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„Was du mein Unglück nennst, ist mein Glück!-

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Mittwoch, 21. Dezember 1910.

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zcn!"

Und er bedeckt ihre Hände mit Küssen, reißt sie von ihrem Gesicht und drückt seinen Mund auf ihre zuckenden, jungen Lippen, lieber ihn kommt ein Rausch, unsagbar schon, er redet zu ihr von seiner Liebe, von der Zu­kunft, von treuer, gemeinsamer Arbeit.

„Wir sind ja so jung und gesund. Kläre, zur Arbeit sind wir da, wir wollen kämpfen um dies Wernsdorf im Schweiße unseres An­gesichts und der Lohn wird nicht auSblciben. Sieh', Vater und Mutter haben's wahrlich

Nr. 15.

Erster Jahrgang

tarrte auf die Diele.

„Jetzt bloß nicht die Ruhe verlieren — etzt bloß nicht-, tagte er vor sich hin.

Heinz traf Klara im Gemüsegarten, sie land zwischen den hohen Bohnenstangen, nm die letzten, nun vollkommen ausgereiften Früchte von den welken Stengeln abzupflük- ken. Ein scharfer Wind wehte und spielte mit hrem Haar. Mit ernstem Gesicht trat er aus re zu.

„Guten Tag, Klara!"

Sie blickte auf und sah ihn erschocken an. Sein Gesicht war bleich, seine Stimme ernst. Und, Klara hat er sie genannt? Sonst sagte er „Schwesterchen- oder „Fräulein Klara-,

„Ich habe eben eine ernste Viertelstunde bei meinem Vater durchgemacht; wir sind in Unfrieden geschieden!"

„Sie werden gleich wieder zum Herrn Oberamtmann gehen und sich mit ihm ausföh­nen !-

„Nein!"

Schneidend scharf kam es von fernen Lip­pen.

„Sie müssen es, Heinz", erwiderte sie er­regt, „Sie wissen ja gar nicht, was es heißt, einen so liebevollen Vater zu haben!"

Da lachte der junge Offizier höhnisch auf.

„Um Gotteswillen, was ist Ihnen?"

„Was mir ist, Klara — wohl ist mir's, ich habe die Brücken hinter mir abgebrochen, für mich gibt's nur noch siegen — oder ster-

Aber Heinz blieb stehen.

„So geh' doch — mein Junge!" Ein kurzer Kampf.

„Ja, Vater, ich gehe, gehe zu meiner

Da reißt er sie an sich.

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ben!"

Mit zitternder Hand stellt Fräulein Her­bart den Korb auf die Erde und sieht Heinz an, in ihrem Gesicht zucken die Nerven.

„Also so mußte es kommen, — so, und ich bin schuld daran!"

Sie schlägt die Hand vor ihr sängt an zu weinen.

fest in dre Augen. .

„Sage mal. Junge, wie stehst du mit Klara Herbart, die Wahrheit wtll ich Horm!

Da wurde Heinz verwirrt, jähe Rote schoß ihm ins Gesicht. Er war doch zu feinem Vater gekommen wegen des Briefes und nun dre Frage. Er fand nicht gleich eine Antwort, um Zeit zu gewinnen, sagte er:

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lichkeit der Kopp zurechtgeseht worden sein — nun geht das freilich nrcht mehr und darum meine Frage, die dir so unerwartet kam!"

Heinz ging zu seinem Vater und gab ihm die Hand.

„Und ich hatte solche namenlose Angst, ihr würdet Fräulein Herbart kurzer Hand die Tür weisen!

..Oho, mein Junge, wir sind Christen, die tun so was nicht!"

Ta traten dem jungen Offizier die Tränen in die Augen: aber schnell wurde er wieder fest, ruhig fah er feinen Vater an.

.Es muß gehen!"

.Was, mein Junge?"

Daß Klara Hcrbart und ich ein Paar werden!"

„Schafskopp, aus nichts und nichts wird nichts!"

„Vater, ich liebe sie mehr als mein Leben!"

.Glaub' ich dir aufs Wort, aber was eben nicht sein kann, kann eben nicht fein, du mußt dich bescheiden, die meisten müssen cs, fast keiner kriegt seine erste große Liebe. Jetzt würgt's dich fast ab, das tut mir herzlich leid, aber Mutttng und ich stehen an deiner Seite und werden btr drüber wcghelfen, Gott gebe, mein Junge, es kommt die Stunde, in der du ohne Bitternis an diese Tage denken kannst!"

.Die wird niemals kommen — niemals sag' ich dir!"

.Haben sie alle gesagt, denen es genau so gegangen .tote dir!" , ,

.Und müßte ich mir Klara Herüart vom Himmel holen, ich hol' sie mir!"

.Da richtet sich der Oberamtmann auf.

„Pfeift der Wind aus dem Loch, mein Junge, gibt's Sturm, ich hab' gedacht, ich werde im guten mit dir fertig, denn ich hielt dich für halbwegs vernünftig, da muß ich allerdings schleunigst Maßregeln treffen, daß das Unheil nicht allzu groß wird!"

.Was willst du tun, Vater?"

.Erfährst du, wenn es an der Zeit! — Nur immer hübsch ruhig mit den jungen Pferden!

.Ich bin Offizier und fünfundzwanzig Jahre alt, kann tun und lassen, was ich will!"

.Du, Remonte du, kannst tun und lassen was du willst, das sagst du mir, deinem Vater!" Die Adern auf des Oberamtmanns Stirne schwollen an.

