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Nr. 20. — 1. Jahrgaug.

Casseler Reuepe Nachrichte«

• Mittwoch, 28. Dezember ISIS.'

richt zu Schaden gekommen, jedoch ist der Materralschaden sehr bedeutend.

Mg ^rntna von Bolton — letzten aus London eingegangenen Meldungen bc- iagen, daß bis jetzt 150 Zeichen aus der Pretoria-Grube in Bolton geborgen worden nnb‘— Berke hrsftörungen durch Sdmcefättc. Ein Spezialtelegramm aus Bruisel meldet uns: Infolge andauernde, bergen Schneefalls sind z a b l r c I ch c T cl e p b o n - lcitunqen im ganzen Lande Zerstört worden. Stellenweise soll der Schnee über 30 Zentimeter hoch liegen. *

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Da» Neueste am ßassel.

Kasseler Festtage.

«•i, Weihnachtstage liegen hinter uns^das .Christbaumglück" ist langsam »ev rauscht und nur die liebe Jugend erfreut sich „Mi an rem beglückenden Genuß froher Rach- seicr Daß die Festtage ohne den Zauber der a'iserndcti Winterlandschaft" vorübcraingen, war zwar eine Unfreundlichkeit des Wetter- aottes, bat die Weihnachtsfreude aber nicht ge­mindert und auch den Verkehr während der beiden Festtage kaum beeinträchtigt. In den Straße,t wogte vieltmehr an beiden Fest­tagen eine schier unübersehbare Verkehrsflut, und da kein kein strahlendes Winterwetter zum Ausflug in die schneeig-idyllische Nachbarschaft lockte war in den Abendstunden in den Restau­rants und Cafes kein Stuhl unbesetzt und spät kommende Gäste, die an gastlicher Stätte Schutz vorn, kalten Dezember-Regen suchten, mußten mit dem bescheidensten Eckchen „in drangvoll fürchterlicher Enge" vorlieb nehmen. Die feier- läqigc Gemütlichkeit litt darunter aber nicht im geringsten, im Gegenteil: Man fühlte sich, wäh­rend draußen der Regen an die Fenster schlug und der Sturm durch die Straßen heulte, auch in der Enge behaglich und wobl und so ersetzte die festfrohe Gemütlichkeit im vertrauten Kreis die Freuden der „Weißen Weihnacht" wettig- stens in bescheidenem Maße.

Eisenbahn und Straßenbahn sind mit dem Festtags-Verkehr ebenfalls recht zu­frieden, denn die Frequenz der Verkehrsmittel Hal unter den Einwirkungen des unerfreulichen Weihnachtswetters nicht nur nicht gelitten, sondern ist sogar gegen früher eine stärkere ge­wesen, was namentlich der Straenbabn zugute kam, deren Verkehrsziffern aus den beiden Fest­tage» recht erfreuliche Resultate ergibt. Man­cher. der im Feiertagskleid bei Hellem Weih­nachtswetter sicher „auf Schusters Rappen" die Straßen durchquert hätte, sah sich angesichts des finster drohenden Dezemberhimmcls zur Opferung des „Straßcnbahn-Rickels" veran­laßt und unter diesen Umständen gewann so­gar das unerfreuliche Weihnachtswetter einen (wenn auch nur „einseitigen") Vorzug. Die Umgebung der Residenzstadt, die sonst zur Weihnachtszeit, wenn auf den Bergen und in den Tälern die blendende Schneedecke liegt, und das Auae meilenweit durch die klare Win- terluft die Schönheiten der Landschaft schaut, mit einem regen Weinachtsverkehr rechnen durfte, blieb diesmal stark vereinsamt: Regen und Sturm scheuchten auch die unternehmungs­lustigsten Wanderer in die Sicherheit der „vier Wähle" zurück, und so feierte Cassel neunzehn­hundertzehn die Tage der Weihnacht so recht als Haus und Familienfest, bei dem häus­liche Gemütlichkeit reichlich ersetzte, was der laie- nische Wettergott im Zorn versagte.

