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Casseler Neueste Nachrichten

Weise fort Das schwierigste Problem

bietet

Zulassung japanischer Arbeiter

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Aus der

Wie uns ein Prtvat-Telegramm aus Berlin berichtet bestätigt es sich, daß der Gesandte in Stockholm, Graf Pückler, schon vor einiger Zeit den Wunsch ausge­sprochen hat, in den Ruhestand zu treten.

Depeschen aus Chihuahuha (Mexiko) zufolge haben bei Malpoeo zweitägige Kämpfe stattgefunden, bei denen Regie­rungstruppen und Aufständische schwere Verluste erlitten haben.

Nach Meldungen aus Washington schreiten die Verhandlungen über den neuen Freundschafts- und Handelsvertrag zwischen Japan und Amerika in befriedigender

Neues vom Tage.

Das gestörteGlück im Winkel«.

das Versprechen gegeben habe, dies zu tun. Der Vizekönig willigte ein, die Ange­legenheit den maßgebenden Stellen zu unter­breiten. Die Studenten verließen darauf den Palast und durchzogen die Stadt mit Bannern, welche die Aufschrift trugen: »Sofortiges Parlament".

Deutschland einen schwere« Stotz zu versetzen.

Unser Berliner Bureau, das an maßgebender Stelle Erkundigungen in der Angelegenheit eingezogen hat, bemerkt $u der Meldung des Londoner Blattes: An hiep- ger amtlicher Stelle ist von den angeblich ge­planten Maßregeln der Vereinigten Staaten gegen Deutschland nichts bekannt Man hält es auch für nickt wahrfcheinlich, daß die Union sich zu Schritten von diefer Tragweite entschließen wird, namentlich mit Rücksicht darauf, daß immer noch die Möglichkeit einer Verständigung gegeben ist. Jedenfalls bleiben weitere Nachrichten abzuwarten, be­vor sich ein Urteil über die augenblickliche Si­tuation bilden läßt Irgendwelche amtli­chen Informationen liegen bis zur Stunde jedenfalls nicht vor.

Politische Chronik.

Aus London meldet uns ein Tele­gramm: Gestern abend sind die engli­schen Wahlen beendet worden. Die end- gilltige Zahl der Gewählten ist folgende: 271 Llbercfle, 272 Unionisten, 43 Mitglieder der Arbeiterpartei. 74 Anhänger Redmonds nnd 10 Anhänger O'Briens.

Berlin wird uns mitgeteilt: Ji

Friedrichstraße wurde gestern ein S

Am Vorabend des Tariflanchss?

Der Kakikamps als Zankapfel.

(Spezial-Telegramm.)

AuS London wird uns depefchiert: Die hiesige »Morning-Post" bringt aus Washing­ton folgende fenfaiioneUe Meldung:

Die Kalisrage droht, zwischen Deutschland und de« Bereinigten Staaten einen Tarifkamps heraufzubcfchwören. Gestern fand eine gemeinfchaftliche Sitzung des Kongresses statt, die sich mit der Ange­legenheit befchäftigte. Diejenigen Mitglw- der des Kongresses, die Vertreter der land- wirtfchastlichen Bezirke sind, ersuchten den Kabinettschef, in diefer Frage recht ener­gisch vorzugehen. Wie verlautet, be- abfichtigt Präsideut Taft, den Maxi­maltarif einzuführen, «m auf diese Werfe

Sandelslammer in ßaffel.

Vierte öffentliche Gesamtsitzuug am 7. Dez.

In der letzten öffentlichen Sitzung bei Handelskammer erstattete Herr Eisen­berg Bericht über die Nebenbahn- Projekte im Bezirk der Handelskammer. Hinsichtlich der Wetterführung der Reben- bahn von Gemünden an der Wohra nach Frankenberg war von den Jnteres- senten beanttagt worden, zunächst die Sttecke bis Haina auszubauen. Dieses Projekt ist aber über die allgemeinen Vorarbeiten bisher nicht hinausgekommen. Dagegen wird der Bau der Linie ZtmmerSrode-Gemünden leb­haft gefördert, und die Inbetriebnahme wird in etwa zwei Jahren zu erwarten sein. Mit der Ausführung der Strecke Gemünden-Kirch- hat« soll im nächsten Jahre begonnen werden.

