(Eaffelet Neueste Nachrichten
Nr. IS. — 1 Jahrgang.
mti> das Geben
Mark),
Den Menschen ein Wohlgefallen!
.W.
auf die Wiederkehr so anormal milden Wet-1 ters zu rechnen, wie wir es während der letz- ten vierzehn Tage in ganz Deutschland hatten.
Letzte Telegramme.
(Rach Schluß der Redaktion eingegangen.)
Der Griesheimer Unglücksplatz. .
Frankfurt a. M., 24. Dez. (Spezial- telegramm.) Auf dem Griesheimer Exer^ zicrplatz, nahe der Stelle, wo unlängst bei Reisende Bteuer überfallen worden ist, wurde in der vergangenen Nacht gegen 12 Uhr ein junger Mann überfallen, durch Messerstiche schwer verletzt «mb beraubt Der Täter entkam.
bei den Metzgern und Wildpretbändlern, aber, aus süßem Teig lecker gebacken, in den Schaufenstern und Läden der Bäcker.
Heute opfert die Welt nicht mehr dem Sonnengott, das .Julfest" sieht keine trutzigen Recken mehr, aber unterm ewig-grünen Tannenbaum eint sich am heil'gen Abend Jung und Alt zu würdig-beglückender Feier. Lichtstrahlend blüht das Fe st der Liebe wieder auf: Das Kreuz hat die heidnischen Symbole besiegt. Der Erlösung, der die alten Götter wichen, ist die hehre Feier der Versöhnung geweiht, deren Stimmung in den frommen, innigen Liedern unseres Volkes widerllingt. Und durch die Welt der Menschen schwingt sich am Abend ein Jubelton, vor dem alle Not und Sorge, aller Haß und alle Niedertracht dahinschwinden: .Friede auf Erden . . .!" In diesem Empfinden und im Gedanken an das Werk der Liebe wollen wir die Zauberstimmung des Wunderabends erfassen und in der Verheißung aus Engelsmund die Bedeutung des Weihnachtsfestes suchen, das uns allen ein Ansporn zur Uebung von Liebe, Barmherzigkeit und Dankbarkeit sein soll. Wie es die Engel sangen: Friede auf Erden!
Rumpf-Cassel. Diese beiden Firmen konnten die billigsten Preise stellen, nämlich Wachenfeld 16 229.84 SJit, Lauterbach u. Rumpf 20408 Ml. Me anderen Submittenten sind auswärtige Firmen, und zwar aus Nordhausen (22581 Mark), Halle (27119 Mk.), Andernach (30 409 Mark), Mainz (31 220 Mk.), Bochum (35 095 Mark), Wolfenbüttel (36 797 Mk.), Staßfurt (37 639 Mk.) und Einbeck (43.613 Mk.).
meine Mutti fein!" Sie versuchte es. Claudine an der Hand zu ihrem Vater zu zerren.
.Claudine. haben Sie etwas dagegen, sich auf diese Weise verschenken zu lassen? Wollen Sie mein Weihnachtsgeschenk sein und diesem Kinde die Mutter, nach der es verlangt?"
Fassungslos traf ihn ihr Bück, aber er las die Antwott in ihren Augen und zog sie in seine Arme.
Drei glückliche Menschen waren unter dem strahlenden Christbaum vereint. Aber weder der selbstgestickle Seifiappen noch der Zeppelin und der Leierkasten konnten mit dem wundervollen Weihnachtsgeschenk, der neuen Mama, konkurrieren . . .
