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N-mm-r 21. i. Jahrgang.

COlerMuK llndjridjten

Esflrler Abendzeitung

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Fernsprecher 951 «nv 952«

Donnerstag, den 2S. Dezember.

Fernsprecher 951 und 952.

Sos Ponave-Irama.

Bier deutsche Beamte ermordet!

Wir haben bereits gestern über die U n - glucksnachricht von den Karolinen berichtet, wo vier deutsche Beamte und fünf Polizisten der Wut der Eingeborenen zum Opfer gefallen sind. Der Vorfall hat sich am achtzehnten Oktober ereignet, und erst jetzt, rund zehn Wochen später, ist die erste Kunde darüber bei der Berliner amtlichen Stelle eingegangen. Wie eine solche Verzögerung in der Nachrich­tenübermittelung an die koloniale Zentrale in Berlin möglich sein kann, bedarf noch der Aufklärung. Was inzwischen auf Ponape vorgegangen ist, weiß niemand; man hört nur, daß .die Jnfel gegenwärtig ruhig fei." .Ge­genwärtig' bedeutet nun aber (am Eintreffen der Unglücksnachricht gemessen) einen- Zeit­punkt, der zum mindesten acht Wochen zu­rückliegt. Was seitdem geschehen ist, darüber weiß man in Berlin nicht das Ge­ringste: Ein Beweis, wie unzulänglich der Nachrichtendienst ist, der die deutsche Kolonial- Zentrale mit den verschiedenen Verwaltungs­stellen im Kolonialreich verbindet. Aus den offiziösen Veröffentlichungen geht ferner her­vor, daß es sich augenscheinlich um einen heim- tückischen Ueberfall der Eingeborenen auf die deutsche Station handelt, den man der Erre­gung der Dschokadfchleute über die Fortfüh­rung der Wegebauarbeiten auf der Jnfel zu- fchreibt. Ob diese Annahme zutrifst, wird sich erst feststellen lassen, wenn eingehendere und stcherere Nachrichten über die Begleitumstände der Tragödie vorliegen werden, und vor Wo­chenfrist ist bei der Schwerfälligkeit deS kolo­nialen Nachrichtendienstes an das Eintreffen ailstlärender weiterer Mitteilungen nicht zu denken.

An den Karolinen, die achtzehnhundert- neunundneunzig zusammen mit den Erden­fleckchen der Palau-Inseln und Marianen um teures Geld von den Spaniern erworben wurden und dem damals gerade zum Ruhm aufsteigenden Staatsmann Bülow das erste Zeichen kaiserlicher Huld eintrugen, hat Deutschland nur wenig Freude erlebt, und ein­sichtige Kolonialpolitiker haben in den elf Jahren, die wir uns nun diese- fragwürdigen Besitzes erfreuen durften, oft dem Wunsche Ausdruck gegeben, da» Vaterland hätte die siebzehn Millionen, die seinerzeit für Spanien- kümmerliche Inselchen in bar bezahlt wurden, nützlicher und gewinnbringender im bereits vorhandenen Kolonialreich anlegen mögen. Bereits neunzehnhundertacht loderte auf Ponape der Aufruhr auf, und wenn es auch damals gelang, die schlechtbewaffneten Wllden ohne größeres Bluwergießen in den Dusch zurückzutreiben, so ist doch seitdem die Ruhe auf den Inseln nie mehr als gesichert zu be­trachten gewesen, und der jetzige Ueberfall auf die deutfche Ponape-Station zeigt denn auch, daß die Eingebornen nur auf eine passende Gelegenheit gewartet haben, um das vor zwei Jahren vereitelte Werk der Rache blutig aus- zusühren. Als neunzehnhundertacht der Auf­stand ausbrach und nur durch das rechtzeitige Eintreffen des Kanonenboots .Jaguar' Unheil verhütet wurde, hieß es, der durch die ver- fchiedenen Mifftonen unter den Eingebor­nen geschaffene konfessionelle Gegensatz habe die Wilden fanatisiert; heute fallen die Wege­bauten die Leute aus dem Busch erbittert haben: Beides Dinge, die wohl Oel inS Feuer gegossen haben können, aber als Grund­ursachen eines Aufruhrs doch eigentlich zu geringfügig.

