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Nr. 25. 1. Jahrgang.

Casseler Neueste Nachrichten

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Dichters ßrdenwaNeu.

Eine Autobiographie Wedekinds.

Sie lächelte noch, als sie den Dolchstoß empfing. Möge Allah sie durch ihres Bruders Hand bestrafen, ihr Georg liebte sie doch Arme Slava, so blieb ihr durch den gnädigen Dolchstoß das niederschmetternde Geständnis Georgs erspart, welches er heute machen wollte

Glückliche Slava ... I

xz Streikende Kohlenarbeiter. Einem Te­legramm aus Brüssel zufolge hat der Koh­lenarbeiterausstand im Lütticher Jndustriebc- zirke erheblich an Umfang zugenommen: es streiken bereits über 9500 Mann. Die Gendar­merie von Verviers ist bereits zur Verstärkung der Ortsgendarmerie dorthin kommandiert worden.

d o n: Gestern morgen entdeckte man in einem Vororte den entsetzlich zugerichteten Leich­nam eines Mannes, dessen Kopf voll- ständig zertreten war. Der Körper lag in einem kleinen Gehölz verborgen. Die Polizei hat sofort eine eingehende Untersuchung vor­genommen, die aber bisher ergebnislos ver­laufen ist.

, Erdbeben in England. Im Cramling- tondlstrckt m Nordkumberland wurde die Be­völkerung plötzlich durch eine gewaltige Deto­nation erschreckt, die die Erde erzittern liefe. Man glaubte, es habe in der Kohlengrube von Burradon eine Explosion stattgefunden. Diese Ansicht war jedoch irrig. Es blieb nur sie eine

Georg erhob sich: Mitternacht war vorbei, und seine Slava wartete gewiß in zärtlichster Ungeduld auf ihn. Wie sollte er hintreten und ihr sagen, daß er nie wieder kommen werde, daß er auf seine künftige Braut, ein stolzes Ratstöchterlein in Wien, Rücksicht nehmen müßte, und daß et bald fortgehe, daß er Ur­laub nehme und so fort. Ach, was wußte die­ses Naturkind von Standesunterfchied, von all dem Kulturanhängsel, wie sollte er ihr alles begreiflich machen? Wie sich aus der Affäre herausziehen?

So grübelte er, und sein Schritt ward immer zögernder, je näher er dem Häuschen kam. Ein zögernder, leiser Pfiff, ihr verab-, redetes Zeichen, tönte aus seinem Munde .... keine Antwort erfolgte.

Mit raschem Satz war Georg in der Hütte. Doch welch ein Anblick! Der Mond kam eben ?rofe und klar aus den Wolken und sandte einen glitzernden, magischen Schein über eine leblose Gestalt, ein süßes Marmorgesichtchen mit noch im Tode festgeßaltenem Lächeln, und daneben hielt ein bis an die Zähne bewaff­neter Türke dräuend Wacht.

Langsam zog er den noch festsitzenden Dolch aus Slavas Herzen. .Allah il Allah, Ihr habt es so gewollt/ sprach er zu dem erstarrten Offizier. Hier ist Eure süße Blume, ihr Brn- der hat sie in Allahs Namen geftrnft * sprachs und verschwand.

Arme, glückliche Slava!

nung der Offiziere, herumstreiche, und ob der Herr Oberleutnant dessen Wegschaffung befehle.

LDen angeklagt von denen 477 schon bestraft sind- Mehrere Townships sind jetzt ohne einen einigen Wahlberechtigten, da den überführten Ltimmraubern das Wahlrecht aberkannt wurde.

~ Aus dem dunkeln London. Ein S p e - ialtelegramm meldet uns aus Lon-

lvurde der Rang eines Generalfeldmar- ichalls verliehen.

Und wenn Georg Slava über ihr unvor­sichtiges Tun Vorstellungen machte, wenn er tfer vorstellte, daß, wenn ihr Bruder oder ihr Vater sie zusammen träfe, dies ihrer beider Tod wäre, so wehrte sie unmutig ab: Nur mein Tod, Georg, denn Du bist Offizier, Du würdest gerächt, das wagen sie nicht, doch Allah wird dies nicht wollen ... ich liebe dich doch so sehr. Und dann nahm er »seine süße Blume", wie er sie zärtlich nannte, in seine Arme, und sie vergaßen Ort und Zeit.

Allah il Allah!

Skizze, von Baronin von Hügel.