Eines der ältesten von der Kammer ge- förderten Projttte ist das der Oberweser­talbahn von Münden »ach Boden­felde. Die Angelegerchett ruht in Berlin, und es hat nicht den Anschein, als ob sie wettettommen wird, bevor die Mittel für die besonderen Vorarbeiten bewilligt sein werden, lieber das Projekt der Nebenbahn von HerSseld über Homberg nach Wa- bern ist Welters nicht bekannt geworden.

freier Lust. .

Als der Kronprinz und dre Kronprinzessin hestateten. glaubten die Diplomaten, der französische Einfluß würde auf dem andern Ufer des Rheins bemerkbar werden, weil die Großherzogin Anastasia von Mecklen­burg Frankreich liebte, sich gern dort aufhielt und keine Gelegenheit, dies auszusprechen, vor­übergehen ließ. Tatsächlich ist aber gerade das Gegenteil eingetteten. Wie fern liegt doch die Zeit, da die Kaiserin Augusta, die Großmutter J>e§ regierenden Kaisers, fast nur fran­zösisch sprach und die Pariser Moden trotz Ihres Alters buchstäblich befolgte. . . .' Das Verhältnis zwischen dem Kaiserpaare und dem Kronprinzenpaare wird als sehr herzlich ge­schildert, obschon man häufig das Gegenteil gesagt habe. Prinz Eitel Friedrich war das Lieblingskind seiner Mutter, und ist für sie auch jetzt nock. nachdem er reckt groß und stark geworden ist, ihr »liebes Kindchen" ge­blieben. Im Gegensätze zu dem heiteren Tem­peramente feines älteren Bruders ist er eher ernst und bedächtig. Auch die Kd Prinzessin und die Prinzessin Eitel Friedrich haben wenig Aehnlichkeit in ihren Neigungen. Die Kronprinzessin hat viel Passion für den Sport, die Prinzessin Eitel Friedrich ist stiller, träumerischer veranlagt und beschäftigt sich gern mit Kunst. Das deutsche Sofleben (so schließt Herr Gouraud d'Ablancourtl ist ein Familienleben. Das höchste Lob, das man jenseits des Rbeins einer Frau spenden kann, ist. sie eine Kindermutter zu nen­nen. Und so nennen die Deutschen »*te Kaiserin? **

über diesen Köpfen schwebte der Geist der Me- dtfance... , , ,.,

»Ich bringe einen Gast, Enno!" rief Mila Helmschtverd durch die halbgeöffnete Tür des Salons, durch die eine Zofe herbezgeeitt war. um der Herrin beim Ablegen behilflich zu fein.

»Ah, einen Gast! Das ist hübsch!" ant- wottete eine sonore Stimme, die der Tür sich näherte.

Ehe der Gras diese erreicht hatte, traten die beiden ihm entgegen; Niko von Meder befangen und ergriffen. Er sah, daß der Graf blind war. Ein aus den ersten Laut der ftemden Stimme harrendes, gespanntes Lä­cheln lag auf den durchgeistigte« Zügen des Aristokraten.

»Herr Rittmeister von Meder«, pellte Mfla vor.

Ah, ich begreife. Seien Sie willkommen, Es ist recht, daß meine Frau ihre Unfreund- lichkeit von heute morgen gutzumache« sich bemüht."

Er tastete nach der Hand des Fremden und drückte sie steundlich.

»Ich bitte um Vergebung, Herr Graf, wenn ich zu so später Stunde .. stotterte der Rittmeister. . , --

»Aber bitte, keine Umstande! Sie müssen nur mit der Zeltgenossenschaft einer rechten, Vagantenfamilie fürlieb nehmen. Hast du ein Kuvert bestellt, Mila?"

Ja", sagte die Gräfin, die sich müde in einen Sessel hatte fallen lassen, und nun mit einem langen Blicke die beiden betrachtete: Ihren Gatten und den Mann, den sie einst ge­liebt Keine Miene verriet, was dabei in ihr vorging. Und das erforbcrte keinerlei Be­herrschung, denn... es ging nichts in ihrem Herzen vor. Kein halbverwischtes, wonniges Bild srischte in ihr. auf; kein Erinnern, keine nachzitternde Erbitterung, kein Haß, keine Liebe. Alles war tot in ihr und lichtlos tote die leeren Augen ihrc^ Gatten.

