<R”weet 20* 1. Jahrgang.
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Csflrler Mmktzeitung
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Mitttvoch, den 28. Dezember.
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Rach dem Fest.
Rückblicke ans das alte Jahr.
DaS .Kometenjahr* neunzebnhundertzehn fiflttb äußerlich im Zeichen des schlechten Wetters und der schweren Naturkatastrophen. Ungemütliches Wetter herrschte auch tn der innerdeutschen Politik, indessen die Vorgänge draußen sich für die deutschen Interessen freundlicher gestalteten. England hat im Laufe dieses Jahres zweimal sein Parlament neu gewählt; Deutschland hingegen stand das ganze Jahr hindurch innerpolitisch unter den Qualen einer Wahlvorbereitung, die noch ein weiteres Jahr andauern wird, bis endlich die Entscheidung fällt und eine neue Situation geschaffen ist. Ein solches Uebergangsstadium, das alles in allem seine zweieinhalb Jahre zu währen verspricht, ist nichts weniger als erfreulich und erzeugt eine Stimmung, in der jede häßliche Nebenerscheinung viel mehr Beachtung findet und viel nachhaltiger wirkt als die günstigen Erscheinungen. So kommt es, daß wir beständig nicht nur im Banne des politischen Zanks gestanden haben, sondern zugleich auch unter dem Truck in ununterbrochener Folge einander ablösender Sen- sations Prozesse. Diese Sensations- Prozesse haben nachgerade die Gestalt von dauernden Krankheitserscheinungen am deutschen Polkskörper angenommen; und es gehört vielleicht zu dem Unerfreulichsten, was uns das laufende Jahr geboten, daß int Zusammenhang mit diesen Dingen das ehedem schier unerschütterlich erscheinende Vertrauen in die deutsche Rechtsprechung außerordentlich wankend geworden ist. Die Politik einerseits, die krasse Sensation andererseits hat sich in solcher Weise der forensischen Vorgänge bemächtigt, daß von den Augen der ehrwürdigen Frau Justitia die Binde abgenommen erscheint, und cs den Eindruck gewinnt, als blicke sie mit bald gehässigem, bald sensationslüsternem Auge parteiisch auf die Parteien.
Nun arbeiten wir zurzeit an einer Reform sowohl des Strafverfahrens wie des Strafrechtes; merkwürdig aber ist an dieser Arbeit schon die unlogische Reihenfolge, in der die Strafprozeßreform der Strafrechtsreform vor- angeht. Kein Zweifel, daß wir auf diese Weise ZU einer abschließenden Arbeit nicht gelangen können, da doch der Reform des materiellen Strafrechtes mit größter Wahrscheinlichkeit alsbald eine neue Reform des prozessualen Verfahrens wird folgen müssen. Auch bezüglich der Reformen, die auf andern Gebieten gegenwärtig in Arbeit sind, kann eine glückliche und großzügige Hand schwerlich gefunden werden. Tas gilt insbesondere von der neuen Reichs- versicherungsordnung, die der Reichstag während des ganzen Jahres in Arbeit gehabt hat. Sie hält sich zwar äußerlich im Rahmen einer großen Vereinheitlichung; aber schon die Unzahl ihrer Paragraphen läßt erkennen, daß ihre äußerliche Vereinheitlichung weit entfernt ist von einer innerlichen Verschmelzung, wie denn überhaupt die gegenwärtige Zeit der parlamentarischen Wirren in Deutschland und dcs erschütterten Vertrauens.zu den regierenden Mächten recht wenig geeignet ist, wirklich großzügige Resormen erstehen zu lassen. Unter diesen Umständen wird man auch nur wenig zuversichtlich dem Werke der Vcrwaltungs- refornt cittgegenschen, an dem während dieses Jahres die Königliche Jmmediatkommissioit gearbeitet hat. Sie litt unter gar zu gebundener Marschroute und konnte auch ihrerseits zu großen Entschlüssen bisher nicht kommen.