Leise knirschte das Steingeröll unter seinen vorsichtigen Tritten. Ein steiler, schmaler Pfad über verdorrte Wiesen, weite Steinhalden in zerllüfteter Höhe der Berge der Cernagorzen zog sich knapp an der Grenze der wilden Herze­gowina und einem Tal von Montenegro, einer trostlosen, felsenstarrenden Wüste ohne Baum und Strauch. Der, der sich vorsichtig über diesen Pfad pürschte, würde ja weit in der Runde sichtbar gewesen sein, herrschte nicht eine wahrhaft ägyptische Finsternis.

Ein tiefer Seufzer hob seine Brust. Wie schwer wurde ihm fein heutiger Gang tote flog er sonst leicht beschwingten Fußes diesen steinigen Weg aufwärts, trotz aller Mühe, die ihm dieser heimliche Gang auferlegte.

Ja, er wandelte heimliche Wege mit einem füßen, berückenden Ziel, der Herr Oberleutnant Georg Keller.

Er mußte sich setzen. Scharf pfiff der Wind in diesen Höhen und beraubte ihn momentan des Atems; er ließ alle Phasen seines Liebes­idylls, welches er hier oben gefunden, an sei­nem Auge vorbeiziehen.

Erst die Abkommandierung von Wien in die zerklüftete Herzegowina, an die Grenze von Montenegro, fern jeder Zivilisation, ohne die geringste Ansprache, nur auf sein Detachement angewiesen, mit noch zwei jüngeren Herren. Die geringe Zivilbevölkerung besteht aus veri- tablen Türken mit ihren streng geschlossenen Harems.

Er tobte ein wenig .innerlich"; wie er seinem Duzbruder Mucki von Eile versicherte, wollte er sich erst von dem auftegenden Leben der Großstadt erholen und dann ein wenig studieren und nicht zuletzt der edlen Jagd obliegen. Die sollte ja noch herrlich sein. Wie ihm Kameraden versicherten, gabs Steinadler die Menge, und wenn es glückte, bekam man mal Meister Betz vor die Flinte. Ja. Weidmannsheil! Da-, was vor im» aufflog, war keine Kette Hühner, nein, ein Edelwild

Politische Thron!!.

_ Der Unter st aatssekretär im Aus­wärtigen Amt, Dr. Stemrich, wird (wie uns ein Telegramm meldet) nach Ablauf eines Krankheitsurlaubs die Führung seiner Amtsgeschäfte von neuem aüfnehmen und sie auch beibehalten, falls ihn sein Gesundheits­zustand nicht zwingt, um eine anderweitige Verwendung im Staatsdienst zu ersuchen.

Vorgestern abend erfolgte (wie aus Paris gemeldet wird) die gnadenweise Um­wandlung des Todesurtells Durands zu 7 Jahren Kerker, die in einem Gefängnis Frankreichs abzubüßen sind. Die Begnadigung entspricht den Wünschen, denen zahlreiche Par­lamentarier in einem Gnadengesuch an den Präsidenten Falliöres Ausdruck gegeben haben.

Kronprinz Alexander von Serbien und Kronprinz Boris von Bulgarien werden, wie in Wiener Hofkreisen verlautet, im Monat Mai dem russischen Hofe einen zweiwöchigen Besuch abstatten.

Einem Telegramm aus Newyork zufolge wurde eine erstaunliche Wähler­korruption in Adams County (Ohio) entdeckt. Es sind nicht weniger als 1071 Per-

Von Frank Wedekind, der alL schriftsteller schon so viele Masken getragen hat, bringt das demnächst erscheinende Heft der Berlmer Zeiffchrift .Pan" ein paar autobio­graphische Sätze, die bei aller Knappheit sich wie ein Romananfang lesen und wegen ihrer authenttschen Auskunft über Herkunft und erste Tätigkeit des Schriftstellers Beachtung verdie­nen. Wedekind, mit dem Cassel ja kürz­lich bekannt geworden ist, erzählt über sein Leben: Mein Vater, aus einer alten ostfrie- sifchen Beamtenfamilie, war ein vielgereister Manu. Er war Arzt und war als solcher zehn Jahre lang im Dienste des Sultans in der Türkei gereist. 1847 kam er nach Deutschland zurück und saß 1848 als Kondeputierter (Er­satzmann) im Frankfurter Parlament. Im fol- genden Jahre ging er nach San Franzisko und lebte dort fünfzehn Jahre. Mit sechsundvier- zig Jahren heiratete er eine junge Schauspie­lerin vom deutschen Theater in San Franzisko, dw genau halb so alt war, wie er selber.

