Einzelbild herunterladen
 
  

<ftt. 19. — L Jahrgang.

Handelszewmg.

Sie Wrje zur VschaachtszeL

EVmr mtiemu Berliner Dörfar-Wtarbeiter^

Von einer Ja-reSschruß-HLinfse auf die man alter Erfahrung gemäß zu rechnen gewöhnt ijt kann in diesem Jahre nicht die Rede fein. Es patzt offenbar Le» Großbanken nicht, bat Versuch zn machen, durch Speknla- lionskänfe die Kurse in die Höhe zu treiben, weil sie befurchten müßten, zuviel Ware herein- rnlriegeu und weil die Kundschaft der Banken ohnehin mtt Hausse-Verpflichtungen bis an den Hals überladen ist.

zu väjorgen such. Ob es im neuen Jahr ge­lingen wird, das Privatkapital zu re­gerer BÄeiligung am Börsenväehr zu veran- laffen. erscheint sehr fraglich, da für die kolossal gesteigerte Letstuugsfatzrgkeft der Industrie in Leu vorgeichrittenen Landern sobald nicht der «ltfprecheude Absatz zu finden sein dürfte. Außmcdem erscheint die deutsche Bankwelt zu stark festgeraunt. namentlich in Bergwerks- und Jndustriesmpieren. aller Art, bau denen die grotze Mech^ahl (aller Wahrscheinlichkeit nach) L Leu »cwhsten Jahre» nicht die dem derzeiti­ge» Kursstände entsprechende Erträgnisse zu brulgeu in der-Lage fein dürfte. Von Seite» des einheimischen Prrvaikapftals ist nicht auf entsprechende Geneigtheft zum Ankauf von Aktienwerten aller Art zu rechnen.

Ausreichend große Kapualien zur Einge­hung neuer aussichtsreicher Geschäsre dürfte» deshalb bat Banken in nächster Zert »icht zu- fließe», weder aus dem Inland noch aus dem Ausland, den» die wirtschaftlichen Verhältnisse im Inland sind im Allgemeinen nicht derart, als daß der Gang der Geschäfte erhebliche Ue- berschüsse geliefert hätte. Mit den aus dem Ausland zu beschaffenden Kapitalien ist indessen dem einheimischen Markte auch nicht viel ge­holfen, da diese immer erneuert werden müsse» und hierbei gelegentlich ernstliche Schwierigkei­ten «ftstehen können. Durch Kapitalerhöhungen der Banken lassen sich flüssige Mittel ebenfalls nicht beschaffen, _ denn das äußerst schleppende Geschäft in Bankaktien beweist, daß neue Emis­sionen von Aktien dieser Art durchaus nicht leicht an bat Mann z» bringen sind. Daß e i n- zelne Bankaktien in de» letzten Tagen einige Prozente Kursgewinn erzielen konnten, ist em nicht allzu schwer zu veranstaltendes Vergnü­gen, das sich tu Wirklichkeit rn sehr engen Krei­se» abspielt. Ausgabe neuer Aktien in «röteren Poste» kann nur die Masse flottanter Papiere vermehren, die in absehbarer Zeit nicht uuterzubriugen sind. Der Markt für Bank- und Bergwerksaktien liegt anhaltend schwach und nur am Rentenmarkt macht sich ein« mäßige Belebung des Verkehrs be- merklich, da immerhin »ach Neujahr etwas stärkerer Anlageverkehr zu erwarten ist. Russe» liegen fest auf Paris. Türken und Argentinier ebenfalls besser beachtet. 'Das Interesse für Erfenbahnaktien ist tm Allgemeinen nicht besonders lebhaft, Kurse sind zumeist we­nig verändert, eher nach abwärts neigend, von Jlldustriepapieren kommen Schifs- fahrts- und Elektrizitätsaktien kaum von der Stelle und von Kohlenwerten zeigt sich Southwest Asrica stark weichend wegen der Enttäuschung über die zu erwartenden Ergeb- rnsse. Dr. M.