Ueberbaupt wurde das innerpolitische Le- Ä£tt des zur Neige gehenden Jahres nicht dirch großzügige Arbeiten beherrscht, sondern mehr durch das leidige P a r t e i g e z ä n k, das seit dem Blockbruch nicht verstummen will, und das nicht verstummen kann, ehe die nächstjährigen Wahlen die „große Abrechnung" gebracht haben. Ungenutzt blieb die Zerfahrenheit und Uneinigkeit der sozialdemokratischen Partei, die auf dem Magdeburger Parteitag zutage getreten ist, und alle die Chancen, die sich damals den bürgerlichen Parteien boten, wurden hingegeben durch den Zwist innerhalb dieser selben bürgerlichen Parteien. Tie Sozialdemokratie, ihren inneren Zerwürfnissen gemäß offensichtlich zu starkem Rückgänge verurteilt, wurde statt dessen unentwegt gefördert durch die allgemeine politische Mißstimmung. Ter Kampf zwischen den politischen Parteien wurde teils ergänzt, teils noch mehr verwirrt durch den Kampf zwischen den großen Organisationen mit w i r t s ch a f ts p o l i t i s ch e n Tendenzen: Dem Bund der Landwirte und dem Hansa-Bund. Vergebens trachtete die 1
Regierung, ihre Sammlungsparole gegen die Sozialdemokratie zum Siege zu bringen: Es blreb bei dem gehässigen Parteikampf int bürgerlichen Lager, und der einzige Erfolg, der allenfalls innerhalb der bürgerlichen Parteien verzeichnet werden kann, ist der stärkere Zusammenschluß des Liberalismus. Aber auch der erscheint noch recht lückenhaft und kann Ucherlich nicht vollständig werden, - solange der Freisinn nicht die Elemente der sogenannten Asphalt-Demokratie" abgeschüttelt hat.
Schließlich waren es noch wirtschaftliche Ursachen, die zur Vertiefung der Gegensätze beitrugen: Im Rahmen der allgemeinen Verteuerung der Lebenshaltung vor allen Dingen die F l c i s ch t e u e r u n g, die im Grunde genommen von allen Seiten eine kleinliche und mehr oder weniger parteieogisti- sche Behandlung erfuhr, wie es allerdings in den gegenwärtigen Zeitläuften nicht Wundernehmen kann. Höhnten die einen über den „Fleischnotrummel", so hatten die andern nur ein Wutgeheul über den „agrarischen Fleisch- Wucher", ohne daß eine über den Parteien stehende Regierung vorsorgend eingegrissen und durch großzügige Maßnahmen für die Futter- mittelversorgung dem Kampf die Spitze abgebrochen hätte. Ost genug hat man überhaupt die Regierungstätigkeit vermißt, obwohl doch Herr von Bethmann Hollweg sich eigens seine Regierung neu zusammengestellt hat und dabei vor Ministerwechseln nicht zurückschreckte, wie sie in ähnlichem Umfange nur selten dagewe- sen sind. Es scheint überhaupt, daß Herr von Bethmann Hollweg in der inneren Politik noch immer um das Vertrauen kämpfen muß. Einigermaßen hat er es ja durch seine letzte große Etatsrede zu befestigen verm-ocht: -und man wird ihm in den innern Wirren, deren Beilegung vor den nächsten Wahlen auch einer stärkeren Hand kaum möglich wäre, manches nachsehen jkönncn, seitdem man die äußere Lage des Reiches so beträchtlich vorteilhafter als noch vor kurzem gestaltet sieht. Immerhin: Im ganzen betrachtet, erscheint das Bild der politischen Situation zur Jahreswende wenig erfreulich und das „Kometenjahr" ist alsp -auch in dieser Beziehung kein Glückbringer gewesen.
Artur Dix.
Prinz Max in Rom.
Eine sächsische Regierungs-Erklärung. «Telegraphische Meldungen.)
