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f>t. 20. — 17Jahrgang.'

Casseler Neueste Naqrtchteck

Handelszeitung.

Die Guggenheims in Berlin.

(Von itttferm Berliner Börsen-Mitarbciter.)

Einer der wichtigsten Konzerne der ameri­kanischen Metallindustrie, die American Smclting u. Refining Co., will in Berlin ein Zentralverkaufsbureau für Europa errichten, und zum Leiter dieses Bureaus und Generalagenten für Europa soll der bisherige Prüfident der Newyorker Metallbörse, K o n i n g, ernannt werden.

Dieses Uebergreifen der Hauptgesellschaft des sogenannten Guggenheimkonzerns nach Deutschland ist von besonderer Bedeutung: Amerika möchte das Geschäft mit den großen deutschen Metallverbrauchcrn s e l b st in die Hand bekommen und schickt deshalb einen be­sonderen Agenten herüber. Die größten Ver­braucher für Kupfer sind bekanntlich die d e u t - schen Elektrizitätsgesellschaften, die ihren Bedarf in Deutschland nicht decken können, und aus die Einfuhr von ameri­kanischem Elektrolytkupfer angewiesen sind. Als bedeutender Produzent von Kupfer in den Ver­einigten Staaten besteht aber neben dem Auggenheimkonzern nur noch die Amalgamated Copper Co., die unter dem Einfluß Rockefellers >tebt, ursprünglich auch als der Kupfertrust schlechthin angesehen wurde, in den letzten Zähren aber sehr an Bedeutung verloren hat. Ter Verkauf ihrer Produktion ist in der United Metal Solling Co. konzentriert. Neben der Amalgamated ist in der letzten Zeit besonders die Guggenheimgruppe (teilweise unter schar­fen Kämpfen) emporgekommen, und wenn nun ein so wichtiger Kupferproduzent, wie der Guggenheim-Konzern es zweifellos ist, Wert auf intensive Beziehungen mit dem deutschen Konsum legt, so könnte man sich diesseits des Ozcans eigentlich darüber freuen, besonders über die Begleiterscheinung, daß nicht (wie ur­sprünglich beabsichtigt war) London, sondern Berlin als Sitz des Zentralbureaus gewählt worden ist. Doch hat das Ereignis auch seine Schattenseiten, die in erster Linie in der Tat­sache zu suchen sind, daß die Vermittlung zwischen den amerikanischen Produzenten und ven deutschen Konsumenten in amerika­nische Hände zu geraten droht. Welche Konseguenzcn dies haben kann, läßt sich im Moment nicht übersehen, cs ist aber nicht an- zunchmen, daß etwa die großen Elektrizitäts­werke sich die freie Bestimmung darüber neh­men lassen werden, wo sic ihren Bedarf an Kupfer decken sollen. Denkt man indessen an den Weg, auf dem es der Standard Oil Co. gelungen ist, ihr Petroleummonopol auch auf den deutschen Markt auszudehnen, oder an das System, nach dem die Fleischhäuser Armour und Swift durch ihre Hamburger Niederlassungen immer aufs neue versuchen, ihren Einfluß auf den deutschen Fleisch- und Häutemarkt auszudehnen, so kann man sich der Befürchtung nicht verschließen, daß die wah­re« Absichten des Schmelzertrusts viel weiter gehen, als offiziell zugegeben wird, und daß es sich letzten Endes um einen Eroberungs- Versuch auf dem deutschen Kupfer- m a r k t handelt. Den Schaden würden dann in erster Linie die zahlreichen deutschen M c t a l l h ä n d l c r zu tragen haben, die jetzt üncn Teil der deutschen Kupferbezüge aus Amerika vermitteln. Es wird sich ja bald zeigen, welche Absichten die Guggenheims mit ihrer Berliner Niederlassung verfolgen, und es wird dann auch darüber zu reden sein, wie sich der deutsche Markt zu dem .Guggenheim- schen Import" zu stellen hat. -ert-

ST Die Reichsbank vorn, Jahresschluss. lSpczialtelegram m.) Der Ausweis über die dritte Dezemberwochc weist eine Ver­schlechterung des Status um 82,5 Mill. Mark auf. Die steuerpflichtige Notenreserve, die in vcr Vorwoche 27,3 Mill. Mark betrug, hat sich in eine Steuerpflicht von 55,1 Mill. Mark ver­wandelt. Im Vorjahre war das Institut mit L8,7 Mill, in der Steuerpflicht.