Diese Tatsache scheint mir nicht ohne Be- deutuMi. Der Vater meiner Mutter war ein Selfmademan. Er hatte als ungarischer Mau- efallenhändler angefangen, und gründete Ende der zwanziger Jahre eine chemische Fabrik in Ludwigsburg bei Stuttgart. Im Verein mit Ludwig Pfau organisierte er eine politische Verschwörung, und beide wurden auf der Fe­ttung Asdherg eingesperrt. Dort erfand mein Großvater die Phosphorstreichhölzer. Nach seiner Freilassung errichtete er eine che­mische Fabrik in Zürich und starb 1857 im Ir­renhaus in Ludwigsburg, in vollkommener Gei - tesumnachtung. Er hieß Heinrich Kammerer. Er war m hohem Grade musikalisch Was

Neuer vom Zöge.

^igennerHebr und ... Toilxttenkrieg.

(Von unferm Korrespondenten.)

Man schreibt uns aus Budapest: Sari rredak, die berühmte Budapester Operetten- diva, hat einen Prozeß angestrengt, der von allen Damen der österreichisch-ungarischen Monarchie mit größter Spannung verfolgt wird. Die Klage richtet sich gegen eine Kon­kurrentin der Fedak in der Provinz, die des schrecklichen Verbrechens beschuldigt wird, die prächtigen Kostüme der Fedak nachgeahmt zu haben.

der seltensten Art, ein scheues Reh, ein wunder- holdes Menschenkind: Seine glutäugige Slava.

Gleich am ersten Pürschgange, den er allein unternahm, verirrte er sich und kam in eine kleine Siedelung von steiiigefügten Häusern, deren kleine Fenster alle holzvergittert waren und aussahen wie Miniaturgefängnisse. Ein ruhig stolzer Muselmann wies ihn auf sein Befragen auf den richtigen Weg. Weit draußen schon vor dem Dörfchen, einer Oase in der Wüste gleich, ein sprudelnder Quell, herrliche Bäume, ein großes Wiesenplateau, beim Quell das lieblichste, glutäugigste Türkenmädchen, ein Kind noch, noch unerfahren, fchnell ihren Schleier beim Nahen eines Mannes, vorzu­ziehen.

Slava! Welch liebliche Bilder zauberte dieser Name in seiner Seele.

Wie süß und hold verwirrt und doch wie natürlich lauschte sie des fremden Mannes Worten, welche holde, dumme Fragen stellte dieses weltftemde Mädchen.

Und sie trafen sich oft Slava, seine holde Slava, mit all der Todesangst einer Moham­medanerin, der der Tod bei Entdeckung gewiß, und mit der ursprünglichsten Wildheit und Leidenschaft eines unverdorbenen Naturkindes, und er mit dem Triumphgefühl eines Siegers über seltene Beute.

Wie verwunderte sie sich, als er einen Kuß begehrte. .Ihr küßt? Was ist ein Kuß, was findest du an einem Kuß, wir kennen keine Küsse," so sprudelte das von den rosigen Lippen, und die großen, sehnsuchtsvollen Glut­augen sahen ihn dabei so fragend an. .Allah il Allah," meinte sie immer beschwörend, wenn seine Küsse zu stürmisch waren. Und sie lernte das Küssen, trotz Allah und seiner Verbote und Gebote. Georg dachte oft mit Schaudern an das Ende, an das Ende des Idylls nämlich, denn ewig konnte er doch nicht in den Banden dieser kleinen Türkin liegen, aber wie sich be­freien?

Slava war unberechenbar. Kam er zwei Tage nicht zu der kleinen holzqezimmerten Laube am Quell, so meldeten Patrouillen, daß ein dichtverschleiertes und verhängtes Türken­weib um das primitive Holzhaus, die Woh-

u Die Adria im Wirbelsturm. Einer De- pesche aus Triest zufolge wütet in der Adria feit gestern em heftiger Wirbelsturm Jjt r320 Kilometern Stundengeschwindigkeit Sie Lloydschisse treffen mit großen Verspä- tungen ein. Man befürchtet Schiffsunfälle. In der Stadt wurden viele Personen vom Sturm niedergeworfen und schwer verletzt.

