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1» Jahrgang.
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hessische Abendzeitung
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SounLag, Len 25. Dezember.
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Friede auf Aden!
Uebers Erdrund glitzert das Lichtgefunkel tausendfältigen Glücks uud die Herzen der Sterblichen Wärmen sich im Ahnen Dessen, was Menschlichkeit und Nächstenliebe an irdischem Wert ins Ideal der Weihenacht hineingeiegr haben. »Friede aus Erden": Die große Sehnsucht des Menschenherzens, die Jahrtausende überdauert hat, ohne je Erfüllung zu finde«, rauscht aus ehernen Zungen durch die Welt, und »Friede auf Erden" klingt's von Pol zu Pol. Aber während das glücktrunkene Auge sich am Glanz des Lichterbaums berauscht, martert die Seele die bange Frage: »Wird's je auf Erden Friede» werden?" Das Engelswort aus Himmelshöhen, vor nah zwei Jahrtausende» den Aermsten im Volk auf dürftiger Flur verkündet, sprach aus, was tief im Meuscheuherzen an stummer Sehnsucht wohnt, um das Generationen in leidenschaftlichem Kampfe gerungen haben, und das dennoch dem Geschlecht der Menschen versagt blieb bis zu diesem Tage, wo wiederum der Glocken Klang die Friedensbotschaft durch die Lande trägt. Wo w o h u t der Friede? Draußen im brandenden Daseinskampf, wo täglich Hunderte, müde und matt, als Opfer fallen und der Egoismus brutal Tribut heischt? In der Hütte des Armen, der sein Stückchen Brot im Schweiß des Angesichts erwirbt und der Not des Abends entgegenbangt, wenn eben das Morgenrot des junge» Tags verglommen? Im Palast der Große» aus Erden, wo übertünchte Höflichkeit und schwere Teppichpracht des Lebens und des Daseins Leidenschaften dämpfen? In der welt- jerurn Stille des einsamen Erdeuwtutels, wo die Selbstverleugnung verzweifelt mit dem bösen Drang des Menschenherzens kämpft, oder mitten im Gewühl des Lebens, dort, wo des wilde» Strudels Quelle» springe», der u»s iu flüchtiger Fahrt von der Kindheitwiege zum Greisengrabe trägt?
Nirgend, wo Menschliches atmet und ringt, fand je der Frieden eine Stätte, und es ist, als wätts. des Schicksals Fingerzeig, daß der G.ockengruß der Weihenacht hoch überm Erdenharm und fern dem Tal des Lebens durch leine Lüste schwebt, empor zum Dom des Großen, Ewig-Ungekonnten, das der Meuschhett Sehne» nie ergründet. Drunten im Tal, wo der Strom der Leidenschaften flutet, schweigt für Momente der Wogen Brausen: Der Zauber der Weihenacht mit feinem gewaltigen Verheißungswort: »Friede auf Erden" zwingt die Herzen in feine» San» und aus der ewige» Seelen-Sehnsucht der Sterblichen quillt, hell und klar, der Born der Liebe, jener tiefen und innigen Liebe, die im Nächsten den M i i k ä m p f e r um des Daseins kargen Lohn, den Mitleidenden uns Mitsterblichen sieht, dessen Erdenlauf nach kurzem Kamps ebenso am Grabe der Hoffnung endet, wie alles Sehnen und Verlangen in der eignen Brust. Kein Tag im langen Erdenjahr, der der Menschen Herzen so eng und innig verbindet, keine Stunde tu hellen oder düstern Tage», die das Empfinden der Seelen so eint, wie der Augenblick heftigen Sehnsuchtsglücks uuterm Lichterbaum, wenn ernst und feierlich aus Himmelshöhe» das Ewigkeitswort vom »Frieden auf Erden" zum Tal des Lebens niederllingt und das greifende Arier im strahlenden Äug' der Jugend das ' Spiegelbild einstigen eignen Veclangens schaut :„Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen!" Die Menschenliebe, aus der allem Sterblichen gemeinsamen Schn- sucht geboren, verklärt das Irdische, erhebt die vom Kummer des Alltags bedrängten Herzen zu Seligkeitshöhen und gönnt auch dem Armen, dem Enterbten des Glücks, den Moment sclbstvcrgessender Freude, der eine weite Spanne zukünftigen Sorgcnwandels mtt dem Zauber frohen Erinnerns verschönt, sodaß also für des flüchtigen Augenblicks Dauer das Ver- heitzungswort vom »Frieden auf Erden" zur launigen Wirklichkeit wird.
