Einzelbild herunterladen
 

Nr. 15. 1. Jahrgang.____________________

b p r 3 in das Meer gesunken seien., Die Zahl der da b c i um gekommenen Menschen wird auf 50V gesckcttr.

Lsr Neueste ans Mel

Der HrmL als ... Detektiv.

Auf der Bühne des Stadtparks ras­selt gegenwärtig ein Schauerschmarreu, der uns noch einmal (ein wenig verspätet nur) in die Tiefen der erlauchten Sherlock Holmes- Sensation stürzt. DieNaivlinge" werden sich daran delektieren. Sieben Bilder ziehen mit Tamtam vorüber. Erbarmungslos fallen die Gestalten dieser bluttriefenden, gellenden Vi­sion über die Nerven der Zuschauer her, wenn sic sich nicht vorher selbst in Lächerlichkeit ver­stricken und darin umkommen. Aber das Stück verlangt keine Kritik. 6s will nur die Hörer locken, will sie in alle (seligen) Foltern derSpannung" zwängen. Und zahlreich werden sie die unheimlichen, die grellroten riften dieserPoesie", deren Herr Nordau sich liebevoll annahm, abweiden. . .

Die Orgie des Schreckens hebt an. Fahl leuchtet der Saal. Das Auditorium erbleicht. Nicht nur der unvermeidliche, der große De­tektiv taucht in den Abgründen dieser hölli­schen Szene auf, sogar der Hund von Auboy, der Köter der seligen Exzellenz Goethe, wird beschworen und gespenstert auf dem Theater. Diesmal heißt erLady Florence" und bildet (gewiflermaßen) die Fortsetzung der Spür­nase des unfehlbaren Detektivs Ralph Ra- leigh. Lady Florence reckt den struppigen Kopf 'ins Rampenlicht, bellt vergnügt. Der Hund kriegt alle Mysterien derRoten Hand", Die London mit Raub und Mord verheert und Die Polizei in Ratlosigkeit setzt, heraus. Im Salon des . von Cornwall wird er auf die Spur des Verbrechers gesetzt, beschnüf­felt einen hehlerischen Papierkorb ... und schon hängt die Bande fast am Galgen.

Lady Florence bringt alles zustande. Sie setzt hinter den Mördern des Peers her, schleicht durch düstere Verbrecherkneipen, be- späht eindämonisches" Weib, rettet ihren Herrn aus Verbrecherklauen, aus eisigen Todesgewölben. Sie erwischt im Nu die talentiertesten Jack Nippers und Chester- Eh arleys. Und am Ende triumphiert Ralph Raleigh, der grandiose Detektiv, über die Gräfin Somatoff, das vermummte Ober­haupt derRoten Hand": durch das Genie des Theaterhundes, der nicht schlecht abgerich­tet ist.

Im Zuschauerraum sah man gestern abend viele Kriminalbeamte, die die Tricks des Detektivhundes sorgfältig beäugten. Und Lady Florence löste ihre Probleme zur Zufriedenheit der Sachverständigen. Die Hörer amüsierten sich königlich und ließen duldsam alle Schauder der blutrünstigen, dolchblitzenden Szene auf sich herabrieseln, die immer wieder gellt: Der Hund ist los! Bemerkt sei noch, daß der Gastierende, Direktor Hermann Kohlnutz, die­sen artistischen Polizeihund vorsührt. -xyz-

Sie WcthnachtszSge.

Im Anschluß an unsere gestrigen Mit- feklungen über den Eisenbahnverkehr während der Weihnachtstage geben wir nachfolgend die für den Weihnachtsverkehr eingelegten Sonder - Personenzüge (soweit die Haupt st recke Frankfurt a. M. -Hannover und Cassel-San­gerhausen in Betracht kommt) bekannt. Es sind folgende Züge vorgesehen:

Strecke Hannover-Göttingcn-Casscl (am 23.

und 24. Dezember): Ab Hannover 3.37 N., an Cassel 6.42, (am 22., 23., 24., 27. und 28. Dezember): ab Hannover 4.35 N., an Cassel 9.54, (am 23., 24., 27. und 28. Dezember): ab Cassel 5.45 V., an Hannover 11.04 V.