Besonders rege war an beiden Feiertagen das heimische Vereinsleben. Ueberall scharten sich die Reihen treuer Mitglieder zu den üblichen Weihnachtsfeiern, und auch hier kamen Geselligkeit und frohe Unterhaltung reichlich aus ihre Kosten. Im großen Saale des „Bettenhäuser Hofs" beging der „Gesang­verein Casseler Männerkreis" eine vortrefflich gelungene Weihnachtsfeier, die allen Teilnehmern sicher noch lange in ange­nehmer Erinnerung bleiben wird. Der „Cas­seler Männergesangvercin" feierte Weihnachten in, großen Saal des Palais- Restaurants, und auch hier führten Frohsinn und Gemütlichkeit das Szepter. Im großen Saal des Evangelischen Vercinshauses ver­sammelte der „Casseler Evangelische Arbeiter-Verein" seine Getreuen unter dem funkelnden Lichterbaum, während der

.Arbeiter-Fortbildungsverein" für beide Festtage weihnachtliche Veranstaltungen arrangiert hatte, die einen harmonischen Ver­lauf nahmen. Im Hanusch-Restaurant veran­staltete der „Casseler Liedervercin" am ersten Festtag eine intime Weihnachtsfeier, in der künstlerische und Dedikations-Ueber- raschungen die Teilnehmer erfreuten. Der „Bürgerliche Gesang-Verein" be­ging zur gleichen Zeit eine wohlgelungene Weihnachtsfeier mit anschließendem Ball im Saal des Restaurants „Stadt Stockholm", und der „Gesangverein Ninigkeit"-Betten- hausen feierte im „Kleinen Stadtpark" die Weihnacht mit einer großen gesellschaftlichen Abendunterhaltung. Im Restaurant „Stadt Wörth" feierte der „Deutsche Trans- portarheiter « Verband" (Zahlstelle Cassel), im Restaurant Roth der „Männer­gesangverein Wehlheiden" und im Gewerkschaftshaus der „Verband Deut­scher Buchdrucker" (Bezirksverein Cassel), während der „L a n d w e b r v e r e i n Deutsche Genossenschaft" seine Weih­nachtsfeier im Restaurant Degenhardt beging. Ueberall herrschte festtägig-frohes Leben und weihnachfliche Fröhlichkeit, sodaß der Hoffnung Ausdruck gegeben werden darf, daß auch die „grünen Weihnachten" neunzehnhundertzebn alle Wünsche erfüllt und kein Sehnen ungestillt gelassen haben. __ _ _ -xyz-

Ä Im Strom des Lebens untergegangen. In der Nacht zum ersten Feiertag wurde bei der Vogtschen Mühle in der Weserstraße die Leiche eines Mannes aus der Fulda gezogen. Die Leiche war mit einem blauen Arbcitsanzug befleidct. In den Taschen fand man noch Uhr und Kette, eine Tabakspfeife und zehn Mark bares Geld. Die Vermutung, daß man es mit einem Selbstmord zu tun habe, fand ihre Bestätigung. Es wurde er­mittelt, daß der Ertrunkene H ehr al heißt und aus einem Dorfe bei Prag stammt. Seit einem Monat.wohnte der Mann, der Witwer war, hier aber keine Angehörigen besaß, in Cassel. Er hat in seiner Wohnung geordnete Papiere hinterlassen. Was den Unglücklichen in den Tod getrieben hat, noch dazu am Helligen Abend, ist bis jetzt nicht in Erfahrung zu bringen gewesen.

