1. Jahrgang
Nummer 15
Csfleler pbrndzeitung
Fernsprecher 951 und 952,
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aus
Telegramm
davonkomm? n.
berichtet uns Einzelheiten:
über Das
Odessa, 20. Dez. die Katastrophe folgende Schiff batte eine bedeu- Bord, ferner 28 Mann
Aus Marseille wird uns depeschiert: Echo de Chine" berichtet, sind bei
gnfertionäpreife: Die scchSgespaltcne Zeile für einheimische Geschäfte IS $f„ für Oiiäroärttge Inserate 25 Pf.; Retlamezetle für einheimisch« Geschäfte 40 Ps„ für auswärtig- 60 Pf. Geschäftsstelle: Kölnische Straße 5. Berliner R-daltiom SW, Friedrichstraße 16, Telephon: Amt VL, 676.
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raum durch, aus dem sofort eine haushohe Flamme emporschoß. Bevor die Besatzung etwas unternehmen konnte, stand alles in Heller Glut. Zwei Heizer konnten nur mit Mühe und Not die Treppe htnaufspringen, wo sie mit brennenden Haaren und glimmenden Kleidern schwer verletzt niederstürzten. Im Augenblick darauf brannten die Kajüten der Passagiere und das Verdeck, die übrigen Benzinflaschen e x p l o d i e r t e n in der Glut, und das Schiff glich einer lichter- loh brennenden Fackel. Das Ganze hatte nur einige Minuten gedauert. Die Leute flüchteten in wildem Entsetzen auf den Bug des Schiffes, wo man durch den starken Wind etwas vor der Hitze geschützt war. Der Kapitängehilfe Botschkowski versuchte die Kaste und die Dokumente zu retten, erlitt dabei aber fürchterliche Brandverlotzungen. Der andere Kapitängehilfe Kryshanowski,
der Schiffsarzt Franzewitsch und der Buffet- schick Stan befanden sich im Augenblick der Katastrophe unten im Schiff und waren vom Verdeck abgeschnitten. Mit größter Anstrengung vermochten sie durch eine enge Luke zu kriechen und sich an einem Strick ins Master herabzulassen. Sofort aber brannte der Strick, und sie waren in höchster Gefahr, als man ihnen vom Schnabel des Schiffes Rettungsringe zuwarf. Der Arzt wurde später in bewußtlosem Zustande gerettet, der Busfetschick aber ertrank. Dem Kapitän Fedorow gelang es endlich, Anker zu werfen und das Schiff so gegen den Wind gerichtet zu halten; das Feuer vermochte daher nicht, den Bug zu erfassen. Dorthin hatten sich alle Personen an Bord geflüchtet, und dort lagen auch die schwer verletzten Heizer, der Kapitängehilfe und der inzwischen gerettete Arzt. Alle Kajüten, vier Fünftel des Verdecks, die Kommandobrücke und sogar die Masten waren verbrannt, und von der »Bulgarin" war nur der stählerne Schisss- körper und das äußerste Vorderteil geblieben.
Tie meisten der Verletzten dürften kaum mit dem Leben davonkommen. Gegen die Absender des verhängnisvollen Frachtguts i't wegen der falschen Deklaration der Sendungen Anzeige erstattet worden. Auch wird die geschädigte Reederei Schadenersatzansprüche geltend machen, da das Schiff vollständig verloren ist.
ZweitauseNd Japaner ertniafeu!
Die Opfer der Uebcrschwemmung.
(Eigene Drahtmcldung.)
deutung des Zollernstaats tat Reichsverband, und eine Regierung, die auf die Zeichen der Zeit sonst so klug zu achten versteht, sollte es vermeiden, der gegnerischen Agitation du das Beharren im Sich-Selbst-Genügen immer neue Waffen in die Hand zu geben. Herr von Bethmann Hollweg hat erst am Vorabend der parlamentarischen Weihnachtspausc bewiesen, daß seine Entschlostenheit und sein Tatwille keine Zwirnfäden sind. Sollte es ihm, dem rasch Erstarkten, nicht auch möglich sein, feines Königs Wort, allen Widerständen kühnlich trutzend, einzulösen? Die Aschenbrödel-Figur Borustiens tm deutschen Wahlrechtsbilde nimmt sich politisch, ethisch und ästhetisch wirklich nicht lieblich aus, und es wäre auch eines Kanzlers würdig, dieser »Enterbten des Glücks" endlich Erlösung zu bringen.