Die Losung kann daher unter den obwal­tenden Mustäuden nur sein, an de» Kursen nicht stark zu rüttel» und die Versuche der Baisse- Partest einen Kurssturz herbeizusühren, um reden Prms zu verefteta. Anregende Momente, dle die Spekullttion zu hoffnuugsvoller Beur­teilung der geschäftlichen Aussichten veranlassen konnten, liegen eben zur Zeit aus keiner Rich- ümg vor. Die Bewegungen an der R e w - dotker Börse bleiben nach wie vor unbe- recheubar und eher nach abwärts schwankend. Jn London erhält sich der ziemlich flüssige Geldstand, obwohl zunächst von einer Herad- wtzung der Bankrate nicht mehr die Rede ist. Dw tzrltung der Pariser Börse ist ziem­lich fetz, namentlich für russische Werte, was für die Spekulation an deutschen Börse» keine Be- deubmg hat. Die Nachrichten vom einheimischen Eisen- und Kohlenmarkt laute» sort-

85 Frankfurter Hof Aktiengesellschaft, Frankfurt a. M. Wie verlautet, werden die 600000 Mark neuen Aktien, deren Ausgabe die Gesellschaft beabsichtigt, von einem Konsor- tinm, bestehend a»S der Dresdner Bank, der Pfälzischen Bank und dem Bankhanse L. & E. Wertheimber zu 109 Prozent mit der Maß- gäbe übernommen, daß den alten Mtionären an Verhältnis von 2 zu 1 ei» Bezugsrecht zu 114 Prozent eingeräumt wird.

35 Sangerhänser Akt-Maschinenfabrik und Lisengießerei vorm. Hornung & Rabe in San­gerhausen. In der Generalversamm­lung teilte die Verwaltung mit, daß aus dem Gewinn des abgelausenen Jahres über 300 000 Mark vorweg zurjstkgefiellt seien. Im laufen­de» Jahre sei die Beschäftigung sehr gut. Für daS Budapester Unternehmen sind Kaus- intereffenten vorhanden, so daß die Abstoßung dieses Besitzes über Buchwert in absehbarer Zeit wahrscheinlich ist.

85 BereftlS-Brmrerei A.-G. Hofgeismar. Die Generalversammlung beschloß, den 12758,74 Mark betragende» Reingewinn wie folgt zn verteilen: 500 Mark zum gesetzlichen Reservefonds, 7800 Mark gleich 3 Prozent Di­vidende, 4459,74 Mark Vortrag auf neue Rech­nung. Der Bierausstoß des Geschäftsjadres 1909—10 erreichte die Höhe von 8031 Hektolitern und für das laufende Jahr ist mit einem er­heblich höherenAnsstoß und dementspre­chend mit einem höheren Gewinn zn rechnen.

& Eine neue BersicherunyS Gesellschaft. Unter der Firma „Stonprinz" Versiche- rungs-Aktiengesellschaft in Köln ist in Köln eine neue Versicherungsgesellschaft gegründet worden, die den Zweck hat. Rück- »ersicherung en aller Art zu gewähren, so­wie eventuell nach Einholung der erforderli­ch«! Genehmigung des kaiserlichen Aufsichts­amts für Privatverfichernng auch das di-

Casseler Neueste Nachrichten

Somltag, 25. Dezember 1910.

rekte DersichernugSgeschäst zu betreiben. Das Grundkapital beträgt 3500000 Mark, eingeteilt in 3500 Aktien zu 1000 Mark. Eingezahlt sind 25 Prozent sowie 10 Prozent für den Organt- sations- und Sicherheitsbestand, also zusam­men 1225000 Mark.