Ä Die Aermsten der Armen. Die Casseler Wanderer-Arbeitsstätte hat an den Weihnachtstagen dreißig Obdachlose beherbergt, die, während alle Welt froh und glücklich das Fest der Liebe beging, nicht wuß­ten, wo sie ihr Haupt hinlegen sollten. Hier hat sich wieder der Segen der Arbeitsstätte er­wiesen, die sich der „Enterbten des Glücks" an­nimmt und sie vor der drückendsten Not schützt. Die Erfahrungen, die bisher mit der Wanderer- Arbeitsstätte gemacht wurden, sind denn auch erfreulich gute. Die hiesige Arbeitsstätte ist vor kurzem erst begründet worden und in ganz Hessen bestehen etwa acht Stationen. Außer der Wanderer-Arbeitsstätte hat Cassel noch eine „K o l o u i e f ü r A r b e i t s l o s e", in der längerer Aufenthalt und neben voller Ver­pflegung ein kleines Entgelt für die geleistete Arbeit gewährt wird. In dieser Kolonie sind zur Zeit dreißigPersone n untergebracht.

Ä Unter schwerem Verdacht. Der eine der : beiben Arbeiter, die (wie wir berichteten) unter dem Verdacht verhaftet worden sind, den Brand in der Miramschen Zündholzfabrik angelegt zu haben, der Arbeiter H., ist vor­läufig aus der Hast entlassen worden, nachdem er seine Schuld gestanden hat. Sein Mit­täter wird zwar durch Zeugenaussagen über­führt, leugnet aber bisher jede Verbindung mit der Affäre und verlängert dadurch seine Untersuchungshaft voraussichtlich bis zur dem- nächstigen Hauptverhandlung.

A Weihnachten in den „Kaisersälen". Im Variete „$i a i f c r f ä I c“ wird diesmal ein großaraiges Weihnachtsprogramm ent­faltet, und erstklassige Varietekräste treten auf. Nicht nur Akrobaten kündigt der reichhaltige, gediegene Spielplan (der leider nur für sechs Tage gilt) an, sondern auch künstlerische Dar­bietungen schätzenswerter Art. Als famose Soubrette zeigt sich Lcni Kaufmann, als

Kleines Feuilleton.

Königliche Schauspiele. Wie wir be­reits mitgeteilt haben, kann wegen Erkran­kung der Frau Bayrhammer die Erstauffüh­rung von „Tantris der Narr" nicht am 28. ds. Mts. stattfinden, sondern muß auf den 2. Ja­nuar kommenden Jahres verschoben werden. Infolgedessen treten auch noch die nachbenann- ten Repertoiränderungen ein: Am 30. Dezember wird statt „Ein toller Einfall", sas Lustspiel „Ter dunkle Punkt", und am Sonntag, den 1. Januar, statt „Carmen", Ver­dis „Aida" gegeben. Die Vorstellung- „Aida" findet bei mittleren Preisen statt.

i£: Tas Düsseldorfer Theaterproblem. Man schreibt uns aus Düsseldorf: Wenn Düsseldorf unter bett Städten ist, von denen man spricht, wenn von Theaterstädten die Rede ist, so hat die Stadt das Luise Dumont und Gustav Lindemann zu verdanken. Das Stadttheater, das der Stadt alljährlich einen schönen Zuschuß kostet, hat nach außen bin so gut wie gar keine Bedeutung, ist vor allem als Schauspielbühne gar nicht mitzurech- itcn. Das hindert allerdings nicht, daß unser Schauspielhaus weder bei dem großen Publikum die genügende Beachtung noch bei der Stadt­vertretung Unterstützung findet. Nun hat zwar das Schauspielhaus unter den Reichsten der Stadt Düsseldorf eine Reihe von Gönnern, die die das Unternehmen stützen, aber auf die Tauer genügt diese Hilfe nicht, und gerade diese ölönner weisen wohl mit Recht darauf hin. daß die Stadt den künstlerischen Rus, den ihr Schau- svielhaus draußen in der Welt sichert, ohne eine Gegenleistung hinnimmt. Die Verwaltung des Schauspielhauses hat deshalb bei der Stadt beantragt, daß der Bühne eine jährliche Beihilfe von 50 000 Mark aus öffent­lichen Mitteln geleistet werde. Dafür soll der Stadt ein Sitz im Aufsichtsrate des Unterneh­mens eingcräumt werden.