Im ExPIosionSraum selbst waren zur Zett des Unglücks etwa dreißig Personen anwesend. Das zertrümmerte Gebäude enthielt Kcffclanlagen und Dynamos für den lokalen Verkehr. Ohne jedes Vorzeichen Platzte plötzlich der Gasbehälter, und tat nächsten Moment war das ganze Gebäude em Einziger Trümmerhaufen, unter dem die zur Zeit der Katastrophe in den Räumen befindlichen Personen begraben wurden. Ein Teil der Verunglückten konnte später aus den Trümmern hcrvorgczogen werden, doch haben alle schwere Verletzungen erlitten. Die Bergungsarbeiten werden nocy ununterbrochen fortgesetzt und wurden auch während der vergangenen Nacht nicht unterbrochen. Die Umgegend des Orts der Katastrophe bietet einen trostlosen Anblick, uno in der Nachbarschaft sind fast allo Gebäude stark beschädigt. Von den Schwerverletzten dürften nur wenige mit dem Leben
Die Explosion entstand folgendermaßen: Ein aus s e ch s W a g r n bestehender Zug fuhr mit aller Gewalt gegen die Prcllböcke, sodaß die Verbindungen der Acctylcngas-Behälter in den einzelnen Waggons zerstört wurden. Die Luft war bald von den Gasen geschwängert. Eine Anzahl Arbeiter wurde sofort zu den Reparaturen requiriert. Einer von ihnen ließ eine Eisenstangeaufeine StromzuführungSschiene fallen, wodurch Kurzschluß entstand, der die Acctylcngase zur E x Y l o s i o n brachte. Einige Blätter sprechen die Vermutung aus, daß auch Dynamit in unmittelbarer Nähe der Ladestelle gelagert habe, was aber die Bahnvcrwaltung bestreitet. Nach den amtlichen Berichten sind bei dem Unglück insgesamt zehn Personen getötet und fünfundsiebztg schwer verletzt worden, während andere noch vermißt werden. Diese fünf sind wahrscheinlich getötet worden und man nimmt an, daß ihre Leichen unter den Trümmern liegen.
Bitte Reivtzorfer Katastrophe.
10 Brenschen tot, 75 verletzt, 5 vermißt.
(Telegraphische Meldungen.) . z Eine furchtbare Katastrophe, bei ; der eine Anzahl von Menschen g e t ö t e t und zahlreiche andere verwundet wurden, hat 1 sich gestern in dem Neubau der Kraft- station der Newyork Zentrale Railroad ereignet. Dort explodierte ein Gasbehälter 1 unb im Anschluß daran ereignete sich eine 1 Dynamit-Explosion, die furcht- ‘ bare Verwü st ungen anrichtete. Wir er- halten über die Katastrophe folgenden Draht- Bericht aus
Newyork, 20. Dezbr. (Privattelegramm.)
Die Explosion ereignete sich in den ersten Abendstanden und war so gewaltig, > daß das ganze Gebäude auseinandergerissen wurde. Die Trümmer flogen weit umher und richteten allenthalben großen Schaden an. In einem benachbarten Kinderhospital fielen die Zimmerdecken herab und verletzten viele Kinder. Aus der Straße wurden vier Passanten getötet, darunter mehrere Bahnbeamte und auch Kinder, die auf dem Wege zur Schule waren. Ueber fünfzig Personen wurden schwer verletzt. Ein Straßenbahnwagen, der voll besetzt war, wurde durch den Luftdruck aus dem Gleis gehoben und stürzte auf ein Automobil. Vier Insassen des Straßenbahnwagens wurden getötet Die Erlist ehungsursäche der Gasexplosion ist noch nicht sicher festgestellt. Man nimmt an, daß bei der Eilfertigkeit, mit der die Einstellung der Maschinen in dem neu- erbautcn Teil der Fabrikanlage erfolgte, die Keffel nicht genügend auf ihre Leistungsfähigkeit geprüft worden sind. Die Zahl der Toten, die sämtlich eine Strecke weit geschleudert wurden, beträgt zehn, diejenige der Verwundeten fünfundsiebzig. Rach der Explosion des Gasbehälters wurde gleichzeitig auch eine Explosion des in einem Nebenraum verwahrten Dynamits hervorgerufen, die das Bild der Zerstörung noch grausiger gestaltete. Nach oer Explosion spielten sich furchtbare Schreckensszenen ab, und es bedurfte des Einschreitens der Polizei, um eine Panik zu verhüten. Auf den Straßen wurden zahlreiche Personen zu Boden geschleudert und erlitten schwere Verletzungen. Der angerichtete Schaden beziffert sich auf etwa rwei Millionen Dollars.