85 Nürnberg-Süd. Aus Nürnberg wird uns berichtet: Die Haupwersamrnlung der Ter- rata-Akt.-Ges. Nürnherg-Süd, die der Darmstadter Bank nahesteht, genehmigte den 346 331 Mark Gewinnvortrag aufweisen­den Abschluß. Die Verwaltung teilt mit, daß sie im neuen Geschäftsjahr bereits drei Bau­plätze verkauft habe.

85 Alkaliwerke Westeregeln. Wie von maß­gebender Seite mitgeteilt wird, wird die Di­vidende für das ablaufende Geschäftsjahr 1910 sich voraussichtlich auf der vorjährigen Höhe von 10 Prozent halten. Der höhere Ge­winn soll zu Rückstellungen Verwendung finden, damit das Unternehmen bei der noch ungeklärten Lage auf dem amerikanischen Markt für alle Zufälligkeiten gelüstet bleibt.

85 Kalikrise und kein Ende! Ein Privat- t e l e g r a m m meldet uns aus N e w v o r k: Waldemar Schmidtmann hatte in der Kaliftage eine Unterredung mit Taft, bei der auch andere Vertreter der Schmidtmarm-Werke und Staatssekretär Knox zugegen waren. Schmidtmann steht rückhaltlos auf der Seite Bradleys, der beständig weitere Hilfstruppen, namentlich im Kongreß mobilisiert. Das .Journal of Commers" sowie der „Newyork Herald" erklären die Anwendung des Maxi­maltariss gegenüber Deutschland vor­erst sür ungerechtfertigt. Wie neuer­dings verlautet, wird der Präsident in Berlin -ine mäßige Eutschädguug für Brad­ley Vorschlägen.

Arrr der Heimat.

WeitzAachten im Nassauer LauL.

(Von unserm Korrespondenten.)

Im Nassauischen Lande haben sich einige eigentümliche Weihnachts-Sitten bis auf den heutigen Tag erhalten. In der ärmeren Taunnsgcgend wird das Fest noch am eigenartigsten gefeiert. Im Westerwald aber hat sich schon lange die (Sitte eingebürgert, in den Häusern und Hütten Weihnachtsbäume zu schmücken. Konfett wird ort in Mengen ge­backen. Die Bäcker stellen aus einfachem Kuchenteig plumpe „Männer" und .Frauen" her, womit jedenfalls das Christkind und der .Pumpernickel" gemeint sind. Der .Pumper­nickel", das Schreckgespenst der Jugend, wan» dett in den Dezemberlagen durch das Dorf und teilt .Pumpes" das heißt Schläge aus. Auch ein Gebilde aus Kuchenteig, vom Volke .Hasen" genannt, wird int Westerwald ge­backen. Es soll dies eigentlich (wie Forschun­gen ergaben) der Jule der der allen Deut- schen sein. Die alte Christmette ist dort auch noch nicht gänzlich verschwunden. Sie wird um Mitternacht am heiligen Abend in der Kttche abgehalten und von den Andächttgen stark besucht. Die Paten spielen ans dem Land eine große Rolle. Wohnt der Pate zu weit, als daß das Kind sich sein Weihnachtspäckchen dort holen könnte, so macht sich der Pate aus und bringt seine Geschenke selbst. Dieser Patenbesuch gibt dann immer Anlaß zu einer kleinen Festlichkeit Es wird geschlachtet, ge­backen, gebraten und der Pate bleibt einige Tage zu Besuch.

