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.Heinz, versetz' dich doch mal in die Lage dieses armen Mädchens, ihr bietet sich eine ge­sicherte, wahrscheinlich glänzende Zukunft an der Seite des Oberstleutnants, bei ruhiger

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der Seite des Oberstleutnants, bei ruhig, Ueberlcguna wirst du dir selbst sagen muffe . sie tut recht daran, wenn sie sich von Herrn von Sommern durchs Leben führen läßt, denn mein Junge, 's ist eine fcköne Sache um den Idealis­mus, wir Deutfche haben eine reichliche Portion zu viel davon im Leibe, aber fatt wird man nicht davon, und der Alltag ist keine, Poesie, sondern verdammte Prosa, glaub' es mit!"

Und das sagst du mir, du, der Mutter so glücklich gemacht!"

(Fortsetzung folgt.)

Set Liebe Rot.

16' Von Horst Bademer.

(Nachdruck Verbote«.)

Und die Kameraden fragen sich:

Was hat nur der brave Heinz Rühling?" 'Sorgen", meint einer und ein anderer toft: „M Quatsch, der gute Kerl rst verliebt! Und ein dritter, älterer, der RegimentsadlUtant. warnt ernst: „Herrschaften, Herrschaften, stoßt «üblina nicht vor den Kopp, wenn ihm die Krankheit seines Onkels so nahe geht, so wird das seine guten Gründe haben, an solche Ge- ftihle gar in oberflächlicher Weise zu rühren, wäre tattlos, warten wir also ab und geben wir uns untereinander das Wort, dem flirten ßeins Rühling unsere Kameradschaft und An­teilnahme dadurch zu beweisen, daß wir nicht mit überflüssigen Fragen in fernem Herzen rum-

hielt Wort, erkundigte sich nach dem Befinden des Herrn Reuter und als man horte, ä wollte und wollte nicht besser gehen, weder leben noch sterben konnte er, da bedauerte man Heinz Rühling aufrichtigen Herzens. —

53 Jeden Sonntag morgen traf von Straß- bura ein Brief in Wernsdorf ein, und am Nach­mittag pflegten die Eltern Heinz gemeinsam zu ""^ie^letzten Nachrichten von Seiten des Sohnes waren kühl gewesen, er hatte! fast nur von Onkel Reuter geschrieben und gebeten, man möchte ihm Nachricht geben, wie cs Fraulein Herbart gehe und sie von ihm gruben- Und die sandten ihm wieder Gruße und.schrieben, daß es ihnen allen recht gut gehe, Fraulein Herbart auch nach und nach ihre Ruhe wieder erlange, er solle es machen wie sie, arbeiten von früh bis abends und seinen Gedanken recht wenig Audienz aeben für alles wasWernsdorf betreffe.

Von dem Briefe an den Oberstleutnant von Sommern, von dessen Kommen, teilten sie ihm aber nichts mit. —

* * *

Eines Nachmittags, Heinz stand mit Leut­nant Menken bei den Rekruten, kam fern Bursche und meldete ihm: ___

Der Herr Oberamtmann Ruhling wartet in der Wohnung. Ich habe den Herrn Leut­

gar nicht wahr sein, pfui, wie kannst du mti so etwas sagen, ich kenne sie besser, zu solcher Schurkerei ist meine Kläre nicht fähig, sag' ihr. was ich dir gesagt habe und füg hinzu: Kurz und klein schlüg ich jeden, der mir mein Edelreis nehmen will, — kurz und klein. Und was mir bis heute dumpf im Kopfe lag. dieser Nebel, dieses Wollen und nicht Können, ist raus. Vater, ganz raus und jetzt setz ich mich auf der Stelle hin und schreibe mein Abschiedsgesuch und soll ich Holz backen oder Steine klopfen für meine Kläre, ichtu's; Arbeit schändet nicht. Sreh dir die Arme an, die können zugreifen, jag mich runter von Wernsdorf, wenn ich am Hoftor um Einlaß bitte, — immerzu, aber gib mir meine Kläre heraus, — meine Kläre!"

Er hatte den Vater bei den Schultern et­il riffelt und schüttelte ihn hin und her, als wollte er ihm beweisen, daß er Kraft genug besaß, um den Kampf mit betn Schicksal auf­zunehmen. ,

.Junge, so fei doch vernünftig!"

.Ist das unvernünftig, Vater, wenn ein Mann seine Zukunft sich allein zurecht zimmern will wenn er bei seinen Angehörigen kern Ver- ständnis findet?"

.Darüber wollen wir jetzt nicht streiten, du stehst vor der Tatsgche, daß sich Fräulein Her- bart verlobt hat!"

„Ich habe aus deinem Munde noch nie­mals eine Lüge vernommen, Vater, jetzt aber glaube ich dir nicht, du willst mich nur auf bte Ptobe stellen, dazu kenne ich meine Kläre zu gut, solcher Handlungsweise, solchen Verrats an mir ist sie unfähig!"