Einem uns dus Rom zugehenden Privat - T e l e g r a m m zufolge ist Prinz Max von Sachsen gestern in Rom eingetroffen, um sich int Vatikan wegen feines angeblich kircheitfeindlichen Artikels in der Zeitschrift „Rom und Orient" zu verantworten. Ter Prinz wird bereits morgen mit den zn- ländigen Instanzen des Vatikans in direkte Verbindungen eintreten. Wie ans der Umgebung des Prinzen versichert wird, ist Prinz Mar entschlossen, seine Veröffentlichungen m i t aller Energie zu verteidigen. Ter Prinz werde sich auch durch keinerlei andere Rücksichten abhalten lassen, seinen Standpunkt gegenüber dem Vatikan ohne Rücksicht auf die etwa daraus sich ergebenden Konsequenzen zu vertreten. Inzwischen ist in dem amtlichen Organ der sächsischen Regierung, dem „Dresdener Journal", in der Angelegenheit eine offiziöse Erklärung erschienen, In der es heißt:
„Ter Artikel Seiner Königlichen Hoheit des Prinzen Mar: „Pensoes sur l'union des öglises" in der neuen Zeitschrift „Roma c FCriente* ist zum Gegenstände weitgehender Erörterungen in der Presse gemacht worden. Demgegenüber wird hiermit festgestellt: Der fragliche Artikel erörtert das Problem, in welcher Weise vom Standpunkte und aus den Auffassungen der- nichtunierten Orientalen heraus betrachtet am aussichtsvollsten die Wiedervereinigung der orientalischen mit der okzidentali- schen Kirche herbeigeführt werden könnte. Die zu diesem Zwecke gemachten eigenen kritischen Bemerkungen und Vorschläge sind, sofern sic sich auf exegetischem, kirchengeschichtlichem Gebiete bewegen, nicht einwandsfrei und unterliegen einer Wissenschaft- l ich en Beurteilung. Jusosern sie mit Dogmen der katholischen Kirche in Zusammenhang stehen, sind sie nicht nur einer sachlichen Prüfung an sich ausgesetzt, sondern haben auch mit der Gesamtlehre der Kirche im Einklang zu stehen. Von dieser aber abzuweichen, oder mit ihr sich in Widerspruch zu setzen, lag und liegt dem Prinzen vollkommeil fern . Daß die Zurück- r i e h u n g des Artikels opportun war, be
stätigen die Mißverständnisse und tatsächlichen Mißdeutungen desselben, welch letztere wiederholt dem Wortlaute widersprochen haben."
Diese Erklärung, hinter der zweifellos die sächsische Regierung siebt, sieht aus wie die Vorbereitung eines offiziellen Rückzugs, und es stimmt mit dieser Erklärung auch eine uns aus R o in zugehende Meldung überein, nach der Prinz Mar bereits eine ihm vorgelegte Erklärung, die eine Zurücknahme der kritischen Auslassungen in dem vielerörterten Artikel darstelle, bereits unterzeichnet haben soll. Ob diese Nachricht zutrifft, entzieht sich vorerst der Nachprüfung: jedenfalls steht sie in direktem Gegensatz zu der bisher vom Prinzen beobachteten Stellung, wenn sie auch mit der Erklärung im Dresdener Journal übereinstimmt. Man wird also nähere und authentische Nachrichten abwarten müssen, ehe sich über den gegenwärtigen Stand der Affäre ein Urteil bilden läßt.
Schuld und Sühne.
Oberleutnant Hofrichtcr im Gefängnis.
(3$ oit unserem Korrespondenten.)
Wien, 24. Dezember.
Adolf Hofrichter, der Urheber der ver- banftnievollen Cvankali-Briete an österreichische Generalstabsofsiziere verbüßt bekanntlich feine zwanzigjährige Kerkerst rckfe in der Militärstrafanstalt in Möllersdorf. Die vor kurzem verbreitete Meldung, daß Hofrichter einen Selbstmordversuch unternommen habe, wird jetzt von dem Kommandanten der Strafanstalt, Major Nawratil, in einem Schreiben richtigge- stellt, dos an die Wiener Blatter gerichtet ist und in dem- -es heißt: „Hofrichter hat während fetner Kerkerhaft in Möllersdorf niemals einen -Selbstmordversuch verübt und ebensowenig hat er jemals einen Tobsuchtsanfall erlitten. In seinem physischen Befinden ist seit seiner Einlieferung in die Militärstrafanstalt Möllersdorf absolut keine Aenderung eingetreten. Im Wiener Garnisonsgericht nahm er seiner Zeit das Urteil mit großer Fassung entgegen, und ferne ruhige Fassung wurde erst hier in Möllersdorf gebrochen, als er erfuhr, daß feine Fran nichts mehr von ihm wissen wollte, weil sie ihn für schuldig halte. Hofrichter erlitt damals einen Verzweif- l n n a s a n f a l l, er fiel auf den Strohsack, der ihm zum Lager dient, und schrie und schluchzte, wie ich noch niemals jemanden schluchzen gehört habe. Erst mit Hilfe des her- beigeholten Arztes gelang es mir, ihn wenigstens einigermaßen zu beruhigen. Ich weiß nicht, wie weit dieser Anfall Echtheit und wie weit er Komödie gewesen, aber daß mehr Echtheit dabei gewesen, kann ich ivohl behaupten.
