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Mott«: Für bte Leser,
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eine moderne Tageszeitung, die in erster Linie Familien- und Nachrichten- blatt fein will, kann ihre Aufgabe nur dann ganz erfüllen, wenn sie mit ihrem Leserkreise engste Fühlung hat und die Leser selbst als Mitarbeiter für ihre Zeitung wirken. SB01: diesem Standpunkte ausgehend, richten die „ Casseler Neueste Nachrichten an alle ihre Leser und Freunde die Bitte, durch tatkräftige Mitarbeit unsere Bestrebungen zu unterstützen und auf diese Weise das Band, das sich um Lesergcmeindc und Zeitung schlingt, immer enger zu knüpfen.
2. Beilage.
Donnerstag, 22. Dezember !S1S.
Nr. 16.
Erster Jahrgang.
Ser Liebe M
Von Horst Boderner.
(Nachdruck verboten.)
Die Prämien gelangen jedesmal am 1. des Monats zur Verteilung und werden den Empfängern direkt übermittelt. Die erste Auszahlung findet am 1. Januar 1911 statt.
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Jede Nachricht ist willkommen!
Jede Meldung muß deutlich die Adresse des Einsenders (die von der Redaktion streng geheim gehalten wird) tragen, und bei telephonisch über- mittelten Nachrichten ist es erforderlich, Name und Wohnung des Ueber- mittlers der Meldung genau anzugeben. Es soll uns freuen, wenn sich unsere Leser recht zahlreich an dem von uns geschaffenen Wettbewerb beteiligen und wir in der Lage fein werden, recht viele« unserer Leser und Mit- arbetter die ausgesetzten Prämien zuerkennen zu können. Jede, auch di« kleinste Nachricht ist uns willkommen, wenn sie das öffentliche Interesse beansprucht und ein jeder unserer Leser kann auf diese Weise zum qesckäNten Mitarbeittr feines Blattes werden. *
t bau de Cologne, btzrist- t blmrnschnmck, Baum- rr.
Casseler Neueste Nachrichten
Telephon-Zentrale 951/952. Die Redaktion.
unter die Rechnung machen, denn der Lauf der Welt ist doch, daß sich Kinder einstellen! Mtt deinem Einverständnis, ich wiederhole es, hat Grete ihren Mann geheiratet und der rechnet schon in der Not auf mich, geb' Gott, sie kommt nicht, aber wer kann's wissen?"
Heinz war totenbleich geworden und wandte sich an feine Mutter.
»Was sagst du zu Vaters Gründen?"
Die feustte aus.
»Leider hat er recht, mein Jung — leider!" Klara Herbart hatte sich beruhigt, ihre
Jede» Monat Meldeprämien!
In jedem Monat bringen die „Caffeler Neuste Nachrichten" unter ihre Mitarbeiter aus dem Seferlreifc noch (außer dem Honorar für die einzelne Meldung) besondere Melde-Prämien zur Verteilung, die denjenigen Lesern zugewiesen werden, die der Redaktion im Laufe des Monats die interessanteste Nachricht als Erste auf schnellstem Wege übermitteln. Es gelangen folgende Prämien zur Verteilung:
I. Prämie Mark 30.—
Da kam Leben in Klara Herbart
, »Khr Herr Vater hat recht, Heinz — es kann nicht sein, ich sehe es jetzt ein und bitte ctkZLh rrf’ ®err Oberamtmann, daß lch Ihnen solche Sorgen machet" b
M was, Sorge," polterte der los seine Frau beruhigte Klara.
»Für die Liebe kann kein Mensch, liebe
Das Redaktionsgeheimnis
verbürgt jedem Einsender von Meldungen strengste Diskretion inbezug auf den Ursprung der Meldung und den Namen des Gewährsmannes. Voraus- setzmrg für die Austrahme aller Nachrichten ist indessen die unbedingte Z«- verlässigkett aller Mitteilungen. Berichte über Vereinsfitzungen und ähnliche Veranstaltungen, soweit sie kein allgemeiireres Interesse beanspruchen können bei der Zuweisung von Meldepreisen nicht berücksichttgt werden, sondern werden von Fall zu Fall nach besonderen Sätzen honoriert.
