1. Jahrgang.
Nummer 24.
MckrNeursle
hessische pbeniueitung
Lasseier WmLMung
Sonntag, den 1. Januar.
Fernsprecher 951 und 952.
Fernsprecher 951 tmb 952.
An des Jahres Wende
die
weise geschriebenen, und in der neuen Rund-tion der Jokobiner werde vielleicht iu S tra-
freundliche Fügung, auf der Vorsehung bringende Hand, und auf das Walten Mächte, die schützend übers Erdrund Hände breiten, und auch in der kalten des Verweltlichten flammt ein Strahl
glück- jener ihre
Seele jenes
Abgrundspalt der Jahreswende immer ein Moment glücklichen Sichselbst-Erinnerns und stiller Einkehr für uns sein.
Neunzehnhundertzehn war ein Jahr der Trauer und der Katastrophen, wenn auch die
®te ,S«ffder Neueste Nachricht»' erscheine» wSchenllich sechsmal. Btl auf weiteres werden die .Neueste Nachricht«" allen itamtöen in raffel völlig kostenlo« geliefert. Druckerei, «erlag n. Redalttom Schlachttzosstratze 28/90. Berliner Vertretung; SW, Frtedrtchstratze 16, Telephon-. Amt Vl. 676.
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der ihnen Stab und Stütze ist von Kindheittagen an bis zum Greisengrab. In der Silvesternacht wird in den Seelen lebendig, was sonst tief verborgen im Menschenherzen schlummert: Die Hoffnung auf des Schicksals
nehmen, möge die Zukunst erfüllen, was Vergangenheit ihnen düster versagte:
Glück und Friede in allen Tagen!
Empstndens auf, das die Menschheit schon in ihren Unschuldtagen zur Verehrung des götflich Großen, ewig Ungekannten drängte. Ihnen allen, die heut vom toten Jahre Abschied
schau „Stoma el Oriente- veröffentlichten Artikeln enthalten sind, dem helligen Vater die Gefühle feiner vollen, unbedingte» Anhänglichkeit an die Glaubenssätze, die die katholische Kirche lehrt und bekennt, erneuerte.
Die „Affäre- ist damit also zum Abschluß gekommen und man darf hoffen, daß sich nun allmählich auch die „kochende Vollsseele- in Sachsen beruhigen wird. Denn am Kern der Dinge ist ja nichts mehr zu ändern.
deutschen Lande vom Arm des Schicksals glücklich verschont blieben und das Unglück am dreifarbenen Grenzpfahl zögerte. So mancher Tag im sterbenden Jahr versank in einem Meer von Leidestränen, und manche Stunde ward für Tausende auf dem Erdrund zum Augenblick schwerer Heimsuchung, in der der Menschheit Schwäche vor der Gewalt höherer Macht staftlos im Staub zusammensank. Der Moment, der uns über den Scheideweg ins neue Jahr hinübergeleitet, wird deshalb auch die Herzen nicht mit Trauer erfüllen, sondern sie in der Hoffnung stärken, daß die Zukunst lichter und sonniger aus die Kümmernisse der Erde herabsstahlen möge. Wir, die wir dem Schicksal der Vorsehung schutzlos preisgegeben sind, haben ja nur dieses eine Hoffen, diese eine Sehnsucht, die uns durch die Fährnisse des Daseinskampfs hindurchträgt und uns ahnen läßt, wie Menschenohnmacht dem Ewigen und Unwandelbaren untertan ist. Glücklich Die, die den Tag der Jahreswende verleben tote jeden andern Tag im Erdenjahr: In der sichern Zuversicht auf der Allmacht weise Güte und die fürsorgliche Führung alles menschlichen Geschicks durch eine starke, welt- beherrschende Hand. Ihnen schlägt nicht die Stunde mitternächtigen Bangens, ihnen graut nicht vorm Blick ins dunflc Schleiermeer der Zukunft, denn ihre Seele wird getragen von der Zuversicht aus den Schutz, den sie im göttlichen Walten überm Erdgeschick erblicken und
Note:
Wir toiffen, daß Prinz Max von Sachsen, der am gestrigen Tag unsere Stadt verlassen hat, eine ausführliche Erklärung unterzeichnet hat, in der er unter offener Anerkennung der Irrtümer, die in den von ihm unbedachtsamer-
Am Scheideweg.