In den nächsten drei Tagen wiederholten sich diese Verzweiflungsanfälle und Hofrichter nahm in dieser Zeit nur wenig Nahrung zu sich, doch schon nach einer Woche war er vollkommen gefaßt und nahm seine Mahlzeiten mit ruhigem Appetit. Ein ganz unglaubhaft erscheinender Zustand von Seelenruhe kam über ihn und wich auch seither nicht von ihm. Er trägt eine eiserne Fassung zur Schau, wie ich sie während meiner langen Dienstzeit noch bei keinem Gefangenen gesehen. Hofrichter beteuert seine Unschuld mit einer derartigen Entschiedenheit, daß man zur Ansicht kommen muß, er selbst habe zu glauben begonnen, daß er unschuldig sei. Er ist äußerst fromm und lieft eifrig in der Bibel und in den Gebetbüchern, die man ihm zur Verfügung gestellt hat. „Ich bin das Opfer einer Kette von unglücklichen Umständen: Gott will mich nur prüfen, Gott ist barmherzig: er wird meine Unschuld dartun." Diese Worte hat er oft geäußert. Hofrichter befindet sich noch immer in Einzelhaft und geht täglich zu einer anderen Zeit als die übrigen Gefangenen im Gefängnishof fpazieren. In Einzelhaft befinden sich die Gefangenen, mit deren Wesen man sich noch nicht vertraut gemacht hat, ferner foche, die sich gegen die Anstaltsvorschriften vergangen haben, und schließlich diejenigen, die selbst Ein- .zelhaft wünschen. Hofrichter gehört zu den Häftlingen, die in Einzelhaft gehalten werden, iveil sie sich gegen die Anstaltsvorschriften oer- gaugen haben. Er sucht nämlich fortwährend Gelegenheit, um sich mit der Außenwelt durch Zettel in Verbindung zu setzen. Diesbezüglich war ihm kein Plan zu phantastisch, als daß er mcht desien Ausführung versucht hätte.
Ich habe ihm schon ost zugeredet: „Seien su doch vernünftig! Erschweren Sie sich richt Ihre Lage durch Vergehen gegen die An- Mltsvorschriften; ermöglichen Sie es mir doch durch untadelhaftes Benehmen, Ihnen alle enc Bcuefizien zu gewähren, die zu gewähren ich in der Lage bin. Denken Sie nicht an die Vergangenheit, nicht an die Zukunft, sondern nur an die Gegenwart!" Bis jetzt ist jedoch mein Zureden ohne Erfolg geblieben. Im Augenblick, wo ich hie Gewißheit darüber gewonnen hätte, daß Hofrichter keinen Versuch mehr unternehmen wird, sich mit der Außenwelt in Verbindung zu setzen, würde er einen Zellengenossen erhalten, auch würde ich ihm Schreibpapier ausfolgen lassen. Gegenwärtig bat er ZUM Schreiben nur eine Schiefertafel und einen Griffel zur Verfügung und außer der
„ekture der Bibel und der Gebetbücher besteht setue einzige geistige Beschäftigung im Studium fremder sprachen. Gegenwärtig lernt er Eng lisch- Das physische Befinden Hofrichters ist relativ gut, er war noch nicht ein einziges Mal krank gemeldet. Die auf tuberfulofer Grund- läge verübende große Geschwulst an seinem Hal,e ist unverändert geblieben und verursacht thm keinerlei Beschwerden. Der Kommandeur bemerkt noch: Am Weihnachtsabend werden die Sträflinge m die Anstaltskavelle geführt, wo ft- emer feierlichen Messe beiwohnen: don ist auch ent Cbristbaum aufgestellt. Die all Mhrlich zahlreich von auswärts einlaufenden Weihnachtsgeschenke können nach den Anstalts Vorschriften den Gesangeiien nicht ausgesolal werden und werden an die Absender zurück gesendet. _kh.