Wie ein Ahnen traumhaft himmelsfernen Glücks klingt's durch die Welt, wie ein Hohe- lieb der Seligen, das aus den Ewigkeitsfernen göttlichen Friedens einmal im Erden- jahr das Ohr der Sterblichen umschmeichelt, eine Stimme aus jenen Höhen, die unsere Seele ahnt, ohne ihr Sein je ergründen zu können. Die Weihenacht der Menschenliebe führt den Geist empor, hoch übers Blachseld vergänglicher Kümmernisse, und ein Abglanz dcS hehren Gottesfriedens, den das Erdrund ersehnt, verklärt das Menschliche hienieden mtt dem wärmenden Strahl liebender Verbrü- deiuna in d-m einen ideale» Empfinden:
Sun breitet, Gröl! und Sram zu bannen, Dir Christnacht ihre fiiigrl aus;
Der Walüesodem grüner Tannen Durchweht so würzig jedes tzaus. ». jfrruher erklingen aste Weisen, Als ob's rin Grutz der Engel mär, Die heute durch die Lande reisen And sroh der Weihnacht Wunder preisen:
Vom Himmel hoch, da komm' ich her!
Festfreudig mahnen alle Glocken: „Löst Luch aus dumpfer Lwrifel haft! Lammt, mit den Hirten zu frohlocken!" . . . Schon braust der Drgel volle Lrast; Sana strgrrich aus der Töne Wogen Singt es sich los, und strömt, ein Meer Von Freude, an dir Sänlenbogru, Bis auch Sein Herz rmporgezogen:
Vom himmrl hoch, da komm' ich hrr!
Schon gsttzern hinter den Gardinen Dir Lichter auf am schlanken Baum, And Linder mit verklärten Mirnen ftaifn sich dem Glanze wie im Traum! So heimlich mar's in all den Tagen; ... Lnecht Suprechts Schritte dröhnten schwer; .. Wem hat nicht laut das her; geschlagen. Als er ihm musst sein Sprüchlein sagen:
Vom Himmel hoch, da komm' ich hrr!
Wohl hast Lu rrich der singend hoffen Lrfüllt in Seiner Lieden kreis!
Doch hat Sich nie rin Blick grttoffen Ans fremden Angrn, bang und Heist? ... Geh aus heut, Leid und Mot zu lindern; So manche kleine Hand blieb leer: Verschwend? froh! Last Sich nicht hindern! And wenn sie staunen, sag' den Lindern:
Vom Himmel hoch, da komm' ich her! xiwiu Rainer.