6? Rositzer Zucker-Raffinerie. Nach dem ^Geschäftsbericht ist der weitaus größte Teil ■ber Erzeugung im laufenden Geschäftsjahr be­reits verkauft. Die Roh-Produkte gegen die­sen Verkauf sind mit befriedigendem Nutzen cingedeckt worden. Auch die Chemische Fabrik Taniche arbeitet dauernd günstig, sodaß wieder ein guter Ertrag zu erwarten sein dürfte.

'?? Canadifchc Pacific-Eisenbahn (Spe­zial-Telegram m.) Die Einnahmen be­tragen vom 14. bis 21. Dezember 2 065 000 Doll, gegen 1873 000 Doll, der gleichen Periode des Vorjahres.

6? Bcrcinsbank Frankfurt n. O. (S p e- zial-Telegram m.) Obwohl der 21. De­zember, der Schlußtermin für die Zustim-

mungscrklärung zu den Liquidationsvorschlä­gen, schon vorüber ist, verlautet noch nichts bestimmtes darüber, inwieweit die Aktion als geglückt anzusehen sei. Die Direktion teilt mit, daß die Aktion ziemlich perfekt sei.

gf Kali-Gewerkschaft „Hohenzollcrn". In der in Düsseldorf stattgehabten außer­ordentlichen Generalversammlung wurde mit­geteilt, daß angesichts der günstigen Finanzlage »er Gewerkschaft in Aussicht genommen sei, im nächsten Jahre eine Erhöhung der Aus­beute eintreten zu lassen, dergestalt, daß für das Vierteljahr 125 Mark auf den Kux, zum ersten Male Ende März 1911, zur Ausschüt­tung gelangen könnte. Die Vorarbeiten zum Schachtbau des Unternehmens Meimerhausen chreiten rüstig vorwärts. Die erforderlichen Gelder werden vorläufig von der Gewerkschaft Hohenzollcrn vorgestrcckt.

gf Die Folgen der Baumwoll-Krise. Wie aus Charlotte (Rord-Karolina) gemeldet wird, haben die großen Baumwollspinnereien Rändel mann Manufacturing Com­pany und N a o m i f a l l s Manufac­turing Company infolge des Darnicder- liegens des Handels mit Baumwollerzcug- nissen ihre Zahlungen eingestellt. Die Passiva belaufen sich auf 800 000 Dollars, denen nur wenig Deckung gegenübcrsteht.

Akt.-Ges. Bismarckshall (Kaliwerk) in Samswcgen bei Magdeburg. Die seinerzeit sistiert gewesenen Abtcufarbcitcn in dem Schacht Samswcgen sind wieder aus­genommen worden. Es verlautet, daß sie mit gutem Erfolge voranschreiten, sodaß auch die Sicherung dieses Schachtes bald gegeben sein dürfte. Zu bemerken ist übrigens, daß für einen Bergbaubetrieb in diesem Felde die Zweischachtverordnung in Geltung tritt.

Lafseler Schlachtviehmarkt.

(Bericht vom 27. Dezember.) Auftrieb:

12 Ochsen, C Bullen, 37 Kühe, 20 Rinder, 93 Schweine, 19 Kälber, 13 SchafesHämmel. Schlachtvieh-Preise.

Achsen: a) vollfleischige gemästete höchsten Schlachtwcrtcs bis, 7 Jahre alte. . . . 81—83 Ml. b) junge fleischige, gut ge­

nährte, Nicht gemästete 77—79 „ c) gering genährte, jeden

Alters . . 72—75 „ Bollen: a) voll fleischige gemästete höchsten Schlachtwcrtes

bis 5 Jahre alte. . . . 73—75 „ b) mäßig genährte jüngere

und gut genährte ältere 69—71 „ Kühe und a) vollfleischige gemästete Rinder: Rind, höchst. Schlacht­

wertes .... 74—77 „

b) vollfleischige gemästete

Kühe bis 7 Jahre alte 69—71 „ c) gering genährte Kühe

und Rinder ..... 60—65 , Schweine: a) vollfleischige d.seineren

Rassen it. d. Kreuzung.