. 'T TjisGlück im Winkel" Nach einer De- äett in einem Gasthof eine SpielN89l) -GOV p.efche aus Saaz in Böhmen hob die Polizei «e Spielhölle auf, wo zahlreiche Personen öes Mittelstandes sowie Eisenbahnbedienstete seit Monaten dem Hazardspiel huldigten. Ge- g.en die Besitzerin und fünfzig Spielteilnehmer ist Anklage erhoben worden.

Dir Kirche in Flammen. Aus Cäe» in Frankreich wird telegraphisch gemeldet: Eine heftige Feuersbrunst hat die evangelische Kirche in St. Julien Maillac, welche eine wertvolle Bibliothek von mehreren 1000 Werken besaß, zerstört. Trotz der großen Anstrenanngen sei­tens der Bevölkerung und der Feuerwehr konnte nichts gerettet werden.

-- Erpresser-Geschichten. Wegen einer ungewöhnlich dreisten Erpressung wurde in Berlin em 18jähriger Hausdiener festg.- nommen, der an eine betagte Hausbesitzerin feit drei Wochen fortgesetzt Briefe schrieb, in denen er von ihr 5000 Mark verlangte Gr ^langte schließlich, die Adreffattn solle die ge­forderte Summe in ihrer Wohnung bereit hal-

Es kam dann ein Junge, dem ein Bries nut wertlosen Dingen übergeben wurde. Als ba§ verließ, trat ihm ein Radfahrer entgegen, riß ihm den Brief aus der Hand und jagte davon. Ein Kriminal- beamter schleuderte ihm einen Stock zwi­schen die Radspeichen, brachte ihn zu Fall und verhaftete ihn nach heftigem Widerstand.

rrr Zwei Kinder verbrannt. In Rollin- gergrund (Luxemburg) spielten (wie ein Telc- Aamm Eldet) diefünf-uud dreijährigen Kin­der des Mttchhandlers König am Ofen. Das Bett geriet in Brand, und beide Kinder verbrannten. Die Eltern waren abwe- send.

: neues Kabinett. Die öster-

relchische Kabinettskrise ist nunmehr gelöst: Kaiser Franz Joseph hat durch Handschreiben

om geftrigen Tage den bisherigen Minister­präsidenten Frhr. von Bienerth mit der Neubildung des Kabinetts beauftragt. Die Bildung des neuen Ministeriums dürfte bis zum 10. Januar beendet sein. Das Ministe­rium wird kein provisorisches, sondern ein definitives fein und den Charakter des Februar-Ministeriums Bienerth haben, also eine Zwischenstufe zwischen einem parlamenta­rischen und einem Beamtenministerium dar­stellen. Wie itt parlamentarischen Kreisen ver­lautet, wird sich das neu zu bildende Kabi­nett teils aus Parlamentariern, teils aus Beamten zufammensetzen und schon am Dienstag nächster Woche seine Arbeiten aufnehmen.

S Ein französisch-russischer Zwischenfall. (S p e z i a l t e l e g r a m m.) Aus Toulon wird uns depeschiert: Gestern abend gingen mehrere Mattosen eines im Hafen von Tou­lon vor Anker liegenden russischen Kreu­zers auf dem Boulevard Tesse spazieren, an dem auch einige Pattonenfabriken liegen. Vor den Fabriken standen zwei M i l i t ä r p o st e n auf Wache und zwar ein Artillerist und ein Infanterist. Auf den Anruf der Posten: Halt! oder Feuer!, antworteten die russischen Matto- sen, die der französischen Sprache nicht mächtig waren, nichts, worauf der Artillerist aus feinem Diensttevolver Feuer gab; er tötete so- fort den einen der Matrosen, während ein zweiter einen Streifschuß am Kopfe erhielt. Die Militärbehörde hat ein- U n t e: j u ch u u g eingeleitet.

s> Die verschwundenen Gesandtschafts- Dokumente. (Privat - Telegramm.) Wie uns aus Sofia berichtet wird, sollen sich unter den in der Sofioter türkischen Ge­ll n d t s ch a f t gestohlenen Dokumenten das Protokoll des bulgarischen Ministerrats, Pläne und Anweisungen des bulgarischen Kriegsministeriums und die Korrespondenz zwischen der Sosiater türkischen und rumäni- chen Gesandtschaft in der Mililärkonventions- rage befunden haben. Ein Beamter der tür­kischen Gesandffchaft ist entlassen worden. Die mllitärischen Dokumente sind angeblich von bulgarischen Offizieren geliefert worden. De- pefchen aus Konstanttnopel melden, daß bei dem Aktendiebstahl der Chifsreschlüssel nicht gestohlen worden sei. Die Anzeichen mehren ch, daß der Diebstahl schon vor längerer Zeit ausgefühtt worden ist, aber erst jetzt ent­deckt wurde.