Es heißt denn auch weiter, daß der eigentliche Grund der Erbitterung wohl In den eigenartigen Grundstücks- Verhältnis f e n zu suchen fei, unter denen offenbar die Eingebornen zu leiden haben. Der gesamte Grund und Boden gehört nämlich einigen wenigen Häuptlingen. Die Untertanen besitzen ihre Grundstücke nur als Lehen, für die sie Naturaltribut entrichten müssen und die ihnen jederzeit vom Häuptling entzogen werden können. Diese Unsicherheit und die schwere Belastung des Besitzes hem­men natürlich die Arbeitsfrcudigkeit, die Kul­tur, den Fortschritt der gesamten Bevölkerung und die Bestellung großer, fruchtbarer Land­strecken. In einer Versammlung verpflichteten sich vor einiger Zeit die Häuptlinge schriftlich, den Lehensuntertanen ihren Besitz nicht mehr zu entziehen. Das, Ziel: Umwandlung, der Lehen in freies Eigentum der Besitzer, wird aber nur nach und nach, vielleicht durch eine planmäßige Ablösung der alten Rechte, ru erreichen sein, und ein zu schnelles Vor­

gehen oder gar eine einfache Anordnung könnte unter Umständen verhängnisvoll wirken. Es gewinnt indessen den Anschein, daß die deutsche Kolonialverwaltung diesen Verhältnissen nicht genügend Rechnung trägt, und daß darauf in der Hauptsache auch die Erbitterung der Ein­gebornen zurückzuführen ist. Vier deutsche Be­amte sind diesmal als Opfer gefallen, und was im Verlauf der acht Wochen geschehen ist, die seit dem Eintreffen der letzten Nachrichten ver­strichen sind, weiß niemand. Es wird aber an der Zeit sein, daß die Berliner Kolonial- Zenttale den Zuständen auf Neu-Guinea ihre besondere Aufmerksamkeit zuwendet, damit nicht eines Tags das Mutterland von neuen und noch schlimmem Hiobsposten aus dem welffernen Erdenwinkel des Karolinen-Grüpp­chens überrascht wird. **

Der Ueberfall am 18. Moder.

Eine offiziöse Erklärung.

Zu der Unglückskuude über den Aufstand auf Ponape fchreibt die offiziöse »Nord- deuffche Allgemeine Zeitung':

Dschokadsch oder Jokog ist eine kleine Insel, die Ponape nicht weit von dem Sitze der Regierungsstation entfernt vorgelagert ist. Unter .Kolonie' wird die Ansiedelung der Europäer auf Ponape verstanden, die noch aus spanischer Zeit her mit einer Steinmauer umgeben ist. Zur Zeit der spa­nischen Herrschaft bestand ein fast immer­währender Kriegszustand, und eine spanische Besatzung hatte den Ort wie­derholt gegen Eingeborenenangriffe zu ver­teidigen. Als 1899 Ponape zusammen mit den übrigen Karolinen-Inseln von Deutsch­land erworben wurde, gelang es dem ge­schickten Auftreten des damaligen Vizegou­verneurs, späteren Gouverneurs von Deutsch- Neugninea, Dr. Hahl, Verhandlungen mit den Eingeborenen anzubahnen und fried­liche Zu stände auf der Jnfel herbeizu- Shren. Späterhin kamen allerdings nicht lten Zwistigkeiten zwischen den Ein­geborenen vor, die die Entwickelung zu ge­fährden und die Interessen der Weißen in Mitleidenschaft zu ziehen drohten. Zum Zweck der Befriedigung der Eingeborenen wurde daher vor einigen Jahren mit der Anlage von Wegen begonnen, die die zum Teil nur auf dem Seewege zugänglichen Niederlassungen der Eingeborenen für den Landverkehr effchließen und damit einer bes­seren Aufsicht durch das Bezirksamt unter­stellen sollten. Ein Tell der Eingeborenen hatte sich gegenüber diesen Wegebauten ab­lehnend verhalten; bereits 1908 drohten Unruhen, denen jedoch durch die Entsendung eines Kriegsschiffes und einer größeren Zahl Polizeisoldaten aus Neuguinea vorge­beugt wurde. Anfangs dieses Jahres zeigten sich die Dschokadschlente widerwillig, doch war es den Bemühungen des Bezirks­amtmanns, der wiederholt Dschokadsch per­sönlich ausgesucht und mit den Eingeborenen verhandelt batte, immer gelungen, der auf­tauchenden Schwierigkeiten in friedlicher Er­örterung Herr zu werden. Im Juni dieses Jahres wurde das Verhältnis zu den Dschokadschleuten besonders ge-spannt, jedoch wurde damals der Ausbruch von Un­ruhen durch die persönlichen Verhandlungen des Bezirksamtsmanns mit den Häuptlingen verhindert; das bald daraus erfolgende An­laufen des ostasiattschen Geschwaders schien einen nachhaltigen Eindruck auf die Einge­borenen hervorzurufen und die Ruhe für ab­sehbare Zeit zu sichern. Nach der jetzt vor­liegenden telegraphischen Meldung kann es sich wiederum nur um einen friedlichen Be­such des Bezirksamtsmanns in Dschokadsch gehandelt haben, der jedenfalls ohne Mit­nahme von Soldaten effolgte. Es scheint ein heimtückischer Ueberfall von­seiten der Ein"eborenen erfolgt zu sein, die mit der Fottfiihrung der Wegebauten unzu­frieden waren.

