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Casseler MmLzritung hessische Mmchritung

1. Jahrgang.

Nummer 18.

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Tragödien des Lebens.

Sechs Selbstmorde in zwölf Tage«.

Es gibt im Menschenleben Momente, in denen die Verzweiflung alle Hemmungen kühler Vernunft und ruhiger Ueberlegung durchbricht und der Mensch ohnmächtig dem Wellenschlag des Schicksals unterliegt. In den letzten zwölf Tagen, im Vorahnen der kom­menden Weihenacht, haben sich in der Residenz­stadt Cassel sechs Selb st morde und Selbstmordversuche ereignet, und immer waren die Ursachen, die die Unglück­lichen zum verhängnisvollen Schritt ins dunkle Land der Schatten drängten, tragischer Natur. Das Leben birgt ja soviel Kummer und Schicksalshärte, soviel Elend und Jammer, daß auch der Staicke manchmal unterliegt und den Kampf gegen des Geschickes Tücke durch den letzten Schritt, den Gang in den Tod, endet. Man fühlt tiefes, inniges Mitleid mit den Opfern des Daseinskampfes, die am Wege zum Ziel müde zusammenbrachen und den Kampf um's Ideal mit der Opferung des eigenen Ichs bezahlten. Und doch mischt sich in diese An­teilnahme am Geschick eines unglücklichen Menschen auch das bittere Empfinden, daß im Grunde doch immer nur die menschliche Schwäche der Anlaß und die treibende Kraft auf dem Weae zum Verhängnis ist. In allen den Fällen, die in der beiden letzten Wochen Lauf zu betrauern waren, ist die eigentliche Ursache der Selbstopferung nicht mit Sicherheit zu bestimmen, in allen Fällen aber deuten die Begleitumstände darauf hin, daß die frei­willig aus der menschlichen Gesellschaft Ge­schiedenen nicht ganz schuldlos an der verhäng­nisvollen Wandlung ihres Geschickes gewesen sind: Sei's nun menschliche Schwäche im all­gemeinen, sei's ein psychischer oder moralischer Defekt, der letzten Endes zum schlimmen Aus­gang führte.

Die Häufung der Selbstmorde ist (wie so manches andere bedauerliche Moment im Bilde der Gesellschaft von heute) ein betrüb­liches Zeichen unserer Zeit, der Periode der Nervosität und Kultur-Ueberreizung, die den Menschen mehr als früher in das sausende Ge­triebe des Daseinskampfes einspannt, und vom Einzelnen eine Anspannung der Kräfte ver­langt, die man noch vor wenig Jahrzehnten nicht kannte. Der soziale Kampf im zwanzig­sten Jahrhundert ist der Mühlstein, auf dem die Nerven der menschlichen Gesellschaft zermalmt werden, und alle Kultur-Verfeinerung, aller geistige und wirtschaftliche Fortschritt haben /s nicht verhindern können, daß an deni höchsten Wertstück des »Jahrhunderts der Aufklärung", der menschlichen Gesellschaft selbst, eine Dege­neration merkbar wird, deren Wirkungen mit jedem Tage deutlicher und charakteristischer in die Erscheinung treten. Es ist sicherlich kein Zufall, wenn beispielsweise kürzlich in der vor­nehmen Welt der Zaren-Residenz, die dem Le­bensgenuß in ungehemmtemDrange huldigt,eine förmliche Selbstmord-Epidemie aus­brach. der (wiederum charakteristisch) grade die besten und hoffnungsvollsten Blüten der Ju­gend dieser Kreise zum Opfer fielen. Hier waren es die Uebersättigung mit den Gütern der Kultur und der Ekel vor dem Raffinement 1 des modernsten Lebensgenusses, die die Ver- ? zweiflung zeugten und dem Schicksal die die Welt Fliehenden in die Arme trieb. Bei De­nen. die im Kampf ums Dasein still am Wege sterben, allein mit ihrem Harm, ist nicht c der Ueberdrutz am Genießen des Schicksals ei» Trieb: Sie fallen als Opfer der Entbehrung und des Elends, aber imgrunde ist auch hier un die Ursache die gleiche, mag sie auch in j, Aeußerlichkeiten sich unterscheiden: Die Einen keil wie die Andern erliegen der Schwäche und ihr v ftselbstgewollter Tod erlöst sie von einer Last, Poie sie nicht mehr tragen zu können wähnen.