Mittwoch, 21. Dezember 1910
pan insgesamt über 2000 Personen um- gcko mmen. Der Schaden, den die Üeberschwemmung überall im Lande angerichtet hat, ist ungeheuer und beziffert sich auf viele Millionen.
Feuer au Borv.
Schrcckensszenen auf einem Pafsagicrschitt.
Das russische Paffagierschiff „Bulgarin" von der Linie Odeffa-Rumänien geriet am Sonntag, kurz nachdem es in Odessa die Anker gelichtet hatte, in Brand, und es ereigneten sich auf hoher See furchtbare Schrek- kensszenen. bei denen nur der Kavttan Ruhe und Kaltblütigkeit bewahrte, trotzdem auch er furchtbare Brandwunden erlitt. Em
IM Säiotes Schwager.
„Bilder aus der Gesellschaft".
(Von unserm Korrespondenten.)
Elberfeld, 20. Dezember.
Eine Affäre, die lebhaft an den Fall des Professors Lehmann-Hohenberg in Weimar und der Frau Amtsgerichtsrat Burchardi in Suhl erinnert, beschäftigt heute die dritte Zivilkammer des hiesigen Landgerichts, vor der der Schwager des früheren Reichskanzlers Fürsten Bülow, Gras Günther von der Schulenburg, Herr auf Oeste und Zwingenburg, um die Anerkennung seiner Zurechnungsfähigkeit kämpft. Der Graf behauptet nichts mehr und nichts weniger, als daß ihm durch
gewisse Umtriebe des Fürsten Bülow, des jetzigen preußischen Landwirtschaftsmini, sters Freiherrn von Schorlemer-Lieser, seiner Gattin, der Gräfin von der Schulenburg, und seiner drei Schwestern, einer Gräfin von Pück- lcr, einer Frau von Bülow und der Exzellenz Gräfin von Maltzahn, seine Ehre und seine Existenz genommen worden sei und man nunmehr auch noch versuche, ihn seiner Geschäftsfähigkeit zu berauben. Tatsächlich ist Graf von der Schulenburg inzwischen durch eine Entscheidung des Amtsgerichts Velbert im Rheinlande wegen Geistesschwäche entmündigt: gegen diese Entmündigung har er jedoch Einspruch erhoben, sodaß die ganze Angelegenheit heute nochmals vor dem Elberfelder Landgericht zur Verhandlung gelangt.
Den Vorsitz im Gerichtshöfe führt Landgerichtsdirektor Zimmern, die Forderung auf Entmündigung des Grafen verttitt der Erste Staatsanwalt am Landgericht Elberfeld, Dr. Jonen, persönlich, während dem Grafen die Rechtsanwälte Lands-Elberfeld und Dr. Fraaß-München zur Seite stehen. Der „tm öffentlichen Interesse* erhobenen Klage haben ich die Gräfin von der Schulenburg und
tende Ladung an ------ .