In dem Regierungsrat Böder verliert die Kolonialverwaltung einen ihrer ältesten Beamten, der sich in Kamerun, Togo und Ostafrika in langjähriger Wirksamkeit bewährt batte und als ruhiger, in der Behandlung von Eingeborenen besonders erfahrener Manu be­kannt war. Böder, der zuletzt Bezirksamtmann in Daressalaam gewesen war, befand sich erst seit Ende 1909 in Ponape; er hinterläßt eine Witwe mit zwei Kindern, von denen das jüngste erst vor einigen Monaten in Po­nape geboren ist. *

Die Maßnahmen der RegierAW.

Zwei Kreuzer unterwegs!

Die Insel Ponape ist die größte der vier Karolinen; sie hat 150 Kilometer Umfing; die Bevölkerung zählt etwa 3000 Seelen. Der nach

einer Meldung aus Tsingtau nach Ponape in See gegangene Kreuzer .Emden', der unter dem Kommando des Korvettenkapitäns Vol­lerthun steht, hat eine Wasserverdrängung von 3600 To.; feine artilleristische Armierung be­steht aus zwölf 10,5-Zentimeter- und vier 5,2- Zentimeter-Schnelladekanonen und vier Ma­schinengewehren, wozu noch zwei Torpedo­rohre kommen. Außer dem Kreuzer .Emden' hat auch der kleine Kreuze» .Nürnberg' von der ostasiatischen Station Befehl erhalten, sich von Hongkong fofort nach Ponape zu bege­ben, um an der Bestrafung der schuldigen Eingeborenen und an der Wiederherstellung der Ordnung aus dieser Karolineninsel teilzu- neymen. Die beiden Kreuzer dürsten in etwa acht Tagen am Schauplatz der Unruhen ein- tressen. Aus dem Aufgebot derartig starker Machtmittel ist zu schließen, daß auch die Re­gierung die Situation auf Ponape als be­denklicher bewachtet, wie es nach der offi­ziösen Auslassung den Anschein gewinnt.

sodaß Meldungen ans Belgien nut auf brief­lichem Wege nach Deuffchland gelangen können. Die von Deutschland nach Belgien bestimmten Telegramme müssen von der Grenze ab per Brief weiterbefördert werden.

*

zweiundzwanzig Menschen getötet!

(Telegraphische Meldung.)

AuS Teneriffa meldet ein Teles gram«: Während eines furchtbare« Sturm-Unwetters stürzten auf bei Insel Gomera, einer der Karolinen-Inseln, mehrere Häuser ein. Zweiundzwanzig Menschen, meist Kinder, wurden von den Trümmern erschlagen. Die Leichen konnten nur zum Teil geborgen werden.

Schop, Ioldt imb Komp.

-03-

Der Freund des Kaisers.

Botschafter und Militärattachee.

lPon unserem Korrespondenten.)

Petersburg, 26. Dezember.

