Nummer 16. - I* Jahrgang.
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DsnuersLag, len 22. Dezember.
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uttfl im Sinne humaner Gerechtig
Dr. jur. Georg Schipmann.
man uns aus
Wien, 20 Dezember,
fest-
Dr. H. W.
flüchten wollte
natürliche und Die Resorm
Dreißig Arbeiter liegen toahr- noch unter den Trümmern begra-
ordnung der Fürsorgeerziehung die Rechtsprechung des Kammergerichts entgegen, wonach die Fürsorge erst angeordnet werden darf, wenn alle andern Mittel erschöpft sind. Es ist zu begrüßen, daß die neue Vorlage diesem Zustand ein Ende machen will, denn nur eine frühzeitig einsetzende Fürsorgeerziehung wird ihren Zweck erfüllen können, und die Mielczyncr Tragödie beweist ja auch mit erschreckender Deutlichkeit, wohin es führt, wenn der günstige Zeitpunkt in der Zwangserziehung verwahrloster Jugend versäumt wird und ungenutzt bleibt. Man spricht von dem Prozeß gemeinhin als von der .Hölle von Mielczyn"; gewiß: Das Drama, das da vor Gericht aufgerollt wird, ist düster und erschrek- kend, und die Schuldigen werden auch sicher nicht der verdienten Bestrafung entgehen. Wichtiger aber noch ist die Beachtimg dessen, das sich aus dieser Lüstern GerichtStragödie als
Wenige Augenblicke vor der Katastrophe um- tand eine vielhundertköpfige Menschenmenge die Unglücksstätte, und es ist nur einem glücklichen Zufall zu verdanken, daß die Katastrophe nicht noch mehr Opfer gefordert hat.
eit!
notwendige Lehre ergibt: der Fürsorge-Erzie-
konnten.
Viele Kinder, die sich auf dem Wege prr Schule befanden, wurden schwer verwundet. Einem achtjährigen Mädchen, das an der Hand eines Polizisten die Straße kreuzte, wurde ein Fuß durch eine Glasscheibe glatt abgeschnittcn. Bisher wurden vierzehn Tote identifiziert und über hundert Verwundete. Die Fensterscheiben aller Häuser im Umkreise vieler KUometer sind zertrümmert. Die Trümmer des Gebäudes wurde» Hnnderte von Metern weit in die Wohnungen und Läden geschleudert und demolierten zahlreiche Häuser. Eine Mutter, die ihr Kind im Schlafzimmer wiegte, wurde durch ein Eisenstück schwer verletzt. Die Ruinen des eingestürzten Krafchauses
Ire Tragödie einer FrM.
Die Künstlerin mit der Grafcnkrone.
Wie uns aus Wien berichtet wird, hat das österreichische Justizministcri'.un nunmehr dem Ausliefcrungsbegehren der deutschen Behörden gegen den Grafen Wolff-Metternich Folge gegeben. Rach Erledigung der noch notwendigen Formalitäten erfolgt die Auslieferung des Verhafteten am Donnerstag früh mit dem Schnellzuge zur deutschen Reichsgrenze, wo ihn Berliner Kriminalbeamte übernehmen werden. Die Gattin des Grafen, Gräfin Metternich-Vallentin, hat die zur Enthaftung ihres Gatten etwa erforderliche Kaution von 50 000 Mark bei einer Berliner Bank deponiert.
Ueber die Geschicke der hartgeprüsten jungen Frau, die vor ihrer Verheiratung dem Wiener Theater angehörte, jchreibt
brenne«, scheinlich graben, bedeckt, wundete.
Sie Rewtzorker Katastrophe, Dreißig Leichen «och unter den Trümmern! (Privat-Telegram m.)
or Dominik, der vor einigen Wochen in Kamerun schwer erkrankte, befand sich auf der Rückreise nach Deutschland, wo er Heilung von einem Leiden suchte.