bis 17. Jahre alte . . 65—67 „ b) fleischige 62—64 „ c) gering cntwick. Sauen 58—60 ,, Kälber: das 7- kg Lebendgewicht 40—45 Pfg. 5ämmel:das 7- kg Fleischgewicht 70 Psg.

chafe: das kg Fleischgewicht 68 „ . Tendenz: langsam.

Aus der Heimat.

Das neueste Bahnprojekt im Taunus.

Wie noch in Erinnerung sein dürfte, ist vor einigen Jahren viel über das Bäder- bahnprojekt gesprochen und geschrieben worden, das den Landrat des Obertaunus­kreises, Ritter Dr. von Marx, zum Urheber hatte. Das Projekt wollte eine Verbin­dung von Homburg nach Wies­baden über Königstein und Eppstein, schei­terte aber schließlich an den hohen Kosten. Nun ist der alte Plan in neuer Gestalt wieder aufgetaucht. Anreger ist auch diesmal Landrat von Marx.

Die neue elektrische Bahnlinie soll zunächst den Gemeinden im Obertaunuskreisc eine gute Verbindung untereinander und direkten Anschluß nach Frankfurt sichern. Außerdem kann die Bahn, sobald' ihre Ren­tabilität sich erwiesen hat, jederzeit b i s Wiesbaden weitergeführt werden, wenn eine Einigung der beteiligten Jnteressen- ten erzielt wird. Die Bahn soll von König­stein, an Falkenstein vorbei, nach Cronberg und von dort über Oberhöchstedt direkt nach Frankfurt führen. In Oberhöchstedt schließt sich die andere Linie direkt an, die über Oberursel nach Homburg geht. Gelangte diese

Strecke zur Ausführung, so wäre tatsächlich einer Reihe von Jntcressen gleichzeitig ge­dient: die Taunusstädte, die heute mit der Bahn Tagereisen weit auseinander liegen, würden einander näher gebracht und ihre Ent­wicklung in ganz neue Bahnen gelenkt, ande­rerseits aber wäre auch die oft gewünschte Verbindung von Königstein, Cronbcrg und Falkenstein mit Frankfurt und damit mit einem Verkehrszentralpunkt weit besser als bisher ausgestaltet. Der Plan einer Elektrisierung der Eisenbahnstrcckc Cronbcrg-Nödelhcim, über den vielfach Wünsche laut werden, ist nicht realisierbar, weil die Staatsbahn zwischen Frankfurt und Rödelheim eben nicht elektrisch betrieben wird, mit der Elektrifizierung der Teilstrecke wäre wenig gewonnen, eher noch mit einem zweigeleisigen Ausbau, der lviederholt gefordert wurde. Zweifellos hat der Plan des Landrats von Marx eine Reihe von Vor­zügen. Vor allem würde mit der Bahn eine Teilstrecke der gesamten Bäderbahn hergcstellt, deren gänzlicher Ausbau doch nur eine Frage der Zeit ist. Die Vorarbeiten sind bereits eifrig im Gange, und man wird voraussichtlich chon in naher Zeit' zu greifbaren Resultaten gelangen.

<£' Berzhahn, 26. Dezember. (Von den Rädern zermalmt.) Einen gräßlichen Tod erlitt der Besitzer der Berzhahncr Mühle, I u n g. Seine Kleider wurden von den Kammrädern der Mühle erfaßt; er kam in das Werk, und Kopf und Rumpf tourbeit schrecklich zermal m t.

o°o Frankfurt a. M, 26. Dezbr. (Frank- urt ehrt Professor Ehrlich.) Zur dauernden Ehrung des genialen Forschers, der in seinen Instituten an der Aaudhosstraße neue Heilmethoden zum' Segen der leidenden Menschheit fand, hat der Magistrat die Sand­hofstraße in „Paul Ehrlich-Straße umbenannt.

