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Gericht und Recht.! .

Sir Hölle dos Mirlczyrr. \ t (Los ttttferm Korrefpottdenten.)

Au» Berlin wird unS geschrieben: Au Beginn der gestrigen Sitzung tat Mielczyn- Prozeß wurde die Sache des Angellagten Laug mit de» übrigen Strafsachen verbunden und darauf in das Verhör bei Angeklagten Lang eingetreten, der in Mielczyn den land­wirtschaftlichen Betrieb der Anstalt zu leiten und die sogenannte Straflolonne dazu anzu- ftellcn hatte. Er bemerkt, daß sich diese Kolonne immer aus sechs bis zehn Zöglingen zusammensetzte, und daß er im allgemeinen mit den Lungen gut ausgekommcn fei.

Vors.: Wie oft sind in Ihrer Gegenwart wohl Züchtigungen vorgekommen? An­gell.: Dreimal, auch habe ich einmal selbst geschlagen. Es handelte sich dabei um den Zögling Bialkowski. Dieser Zögling hat im ganzen an hundert Schläge erhalten, die letzten zwanzig habe ich ihm gegeben. Vors.: In wessen Auftrag? Angekl.: Inspektor Engels erteilte mir den Auftrag. Vors.: Und wer verhängte die Strafe? Angekl.: Herr Pastor Breithaupt. Vors.: Und wo­mit wurde geschlagen? Angekl.: Mit die­sen Peitschen. (Der Angeklagte zeigt aus den Asservatentisch.) Weiter bekundet der An­geklagte, daß in bestimmten Fällen auch

Arrefftrascn und Kopentziehung verfügt wurden und daß Prügel ziemlich reichlich ge­geben wurden. Es beginnt dann die Er­örterung eines weiteren Straffalles, der den Fürsorgezögling Ehrlich betrifft. Dieser hatte mit zwei anderen Zöglingen gemeinsam einen Fluchtplan ausgearbeitet, von dem der Angeklagte Breithaupt Kenntnis erhielt. Er ließ den Jungen aber doch ausrücken, und nachdem er wieder eingelicfert worden war, bekam dieser zunächst von Breithaupt 25 und dann noch von dem Inspektor Engels weitere 25. Beide Angeklagte geben diese Züchti­gungen zu. Breithaupt hat sich dabei eines Spazierstockes, Engels der Peitsche bedient. Der Vorsitzende hält Pastor Breithaupt vor, tzaß sein dicker, unelastischer Spazierstock doch kein geeignetes Werkzeug sei, solche Züch­tigungen durchzuführen. Der Angeklagte er­klärt sich hierzu nicht. Der Vorsitzende hält ihm weiter vor, daß Ehrlich auch schon

Ä vor der Flucht geprügelt worden sei und daraufhin erst die Flucht er­griffen habe. Ferner hält der Vorsitzende bei­den Angeklagten vor, daß über Ehrlich außer­dem noch eine Arreststrafe verhängt worden sei. Angekl. Engels: Es war das eine Zusatzstrase zu den Prügeln. Vors.: Ist es richtig, daß er mit auf den Rücken gebundenen Händen in die Zelle gesteckt wurde? An­gell. Engels: Das weiß ich nicht; es ist das vielleicht möglich, aber ohne mein Wissen. Es wird nunmehr der Zögling Ehrlich als Zeuge vernommen. Er ist ein schlanker junger Mann, der fein frisiert ist, mit durch­gezogenem Scheitel. Im Mai v. I. kam er von Lichtenberg nach Mielczyn. Vors.: Sind Sie dort zufrieden gewesen? Zeuge: Wenn cs keine Keile gegeben hätte, wäre es ja ganz gut. Der Pastor war aber zu streng mit den Schlägen. Vors.: Wie oft haben Sie Schläge bekommen? Zeuge: Das

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kann ich nicht mehr sagen, es war vielleicht dreimal. In der Arrestzelle habe ich

nur Wasser und Brot bekommen.

Die Hände würden mir während zweier Rächte auf den Rücken gebunden ich konnte nicht liegen und versuchte daher die Hände nach vorn zu be­kommen, was mit großer Anstrengung gelang.

Nach einer kurzen Mittagspause wird der Fall des Zöglings Winkler besprochen. Dieser galt als einer der renitentesten Leute der ganzen Anstalt. Sehr bald nachdem er in die Mielczyner Anstalt eingeliesert worden war, be­teiligte er sich an dem schon mehrfach erörterten Fluchtplan. Nach der Anklage soll er

ein überaus freches Wescy

zur Schau getragen und etwa achtmal Hiebe be­kommen haben. Einen besonders krassen Fall schildert folgende Szene: Während der Arbeits­zeit erkundigte sich der Angeklagte Pastor Brett­haupt einmal bei Winkler nach fcjnem Befinden. Er wurde ferner gefragt, ob ihm die Arbeit ge­falle und ob er fleißig sei. Winller erwiderte in frechem Tone: Na. was machst Du denn? Der Zeuge Winkler befindet sich gegenwärtig im 18. Lebcnsahre und wird hieraus als Zeuge aufgerufen. Er bekundet: Im Monat Mat 1909 wurde ich von Lichtenberg nachMielczhn trans- vortiert. Schon bei meiner Ankunft bemerkte ich, tote

ein Zögling verhauen wurde.