Im NntertauuuskreiS erscheint zum heiligen Nikolaustag der „Niklos" in den Häusern. Er wird von mehreren Knaben an einer Sette geführt und ist bis zur Unkennt­lichkeit mit Hafersttoh umwickelt. Er springt und tanzt im Zimmer umher, bis er Aepfel und Nüsse und ein kleines Geldgeschenk er­halten hat. Zu Weihnachten kommt dann das Christkind, weiß gekleidet und verschleiert in Begleitung einiger Mädchen in die Häuser und erhält eine Gabe, nachdem es sein Sprüchlein aufgcsagt hat. Neben dem Christkind geht der Esel, vom Volke .Klappermaul" genannt, ein­her. Den wenig schönen Namen erhielt der „Esel" durch seine merkwürdige Ausführung. Es ist dies ein stoffbezogener Holzkopf mit bewegllchcm schellenbenähten Ober- und Unter­kiefer, mit langen Ohren und großen rtmden Augen. Ein Bursche stülpt diese» Kopf auf, bekleidet sich mit einem Weißen Hemd vnd ver­breitet Angst und Schrecken in den Häusern. Das Christkind muß oft beschwichttgend da­zwischentreten. Die erhaltenen Geschenks, auf die es Chrtstkinh und Esel natürllch absehen, werden nacü der Rückkehr im „Stall" verteilt und ost gleich verzehrt. So lebt das Christ- ttnd im nassauischen Volle fort, vielgestaltig, ein wenig derb, aber doch urfprünglich und eigenartig.

Wiesbaden, 23. Dezember. B. v. N.

& Gersfeld, 24. Dezember. 'Wicht Ent­wicklung, sondern Rückgang.) Ein wenig erfteulickes Resultat hatte die Volks­zählung in Gersseld. Sie ergab 1.412 orts­ansässige Personen (622 männliche und 780 weibliche). Im Jahre 1905 zählte Gersfeld 1440 Personen (673 männliche und 767 weib­liche). Anstatt der gewünschten Zunahme hat die hiesige Bevöllerung um 23 Personen ab- genommcn und nach wenigen Jahren wird Gersfeld die Seelenzahl von 1400 nickst mehr erreichen, während frt früherer Zeit die Ein­wohnerzahl 1700 bis 1800 betragen haben soll.

^Hofgeismar, 24. Dezember. (Die Neu­verpachtung der Domänenvor- werke.)Jm Kreise Hofgeismar kommen im nächsten Jahre u. a. folgende neue Domä- nenvorwerke zwecks anderweitiger Ver­pachtung zum öffentlichen Anoebot: Burg­uffeln 345 Kellar groß, Grundsteuerrein- ettraq 13980 Mark, gegenwärtiger Pachtzins 26 558 Mark, nachzuweisendes Vermögen 130000 Mark. — Livvoldsberg.187 Hek­tar groß. Grundsteuerreinettraa 6206 Mark, ge­genwärtiger Pachtrms 8955 Mark, nachzuwei­sendes Vermögen 74 000 Mark.

<S> Heringe», 23. Dezbr. (Ein neues Salzlager.) In einer Tiese von etwa SSO Meter ist man auf der Gewerkschaft Herin­gen dieser Tage auf ein Salzlager gestoßen.

& Melsungen, 23. Dezbr. (Irrsinn »ach dem Hochzeitstage.) Eine er­greifende Tragödie spielte sich heute in unserer Gemeinde ab. Unser Mitbürger B., der gestern seine Vermählung sestlich begangen hatte, wurde plötzlich irrsinnig. Er durchtobte die ganze Wohnung und zerttümmerte, was er erreichen konnte, so daß er einer Nerven­heilanstalt bei Cassel zugeführt werden mußte.

n°o Netze, 24. Dezember. (Neue Bahn­verbindung.) Wie zuverlässig verlautet, soll es mit der Weiterführung der Bahn Cassel-Naumburg nach hier zwecks An­schluß an die Bahnstrecke Wildungen-Corbach nunmehr doch ernst werden. Die Interessenten verein der Naumburger Kleinbahn hat die Verlängerung bis Netze bereits bei der Ver­waltung beantragt Damit wäre dann eine direkte Verbindung zwischen Cas­sel und dem Gebie der Talsperre geschaffen, was von Geschäftsleuten und auch besonders von vielen Touristen auss fteudiaste begrüßt würde. Hoffentlich regen sich die Be­wohner der waldeckifchen Orte auch etwas in der Angelegenheit

So Rotenburg, 24. Dezbr. (Feuer im Gehöft) Das Anwesen des Fuhrunter­nehmers Nikolaus Dörr ist samt Stallungen und Wittschaftsgebäude niedergebrannt .