Bühnenaenossenschafi gegen den Theaterdirektor Schrumpf den schweren Vorwurf erhoben. seine Stellung als Tbcaterdirektor den weiblichen Mitgliedern seines Ensembles gegenüber mißbraucht zu haben. Er foiberte ihn gleichzeitig öffentlich auf. von seinem Posten abzutteten, da sonst das Rechtsschutzbüro der Bühnengenossenschast ihn dazu zwingen würde. —Wie uns dazu aus München geineldet wird, hat der Lokalverband des Münchener Volkstheaters, dessen Direktor Herr Schrumvs ist, eine Resolution gefaßt, worin sich das P e r- sonal auf die Seite seines Direktors stellt und die gegen diesen erhobenen Beschuldigungen zurückweist. Des weiteren hat Direktor Schrumpf gegen die Hauptbelastungszeugin die Ehrenbeleidigungsklage angestrengt.
Cook und Peary. Aus N e w y o r k wird uns berichtet: Der .Nordpolfahrer" Cook ist hier eingetroffen. Er erklätte, „er glaube bestimmt", am Nordpol gewesen zu sein. Er will jetzt hier seinen Ausertthalt nehmen. Das Kongreßkomitee weigett sich, die Verleihung dsr Unteradmiralcharge an Peary zu besür- toorten, sofern er .nicht beweise, daß er am Nordpol gewesen fei. Peary versprach, die Beweise beizubringen.
Ein Zeppelin-Museum. Im Rathaussaal zu Friedrichshafen wurde (wie aus Luft- schifferkreifen mitgeteilt wird) dieser Tage eine denkwürdige Sitzung des .Vereins für die Geschichte des Bodensees" abgehalten. Es wurde nämlich die Errichtung des ersten .Zeppelin-Museums" beschlossen, das an der Stätte errichtet werden soll, von wo aus Zeppelin seine erfolgreichen Fabtten in das Lustmeer begann. Das Museum wird seine Stätte in dem Gebäude des alten Kameral- amtes haben, das von dem Baumeister zu einem Museum des Vereins für die Geschichte des Bodensees umgebaut worden ist. Ein FWgel dieses Hauses wird dem Andenken zeS Grasen Zeppelin gewidmet fein.
ßletoes Feuilleton.
L Der Kaiser als Ehreu-Dottor. Aus Klausenburg wird uns berichtet: Am gestrigen Promotionstage Wndigte der Rektor der Universität an, die mathematisch-naturwissenschaftliche Fakultät habe Kaiser Wilhelm zum Ehrendoktor ernannt. (Anhaltende Eljen- rufe). Er wies darauf hin, Kaiser Wilhelm habe für die Wissenschaft v .3 die Gemeinbildung Interesse und Ovferwilligkert gezeigt, was die zehn Millionen-Stistung anläßlich des Jubiläums der Berliner Universität beweise. Nicht bloß politische Beweggründe, sondern auch Menschenliebe hätten den Kaiser geleitet, als er vor zwei Jahren einen blutigen Krieg von Ungarns Grenzen ab, enden half. Kaifer Wilhelm fei ein wohlwollender Freund Ungarns, und die Universität der alten ttanssilvanischen Hauptstadt sei die berufenste, um die geschichtliche Verbindung auszufrischen, die vor 300 Jahren zwischen den Hohenzollern und dem alten ttanssilvanischen Fürstentum bestanden habe.
t). Ein Theatervrozeß. Wie erinnerlich, hat der bekannte Genossenschafter Gustav Rickelt auf der Teleaiertenversammlung der
Sitzen am reich gedeckten Tisch mrd Nehme« vou Geschenken?