O°o Frankfurt a. M., 26. Dezember. (D e t Mörder Waldschmidt geständig.) Der Kellner Ludwig Waldschmidt, der am 24. November die Verkäuferin Elise Meyer in ihrem Laden in der Bergerstraße ermordete, b#§ Verbrechen aber bisher leug­nete, hat jetzt, augenscheinlich unter der Ein­wirkung einer gewissen Weihnachtsstimmung, dem Untersuchungsrichter gegenüber ein um­fassendes Geständnis abgelegt.

£> Münden, 26. Dezember. (DcrBahn- h o f s u m b a it.) Der U tu bau unseres Bahnhöfe?, der schon seit zwei Jahren int Gange ist. ist nun soweit fertiggcstcllt. daß die ncugeschaffettc Untertunnelunq der Gleise am 24. Dezember dem Verkehr übergeben werden konnte. Der Umbau ist auf 300 000 Mark ver­anschlagt worden, wovon bis jetzt 200 000 Mark ausgegeben Warden. Für die restierendcn 100 000 Mark soll ein modernes Stell - und Signal Werk erbaut werden.

o°o Wiesbaden, 26. Dezember. (Gegen b i c Klatschsucht) Eine empfindliche Strafe verhängte das hiesige Schöffengericht über die Ehefrau D. Kraft in Biebrich. Als sie am 22. September b. I. 'vor dieser Instanz we­gen Ruhestörung stand, und ein Polizeibeam­ter eine für sie ungünstige Aussage machte, bezichtigte sie diesen des Verkehrs mit zwet- felhaftcn Frauenspersonen. Der Amtsanwalt beantragte wegen verleumderischer Beleidi­gung eine Geldstrafe von 10 Mark. Das Schöffengericht erkannte aber wegen der Schwere der Beleidigung auf eine Gefäng­nisstrafe von einer Woche.

Gericht und Recht.

Die Geschichte einer Ehe.

(Von unserem Korrespondenten.)

Man schreibt uns aus Berlin: Ein interessvnter Entmündigungsprozeß, der sich auf dem Hintergründe einer Ehescheidungs­klage aufbaute, beschäftigte die v'wzehnte Zi­vilkammer des Berliner Landgerichts. Ein angesehener Berliner Baumeister war mit seiner Frau in Differenzen geraten, die schließlich zur Einreichung bet Ehescheidungs­klage führten. Die Ehefrau erwirkte jedoch ein Attest des zuständigen Kreisarztes, das die Gei­steskrankheit ihres Mannes bescheinigte und dessen Internierung in einer A n- stalt für notwendig erklärte.

Auf Grund dieses Attestes soll nun der Oberwärter einer benachbarten Prwat-Jrrenan statt in Begleitung zweier anderer Wärter bei dem Baumeister unter dem Vorgeben, er fet Kriminalbeamter, erschienen sein und ihn für „verhaftet" erklärt haben. Ein Jnter- nierungsattest soll der betreffenden Anstalt riebt Vorgelegen haben, und sie hatte keinen polizei­lieben Auftrag zu ihren Maßnahmen. Nach zwölftägiger Internierung wurde der Baumer-

Mittwoch, 28. Dezember 1910.