ü Burrian, der „Herzen-Bezwinger". Er­pressungsversuche gegen den Dresdner Helden- tenor, den Kgl. Sächsischen und Kgl. Württem- bergischen Kammersänger Karl Bur­rian, bildeten den Gegenstand einer Anklage, die jetzt die zweite Strafkammer des Dresdner Landgerichts beschäftigte. Als Angeklagte er­schienen die Kaufleute Adolf Dinges, Karl Stoll und Franz Müller. Außer versuch­ter Erpressung wird den Angeschuldigten noch Ruhestörung und Sachbeschädigung zur Last gelegt. Die Grundlage der Anklage bildet ein zart es Verhältnis, das Burrian mit der Gattin des Angeklagten Dinges hinter des­sen Rücken angekünpft hatte und das im nahen Pillenorte Loschwitz, wo Burrian eine Villa be­sitzt, zu Kundgebungen gegen den „HerzcnSbc- zwinger" Burrian führte. Burrian führte mit feiner Geliebten, der Gattin Dinges, in derLosch- witzer Villa einen gemeinsamen Haushalt. Um seine Frau zur Rückkehr zu bewegen, begab sich der betrogene Ehemann mit seinen Mit­angeklagten Freunden eines Tages in die Bur- riansche Villa und stimmten dort einen Höl­lenlärm an. Die Demonstranten erhielten sei­tens des zusammengeströmten Publikums leb­hafte Unterstützung und gegen Burrian wurden die größten Verwünschungen laut. Zu der Verhandlung waren alle Geladenen, außer . . . Burrian erschienen. Der Vorsitzende er­klärte, Burrian gastiere jetzt in Amerika, und alle dabin gerichteten Ladungen seien als un­bestellbar zurückgekommen. Das Gericht be­schloß, die Verhandlung bis nach Bnrrians Rückkehr zu vettagen. Der betrogene und an­geklagte Ehemann Dinges wurde gegen 3000 Mark Kaution aus der Untersuchungshaft ent- laffen. Die Affäre erregt in Dresden großes Aufsehen, und man erwartet, daß das Hof­theater gegen Burrian entsprechende Maß­nahmen ergreifen wird. Schon früher bat der Künstler in ähnlicher Weise von sich reden gemacht., -

glänzende Tänzerin Tiger Lillv. WunderI weiblicher Kraft offenbaren die Original Relandinos. Ferner feien erwähnt: Auuska, die Geigenvirtuosin, in ihrer Szene „Five o'clock in der Puppenstube", Smeer- l a p c s bteffierte Wunderschwcine, die Bra- vour-Equilibristen Sellons, Texas H a 11 i e, die Tanzseiltünstlerin, sowie die Humoristen Engelbert Sassen und Emmv Busse. Auch an Jana und Mara Tabu's Tanzpoesien darf man sich ergötzen, tote denn das .Weihnachtsprogramm" überhaupt eine Fülle des Interessanten und Unterhaltendeit bietet.

△ Ein Vicrteljahrhundcrt treu gedient! Auf eine funfundzwanzigjährige Dienstzeit als Austoartefrau im Hause des Regierungsrats Zacharias tonnte am zweiten Weihnachts­feiertag die Aufwartefrau Lind zu­rückblicken. Frau Lind bat während dieser fünfimdzwanzig Jahre ohne Unterbre­chung ihren Dienst versehen und ist während, dieser ganzen Zeit gänzlich von Krankheiten verschont geblieben. Der Jubilarin wurden am Jubiläumstage zahlreiche Ehrungen zuteil.