Hans Dominik war am 7. Mai 1870 zu Culm bei Marienwerder geboren, er hat also nur ein Alter von vierzig Jahren erreicht. Ursprünglich war Dominik Leutnant bei den 12. Grenadieren in Frankfurt a. O. Sein Interesse für Afrika wurde hier durch seinen Regimentskameraden, den damaligen Haupt- mann Morgen, erweckt. Mit diesem ging er auch zuerst nach Aegypten, um Sudanesen anzuwerben. Bald darauf fand er in Kamerun Verwendung. Hier zeichnete er sich durch eine unerschrockenen Expeditionen aus. Später trat Dominik auf kurze Zeit in die Armee zurück, und zwar beim Infanterie- Regiment Nr. 64 in Prenzlau. Von hier aus wurde er zur Kriegsakademie kommandiert. Doch lange hielt es den schon damals bewährten ^Afrikaner" nicht in der Heimat.
1901 unternahm er im Auftrage des Ko- lonialamis eine Forschungsreise in das Gebiet des Tschadsees. Ein Jahr darauf wurde er wieder 5 la suite der Schutztruppe gestellt, und eitdem hat er den Kolonialdienst bis auf eine nominelle Kommandierung zum See- bataillon nicht mehr verlassen. In den Jahren 1906 und 1907 unternahm er verschiedene Expeditionen in das Hinterland von Kame- rum, das er damit dem Handel erschloß. Eine herbe Kränkung widerfuhr ihm Kalo darauf im Reichstag; auch gegen ihn wurde der Borwurf grausamer Handlungen an Eingeborenen erhoben. Dominik, der mittlerweile (im Jahre 190-1) zum Hauptmann beordert worden war, ging jedoch vollkommen rein ans der angeordneten Un.eisu- chuna hervor. Auch das Kolonialamt selbst erkannte, daß dem Geschmähten eine Rechtfcr- tiaunq zuteil werden müsse. So wurde er zum Bezirksamtmann von Jaunde ernannt und am letzten Geburtstag des Kaisers erhielt er den Charakter als Major.
Weise wirken die Fürsorgeerziehungsanstalten heute zum Teil ähnlich wie die Gefängnisse: Sie werden zu einer Schule des Verbre- ch e ns, «nd so erklärt es sich auch, daß eine ganze Reihe von Zeugen in dem Mielczyner Prozeß aus dem Gefängnis vorgeführt werden mußte. Auf Grund der Erfahrungen in Mielczyn wird man sich die Frage vorzulegen haben, ob nicht eine sorg- faltigere Sichtung der Zöglinge ermöglicht werden kann. Im Prinzip erfolgt diese Sichtung auch schon heute, indem man die harmloseren Zöglinge in offenen, die bösartigeren in geschlossenen Anstalten unterbringt. Indessen scheint man es in der P r a- xis mit dieser Unterscheidung nicht sehr genau genommen zu haben. Noch wichtiger aber ist es, daß man künftighin die Fürsorgeerziehung früher einsetzen läßt als bisher, damit ihre Wirkungen noch im empfänglichen Alter des Zöglings nutzbar werden.
Die geplante Aenderung des Fürsorgeerziehungsgesetzes wird hoffentlich zu dieser dringlich notwendigen Reform die Handhabe geben. Bisher stand einer frühzeitigeren An-
Aus 91 etot? ott wird uns depeschiert: Die Ursache der furchtbaren Explo- io« im Kraftwerk der Newyorker Zentral- iahn ist «och immer nicht definitiv festgestellt worden. Es ist inzwischen aber amtlich fest- gestellt, daß zehn Personen getötet und über vierhundert schwer vcr- wundet worden sind. Unter den Ruinen liegen zweifellos noch zahlreiche Leichen Verunglückter, die bisher nicht geborgen werden
Unter Trümmern begrabefi. , “ (Privat-Telegram m.)
Aus Zürich wird uns depeschiert: Beim Neubau der Matilde Escher-Stiftung ereignete sich gestern durch den Einsturz eines Gerüstes ein schweres Bauunglück. Das nach einer neuen Konstruktion aufgesührte Gerüst war einer Belastungsprobe durch 1300 Ziegel und vierzehn Personen unterzogen. _ Während das Gerüst mit der darauf befindlichen Personengruppe photographisch ausgenommen wurde, stürzte es plötzlich zusammen und begrub die Menschen unter sich. Zwei Personen wurden tödlich, fünf andere schwer verletzt. Wie amtlich festgrstellt wurde, war die Konstruktion des Gerüstes zu schwach; es ist insolgedeffen gegen den Bauunternehmer ein Strafverfahren eingeleitet worden, und die Staatsonwaltschast hat einen e. aftbesehl gegen ihn erlassen.