In des alten Jahres letzter Stunde.
Der Winter zieht durchs Land, streut E i s und Schnee auf die schlummernde Erde und weckt in der Menschen Herzen die Sehnsucht nach des Frühlings lachender Helle, nach Sonnenglück und Blumenpracht. Und während der eisige Nord heulend durch die Sstaßen fährt und wild übers kahle Blachfeld braust, träumt drinnen am traulichen Herd die Sehnsucht von des nahenden Lenzen Tagen. In der Stunde der Mitternacht aber, da das alte Jahr im Zeitenmeer versinkt und jubelnder Glocken Klang der Menschheit eines neuen Jahres strahlend Morgenrot kündet, durchzittert auch das stärkste Herz die bange Frage: Was wird an Frohem und Düsterm, an Gram und Glück, an Bösem und Gutem die Zukunst bringen? Und das neue Jahr, das mit hellem Jubel seinen Einzug hält, begrüßt vom Bangen und Hoffen von Millionen Seelen, rauscht vorüber, ohne der Zukunst Raffel zu entschleiern. Zwölf kurze Monde später: Und abermals werden in der letzten Mitternachtsstunde die Sterblichen mit bangendem Blick ins Dunkel zukünftigen Geschehens schauen und abermals von jener unsichtbaren und doch so gewalttgen Macht, die Erd und Himmel lenst, Glück und Frieden erflehen. Es ist die Tragik im Dasein alles Menschlichen, daß die nächste Stunde der Zukunft vorm Blick der Gegenwart düster und verschleiett liegt und kein Äug' der Vorsehung geheimnisvolle Wege je zu ergründen vermag. Em Empfinden ohnmächtiger Aermlichkeit bedrückt die Seel eangesichts des Zufallsviels, das den König der Erde und den Bettler im Staube dem Schicksal der Minute preisgibt, ohne daß sein Arm des Schicksals Tücken wehren kann. Aus diesem Empfinden heraus gebar der Menschheit Sehnen Religion und Gottesglauben, und immer noch, wenn Menschenschwäche unter harter Schicksalsfaust tat Staub zusammenbrach, rettete sich der Hoffnung letztes Regen auf jenes Sehnsuchts-EUand im brandenden Schicksalsmeer, daS allen Sterblichen tief tat Seelen» Innern ruht: Die Hoffnung auf ein schönres Einst und das Verstauen auf der Zukunst freundlichere Tage. Der Atheist und der im Glauben Starke: Sie alle zehren vom Hoffen, und an beider Grabe blüht noch die Hoffnung aus kalter Erde.
