Einzelbild herunterladen
 

Casseler Neueste Nachrichten

Eine Detektiv-Jagd mn die Erde.

a

, russische Schiffe nur russische Koh-

len! Wie aus P e t e r s b u r g gemeldet wird, besprach die Reichsduma in ihrer gestri- gen Sitzung die Erklärungen, die der Mari- neminister zu der Interpellation über den Ankauf von Cardiff - Kohlen im Hafen von Wladiwostock abgege­ben hat und nahm mit 112 gegen 91 Stimmen eine Uebergangsformel der Nationalisten an. In dieser wird erklärt, die russischen Schiff? sollten sich in Krieg und Frieden nur russischer Kohlen bedienen.

Nach einem Telegramm aus Paris vird die französische Kammer wahr- cheinlich am Sonnabend in die Ferien gehen. Daher wird P i ch o n seine Erklärungen über die auswärtige Politik erst nach dem Wiederzusammentritt der Kammer im Januar abgeben.

Die Oefsentlichkeit ausgeschlossen!

Leipzig, 22. Dezbr. (Spezial-Tele- zramm.) Im Spionage-Prozeß ge­gen die englischen Offiziere French und Bran­don vor dem Reichsgericht wurde heute die (Öffentlichkeit ausgeschlossen.

rrr Serbische Bombenwerfer. Aus Bel­grad wird depeschiert: Das Gericht t er In- stanz in P r o k u p l j e verurteilte denG - mein- dediener Jankowitsch zum Tode und den Lehrer M. Janowitsch zu 20 Jah­ren Zuchthaus. Sie hatten bei den letzten Ge- meindewahlen eine B o m b e in das Versamm­lungslokal geworfen, durch welche drei Perso- neu getötet und vier schwer verwundet wurden.

Ein Dampfer in Flammen. Wie aus Paris telegraphiert wird, verständigte der deutsche Postdampfer Prinz Eitel Friedrich die Seepräfektur, daß der Dampfer „Rufsia" aus Gent in Flammen stehe und die Mannschaft das Schiff verlassen habe.

Politische Chronik.

Zu Ehren des in München weilenden Staatssekretärs von Kiderlen- Wächter fand gestern beim Prinzregenten eine größere Hoftafel statt, zu der u. a. auch geladen waren: Der vreußische Gesandte von Schlözer, Ministerpräsident Frhr. von Podewils. Finanzminister von Pfaff und sämtliche Staatsräte aller Ministerien.

*

1» Der Frauenmord in Berlin-W. Zum neuesten Berliner Frauenmord wird heute aus der Reichshauptstadt telegraphiert: Im Zusammenhang mit dem Frauenmord ist ein

Man schreibt uns aus Berlin: Dm letzten Montag traf hier einer der bekanntesten Detektive Amerikas. Joe Roller, ein, der den Beinamen eines »Urbildes des Sher­lock-Holmes" nicht mit Unrecht verdient. Er befindet sich auf der Jagd nach einem Liebespaar, das gegen den Willen der Eltern aus dem elterlichen Hause entflohen ist und sich nun verborgen hält. Joe Roller ist beauftragt, den Aufenthaltsort dieses Liebes­pärchens, aus dem inzwischen ein Ehepaar geworden sein soll, auszukundschaften und den beiderseitigen Eltern sofort Mitteilung zu machen. Wie Roller aber lächelnd erzählte, scheinen die beiden jungen Liebesleute an Detektivscharfsinn den alten bewährten Spür­hund Roller noch zu . . . übertreffen. Sie ver­stehen es meisterhaft, ihn irre zu führen und sich vor ihm verborgen zu kalten. Einige Tricks der beiden Liebesleute sind allerdings recht kindlich und können, wie Roller erzählte, einen so erfahrenen Kundschafter nicht hinter das Licht führen. Aber dennoch gibt er zu. daß er schon in mehreren Städten, in denen er den beiden bidht auf den Fersen war, durch einen ebenso kübnen wie gewagten Schachzug von ihnen düpiert wurde, wenn er gerade schon glaubte, sie fest zu baben. Einstweilen bleibt Roller Nickis anderes übrig, als den Eltern über die Mißerfolge seiner Detektivfahrt zu kabeln oder ihnen mitrnteilen, wo er überall ihre Svuren entdeckt habe.