Gericht md Recht.

Sie Sühne für Mielczyn.

(Von unserm Korrespondenten.)

Nach zehntägiger Verhandlung ging gestern vor der Straflammer des Landgerichts Berlin der umfangreiche Prozeß, in dessen Mittelpunkt die trübseligen Vorgänge in der Fürsorge- anstalt Mielczyn standen, zu Ende. Der Andrang des Publikums zu der Schluß­verhandlung war ein ganz gewaltiger. Auch viele ehemalige Zöglinge befanden sich unter den Zuschauern, die schon in den letzten Tagen nicht übel Lust zeigten, den vielgenannten Pastor Brellhaupt nach Schluß der Sitzungen zu lynchen.

Nach Eröffnung der Sitzung durch den Vorsitzenden erhielte» die Angeklagten, die ohne Vetteidiger erschienen sind, zuerst das Wort, um sich noch einmal zur Sache zu äußern. Pastor Bretthaupt verbreitet sich in stark pastoralem Tone und anscheinend ge­rührter Stimmung zunächst nochmals über die Zustände in Mielczyn zur Zeit seines Eintritts in die Anstalt Er sei von den besten Ab­sichten beseelt dorthin gegangen, habe seinen Beruf als Geistlicher aufgegeben und auch auf seine Pensionsberechtigung verzichtet Der starke Idealismus, der ihn damals be­seelt habe, sei aber nicht stark genug gewesen, die ungeheuren Widerstände zu über­winden, die sich ihm in Mielczyn entgegen­gestellt hätten. Man habe auf die Zustände in den Bodelschwinghschen Anstalten hingewiesen, aber dieser Vergleich hielte nicht aus, denn in Bielefeld handle es sich um etwas Fertiges, während in Mielczyn noch alles unfertig gewesen sei: Er selbst als Erzieher, seine Mit­angeklagten als Mitarbetter und dazu der ganze Anstallsbctrieb. Auch Staatsanwalt­schaft und Polizei hätten ihm nur wenig zur Seite gestanden, und der nächste Pollzeibeamte sei 16 Kilometer entfernt stationiert gewesen. Wie solle man da Ordnung schaffen und hal­ten, wenn nicht mit äußerster Strenge? Des­halb sei es auch nicht richtig, wenn der Staats­anwalt hier ausgeführt habe, daß dieser Pro­zeß dem System der Fürsorge­erziehung schweren Schaden zugesügi habe, denn unter den obwaltenden Verhält­nissen hätte auch der beste Erzieher schließlich ebenso wie er die Gewalt über sich verloren. Er könne nur wiederholen, daß er sich niemals der Sttafbarkeit seines Tuns bewußt gewesen sei, und bitte daher nicht nach dem harten Anttage des Staatsanwalts zu urteile». Der Angeklagte Aufseher Wrobel erklärt, daß er ein willenloses Werkzeug in der Hand des Pastors Brellhaupt gewesen sei und alles getan habe, was dieser von ihm verlangte. Er habe keine andere Existenz gehabt, und wenn er gewußt hätte, daß er sich durch seine Handlungen sttaffällig machte, so hätte er diese doch sicher nicht begangen. Er weist noch darauf hin, daß er selbst eine Anzeige erstattet habe, und daß er dadurch in eine sehr schlimme Lage geraten sei, weil man ihn wahrscheinlich nir­gendwo mehr einttellen werde. Auch der An­geklagte W e n d l an d erklärt, daß er ein Opfer der Verhältnisse geworden sei und daß eine Weigerung, die Prügelstrafen dnrchzu- ftihren, unbedingt seine Entlassung zur Folge gehabt bähen würde. Nach nahezu ein« stündiger Beratung des Gerichtshofes ver­kündete dann der Vorsitzende folgendes

vrteU:

Der AngeNaate Pastor Breithasivt wird zu acht Monaten Gefängnis und 990 Mark Geldstrafe, Inspektor EngelszndreiMonatenGefSng- nks und 460 Mark Geldstrafe, Wrobel zu einem Monat Gefäng- nis und 130 Mark Geldstrafe, Wendland zu einem Monat Ge­fängnis, Riemschneidcr zu 50 Mark Geldstrafe und Schüler und Land zuje30MarkGeldstrafe ver- nrteilt Die Angeklagten Habedank und B r o z i n s k i werden freigesprochcn. Bezüglich des Angeklagten Breithauvt wird in der Urteilsbegründung ausgeführt, daß das ganze Verhallen Breitbaupts nicht nur auf Groll und Aerger und auf momentane Erre­gung zurückzuführen sei, sondern als Aus­fluß einer rohen Gesinnung ange­sehen werden müsse. Er sei maßlos in der Wahl der Mittel und skrupellos in der Aus­führung der Strafe selbst gewesen. Er habe die jungen Leute vielfach körperlich geschädigt,

und unendlichen Schaden habe er end. lich durch seine seine unqualifizierbare und in keiner Weise zu entschuldigende Handhabung der ganzen Fürsorgetätigkeit zugefügt. Breithaupt will gegen baä Urteil Revision cintegcn.

□ Stiefsohn und Stiefvater. Vor der Sttafkammer deS Casseler Landgerichts hatte sich gestern der 49jährige Hausschlächtcr Wilhelm Kannegießer unter der An­klage zu verantworten, im November d. I. seinen Stteffohn, den Wächter Albert Molitor, mit einem Beil so schwer verletzt zu haben, daß Molitor dem Landkrankenhaus zugeführt wer­den mußte. Der Angeklagte, der wegen Kör- perverletznng bereits viermal vorbe- straft ist, gilt als ein gewalttätiger Mensch und starker Alloholiker. Kannegießer führt die starke Verletzung seines Stiefsohns auf einen unglücklichen Zufall zurück, an dem ihm keine Schuld beizumesse» sei. Die Beweisaufnahme ergibt indessen die volle Schuld des Angeklag­ten, und das Gericht verurteilte infolgedessen Kannegießer zu einer Gefängnisstrafe von 3 Jahren und 1 Woche. 2 Monate der Untersuchungshaft wurden auf die Sttake als verbüßt angerechnet

□ Professor Sombart vor Gericht AuS Hernsdorf schreibt man uns: Wegen Be. leidigung des Gemeindevorstehers ht Schreiber- Han wurde vor dem hiestgen Schöffengericht gegen den Professor Sombart verhan­delt Professor Sombart hatte sich für fein Villengrundstück in Schreiberhan von einem -.Landwirt das Wasserrecht gesichert, war aber illusorffch wurde, als die Gemeinde daS frag- lichc Terrain für ihre WosserverforanngSzweckr käuflich erwarb. Dem Professor war damit das Wasser abgeschnitten. Seinem Unmut dar­über machte er schließlich zu dem Gemeinde­vorsteher in einem telephonischen Ge­spräch Luft und warf ihm Gaunerei, Niederträchtigkeit, Bandit »sw. vor. I» der Verhandlung vor dem Schöffengericht beantragte nach einer umfangreichen Beweis- «Hebung der Vertreter der Staatsanwaltschaft gegen Professor Sombart eine recht hohe Strafe, da die Beleidigung recht grob ge­wesen fei Der Vertreter des Angeklagten bat um eine milde Beurteilung, da der Professor sich augenscheinlich mit fehret» Wasserrecht im Recht geglaubt habe. Das Gericht erkannte auf die höchste zulässige Strafe von 600 Mark.

Spott mtb Spiei

Set Sport zu Weihnachten.