Und es ist seltsam, daß in den meisten der für Cassel in Betracht kommenden tragischen Fälle die Unglücklichen sich in die frühwinter- liche Stille der Aue zurückgezogen hatten, be­vor sie für immer von dieser Welt des Kum­mers und der Enttäuschung Abschied nahmen. Die Sehnsucht nach der stillen Einsam­keit eines menschenfernen Erdenwinkels paart sich mit Weltschmerz und Daseinsweb und der letzte Blick todestrauriger Augen glei­tet über ein in idyllischer Schönheit blinkendes Stückchen dieser Erde, von der der nächste Augenblick die Seele des deni Kampf Erlege­nen Hinwegtragen soll in jenes Land, aus dem es keine Heimkehr gibt. Auch das ist charakteristisch für unsere Zeit und ein Symp- tom der Stimmung menschlicher Psyche in

Momenten, in denen das Schicksal schwer und erbarmungslos seine Hand auf eines Sterb­lichen Schulter legt. Die Selbstmordziffer zeigt im Bilde der Statistik in jedem neuen Jahre eine beängstigende Steigerung, und es ist bei einem Vergleich mit den Daten frühe­rer Zeiten deutlich erkennbar, wie der »Zug des Todes" mit den Fortschritten der Kultur und der Verfeinerung der allgemeinen Le­benshaltung gleichen Schritt gehalten hat. Daß der Kampf ums Dasein heute mehr Opfer fordert, als vor Jahr­zehnten, wo bei geringerer Be- völkerungsdichtigkeit die Bedürfnisse des Einzelnen bescheidener waren, steht fest; ebenso aber auf der andern Seite die Tatsache, daß auch in jenen Kreisen, an die die Not des Alltags und die bittere Sorge ums tägliche B-ot nicht hcranreichen, die Ziffer der frei­willigen Lebensendungen eine gegen früher auffällig starke Zunahme aufweist. Man sieht also zwei bedauerliche Erscheinungen: Einer­seits die schwindende Kraft im Ertragen menschlichen Schicksals und sozialer Erschwer­nisse, auf der andern Seite die Flucht vor'm Leben als Ausfluß der Kulturübersättigung und des überreizten Genußlebcns. Es sind Tragödien des Lebens, die sich .ab­seits vom breiten Wege" abspielen, Tragödien, die unsere Zeit gebiert und deren Ursachen in unserer Schwäche wurzeln. **

Sine neue Katastrophe.

Vierzig Tote, über fünfzig Verletzte. (Telegraphische Meldungen.) Wie wir bereits gestern kurz telegraphisch mittellten, brach am Donnerstag um die Mit­tagsstunde in der großen Friedländer- schen Aeterfabrik in Philadelphia ein Brand aus, dem leider zahlreiche Menschen­leben zum Opfer gefallen sind, während eine große Anzahl von Personen schwer verletzt wurde. Ueber die furchtbare Vrandkatastrophe gehen uns folgende Drahtberichte zu:

Chicago, 23. Dezember.