Der Kampf zwifchen dem denffchen Bot­schafter in Petersburg, Grafen Pourtalös, und dem Militärbevollmächtigten, Kapitän zur

See v o n H i n tz e, der zu dem engeren Freun­deskreise Kaiser Wilhelms gehört,hat mit dem vorläufigen Sieg des Grafen Ponrta- läs geendet: Der Botschafter bleibt und der Militärattache geht, um die glänzende Karriere die ihm nach menschlichem Ermessen bevorsteht, weiter zu vollenden. Es ist in eingeweihten Kreisen schon mancherlei über den Grund dieser Demission gemunkelt worden und auch in Pe­tersburg hat man sich in diplomatischen und mi­litärischen Kreisen seit Wochen mit der brennen­den Frage, die das Verhältnis des Botschafters zum Militärattache betrifft, beschäftigt. Der Grund für die jetzt gefallene Entscheidung wird in Petersburger Diplomatenkreisen in effter Linie der zu gro ß en Machtfülle des Kapitäns von Hintze zugesvrochen, die weit über die Befugnisse eines Militärattaches hinausgeht und in seiner Vertrauens, stellung beim Deutschen Kaiser beruht. Die Machtbefugnisse der anderen deutschen militä­rischen Vertreter bei den Gesandtschaften und Botschaften sind nämNch weit geringerer Natur. Deuffchland hat Militärattaches bei den Bot- schäften In Madrid, Paris, Rom, London, Kon- ttanttnopel, Totto, Wien. Washington und Pe­tersburg. Der hiesigen Botschaft ist aber außer­dem noch al« Miltlärbevollmächtigter Herr von Hintze beigegeben, der der Person des Zaren attacktett ist. ,

Deuffchland unterhält ferner noch Militär- attachss bei den Gesandtschaften in PÄing. Bukarest, Stockholm, Bern und Brüssel, die lediglich den Zweck haben, militärische Berichte nach Hause zu senden. Von Politik hatten sie sich meist fern. Anders ist die Rolle des demZaren attackierten Militärbevollmächtigten, der aus kaiserlichem Vertrauen aus dteseStelle berufen wurde. Es läßt sich nicht umgehen, daß er des öfteren Aufgaben zu erledigen hat. die dem Botschafter sozusagentn8 Handwerk pfuschen' da ja auch der Boffchaster der Ver­treter des Kaisers am Zarenhofe ist. Es er­gaben sich daraus allerlei Kompetenzkon­flikte. die nach Ansicht der russischen Diplo­matie in den Abmachungen über den Aufenthalt der Zarenfamilie in Deuffchland ihren Höhe­punkt erreichten. Schon damals konnte von einem offenen Kampf oder mindestens von einer Gegensätzlichkeit der beiden Diplomaten gesprochen werden und man wußte, daß nach der Rückkehr des Zaren der Botschafter zur Ent­scheidung drängen werde. Graf PoutaläS bat, so wird hier versichert, das weitere Verbleiben auf seinem Posten von der Regelung der Frage in seinem Sinne abhängig gemacht. Man war hier nach Kenntnis der Dinge darüber durchaus nicht klar, wer als Sieger hervorgehen wird. Nun hat der Botschafter zwar die Oberhand ge­wonnen. es ist aber die Frage, ob der Sieg ihm zum Jneile g-reichen wird denn Herr von Hinke war und ist des K a i s e r s F r e u n d und solch, Gcaner ftnb nicht zu unterschätzen.

Winters Anzug.

Verkehrsstörungen Überall.

(Eigene Drahtmeldung.)'

Aus Paris wird uns depeschiert: Die Störungen, die durch den gestrigen starken Frost an fast sämtlichen Telephon- und Telegraphenleitungen verursacht worden sind, haben in Belgien beinahe den gesamten telephonischen und telegraphi­schen Verkehr sowohl im Jnlandc als auch besonders mit dem Auslande unter­brochen, da durch die Schwere der an den Drähten haftenden Eismassen die Drähte miteinander in Berührung gekommen und teil­weise vollständig zerrissen sind. Mit Deutschland sind auch noch heute die Drahtv:rblnb«naen vollständia unterbrochen.

Der preisgekrönte ... Banknotenfälscher.

(Bon unferm Korrespondenten.)

München, 27. Dez.