Der Grundgedanke des Lichts, des Lebens und der Liebe, der im Christbaum symbolisch angedeutet ist, wttd damit nicht erschöpft. Denn wenn es der Fml Ware, dann hätten unsere alten heidnischen Vorfahren mit ihrem pulsest" GSttl* ist das Sonnenrad) glücklichere Weihnachten gefeiert <tts Wir, die Menschen im Jahrhnndett bet Kultur. StcO» ten die Alien den grünen Tannenbaum, als -seichen der ewig wirkenden Raturkraft, vor ihre Hütte, dann eilten auch schon die Julboten durch das Land und geboten feierlich, daß jetzt drei Wochen lang, nicht nur drei Tage, alle Arbeit, Jagd, Kampf und Streit, ruhen muffe. Die Lichtgötter hatten ja erneut bett Sieg über die dunklen Mächte davongettagen! Jauchzend zog man dem Sonnengott entgegen, opferte das ihm geweihte Tier, einen mächtigen Eber, und leistete auf dessen Rücken den Schwur der Treue. In unseren hessischen -tädten und Städtchen werden ton in der Weihnachtszeit hin und wieder noch an jene Seiten erinnert, wenn man den Hasen, den Hirsch und den Eber, diese alten Opfertiere für beit Sonnengott, ausgestellt sieht, zwar nicht
Die heutige Nummer der .Casseler Neueste Nachrichten" umfaßt
= 12 Seiten. —
Des Weihnachtsfestes wegen erscheint die nächste Äusgabc Dienstag nachmittags. Unsere Geschäftsstelle bleibt am ersten Feiertag ganz geschlossen, am zweiten Feiertag ist sie von 11—12 Uhr geöffnet
△ Gesellschastsabend im Hoftheater. Wie wir erfahren, wird auch in diesem Winter in den Räumen des Königlichen Theaters ein Gesellschaftsabend stattfinden, und zwar ist hierfür dem Vernehmen nach der 25. Februar k. I. in Aussicht genommen.
A Der „Schleicher". Daß es unter den Dieben Spezialisten gibt, ist bekannt. Der eine erbricht Geldschränke, der andere verübt Tascheudiebstähle und der dritte schleicht sich aus unbewachte Hausböden, um dort die Mädchengelaffe zu berauben. Einen solchen hat die Kriminalpolizei in dem Gelegenheitsarbeiter B. erwischt. Der Mann hat bei einem Hoflieseranten in der Wilhelmsstraße eine Menge Wertgegenstände vom Boden geholt und den Diebstahl mit verblüfiender Ungeniertheit ausgeWhrt. Verblüffen ließ sich aber nicht die Polizei. Sie hat den Langfinger gefaßt, noch ehe er Gelegenheit gefunden hatte, die Ware zu .verschärfen". Dem Bestohlenen konnte infolgedeffen saft fein gesamtes Eigentum wieder zurückgegeben werden.
A Blinder Feuer-Lärm. In der oberen Königsstraße ist gestern blinder Feuer- lärm veranlaßt worden. Dem Schornstein eines dortigen Restaurants entstiegen derartige Rauchwolken, daß die Hausbewohner glaubten, das Gebäude sei in Brand geraten. Glücklicherweise erwies sich aber die Befürchtung als unbegründet. Dagegen brach im Hause H e r r- m a n n st r a ß e Nr. 7 ein Schornsteinbrand aus, her das Eingreifen der Feuerwehr erforderlich machte, die nach kurzer Zeit jede Gefahr beseitigt hatte.
A Weihnachtsruhe im Geschäfstverkehr. Wtt weisen darauf hin, daß am ersten Weihnachtsfeiertag sämtliche Geschäfte, auch die der Kolonialwarenbranche, ganz geschlossen bleiben. Den Hausfrauen ist daher zu empfehlen, sich am heutigen Abend mit ihren Einkäufen entsprechend einzurichten. Am heutigen heiligen Abend erfolgt der Ladenschluß um 8 Uhr.
A Weihnachtsfeier im Philippsstift. Am Donnerstag abend fand im Philipps st ist (Immenhausen) die Weihnachtsfeier statt, zu der vom Vorstand Se. Exzellenz Herr Generalleutnant a. D. S k o t t i nebst Gattin sowie Frl. Schönian und Frl. v. Rosen aus Caffel und einige Familien aus Immenhausen erschienen waren. In dem mit Tannengrün wunderhübsch geschmückten Saale versammelten sich die Gäste und sämtliche Kranke der Anstalt um den Christbaum. Nach einem gemeinschaftlich gesungenen Liede und einer kurzen Ansprache des Anstallsgeistlichen erschien das .Christkind mit seinen Engeln" (dargestellt von einigen Kindern des Philtppssttsts), um seine Gaben auszuteilen. Reizende kleine Ge- dichtchen, von zwei Pfleglingen, Frl. Lange, und Frl. Brandes verfaßt, begleiteten die von den Kranken seit Wochen für einander und für die lieben Gäste vorbereiteten Geschenke, die alle Beteiligten hoch befridigtn.