Schiffskommando und 4 Passagiere. Unter der Ladung befanden sich 59 Ballons Terpentin (laut Deklaration der Absender), in Wirklichkeit war es aber Benzin. Einige der größten Gefäße waren auf dem Verdeck untergebracht. Während des hohen Seegangs zerbrach ein Ballon, das Benzin floß übers Verdeck und sickerte in den Maschinen-
Mag das reichsländische Wahlgesetz auch noch viele Hoffnungen und berechtigte Wünsche ofesn lassen: Daß cs besser ist, als das jetzige preußische, daß es einen freieren Geist atmet, als selbst der Entwurf, der das Preußenparlament im vorigen Winter beschäftigte, ist unverkennbar. Man vergleiche nur eine der am stärksten befehdeten Erscheinungen des reichsländischen Entwurfs: Die Plural w a h l, mit dem, was in dieser Beziehung die preußische Wahlreform bot. Hier ein lediglich an das Alter (ohne Unterschied der Bildung und besonderer Prtvflegien) gebundenes Vorrecht, während der preußische Entwurf besondere Stimmrechte für Akademiker, Abiturienten, Militäranwärter und sonstige politisch zuverlässigere Elemente schaffen wollte. Für eine Reform des preußischen Wahlrechts hatte sich ein der Monarch eingesetzt. Und des Königs Wort ist noch immer uneingelöst. Für eine Verfassungsänderung der Reichslande trat tm letzten Winter der Kanzler mit seiner Person ein und er hat sein Versprechen prompt eingelöst. So verdienstlich das auch für .?errn I von Bethmann Hollweg sein mag, und so anerkennenswert es auch ist, daß es ihm geiang, I die großen Schwierigkeiten, die dieie Materie tat Bundesrat fand, zu besiegen: Das Bedauern darüber, daß der leitende Staats-1 mann nichts tut, um auch dem Veriprechen des Monarchen zum Siege zu verhelfen, tritt dadurch nur umso schärfer hervor.
Vielleicht glaubt Herr von Bethmann auch, des Königs von Preußen Wort bereits eingelöst zu haben, als er in den Lenz- und I Frübsommertagen mit dem Preußenpar.ament um die Wahlreform rang und schließlich in monatelangem Mühen) erklärte, d:e Regierung habe „kein Interesse mehr an der Wetterbc- ratung des Entwurfs". Daß mrt diesem ..Verkuch" das Königswort ans Volk wirb lich einaelöst worden ist, wird indessen auch der im Preußenland verantwortliche Staatsmann ernstlich nicht annebmen können, und wie anders würde sich plötzlich das politische Gesamtbild gestalten, wenn dir Tbron- rede am zehnten Januartag die Ankündigung einer neuen, auf breiterer, volkstümlicherer Basis beruhenden Wahlresorm enthielte. Eine bessere Vorbereitung der nächsten Relchs- tagswahlen ließe sich im Sinne der .'iegre- rung kaum denken, und ein Staatsmann, der das von seinem Vorgänger prodhezette „Ita5 lippi" aufhalten, oder doch mildern rro^jtc, müßte gerade tu zu der Wahlresorm als dem einzigen Mittel greisen. Man, fühlt »m Preußcnland mählich so etwas wie Beschämung, daß neben Mecklenburg nur noch der größte und führende Staat im Reich der versöhnenden Wohltaten eines Wahlrechts ermangelt, das allen Schichten der Bevölkerung gerecht wird und dem Verlangen des Vofts- willeits in weisem Bedacht Rechnung trägt Die Rolle deZ „Aschenbrödels" im Re'ch paßt Wie das „L Iso ganz und gar nicht zu der politischen Be-Idcr letzten Üeberschwemmung in Ja
die drei Schwestern des Grafen - bezw. deren Ehegatten, Graf von Pückler, ein Sohn des bekannten „Dreschgrafen", und der Erbkärnmerer von Schlesien, Reichsfreiherr von Wattenberg und Penzlin, Exzellenz Graf Maltzahn, sowie die drei Fideikommißanwärter Graf von der Schulenburg auf Wolfsburg, der Herzoglich Braunschweigische Kreisdirektor von Holzminden, Graf von der Schulenburg, und der Oberleutnant bei den Reitenden Jägern in Langensalza, Graf von der Schulenburg, ange- chlossen. Diesen steht Justizrat Fluckt-Elber» eld als Rechtsbeistand zur Seite. Die Verteidigung hat zu der Verhandlung die Ladung von nicht weniger als 132 Zeugen beantragt, darunter auch des Erzbischofs von Köln, Kardinal Dr. Fischer, des früheren Reichskanzlers Fürsten von Bülow und des Preußischen Landwirtschaftsministers von Schorlemer-Lieser.