ihrer Hochzeit einstellt. _ ,

Auf den kronprinzlichen Hof ist Herr Gouraud d'Ablancourt ein wenig fchlecht zu fprecken, wefl er es der Kronprinzessin Geeilte zum Vorwurfe macht, daß sie die fran- zöstschen Eindrücke, die sie als Kind und Mädchen in der Villa Wenden in Cannes empfing, soweit vergessen habe, daß sie fogr- (horribüe dictn!) die deutsche Küche üb die französische stellt. Ihre Aussteuer war (wie man sich entsinnt) von einer Pariser Schneiderfirma angefertigt, feit ihrer Ver­heiratung läßt die Kronprinzespn aber fast ausschließlich in Deutschland arbeiten. Sie sei sehr einfach erzogen worden, und Herr Gouraud d'Ablancourt meint, ihre Mutter, die schöne Großherzogin Anastasia, habe ihre große Tochter absichtlich im Hintergrund ge­halten: »Die Kronprinzessin bemüht sich, die Sympathien des deutschen Volkes zu gewin­nen, und es gelingt ihr. Sie ist von Natur gutmütig und zu jedermann freundlich. Des­halb achtet und liebt man sie. Sie ist nicht sehr kräftig, aber sie ist noch jung und hat ihrem Manne schon ein paar Kinder geschenkt. Sie gefällt den Deutschen und hat deutsche Art und deutschen Geschmack angenom­men, und auf die franzöfischen Lebensge­wohnheiten, in benen sie groß wurde, ganz verzichtet. Sie fühlt sich am wohlsten in ihrer verhältnismäßig bescheidenen Häuslichkeit, geht hin und wieder ins Theater, liebt das Automobil, das Meer und die Bewegung in

Rach dem Mahle, bet dem der Rittmeister angesichts der Herzlichkeit und Delikatesse des Grafen bald feine peinvolle Befangenheit der- loten, wandte sich Enno Helmschwerd an seine Gattin.

»Nun, Mfla, tote ists mit meinem Deputat? Oder bist du heute zu angestrengt?"

»Keineswegs, Lieber. Ich will nur schnell einmal sehen, wo mau Baby unterge­bracht hast, damit es nicht gestört wird."

Sie erhob sich und verließ das Zimmer.

jga, richtig, Baby!' lachte der Graf glück- selig. -Könne« Sie sich denken, Herr Ritt- meister, daß das Kind eine ausgeprägte Ab­neigung gegen den Gesang meiner Frau hat? Wenn sie studiert, muß es irgendwo ht Si­cherheit gebracht werden, sonst schrett es zum Erbarmen."

Meder hörte kaum darauf; so tief be­rührte es ihn, daß dieser Ehe auch ein Kind entsprossen war.

Bubi ist mit seiner Bonne in Sicherhett , sagte die Gräfin, als sie wiedettehtte. »Aber »ist wach, Enno. Er will dir noch einmal gute Nacht sagen."

Die glanzlosen Augen des Grafen weite- tett sich in Stolz und Rührung.

»Da muß ich Wohl. Das Gntenachtsagen ist seine Stärke", erklärte er im Abgehen. »Am liebsten sagte er gute Nacht bis zum Ettffchla- fen. Verzeihen Sie . .

Frau Mila hatte am Klavier Platz ge­nommen und blätterte in ihren Noten.

»Ich habe morgen in einem Kircheukon. zert mitzuwirken und möchte dieses Lied noch einmal singen. Wollen Sie mich begleiten, Herr von Meder?"

»Gern, Fran Gräfin."

Sie räumte ihm den Platz. Auf dem Pult lag die Motette von Palestrina nach dem Ko­rintherbrief: »Wenn ich mit Menschen- und mit Engelzungey redete und hätte der Liebe nicht.

Sie Politik des Tages.

s> Das preußische Parlament. (Von unf ernt parlamentarischen Mit­arbeiter.) Wie mir aus parlamentarischen Kreisen mitgeteilt wird, ist beabsichtigt, das Präsidium der letzten Abgeordnetenhaus- Session (von Kröcher, Dr. Porsch und Dr. Krause-Königsberg) wieder zu wählen. Wahrscheinlich dürste auch im Herrenhaus das alte Präsidium wiedergewählt werden. Die Stärke der Parteien des Abgeordneten­hauses ist zurzeit folgende: Konservative 150 (darunter 24 Mitglieder des Reichstags), Freikonservative 61 (7), National- liberale 66 (6), Zentrum 102 (23). Fort­schrittliche Volkspartei 37 (7), Polen 15 (4), Sozialdemokraten 6. Frak­tionslos sind 3 Mitglieder lvon Klöden, Klop- Penborg-Skrumsager und Nissen), und erledigt sind zurzeit 3 Mandate: Köslin, Oppeln und Danzig). .