War lehrt Mielczhn?
Betrachtungen zum Mielczyner Prozeß.
DaS »Kulturbild-, das der Mielczyner Prozeß enthüllt hat, gibt wieder einmal Anlaß, sich mit der Frage zu beschäftigen, wie man der Verwahrlosung der Jugend am besten entgegentritt. Es ist dies die Kernfrage unserer ganzen modernen Kriminalistik; denn die Erfahrung lehrt, daß daS gewaltige Heer der Gewohnheitsverbrecher, daS heute den eisernen Bestand unserer Gefängnisse und Zuchthäuser bildet, sich fast durchweg auS den Reihe« unreifer Burschen rekrutiert. Die Zahl Derer, die erst in später« Jahren straucheln und dann tiefer und tiefer sinken, ist dmlgegerrüber gering. Gelingt eS daher, die Jugend vor der Versuchung zu bewahre«, so würde dieS die gesamte Kriminali- tät günstig beeinflussen. Man muß aber leider gestehe«, daß die Bemühungen in dieser Richürng bisher nur recht geringe Erfolge er- bracht haben. DaS gllt vor allem auch von der Fürsorgeerziehung, denn eS liegt auf der Hand, daß eine Behandlung, wie sie den Zöglinge« in Mielczyn zuteil wurde, notwendig den entgegengesetzten Erfolg haben mußte. Fndeffm täusche« wir unS nicht darüber: Auch wo solche Mißgriffe nicht vorgekomme« sind, sind die Erfahrungen, die man mit der güt» sorgeerziehung gemacht hat, nicht besonders günstig, und eS ist nicht wegzuleugnen, daß ein recht hoher Prozentsatz der Fürsorgezöglinge doch wieder in die Derbrecher- laufbahn gerät.
Man hat die Ursache für die stacke Krimi- nalität der Jugendlichen vielfach iu der zu strengen Bestrafung jugendlicher Misse- tätet gesucht und sich dagegen gewandt, daß junge Burschen wegen eines leichtsinnigen Streichs ins Gefängnis gesteckt werden, aus dem sie dann durch den Veckehr mit alten Gewohnheitsverbrechern völlig verderbt zurück- kehre«. Durch die an vielen Orten erfolgte Einsührung von Jugeudgerichtshöfen hat sich indessen heute eine erfreulich mildere Beurteilung der Jugendlichen Bahn gebrochen, und die Gerichte sind heute eher geneigt, dir Frage der strafrechtlichen Erkenntnisfähigkeit zu verneinen. Da man sich auS dem angeführten Stunde vot der Verhängung einer Gefängnisstrafe scheut, eine Geldstrafe jedoch in den meiste» Fälle« nur die Eltern treffen würde, so läßt man eS häufig bei einem Verweis bewenden oder verfügt die Uuterbckngung des Angeklagten in eine Fürsorgeerziehungsanstalt. Auf diese Weife hat man allerdings (rein äußeckich betrachtet) einen Erfolg erzielt: Die Kriminalität der Jugendlichen ist zurück- gegangen. Im vergangenen Jahre sind nämlich im Deutschen Reich wegen Verbrechens und Vergehens gegen Reichsgesetze 49 703 Personen unter achtzehn Jahren ver- urtellt worden gegen 64 074 im Jahre vorher und 55 211 im Jahre neunzehnhundert- sieben.
Leider hat aber die Medaille auch hier eine Kehrseite: Man scheut sich, Jugendliche ins Gefängnis zu schicken, weil sie dort verdorben werden könnten, aber man trägt kein Bedenken, völlig unverbesserliche, zum Teil pathologisch veranlagte jugendliche Taugenichtse in die Fürsorgeerziehung s- anftalten zu sperren, wo sie nun auf die besseren Elemente ungestört ihren verderblichen Einfluß ausüben können. Auf diese
Die Straßen sind mit Trümmern Ueberall liegen Leichen und Ber- _______ Priester trösten die Sterbenden. Der ganze Stadtteil macht den furchtbaren Eindruck einer Schlachtfelder und die
Am Ende ihrer Kraft.
