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Casseler Mueste Machrichten

Erster Jahrgang.

17)

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betragen. Wir teilen dies schon heute mit, da man auf verschiedenen Seiten bestrebt ist, falsche Mitteilungen über unseren späteren Abonnementspreis zu verbreiten.

auch über den 1. Januar hinaus völlig kostenlos in Caffel verbreitet werden.

Infolge zahlreicher Anfragen aus allen Kreisen der Bewohnerschaft der Stadt machen wir darauf auf­merksam, daß die „Casseler Neueste Nachrichten"

Der Beginn des Abonnements wird noch bekannt gegeben. Der Abonnementspreis wird späterhin

Verlag der

Casseler Neueste Nachrichten

daß er aus dem Jungen einen Mann werden ließ, der Tag kam ja im Leben fast eines jeden, an welchem der erste Schleier fiel, an dem die Einsicht kam, an dem man bekennen mußte: Ist ,irgend was gewalt'ger als das Schicksal, so ist's der Mut, der's unerschüttert trägt. Gnade Gott denen, die das Schicksal aus dem Sattel warf! Wieviele brachen dabei das Ge­nick »der lagen auf dem Pflaster des Lebens, — für immerdar! —

Vor seiner Abreise ging der Oberamtmann zu Heinz' Batteriechef und sagte ihm die volle

Zer Liebe Rot.

Von Horst Bodemer.

(Nachdruck verboten.)

Herbart die Braut eines anderen! Er hätte kein Mensch von Fleisch und Blut sein müsien, wenn ihm das nickt furchtbar nahe gegangen wäre. Der Vater las im Herzen seines Sohnes, er hatte Angst um ihn und schob den Tag der Abreise immer wieder hinaus.

Er schlief auf der Chaiselongue in Hein,' Wohnung; der bot ihm das Bett an.

„Nein, mein Innge, du bist jetzt krank, deine Nerven sind kaput, — begreiflicherweise, da be- darfst du aller Bequemlichkeiten, leg' dich nur in deine Klappe, ich liege hier sehr flirt!*

^a, das sage ich dir, weil du kein Kind mehr bist, aber wie ich sehe, noch lange kein Mann. Denkst du vielleicht, Mutting und ich haben keine Konzessionen an das Leben machen müssen?*

.Natürlich, — aber was ihr gekonnt habt, können wir auch!*

.Himmelkreuzdonnerwetter, Heinz! Ich bi» kein Wortklauber, du stehst vor einer vollendeten Tattache, Fräulein Herbatt hat sich verlobt, du hast als Mann die Folgen daraus zu ziehen und sie in Ruhe zu lassen und damit Punktum!*

.Verlobt ist noch lange nicht verheiratet!*

Willst du sie vielleicht dem Oberstleutnant Magen, mein Junge?* _

.Ja, das will ich!*

.Und das arme Mädel, die nun glücklich einen Halt gewonnen, kreuzunglücklich machen, das tut ein Schuft, aber kein Mann!*

.Denkst du vielleicht, sie wird an der Sette des Obcrstleutzrants glücklich?*

.Ja, das denke ich, denn er ist vor ein paar Tagen bei uns gewesen, und ich habe ihn noch zehnmal höher schätzen gelernt, als wie ichs schon tat, denn der Mann besitzt Herzenstakt, der dir, Gott sei's geklagt, zu fehlen scheint!*

.Sehr freundlich, lieber Vater!*

.Ich bin nicht hier, um dir um den Batt zu gehen, sondern dir Raison beiZubringen, und ich hab' Wohl als dein Vater ein Recht dazu, zu verlanflen. daß du nicht erbärmlich, sondern vornehm handelst. Daß ich dich schwer ver­wunden mußte, hab' ich vorher gewußt und wie schwer das einem Vater wird, kannst du gar nicht ermessen, mein Junge, aber ich habe vor Gott und den Menschen die verfluchte Pflicht und Schuldigkeit, meine Hände über mein eigen Fleisch und Blut zu halten, Heinz*, — Tränen schimmerten in den Augen des Oberamtmanns, — .mach nicht Mutttng und mich unglücklich fürs ganze Leben!*