Endlich. (Telegramm) Der Ent­wurf über die Privatbeamtenversiche­rung wird Anfang Januar dem Bundesräte zugehen und veröflentlickt werden, nachdem die Beratungen der preußischen Ressorts über diese Materie beendet sind, und im allgemeinen der Entwurf ihre Zustimmung erhalten hat. Es ist beabsichtigt, den Entwurf im Bundesrat noch im Laufe des Januar zu verabschieden, sodaß er dem Reichstage voraussichtlich schon Ende Januar wird zugehen können.

cS3 Arbeiter im reichsländischen Herren­haus. (Telegramm.) Meldungen aus Straßburg zufolge enthält der für dre Reichslande vorgesehene Verfassungsentwurs eine wichtige Bestrmmung, die sonderbarerweise in der Veröffentlichung derNorddeutschen Allgemeinen Zeitung" nicht enthalten war: Es ist der Passus: »Es bleibt der Landesgesetz­gebung Vorbehalten, eine geeignete Vertretung der Arbeiterorganisation in der ersten Kammer einzuführen, sobald die reichsgefetzliche Regelung der Arbetterorgani- sation stattgefunden hat. Daß dieser Passus der Verfassung Anwendung finden wird, steht außer Zweifel, und so wird dann das reichs­ländische Herrenhaus das erste »Elite-Parla- meyt" sein, in dem auch der Arbeiter- stand Sitz und Stimme hat.

S Das hannoversche Wahlkartell geschei­tert? (Privat-Telegramm.) Wie uns aus Göttingen berichtet wird, sind die dort gestern stattgehabten Verhandlungen der Pro­vinzialvorstände der Nationalliberalen und der Fortschrittlichen Volks­partei der Provinz Hannover über ein ge­meinsames Vorgehen bei den nächsten Reichs- tagswahlen als resultatlos abgebrochen worden, weil der Vorstand der Nationallibera­len erklärte, daß er, abgesehen von dem in fort­schrittlichem Besitz befindlichen Wahlkreis Em­den, keinerlei Konzessionen machen könne. Es scheint also, daß das geplante libe­rale Wahllattell für Hannover so gut wie aussichtslos ist.

S Das moderne China. (Telegramm.) In Tientsin (China) zogen gestern früh etwa 5000 Studenten vor den Palast des Vizekönigs und verlangten, der Vizekönig möge beim Thron die Petition wegen sofortiger Einberufung des Parlaments unterstützen. Die Studenten erflärten, nicht eher Weggehen zu wollen, bis der Vizekönig

Tönend Az.

Skizze von Rudolph Boddenhnsen.

Die letzten Takte von Traviaia . . .

Langsam sentte sich der Vorhang. Die LUvergletchliche Darstellungskunst und die be­zaubernde Stimme des berühmten Gastes hatten derart ergriffen, daß in den ersten Se- hntben kein Beifallszeichen laut wurde. Dan« aber schwolLs an wie ein entfesselter Sturm.

Fmmer und immer wieder hob sich der Vorhang, und Mila Helmschwerd-Kotte wurde «uni Mittelpunkt einer Ovation, wie sie das vornehme und zurückhaltende Wiesbaden «och nicht erlebt hatte.

Mila Helmschwerd verneigte sich immer toieber. Das übliche Dankeslächeln umspielte ihren Mund. So liebenswürdig es sich aber auch ausnahm: Es war nicht die Spur von innerlich Berühttem darin. Sie hatte die Partie gesungen und gespielt; letzt spielte sie Dank, wie es sich gehörte und hergebracht war, bis der Vorhang ihr endlich gestatten wurde, sich zurückzuziehen. , . _ .

Nur zuletzt, als der Beifall gar ketn Ende nehmen wollte, leuchtete es in ihren braunen, durch die Schminkstriche an den Wimpern un­heimlich groß erscheinenden Augen flüchtig auf Mit einer müden Bewegung strich sie das dunkle Haar aus der Stirn, verbeugte sich nochmals tief und dann , , . erschien sie nicht mehr.