Die Eltern des jungen Mädchens, eine millionenreiche Familie New- v o r k s mit dem urdeutfcken Namen Schmidt, wollen nämlich, selbst wenn die beiden jungen Leute schon die Ehe eingeganaen sein sollten, ein Zusammenwobnen ebenso gern vereiteln, wie die Eltern des iunaen Mannes, die steinreichen Rentiersebeleute Wilcons. Der iunge Mann, Wilcons junior, war nämlich bisher ein Taugenichts, den der Vater erst ans Arbeiten gewöbnen will, bevor er ihm gestattet, eine Ehe einzugehen und einen eige­nen Hausstand zu führen. Die Eltern des iunaen Mädchens stimmen darin mit dem alten Mister Wilcons natiirlich überein, und so basten beide den Detektiv ans die Fährte der Flüchtlingen gesteht. In L o n d o n fand Roller zum erstenmal ihre Spur, und »war in einem Hotel, wo ein Herr .Fred Wilcons mit Ge­mahlin" abgestiegen war. Roller stellte aber fest, daß es nicht der flüchtige Wilcons war. sondern daß dieser ein anderes Pärchen in das Nimmer eingemietet hatte, um Verfolger zu täuschen. In Varis sand der Detektiv abermals die Spur der beiden, die von da über Holland nach Hamburg und Ber­lin ging. Jestt führt ste weiter nach Peters­burg. und es scheint, daß das Bärchen sich nach Japan begeben will. Roller sagt ihnen werter nach und stosst, daß es ihm gelingen wird, stch die Zufriedenheit der p. t Eltern zu erringen. . . . .Dg.

drowna in Moskau abholen, mit ihr ins Aus­land reisen und sie dort, mit Ihrer gütigen Zu­stimmung .... heiraten!" °

. .Leonid!" Die drei Anwesenden riefen es gleiwzeitig in verschiedener Betonung. Die Gräfin eilte auf den jungen Fürsten zu, schloß ihn leidenschaftlich yt die Arme und schluchzte an seinem Halse:

»Leonid, lieber, guter, gesegneter! Gott totrb es lohnen — retten Sie mein unglückliches SttltD I

Stm nä(5ftfolflenben Montag traf der junge Fürst Plebako mit allen notwendigen Papieren und Vollmachten versehen, in Moskau ein.

.Die fünf begnadigten und aus Wjatka zuruckiranspottietten Verschickten befanden sich un Utichastok (Polizeirevier) neben dem Bahn­hofe.

seinem Zobelpelz stand der junge Fürst fieberhaft erregt in dem kalten, großen Raum. Außer ihm harrten dort noch ungefähr zehn Personen, auf deren bleichen Gesichtern der «tempel von Intelligenz und Leid aufgedrückt war. Sie gehörten zweifellos den gebildeten standen an, wenn guck ihre Kleidung Aerm- lichkeit verriet. Abseits in einer Ecke hockte eine weißhaarige Frau, verkümmert und elend, und stierte vor, sich hin. .Das ist die alte Lukina." flüsterte em Jüngling, ehrfurchtsvoll auf sie weisend. »Sie,war mit ihrem Gatten zwanzig ->ahre in Sibirien. Es war der berühmte Nniversitätsprofeflor, der in seinen Werken . ." Das andere verstand Plebako nickt.