Strecke Cassel-Marburg (am 2124. Dezem­ber und 24. Januar): Ab Cassel 3.00 V., an Frankfurt a. M. 6.17 V.. (am 2. Jan.): ab Cassel 5.58 SB., an Frankfurt a. M. 12.07, am 23. und 24. Dez.): ab Cassel 1.06 N., an Frankfurt a. M. 6.45 N (am 21.24. und 27. Dez., sowie 2. Jan.): ab Cassel 3.10 N., an Frankfurt a. M. 7.00 N (am 23. Dez.): ab Cassel 4.10 N., an Frankfurt a. M. 10.08,

Casseler Neueste Nachrichten

(am 23 Dez.): ab Cassel 6.56 N., an Frank- fr- * a. N. 10.30 N.

Rückfahrt (am 2124. Dezember und 24.

Jan.): ab Frankfurt a. M. 11.23, an Cassel 2.52 SB., (am 24. Dez. und 3. Jan.): ab Frankfurt a. M. 11.28 N., an Cassel 5.15 SB., (am 22.-24. Dez.): ab Frankfurt a. M. 9.48 V., an Cassel 3.17 N., (am 24. Dez.): ab Frankfurt a. M. 12.55 N., an Cassel 6.18 N., (am 23. und 24. Dez.): ab Frank­furt a. M. 2.42 N., an Cassel 8.50 N.. (am 23. und 24. Dezember): ad Frankfurt a. M. 8.35 N., an Cassel 11.56 N.

Strecke Cassel-Sangerhausen (am 21.-24. De­zember und 2.-4. Jan.): ab Cassel 3.03 SB., an Nordhausen 5.18 (Sgh. 5.55), am 21.24. und 27. Dez. und 2. Jan.: ab Cassel 4.06 N an Nordhauseu 6.20 (Sgh. 6.58).

Rückfahrt: Ab Sangerhausen 11.52 N., Nord­hausen 12.32 SB., an Cassel 2.35 SB.

Weiter werden noch Sonder-Personenzüge auf der Strecke Bestwig-Cassel und Bebra- Cassel gefahren. Die Aushangfahrpläne geben hierüber nähere Auskunft. Bemerkt sei noch, daß die Vorzüge auf denselben Stationen halten wie die Hauptzügc.

Landwirtschastskammer für Kurhssserr.

Die diesjährige ordentliche Vollversamm­lung der Landwirtschaftskammer für Kurhessen findet heute und morgen im Saale des Ständehauses statt. Die heutige Sitzung be­gann um 10% Uhr. Die Mitglieder der Land­wirtschaftskammer sind fast vollständig ver­sammelt. Als Vertreter der Staatsrcgierung sind die Herren Regierungspräsident Graf Bernstorff, Oberpräsidialrat Dr. D h e s, Regierungsrat Lucke und Regierungsrat Krause anwesend, ferner als Vertreter der kommunalständischcn Landesverwaltung Herr Landeshauptmann Freiherr von Riedescl zu Eifenbach.

Der Vorsitzende der Landwirtschaftskam­mer, Rittergutsbesitzer von Stockhaufen- Hof Abgunst bei Trendelburg, eröffnet die Sitzung mit einer Begrüßungsrede und heißt alle Erschienene, insbesondere die Vertreter der staatlichen Behörden, willkommen. Redner gibt sodann einen kurzen Rückblick über die gegen­wärtige Lage der Landwirtschaft int hiesigen Kammerbezirk und betont, daß sie eine befrie­digende ist und alle ihre Zweige sich in guter Entwicklung befinden. Der Redner geht bann auf die Frage der Fleischnot und Fleisch­teuerung ein und sucht nachzuweisen, daß in­folge der erhöhten Anforderungen an die hei­mische Fleischversorgung die Preissteigerung «ne ganz natürliche Folge der Entwicklung sei.

Der Redner gedachte bann der feit der letzten Tagung der Landwirtfcbaftskammer verstorbenen beiden Mitglieder Roth und Poller, zu deren Ehren sich die Versamm­lung von den Sitzen erhebt. Der Redner er­wähnt ferner, daß int Laufe des Jahres der Generalsekretär Gorland in den Ruhestand getreten ist, jedoch seine Dienste und reiche Erfahrungen der Kammer als Mitglied ver­schiedener Kommissionen erhalten bleiben. Die Versammlung nahm davon mit Genugtuung Kenntnis. Hieraus wurde in die Tagesord­nung cingetreten.

Tas Wetter am Mittwoch, (Wetter-Telegramm.)

Der amtliche Wetterbericht sagt für den morgigen Mittwoch folgende Witterung vor­aus: Vorübergehend aufheiternd, strichweise Nachtfrost, sväter woMo. trübe, zeitweise stark windig, milde, stärkere Niederschläge.