A Mehr Licht! Auf Grund eines Ma- gistratsbeschluffes hat jetzt die R o o n st r a ß e und die Schönfelder Allee, über deren mangelhafte Beleuchtung die Klagen nicht verstummen wollten, Beleuchttmg durch Petroleum-Laternen erhalten.
A Casseler städtische Walbpflanzungen. Auf Dem nördlich vom Rangierbahnhof gelegenen Rotenberge sind seitens der städtischen Verwaltung in den letzten Monaten umfangreiche Anpflanzungen von Wald gehölzeu vorgenommen worden. Im ganzen wurden zehn Morgen Gelände mit Fichten, Kiefern, Rot- und Weißbuchen bepflanzt. Die städtischen Waldungen sind leider noch viel zu wenig bekannt und werden nur selten von Spaziergängern ausgesucht, trotzdem die Bestände im Laufe der Jahre gut herangewachfen sind. Der größte städtische Wald liegt auf dem Warteberg (4% Hektar groß), die nächstgrößten sind der Jungs ern- ko Pf (4% Hektar) und der Hegelsberg (3J4 Hektar), sämtlich int Norden der Stadt gelegen. Auf dem Hegelsberg sind erst int vergangenen Winter einige Wege angelegt worden, die ein bequemes Gehen ermöglichen. Gleichfalls von hübschen Wegen durchzogen ist der im Osten der Stadt bei Bettenhausen gelegene Wald auf dem Lindenberg.
A Ein Sturz von her Leiter. In der Woche vor dem Weihnachtsfest verging kaum ein Tag, an dem nicht ein Straßen- oder Bauunglück zu verzeichnen gewesen wäre. Dem Arbeiter Hartmann aus der Wilhelmshöher Allee wurde am Heiligen Abend die Festesfreude in bitteres Ungemach verwandelt.. Er war auf dem Neubau einer hiesigen Firma an dem Sttaßendurchbruch beim alten Theater tätig und stürzte dort von einer Leiter so unglücklich ab, daß er sich einen Beinbruch und schwere Verletzungen am Kopse zuzog. Durch das Hinzukommen eines Arbeitskollegen wurde Hartmann vor dem weiteren Sturz in das Kellergeschoß bewahrt. Die Sanitätskolonne vom Roten Kreuz brachte den Verletzten nach dem Roten-Kreuz-Kranken- haus.
A Feuer im Zigarrenlaben. Heute morgen brach in einem Zigarrenladen in der Ziegengasse ein Brand aus, der sehr gefährlich hätte werden können, da im Laden Feuerwerkskörper ausgestellt waren. Es gelang der Feuerwehr jedoch, den Brand, der augenscheinlich nur wenig Schaden angerichtet hat, rasch zu löschen.
A Ein Weihnachtsgeschenk für unsere Hausfrauen. Wie wir aus wohlunterrichteter Quelle erfahren, sollen in allernächster Zeit in ganz Cassel die Fleischpreise bedeutend herabgesetzt werden, und zwar um 10 bis 15 Pfennig für das Pfund. Ein Teil der Geschäftsleute in der Altstadt hat die neuen Preise bereits eingeführt.