„Halt jetzt den Schnabel, jetzt rede ich, du wirst nachher Gelegenheit haben. — Also heiraten wollt ihr euch, kann mir's denken, ohne euren langen Sermon erst anzuhöreii. Scho»! Hätte gar nichts dagegen, wenn's nicht mit den Moneten haperte, gar nichts, aber so sag' ich euch klipp und klar heraus, es geht nicht!"
.Vater!" . . .
„ »Zum Donnerwetter, mach' mich nicht wild. Jung! — Warum aeht's nicht. Hier, er schlug mit der Hand auf einen Stoß Wirtschaftsbücher, »könnt ihr's schwarz auf weiß lesen, arme Leute hält Wernsdorf nicht aus. Zwei Mißernten und ihr könntet mit dem weißen Stab von dannen ziehen. Ja, Heinz, wärst du mein ' ,en: wollen's
Zeder Leser
unseres Blattes ist zur Mitarbeit eingeladen, und jede Mitteilung, die der Redaktion über lokale und allgemein-interessante Vorgänge zugeht, wird angemessen honoriert. (In Frage kommen in erster Linie: Meldungen über lokale Tagesereignisse, Unfälle, kommunale Angelegenheiten, Personalien, Provinzialnachrichten usw.) Nachrichten dieser Art müssen indessen bis spätestens nachmittags 1 sths im Besitz der Redaktion sein; es genügt auch telephonische Uebermittelung an unsere Zentrale (Nr. 951 und Nr. 952).
einziges Kind, dann würde ich sag _______
in Gottes Namen probieren, obgleich ich nicht im Traume daran denke, mich aus den Altenteil mit meinen sechsundfünfzig Jahren zurückzuziehen. wär' ja eine Affenschande bei meiner Gesundheit! Aber du hast eine Schwester, mein guter Jung, und als der Gogulkower um sie anhielt, hab' ich's für meine verdammte Pflicht gehalten, dir klaren Wein einzufchenken, ich hab' dir gefagt: Gut, sie fallen sich haben, wenn du einverftanden bist, daß ich Grete einen gehörigen Batzen Geld mitgebe, mehr, als ich vor dir, mein Jung, verantworten kann; aber das Mädel liebte nu mal einen rechtschaffenen Mann, der seinen Kram versteht. Ta hast du »ja" gefagt, stimmt das?"
»Also Kinder nun seid mal hübsch vernünftig! Sie, Fräulein Herbart, setzen sich mit meiner Frau da auf das Sopha und vu, mein Junge, nimmst gefällig auf dem Stuhle dort Platz. — So. — Und nun stehe ich zwischen Euch beiden nicht als Feind, da fei Gott für, fonbern um euch Vernunft zu predigen, berat durch einen dummen Jugendstreich ist manches Männlein und Weiblein schon koppheister gegangen!"
»Vater!" ...
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»Das hasse ich sogar von ganzem Herzen!" »So — wie denkst du dir denn deine Tätigkeit Sier?" \
»Erst quasi als Volontär, dann als Inspektor!"
»Alles schön und gut. mein Junge, daraus wird aber nichts, denn Wernsdorf und mein Geldbeutel halten eine solche Belastung nicht aus!"
»Aber, Vater, wir würden doch in der Wirtschaft mithelfen, Wohnräume sind da und ob für einen wie ich mehr mitgekocht wird, macht doch nichts aus, und gibst du mir vorläufig meine monatliche Zulage von hundert Mark weiter, fo werden wir uns fchon durchschlagen!"
Der Oberamtmann faßte sich an den Kopf und sah seine Frau an.