fier, der inzwischen mit der ständigen Wahrnch- mnng verantwortlicher amtlicher Funktioncn beauftragt worden war, aus der Anstalt entlassen. Die Ehefrau stellt: nun zum Beweise bet Berechtigung der Internie­rung den Entmündigungsantrag, über den sich ein bekannter gerichtlicher medizinischer Sach­verständiger zu äußern hatte. Dieser erachtete den Baumeister für geisteskrank und ge­schäftlich für dispositionsunfähig, obwohl bet „Geisteskranke" sein neues Amt ein Jahr lang zur vollen Zufriedenheit seiner Vorgesetzten ge­führt hatte. Auf Grund des Gutachtens wurde nunmehr vom zuständigen Amtsgericht die Entmündigung wegen Geistes- lrankheit ausgesprochen. Gegen diesen Beschluß strengte der Entmündigte die Anfechtungsklage beim Landgericht an und er­wirkte beim Prozeßgericht eine einstweilige Ver­fügung, auf Grund deren die Bestellung eines Vormundes bis zur Erledigung der Anfech­tungsklage ausgesetzt wurde. Die formelle Eut- münbigüng ist denn auch nie praktisch in Kraft getreten, sie würde einer Existenzvcruich tung des Entmündigten gleichgekommen fein. Inzwischen versuchte der Baumeister, für sich günstige Sachverständigengutachten einzuholen Ein Berliner Sanitätsrat bestätigte ihm denn auch, daß das Festhalten an Beschuldigungen ehelicher Untreue, das ihm als Geisteskrankheit ansgclegt wurde, höchstens als ein Irrtum, aber nicht als Geisteskrankheit zu chaeakterisic- ren fei. Schließlich begab sich der Baumeister freiwillig in die Anstalt des bekannten Psychia­ters Professor Binswanger-Jena, der in einem eidlichen Gutachten zugab, daß die Entmündi­gung eine erhebliche Schädigung der Lebens­interessen des Baumeisters herbei führen würde, und er daher die Frage, ob durch die Entmün­digung ein Schutz zu erreichen sei, unbedingt zu verneinen habe. Die Entmündigung würde die Erwerbsquellen des Mannes völlig lahm­legen, ihn also ruinieren. Auf Grund dieses Gutachtens wurde der formelle Entmündigungs- beschluß des Amtsgericht nunmehr von der vierzehnten Zivilkammer des Landgerichts a u f- gehoben.

-rsch-

Die rote Schleife . . . grober Unfug! BeiGelegenheit der Beerdigung eines Sozialde­mokraten trug der vierzehnjährige Lehrling Lauer in Neustadt bei Koburg einen Kranz mit roter Schleife imTraucrzugc und wurde deshalb mit einem polizeilichen Straf Mandat bedacht. Als Berufungsinstanz hatte sich jetzt das Koburger Schösseugericht mit der Sache zu beschäftigen. Es stellte sich auf den Standpunkt, daß es sich um eine politische Kundgebung handelte, die, lveil sie auf dem Friedhöfe erfolgt war, als grober U n f u g anzusehcn sei. Weil aber der Lehrling infolge feiner Jugend sich der Tragweite seiner Handlung nicht bewußt gewesen sei, auch nicht angenommen werden könne, daß er von dem Wesen der Sozialdemokratie einen rechten Be­griff habe, erfolgte Freisprechung.

IUI Der .Kampf um die „Methode." Ans Detmold wird uns geschrieben: Vor der hie­sigen Strafkammer hatte sich der homöopa­thische Heilkundige 9(uguft Äie- m ann aus Barntrup wegen sahrlässiger Tö­tung zu verantworten. Er hatte im Oktober d. I. den Ziegler Strunk in Behandlung ge­nommen. der mit einer Verletzung am Ober­arm zu ihm gekommen war. Er erkannte, daß bereits Blutvergiftung cingctrcten war, verschrieb einige homöopathische Mittel, riet dem Patienten aber, zu einem Arzt zu g e 6 en, der eventuell eine Operation vor­nehmen werde. Strunk befolgte aber diesen Rat nicht und kam nach einigen Tagen wieder zu Wiemann, der ihm weitere homöopathische Mittel gab. Nach wenigen Stunden erlag bei Kranke einer Gehirnhautentzündung. Die me­dizinischen Sachverständigen, die die Leiche ob­duziert hatten, führten die Gehirnhautentzün­dung auf die fortgeschrittene Blutvergiftung zu­rück und Wiemann wurde infolgedessen unterAu- klage gestellt. Ter Angeklagte führte zu seiner Verteidigung an, daß er in den dreizehn Jah­ren seiner Praxis zahlreiche Leute mit Blutver gifiung durch seine Methode geheilt habe. Er hatte einige seiner ehemaligen Pa­tienten als Zeugen laben lassen und bicsc b e - (tätigten ihm, daß sie durch seine Methode ßeheilt worden seien. Dagegen bezeichnete der Sachverständige Sanitätsrat Dr. Theopold ein­zelne Methoden der Homöopathie als „hor­renden Blödsinn". Der Verteidiger be­tonte, daß wenn alle Allopathen angeklagt würden, die sich eine den Patienten schädliche Behandlung zu schulden kommen ließen,, die Anklagebank überhaupt nicht leer würde. Dio Strafkammer verurteilte Wiemann schließlich zu drei Monaten Gefäng­nis, da sie annahm, daß zwischen der Be­handlungsmethode und der Todesursache ein ursächlicher Zusammenhang bestehe.