»Wollen Durchlaucht sich gütigst in den Nebenraum bemühen. Sie ist da", meldete ein Polizist. Der Fürst erschrak auffällig, er­blaßte und folgte mit klopfendem Herzen dein Noranschreitenden, der hinter ihnen die Tür chloß. Unruhig suchte sein Blick die Komtesse. Ta stand ste, noch in einer Art Ans ältst rächt aus buntem Kattun, unter den hellen Flam­men des Gasarmes. Plebako erschauerte und tarrte sie ungläubig an.

Das staaere Weib mit dem kurzgeschore-

Wie aus B u k a r e st gemeldet wird, wurde der Generalsekretär des Un­terrichtsministeriums, Theodor», bei Huki am Pruth geleaentlick einer .Inspek­tionsreise bei einem Automobilunfall ge­tötet.

Neuer vom Tage.

Sie „Prophetin" von Paris.

Mme. d e T h s b e s. die berühmte Pariser „Phvthia", die alljährlich die Welt mit ihren Prophezeiungen bedenkt, hat auch in diesem Jahr ihren Almanach herausgegeben, in dem Gläubige die Zukunft hüllenlos schauen. Im vergangenen Jahre hatte sie für 1910 eine rege finanzielle Tätigkeit, die Erhaltung des Friedens, eine Modifikation der französischen Allianzen, schlimmes Wetter und den Tod zweier Könige prophezeit, und da die Laune des Schicksals ihr diesmal Recht gegeben bat, mögen auch ihre Voraussagungen für das Jahr 1911 als eine interessante Kuriosität kurz zusammengefüßt werden.

Das kommende Jahr, so verrät uns die Prophetin, ist ein »Dämmerungsjahr" und steht unter dem doppelten Einfluß von Venus und Mars, unter der Einwirkung der Kraft der, Leidenschaft und des kühl berechnenden Geistes. Für Frankreich prophezeit Mm. de Tbsbes eme Periode, da die Arbeit und der Einfluß der Frauen aus die politischen Kämpfe einwirken wird. .1911 bereiter die Akten vor. 1912 ist der Beginn großer Dinge und 1913 der Markstein ernes verwandelten Europas, in dem Frankreich seine moralische Krone wiedererobert haben, wird." Das kommende Jahr bringt schlechtes Wetter, wenige schöne Tage, wech­selnde Temperatur und einen Frühling, der nur eine Fortsetzung des Winters bedeutet. Der Sommer verspricht viel Regen. Im August wird das Getreide teuer, die Weinstöcke aber werden schwere Not erleiden. .Trauer in einem lachenden Land. Vorsicht gegen die Berge, die Pyrenäen werden Ueberraschungen bringen.

Gegner jeder Einmischung in die Politik sind wurden mit Lärm begrüßt. Die herbeigerufene Polizei wurde mit einem Hagel von Schüssen empfangen, sodaß der Polizeichef den Befehl zum Feuern gab. Die Stu- deten stellten hierauf das Feuer ein. Ein Stu­dent wurde tödlich, zwei leichter verletzt. Fer­ner wurden verwundet ein Universitätsdiener und sieben Polizisten. 235 Studenten wurden verhaftet.

iS Ein Sensationsprozeß in Metz. Nach dreitägiger Verhandlung wurde gestern abend ein Prozeß zu Ende gefühtt, der sich gegen 19 Personen, darunter zwei Männer, richtete, wegen Verbrechens gegen das kei­mende Leben bezw. Beihilfe hierzu. Die Hauptangeklagten wurden zuzweiJahren Zuchthaus verutteilt. Drei Angeklagte wurden freigesprochen, die übrigen, darunter die beiden Männer, zu Gefängnisstrafen von drei Wochen bis acht Monaten verurteilt.