»Mutting, — sind das mal Optimisten! Kerl, du hast ja keine Ahnung, was das Leben kostet! Will dir mal eine Geschichte erzählen, mein Sohn. Du warst zwei Jahre alt, 's war wenige Monate vor der Geburt deiner Schwester, da sah's um Wernsdorf höllisch faul aus und deine Mutter hatte doch ’nen Sack Geld mit in die Ehe gebracht. Da kamen nach zwei Mißernten eines schönen Tages, im Juni war's, grabe vor der Ernte, bie hellgrauen Wolken von ber See hergezogen, mit Nordwinb, du kennst sie, die bringen Hagelkörner von Taubeneiergröße. Na, wir hatten Glück, sie zogen drei Meilen weiter ins Land und schlugen alles kurz und klein; — wenn sie damals über uns gekommen wären, hätt' es das schönste Unglück gegeben! — Ja, wenn Fräulein Herbart hunderttausend Mark mit in die Ehe brächte, würd' ich sagen, wollen’s probieren, denn ich hab', weiß Gott gegen ihre Person nichts einzuwenden, — ab et so. — nee, mein Jung, das geht nich. Und damals staub bie Landwirtschaft noch ganz anders La wie heute, die Umschläge sind ins Bodenlose gestiegen. die Getreibepreise aber um 20 Prozent gefallen. Das Geld ist heutzutage nicht mehr so viel wett wie damals, die Ansprüche der Arbeiter sind größer und auf uns lastet die ganze sozialpolitische Gesetzgebung, Unfall-, Invaliden-, Krankenversicherung. Witwen- und Waisenkasse. Also es geht nicht, so leid mir's tut, ihr müßt vernünftig sein und einen Strich
»Gewiß, Vater, aber . . .“
»Sehr richtig, aber — nun hat die Sache einen Haken und den kamt ich nur grade pochen, wenn ich in der preußischen Landeslotterie das große Los gewinne, und da ich nicht spiele, ist das ausgeschlossen. Nun, Heinz, bist du an der Reihe, nimm dir kein Blatt vor den Schnabel, alles runter mit einem Male, bann wird sich die Situation verflucht schnell klären!
Der war aufgestanden und sah den Vater ruhig an.
»Daß ich nicht Offizier bleiben kann, wenn ich Klara heirate, fehe ich ein!"
»Doch immer etwas für den Anfang! — Und, mein Junge, tu mir den Gefallen und sprich mir gegenüber vorläufig nicht von Klara, sondern von Fräulein Herbart!"
»Wie bit befiehlst, Vater! — Ich habe mir die Zukunft so zurechtgelegt, ich arbeite hier bei dir und verdiene mein täglich Brot unter deiner Aufsicht; werde schon den Kram begreifen und wenn du später ruhebedürftig geworden bist. Übernehme ich eben Wernsdorf!"
»Worauf du aller Voraussicht nach noch eine kleine Ewigkeit warten könntest!"
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b, Klara, entsagen ist schwer, aber man muß doch M an die Zukunft denken"
»Sie haben ganz recht, Frau Oberamt- mann, ich sehe das ein und darum erlauben Sie mir wohl, noch heute Wernsdorf zu verlassen!"
. »Na, schon so « Unsinn, brummte der alte Ruhling. »Wo wollen Sie berat hin?"
Klara Herbart zuckte gleichgültig mit ben Schultern.
Sie bleiben hier, wir lassen Sie doch in ;sbrer Herzensnot nicht im Stiche", sagte Heinz' Mutter.
»Aber das geht doch nicht — ich muß weg!"
»Oder mein Sohn," wars der Oberamt- manu ein.
»Nein, nein, er kommt ja so selten nach Hause und was liegt schließlich an mir?" _ Vater Rühling legte beruhigend Fräulein Herbart die Hand auf die Schulter.
»Heinz ist ein Mann, der muß allein mit I sich fertig werden, Sie, das Weib, bedürfen der H stutze, und daß wir Ihnen nichts Übel ge- 1 nommen haben, wird Ihnen wohl klar sein! — E Der Junge fährt einfach heute abend zu seiner ■ Schwester nach Gogulkowo ins Posensche. dort | mag er die Zähne zusammenbeißen und sich Ruhe erkämpfen — schon um Ihretwillen muß er das tun, und er wird's, wenn er sie lieb hat und nicht von Wernsdorf verjagen will'"
Fräulein Herbart wollte etwas erwidern. Da schnitt ihr Heinz das Wort ab.
»Jawohl, Vater, das werde ich tun — ob mtt mir fertig werde, steht auf einem ander» Brett!