Zwölf dumpfe Glockenllänge in dunkler Winternacht: Abschied von einer Spanne Zeit und Dasein, die uns Glück und Leid, stohe und düstere Tage brachte, und die wir nun über» wunden haben: sei's im Rausch der Freude, sei's im Gewand der Trauer. Durch die Welt rauscht Gläserflang und Jubelgrutz, und die Menschheit ist eins tat gemeinsamen Hoffen auf der Zukunft goldne Tage, wenn auch tief tat Herzen das Bangen vorm Dunkel kommender Tage den Jubel dämpft. So toar’8 vor Jahrtausenden, so wird's bleiben, so lang am Scheideweg der Jahre Menschenhoffen und Menschensehnen Herzen und Seelen erfüllen. Was in den vergangenen dreihunderffünfund- fechzig Tagen auch an Herbem und Grämendem uns bedrückte: Nun, da dem alten Jahr die Abschiedsglocken läuten, ists vergessen, und der Täuschungsgedanke eines JahrabschnittS. den wir doch nur auf dünner Papiergrundlage als rechnerisches Faktum aufgebaut sehen, wirst Wunder. Das Leid ist vergeßen, bie Freude verrauscht, und die Seele wird beherrscht von der starken Hosfnungskraft des jungen Tags im neuen Jahr. Schon die Alten hielten's so, und wenn auch ihre Wünsche und ihr Hoffen anders waren als heut, und ihr Sehnen nicht von der Kultursonne des zwanzigsten Säku- lums beherrscht und erwärmt ward: Das Empfinden war das gleiche wie in unfern Tagen, die Hoffnung geleitete auch damals den Sterblichen mit leichter Hand hinüber ins Zukunststal, und die Seele klammerte sich einst wie heut tat Bangen um des Schicksals dunkle Wege an das Hoffen, das den Weg zum Grabe mit stillen Blumen säumt. Sollten wir, die Menschen der „Kultur-Epoche-, es anders tun? Bei Gläserttang und Böllerschuß das Tief- Innerliche, das Shmbolistische des Scheidewegs der Jahre üb-rlärmen und mit kühlem Blick die Romantik der letzten Jahresstunde belächeln? Es wäre kein Gewinn, denn Das, was in der Menschenseele an Empfinden und Sehnsucht schlummert, ist lauteres Gold gegenüber der platten Alltäglichkeit profaner Weltbetrachtung, deren dünne Kulturtünche die Aermlichkeit des „Systems- nur schwach verdeckt. Bleiben wir die „Roman- ttker- mit dem warmen Herzen und der Träumerseele: Tann wird der Blick über den
Rach dem tzanoffa-Sang.
Des Sachsenprinzen Heimkehr aus Rom.
Depeschen aus Rom zufolge wurde Prinz Max von Sachsen kurz vor seiner Abreise nach Freiburg in der Schweiz nochmals (vom Dominikanergeneral Pater Cormier begleitet) vom Papst in einer dritten Audienz empfangen. Inzwischen veröffentlicht der vatilan-osiziöse „Osiervatore- folgende
Rem Stürme m Sicht?
Die Unruhen in Portugal. (Telegraphische Meldungen.) Wenig Monde erst hat das republikanische Regime in Portugal überdauert, und schon wieder kommt aus ' dem Braganza-Lande die Kunde von drohenden neuen Stürmen. Es scheint, daß die republikanische Regierung zu schwach ist, um den Umtrieben der royalistt- scheu Elemente auf die Dauer erfolgreich Widerstand entgegensetzen zu können, und so ist denn leider mit der Wahrscheinlichkeit zu rechnen, daß das im Laufe der letzten Jahre so schwer heimgesuchie Land am Vorabend neuer folgenschwerer Ereignisse steht. Wir erhalten über die augenblickliche Situatton folgende Drahtnachrichten:
Madrid, 31. Dezember.
Wie hier verlautet, soll sich die portugiesische Regierung nicht dazu entschließen können, Neuwahlen stattfinden zu lasten, weil sie nicht auf die republikanische Gesinnung in der Provinz rechnen könne. Die Republik hat ihre Hauptanhänger in Listabon und einigen anderen Städten. Die A u S» stände mehren sich, und die Arbeiter lassen die Vorschläge der Regierung unbeachtet. In den Universitäten und Schulen herffcht Disziplinlosigkeit. Bei der Marine zählt die Regierung nur noch wenige Anhänger. Sämtliche Kriegsschiffe, mit Ausnahme des „Dom Carlos-, sind aus dem Tajo entfernt worden. Auch in der Marine ist Disziplinlosigkeit an der Tagesordnung. Kein Offizier will ein Kommando übernehmen, es finden keine Flottenübungen mehr statt, und die Manöver erfolgen mit größter Nachlässigkeit. Ebenso herrschen in der Armee ähnliche Zustände; es haben bereits mehrere Fälle von Meuterei stattgefunden. Die Soldaten verlangen eine Aufbesserung ihres SoldeS sowie bessere Bekösttgung. Auch in Handelskreisen wird geklagt, da der GeschästSverkehr vielfachen Störungen unter« warfen ist. Die Geschäftsleute sind gegen die jetzige Regierung ebenfalls sehr aufgebracht. Vor einigen Tagen wurde gemeldet, daß zwischen König Manuel und in London wellenden Royalisten geheime Verhandlungen stattgefunden hätten, die sich über fünf Tage erstreckten und des entthronten Königs ganze Zeit in Anspruch nahmen. Natürlich bringt man jetzt diese Verhandlungen mit dem AuSbruch neuer Unruhen in Lissabon in Verbindung. Fast sämtliche Mitglieder des ehemaligen diplo- matischen Korps von Portugal gehören zu den Anhängern des Königs, und es ist bekannt, daß sie in eifrigem Briefwechsel mit den Royalisten in Lissabon standen. Die Regierung soll dieser Gegenrevulution nicht gewachsen fein.