. iS Für 15 000 Matt . . Zöpfe. In einer Kölner Haarbearbeitungs - Fabrik wurde nachts eingebrochen. Es wurden Zöpfe und Haare im Werte von 1 5000 Mark ge- toblen. Die Diebe konnten noch nicht ermittelt werden.

iS Der giftige Quark. Aus Freiburg i. Br. wird uns gemeldet: Eine plötzliche S.1.1 J 9 «tun fl von etwa 150 im erz­bischöflichen Knabenseminar unter» fleöracöten Schülern erregte hier großes Aufsehen. Magenkatarrh, Erbrechen usw. stell­ten sich ein, konnten aber bald behoben werden. Die Untersuchung ergab als Ursache, den Ge­nuß von Quark, der mit einem Zusatz ver- sehen worden war.

s? Die älteste Frau Sachsens gestorben. Einem Telegramm aus Zittau zufolge tarb dott gestern die älteste Frau Sachsens, Frau Eleonore Geier, geborene Becker, kurz vor Vollendung ihres 10 5. L e b e ns j a h- r e s. Sie war bis kurz vor ihrem Tode geistig und körperlich äußerst rüstig.

nen, fahlen Blondhaar, den eingefallenen Wangen und tiefliegenden, glühenden, dunkel­umrandeten Augen, dieses Urbild von Schmerzen und Entbehrungen sollte Sinaide Alexandrowna Brobakoffa fein? Die strah­lende elegante Sina, der Liebling der Gesell­schaft . . .? Ein bitteres Lächeln glitt über das welke Antlitz, und die blassen Lippen öffnend, sprach eine tiefe, wie eingerostet klin­gende Stimme: »Ich bin es, Leonrd Niko- laitsch; aber ich glaube, daß Sie Zeit brauchen, mich wieder zu erlernten."

Plebako war unfähig, zu antwotten vo( Enttäufchung.

.Von all den Menschen dort hätte ich am wenigsten gerade Sie hier erwartet. Ich habi Sie unterschätzt, Leonid Nikolaitsch, vergebe« Sie mir! — Ist kein anderer da. der mich, die verlorene Tochter, heimholen konnte?" fragte sie leise.

Er zuckte stumm die Achseln.

»So hat man mich ausgefioßen? Die Eltern auch?" Ein Beben rann durch ihren Körper.

Plebako starrte zu Boden und bewegte sich unruhig. Alles in ihm widerstrebte in einem Gemisch von Grauen und Widerwillen vor jener . . . Frau. Jedoch er kämpfte tapfer.

»Ich bin bereit---das heißt----

Ihre Eltern sind beglückt.---Mit Ihrer

— Zustimmung bin ich — be — Willens, mich --Sie--zu heiraten." Es war heraus. Er konnte sie ansehen.

Mit zwei Schritten war sie neben ihm und packte seine Hand. Ein trockenes Schluch­zen drang aus ihrer Kehle. »Was für ein Mensch!" rief sie und fuhr stch überstürzend lort: »Aber ich danke Ihnen, Plebako, ich danke Ihnen! Eine Ehe zwischen uns wäre ein Unding! Haben Sie denn nicht bedacht, was zwischen uns liegt? Ihre Sphäre des Glanzes und Scheins kann nicht mehr dis

™ Sie Politik des Tages.

j? Briand und die Eisenbahner. Aus Paris wird uns gemeldet: Der Ministerprä- ; srdent wird die verschiedenen Gesetzentwürfe, Vie sich auf die Unterdrückung der Eisenbahnerausstände und der Sa­botage beziehen, in der nächsten Kammersit­zung einbringen. Die Vorlagen werden je­doch erst nach Erledigung des Budgets, also voraussichtlich frühestens im März nächsten Jahres zur Beratung gelangen.

S Politik und Revolver. (Telegramm.) einer gestrigen politischen Stuben- ^'enversammlung in Odessa nahmen twa 270 Studenten teil. Die Akademisten, die tn."1

der furchtbaren Kolonie der Verschütteten in Wjatta geschmachtet hat. Hat denn unser gnä­digster Herrscher mehr Mitleid mit der armen verführten Törin als der eigene Vater? .Er" hat sie begnadigt!"

»Mamascha, rege dich nicht so auf. Denke an dein Herz." warnte die Tochter müde.

