Einzelbild herunterladen
 

Nr. 14.

Erster Jahrgang.

Gssselrr Meuestr Nachrichten

2. Beilage.

Dienstag, 20. Dezember 1910.

Gericht und Recht.

„916 Ehatterland" vor Gericht.

.(Son unserem Korrespondenten.)

Der Aussehen erregende Beleidigungs- Prozeß zwischen dem Reiseschriststellcr Karl May und dem Redakteur Rudols Le- bius wird nunmehr am L Februar und die folgenden Tage vor der 4. Strafkammer des Landgerichts III in Berlin zur Schlutzverhand- lung gelangen, und es wird sich bei dieser Gelegenheit endlich einmal Herausstellen, um was es bei diesem Handel eigentlich geht. Nachdem Karl May ursprünglich alle gegen ihn erhobenen Anschuldigungen als gegen­standslos erklärt und die Privatklage gegen eine große Reihe von Journalisten, .Schriftstellern und Zeitungen sowie von katholischen Geistlichen eingereicht hatte, hat sich ein großer Teil dieser Klagen durch die Feststellung erledigt, daß die Mehrzahl der Anschuldigungen zutreffend ist.

Vor allem scheint erwiesen, daß Karl May, der bis in die Hohen und höchsten Hof- kreise Sachsens hinein Beziehungen hat und durch seine Romane zum Teil sehr be­denklichen Inhalts zum Millionär gewor­den ist, tatsächlich eine langjährige Zuchthaus st rase hinter sich hat und, wenn auch nicht in den böhmischen, so doch in den erzgebirgischen Wäldern ein sehr merkwür­diges Dasein geführt hat. Der Hauptstreitpunkt geht dahin, ob May zur gleichen Zeit, wo er sittlich verwerfliche Schriften ver­faßte, für katholische Verleger als frommer Traktatschriftsteller tätig war. Dies hat May bisher mit aller Entschiedenheit be­stritten, und es sind deshalb als Sachverstän­dige der Benediktinerpater Dr. Ausgar Pöll- männ aus dem in letzter Zeit vielgenannten Kloster Beuron in Württemberg, sowie der frühere Chefredakteur der „Kölnischen Volks­zeitung", Dr. Hermann Cardauns-Köln, ge­laden, um nach dieser Richtung hin Aufklärung zu geben. Gegen diese beiden Herren hatte May ebenfalls Beleidigungsklagen angesttengt, die sich aber inzwischen „in Wohlgefallen auf­gelöst" haben. May selbst hat kürzlich in Frei­burg den ersten Band seiner Memoiren er­scheinen lassen, in dem er die Zuchthausstrafe und viele seiner Taten, von denen er ur­sprünglich nichts wissen wollte, zugcstan- d e n hat. Voraussichtlich werden auch diese Memoiren Gegenstand der Beweisaufnahme bilden, zu der außerdem sämüiche Strafakten des Klägers May, sowie ein großer Teil seiner Schriften herangezogcn werden sollen. Die Ver­lesung dieser Sitten und Schriften allein dürfte mindestens eine halbe Woche in Anspruch neh­men, so daß die Verhandlung sich zu einem

Riesenprozeß gestalten wird, in dem Land­gerichtsdirektor Scharmack den Vorsitz fiihren wird. -sh-