Die Affäre der Münchener Bank» notenfälscher (über die wir bereits tele­graphisch berichtet haben) wächst sich immer mehr zu einer Komödie der Irrungen aus und gäbe reichlichen Stoff für eine neue Diebeskomödie. Chronologifch bewachtet, fing die Geschichte damit an, daß in Zürich der Scheck einer Kanadischen Bank, der auf London ausgestellt war, unterschlagen wurde. Ein Unbekannter hatte sich das Geld in London (der Scheck lautete über 37 000 Fr.) auszahlen lassen und war damit verschwunden. Auf Requisition des geschädigten Bankhauses leitete daraufhin die Postbehörde in Zürich eine Untersuchung ein.. Es fiel auf, daß während dieser Untersuchung der Postbeamte Schop seinen Abschied erbat, angeblich, weil er eine besser bezahlte Privatstelle gefunden habe. Da auch noch andere Verdachtsmomente gegen Schop sprachen (er hatte sich durch reich­liches Geldausgeben hervorgetan), schritt man zu seiner Verhaftung. Schop leugnete zunächst, legte bann aber ein Geständnis ab. Zu seiner Ueberraschung fand nun der Untersuchungs­richter tu der Wohnung SchopL über 280 Stück brasilianische Mtlreis- Roten über je 500 Milrets, die nach deut­schem Geld einen Wert von ca. 64000 Mark repräsentierten.

In die Enge gewieben, gab Schop schließ­lich zu, daß die Noten aus unterschlage­nen postlagernden Briesen stammten, die er sich seit längerer Zeit anzueignen pflegte. In einem solchen Briefe hatte et auch den Scheck gesunden, war um Urlaub einge­kommen, nach London gefahren und hatte dort den Scheck zu Gelde gemacht. Ferner entdeckte man unter den Brieffchaften Schöps eine Karte von einem feiner Freunde, namens Michel, den die Postbehörde nach London geschickt hatte, um dort Sprachstudien zu weiben. In Wahrheit hielt sich Michel in Florenz auf und hatte hier einen Teil der Beute in Ver­wahrung. Auf telegraphische Anweisung der Züricher Behörden hin wurde er in Florenz verhaftet. Nunmehr treten die Banknoten­fälscher in die Erscheinung. In den von Schop unteffchlagenen postlagernden Briefen fand man die Adresse eines Züricher Rentiers D o l d t, der in der Nähe der Stadt eine Villa bewohnte. Diesem Herrn Doldt teilte ein Mann namens Irl mit, daß er die gewünsch­ten 300 brasilianischen Noten habe abgehen lassen, und daß er das vereinbarte Honorar von 20 000 Mark in deutschen Hundert­markscheinen zu erhalten wünsche. Die Züricher Polizei wandte sich darauf mit ihrer Ent­deckung an die denffchen Behörden, die ermit­telten, daß ein Graveur Irl in Pasing bei München wohnte.

Es handelt sich um einen jungen Menschen in den zwanziger Jahren, der als äußerst ge­schickter Graveur und Kupserstecher bekannt war und eine gute Stelle bei der Landesaufnahme innehatte. Mehrere feiner Arbeiten sind sogar preisgekrönt worden. Man nimmt an, daß der junge Mensch noch einen Auftraggeber hatte, der die eigentliche Seele der Bank- notensälschungen war. Da ein Teil des Brief­wechsels zwischen Doldt und Irl, und nament- lich die 300 Noten von Schop unterschlagen worden waren, hielten sich die beiden Betrüger für gegenseitig übers Ohr gehauen: Irl glaubte, Doldt wolle ihn um die vereinbarten 20 000 Mark beschwindeln, während Doldt be­fürchtete, er werde nicht die bestellten Noten bekommen. Als sie daher verhaftet und ver­nommen wurden, verrieten sich die beiden Spießgesellen gegenseitig, sodaß die Angelegenheit verhältnismäßig ge­klärt erscheint; es bleibt nur noch zu ermitteln, wer hinter Irl gestanden hat und wo sich die Fälscherwerkstatt befand. Der Rentier Doldt, der für 20000 Mark Noten im Werte von 64 000 Mark kaufen wollte, hat längere Zeit in Bra­silien gelebt und sich dort ein großes Vermögen