DaS Feuer brach infolge einer Explo­sion aus und verbreitete sich mit rasen­der Schnelligkeit. Die Feuerwehr­leute standen unter einem Metalldache am Ostende des Lagerhauses. Sie ahnten nichts von der Gefahr, in der sie schwebten, bis das Dach plötzlich zusammenstürzte und die Feuerwehr (etwa vierzig Mann) unter sich begrub. Die Zahl der Toten wird auf dreißig angegeben. DaS Feuer breitete sich trotz der heldenmütigen Anstrengungen der Wehr und der im Lager beschäftigten Personen, die gerade zur Ar­beit kamen, immer weiter aus, da die Lösch­versuche durch Mangel an Wasser aufs äußerste erschwert wurden. Man glaubt, daß einige von den Leuten, denen durch das Feuer der Ausgang abgeschnittcn ist, noch am Leben sind, doch ist es unter den obwal­tenden Umständen unmöglich, an eine Ret­tung der Eingeschlossenen zu denken. Eine große Zahl von Mannschaften machte sich sofort ans Werk und arbeitete die ganze vergangene Nacht hindurch an der Rettnn- der Verschütteten, ohne die nötige Vorsicht zu beachten. Während die Arbeiten noch im Gange waren, stürzte eine zweite Mauer ein und verschüttete abermals Feuerwehrleute und Polizisten. Hierbei sind mindestens fünfzehn Personen um­gekommen. Zehn Leichen wurden so­fort geborgen. Eine noch unvollständige Liste der Toten weist über vierzig Namen auf, unter denen sich sechzehn Feuerwehr­leute und drei Polizisten befanden. Die Suche nach den Opfern unter den überflute­ten Trümmern dauert fort.

Unter den bei der Katastrophe Verunglückten befinden sich auch der Brand-Direktor von Philadelphia und zwei seiner Assistenten. Der Schaden beläuft sich auf etwa anderthalb Millionen Dollar. Eingeäschert sind bisher zwei Lagerhäuser mit Fleischvorräten, das Talghaus und einige an­dere Gebäude des Werkes.

Die Lpfer der Hilton-Kataftrovhe.

Alle Hoffnung auf Rettung geschwunden.

(Privattelegramm.)

Wie uns aus London depeschiert wird, lassen die letzten Nachrichten über die Kata­strophe in der Hilton-Grube bei Lan- cashirc kaum einen Zweifel darüber, da

die sämtlichen dreihundertfünfzig Mann, die zur Zeit der Explosion in der Nard-Mine beschäftigt waren, umgekom­men sind. Den giftigen Gasen, die das Ret- tungswerk erschweren und dem Feuer, das bald nach der Explosion ausbrach, scheint alles Leben zum Opfer gefallen zu sein. Das Feuer ist jetzt wenigstens in der Nähe des Tunnels erloschen. Es haben drei verschie­dene Feuer in der Grube gewütet, deren letztes gestern abend erlosch. Der Oberberg­inspektor sagte, er habe an einer Stelle elf Leichen übereinander liegen gese­hen. Tiefes Bedauern erregen die unglückli­chen Hinterbliebenen der umgekomme­nen Bergleute. Ein Haushall hat den Vater und fünf Söhne verloren, viele andere drei oder vier Mitglieder. Einer der verunglück­ten Bergleute hinterläßt zehn Kinder, ein anderer acht. Seit gestern abend sind zwölf verschiedene Abteilungen mit Rettungsversuchen beschäftigt, aber alle stießen nur auf Lei­chen. Die Retungsmannschaften, die gestern spätabends in den Prätori aschacht einfuhrcn, fanden auf der größten Sohle der Grube be­reits 150 Leichen vor, die im Laufe der Nacht zutage gefördert wurden. Die Stollen waren überall durch ungeheureGesteins- m ass en, die bei der Explosion hcrabgcstürzt waren, ungangbar gemacht, und die Grube war stark verstaubt, was natürlich die E x p l o- sionsgefahr bedeutend erhöht. Es ist deshalb eine offizielle Warnung ausgegeben worden.

Feuer im Touristenheim.

(P r i v a t t e l e g r a m m.)

Einem Telegramm aus Brünn in Mähren zufolge ist daS bekannte Touristen- heim in Schäferei auf dem Altvater in den Sudeten abgebrannt. Der Wirt hat den Tod in den Flammen gefunden. Es ist ein glücklicher Zufall, daß zurzeit des Brandaus­bruchs leine Touristen in dem Heim Übernach­teten, da sonst sicher mehr Opfer zu beklagen fein würden. Das Feuer brach so plötzlich aus und verbreitete sich mit so rasender Schnel­ligkeit, daß an eine Rettung nicht zu denken war.