A DerTodesgarten der Selbstmörder". Heute früh wurde in der Karlsaue die Leiche eines auswärtigen Reisenden namens Fahrenholtz aufgefunden. Der Befund stellte Selb st mord außer Zweifel. Der Tote hatte eine Schußwunde in der Schläfe. In einer Tasche seiner Kleidung sand man 395.45 M auf den genannten Namen lautende Legitimationspapiere und eine Platzkarte Frankfurt-Cassel vom gestrigen Tage. Fahren­holtz stammt aus Altenburg in Sa.-A. Dort wohnt noch fein Vater. Der junge Fahrenholtz scheint zuletzt in Saarbrücken in

Stellung gewesen zu sein; wenigstens deuten einige Tatsachen darauf hin: aber auch zu Cassel hat der Tote vielfache Beziehungen, vielleicht fogar engere, als es auf den ersten Blick scheint; denn Fahrenholtz war früher bei einer Firma, die in der oberen Königsstraße einen großen Laden unterhält, in Stellung. Genaues läßt sich über die Gründe, die den jungen Mann zu seiner Tat bewogen haben, zur Zeit noch nicht angeben.

Der Angeklagte kann sich gratulie­ren . . ." In der Mvntagssitzung der hiesigen Strafkammer bemerkte der Vorsitzende, Landgerichtsdirektor Dr. Wege, in der Be­gründung des Urteils in der Anklagesache gegen den hiesigen Schuhmacher E., der wegen Diebstahls bzw. Hehlerei vor dem Gericht stand:Der Angeklagte larin sich gratulieren, daß die Staatsanwalt­schaft nicht auch Berufung gegen das Urteil des Schöffengerichts eingelegt hat; denn sonst würde der Gerichtshof die zu - erkennende Strafe auf mindestens sechs Monate Gefäng­nis bemessen haben." Der Angeklagte ist nämlich von der Vorinstanz wegen Beteili­gung an verschiedenen Getreidediebstählen zum Nachteil der Staatsverwaltung zu einer Gefängnisstrafe von zwei Monaten ver­urteilt worden. Er legte Berufung bei der Strafkammer ein und beantragte Freispre­chung. Die Strafkammer fah es aber als fest­gestellt an, daß E. sich der Hehlerei fchuldig gemacht habe; die Anstiftung zum Diebstahl fei indessen nicht genügend erwiesen. Die zweite Instanz setzte infolgedessen die Gefäng­nisstrafe auf fünf Wochen herab.

A Noch ein Selbstmord. In Groß-Cas­sel scheint eine Selb st mordepidemie ausgebrochen zu fein, denn innerhalb der letz­ten zehn Tage sind nicht weniger als fünf Personen freiwillig aus dem Leben gegan­gen und stets war die Ursache mehr oder we­niger tragischer Natur. Gestern abend hat sich der verheiratete, 28 Jahre alte Hilfs­bremser P er tr am in seiner Wohnuung, Naumburger Straße 9 (Rothenditmold) durch einen Schuß in die rechte Schläfe ge­tötet. Bertram scheint mit dem Pfunde, das der Schöpfer ihm auf den Lebensweg mitge« geben hat, nicht recht gewuchert zu haben, fo daß ihm schon mit 28 Jahren nichts anderes übrig zu bleiben schien, als nach dem Revol­ver zu greifen. Den nächsten Anlaß zn der Tat hat vermutlich eine disziplinäre Maßregel gegeben, über die Bertram große Erregung zeigte. In der Folge betrank er sich gestern bis zur Sinnlofigkeit und legte, während seine geängstigte Frau abends zur Dienststelle gegangen war, um das Fehlen ihres Mannes beim Nachtdienst zu entschuldi­gen, Hand an sich. Schwer verletzt wurde Bertram ins Landkrankenhaus gebracht, wo er in der vergangenen Nacht um 1 Uhr starb. Das Mitgefühl wendet sich zunächst der Frau des Selbstmörders zu, die in ihrer jungen Ehe schon so Furchtbares erleben muß; aber auch der Mann erscheint mehr ein Unglücklicher, denn ein Schuldiger, wenn man hört, daß fein Arzt schon srüher Wegen seines psychi­schen Zustandes Bedenken geäußert hat.

A Pcrsonalwechfel im Landkrankenhaus. Wie uns mitgeteilt wird, scheidet der bisherige Chefarzt des Krankenhauses, Dr. Kühn, definitiv aus seinem Amt. An seine Stelle tritt der bisherige Berliner Chefarzt Dr. B i e r ck s.