A Taubenschau im „wilden Wasser". Am- 1.. 2. und 3. Weihnachtsseiertaa findet im Re-
Ä1 Brandstifter aus Rache. Am 15. Dezember berichteten wtt über den Brand in der Miramschen Zündholzfabrik in Bettenhausen. Inzwischen ist festgestellt worden. daß Brandstiftung vorgttegen hat Zwei Leute, die in der Fabrik beschäftigt gewesen und entlaßen worden find, Karl T. aus Caffel und Wilhelm R. aus Sandershausen, sind von der Kriminalpolizei verhaftet worden, well sie dringend verdächttg sind, den Brand in der Fabrll angelegt zu haben. Als Grund der Tat wird Rachsucht vermutet Der eine von den Verhafteten, der hier wohnende Ar- betier T., ist verheiratet und hat seiner Famllie durch sein Verbrechen schlimme Weihnachten bereitet
A Weihnachtsfreude bei der Eisenbahn. Auf Beseht des Königs ist vom Minister der öffentlichen Arbeiten den nachstehend benannten Eisenbahn-Beamten das durch königlichen Erlaß vom 27. Januar 1905 'C'tiftcte Erinnerungszeichen verliehen worden:
Für 40jährige Dienstzeit:
Eisenbahn-Obersekretär, Rechnungsrat Köster, Eisenbahnobersekretäre Pohl und Schimp in Caffel,, Oberbahnhofsvorsteher, Rechnungsrat Knierim in Wilhelmshöhe, Oberbahnassistent Hensel, Zugrevisor Kall- wett, Kanzleisekretär Marquardt, Zugführer Börner und Both, Telegraphist Grethe, Schreiner Grünewald, Handarbeiter Deichmann, Schreiner Selig, Sattler Schörling, sämtlich in Cassel.
Für 25jährige Dienstzeit:
Regierungs- und Baurat Hellmann, tech- nischer Eisenbahnobersekretär v. d. Lahr, Eisenbahnobersekretäre Ahrend, Hochapfel, Betriebssekretäre Matthaei, Eisenbahnobersekretären Seibel, Wolf, Oberbahnhofsvorsteher Oeynhausen, Bahnhofsvorsteher Sommer, Oberbahnassistent Pabst, Eisenbahn- Kanzlist 1. Klasse Siedete, Lokomotivführer Haefner, Meier, Umbach, Zugführer Blackert, Mühlhausen, Reitmeyer, Keuschling, Werkführer Kersting, Lademeister Lynker und Simon, Packmeister Rommelsheim, Eisenbahngehilfen Diehl, Schaefer, Schaffner Walter, Bahnwärter Kirchner, Vorschlosser Baumgart, Schlosser Brandt, Hllfsarbetter Bran- dau, Schlosser Burghardt, Wagenschreiber Degenhardt, Güterbodenarbeiter Franke, Schmied Grebe, Lackierer Hesse, Bohr« Beymüller, Schmied Hobeln, Sattler Hold, Kupferschmied Knittel, Gasarbeiter Knöpfet, Dreher Krause, Vorschtosser Pötschke, Wagen- betteber Schaub, Handarbeiter Schulze, Vorschlosser Strippe!, Maschinenputzer Theis, Schraubenschneider Weber, sämtlich in Cassel. Telegraphist Meier, Weichensteller L Kl. Humburg, Weichensteller Walter, sämüich in Wilhelmshöhe.
A Königliche Schauspiele. Wogen Er- krankurtg der Königlichen Schauspielerin Frau Bayrhammer kann die für Mittwoch, den 28. d. M„ angesetzte Vorstellung .Tantris der Narr" nicht stattsinden. Es gelangt dafür die am 23. d. M. ausgefallene Vorstellung .Inspektor Bräsig" zur Aufführung. „Tantris der Narr" wird am 2. Januar d. I. zum erstenmal als Benefizvorstellung für die Abonnements-Serie D gegeben werden.