Das war zu viel für den jungen Offizier! Wie er den Vater fo vor sich stehen fah, der mit den statten Fäusten das Naß aus seinen Augen wischte, brach er auf dem nächsten Stuhl zu­sammen. Sorte fand er nicht gleich. Der Oberamtmann war ans Fenster getreten und sah hinaus, er, der sturmerprobte Mann wollte seinem Jungen die Tränen nicht zeigen, die ihm über die Wangen in den langen Vollbatt ran­nen. Stürmisch hob und senkte sich seine breite Brust, Heinz hörte, wie sein Atem flog, er blickte hin, der ganze große Mann schien zu zittern, er, der selbst beim ärgsten Hagelwetter die Ruhe nicht einen Augenblick verloren, sondern nur die Kappe vom Kopf gezogen und gesagt: .Herr, Dein Wille geschehe!*

Da stand er auf, trat auf den Vater zu, um= schlang ihn von hinten, als wollte er sich an ihm festhalten und sagte:

„So schwer wie mir's wird, um Muttings- mtb deinetwillen werde ich versuchen mit mir fettig zu werden!*

Rasch dreht sich der Vater um und sieht seinem Sohn zweifelnd in die Augen und als er in das junge, gramzerriffene Gesicht seines Jungen blickt, nimmt er ihn an seine breite Brust, kein Wort kann er vor Rührung sprechen.

.Bleib' noch ein oder zwei Tage bei mir, Vater.* sagt endlich Heinz.

Gern, mein Junge, so lange du willst, ich bin nicht nur dein Vater, sondern auch dem bester Freund!*

Mit feuchten Augen nickt ihm der Sohn zu.

.Und nickt wahr. Heinz, du wirst ohne Bit­terkeit an Fräulein Herbatt denken?*

„Wenigstens versuchen will ichs!

„Sie bat's um dich verdient,* erwidert der Vater ernst, fast feierlich.

XIII.

Der Oberamtmann blieb noch mehrere Tage bei Heinz. Dessen Batteriechef setzte ihm während dieier Zeit nur wenig Dienst an, so daß der junge Offizier fast immer mit seinem Vater zusammen sein konnte. Und das war gut so. denn Heinz litt unsagbar schwer! Klara

Trotz aller Bitten war der Vater nicht zu bewegen, das Nachtlager mit Heinz zu tauschen.

Der lag meistens wach in seinem Bette, er­regt arbeiteten seine Gedanken. Bin ich denn ein Irrer oder ein Kranker, sragte er sich, daß ich des Wärters bedarf? Oder ein Gefangener, auf den man aufpaffen muß. daß er nicht ent­wischt? Und wenn er dann ruhiger wurde, sagte er sich: der gute Vater hat Angst, daß ich mir ein Leid's antun könnte oder sonst eine Dummheit begehe; so nötig er in Wernsdorf ist, er wird hier bleiben bis sich mein erregter Zu­stand gebeffert. Wie hatten den Vater seine Rede erschüttert, als er im jugendlichenUngestüm nicht einwilligen wollte, Klara Herbatt aufzu­geben! Geweint und geschluchzt hatte er wie ein Kind. Da zwang die Sohnesliebe seine Nerven zur Ruhe, um der Eltern willen wollte er den hatten Kampf siegreich bestehen, arbeiten bis zum Zusammenbruch, vielleicht gab es dann sür ihn eine neue Auserstehung, vielleicht, — aber er glaubte nicht daran. Und der Vater sah das Ringen seines Sohnes und dantte Gott.

: monatlich :

SO W. frei ins Inns

Wahrheit. Er schloß dann mtt den Wotten: .Bitte, nehmen Sie sich meines Jungen an, er ringt ehrlich mit sich selbst, und wollen Sie das Maß Ihrer Güte voll machen, so nehmen Sie ihn manchmal an den langen Winter­abenden bei sich auf. der Verkehr mit edlen Frauen kann da am meisten tun und — rühren Sie nicht an seiner Wunde!*

Der Hauptmann versprach es gern, er hatte seinen Leutnant lieb gewonnen, schätzte seinen Pflichteifer, seine Tüchtigkeit. Er redete mit seinen Freunden vertraulich über Heinz, auch mit dem Abteilungs- und Regimentskomman­deur und dieser wieder gab seinem Adjutanten, dem Oberleutnant von Harrhhausen, Befehl, unauffällig über den Leutnant Rühling zu wachen. —

7 -V. * . «

Wesentlich beruhigt reiste der Oberamt­mann ab. Sein Junge erfreute sich im Regi­ment eines guten Rufs und seine Vorgesetzten

Beilage.