A Casseler Hoftheater. Wie uns die In­tendantur mitteilt, beginnt der Vorverkauf der Eintrittskarten für die in die Zeit vom 27. d. Mts. bis einschließlich 2. Januar kom­menden Jahres fallenden Vorstellungen der Königlichen Schauspiele diesmal ausnahms­weise erst am Dienstag den 27. Dezember.

A Der gewissenhafte Regierungspräsident. Der Regierungspräsident teilt uns mit dem Ersuchen um Bekanntgabe mit: In einem Einzelfall bat in dem Verfahren auf Untersagung des Gewerbebetriebes als Bau­unternehmer pp. der zuvor zu vernehmende Sachverständige fein Gutachten lediglich auf die Mitteilungen des Polizeiverwalters gründen können, weil das Bauwerk, das in­folge seiner Bauausführung zur Einleitung des Verfahrens Veranlassung gegeben hatte, inzwischen beseitigt worden war. Bei der Bedeutung dieses Gutachtens für den Ausgang des Verfahrens und für die geschäftliche Exi­stenz des Gewerbetreibenden erscheint es be­denklich, daß das Gutachten nur auf Zeugenaussagen bin abgegeben wird. Es ist vielmehr erwünscht, daß der Sachverständige sich durch Besichtigung des Baues ein selbständiges fachmänni­sches Urteil bilde. Dazu ist erforderlich, daß, sofern es möglich ist, und öffentliche, sicherheitspolizeiliche Interessen nicht in Frage kommen, das Bauwerk oder im Falle des Ein­sturzes der Bauplatz in unverändertem Zu­stande erhalten bleibt, bis der zu hörende Sach­verständige benachrichtigt und erschienen ist.

A Casseler und hessischer Erfinder. (Mit- geteUt von H. Brust, Patentverwertung, Cassel.) Patentanmeldungen: Verfahren zur Darstellung von orangefarbenen bis orange roten Baumwollfarbstoffen. Chemische Fa­brik , Griesheim-Elektron, Frankfurt (Main); Wagenverdeck, Fa. Georg Kruck, Frankfurt (Main); Abdichtung für Tonrohrcnden. August Schröder, Cassel. Patenterteilungen: Verfahren zur Herstellung künstlicher Fäden aus Zelluloselösungen. Ph. Bechtel, Jlmen- stadt, Kr. Friedberg, Hessen: Klosettschutzvor­richtung. bei der eine Papierbahn nach Mün­zeneinwurf selbsttätig über den Sitz gezogen wird. Fcrd. Döring und Georg Arnold, Witzenhauseit bei Cassel. Gebrauchsmuster: Glühlampenträgcr, A. Schtoarz-Drvll. Frank- furt (Main); Fahrkartenhalter. C. Wicke, Homberg bei Cassel; Arbeits- und Schutzge- rüst für Dacharbeiter und Klempner. Louis Beil, Gießen; Spamiknebel aus drahtsörmi- gent Metall. Peter Taenzer, Cassel; Schutz­gitter für Kinderwagen. K. Henye, Mar­burg. Fingerhut mit Einfädelapparat. Adolf Seng, Cassel. (In allen Patentangelegen­heiten erteilt die Firma H. Brust den Lesern der „Casseler Neueste Nachrichten" kosten- l o s Rat und Auskunft.)

A Das Residenztheater nach dem Feste. Die Direttion des Residenztheaters teilt uns mit: Am heutigen Dienstag bleibt die Bühne wegen Vorbereitungen für die nächsten Aufführungen geschlossen. Am morgigen. Mitt­woch geht „Taifun" in Szene. Am Don­nerstag findet wieder eine Vorstellung im Stadtpark statt, ebenso am Neujahrstage. Das Programm für die nächsten Tage wird morgen bekanntgegeben.

A Die städtische Sparkasse. Wie die Direk­tion der städtischen Sparkasse in der heutigen Nummer der „Casseler Neueste Nachrichten" bekanntgibt, kann die Abhebung und Zu­schreibung von Zinsbeträgen bereits vom 29. Dezember ah bei der Hauptstelle und den Zweigstellen der Kasse erfolgen.