A Wieder ein „interessantes" Submifstons- ergebnis. Die Kgl. Eisenbahnbauabteilung Cassel-O hat die Aussührung der E n t - wässernugs - und Pflasterarbeiten auf dem neuen Orisgüterbahnhof Cassel- Oberstadt, umfassend 3000 lfd. Meter Sicker- kanäle, 1700 lfd. Meter Entwässerungsleitun- gen, 16 000 Quadratmeter Reihenpflaster, ausgeschrieben. Das Ergebnis ist eine Submissionsblüte, wie sie unerfteulicher nicht auszudenken ist. Die Mindestforde- rung befragt nämlich 16 229.84 Mark, die Höchstforderung 43 613.50 Mark, also 2%mal so viel An der Konkurrenz beteiligten sich nur zwei hiesige Firmen, Wachen- feld-Cassel-Niederelsungen, sowie Lauterbach u.
„M. 3".
Berlin, 23. Dezember. Der „Lenkbal - lon „M. 3" hat bei feiner Fernfahrt an Donnerstag trotz der vorzeitigen Landung du ihm gestellte kriegsmäßige Ausgabe zur voll sten Zufriedenheit erfüllt. Das Luftschiff be. roeflte sich 6 Stunden lang ununterbrochen in Höhen von 1200 bis 1500 Metern. „M. 3" iß übrigens nur unbedeutend beschädigt, sodaß e, in wenigen Tagen wieder zum Füllen fertig gemacht werden kann.
Reichstagspräsident a. D. Gras Ballestrem P.
Rindzinitz, 24. Dez. (Spezialtelegramm.) Der frühere Reichstagspräsidcnt, Exzellenz Graf von Ballestrem, ist gestern abend nach längerem Leiden auf Schloß Plawniowitz gestorben. Die Todesursache ist in Alters- und Herzschwäche, sowie in den Folgen eines vor zwei Jahren erlittenen Schlaganfalls zu suchen.
Gasexplosion im „Augustiner Stock".
München, 24. Dezember. (Spezialtelegramm.) Gestern abend erfolgte in einem Zimmer des „Augustiner-Stocks" eine Gasausströmung mit nachfolgender Explosion. Zwei Personen erlitten schwere Brandwunden,
Eine Münchener Tragödie.
München, 24. Dezbr. (Telegramm.) In der vergangenen Nacht wurden in der Elvira- straße die Kellnerin Huber und der Monteur Feigegruber von einem M„:;na< ligeit Geliebten der Huber überfallen. Die 5'u> 6er wurde durch Revolverschüsse getötet, Feigengruber schwer verletzt. Der Täter, der das Verbrechen aus Eifersucht begangen hat, ist durch einen Polizeihund ermittelt wor den.
Opfer der Liebe.
Lemberg. 24. Dezbr. (Spezialiele- g r a m m.) Der Kaufmann Kasimir Lc - wicki hat in seiner Wohnung dre 35jährige Schauspielerin Anna Gginsla vom Lemberger Stadttheater, die Gattin eines Journalisten getötet. Lewicki, der zu der Schauspielerin intime Beziehungen urtterhielt, wird? verhaftet.
Noch ein Eisenbahnunglück.
Paris, 24. Dez. (S p e z i a 11 e l e g r a mm.) Ein schweres Eisenbahnunglück ereignete sich auf der Strecke von Lyon nach Marseille. Gegen 11 Uhr nachts wurde der mit 90 Km. Geschwindigkeit fahrende Schnellzug nach Marseille in der Nähe der Station Montereau von einem Transportzug von der Seite her angerannt. Die meisten Waggons des Schnellzuges wurden aus dem Gleis geworfen und zertrümmert. Ein Hilfszug ging sofort von Lyon nach der Unfallstelle ab. Zwanzig Personen sollen schwer verletzt worden sein.
Die Spione von Marseille.
Marseille, 24. Dezember. (Spezial- telegramm.) Das Kriegsgericht verurteilte gestern vier Artilleristen wegen Spionage, und zwar einen zu sieben Jahren Zwangsarbeit, die übrigen zu fünf, zwei bezw. einem Jahre Gefängnis. Dre Ver- ururteiltcn hatten versucht, sich mit dem Platzkommandanten von Metz in Verbindung zu setzen zwecks Lieferung eines BerschlußstückeS des neuen 75 Millimeter-Geschützes.