Max von Sachsen.

Der Prinz von Sachsen und MoiS Pichler. (Telegraphische Meldungen.) Die Afsäre des Prinzen Max von Sachsen scheint nicht zur Ruhe kommen zu wollen, trotzdem der Prinz es an versöhnlichen Erklärungen nicht hat fehlen lassen, und trotz­dem auch von Rom aus alles versucht worden ist, um den peinlichen Zwischenfall tunlichst harmlos zu gestalten. Es ist sogar der Versuch gemacht worden, die .inkriminierte" Veröffent­lichung des Prinzen als den .Ausfluß eines historischen Irrtums" zu charakterisieren, an dem der Prinz intellektuell nicht allein beteiligt sei. Ein Vrivat-Telegramm meldet uns dazu aus

Köln, 23. Dezember.

Die Kölnische Volkszeitung teilt mit: Vor einigen Tagen war uns aus Rom ge­meldet worden, daß »in eingeweihten vati­kanischen Kreisen" verlaute, Prinz Max von Sachsen sei bei seinem Artikel stellen­weise wörtlich den Ausführungen des ehemaligen Münchener Kirchenhistorikers Alois Pichler in seiner zweibändigen, 1864 erschienenen und auf dem Index stehen­den .Geschichte der Kirchentrennung zwischen Orient und Okzident" gefolgt. Dazu erhal­ten wir aus dem Privatsekretariat des Prinzen Max von Sachsen folgendes bündiges Dementt: Der Artikel .Gedanken über die Frage der Vereinigung der Kirchen" von Prinz Max von Sachsen beruht allein auf Quellenstudien und hat mit dem Werke von Pichler nicht das geringste üu tun. Auch die eingeweihtesten vatikani­schen Kreise werden nicht einen einzi­gen Anklang an Pichler, geschweige denn wörtliche Uebereinftimmung mit Ausführun­gen von Pichler nachweisen können. Die Verlautbarung der »eingeweihten vatikani­schen Kreise ist eine unangebrachte Verdächtigung der selbständigen Wis­senschaftlichen Tätigkeit des Prinzen, der für feine Angaben voll und ganz eintritt. Wie uns (in Bestätigung früherer Mit­teilungen) ein Privat-Telegramm aus Rom meldet, ist im Vatikan die Nachricht ein­gegangen. daß Prinz Mar von Sachsen in allernächster Zeit in Rom eintreffert wird, um , sich wegen der aegen ihn erhobenen Vorwürfe

zu rechffertigen. Der Prinz soll, nachdenr Dresdener Aussöhnungs- und Verständigungs­versuche erfolglos geblieben sind, entschlossen sein, sein wissenschaftlich begründetes Werk gegen alle Angriffe kirchlicher und vatikani­scher Kreise zu verteidigen, ohne Rücksicht auf die etwa daraus sich ergebenden Konse­quenzen.

Sie Spione von Norknm.

Vier Jahre Festung für beide Angeklagte.

(Bericht unseres Korrespondenten.)

Leipzig, 23. Dezember.

Wie wir schon gestern telegraphisch mit- teilten, war im Spionageprozeß gegen die beiden englischen Offiziere Trench und Brandon vor dem Reichsgericht während des größten Teils der Donnerstag-Sitzung die Oesientlichkeit ausgeschlossen, da die Fort- setzung der Beweisaufnahme im Interesse der Staatssicherheit geheim statffinden mußte. Nach Wiederherstellung der Oeffentlichkeit begannen die Plaidoyers.