F1 Moabit vor Gericht. Die am Freitag abgebrochene Beweisaufnahme im Moa­biter Krawallprozetz wurde am Sonn­abend fottgesctzt und cs kamen die stürmischen Vorgänge in dem Wirtslokal von Langerath zur Erörterung. Die Schutzleute behaupten, daß Leute in das Lokal gelangt seien, die auf der Sttaße nach der Polizei geworfen hatten und daß auch Gäste, die in der Tür standen, weiterhin mit Biergläsern und Flafthen gewor­fen hätten. Der Leutnant Hecht habe zunächst den Witt aufgefordert, er möchte Schluß machen und seinen Gästen das Lokal verbieten. Der Witt habe sich dessen geweigett und nun habe der Polizeileutnant die Gäste seinerseits zum Verlassen des Lokals aufgcfordert. Erst in diesem Augenblick wollen die Zeugen z u g e - griffen und den Motten des Leutnants „mehr Nachdruck gegeben" haben. Die Gäste hätten dann geschimpft und mit verschiedenen Gegenständen geworfen. Auch sei ein Stuhl hoch gehoben worden, worauf der Leutnant „Einhauen" kommandiert habe. Einer der beteiligten Schutzleute gibt auf eingehendes Befragen der Vctteidigung die Möglichkeit zu, daß der eine oder der andere seiner Kollegen auch schon vor diesem Kommando zugeschlaaeu haben könne, da sie bereits mit gezogenem Säbel in das Lokal getreten seien. Der Küsermeister Drecolt besuchte an. jenem Abend seinen er­krankten Kutscher und da er das Haus nicht genau wußte, so ging er den Damm entlang, um die Straßennummern besser erkennen zu können. In diesem Augenblick erhielt er von hinten mehrere Schläge mit einem Säbel über den Rücken und als er sich um­wandte, rief ihm der hinter ihm stehende Schutz­mann zu: Gehst du endlich hinein. Auch beim Verlassen des Hauses erhielt er wieder Prü­gel. Zeuge Schlosser Fiedler will gesehen haben, daß ein alter Mann, der sich hinter einem Malergerüst versteckt batte, hervor- geholt und verprügelt wurde. Den Frauen, die auf dem Balkon standen, wurde zu­gerufen. sie sollten vorn Balkon gehen, sonst würde geschossen werden. Ein Passant, der ruhig seines Weges ging, sei von uniformier­ten Schutzleuten und Kriminalbeamten mit dem Säbel geschlagen worden. Zeuge Glaser Rentz- Hauer, der in der Rostockerstraße wohnt, be­kundet, daß die Menge pfiff und johlte und „Bluthunde" lief, namentlich taten sich hierin die Frauen hervor. Auch wurden die Schutzleute mit Steinen beworfen. (Die Be­weisaufnahme wird heute fottgesctzt.)

□ Heimkehr nach Miclezyn. In der Sonn- abeud-Verhandlung des Prozesses gegen den Mielczyncr Anstaltspfarrer Breit- hauvt und Gen. wurde der Fürsorgezög­ling Ehrlich vernommen, der seinerzeit mit Winkler zusammen aus der Anstalt ausgerückt war. Ehrlich gibt auf Befragen zu, daß er der Urheber des Fluchtplanes gewesen fei, zu dessen Beratung auch noch der Fürsorgezögling Carmal hinzugezogen wurde. Der Zeuge be­

kundet weiter, daß er mit Winkler und Car­mal zusammen nach Miclczyu zurücktranspor­tiert worden sei und daß der Angeklagte Breit­haupt sie an dem Kleinbahnhosc in Mielczyn in Empfang genommen habe. Gleich auf dem Bahnhöfe habe der Pastor sie alle drei mit Schlägen seines Weich­sel spazier st ockeS bedacht, während der Angeklagte Inspektor Engels allen dreien die Handsesseln angelegt und diese scharf angezogen habe.

Bei den Schlägen des Pastors Breit- Haupt sei Winkler am Auge verletzt worden. Nach der Ankunst in der Anstalt sei er, Ehrlich, und Carmal verprügett worden, während Winkler auf etwa zehn Tage in den Arrestkeller gesperrt worden sei und dort gejammert habe, weil er Hunger hatte und es vor Kälte nicht auShalten konnte. Winkler war mit Futzfcsscln verbunden und hatte sich zuletzt, nachdem er in den Kar­te ffclkellcr überführt worden war, zum Schutze gegen den Frost tief in die Kartoffeln ein gewühlt. Nach Beendigung der Arrest- fttafe habe Engels in feiner, des Zeugen, Ge­genwart den Winkler über einen Schemel ge­legt und ihm etwa 50 Hiebe verabfolgt. Winkler habe furchtbar geschrien und hätte dann trotz völliger Entkräftung sofort an die Arbeit gehen müssen. Ob der Winkler dabei auch auf die Fußsohlen geschlagen wurde, weiß der Zeuge nicht mehr zu sagen. Dagegen weiß er, daß Winkler noch späterhin von Brcithaupt, Engels und Wrobel geprügelt wurde.