Die Vorgeschichte dieses auch politisch' interessanten Prozesses geht bis in die Zeit der Eulenburg und Bülow-Brandt-Affären zurück. Man erinnert sich noch, daß in dem Streit um Eulenburg hier und da die Behauptung ausgestellt wurde,
die Kampagne gegen Eulenburg bedeute eine Machtprobe des Fürsten Bülow, und Eulenburg solle nicht so sehr wegen seiner Verfehlungen gegen den Paragraphen 175, sondern deshalb gestürzt werden, weil sein Einfluß beim Kaiser für die innere Politik des Reiches verhängnisvoll sei. Gleichzeitig tauchten dann auch allerlei Gerüchte auf. als wenn in Bezug mtf die anormale Veranlagung des Fürsten Eulenburg Fürst Bülow überhaupt keinen Anlaß gehabt hätte, gegen den Schloßherrn von Liebenberg vorzugehcn, weil er ja selbst verdächtigt gewesen sei, gegen den Paragraphen 175 gefehlt zu haben. Die damals angestellten Ermittelungen ergaben, daß diese schweren Beschuldigungen gegen den Fürsten Bülow den Kreisen eines sehr eleganten Herrenklubs entstammten, dessen Mitglieder sich aus gewissen Gründen „Die Eigenen" nannten, und zu deren einflußreichsten Persönlichkeiten der im Mittelvunkt des heutigen Prozesses stehende Graf Günther von der Schnlenburg gehörte.
Graf Güntber hat schon früher von sich reden gemacht, als cr im Hohenstaufen-Bade zu Köln einen Knaben geküßt und deshalb
ein Renkontre mit der Polizei gehabt hatte. Später machte er dadurch von sich reden, daß cr sein Schloß Sybillenburg in : Tirol zum Mittelpunkt gewisser Vorgänge ge- i stattet hatte, an denen auch der Liftboy eines Münchener Hotels passiv beteiligt M*
Enterbte des Glücks?
Für's Reichsland alles, für Preußen nichts...
Am zehnten Tag im neuen Jahr versammelt sich im Parlamentshaus an der Leipziger Straße in Berlin der Landtag des Königreichs Preußen zu einer Session, von der behauptet wird, daß sie politisch sich kaum interessant gestalten dürfte. Größere Gesetze (beispielsweise das Wassergesetz mit dem Fischereigesetz, das noch immer im Stadium der Vorarbeiten ruht) werden den Landtag allerdings nicht beschäftigen, und so wird er sich neben der Erledigung des Etats in der Hauptsache mit einer Reihe kleinerer Vorlagen zu befassen haben, unter denen sich voraussichtlich ein Entwurf über die Schulpflicht Taubstummer, ein Zweckverbandgefetz für größere Gemeinden, eine Vorlage über die Einführung des Schleppmonopols auf preußischen Wasserstraßen, Maßnahmen gegen den Prä- micnlosschwindel und vor allem Wohl auch das Feuerbestattungsgesetz befinden werden. Die Annahme, daß auch ein neues preußisches Wahlgesetz unter den kommenden Vorlagen enthalten ist, darf | dagegen als ausgeschlossen gelten. Der Zufall hat cs zwar gefügt, daß an demselben! Tage, an dem die osfizielle Bekanntgabe der Einberufung des preußischen Landtags er-! folgte, auch die neue Verfaffungsrcsorm für Elsaß-Lothringen der Oeffentlichkeit unterbreitet wurde. Aber dieser Zufall illustriert nur um so drastischer die geradezu aufdringliche Disharmonie, die in der Tatsache liegt, das derjenige Teil des Deutschen Reiches, der noch vor vier Dezennien zu Frankreich gehörte, und dem gegenüber man eine gewisse Ausnahmestellung im Vergleich zu den anderen Bundesstaaten für berechtigt halten mochte, jetzt mit einem Wahlrecht beglückt wird, das weit fortschrittlicher, weit moderner und weit glücklicher gestaltet ist, als dasjenige, das man für den maßgebendsten Faktor tat Deutschen Reiche, für Preußen, noch immer für ausreichend erachtet.