Nr. 19.
Erster S»hrge«g
Franz Sofef und die Kinder.
Wie Oesterreichs Kaiser Weihnachten feiert...
Lus Wien wird uns geschrieben: Die Kinderschutzstatioucn, di- unter dem Protek- rvrat Ser Er-,Herzogin Maria Josefa stehen, unb die alljährlich Hunderte von Kindern beherbergen, bereiteten den Kindern, die die Mermi'ten unter den Armen sind, Weihnachten unter Anwesenheit des greisen s $ie Weihnachtsfeier, die die Kinder nnd dL Elwachsenen. im Beisein des Monarde» verlebten, war tief ergreifend, und gestal- teie sich zu einer Szene, die wohl allen Anwesenden ewig unvergeßlich bleiben tinrb. Die Mn-nracke an die Kinder hielt der Jesurteu- vat-r And lau, der von einem Weihnachts- seite erzählte, das er in seiner Jugend gesehen: standen vor einem prächtigen Haus zwei ernte Kinder, blickten bewundernd zu dem Baume auf, der in Hellem Lichterglanze er- sirabtte, und weinten Tränen, daß ihnen das k£» 'der Liebe versagt geblieben. Der Pater sägte daß damals sein Kinderher, sich geregt und sein Kinderverstand gefragt hätte: «Weshalb macht man die Türen nicht auf? Wenn ich etwas zu befehlen hätte, würde ich die Pforten öffnen und allen armen Kindern saaen: «Kommt herein zu uns, die wir mehr haben, als ihr." Und damals habe er sich fest vorgerwmmen, sich niemals mehr zu einem Weihnachtsbaum in Frohsinn und Glück zu begeben, ohne an Die zu denken, die da darben und Not leiden. So habe er es auch gehalten, und dennoch sei es ihm heute zum erstenmale vergönnt, ein Weihnachten zu verleben, das noch geweihter, noch heiliger ist, als alle, die er jemals gesehen.
Und das fei das Fest, da der Kaiser gekommen fei, um mit Denen zu feiern, die ohne bte Liebe und Güte der Menschen den Baum nur von außen sehen würden, und die heute beglückt und voll Jubel unter den brennenden Kerzen stehen dürfen. Der Pater fagte: „Der Kaiser ist zu euch gekommen, ihr Kinder, um mit euch Weihnachten zu verleben, das dankt ihr Dem, der aus dem himmlischen Schloß gekommen ist und in die Krippe ging, um die Menschen zu beglücken. Das Kind von Bethlehem hat den Weg gesunden zu den Menschen der Welt, die Pfade zu de« Hütten der Armen, der geliebte Soifer ist zu euch gekonnnen, um euch zu beglücken. Und das werdet ihr nie vergessen, und wenn eiter Haar weiß sein wird wie Silber, ihr werdet doch immer an das Weibnachtsfest denken, das ibr mit dem gelebten Kaiser feiern durstet. Wie gern würdet ihr wohl zu unferem Kaiser hin- gehen, so tote andere Kinder zu ihrem Vater gehen, und ihm sagen: «Lieber Kaiser, wie bist du so gut. wie lieben wir dich. Da riefen die Kinder plötzlich, von einem jähen Jmvuls getrieben: «3fa, lieber Kaiser, so gut bist du, w i r lieben dich, wir werden dich ewig lieben." Die Rührung übermannte den greisen Monarchen: Er breitete die Arme aus,
Casseler Meueste Nachrichten
als wollte er seine Kinder, die ihm Treue und Liebe schworen, alle umarmen, die Tränen stürzten aus seinen Augen, und er weinte heiß und lange. Es soll ein Anblick gewesen fein, der niemals von denen wird vergessen werden können, die ihn miterlebon dursten: Ein Moment ergreifender Größe und Schlichtheit, der aller Herzen erfüllte und in allen Seelen zündete... G. F.
Buntes Allerlei.
Millionen in Asche.