Sie letzten Katastrophen. Eisenbahn-Zusammenstöße und Dampserunfälle. lTelegraphischc Meldungen.) Am Vorabend des Weihnachtsfestes hat iich, fast unmittelbar anschließend au die Eisenbahnunfälle in Frankreich, in Schottland eine schwere E i s c n b a h n - K a t a st r o - p h c ereignet: In der Nähe der Station K i r k- by -Stephen ftlhr der schottische Er. P r e ß z u g auf zwei ihm vorausfahrende Lokomotiven auf. Die beiden Lokomotiven des Erpreßzuges und die beiden vorausfahrenden Lokomotiven entgleisten mrd die Speisewagen fingen Feuer, lieber die Katastrophe werden uns telegraphisch folgende Einzelheiten berich- tet:
London, 27. Dezember.
Ter Unfall ereignete sich an einer sehr entlegenen Stelle, was das Eintreffen von Hilfsmitteln erschwerte. Ein verletzter Reisender legte drei Meilen zurück, bevor er ein Wärterhäuschen erreichte, von wo aus der Unfall gemeldet werden konnte. Bis jetzt sind neun Leichen noch nicht er kannt und deren Identifizierung wird auch sehr schwer halten, da nur einzelne Leichenteile dieser Opfer aufgefunden worden sind. So wurde von einer mit „Rr. 9" bezeichneten Leiche nur eine Schulte'- gefunden. Von der „Leiche Nr. 7" nur der Schädel und ein Stück Schulter. Zahlreiche halbver- Zkohlte Leichenteile sind gcfnmmclt worden, ohne daß cs möglich ist, sestzustel- len, welchem der Opfer sie angehöreit. Ein Ehepaar, das mit seinem sechsjährigen Kinde zu Verwandten reifte, um dort die Weihnachtsfeiertage zu verbringen sah sein Kind, das infolge des Zusammenstoßes zwischen Eisen- und Holzteilen eingetlemint war, langsam lebendig verbren neu, ohne daß cs ihm möglich war, dein Kinde zu helfen. Unter den Verletzten, die nach Glasgow gebracht worden sind, befin den sich die Eltern dieses Kindes. Ter Va ter, ein Herr Grey, kann nicht mehr ausste hen, er weint andauernd. Tie Mutter ist ebenfalls verletzt und durch den ausgestandenen Schrecken teilweise gelähmt, auch hat fit die Sprache verloren. Tie Katastrophe ist eine der furchtbarsten, die je in England zu verzeichnen gewesen sind. Ter Zug war sehr lang und mit etwa fünfhundert Passagieren besetzt. Es wird berichtet, daß alle Wagen, einschließlich des Schlafwa gcnS, ein Opfer der Flammen geworden sind Insgesamt sind, soweit bisher Feststellungen möglich waren, dreißig Personen getötet und viele andere schwer verletzt mar- ben.
Ein weiteres Eisenbahnunglück wird ans Marmande (Frankreich) gemeldet, wo eine Maschine in einen ans Mont-deMarsan kom menden Zug bineinfubr. Zehn Reifende haben Verletzungen davongetragen. Von den bei dem Eisenbahnunglück bei ArbanatS Ver letzten ist noch eine Person gestorben, sodaß die Zahl der Toten jetzt fünf beträgt. Durch die Untersuchung über das Unglück bei Arbauats ist festgestellt worden, daß der Lokomotivführer des Persoirenzuges mit einer Geschwindigkeit von ft) Kilometern fuhr und die Signale bei Erpreßzuges nicht sah, der vor ihm fuhr
Schiffskatastrophe aus der Schelde.
Sechs Matrosen crtninlcn.
Meldungen aus Antwerpen zufolge sind in der Nacht zum ersten Feiertag die Dampfer „F i n n l a n d" und „B a l t i q u c" in der Scheldemünduug zusantmengeftoßen. Tic „Baltiaue" ist gesunken und sechs Mann der Besatzung sind ertrunken. Wir erhalten über die Katastrophe folgenden telegro phischeu Bericht:
Antwerpen, 27. Dezember.
z In der Nackt zum ersten Feiertag, geger zwei Uhr, fuhr der transatlantische Dampfe: .Finnland" gegen den in der Scheldcousiv.