(Telegramm.)
Wie unS aus Wien berichtet wird, trägt sich die Gräfin Wolff-Metternich mit der Absicht, die Ehescheidungsklage gegen ihren Gatten einznreichen. Sie wartet nur das Ende der Prozesses ab. Als Grund gibt sie das brutale Benehmen an, das ihr Gatte ihr gegenüber gezeigt habe, und unter dem sie schwer gelitten habe. Die Gräfin hat bereits einen Anwalt mit der Einleitung der erforderlichen Schritte beauftragt.
Dampfers ,Eleo- Schweckrauken in an akuter Herz- gestorben. Ma-
Majsr IsMinik t-
Der Tod eines bewährte« „Afrikaners".
Wie wir bereits gestern kurz mitgeteilt haben, ist der Major Dominik von der Kaiserlichen Sck>utztruvve für Kamerun am letz-
(Von unserm Korrespondenten.)
Mit. Leid, Kummer und einem Selbstmordversuch hat es nun geendet. Als die junge Schauspielerin dem Abenteurer mit der Grafenkrone die Hand zum Lebensbunde reichte, mag Neigung ihr Herz geleitet haben; aber vielleicht, im Untergrund ihres Herzens, ihr selbst unbewußt, hat der dunkle Wunsch, ihre Kunst um einen mondänen Reiz zu bereichern, mitgesprochen. Claire Vallen- tin war niemals mehr als eine pflichttreue, zuverlässige Tüchtigkeit gewesen. Klug und sympathisch; sie spielte jede Rolle, aber kaum mehr als klug und sympathisch. Ein mitreißender Schritt ins Geniale blieb ihr versagt. Und doch war auch sie (tote so viele andere) dazu berufen worden, den Wienern, dem Publikum des Deuffchen Volkstheaters die große Verführungskunst der Odilon zu ersetzen. Aber eher mag man einem Hagedorn kommandieren: .Dicht' er mir etwas I", als einer Frau: .Sei verführerisch I". Und da die lasterhaste Verlockung nicht von innen herauskam, sollte sie von außen herbeigettagen werden. Eines Septembertages stand auf dem Theaterzettel statt Frl. Claire Vallentin .Frau Ballen- tin-Metterntch". Mehr hatte sich nicht geändert; aber was dann kam, war Tragik, die in dieser Heinen, unansehnlichen Aenderung schlummerte: Es war eine falsche Rollenwahl.
Das Publikum geht achtlos vorüber an der stummen Tragik, die hinter dieser Ehe im Verborgenen kauern mochte, und die Zeiten, da die Massen das Privatleben des Künstlers als ihre Unterhaltung beanspruchten, gehen zur Rüste. Ob eine Gräfin eine Bürgerliche spielt, ober eine Bürgerliche eine Gräfin, verhallt heute ohne Echo. Eine Zwelmilllonenstadt ist um anderthalb Millionen zu groß, alS daß die Häuslichkeit deS Einzelnen ihr sichtbar bleibt. Von jeher waren in Wien die legitimen Beziehungen zwischen Adel und Theater besonders eng. Schon Heinckch Laube llagt darüber, daß die österreichischen Kavaliere es gerade immer auf die naivsten Naiven abgesehen hätten. Doch vom Trauhimmel führt sie der Weg nicht mehr unter den Theater- bimmel zurück: Claire Vallenttn hat mit dieser Tradition gebrochen! Aber was dieses Melodrama uns abrinqt, ist nur ein schlichtes Bedauern mit der unglücklichen lunaen Frau. Sie hätte so gern fasziniert: Die Künstlerin wollte die Knust, interessant zu scher- nen. kommandieren. Nun ist diese zuverlässige geschmackvolle Schauspielerin zum ztoeitenmale in eine persönliche Geschmacklosigkeit verstrickt: Der Stoß war so hart, daß sie deS Lebens müde wurde und ... in dir Arme de? Todes
Am Mserhof.