.Bist du nur rüber gekommen von Frank­furt, um mich zu sehen, Vater, oder hat es auch noch andere Gründet Fch weiß nicht, ich hab' in der letzten Zeit öfters eine namenlose Angst gehabt, als bräche irgend ein noch viel größeres Unglück, wie mich schon betroffen, herein!",,

, .Wenn du blos nicht fo aufgeregt wärest, $Cin$a sprang der junge Offizier auf und fchrie feinen Vater an:

.Also hab' ich doch das richtige Gefühl ge­habt, — also doch! — Raus mit der Sprache, Vater, wahnsinnig werd' ich ja, wenn ich noch länger auf der Folter liege!"

Der Oberamtmann mutzte, fo unsagbar schwer es ihm wurde, nun Farbe bekennen.

.Du bist fünfundzwanzig Jahre, Heinz, und mußt einsehen, daß man mit ho,otoho nicht allein durch die Welt kommt und wenn ich. dtt jetzt weh tun muß. so glaub's mir. ich empfinde mit dir und vor allem uns' gute Muttmg. aber bas Leben ist nun mal kein Ktnbetsptel!"

„Zur Sache. Vater, zur Sache," unterbrach ihn Heinz erregt. „ . ,. ,.

.Ja. mein Junge, — also du mußt btt Fräulein Herbart aus bem Kopf schlagen!"

Heinz sprang auf.

.Gut gesagt, wenn's nur so leicht ginge, „btt mußt" ist flirt,"aber ich komme nicht drüber weg, was hilft bas alles!"

Der Oberamtmann würbe grob.

„Bist bu benn ein altes Waschweib ober ein junget, energischer Offizier? Vor bit liegt noch ’ne lange Zukunft, das Schicksal stellt uns alle auf bie Mensur, mehr wie einmal, und gleich auf ben ersten Hieb, ben bu versetzt bekommst, klappst bu zusammen wie etn Taschenmesser, schämen solltest bu dich!"

„So versetz mit doch ben Hieb, Vater, unb guäl mich nicht länger, lange Prebigt macht mich ja vollkommen verrückt!" L ,

Der Oberamtmann ftanb auf und legte seinem Sohne die Hand auf die Schulter. ,

Fräulein Herbart läßt dich schön grüßen, bittet dich, ihr nicht böse zu sein,.und — hm — ich soll dir sagen, daß sic sich mit bem Oberst­leutnant von Sommern verlobt hat!

„Vater", ber junge Offizier taumelte gegen bie Wand unb brach in eilt Gelachter aus, als wäre er irre geworben. „Das ist ja nicht wahr, du willst mich nur auf die Probe stellen, s kann

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nant schon überall gesucht, Herr Oberamtmann ist schon mindestens ^wei Stunden da!"

Sofort begab sich Heinz nach Hause, da mutzte ein Unglück geschehen sein! War Onkel Reuter gestorben? Nein da hätte er ein Tele­gramm aus Frankfurt erhalten, gewiß handelte es sich um Klara Herbart! Unb eine traurige Nachricht mußte es sein, sonst hätte sein Vater sicher nicht die weite kostspielige Reise unter­nommen. Wie gehetzt lief er nach feiner Woh­nung in der Nähe der Münstergasse.

Zeh« Minuten fpäter stand er feinem Vater gegenüber. . , „o,

„Um Hirnmelswillen, was ist denn los?

Dem Oberamtmann war auch nicht sonder- lich wohl zumute, er mußte feinem Sohne weh tun, ihn verwunden bis ins Innerste. Als er nun Heinz so aufgeregt vor sich stehen sah. fand er nicht gleich die rechten Worte und er batte sich doch auf der langen Fahrt zurecht gelegt, was er ihm sagen wollte. Er versuchte Zeit zu gewinnen, damit sein Junge ruhiger wurde und auch er seine Gedanken wieder ms richtige Gleis bringen konnte.

.Nur hübsch lanflsam, Heinz, reg' dich nicht auf, vor allen Dingen guten Tag und nen schönen Gruß von Alutting unb Fräulein Herbart^tt fc{ Dank", bet junge Offizier atmete erlei^ert auf-bu ^^^cht, 's wär' ein Unglück geschehen?"

„Ja, Vater, — ja!"

Hm, — wie bu siehst ist das nicht der Fall, — hm, — war bei Onkel Reuter, dem geht s leider höllisch' schlecht: hab' ihn gesprochen, aber nur ein paar Augenblicke, Doktor Vogel hat mich gleich wieder rausgejagt, ist traurig, so'n Ende mit anzusehen. Eigentlich stellt der gute Kerl bloß noch ein lebendes Stuck Holz dar, kann gar nicht lange bei der Sache bleiben, dann gehen immer wieder seine Gedanken kun­terbunt durcheinander, zu traurig so 'was, — aU * Heinz* ging mit großen Schritten im Zim­mer auf und ab, ber Vater beobachtete ihn f<6arh»utt setz' dich mal ruhig hin, mein Junge, hast wohl Zeit?"

Schwer ließ bet sich auf einen Stuhl gegen­über fallen.

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