A Die Weihnachtsurlauber. Trotz des regnerischen, stürmischen, wenig einladenden Reisewetters hat der Weihnachtspersonenver­kehr seit gestern bereits eingesetzt. Ans allen Richtungen trafen fremde Ferienreisende ein. Auch Militärurlauber der verschiedensten Waf­fengattungen belebten in der vergangenen Nacht fchon die Wartesäle unseres Bahnhofs. Die Militärurlauber-Ertrazuge ans den nord- deutfchen, süddeutschen und reichsländischen Garnisonen werden erst in den nächsten Ta­gen verkehren.

A Born Residenztheatcr. Für die heutige Nachmittagsvorstellung hatte die Direktion einer größeren Anzahl Waisenkinder

___________Mtttwoa,, 2L Dezember 191fr.

Freiplätze gewährt. Die Bühne bleibt bis Weihnachten geschlossen. An den Weihnachts­tagen finden nachmittags und abends Vorstel­lungen im Stadtpark statt. Am Dienstag und Mittwoch nächster Woche wird Hedwig G a s n h, . König!. Hofschauspielerin aus Dresden, gastieren. Die Ausführung bet Kinder" von Hermann Bahr ist auf An­fang Januar verschoben worden, während di« Weihnachtsvorstellung für die Mitglieder des Residenztheaters am 30. Dezember vor sich geht A Ein Tclegraphcnarbeitcr verunglückt.

Im Dienst verunglückt ist der in der Markt­gasse wohnende verheiratete Telegraph en- arbei ter Groß. Er war in den Mauer- straße auf einem dreistöckigen Hause an der Leitung beschäftigt, tat einen Fehltritt und kam dabei so unglücklich zu Fall, daß er aus ein Dachfenster auffchlug. Hierbei zog er sich erhebliche Schnittwunden zu. Eine Ueberführung ins Krankenhaus wurde indessen nicht für nötig erachtet.

Letzte Telegramme.

(Rach Schluß der RsÄaktio» emgesangeM.

Angelo Neumann

Prag, 20. Dezbr. (Telegramm.) Det Direktor desDeutschen Theaters", Angele Neumann, ist heute früh am Herz­schlag gestorben

Opfer der Flammen.

Görlitz, 20. Dezbr. (Telegramm.) Bel dem Brande eines Hauses in Uhmannsdorf bei Horka sind der Besitzer und zwei Kinder verbrannt. Die Frau konnte geretet wer­den. Tas Feuer ist vermutlich durch Unvor­sichtigkeit der Kinder entstanden.

-i-

Ein neues Kabinett Bienerth.

Wien, 21. Dezember. (Spezialtelle­gramm.) Wie in politischen Kreisen verlau­tet, wird Freiherr von Bienerth noch heute mit der Neubildung des Kabinetts beauftragt werden.

Indische Katastrophen.

London 20. Dezember. lTelegräMm> Indische Blätter melden, dass Schiras von der Außenwelt völlig abgeschnittcn fei. Dei Postdienst sei gestört. Briese von Jspahan brauchten 26 Tage. Das Judcnviertcl sei gänzlich zerstört, worunter der Handel sehr leide. *

Die Newyorker Explosions-Katastrophe.

Ncw york, 20. Dezember. (Spezial- Tel e g r a m m.) Bei der furchtbaren Explo­sionskatastrophe wurden nach neuesten Mel­dungen 16 Personen getötet und über 300 mehr oder weniger schwer verletzt. Man befürchtet, dass noch weitere Tote unter den Trümmern liegen. (Siche auch Artikel auf der ersten Seite.)

*

Sturm im Spanier-Parlament.

Madrid, 20. Dezember. (Privat-Te- lcgramm.) Gestern nachmittag kam es in der Kammer anläßlich der Weitcrberatung der angeblichen Unter schleife des Barcelo­naer Stadtrats bei Vergebung der Wafserlek- tungsarbetten zwischen dem Regionalistctt Miro und dem Republikaner Iglesias zu einem stürmischen Auftritte, wobei Iglesias auf die Herausforderung von Miro diesen einen Schurken nennte. Miro warf feinem Gegner ein Zeitungspaket an der Kopf. Es entstand eine große Aufre­

gung. Sämtliche Deputierte verließen bis Kammer. Durch Eingreifen des Präsidenten konnte schließlich die Ruhe wieder hergestcllf werden.