f i tz e r, der sich mit der Leitung der Geschäfte furchtbar plagte, alles bewachie, alles selbst ordnete, und sich gar keine Rübe gönnte Sein Direktor redete ihm so lange'zu, eine Erho- übers Meer zu machen, bis er schließlich nachgab. Als er erfrischt wieder heimkehrte, rief er dem Direktor fteubia ?u- -Sre machen sich gar keinen Begriff, wie erlöst ich aufatmete, als ich die Fabrik hinter mir hatte." .Ach, und wir erst, Herr'" war die Antwort. Der Kaiser la-Ae, und war n" tt-rlich wett entfernt davon, den Scher, übel- zunehmm. Bekanntlich ist Carnegie ein gro­ßer Anhänger der Weltfriedensidee und nach feiner Meinung liegt es gerade in der Hand des deutschen Kaisers, diese Idee ihrem Ziele entgegenzuführen. Er benutzte deshalb die günstige Gelegenheit in Kiel, um mit dem Kaffer über dieses Thema zu sprechen Tcr Kaiser erwiderte, daß er ja ohnehin ein ttäf- ttger Beschützer des Friedens fei, »allerdings nur nach etwas anderer Methode". Carneaie erwiderte: »Auf die M et h o d e aber kommt es an Maiestat Da möchte ich mit gütiger Erlaubnis noch ein kleines Geschichtchen erzäh- len. Auf einer sttaße fuhr ein zweispänniger Landauer, da fauste an ihm in rasendem Tempo Staub answirbelnd, ein Tandem vor­bei. Als der Lenker des Landauers später dem Tandembesitzer Vorwürfe darüber machte, daß er auf solche Weise die Leute erschrecke, ertoi- derte dieser: »Ich habe ja auch wie Du zwei Pferde angespannt, nur nach etwas anderer Methode . »Auf die Methode kommt aber viel an (entgegnete der andere), zum Beispiel ist es doch ein großer Unterschied, ob ich meine Hän­de so halte, um sie zum Gebet zu falten, ober so, um lemanbem eine Nase zu drehen". Auch für diesen Scherz hatte der Kaiser ein verständ­nisvolles Lächeln, über den strittigen Gegen­stand, den Weltftieden, kamen beide Männer aber doch zu keiner Uebereinhimmung, da eben beide bet ihrer .Methode" blieben..

San Fedak entzückt seit mehreren Wochen das Budapester Publikum in der weiblichen Hauptrolle der bekannten Operette »Zigeuner- liebe" des Operettenkönigs Lehar. Die ,Zigeu­nerliebe" hat in Budapest nicht nur wegen ihres Melodienreichtums den größten Beifall errungen, sondern auch (und das vielleicht in erster Reihe) wegen der wundervollen Toilet­ten, die die Diva in ihrer Hauptrolle zur Schau ttagt. Eine Operettensängerin in Graz hatte Gelegenheit, einer Ausführung der »Zigeuner- liebe" in Budapest beizuwohnen und die soiletten der Fedak zu bewundern. Blasser Neid schlich in ihr Herz, und unter Bestechung des Garderobiers erfuhr sie die Adresse des Schneiders, der diese Toiletten angefertigt hatte. Sofort begab sie sich zu ihm und lie lich genaue Kopien der Fedak'schen Toiletten unfertigen, um in Graz damit zu triumphieren. Frmttein Fedak hörte dies wutentbrannt und beschloß, den Frevel zu rächen. Sie machte ihr geisttges Eigentumsrecht" an dem »Aufbau" der Toiletten geltend und verbot der Konkur­rentin in Graz zuerst durch einen Brief, »ihre dichterischen Kleiderphantasten in der Provinz zu kompromittieren". Da dieses Schreiben aber keinerlei Eindruck hinterließ, lief Fräulein iiedak zum Kadi und verklagte die Verbrecherin aus . . . Diebstahl geistigen Eigen­tums. Sie verlangte dafür den Schutz der Gerichte und forderte, daß man die plagiierten Kostüme ihrer Kollegin von Gerichts wegen konfisziere. Der Prozeß bildete eine ungeheure Sensation, und die Damen fieberten vor Auf­regung, ob die Kleiderkompositionen auch ge­setzlich geschützt würden. Im Auditorium sah man nur Riesenhüte, Töpfe und Fesselröcke, an deren Bewegungen man die Erregung der dar­unter verborgenen Frauen erkennen konnte. Die Aufregung war aber umsonst: Fräulein riedak wurde schmählich abgewiesen, ihrgeisti­ges Eigentum" wurde vom ungalanten Richter nicht geschätzt und nicht geschützt, und die Kon- kurrenttn, die jubelnd und hocherhobenen Haup­tes den Saal verließ, erfreut sich trotz des Plagiates noch ihrer Freiheit. Der letzte Blick der Fedak für die Frevlerin war mindestens Dolchstoß . . . -or-