Ein Franzose über daS deutsche Kaiserhaus.
Daß die Franzosen sich für den Deutschen Kaiser und alles, was mit seiner Familie und seinem Hofhalt zusammenhangt lebhaft interessieren, ist eine schon oft bemerkte Tatsache, und dieses Interesse leidet auch nicht darunter, daß unsere Nachbarn tm Westen Republikaner sind, im Gegenteil: Es scheint gerade deshalb umso größer zu fein. Kem Wunder also, daß in einem vor wenigen Tagen in Paris erschienenen Buche, daS sich -l-.eo Reines chea e 11 e e* nennt, und den Nicht unbekannten Herrn Gouraud d Abtan« court zum Verfasser hat, der deutschen Kaiserin ein besonders ausführliches Kapitel gewidmet ist. Herr Gouraud d'Ablancourt ist zwar in der Wahl seiner Quellen etwas vor- urteflSlos und hat sogar die berüchtigten Memoiren der angeblichen »Gräfin von Eppinghoven" benutzt, zeigt aber doch tm großen und ganzen, daß er nicht schlecht unterrichtet ist, und spricht von der Gemahlin des Deutschen Kaisers mit Achtung und Sympathie. Er verdantt (so versichert er) sein Wissen einem Fürsten Ulrich von R. Ist es notwendig, jit sagen, daß man diesen Fürsten Ulrich von R. vergeblich im Hoskalender oder im Adregbuch suchen würde? Als richttger Franzose stellt Herr Gouraud d'Ablaneourt zu allererst die Frage: .Ist die Kaiserin elegant ?“ und" antwortet: .Sehr!" Die Karserm liebt die hellen, klaren Farben mehr als die dunkeln, und das englische Schneideckleiv sitzt ihr, um die Worte des Fürsten Ulrich von R. zu ge- brauchen: .zum Entzücken".
Da es Hofsitte ist, für alle Mitglieder regierender Familien, die der Tod ereilt, auf längere ober kürzere Zeit Trauer anzulegen, io besitzt die Kaiserin eine vollständige Garderobe von Gewändern, die nach den einzelnen Phasen der Bestimmungen über die Hoftrauer vom ttefsten Schwarz bis zum milden Grau abgetönt sind. Die Kaiserin hat schon als junges Mädchen nicht gern getanzt, doch ist sie eine Freundin anstrengender körperlicher Hebungen, eine ausdauernde Spaziergängerin und eine vortteffliche Reiterin. Eine .Sportssrau" tm heutigen Sinne dieses Wortes kann man sie aber schon deshalb nicht nennen, weil ihre Famflie, ihr Gatte, und ihre Kinder, für sie das Höchste sind, hinter dem alles übrige zurücktritt. Die kaiserlichen Prinzen haben srei- lick einer nach dem anderen das Elternhaus verlassen, und nur die Prinzessin Viktoria Luise ist geblieben. Die junge Prinzessin hängt mit großer Zärflichkeit an ihrem Vater. Er ist für sie nicht die kaiserliche Majestät, sondern ihr .liebes Väterlein", dem sie die Arme um den Hals Icat wenn sie ihn begrüßt. Der
Unglücksstätte wird von den weinenden und verzweifelte« Angehörige« der Toten und Vermißten umlagert, die ihre Lieben suchen und die Trümmer, die haushoch aufgetürmt liegen, mit dm Händen zu durchwühlen versuchen.
Es scheint jetzt festgestellt zu fein, daß iu nächster Nähe der Wagenabladestelle etne größere Menge Dynamit gelagert hat und es wird infolgedessen gegen die Bahnverwaltung eine Untersuchung eiitgeleitet werden. In der Bevölkerung macht sich eine starke Erregung über die Nachlässigkeit der Bahnverwaltung bemerkbar und im Laufe des gestrigen Tages kam es mehrfach zu Ansammlungen, die eine drohende Haltung annahmen. Zwischenfälle haben sich indessen bisher nicht ereignet
ten Freitag an Bord des nore Woennann", der den die Heimat bringen sollte, klappenentzündung