschäft, Königsstraße).
Anfang 8'-. Uhr.Eingang Zordanstratze.
nQQODDöonünBnnnDnonaniaoQQQDQDBnQnancQncQ I Tanz-Unterricht. I Zu einer im Januar beginnenden Unterrichts- B Abteilung werden Anmeldungen erbeten von
| Frau DORA EBERLE, Kgl. Solotänzerin e. D. |
Fernruf 3060. Friedrichstraße 15.
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§ •'- Einzel-Unterricht wird täglich erteilt. — ■—-
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Vom 1. bis 15. Januar:
Sensationelles Gastspiel des modernen Varietee-, Lustspiel- n. Possen-Ensembles
। THALIA.
Jeden Abend stets wechselnde Knatter, Posse« und Burlesken, ferner La belle Marguerite-Tableaux. g ■ Ferner jede« Abend internationale ■ .....
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Sehr interessant nnü sportlich. ■—
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Kleine Sdltrittshreste. — ~ hsx DlkkÜllM.
Klub der Rheinländer.
Sonnabenv, den 7. Januar 1911, abends 8 Uhr:
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MdkrWmMiWS.MUM
in sämtlichen unteren Sälen des
Hanusch - Restaurants.
Eintritt Mst st—, exkl. Steuer.
Das Geschenk für die Bohnenkönigin ist tut Schaufenster der Firma Hermanns & Froitzheim ausgestellt.