»Ihre Begnadigung verdankt sie unseren Beziehungen und meiner bekannten Loyalität," donnerte Brobakoff los und sprang empor und schritt im Zimmer auf und ab. „Aufgehängt hatte man die Anarchistin, die . . . Bombeu- toetferin. wenn sie nicht zu unferer Familie ge­hörte! Und ihr wäre recht geschehen! Verflucht war ihr Tun. denn sie mußte an uns denken. Uns alle hätten sie nach Sibirien bringen kön­nen mit ihrem wahnsinnigen Attentat. Du weißt es, Jewgenia. ick habe nur noch eine Tochter: Nadja! Sinaide die bestrafte Ver- brecherin, eriftiert für mich nicht mehr! Der Graf ftürzte plötzlich in aufloderndem Zorne aus dem Gemache.

Fürst Plebako hatte sich langsam erhoben und reckte seinen durch Sport trainierte« Kör­per. »Wann läuft Sinaide Alerandrownas Strafzeit ab, verehtte Tante?" fragte er mit feiner müden, leifen Stimme.

Die Gräfin nahm ein amtliches Schreiben auf, wifckte erft ihre Augen, dann die Lorg­nette ab und las den gestempelten Bogen. „Am Montag trifft der Transpott in Moskau ein. Wir fallen Sina... im Saufe des Polizei- vräsidenten in Emvsang nehmen. Dock darf sie nur vierundzwanzig Stunden in der Stadt ver­weilen, denn der Aufenthalt in den beiden Residenzen ist ihr noch auf weitere zehn Jahre verboten! Zu furchtbar, zu furchtbar!"

Plebako rieb fein nach neuester Mode glatt« geickorenes Antlitz. Er rang mit einem Ent­schlüsse. Endlich sagte er hastig: »Moskau und Petersburg sind ihr verboten. Alerander Paw­lowitsch verschließt ihr seine Besitzungen und läßt ihr in Rußland nur den Weg ins Kloster frei. . . . Darum . . . ich . . . weil. . .. also ich, teure Tante, ich . . . werde Sinaide Aleran-

Der Sachverständige Oberleutnant Bo- . «atz-Cuxhaven erklärt: Die Fragebogen und k Aufzeichnungen der Angeklagten enthalten ge- f uaue Angaben über die Befestigungen von t ^uxhaven. Ganz besonders konnten sie genau . feststellen die Beschaffenheit der Mörser- batterien und der Saubitzbatterien, S ebenso, die Beschaffenheit des neuen Sckein- „ Geheimhaltung dieser Dinge ist

9 selbstverständlich im Interesse der Lan- a desverteidigung dringend gebo­ten.

rs Das Choleragespenst. Wie aus Ma- deira telegrafiert wird, fordert die Cho- lera dort immer mehr Opfer. Bisher sind 3 000 Menschen von der Seuche dabiu- gerafst worden. In verschiedenen Städten sind Revolten größeren Stils ausgebrochen.

Sina.

Erzählung von Ernst Georgy, Berlin.

Tiefes Schweigen lag über dem Kabinett des Generals Grasen Brobakoff. Er saß in dem Sessel vor dem Schreibtisch, hatte den ilniformtragen aufgeriflen und stieß den Rauch seiner /Zigarette so hastig aus, daß er das Mundstück schon nach wenigen Zügen in den Aschbecher warf. Erregt zündete er sich sofort eine andere an. Auf dem Sofa lauerte die Gräfin und unterdrückte gewaltsam ihr schluch­zendes Weinen, neben ihr lehnte mit bleicher gelangweilter Miene Nadja, die jüngste Tochter.