Einen ungefähren Uebcrblick über die ungeheuren Verluste, die die Bereinigten Staaten durch die gewaltigen Waldbräu de der letzten Zeit erlitten haben, gab einer der höchsten amerikanischen Forsibeamten, Henry S. Graves, in einem in St. Pau! gehaltenen Vortrag. Während des vergangenen Jahres sind in den Nationalsorsten allein über 4000 Brände ausgebrochen. Die Kosten, die mit der Bekämpfung dieser Feuersbrünste verbunden waren, beliefen sich auf etwa 1 Million Dollar. Das ganze Areal, das durch diese Brände betroffen wurde, beläuft sich auf mehr als drei Millionen acres. Aach einer vorläufigen Schätzung muß man annehmen, daß durch diese Verwüstungen des feurigen Elementes zwischen 6 bis 7 Millionen Quadrat- Fuß Nutzholz zerstört oder beschädigt worden sind; einiges davon wird allerdings noch nutzbringend verwertet werden können. Wenn man den Schaden an Nutzholz und an jungem Wachstum zusammenrechnet, so ergibt sich eine Summe, die wohl 25 Millionen Dollar erreichen wird. Von den 4000 Feuersbrünsten in den Nationalwaldungen sind 34 pEt. auf Funken von den Lokomotiven und überhaupt auf die mangelhafte Anlage der Eisenbahnen zuruckzuführen, 17 PEt. wurden durch Blitz hervorgerufen, 23 PEt. entstanden durch unbekannteUrsachen, 10 PEt. wurden durch Lagerfeuer verursacht, 6 PEt. durch Un- vorsichtiakeiten aller Art, als Weawerfen von Streichhölzern, brennenden Pfeifen ufw., 6 Prozent sind auf Brandstiftung zurückzuführen und die übrigen auf verschiedene Ursachen.
Die „Musterstadt" der Millionärin.
AuS New York wird uns geschrieben: Die Witwe des bekannten Millionärs Russell Sage hat 2% Millionen Dollars gestiftet. damit dem Gedächtnis ihres verstorbenen Mannes neun englische Meilen von New- York eine Mnsterstadt für 1500 arme Familien errichtet werden kann. Ein Areal von 142 acrcs Land ist in Forest Hills Garden erworben worden, und hier sollen sich nun Häuser erbeben, die an Komfort und hygienischen Anforderungen das durchschnittliche Newyorker Mietshaus weit in den Schatten stellen. Der Preis für ein hübsches „hörne* in dieser Musterstadt wird sich auf 25 Dollars stellen und großartige Gartenanlagen werden
für gesunde Lebensbedingungen und landschaftliche Schönheit sorgen. So soll Forest Hills Garden ein „fleckenloser Ort" werden, eine Mustcrstadt, in der alles geleistet wird, was sich mit Geld und Geschicklichkeit leisten läßt. Mrs. Russell Sage hat noch weitere Stiftungen für diese Anlagen in Aussicht gestellt, doch soll eine gewisse Rentabilität des Unternehmens nicht außer acht gelassen werden. Die Eröffnung dieser Musterstadt soll im nächsten Jahre erfolgen.
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Die „Verschwörung der weißen Rose".
Einen k ö st l i ch e n Scherz hat ein Spaßmacher in einem Pariser Cafehause ausgeführt. Ein paar Tage vorher hatte er in einem Blatte zwei Inserate aufgegeben. In den! einen suchte ein reicher Hcr.r die Bekanntschaft heiratslustiger Damen zu machen, und in dem andern suchte eine vermögende Dame lebenslustige Herren zwecks Heirat kennen zu lernen. Als Erkennungszeichen wurde in beiden Inseraten eine weiße Rase angegeben, die die Herren im Knopfloch und die Damen an der Korsage tragen sollten. Tatsächlich fanden sich auch an dem bestimmten Abend in dem Cafe erst 5, dann 10, weiter 20. 30 bis gegen 50 Personen ein, alle mit weißen Rosen geschmückt, die sie an der vereinbarten Stelle festgemacht batten. Gleichzeitig hatte der Ausgeber des Inserates aber auch die Volizei- präfektur davon verständigt, daß die .'. . Royalisten eine „Verschwörung der Weiten Rose* in dem Cafe abhalten wollten, in der Beschlüsse über den Sturz der Republik gefaßt werden sollten. Unterdessen warteten die Heiratskandidaten in dem Cafe: Die Damen auf das Erscheinen des reichen rt*?, und die Herren auf die vermögende 7" -nie. Ein, zwei Stunden vergingen als nien — -b erschien, dämmerte es einigen, daß sie einem Spaßvogel aufgesessen hatten und enterbten sich unauffällig, andere dagegen licken aufs Polizeikommissariat, wo sie eine Beschwerde gegen Unbekannt wegen Irreführung einbrachten. Der Polizeipräfekt hatte einige feiner Geheimagenten ebenfalls in das Cafä geschickt, und um nickt auszrrsallen. steckten sich diese Beamten ebenfalls Weiße Rosen an; auch sie warteten nun vergebens auf den Beginn der revolutionären Verschwörung. Heute nun lackt ganz Paris über den so wohl- gelungenen Scherz des Spaßmachers.