Berliner Kursbericht

2<. Dezember 1910. nachmittags 3 Uhr.

Russ. Bank für atis- wärt. Handel ....

Otavi-Minen.......

South - West - Afrika

(deutsche Stücke)

168.29

144 33

160.—

Dynamit-Trust.....

Eschweiler Bergwrk. Geisweider Eisen .. Gelsenkirch. Bergw. Ges. f. elektr. Untern. Gr. Berlin. Str.-Bahn

Bahnen.

Gr. Casseler Str.-B.

Wechsel.

Italien kurz.......

London vista......

London kurz ......

Paris vista........

80.50

20.43

20.41

80.90

4i/.o/n-ige österr.

Silben-, Jan.—Juli 4%-ige Rassen von 1902............

4%-ige Spanier .... 4%-ige Türken von 1905............

93.90

93.80

Lübeck—Büchener .

Baltimore.........

Canada-Pacific.....

Warschau—Wiener.

Pennsylvania......

Südösterr. Lombard. Oesterr. - ungarische

185 —

106.—

196.40

218.—

2L59

Hamburg. Packetfrt Harpener Bergbau . Hartmann. Masch.. . Hasper Eisen......

Herkulesbr. Cassel . Hirsch Kupfer.....

Hohenlohewerke. .. König Wilhelm conv.

.1 ai tb kurz ........

Wien kurz........

Privatdiskont......

84*95 43/.

Türken-Lose......

4%-ige Ungar. Goldr.

4%-ige Ungar. Kro-

np.nrente........

a i i gs i

Staatsbahn......

Prinz Heinrich-Bahn

Industrie,

160.30

Laurahütte........

Ludwig Loewe & Co. Neue Boden-Ges.... Norddeutscher Lloyd

Fonds.

4°

4°/

0-ige Mosk.-Kasan o-ige Russ. Süd-

92.20

Accumul.-Fabrik

6.-

265.30

508.75

207.75

Obe rschl. E isnb.-Bed. Orenstein & Koppel

3!/.c/0-lge Reichsanl.

•71 ö-ige Reichsanl... 4%-ige Preuß. Cons. o' /o^-igePreuß.Cons. ’^'ö-ige Preuß. Cons. 4%%-ige äußere Ar­gentinier ........

41,2°/o"ige Chinesen

93.50

85.—

102.30

93.50

84.80

Östbahn 1897 ....

Banken.

91.80

Boese .. .. ......

Allgem. Elektr.-Ges. Badische Anilin..., Beri.-Anhalt.- Masch. Bochumer Gußstahl

Phönix Bergbau ... Rhein. Stahl......

Rombacher Hütte .. Schuckert. Elektr. .. Siegen —Solingen ..

99.60

Berliner Handelsges. Darmstädter Bank . Deutsche Bank .... Diskonto- Command.

170.—

180.60

, 261.80

193.95

Braunschweig. Jute. Brauer. Schöfferhof Casseler Federstahl Concordia Bergbau .

208.25

83.75

233.90

333.—

Siemens & Halske . Stahl & Kölke.....

Stolberger Zink.... Vorwohl. Porti. Zem.

4%-ige Griechische

Monopolanl......

4%%-ige Japaner ..

4%-ige amort Ital..

5%-ure Mexikaner .