Weder ich noch andere Zöglinge haben in Lich­tenberg jemals Schläge bekommen. Nach Ein­nahme des Frühstücks sagte ich zu einem Zög­ling namens Carral, ob er einverstanden wäre, daß wir entfliehen. Dieser erklärte sich zur Flucht bereit. Man verfolgte uns jedoch und wir wurden sehr bald wieder ergriffen und nach der Anstalt Mielczyn zurückgebracht. Bei unserer Ankunft auf dem Mielczyner Bahnhof trat Engels sofort aus mich zu und drehte mir die Handschellen so fest zusammen, daß ich aus den Handgelenken blutete. (Die Verhandlung wird schließlich auf Sonnabend vertagt.

Moabit vor Gericht. Wie uns aus Berlin berichtet wird, wohnten der gestrigen Verhandlung im Moabiter Krawall- Prozeß der Generülstaatsanwalt S u p p a und der Oberstaatsanwalt Dr. Prcuß bei. Der Verteidiger Rechtsanwalt Cohn, bat ums Wort zu folgender Erklärung:

Ich muß aufs neue protestieren gegen die Einschüchterungsversuche und unerhörten Belästigungen, die fortgesetzt gegen Zeugen begangen werden. Bei dem als Zeuge hier vernommenen Dr. Kochmann ist ein Kriminalbeamter in der Maske eines Postbeamten gewesen und hat Erkundigungen eingezogen. Bei den Portiersleuten des Hauses hat er gefragt, was denn Kochmann sür ein Mann sei, ob er wirklich Doktor sei und wo er seinen Doktor gemacht habe. Man scheint die Portierlcute mit einer akademischen Auskunftsbehörde verwechselt zu haben. Ich bitte das Gericht, geeignete Maßnahmen zu treffen, um derartige unzulässige Schritte der Staatsanwaltschaft zu verhindern.

ES wurde dann der Arbeiter Heide­mann als Zeuge hereingerufcn, der über schwere Mißhandlungen, die ihm und seiner Frau widerfahren feien, folgendes bekundete: Ich befand mich mit meiner Frau auf dem Rückwege von meiner Schwester. Wir strebten unserer Wohnung in der Ottostraße zu und gerieten zwischen die Schutzleute, die

die Menge vor sich herjagte, und zwar in einer Richtung, daß die Gejagten in das Aufstands­gebiet zurücklaufen mußten. Meine Frau ist herzletdend und kann nicht so schnell lausen. Als die Schutzleute uns erreicht hatten, hie­ben sie aus mich und meine Frau mitden Säbel« ein. Ich vermochte mich noch hinter die Haustüre zu retten und mußte in ohnmächtiger Wut durch das Türsenster zu­sehen, wie meine Frau mit der Faust und mit dem Säbel traktiert ward. (Die Verhandlung wurde sodann aus Sonnabend vertagt.)

Die beleidigten Veteranen. Aus Mülhausen im Elsaß wird uns telegra­phiert: In dem Prozeß wegen Beleidi­gung der deutschen Veteranen wur­den gestern der Herausgeber der satirischen Zeitschrift »Durchs Elsaß". Z i r l i n, zu zwei Monaten Gefängnis, sowie der Ver­fasser des Artikels, Buchhalter Weber in Straßburg, zu 200 Mark Geld­strafe bezw. 20 Tagen Gefängnis verurteilt. Die vom Staatsanwalt beantragte sofortige Verhaftung Zirlins wurde abgelehnt.

~ Stert und EM.

Der Amateur im Eissport.

Auf dem letzten außerordentlichen Ver­bandstag des österreichischen Eislauf- Verbandes wurde der Amateurismus im Eissport eingehend besprochen, und bei der Ncuredigierung der Vcrbandsstatuten wurde der Amateurparagraph folgendermaßen fcst- gelegt: Als Herrcnläufer wird nicht an­erkannt, wer an gymnastischen Schaustellungen irgend welcher Art zum Zwecke des persön­lichen Gelderwerbes tcilgenommen hat, zum gleichen Zwecke Schlittschuhlauf-Unterricht er­teilt, um Geldpreise in Eisweitläufen startet und im Herrenlaufcn errungene Ehrenpreise verkauft hat.