Die heutige Nummer derCasseler Neueste Nachrichten" umfaßt

10 Seiten.

dienten, für sie und für mich, die ich mir dienen ließ."

lieber Peter Mark Worts Körper lief ein Zittern. Wenn sie fo über Reichtum dachte, wenn sie klar erkannte, daß all dies nichts be­deutete und daß es Werte im Leben gab, die

dem Tand, der täglich über mein Leben ge- fchüttet wird, verdeckt ist. Dock), sehen Sie, der Morgen kommt wieder und ein ganzer lan­ger Tag wird ihm folgen, wo die Träume schwinden."

Peter Markwart schwieg: was hätte er sagen sollen? Er wußte ja selbst, daß sie recht hatte und daß sie nie die Fran eines Geistlichen werden würde. Er war sich klar darüber, daß der Funke, der in ihr lag, unter seinen Händen kaum zur Flamme werden würde. Ihm war es nist vergönnt, sie zu besitzen: er mußte sich bescheiden. Er wußte aber auch, daß er rin Samenkorn in sie gelegt, das Druckt brmgen

merisch. * -------*i, -*

gegeben, da pocht das alles an, was sonst von all dem Reichtum, der Verwöhnung, von all

höher, viel höher anzuscklagen waren, und wenn ihre Seele hungerte, durste er dann nicht hoffen, dennoch, dennoch hoffen auch für sich? All das Begehren, das er fo tapfer bekämpft, stand wieder vor ihm auf, lockend, drohend, Verzweiflung und Glückfeligkeit ver­heißend. Aus feiner Seele rang sich die Hoff­nung empor und fprach beredter denn Worte aus seinen Augen. Esther aber ward blaß unter diesem Blicke und leise, wie abwehrend schüt­telte sie den Kops.

Es ist Abend," sagte sie welch und träu­merisch.Da steht die Welt auf, die Sie mir

ein Samenkorn in sie gelegt, das Frucki brrngen konnte, auch Wenn es nur tn der Stelle der Nächte zu reifen wagte. Und dieser Gedanke gab ibm Trost und Halt in dieser Stunde.

Sie Waren am Hause angelangt und blie- ben stehen. Kein Laut regte sich um sie her. Fhre Augen suchten sich zögernd und doch ver­langend; fest umschlossen,sich, ehre Hande, ob­gleich sie wußten, daß sie sich Wieder lag en mußten. Sie fühlten beide, daß die,e S-unde nickt umfonst gewesen und daß ihre, Seelen zueinander llückten würden aus dem Lärm oes

Tages und sei es auch nur ... in den Träumen des Abends!

Kleines FenWetsn.

Egmont" im Hosiheater. Es war eine großangelegteEgmont"-Auffüh- rung, die das Hoftheater gestern abcnd in teilweise neuer Besetzung herausbrachte. Bei trefflicher Rollenverteilung, ausgezeichneter Regie und fanbercr, abgerundeter Darstellung erreichte die Vorstellung eine erhabene Stufe künstlerischer Vollendung und gestaltete sich zu einem schönen Ehrenabend für die Spiel­leitung und alle beteiligten Künstler und Künstlerinnen. Man muß cs immer wieder mit dankbarer Genugtuung begrüßen, daß un­sere Hofbühne keine Mühen und Opfer fcheut, um eine vornehme Pflegestätte der klassischen Literatur zu sein und zu bleiben. Umsomehr ist es zu bedauern, daß der Besuch gerade dieser Vorstellungen zumeist sehr zu wünschen übrig läßt. Auch gestern zeigten die Sitzrei­hen, besonders in den Rängen, weite Lücken. Dem Spiel ist uneingeschränkteste Anerken­nung zu zollen. Herr Alberti erfreute uns wieder durch einen Egmont von imponieren­der, ritterlichster Art. Gemessen und vornehm in Haltung und Gebärde, gezügelt im Tempe­rament, versteht er es immer meisterlich, den aus tiefstem innerlichen Miterleben quellenden Ton zu finden, der besonders in den tragi­schen Momenten beim Zuhörer erschütternde Wirkungen auslöst. Eine vollauf würdige Partnerin War ihm Frl. Jähnert, die als Klärchen wieder eine starke, achtunggebietende Leistung bot. Sie setzte ihr reiches und viel­seitiges Können mit allen äußeren Mitteln ein, um die Rolle ganz zu erschöpfen, was ihr auch in schönster Weise gelang. Nack einer über­standenen Unpäßlichkeit sahen wir gestern wieder Frl. Scholz als SDlaraarctije von