Vor dem Fenster stand Nikolai, dec älteste Sohn des Houses, ein Leutnant von der Leib­garde des Kaisers und das Urbild des verlevten eleganten Petersburgers. Seitlich von dem Kamin im tiefen Klubsessel hockte ein Zivilist, ganz im Stile des letzten Londoner Modejour- nals gekleidet und stiette nachdenklich In die lodernden Flammen Es war der junge Fürst Leoni»» Plelako ein Diplomat, der seit Jahren freundschaftlich in der Familie vettehtte und mit Sinaide, der ältesten Tochter, verlobt gesagt wurde, ehe das furchtbare Unglück her­einbrach.

Der Graf räuspette sich ein paarmal, dann sagte er energisch: „Es ist mein letztes Wort! Entweder tritt Sina sofort in das Neue Jung­frauenkoster in Wladimir ein und büßt dott ihre Schuld zeit ihres Lebens als Nonne im Dienste der Kirche oder ... sie erhält das groß­mütterliche Erbe auf izienb eine Bank im Aus­lände angewiesen und wählt sich ihren ferneren Wohnsitz in irgend einer der Republiken, deren Regierungsformen ja ihren revolutionären An­sichten am meisten zufaaen werden! Mein Haus und meine Güter betritt sie niemals wieder, Ehrenwott!"

,Aber teurer Alexander." jammerte feine Gattin, bedenke doch, daß unfer unglückliches Kind zwei Jahre im Kerker und zwei Jahre in

Einer Depesche aus Konstantinopel zufolge hat der Minister der frommen Stiftungen sein^ Entlassung eingereicht Auch die Stellung Ministers des Innern soll erschüttert sein. Als sein Nachfolger wird der Obmann der jung- türkischen Partei genannt.

«r. 17. — 1. Jahrgang.___________________

»er.Landungsbrücken, ihre Länge und Höhe sowie bie_ Ausschiffung am Landungsplätze von größter Wichtigkeit, und ihre D e h e im h a l t u n g im Interesse der Lan- * ^»Verteidigung geboten. Von größter Wich­tigkeit für eine fremde Macht fei es ferner, die Befestigung der Insel im Frieden kennen zu r fernen. Auf Befragen des Vetteidigers Rechts- F palt Dr. v. Kordon bemerkt der Sachverstän- /«e:_ Wohl könne jeder die Beschaffenheit der ■ • Äewasser. die Höhe und Länge der Landungs­brucken fehem Aus Grund des Gedächtnisses Orte ffnne aber niemand für die Ausschiffung von Truppen daraus Vorteil ziehem Durch genaue l Aufzeichnungen fei es indessen möglich, die beste und schnellste Att der Ausschiffung I und Landung von Truppen zu berech- «en. Auf Befragen des Oberreichsanwalts be- ?.aJÄlänbifle- die Befestigungen bet Inseln Svlt, Amrum und Föhr seien

Sch militärisch von größter Bedeutung ___und ihre Geheimhaltung im Interesse der S Landesverteidigung dringend gebotem Bors:

Angeklagter Brandon, wie kamen Sie dazu, diese Anlagen zu photographieren, es mußte Ihnen ~ doch Hat fein, daß es sich um wichtige strate- I «ische Dinge handelt die im Interesse der i Landesverteidigung geheimzuhalten sind? An- « geflagter Stanbon: Ich hielt bas Bafsin, ich , photographiert habe, für ein UL! Austernbaffin. Der Sachverstänbige be- metti des weiteren, daß die Ausschachtungs- —-arbeiten, die Befchafsenheit des Leuchtturms, ^»ie verschiedenen Entfernungen vom Leucht- turm, die Brückeneinrichtungen zur Zeit des -»-Hochwassers und des Wassettiefstandes im Jn- tereffe der Landesverteidigung geheim zu hal- ten feien, und bezeichnet die bei den Ange- Fl^ ^en «efunbenen Meßinstrumente, bie sie tof ridbetulf bei ihren Auskundschaftungen f benutzt haben, für geeignet, eine genaue Be-