50.—

98.75

Dresdner Bank .... Mitteldeutsche Pri­vatbank ........

National-Bank.....

162.50

T28.40

114.25

Consolidation......... Deutsche Linoleum- Wachs...... . -

DortmunderUiHpnC.

.380.80

■" 146.50

W enderoth........

Westf. Stahlwerke .

Wittener Guß.....

Zellstoff Waldhof ■.

100.25

Oesterreich. Credit .

Donnersmarckhütte.

0-13.75

vy^-ige österr. Gold- rente ..........

99.25

Petersburger Intern.

Handelsbank ....

y.U.25

Deutsche Spiegel-

ülas«..........._

:JS4-

179.90

183.50 175.—

211.70

165.25

183.75 ' 104.—

142.60

185.90

166.25

168.25

162.53

146.59

215.75 26225

170.60

282.25

105.10

108.75

22225

243.60

163.70

182.25

156.60

89.10

243.75

146.25

143.10

107*75

52.49

193.25

261.50 ’

Nachbörsenkurse gegen 3*i Uhr

Credit............

210.50

Diskonto ....

191.—

Deutsche Bank ....

231.37

Dresdner Bank ....

16L45

Darmstädter Bank..

133.75

A. Schaffh. Bankver.

142.37

National-Bank.....

1:19.37

Russische Bank. — Petersb. Int. Hndlsb. Oesterr. Staatsbahn Lombarden........

Prinz Heinrich-Balm Baltimore.........

210.25

460.75

21.59

145.82

10 V-

Canada...........

196.75

Lübeck—Büchner ..

185.37

Pennsylvania. .....

Schantungbahn ____

Warschau—Wiener. Hamburger Packetf. NorddeutscherLloyd. Hansa ....,......I

4%-ige Russen v.1902

137.37 218.— 14'2.12 105.12

179.87

93.75

93.75

85.—

180.59

4’ V1 o-ige Japaner . .

3°'ö-ige Reichsanl. ..

Tiirken-Lose.......

Laura............

170.87

Bochumer ,

222.62

Gelsenkirchen'

211.37

Harpener

18x62

Rombacher

181.87

291.59

Hohenlohe

215.50

243.37

RhoinL Stahl

163.53

AUg. Elektr. Ges.

265.—

Siemens & Halske

213.62

Deutsch Uebersee

18k2'>

Ges. f. elektr. Untern.

165.12

17P.87

Gr. Berliner Str.-B .

189.12

Tendenz:

schwäch.

Londoner Börse

(Anfangskkurse.)

Engi. Konsuls ... -

7SL3

4% Argentinier ...

9J./2

3% Deutsch. Reichs-

anleihe AO ...

81.—

4% Russen .....

95.87

" 5% Russen .....

101.50

Atchison.......

103.25

Baltimore .......

103-

Canada...... .

198.37

Southern Pacific . .

117. -

Union Pacific ....

174.6?

Erie. . . ,.......

28.—

Missouri...... .

32. -

New-York Central "

1'15.50

N xhern Pacific . .

119-

Steel Com.......

74.25

'Steel Prefs ......

Central Mining . . •

120.2»

15.75

Randtnuies ......

Ä.JB

Ea strands ......

7,.OS

Goldfields.......

7,44

Modderfontain ....

11.8t

Geduld.........

1»3

finp.r/

1.*

Charternd.......

Hl R

Dehnern . . , , ,

17.9:1

Amalgamated . . .

64.87

8.—

Rio Tinto .......

68.87

Otavi..........

7.12

South Westafrika . .

31.—

Tendenz: .......

lustlos

Produktenbörse

(Schlusskurse.)

Weizen, Tendenz: . , Dezbr. . . .

Mai Roggen, Tendenz: .

F Dezbr. . . .

„ Mai Hafer, Tendenz: . .

„ Dezbr

, Mai

Mais, Tendenz: . . . „ Dezbr. ....

Rübul, Tendenz: . . , Dezbr. ....

Mai

bebaust' •205.25 203.25 still

146.75 154.2 3

147.- 154.23

ruhig 56.80 57.20