'△ Das Wetter am Mittwoch. Der amt­liche Wetterdienst sagt für den morgigen Mittwoch folgende Witterung voraus: Roch Schneefälle, doch an Stärke abnehmend, Temperatur langsam sinkend.

Letzte Telegramme.

(Rach Schluß der Redaktion eingrgangen.)

Ausruhr auf Ponape. h

London, 27. Dezember. (Spezialtele­gram m.) Nach einer Meldung ans Brisbane ist auf der zur Karolinengruppe gehörigen In­sel Ponape ein Aufstand ausgebro- ch c n. Ein aus den Gewässern der deutschen Besitzungen kommender Dampfer hat die Nach­richt gebracht, daß vier Europäer und fünf fremdenfreundliche Eingeborene um gebracht worden sind. Wie aus Tsingtau telegraphiert wird, ist der Kreuzer „Emden" nach Ponape in See gegangen. Hebet die Vorgänge hfich- tet uns ein weiteres Telegramm ans Berlin:

Rach einem vom stellvertretenden Gou­verneur von Deutsch-Guinea, Regierungsrat Tr. Oßwaldt, aus Jap auf den Karoli­nen eingetragenen Telegramm sind am 18. Oktober der Bezirksamtmann Regie- rnngsrat B o e l d e r, Sekretär B r a tt ch - mann, Station rbeantter .Nallborn uns

der Wiesenbautechniker Häfner vo« Ginge borenen aus Lkadsch ermordet worden. Der Beweggrund scheint auf Differenzen wegen der Vermeffungsarbeiten zurückznfnh- reu zu fein. Dia Kolonie war bedroht und wurde mit Hilfe von treugebliebenen Einge­borenen verteidigt;. Ter stellvertretendes Gouverneur ging am 30. November mit 9k Polizeisoldaten nach Ponape, und es gelang ihm die Europäer zu fchiitzen. Erneute An­griffe find seither nicht erfolgt. Am 13. De- zember langten bereits neue Polizeitruppen an. Am 19. Dezember traf der Kreuzer „Cormoran" an. Die Zahl der Aufrührer beträgt etwa 250, die mit etwa 90 Gewehren und anderen Schießwaffen versehen fein sollen.

In Ponape herrscht jetzt wieder Ruhe, und die Einwohnerschaft verhält sich zum größten Teil loyal. Rach einer anderen Meldung ist inzwischen das Vermessungsschiff „Planet" von Ren-Guinea nach Ponape ab gegangen.

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Die neueste ssxvlofionskntaftrophe. "X.

Paris, 27. Dezember. (Spezialtele« gratnnt.) In Cnttania auf Sizilien er­eignete sich gestern eine furchtbare Ex­plosions-Katastrophe. Aus einem Wagen, der 6 Fässer Benzin führte, fiel eines der Fässer auf das Pflaster und explodierte. Dadurch kamen auch die übrigen Fässer zur Ex­plosion und alsbald wälzte sich eine gewaltige Flamme durch die Straßen, die mehrere Stockwerke hoch emporloderten. Die Häuser zu beiden Seiten der Straße gerieten in Brand. Die Bewohner, die ans den Häu­sern nicht flüchten konnten, gaben Flintcn- fchüssc ab, um die Feuerwehr zu alarmieren. Diese eilte herbei, war aber außerstande, das Flammenmeer, das sich über die ganze Stadt hinzog, zu löschen. Es mußte das vollstän­dige Abbrennen des Benzins abgc- toartet werden. Zahlreiche Personen erlitten Brandwunden, sechs so schwere, daß an hrem Auskommen gezweifelt wird.