Re Politik der Tages.

Re-jahr am «aiferhos.

(Telegramm unseres Berliner Bureaus.)

Die gestrige offizielle Reujahrsfeier am Kaiserhof erfolgte in der bekannten tradi­tionellen Form. Um 8 Uhr blies das Trom­peterkorps der Gardekürassiere von der Galerie der Schloßkapelle einen Choral und unmittel­bar darauf begann das große Wecken, das um 9 Uhr mit dem Vortrag des Tedeum auf dem Schloßhofe endete. Der Kaiser und die Kaiserin trafen um 9XA Uhr mit dem Auto­mobil aus Potsdam im königlichen Schlosse ein, und bald daraus erfolgte die Anfahrt der Prinzen und Fürstlichkeiten. In der Schwarzen Adlerkammer nahm das Kaiserpaar die Glück­wünsche des königlichen Hauses und um 9% Uhr im Kapitelsaal diejenigen der Hofstaaten entgegen. Um 10 Uhr begann in der Schloß­kapelle der feierliche Gottesdienst, zu dem auch die neuernannten Generalfeldmar- s ch ä l l e Graf von Schliessen, von Bock und Polach und Freiherr von der Goltz erschienen waren.

Im Weißen Saale fand darauf die Gra­tulationscour statt. Ud 12/2 Uhr begab sich der Kaiser mit den anwesenden Prinzen zu Fuß nach dem Zeughause, vor dem eine Ehrenkom- pagnie mit Fahne und Musik Aufstellung ge­nommen hatte. Im Zeughause erfolgte die Paroleausgabe, die Nagelung mehrerer Fahnen und Ansprache an die Generäle. Nach­mittags fuhr der Kaiser bei den Botschaftern vor. Anläßlich der Neujahrsfeier hat der Kaiser die Generalobersten Graf von Schlieffen, von Bock und Polach und Freiherr von der Goltz zu General- seldmarschallen ernannt. Den General­obersten von Lindeguist und von Ples-

______Dienstag, den 3. Januar 1911, einen eingeschriebenen Brief m Moskau erhalten, und dessen ernster Inhalt sei schließlich der Anlaß zu der Katastrovhe geweien. Die Wohnung wurde polizeilich geschlossen. Fuchs sowohl wie seine Braut die zweiunddreißigjährige Russin Vera K to e y e r, waren sofort tot.

. waren in der letzten Zeit wie-

"bgehalten worden und cn ^wahrscheinlich, daß der Selbstmord des Brautpaares mit politischen Motiven in Zusammenhang zu bringen ist.

Tine Berliner Sylvester-Tragödie.

(Eigene Drahtmeldung.)

Aus Berlin wird uns depeschiert: Wäh­rend einer fröhlichen Sylvesterfeier vergif­tete sich in der Niebuhrstraße in Charlotten- burfl in Gegenwart zahlreicher Gäste die Braut des Ingenieurs Richard Fuchs.

Verzweifelt stürzte sich darauf der Bräu­tigam, als alle ärztlichen Bemühungen an seiner Braut vergeblich waren, vom vierten Stockwerk auf die Straße hinab. Der.In­genieur sowie feine Braut,, die beide aus Rußland stammen, sollen, wie von anderer Seite gemeldet wird, bei der p 0 l i t i s ch e n Polizei nicht im besten Rufe gestanden haben und ständig bewacht worden sein. Arn Nachmittag des Sylvestertages hatte Fuchs ................ ............ .....