Als Mila Helmschwerd am Bühnenaus­gang ihren Wagen besteigen wollte, trat ein elegant gekleideter Herr unter beboiem Grny an sie heran. Ernst und abweisend sah sie tn lein von dunkler Röte übergossenes Gesicht, ' »Was soll das, Herr von Meder?"

»Mila , , . gnädige grau, ich . .

»Ich bade Ihn?« heute früh uniwctbeutig

zu erkennen gegeben, daß ich Sie nickt zu sehe« wünschte, und nun stehen Sie wie ein taggen» bürgender Sekundaner an meinem Wagen."

»Diese Hätte setzt Sie ins Unrecht, gnädige Frau. Ich wollte den Zufall, der nach acht Jahren unsere Wege sich kreuzen ließ, benutzen, um ..."

»Um eine Jugendtorhett zu entschuldigen ober auch sottzufpinnen, je nachbern, nicht wahr?"

Nur einen flüchtigen Moment prägte sich Bitterkeit fast wie ein körperlicher Schmerz in ihrem Antlitz aus. Ehe aber Rittmeister von Sieber noch erwidern konnte, hatte sie ihren Fuß auf den Tritt des Wagens gestellt, den kost- baren Pelzmantel fester um die schlanken Glie­der gezogen und war eingestiegen.

»Ich bitte nun um ihre Begleitung," sagte sie bann, sich in bie Kissen zurucklehnenb, unb in dem Ton dieser Aufforderung lag etwas, bas alle seine herzpochenben Hoffnungen vernichtete.

Er folgte wie iln Traum. Diefes Wteder- sehen hatte er sich anders vorgestellt... . und konnte es auch, toettn bie gefeierte Künstlerin nur noch etwas von jenem bunkelzövfigen stillen Kinde gehabt hätte, dessen braune Augen einst so gläubig zu ihm oufgefeben. Allerdings: Er hatte diesen Glauben getäuscht, feiner Kar­riere wegen.

Wer konnte denn auck ahnen, daß ans der Reinen Gesangsschülettn Mila Sorte ein solcher Stern werden würde! Und sie hatte sich ja auch getröstet, da sie vor vier Jahren dem be­kannten Mäzen Grafen Helmschwerd die Hand zum Ehebunde gereicht hatte. Dennoch hatte er sich das Wiedersehen anders vorgestellt . . .

Nack wenigen Minuten rollte die Eauivage beim »Nassauer Hof" vor. Im Vestibül letzte sich eine Unzahl vcn Lorgnons und Monocles in Bewegung, als bie Diva am Arni des Ritt- meisters "eintrat, dem Portier eine-B'mcllung anflrug unb bann bie Treppe emp

Und bieienigen, bie vor eurer inappen Stunde ans Begeisterung sich nicht lauen ge- steckten die Köpfe zusammen... und

Hub aufgehoben, in dem alle D'cnstag sich zahlreiche Herren und Damen im Alter von 13 bis 45 Jahren versammelten, um dem Roulettespiel zu huldigen.

«r Bon Einbrechern ermordet. Ueber die grauenhafte Ermordung eines Ehe- Paares wird uns aus Breslau wie folgt telegraphiert: Gestern Nacht drangen mehrere Personen in die Wohnung des Getreide- händlersAdler inPabianice ein, um zu stehlen. Als Adler und seine Frau er­wachten und um Hilfe schrieen, wurden sie von den Einbrechern mit eisernen Brechstan­gen erschlagen. Die Mörder raubten Achmucksachen und bares Gelb unb entkamen im Dunkel ber Nacht.

rs Ein Brandstifter? Aus Hamburg wird gemeldet: In Altona wurde der Obereisenbahnassistent Meyer verhaftet, dessen Haus in Blankenese tn der vergangenen Nacht abbrannte. Er ist ver­dächtig, den Brand angelegt zu haben.

Der Referendar als Juwelenräuber. Der Juwelenraub in dem Hofiuweliergeschäft Ellmeyer am Neumarkt In Dresden, übet der wir schon berichtet haben, scheint die Tat eines Geistesgestörten zu sein. Aus Dresden wird uns hierüber weiter gemeldet: Als Täter (ber bekanntlich Selbstmord beging) wurde ber bisherige Referenbar am Laubgericht Dresden Dr. Paul fest- gestellt. Der junge Mann hat die Tat tn einer Welse ausgefühtt, baß auf einen normalen Geisteszustand nicht geschlossen werden kann. Der Vater soll ein höherer Offizier fein. Die gestohlenen Juwelen sind wieder erlangt worden.