Ein Privat-Telegramm meldet uns ferner aus London: Die portugiesische Gesandffchast tellt offiziell mit, die Gerüchte von einem drohenden Aufstand in Portugal, die in London verbreitet worden seien, hätten ihren Grund allein in der Verhaftung eines Mannes in Lissabon, der dort dieselben Gerüchte verbreitete. Irgend eine royalistische Bewegung fei aber momentan unwahrscheinlich. Man gebe jedoch in portugiesischen Kreisen zu, daß die Lage in Portugal sich immer schwieriger gestalte.
AuS Paris wird uns depeschiert: Zwei der Lissaboner Finanzwelt angehörende, hier eingettoffene Persönlichkeiten, die mit der provisorischen Reoierung Fühlung haben, der- leidigen die Minister gegen den vielfach gehörten Vorwurf des Nepotismus bei der Besetzung wichtiger Stellen in der Zivil- unb Militärverwaltung. Es fei begreiflich, daß bie Regierung derzeit auf veranttvörtliche Posten nur Männer ihres unbedingten Vertraue ns stellen könne, da in allen Ecken der Verrat lauere. Die Agita-
Mgtt mit müden Flügelschlägen Rauscht ein Engel durch die Sacht: Doch mit munterm Schwingenreoen Lieht ein andrer schon aus Wacht: Wo sich heut nnd morgen scheiden Lei der Sterne Silberlicht, Lrrffrn grüstend sich die beiden. And der Schlummertrunkne spricht: „Sri gegrüstt Du hrimatbote. Der Sn mir Erlösung bringst, And noch vor dem Morgenröte Sich hinab ?ur Erde schwingst. Froh Willkommen hörst Du schallen, Glockenklang und Srcherlust: Senn, ach. den Millionen allen Lodern Wünsche in der Srust!
Wünsche, mir auch einst bekundet: Strrbrrunrast, Gier nach Gold!
Glaube, eh' Sein ssahr sich rundet. Wird als harthrr; Sir gegrollt. Sie Sir hosianna sangen, Luu Sich bald in Bann und Acht, Senn der Selbstsucht Glücksverlangrn fordert restlos Seine Macht!
Aber neben jenen Drängern Schlägt auch manch bescheiden her;: hier, rin Leden ni verlängern, Lenkt rin Slick sich himmelwärts; Sott, dir harte Müh' ju krönrn, Singt ein Meister ohne Suh;
And dem Wahren, Guten, Schönen, Strebt manch Wunsch der Besten;u!
Sir last nicht vergeblich stehrn: Segne ihrer Lrästr Spiel, Lenk' mit günsfger Winde Wehm Vorwärts ihres SchiPrins kiel! And ihr Dank wird Dich geleiten Surch der Monde stüchfgm Lauf Treu in lichte heimatmriten! . . . horch!. Sie Stunde schlägt!. Glückauf!
filnrin ßömrr.
Die Regierung dementiert!
„3m ganzen Land herrscht Ruhe!" (Privat-Telegramm.)