1 rechnung der Höhe und Länge der Landungs- d brücken, Fahrtiefen des Wassers usw. aufzu- I pellen und

bei einem Angriffskrieg zn verwerten. S \ Der Sachverständige bemerkt des weiteren, I v«ß sowohl die Befchafsenheit der Batterien ! x”™! der Kieler Föhrde. die Beschaffenheit des Scheinwerfers, seine Entfernungen ufw. von hohem militärischen Wert und ge- ballen feien. Auf Befragen des Oberreichsanwalts bemerkt der Sachverstän- dige: Durch die Kenntnis der Reichweite des Scheinwerfers fei es möglich, festzustellen, in welcher Weise ein Angriff zu unterneh- men sei.

Anzeichen deuten auf Vulkanausbrüche und ge- walttge Feuersbrünste. Zweimal wird unser Mitleid sich den unichuldigen Opfern großer Naturkatastrophen zuwenden. Paris wird drei Tage trauern und ein mächtiger und beneideter Mann wird dann emporsteigen." Einer schweren Krisis, so we.8 Mme. de Thöbes, die offenbar die politische Tagespresse eifrig studiert, zu verraten, geht England entgegen, das „in eine Periode der Umwandlung getreten ist die SU schweren, aber nicht tödlichen Kämpfen fuhrt. Die Krone wird einen neuen Leiter suchen und eine furchtbare Anklage gegen das höchste Haupt wird die Oeffenlichkeit beunruhigen." Aber auch dem Deutschen Reiche wendet die Pariser Kassandra ihre gütige Aufmerksamkeit zu und stellt fest, daß Deutschland nicht das ist. was es zu fein scheint. Sie gibt auch eine nähere Erklärung dieser geistvollen Behaup­tung. „Es ist zu schnell groß geworben unb dem Taumel einer Möglichkeit, die durch die eigene Eitelkeit zerstört wurde," werden schwere na- tionale Prüfungen folgen. Und zum Trost für alle Neider Deutschlands versichert sie, „daß die Erniedrigung bis zum Jahre 1913 vollzogen sein wird".

rs Räuber in der Bank. Wie aus M y s - lowitz gemeldet wird, drangen gestern nach- mittag drei (augenscheinlich russische) Räuber m die Geschäftsräume der polnischen Bank von Markowski, früher Köhler & Janischewski ein und erschossen den Buchhalter Aniol. Ob Geld geraubt worden ist, mutz erst durch die Untersuchung festgestellt werden. Die Räuber sind enttommem

_________________Freitag, 23. Dezember 1910.

Mann fe st genommen worden, der über die Lebensverhältnisse der ermordeten Rentiere Hoffmann Bescheid wußte und stets Zuttitt zu ihrer Wohnung hatte. Er wurde in den Räu­men der Frau Hofsmann einem eingehenden Verhör unterzogen unb bann in polizeilichem Gewahrsam behalten.

rs Hanuschke in seinem Aeroplan. Aus Johannisthal wirb gemeldet: Bruno Hanuschke erhob stch gestern nachmittag mit seinem Einbecker eigener Konstruktion tn der Absicht, nach dem Tempelhoser Feld zu fliegen Unterwegs verlor er bie Orientierung unb lan- bete glatt über Schönow zwischen Teltow und Zehlendorf. Der Flug bewegte sich durchschnitt­lich m einer Hohe von 150 Metern.

jts Ein Wohltäter der Menschheit. Einer Meldung aus Teplitz zufolge, hat der ver­storbene Bergwettsbesitzer Adolf Schnei- d e r für die Errichtung eines Waisenhau - fes testamentarifch vier Millionen fronen hinterlassen

iS Vom Zuge ersaßt. Nach einer Meldung aus Bremen wurden gestern am Eifendahn- ubergange der Johannisstraße in Hemelingen vier Mädchen im Alter von neun bis dreizehn Jahren von einem Eilaüterzug erfaßt und überfahren. Drei Kinder wur­den getötet, eins wurde schwer ver» letzt.