Eine halbe Million Franks verschwunden.
Brüssel, 24. Dezember. (Svezialtele- fltamm.) Die belgische Polizei beschäftigt üch seit 48 Stunden mit einem eigenartigen Diebstahl. Ein Pariser Bankier hatte einen feiner Angestellten beauftragt, die Summe von 262 500 Franks nach Brüssel zu bringen, um sie bei einer dortigen Bank zu deponieren. In Brüssel angekommen, wurde dem Angestellten auf dem Wege vom Nordbahnhof zu der Bank die Summe entwendet, ohne daß der Angestellte erklären kann, auf welche Weise ihm das Geld abhanden gekommen ist.
Tie neueste Schiffs-Katastrophe.
Valenzia, 24. Dezbr. (Telegramm.) Es bestätigt sich, daß der französische Dampfer „Jean C o n e e l" am 21. infolge Zusammenstoßes mit dem spanischen Dampfer dustria" gesunken ist. Tie „Jndustria", di- starken Schaden erlitten hat, wurde von einem deutschen Dampfer nach Kartagena geschleppt. Die Zahl der auf dem „Jean Coneel" umgeom- menen Personen beträgt 27.
, Sonntag, 25. Dezember 1910.
ftaurant .Zum toUben Wasser", Unterneustädler Kirchplatz, die diesjährige 3. große Taubenschau des .Klub der Züchter Casseler Tümmler" statt. Dttselbe wird eröffnet am 1. Feiertag morgens 11 Uhr. Ueber 100 Caste- ler Weißschläge und Hannov. Rotaugen sind zur Schau gemeldet neben über 50 Brieftauben, ebenso werden auch schöne Tierpräpaxa- tionen gezeigt.
Wie wttd bas Weihnachts-Wetter?
Obwohl zum Weihnachtssest fradittonsge- mäß Schnee und Frost gehört, stellen sich diese beiden Symbole oft genug nicht ein. Man kann im Gegenteil behaupten, daß kaltes Winterwetter an den Weihnachtstagen die Ausnahme bildet. Häufig genug herrschtes trübes und mlldes Taute etter und wie nn vergangenen Jahre, so brachte auch diesmal die vor- weihnachfliche Zett außergewöhnlich hohe Temperaturen. Erst in den allerletzten Tagen hat sich ein Umschwung in der Witterung eingestellt und seit Mittwoch ist der Luftdruck bedeutend gestiegen, während das Thermometer gesunken ist. Seit längerer Zeit kam es zum erstenmale wieder zu leichten Frösten, allerdings auch nur im Binnenlande; an der Nord- und Ostseeküste ist neuerdings Regen ein» getreten. Aber die Herrschaft des von Südwesteuropa nach dem Innern des Kontinents gelangten hohen Luftdrucks dürfte auch jetzt nicht von langer Dauer sein. Schon am Donnerstag nahm der Luftdruck von neuem ab. Da sich das Tiefdruckgebiet weiter nach Nordosten fortbewegen dürfte, so ist bei südlichen Winden zunächst wieder eine mäßige Erwärmung mit strichweisen leichten Niederschlägen in Regen- oder Schneeform zu erwarten. Ist anzunehmen, daß am ersten Feiertag das abziehende nordeuropäische Minimum unter Umständen die Witterung noch mit vereinzelten Regen- oder Schneeschauern beeinflussen kann, so dürste Montag daS neue atlantische Maximum doch schon weit genug in den europäischen Kontinent efrtgebrungen sein, um neuerdings Aufheiterung und leichte Fröste zu bewirken. Für verbreitete Schneefälle und strenge Kälte besteht allerdings keine Aussicht; doch ist ans den bisher vorliegenden Anzeichen der Druckverieflung auch nicht