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Friede auf Erden; Friede auch de» Menschen, deren Dasein sonst der Friede flieht; Friede der ganzen Welt, der das Glück des Friedens verheißen ward! Mag auch das große Sehnen der hier auf Erden Ringenden ewig unerfüllt bleiben; mag auch der Kampf für immer des Friedens Engel scheuchen und dos menschliche Geschlecht bis zum Ende seiner Tage unterm Fluch erhabner Göttlichkeit seufzen: Der eine Tag im Jahr, an dem di« Waffen ruhen und Kampf und Hader schweigen, der eine Tag des Lichts und der Verheißung bleibt den Sterblichen erhalten, und es wird, solange Menschen auf Erden seufzen, immer die eine Stunde der verbrüdernde» Menschenliebe schlagen, in der unlernt funkelnden Lichterbaum sich Herzen und Seelen finden, eins in dem hohen Ideal: Des Dasett s Kümernisse mit der Werktätigkeit nächste. lieber Hingabe zu versüßen. Schwächlich Menschenstreben nach einem göttlich hohen Ziel, aber doch ein ideales Mühen, das den @ o tesfunken im Menschenherzen offenbart und das große Sehnen der Sterblichen nach dem »Frieden auf Erden" tatwirksam wer- den läßt! Der Friede der »stillen, heil'ge» Nacht" glättet den Wogenprall des Alltagkampfs, die Herzen weiten sich und in d'r Menschenseele erwacht das Empfinden bf~ göttlichen Berufs, das sie für M mente hinaushebt über Erdenleid und Erde plage, andächtig versunken im Himmelsidc des göttlichen:
Friede auf Erden!
Sine neue Katastrophe.
Das Eisenbahn-Unglück bei ArbanatS.
Während überall die Weihnachtssreud» Sorge und Kummer scheucht und die Christ- nachtglocken das „Friede auf Erden" durch die Welt tragen, feiert Frankreich ein Trauer- fest: Im Bahnhof von Arbanats bei Bordeaux hat sich gestern in de» späten Abend- stunden ein schwerer Eisenbahn- unsall ereignet, dem mehrere Mensch n- leben zum Opfer gefallen sind, während Cu«; ganze Anzahl von Reisenden, meist Solda- ten, die aus ihren Garnisonen weihnachtsfroh zur Heimat eilten, schwere Verletzungen erlitt. Das Unglück dämpft in unserem Nachbarland die Weihnachtssreude und gestaltet die frohen Festtage zu einer Trauerfeier für die unglücklichen Opfer. Heber die Katastrophe gehe» uns folgende Telegramme zu:
Bordeaux. 24. Dezember.
«uf dem Bahnhose von Caoulae stieß- gestern abend gegen 10 Uhr zwei Güte z ü g e zusammen, wobei der Zugführer i einen Zuges auf der Stelle getötet w de. Der durch den Zusammenstoß angc tete Materialschaden ist sehr bedeutend. Strecke war auf mehrere Stunden nach Unfall zwifchen den Stationen Angon Bordeaux für den Verkehr gefperrt. In dieses Eisenbahnunfalles wurden die in Richtung nach Bordeaux fahrenden j ■ auf der Station Arbanats zurückg ten, und zwar waren es der von Ton kommende Expreßzng 152 und der Perft zug 134 von Agens. Zuerst ttaf der Ex.» zug 152 auf dem Bahnhof« ein. Die k Station war vollständig rn Nebel geh Als der Personenzug 134 in die Station e. fuhr, ließ der Stationsvorsteher den Expreß- zug ein Stück weiter nach vorn fahren, um Platz für den Pcrfonenzug 134 zu schassen Der Expreßzug hatte sich jedoch kaum in Be wegung gesetzt, als der Personenz»; mit voller Geschwindigkeit au' den letzten Wagen des Expretz- zuges auffuhr. Der letzte Wagen des Expretzzuges wurde vollständig zertrümmert, während die beiden vorletz ten Wagen entgleisten und gleichfalls it Trümmer gingen. Die übrigen Wage blieben unbeschädigt. Die Maschine d Personenzuges sprang durch den ungche ren Anprall aus den Schiene» und legte ft auf die Trümmer des letzten Wagens di Expreßzuges. Der Lokomotivführer niuräi fosort getötet, die vier letzten Wagen deS Expretzzuges waren vornehmlich m» aus Weihnachtsurlaub befindlichen baten des 20. Infanterie-Regiment fetzt. Zwei Infanteristen sowie ein Ar rist wurden durch den Zusammenstoß fort getötet. Der Artillerist wurt entsetzlich verstümmelt, daß Persönlichleft noch nicht sestgrstellt w