□ Der „deutsche Spion" auf der Anklagebank. Aus Bcuthen in O.-Schl. wird uns ge­schrieben: Den Nimbus eines politischen Ver­brechers verlieh sich der .31 Jahre alte, oft vor­bestrafte Arbeiter Alois Pronobis, der sich vor der hiesigen Strafkammer wegen fchwc- ren Diebstahls zu verantworten batte. Er hatte einem Müller ein Taschentuch gestohlen, in das ein größerer Geldbetrag eingebunden war. ist aber dabei erwischt worden. lieber seinen Lebenslauf befragt, erzählte er dem Gerichts­hof die enormsten Räubergeschichten. Er be­hauptete. als deutscher Agent in Ruß­land Spionage getrieben zu haben, wobei ihn die Russen ertappten. Er wurde in den Kerker geworfen, konnte aber seine Wächter bestechen, die ihm Ovium-Zigaretten verschafften. Mit diesen schläferte er seine Eskorte ein, die ihn nach einem anderen Gefängnis bringen sollte, und entfloh. Der Angeklagte beantragte auch für die Verhandlung den Ausschluß der Oesfent- lichkeit, da er die R a ch c f e i n e r Stammes­brüder, der Polen, fürchtete, der Gerichts­hof lehnte indessen diesen Antrag ab. Pronobis behauptete weiter, daß er sich mit verschiedenen höheren P oliz eib camten Ober- fchlcfiens in Verbindung gefetzt habe und daß ihm diese ihre speziellen Aufträge hätten zukommen lassen. Der hierüber als Zeuge ver­nommene Polizeirat Mädker erklätt aber, day er nie mit dem Angeklagten verhandelt habe. Degegen bekundete Polizeikommissar Richter,

daß er den Angeklagten kenne. Der Zeuge wei- gett sich jedoch, in öffentlicher Sitzung weitere Ausfagen zu machen. Die Mutter des Ange­klagten bekundete, daß ihr Sohn von Jugend auf an Größenwahn gelitten habe, er habe fchon als kleiner Junge viel Räuberge­schichten gelesen. Auch der Gerichtshof glaubt nicht an die Spionageeigenschaft des Angeklag­ten und verurteilt ihn wegen schweren Dieb­stahls zu zweiJahrenZuchthaus.

Sport Md Spiel.

fr* Nachwehen zum Bremer Sechstagc- Rcnnen. Die skandalösen Vorfälle beim Bre­mer Sechstage-Rennen bildeten einen Haupt­punkt der Beratungen des Verwaltungsaus- schusses des V. D. R., der, vertreten durch Direktor Knorr-Berlin, Honschka - Breslau, Ulrich-Dresden und Grauer - Düsseldorf, am gestrigen Sonntag in Berlin tagte. Wie wir erfahren, lagen dem Verwaltungsaus- fchuß verschiedene Schriftstücke vor, aus denen hervorging, daß über den Ausgang des Rennens von den Fahrern vorher Ab­machungen getroffen worden waren. Es wurde daher befchloffen, den Schuldigen, dar­unter Willy Arend, Stabe, Pawke, Rudel, Carapezzi und Techmer auf längere Zeit die Lieenz zu entziehen. Zu den Bestraften ge­hören auch die Stratzensahrer Zeeh und Wittig, die sich an den Abmachungen zunächst beteiligt, sie dann ober zur Kenntnis der Oeffentlichkeit gebracht hatten. Die übrigen Punkte der Sitzung betrafen interne Streit­fälle, die zufriedenstellend erledigt wurden, sowie die Festsetzung der Tagesordnung für die im Januar stattfindende Generalversamm­lung des V. D. R. Die zwischen V. D. R. und U. C. I. schwebenden Differenzen, sowie die kürzlich in Köln stattgefundenen Eini- gungsverhandlungcn der beiderseitigen Dele­gierten kamen nicht zur Besprechung.

Die Ski-Rennen auf dem Feldberg. Wie uns ein Telegramm meldet, finden die großen Feldberg-Rennen des Ski- klubs Schwarzwald am 11., 12. und 13. Fe­bruar statt.

fr* Graham White ab gestürzt. Ein schwe­rer Sturz des englischen Aviati­kers Graham White wird aus Dover gemeldet, wo zur Zeit eine Anzahl englischer Flieger um den de Forest-Preis von 100 000 Mark trainieren, der für einen Flug über den Kanal ausgesetzt ist und demjenigen zufallen soll, der die weiteste Strecke nach Frankreich hinein zurücklegt. Bei einem Probcflug stürzte (einem Privat-Telegram,n zufolge) Graham White mit seinem Bleriot-Apparat ab und wurde schwer verletzt. Ob der Sturz durch die zur Zett im Kanalgebiet herr­schenden Stürme verursacht wurde, geht aus den bisher vorliegenden Nachrichten nicht her­vor.