Als Rciseentschädigung dürfen höchstens die Kosten der Fahrt zweiter Klaffe und Diäten im Höchstmaß von 20 Kronen pro Tag vom nennenden oder veranstaltenden Verein, ge­geben, vom Läufer jedoch nur im Wege feines Vereins genommen werden. Schauläufe, für die der Läufer irgend eine Entfchädigung er­hält, bedürfen der Genehmigung des Ver- bandsvorstandes; Zuwiderhandelnden kann ihre Eigenschaft als Herrenläufer abgesprochen werden. Interessant ist auch folgende vom Wie­ner Eissport-Klub eingebrachte und vom Verbandstag angenommene Resolution: Der Oesterreichifche Eislauf-Verband möge bei der Internationalen Eislauf-Mreinigung die Aenderung der in der Amateursrage in Be­tracht kommenden Paragraphen der Wettlauf- Ordnung beantragen, resp. die Internationale Eislauf-Vereinigung veranlassen, den derzeiti­gen Amateurverhältnissen ihr befonderes Augenmerk speziell mit Rücksicht auf die Insti­tution der Schaulaufen und der Reise­vergütungen zuzuwenden, um den Amateuris­mus im Eissport wieder auf die Höhe zu bringen, die er in früheren Jahren ein­genommen hat. Es mögen von der Inter­nationalen Eislauf-Vereinigung Bestimmun­gen für Schaulaufen geschaffen werden, wobei die Schaulaufen von der Genehmigung der Landesverbände refp. der Internationalen Eislauf-Vereinigung abhängig gemacht wer­den. Im übrigen würde der Oesterreichifche Eislauf-Verband jeden Aenderungsvorschlag,

2. Beilage.

Sonntag, 18. Dezember 1910.

der geeignet erscheint, die Amateur» unb Schaulauf-Frage endgültig und einwaudSsrei zu regeln, auf dal wärmste befürworte». Bei den Verhandlungen aus dem Verbaudstag wurde speziell auch der Eispaläste gedacht und in einem Bericht darüber heißt es: Der Pferdefuß des durch die Eispaläste hervor­gerufenen neuartigen Sportbetriebes sind die Schaulaufen, die de» ernste» Sport direkt schädigen. -n-

fr* Casseler Fußballspiele. Am vrorgigen Sonntag werden sich auf dem Sportplatz des Casseler Fußballvereins e. V. an der Frank- surterstraße die I. und II. Mannschaft des Vereins in einem Wettspiel gegenübertreten. Da die II. Mannschaft in letzter Zeit zahlreiche Spiele ausgefochten hat, kann man einen guten Sport Voraussagen. Für die I. Mann­schaft sind unbedingt mehr Ziele erforderlich und außerdem darf sie nicht so oft umgcstcllt löerbeit, wenn sie im kommenden Frühjahr in den Spielen um die Meisterfchaft von West­deutschland etwas gutes leisten soll.

k* Die großen Regatten des Sommers. Der Deutsche Motorjacht-Verband, der erst kürzlich in Berlin feinen Verbandstag abhielt, hatte nochmals die Delegierten der verschiedenen, dem Verbände anaehörenden Klubs zu einer Sitzung zusammengerufen, in der das Regatta-Programm 1911 be- sprochen werden follte. Die Vertreter des Kai­serlichen Automobil-Klubs und des Motor- jacht-Klubs von Deutschland, sowie des Kai­serlichen Jacht-Klubs beschlossen im Prinzip die gemeinsame Abhaltung der gro­ßen Regatten, und zwar sind in Änssichtge- nommen am 21. Mar eine Elbregatta bei Dresden, am 19. und 20. Juni eine See­regatta auf der Ostsee über ca. 300 Seemei­len, für den 22., 24. und 27. Juni drei Regat­ten im Rahmen der Ki e l e r Woche, für den 2. Juli eine Wettfahrt vor Trave­münde, für den 11. und 12. Juli Regatten auf dem Starnberger See, für die Zeit vom 18. bis 25. Juli die Bodensee Woche, und für den 10. September eine Regatta auf dem Müggelsee bei Berlin.

t-* Der Meister-Ringer am Traualtar. Jakob K o ch, der bekannte deutsche Mcister- ringer. hat sich dieser Tage in seiner Heimat- stadt Neuß mit Fräulein Hella Bernitt ver­mählt. Der Name des Rheinländers, der seit seinem sensationellen Siege über Eberle im Jahre 1904 überaus populär in allen sich für den Ringkampfsport interessierenden Kreisen geworden war, war zuletzt in aller Munde, als sich nach seinem unentschieden gebliebenen Kampfe mit dein Berliner ©turnt jene stürmi­schen Szenen ereigneten, die ein allgemeines Verbot der Ringkämpfe zur Folge hatten.

fr* Die Lawn-Tcnnis-Saison. Wie uns ein Telegramm meldet, wird die Inter­nationale Lawn- Tennis - Saison in Monte Carlo bereits am 2. Januar einsetzen und das alljährige große Turnier wird am 27. Februar beginnen. Eine große Zahl in­ternationaler Lawn-Tennisspieler hat bereits zugesagt. U. a. Wilding-Australien, Decugis- Frankreich, Ritschie, Lowe, Hillyard, Wallis Myers (England), O. Froitzheim, F. W. Rahe, H. und R. Kleinschroth, O. Bergmann (Deutschland), Graf Salm (Oesterreich) und von den Damen Gräfin von der Schulcnburg, Frau Dr. Neresheimer, Frl. Rieck aus Deutschland; ferner Miß Tripp, Miß Salus Bury, Mme. Decugis und Mrs. Quices und andere.

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