Sborreichsaawalt Dr. gweigert

führte in seinem Plaidoyer aus: Die Angeklag­ten haben selbst zugegeben, daß sie als Kund­schafter nach Deutschland gekommen sind und daß sie die Absicht hatten, das ausgekund­schaftete Material der Zentralstelle des engli­schen Nachrichtendienstes zu übermitteln. Es wird also für das Verbrechen die ent­sprechende Sühne eintteten müssen. Die Angeklagten haben in der Zeit vom 4. bis 20. August die Nordseegewässer bereist, um die Be­schaffenheit der deuffchen Gewässer kennen zu lernen. Bei Trench kommt noch seine Reise nach der Kieler Föhrde und nach dem Kaiser- Wilhelm-Kanal hinzu. Die Angeklagten hatten die Absicht, militärische Geheimnisse auszukundschaften. Es ist ausgeschlos­sen, daß sie eine harmlose Spazierfahrt unter­nommen und sich ganz beiläufig die deutschen Küsteneinrichttmgen angesehen haben. Die Angeflagten sind unter falscher Flagge ge­segelt, und ihr ganzes Auftreten läßt keinen Zweifel, daß sie verkappte

Agenten dcS englischen Nachrichtendienstes waren.

Ich halte es für zweifellos, daß die An- geflagten mit großem Vorbedacht von der Zenttalstelle des englischen Nachrichten­dienstes ausgewählt worden sind und auf Kosten der Zentralstelle die Fahrt nach Deutsch­land unternahmen, um militärische Einrichtun­gen, die im Interesse der Landesverteidigung geheim zu halten sind, auszukundschaften und das Ergebnis der Zentralstelle mitzuteilen. Dafür sprechen schon die eingehenden Aufzeich­nungen über Fahrtiefen und Beschaffenheit der Gewässer, sowie die Ausfüllung der Frage­bogen. Es geht aber auch aus den bei den Angeklagten gefundenen Korrespondenzen her­vor, daß eine zweite Reise geplant und daß erwogen wurde, wieviel Geld die Zenttalstelle des englischen Nachrichtendienstes dafür auswerfen solle. Daraus ergibt sich _bic Gewißheit, daß auch die erste Reise auf Kosten der Zenttalstelle unternommen worden ist. Die Angeflagten haben also direkt

im Auftrage der Zentralstelle

des englischen Nachrichtendienstes gebandelt und haben ihr Material der Zentralstelle ge­geben. Daß die Angeklagten sich der Sttafbar- keit ihrer Handlungsweise bewußt waren und Besorgnis batten, abgefaßt zu werden, dafür spricht der Umstand, daß sie ihre Mitteilungen über dir Ergebnisse ihrer Beobachtungen in Wangeroog in Chiffreschrift niederaeschrieben haben. Durch die Mitteilung der Beschaffen­heit des Jadebusens, der Weser- und Elbe- Befestigungsanlagen ist einer fremden Macht ein Angriffskrieg erleichtert worden. Es kommt aber nicht auf Einzelheiten, sondern auf dos Gesamtergebnis an. und das Gesamt­ergebnis des Verrats von Borkum bis Norder­ney läßt keinen Zweifel, daß einer fremden Macht Dinge mitgetellt worden sind, deren Ge­heimhaltung im Interesse der Landesverteidi­gung geboten war. Daß das den Angeklagten bekannt war. kann keinem Zweifel unterliegen, hätten sie das Bewußffein der Strafbarkeit ihres Handelns nicht gehabt, dann wären ft«

nicht unter falscher Flagge

und derarttg geheimnisvoll auffletreteit

Nach dem Oberreichsanwalt stellte Reichs­anwalt Dr. Richter seine Strafan­träge, zu deren Begründung er ausführte: Bei der Strafabmessuna wird zu erwägen sein die große Gefährlichkeit und der Umfang der Auskundschaftungen, aber auch der große Schaden, der für Deutschland entstehen konnte und zum Teil entstanden ist. Denn es ist nicht zweifelhaft, daß eine ganze Anzahl Sachen der Zenttalstelle für den englischen Nachrichten­dienst bereits mitgeteilt worden sind. Es lieat also nicht nur versuchter, sondern auch vollendeter Landesverrat vor.