XX DaS geschändete Moltkebenkmal. In Düsselborf würbe, wie uns von dort ge« melbet wirb, in der vergangenen Nacht gegen das Moltkebenkmal, baS auf ber Allee­straße inmitten bet Stadt errichtet ist, ein Attentat verübt. Von dem Gewehr des Lanbwehrmannes auf dem Denkmal wurde bas Bajonett abgeschlagen unb geraubt Der Täter entfloh, tft jedoch von einem Anwohner beobachtet worben.

xx Der Typhus in Köln. Eine Depesche aus Köln berichtet: Wie bas stäbtische Nach­richtenamt mitteilt, stnb im Laufe de- letzten Woche in bet Kleinen unb Großen Spitzengasse 15 TyphuSfälle und mehrere Vet- bachtsfälle beobachtet unb zur Kenntnis

Nr, K. T. Jahrgang. __________

Familiensinn des Kaisers ist so statt entwickelt baß et auch an ben häuslichen Ver­hältnissen feinet Offiziere Anteil nimmt, ihre Heitatspläne befürwortet unb, falls sie zum Ziele gelangten, sich mit einem Geschenk zu

___________Donnerstag, 22. Dezember 1910.

ber Aufsichtsbehötbe gebracht worden. Sämt­liche Erkrantten und Krankheitsvetbächtigen würben umgehenb nach dem stäbtischen Hospi­tal überführt. Auf Grunb einer eingehenden Besichtigung ber Gesundheitsbehörde sind alle Maßnahmen getroffen worden, die nach Sage der Dinge nötig erscheinen.

xx Ein schreckliches Ende. Nach Meldun­gen aus Rybnik erlitt ber Bergmann SÄmieschek einen furchtbaren Tob. Et geriet zwischen bie Puffer zweier Wagen unb wurde buchstäblich plattgedrückt, so daß ber Tob sofort eintrat

xx Unterschlagungen eines Telegraphen, beamten. Wie aus Köln bepeschiert wird, hat der Obertelegraphenassistent Oskar Huttanus in Bonn gestern die Flucht ergriffen. Die sofort eingebettete Un- terfudjung der Kassenbestänbe ergab, daß Hut­tanus etwa 10 000 Mark unterschla- gen hat

XX Die Tat des Eifersüchtigen. Einem Telegramm aus Innsbruck zufolge hat in Ptimolano der Hotelbesitzer Fabbris seiner zwanzigjährigen, ihm erst kürzlich ange­trauten Gattin mit einem Rasiermesser den Hals durchschnitten und sich bann selbst getötet, indem er sich durch einen mit ungeheurer Wucht geführten Schnitt bei­nahe ben Kopf vorn Rumpfe trennte. Die Ursache ber furchtbaren Tat ist Eifersucht.

Fünfhundert Opfer eines Erdbebens! Me Depeschen aus N e w v o r k melden, stnb bei dem Erbbebeu in San Salvabore insgesamt etwa 500 Personen umge- kommen. ~

Absturz eines Aviatikers. An? Paris wirb telegraphiert: Im Aerobrom von C.har- tres stürzte gestern vormittag ber Aviatiker Fein mit einem Bleriot-Eindecker wahrend eines Prüfungsfluges ab. den er um Erlau- aung des Pilotendiploms unternommen hatte. Der Apparat wurde vollständig zer- trümmert Fein erlitt einen Arrnbrnch und eine Gehirnerschütterung.

In Seenot. Wie Depeschen aus Las Palmas melden, ist der deutsche Dampfer Tlrma" gestern abend ausgelaufen, um dem Dampfer .Ingbert" HUfe zu bringen. DieTlrma" ist bisher nicht zuruckgekehrt. Es fehlt jede Nachricht von beiden Schiffen. Wie es heißt, sind die beiden Dampfer nach Süden abgetrieben worden. Ein spa­nischer Dampfer sichtete den »Ingbert" vor­gestern; dieser verlangte Hilfe, da er einen Maschinendesekt erlitten habe. An Bord der »Tirma" befindet sich auch der deutsche Konsul. ______

xx RockefellerS neueste Millionen-Stiftung. Rach einem Telegramm aus Chicago hat Rockefeller für die dortige Universität zehn Millionen Dollars gestiftet. Die Ge- samtfchenkungen RockefellerS für die Universt- tat belaufe« sich auf über 35 Millionen Dol­lars.