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Der „Spleen" des Clowns.
Ort der Handlung: Das Sprechzimn--r eines bekannten Arztes in einer enaffsch n Großstadt. Personen: bet Arzt und fein Patient (so leitet der „Älsiere* die ,'~ zählung der folgenden Anekdote eins. ° - Patient macht den niedergeschlagensten druck, den man sich nur denken kann, und kl mt dem Arzt: „Ich leide an einem entsetzlichen Spleen, an einer finsteren Trauer. Trotz aller Anstrengungen verfolgt mich immer der Selbstmordgedanke. Ich beschwöre
2. Beilage.
Sonntag, 25. Dezember 1910,
Sie: Helfen Sie mir!" Der Arzt untersucht seinen Patienten sorgfältig und erfährt dabei, daß er schon ohne jeden Erfolg bei vielen anderen Aerzten war und die verschiedensten Kuren durchgemacht hat, schließlich denkt er, er müsse eine rein psychologische Heilmethode ausführen und fagt: „Wissen Sie was, meinem Hause gegenüber ist ein großer Zirkus, da tritt ein ganz ausgezeichneter Clown aus. Wer nur einen Augenblick seinen tollen Späßen zusieht, wird von seinem fröhlichen Wesen mit- gerissen. Ich selbst leide eigentlich auch an Trübsinn, aber wenn ich den Clown da drübe i sehe, muß ich jedesmal Tränen lachen." Nacc dieser Rede wirft der Patient dem Arzt einer verzweifelten Blick zu und sagt: „Mein Herr, dieser Clown bin ich . . ." Am nächsten Tage findet mau den Clown e r • hängt in seiner Stube.
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Die Komödie der Irrungen.
Eine schnurrige Geschichte wird uns aud Paris berichtet: Der Sohn reicher Eltern kam dieser Tage spät abends in stark angeheitertem Zustand nach Hause. In seinem Zimmer gab et auf herumstehende Büsten ein paar Schüsse ab und siel dann bewußtlos zu Boden. Durch den Lärm erweckt, eilt sein Vater herbei, sieht den scheintoten Sohn, den Revolver, und alarmiert das ganze Haus und die Polizei. Auch ein Detektiv ist sofort zur Stelle. Der durchsucht das ganze Zimmer, und währenddessen erwacht der „Ermordete". Sofort ahnt er die Situation, und kaum bat der Detektiv das flimmer wieder verlassen, eilt er zum Fenster und springt auf die Straße. Daß ihm dabei ein Mankchettenki'avf entfällt, bemerkt er in seiner Freude gar nicht: er rennt schnurstracks in ein benachbartes Caft, um einem Freunde .den Hauptspaß zu erzählen. Der kluge Detektiv findet natürlich den Manschettenknopf, und, fwb. einen Anhaltspunkt zu haben, verfolgt er die Spur des „Mörders". Eine halbe Stunde später bat er auch den Besitzer des Manschet- tenknovfs in dem Cafe ermittelt, und da hilft fein Sträuben: Der „Mörder" wird ans die Polizeiwache transportiert. Alsbald wird der Vater von der rasch geglückten Verhaftung in Kenntnis gesetzt; er eilt zum Kommissariat dc Volfte und schließt gerührt und überrascht zu- gleich zum nicht geringen Erstaunen des Detektivs den „Mörder" seines Sohnes in die Arme. Ter Detektiv soll kein besonders geistreiches Gesickt gemacht haben, als er die Aufklärung erfuhr.
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1. n) Gvmn.-Äöitnrienten b) Real-Abiturienten, W 2, a) Gwnnasial-Föhnricheb) Real-Fähnriche, 3.a) Gymnasial-Primoner b) Real-Primaner,
4. a) Gymnas.-Ein]flhrige b) Real-Einjährige, W
5. Tertianer. 6. Ausländer.
Das Schulgeld beträgt für Schüler aus Cassel in Abt 1—3 monatlich 7 8 Mk., Abt. 4 monatlich 60 Mk., Abt. 5 monatlich 45 Mk. Täglich Arbeitsstunde von 83g 5—7 Uhr nachmittags.
Sämtliche AbteiL haben streng getrennten Unterricht. Ml Sprechzeit 11—12,4—5, sonst jederzeit auch schrifti.
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Die Direktion: W. Coordts.
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