Parma in einer ihr vorzüglich liegenden Rolle. In den weiteren Hauptrollen sanden sich die Herren B o h n ö e als Wilhelm von Oranien, Z s ch o k k e als Herzog von Alba, Herzberg als Brackenburg, Pickert als Schneider Jetter und Jürgensen als Schreiber Vansen vollwertig auf ihren Plät­zen. Den Ferdinand spielte als Gast Herr Wollmann vom Schauspielhaufe in Ber- lin, der sich um den Posten des nach Frank­furt berufenen Herrn Janssen bewirbt. Die kleine Partie bietet leider zu wenig Gelegen­heit zur Entfaltung der Kräfte, Weshalb es schwerfällt, sich ein abschließendes Urteil über den Künstler zu bilden. Was wir von ihm sahen, berührte jedoch recht sympathisch. Er konnte an dem starken Beifall teilnehmen, der allen Darstellern in überreichem Maße darge­bracht wurde. Auch des Orchesters fei ge­dacht, das die zur Handlung gehörige Beetho- vensche Musik in wundervoller Wiedergabe bot. Alles in allem: Es War ein erhebender Abend. Spr,

Der geschiedene d'Albert. Die Schei­dung dcr Ehe Eugen d'Alberts von seiner letzten Frau, Hermine, geb. Fink, ist soeben vollzogen Worden. d'Alberts Wiederver­heiratung steht nabe bevor. Die jüngst­geschiedene Frau d'Albert, die als Fräulein Fink ein treffliches, gefeiertes Mitglied der Weimariscken Hofoper war und in Konzerten auch vielfach Erfolge hatte, denkt an eine Wiederkehr zur Oper, jedenfalls an die Wie­deraufnahme ihrer künstlerischen Tätigkeit.

Weingartner . . . Wiener General­musikdirektor. Aus Wien wird gemeldet: Man hat in der Intendanz eine neue Form für den Verbleib Felir von Weingartners an der Wiener Hofoper gesunden. Weingartner wird unter dem Titel eines General­musikdirektors in Wien bleiben. Man will für ihn den neuen Titel kreieren, um

Weingartner die Oberhoheit in allen musika­lischen Fragen zu sichern. Wodurch Direktor Gregor faktisch auf die administrativen Ange­legenheiten beschränkt würbe.

.TL. Strindbcrgs Ruin. Wie aus Stock­holm mitgctcilt wird, betreibt man in Schwe­den augenblicklich den Plan einer Natio­nalversammlung für August Strind- b e r g, um des Dichters völligen ökonomischen Zusammenbruch zu verhindern. Es ist Strind- bergs Verbindung mit demIntimen Thea­ter", die das Unglück anrichtete. Eine Zeit- lang rechneten seine Freunde mit dem N o - belpreis, haben jetzt aber diese Hoffnun­gen aufgegeben und denken, wie gesagt, au eine Sammlung.

j-% Wie man deutsche Schauspieler in Eng- land^chandelt! Aus Th e a t e r k r elfen wird uns geschrieben: Das R e ch t s sch u tz b u r e a u der Deutschen Bühnengenoss en- schäft versäumt in keiner Nummer der Ge- nossenichastszeitung. den Schauspielern für den Fall eines Engagements ms Ausland zur Pflicht zu machen, auf Kontrakte einzugehen, die gesetzlich unanfechtbar sind. Aber.selbst bei größter Vorsicht kann es geschehen, bau an her­vorragenden Theatern drs Auslandes sogar deutsche Schauspieler um ihr. Recht betrogen werden und mittellos auf die Straße fliegen, ohne daß es Hilfe für sie zu geben,scheint. Ein markanter Fall dieser Art bat sich letzt an dem hochangesehenen Grand Thelltre R oyaI in Gent ereignet. Der Direktor Ptcter de Meij er verkrachte und wurde fluchtig. Em anderer Direktor namens D u fr i ck e, em Wal­lone. übernahm das Theater, das nunmehr eine ftäbtitoc Subvention von 60000 Franken er­hält, und . . . fetzte das deutsche En- femble ohne jede Entschädigung auf die Straße, während das französische weiterspielt. Der Deutschenhaß des Direktors geht fo weit, daß er nickt einmal den Theater- faal zu einer Benefiz-Abschiedsvorstellung zur Verfügung stellen wollte!