Sonnabend, 31. Dezember 1910.

hielten die Hände über ihn, damit er nicht. Schiffbruch leiden würde. —

In Frankfurt besuchte er noch einmal seinen Freund Reuter. Der lag apathisch in seinen Kiffen und nur ein flüchtiges Lächeln, zeigte an, daß er seinen allen Freund Rühling ettannte.

.Wenn doch nur bald das Ende käme, das ist ja furchtbar mitanzusehen*. meinte der Ober- auttmann zu Doktor Vogel.

Der zuckte die Achseln.

„Bester wäre es für unfern Freund, es käme bald, — aber er hat sein Lebtag solide gelebt, er besitzt große Widerstandskraft, ein halbes Jahr kann's immer noch dauern- bis Freund Hein kommt!*

.Entsetzlich*, stöhnte Herr Rühling, .ent­setzlich !"

Ganz unvermittelt fragte der Arzt:

»Wie geht es Ihrem Herrn Sohn?*

.Danke, danke, der Junge war etwas aus dem Geleise gekommen, aber jetzt ist anscheinend alles wieder in Ordnung!*

„Hm!*

.Wie meinen Sie?*

.Nichts weiter, ich freue mich, daß er ver­nünftig ist und Watten kann!*

.Watten? — Ach so, — ja, — er kann" Watten, natürlich kann er Watten, — warum soll er's nicht können?*

.Mein' ich auch!*

Aber der Oberamtmann und der Arzt hatten sich nicht verstanden!*

Heinz war ruhiger geworden, seine Rer- vosität wich einer finsteren Entschlossenheit. Niemand hötte mehr sein fröhliches Lachen. Im Offiziercorps sprach sich's herum: Heinz Rühling hat Herzensnot, aber, — nichts Ge- naues weiß man nicht. Und man war so takt­voll, nicht daran zu rühren, dafür sorgte der Regimentsadjutant. Wenn Heinz gleich nach Tisch, es wurde im Winter erft um sechs Uhr gegcffen, aufbrechen wollte, sordette man ihn auf, einen Skat mitzuspielen oder es wurde ver­sucht, durch ein anregendes, ihn besonders inter- estierendes Gespräch ihn zum Bleiben zu be­wegen. Bald durchschaute auch Rühling sein« Kameraden, aber er war ihnen dankbar, daß sie nie indiskret wurden, sondern ihm beistanden auf ihre Art. Der gute Wille zeugte endlich auch die gute Tat, Heinz sing an, sich wieder im Kasino wohl zu fühlen, er blieb gern mtt de« Freunden zusammen, denn noch immer fürchtete er sich vor dem Alleinsein.

Ost nahm ihn sein Battetteches vertraulich unterm Arm.

.Wollen Sie nicht heute abend Ihr Butter­brot bei uns essen, meine Fran würde sich Wittlich freuen? !*

Dankbar nahm Heinz stets an. und so freundlich waren auch sein Abteilungskomman- denr und der Oberst zu ihm. Da lernte er er- • keimen, welcher Segen in einer treuen Kame- radschast ruht, die außerdienstlich keine Un- tettchtede kannte, die das gemeinsame Interesse band, im gleichen Rock des Kaisers Majestät, und dem Vaterlande zu dienen, in unerschütter­licher Treue, — auch füreinander. ,

Als der Oberamtmann nach Wernsdott zu- rückkehtte, eilten ihm seine Frau und Klara Herbatt entgegen.

.Nun?*

Er strich sich über seinen langen Vollbatt.

.Es war ein schweres Stück Arbeit, aber ich denke, der Junge ist über den Berg!*

Klara Herbatt's Augen wurden feucht, be­gütigend klopfte sie der Oberamtmann auf die Schulter.

„Ja, ja, — was hilft das alles? Stark sein im Leben bleibt die Hauptsache, wie hatt das ist, weiß ich wohl; er ringt ehrlich, tun Sie das auch, Fräulein Herbatt; dann kommt doch eines Tages die Stunde, in der sie ohne Bit­ternis an diese Zeit denken können und glauben Sie nur nicht, Ihnen beiden geht es aus Gottes Well allein so!*

(Fortsetzung folgt.)

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