Während der WeihnachtStage herrscht im Sport ziemllche Ruhe. Die Witterungs» berichte lauten im allgemeinen nicht günstig, und die Freunde des Wintersports müssen zur Ausübung von Rodel-, Bob- und Skisport schon die weite Reise nach den Alpen antreten, um günstige Schneeverhältnisse anzutreffen. Auch der Eissport beschräull sich bei der mil­den Witterung in der Hauptsache auf das Laufen ht geschlossenen Hallen.

Große Veranstaltungen sind in Deutschland nicht zu verzeichnen, dagegen befinden sich in London deutsche Eisläufer (die Hockey- mannfchaft des Berliner Schlittschuh-Klubs), um dort ein Spiel gegen den Princeß Ice-Klub auszutragen. Da das Berliner Sechs-Tage- Rennen, das im Vorjahre zwischen Weihnach­ten und Neujahr ausgetragen wurde, diesmal jedenfalls erst anfangs März zur Entscheidung gelangt so sind im Radsport nur die nicht allzu bedeutenden Ereignisse tat Pariser Win- ter-Vclodrom zu verzeichnen. Das zweitägige Programm umfaßt einen Großen Weihnachts- Preis für Flieger, an dem neben den bekann­ten ftanzösischen Fahrern auch der Berliner Bader tetlnimmt ein Verfolgnngsmatch Brocco-Lapize und ein Match mit Motor­führung zwischen Darragon und Lavallade. Dem Andenken des tödlich verunglückten deut- fchen Radwettmeisters und späteren Aviattkcrs ist ein „Prix Robl" gewidmet außerdem gelangt ein 24-Stunden-Rollschuh- laufen im Pariser Winter-Velodrom zum Austtag, dessen Verlauf man wegen der Neu­heit der Konkurrenz mit einiger Spannung ent- gegensteht Auch in der deutschen Reichsbaupt- stadt wird während der Feiertage zum ersten­mal eine größere Rollschnbkonkurrenz vorge- fuhrt, und zwar ht Gestatt eines HockcymatLes Berlin-Breslau. Im Land-Hockey ist der Beginn der internationalen Woche in Bonn zu verzeichnen. Eine «roße Rolle spielt der jetzt allerorts in voller Blüte stehende Fußball­sport Von den Berliner Wettspielen ist dci alljährlich zum Austtag gelangende Kamps Norden gegen Süden bervorzuheben, sowie der Besuch der holländischen Mannschaft F.-C. Hartem, die am ersten Feiertag gegen des F.-C. Preußen spielt. -nn-

n* Der verhängnisvolle Lanalflug. Eine» verhängnisvollen Flug über de» Aermel- Kanal scheint der (SngGhther Cecil Grac« unternommen zu haben. Der Aviattker startete (wie wir schon telegraphisch berichtet haben) am Donnerstag um den 80000 Mark-Preis des Baron de Forest mit einem Meriot-Apparat in der Nähe von Dover, übergnerte glücklich den Kanal und landete nach einem Fluge von eindreiviertel Stunden Dauer in Calais. Dort stteg er nach Einnahme von Benzin um ^3 Uhr wieder auf, um nach Eng­land znrückzufliegen, dort ist er jedoch noch nicht gelandet, und es fehlt jede Nach­richt über seine» Verbleib. Man nimmt an. daß Cecil Grace auf dem Rückflug in Nebel geraten ist und die Orientierung verloren hat oder auch, daß er durch ungünstige Wind­verhältnisse abgettieben wurde. Die Begleit» schiffe, die Grace von Calais ans verfolgten, verloren ihn bereits nach drei Kilometer Fahrt ans dem Gesichtskreise. Es ist nicht ausae» schtessen. daß Grace auf die Nordsee hin- ausaesloacu und dort verunglückt ist, wenn ei nicht zufällig von einem Dampfer aufgenom­men werden konnte.

■ ----- 51® MH 6MW W M» MIK VW w. -.......