/llfnlFc ältestes Schuhwarenliaus am Platze.

Sie jetzt Weihnächte - Aussteüuns staunend auffallend billigen Preise.

Cesrandet 1840. HB.: Jeder Käufer erhält Bei Einkäufen @atis-Ze$a6en. Marktsasse 10.

aa .QD

Georg Schröderfrüher Nug. Münch L Geschäft Druselplatz 4 :: 2. Geschäft Friedrich öAilhelmsplstz empfiehlt als Weihnachts-Geschenke:

.. Schrrichrugr in den modernsten Ausführungen Mllfkdrrhsltrr . . verschiedener Systeme

/. Krttschsste .. mit Gravur innerhalb einer halben Stunde v farhhafttn . . MMüchrr .. Mürrbücher .*.

. . MrtemvmiNrs .. Dsmentsschm Aktentaschen . .

. . Schreibmappen /. Lriesksffrtteu /. Mldrrrshmen . .

Dia Eröffnung meiner

Makronen

~DC

’ Lebkuchen iaT | Lebkuchen

Ce2' CI0.

Wallnuss i

Schokoladen )

Hornig-, leb- und PieSSerkuchen

in bekannter Güte und großer Auswahl. — Besonders erlaube ich mir, auf meine

Welhntiehts-Änssielliing

ergebens! anzeigend, empfehle meine stets frischen Fabrikate in

und viele andere Sorten.

Pfeffernößchen, Dicken Honigkuchen, Pfefferkuchen, Pfeffernüsse, Haller-Scheiben, Schneidekuchen und die so beliebten glatten Braune. Sortimentskistchen feiner Lebkuchen von Mk. 3.— an in jeder Preislage, nach auswärts 50 Pfg. mehr unter Nachnahme.

Christbaumschmuck

Besonders mache darauf aufmerksam, daß ich eine größere Auswahl in gebackenem Baumbehang fahre.

Fr. Bergheiser, Konditorei,

Dampf-Honigkuchen-, Bonbons- und Sckokolaficnuareu-Fabrik.

Detail-Verkauf nur im Eckladen Arti!!cr;ectr0SS3 Nc. 1. ______, ,, no„

ensros-vezfaui Artillerie«, ho. .......- - - Fsrnsprseher do. S87.

MWWWellW in modernen Garnituren von Portieren, Äbergardincn, Tischdecken, Läufersroffen, Kiffen aller mögt. Arten rc.

kauft man sehr preiswert bei Georg Laus, Frankfurterstr. 69.

Fernruf 3909.

Linoleum-Teppiche Wachstuch-Decken Puppenstuben-

Tapeten — Neu auf genommen — Thüringer

Baumschwamm- :: Luxus-Artikel ::

Aparte Wnschtsgeschenkej CasselerTsnetenlmd Fr. Heising- & Co. Hohenzollern-Str. 15.

ffi NOnge-

I lampen

i mit

billig.

F. Bo

Zfcgengasse 6—8.

Praktische äMImadittgesdienlie! Beleuchtungskörper für Gas- und elektrisch Licht

aller Art in großer Auswahl empfiehlt

Hoflieferant Sr. Maj.

des Kaisers u. Königs

Fricdrlchsstraße 34. Fernsprecher 39.

fclfcl - Uhrmacher s |

Kölnische Straße Rr. 7, U gegenüber d. Spohrstraßc. H Empfehle zu passenden H Weihnachtsgeschenken g mein großes Lager in N Ähren und d s Gvldwaeen jeder Art und Preislage. I

Verloöttngsringe. b

Eigene Reparaturwerkstatt S

Ehr. Mölke,

Garantie f

Firmenschilder

____ Frische Sendung

Taiel-Eier

eingetroffen, Steige Mk. 2.-.

Ferner offerieren wir prima frische Trinkeier, Steige Mk. 1.76, Eier für Koch- und Backzwecke, Steige Mk. 1.50. ............ Knick- und Ausschlageier tSglich frisch. - -------- Ferner empfehlen wir

Mche Eeud'mg Apfelsinen MW.

EleMmporMesellschafk

Fernruf 1155. Moltkcstrastc 14,