»Das war eine anständige Antwort, mein Zunge, du wirst jetzt ein Mann werden - wirst/ beweisen, fönst wärst du ja kein Ruhlmg!"
Und Vater und Sohn schüttelten sich bie £anbe, toabreub Frau Rühling die weinende Klara Herbart in ihre Arme nahm und zu trösten versuchte.
| VII.
| , Herrn Reuters Gesundheit besserte sich I langsam, die Lähmungserscheinungen ließen 3 nach, aber eine große Unruhe wollte vom Pa- 8 Uentcn mcht weichen. Der Arzt wurde un- 0 willig.
»Was haben Sie nur, Herr Reuter?" I . --Mein Testament will ich machen," antz 8 woriete er mit Anstrengung.
9 »Teufel noch mal, das hat Zeit, hab' ich | Ihnen gesagt, seien Sie doch vernünftig!"
Aber Herr Reuter schüttelte den Kopf.
I . isnt Nebenzimmer erstattete der alte Diener I dem Arzt leben Tag Bericht ab über feen Ver- | lauf der letzten Nacht.
15 r ®je doch meinem Herrn feinen
sehnlichsten Wunsch und erlauben Sie ihm, jein Testament zu machen; es klingt ja komiscb, wenn ich dies sage, der Herr Doktor mag vielleicht denken, der Wendschuh hat Vorteil davon!"
„Aber Karl, Sie kenne ich doch!"
„Run ja, Herr Doktor, sonst würde ich ja auch nicht wagen . .
„Wagen, wagen, sprechen Sie nur ruhig ans was Sie denken, ich deutele nicht an Ihren Worten!"
„Danke schön, Herr Doktor, danke schön, also der Herr Reuter ist furchtbar unruhig, ’s wird Wittlich besser fein, Sie lassen ihn das l Testament machen!" ------
„Erstens, mein Lieber, bringt das Aufregungen mit sich und zweitens könnten etwa Leute, die sich benachteiligt fühlen, einwenden, der Herr Reuter sei bei Abfassung seines Testamentes nicht im Besitz feiner vollen Geisteskräfte gewesen, fein letzter Wille würde angefochten werden, ich natürlich als Sachverstan- d-ger vernommen — und, mein lieber Weitd- fchuh, ich müßte dann lagen: ick glaube, ’s war wirklich fein Wunsch, daß das Testament so ab- gesatzt toitbk— aber im vollen Besitz der nötigen Geisteskräfte war er noch nicht! Daß bie Richter die Giltigkeit des Testaments unter solchen Umständen nicht anerkennen, können Sie sich alleine sagen!"
-Aber der Herr Reuter hat dock nähere Verwandte überhaupt nicht, die paar weitläufigen Vettern und Kusinen, Neffen und Nichten haben sich io gut wie gar nicht um ihn gekümmert, er wollte auch nichts von ihnen wissen, da muß ’ne Geschichte aus längstvergangener Zett mtt reknspielen. die ich nicht kenne/ In den letzten Jahren haben sie allerdings versucht dem Herrn Reuter näherznkommen, aber er btt sie abfallen lassen!"
„Und Sie harmlose Seele glauben wirk- lich, daß sie sich zufrieden geben, wenn sie leer ausgehen?"
„Das will ich auch nicht sagen, ich weir- ganz genau, wem er sein vieles Geld hinterlassen will aber er hat mir's auf dtt See'e gebunden, es niemandem mitzuteilen!"
„Ich bin nicht neugierig, Karl, aber in bieictn bei anderen Falle können Sie sich mir ac- aussprechen, nickt als aller jvreunb ihres Herrn sondern als Arzt, mein B >- russgehekmras verpflichtet mich zur Veeschwfi- .acnbett: berat ich muß natürlich olle nur benlbarett Erregungen von meinem Patienten rem zu halten suchen, bamit die weitere Gene-
■ Fortschritte macht, ein KLckfall tft schließlich nicht ausgeschlossen"'
»Herr Doktor? !" ’
üa *C0t keine Veranlassung vor,
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(Fortsetzung folgt.)
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