„Ja, denk' mal, Vater, das sag' ich dir!« „Werd' dich gerade in dein Unglück ren-

Ich'''habe sie lieb, Vater — und ich weiß, ich werde wiedergeliebt!"

„Stimmt, mein Junge," ^ruhig sagte.es der Oberamtmann und nahm seinen Spazier­gang durch die Amtsstube wieder auf.

Heinz sah ihn verwundert an. Er glaubte ein heiliges Himmelkreuzdonnerwetter wurde auf ibn nicderfahren und da batte der Vater nur gesagt: „Stimmt, mein Junge". Werde einer aus ihm klug, dachte er.

Aber er sollte nicht lange tm Zweifel blei­ben. Der Oberamtmann lehnte sich an die Wand, verschränkte die Arme und strich mit der rechten Hand seinen langen Vollbart.

„Ist ja Unsinn, Heinz!"

Der sah den Vater groß an. Nicht im min­desten war er aufgeregt, im Gegenteil, seine Stimme hatte weich, fast mitleidig geklungen.

Ta bekam der innge Offizier ferne Ruhe *aiii^ah’ ich mir auch gesagt — durch all' die schlaflosen Nächte!"

Der Vater nickte.

„Denk nur nicht, daß Mutting und ich deinen oder vielmehr euren Kampf nicht von der ersten Sekund- an bemerkt haben, aber ich hatte mir das Ende anders gedacht, wenn die Sache zum Klappen gekommen wäre, hätte ich> dich einfach zu Onkel Reuter geschickt und Klara Herbart würde hier in aller Ruhe und Gemut-

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Was konnte er für Reuter tun? Hin­fahren? Ja, mein Gott, was nützte das denn? Kam Freund Hein und holte ihn weg, war's gut für den einsam gewordenen Mann. Und wenn er nach Frankfurt reiste und ihm sagte: .Reuter, du weißt, jch bin dein Freund und bin dir bis zum Tode getreu," war ihm damit gedient? Das wußte der gute Kerl schon seit dreißig Jahren, daß er sich mit ihm freute und mit ihm litt. Er konnte auch gar nicht weg, — Heinz wegen. In den nächsten Tagen mutzte das'Gewitter kommen, vielleicht noch heute, vielleicki hatten die beiden jungen Menschen­kinder sich schon ausgesprochen, unter diesen Umständen hieß es für den Oberamtmann nicht zögern, sondern zufassen, ehe es zu spat • würde. Er blieb vor Heinz stehen und iah ihm

auch nicht leicht gehabt, sind die zufrieden, — glücklich? Mein Herzblatt, du sichst's ja Tag ür Tag. So wird's uns auch gehen, wenn wir unsere Pflicht und Schuldigkeit tun und an unseren Herrgott glauben, er wird uns chon nicht im Stiche lassen, nein, er gewiß nicht. Nur ringen will er uns sehen mit unserer Mutter Erde und im Gebete zu ihm, bann wird's werden, das große Gluck wird kommen, 's ist ja schon da, ich halte es ja in meinen Armen, dieses große, große Glück. Kläre, mein Liebling, willst du kämpfen, an meiner Seite, — auch gegen die Eltern? Sie lud ja so gut, ewig wird ihr Widcrstanv nicht währen, sicher nicht! Aber fest mußt du zu mir stehen, ganz fest, dann werden wir chon fertig werden, dann hat alle Not und Dual ein Ende!"

Und Klara Herbart liegt an Heinz Rüb- lings Brust und hört die süßen Worte und weint und schluchzt. Wie aus einer anderen Welt schlagen seine Reden an ihr Ohr, sic soll eine Heimat ihr Eigen nennen und ben gelieb­ten Mann bazu. In die Augen sicht sic ihm, prüfcnb, als könnte sie bics namenlos groß« Glück noch gar nicht fassen. Das alles soll wahr sein, — wahr? Von neuem sinkt ihr Kopf an seine Brust, von neuem weint sie und schluchzt vor lauter Seligkeit.

Da fährt sie plötzlich auf.

„Wir wollen zu Ihrem Vater gehe«, Heinz!"

„Gleich jetzt?', fragt er zögernd. „Und warum sagst du nicht ,Du'? Sag ,Du', Kläre, - sag ,Du'I"

Aber sie schüttelt den Kopf.

.Erst wenn, ihr Vater seinen Segen ge­geben hat, — eher nicht, Heinz!"

Er will sich von Klara nicht beichümen lassen.

.So komm!"

Und sie gehen.

Im Arbeitszimmer des Vaters finden sie auch die Mutter vor.

.Also schon einig, ist verflucht schnell ge­gangen", meint, der Oberamtmann sarkastisch.

Klara hat sich an die Brust der mütterlichen Freundin geworfen.

„Ich hab' ihn ja so lieb, — so lieb!"

Sic streichelt der Weinenden beruhigend über das dunkle Haar und sagt kein Wort. Der Oberamtmann aber sieht die beiden, jungen Menschenkinder abwechselnd an. Hochauigerich- tct stellt der junge Offizier vor seinem Vater, aus seinen Augen entspricht Entschlossenheit. Der alte Rühling weiß im Augenblicke nrcht recht, was er machen soll, grob werden oder in Güte versuchen, die beiden Leutchen ausern- ander zu bringen. Erst will er's mit Milde probieren, hilft das freilich nichts, dann rst er fest entschlossen, die Kandare ganz gchong anzuzichcn.

(Fortsetzung folgt.)

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