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Der Musketier als Mörder. - .‘’-y

Dresden, 27. Dez. (S p e z i a l - T el« - gram m.) Gestern abend erschoß der 21jährige Soldat Neef vom 139. Infanterie- Regiment auf dem Wege nach Gcrsdorf bei Chemnitz nach vorausgegangenem Streite die 30 Jahre alte Bergarbeiterfrau Leitzelring. Hierauf versuchte er sich selbst zu erschießen, ver- ivundete sich aber nur leicht. Nachdem er Waffenrock, Seitengewehr und Revolver weg- gemorfen hatte, rannte er nach Lichtenstein und versuchte sich dort in einer Gartenlaube zu er­hängen. Hierbei wurde er aber überrascht und feftgenommen.

Ter Dortmunder Bankkrach vor Gericht. "

Dortmund, 27. Dez. (Telegramm unseres Korrespondenten.) In dem Straf­verfahren gegen die Direktoren und Revisoren bet verkrachten „Niederdeutschen Bank" find nun die Ermittelungen zuni Abschluß gelangt, und die Hauptverhandlung gegen die in Haft befindlichen Direktoren O h m und Schmidt wird vorausfichilich schon im F e b r n a r n. I. stattfinden.

Die Spione von Borkum.

Leipzig, 27. Dezember. (Spezialtele­gramm.) Die Neberführung der wegen Spio­nage zu 4 Jahren Festung verurteilten eng­lischen Osfiziere wird morgen erfolgen und zwar kommt Leutnant Brandon nach de, Festung Wesel und der Kapitän Trench natf der Festung Gl atz.

Abermals eine Auto-Katastrophe.

Paris, 27. Dezember. (S p e z i a l i c le­gt a m m.) Ein schweres Automobil­unglück ereignete sich heute früh auf einer Spazierfahrt, die der Direktor einer Auto mobilsabrik in Marseille, Engelhardt, mit einem Herrn Kersten, einem Herrn Sänger, und einer jungen Dame unternahm. Sänger lenkte das Auto. Infolge Platzens eines Pneuma­tikreifens überschlug sich das Automobil. Ker­sten und die Dame gerieten dabei in einen Ab­grund und wurden lebe ns gefährlich verletzt.

Nach der Potsdamer Entrevue. '

Paris, 27. Dezember. (Spezialtcle- gramm.) Der „Watin" meldet aus Peters­burg, daß der Zusammenkunft der russischen Großfürsten Nikolaus und Sergius mit den Mitgliedern des österreichischen Kaiserhauses (die in Cierniowiee stattsinden soll) auch der österreichische Thronfolger beiwoh­nen wird. In politischen Kreisen Rußlands findet diese Zusammenkunft große Beachtung und wird als Resultat der Soifer» Entrevue in Potsdam bezeichnet.

Tic Bergarbeiter von Lüttich.

Lüttich, 27. Dezember. (Telegramm unseres Korrespondenten.) Jin Koh­lenrevier von Lüttich droht ein allgemei­ner Bergarbeiterausstand auszu- brechen. Mehrere Schächte mußten bereits infolge der Arbeitseinstellung der Bergleute st i 11 g e t c g t werden. Man befürchtet, daß der Streik größere Ausdehnung annehmen und sämtliche Gruben in Mitleidenschaft ziehen wird.

Ein neuer Eisenbahner Ausstand? .»

Rom, 27. Dezember. (Spezialtele­gramm.) Die Arbeiter und das Betriebsper- sonal der italienischen Eisenbahnen, die seit Jahren für eine Besserung ihrer ma­teriellen Lage agitieren, drohen, in den Aus­stand zu treten, weil sie die ihnen vom neuen Gesetzentwurf in Aussicht gestellte Gehaltsaus befferung im Betrage von 24 Millionen Lire für unzureichend halten. Trotzdem die offi­zielle „Vita" und andere Blätter an einen ^e» neralftreik oder eine Obstruktion nicht glauben wollen, ist eine ernste Streikbewegung tatköckili ch im öaiuu.