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Casseler Neueste Nachrichteri

wähnt — kamen zustande. Es

Milienkolorit gegeben.

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Casseler Damen Agnes Müller und Else Weber seien zunächst lobend erwähnt, ebenio die feine Zimmereinrichtung, die der in Cassel ansässig gewesene Architekt A. Nübel entwor­fen bat. ' . ..

Besondere Anerkennung verdienen dann drc Arrangeure der Ausstellung, die, trotz der Ver­schiedenartigkeit der künstlerischen Gegenstände, ein einheitliches Raumbild, in dem die warben karestierend ineinander überklinqen, zu­stande gebracht haben. Ueberall haben besonde­rer Geschmack, wählerische Nerven erfolgreich gewaltet. Wohltuend berührt die Solidität des Materials. Keine Einzelheit fällt störend ins Auge, oder verschwindet hinter einer anderen. Jedem Detail ist seine Farbe, seine Plastik ge­sichert worden. Das gesamte Gesichtsfeld, jede einzelne Abteilung, blüht als Harmonie aus — was man sonst bei den meisten Kunstausstel­lungen leider vermißt. Erwähnung verdient auch der Umstand, daß d'er Lichtschacht der in­timen Salons durch helle Leinwand geschickt unterbunden ist. Hierdurch gleitet gedämpftes, beruhigendes Licht in den Raum und verbilft jedem Gegenstand wirkungsvoll zu intensiver Eigenart. In reine, bewußte Stimmung lösen sich die Interieurs auf.

Eine beträchtliche Anzahl von Bildern hat der Dresdner Maler Artur Bendrat aus­gestellt — zum größten Teil Schiffs- und Ha- fensuiets. Die Motive, die der Künstler (bei mit Vorliebe grelle, erfrischende Farben von der Palette springen läßt) aus Danzig bolle, sind besonders gut geraten. Die Unmittelbar­keit zärtlichsten, liebevollsten Schauens macht diese Stücke besonders wertvoll. Man betrachte z. B. die .Danziger Kornspeicher" und das „Alte Tor in Danzig am Abend". Auf dem lebten Gemälde merkt man das plötzliche Erleb­nis, die vollkommene Hingabe an ein Straßen- detail. dessen Reiz irgend eine ferne Erinnerung, die wie Musik ist. auslöst. Hinter einer alten, vertrauten Fassade leuchten gelbe Lichter, die einen süßen Märchenschimmer über das graue Mauerwerk senden. Weniger will mir R i -

chard Birnstengel (Dresden) gefallen, dessen böhmische Bilder in der Konvention has­ten. In dem Gemälde .Einsamkeit" gewinnt er dagegen Individualität.

Sehr feine Farbenbolzschnitte (Ohrsasa- nen, Reaenlandschaft. Mondaufganak. die aus unmittelbaren Eindrücken der japanischen Mei­ster Herauswachfen, hat Walter Klemm (Dachau) ausgestellt. Auch vor den farbigen Radierungen D. Moltas steht man nicht obne Genuß. Der Anblick wird hier sofort Eigenart, Fortsetzung der eigenen Seele, wenn man die .Alten Häuser" und die .Liebenden" betrachtet. Seltsames Lickt überzittert die phan­tastisch sich kräuselnden Linien dieser Bilder, de­ren mystische Farben (stark-individuelles Hell­braun, Braunrot, Blau) von Ahnungen belebt sind.

Die feinsten Stücke hat unzweifelhaft Kurt N i b b r i g (Laren in Holland) ausge­stellt. Seine Bilder sind Produkte souveräner Artistik, wie sie die modernen Franzosen zu eurovüischer Geltung gebracht haben. Man be­wundert die Beherrschung des Lickts, die Ener­gie der sörmlick hingebaückten Linie, die pracht­volle, die absolute Dustiakeit der Farben, das hochentwickelte Raumgefühl. Besonders fällt an diesen Bildern die meisterhafte Abstufung des Grüns auf, die lyrische Perspektiven von reichster Bannlraft erzeugt. Was Routine an diesen Bildern (ich will sie nickt tadeln) sein könnte, wird durch bewußten Still intimster Naturbetrachtung überwunden.

Fritz Reus ng (Düsseldorf) l>at die Aus­stellung mit verschiedenen Porträts beschickt. Tas lebensgroße Bild einer Dome ist sensibel in. den Raum gesetzt. Es ist stimmungsvolle Psychologie, durchaus intellektuell in der Auf- fassuna. Groß springt die Gestalt des .Herrn Dr. M." aus dem Rahmen hervor. Sie gewinne Leben, verläßt ihn fast. Auch die Virtuosität dieser Werke, die die Stimmung jeder ein;?' nen Individualität restlos erschöpft, ist sehr anzuerkeniten Ferner sind die Bilder von Rich. Selb. Schmitz (München) zu beton»

„Zar und Zimmermann" im Hos- thcatcr. Im Hoftheater ging gestern abend Lortzings komische Oper neu einstudiert in Szene. Immer wieder übt diese sonnige, per­lende Musik unwiderstehlichsten Reiz auf die Hörer aus. Die Ausführung war dem Werk In jeder Hinsicht würdig. Die Präzision der Chöre, die Leistungen der einzelnen Solisten, sind in jeder Hinsicht anzuerkemreu. Herr Wurzel, ein vorzüglicher Charakteristiter, lieh dem Zaren seine weiche, und doch mar­kige Baritonstimme. Es berührte wohltuend, daß er das Lied „Einst spielt ich mit Szepter,

dern. Hanns Schubert (Charlottenburg), ein kraftvolles Talent, das mitunter robusten Farbenauswand nicht scheut, führt gediegene Gemälde, die hessische Landmädchen darstelleu. vor. Seine Technik des Realismus erbringt weiterhin ein kühles, feierliches Kirchen­interieur, eine solide, detaillierte Arbeit. Vor­trefflich ist auch Ludwig von Sengers Werk „Am Flusse". Tas Weiß, Gelb, Hellrosa und Braun der Häuser wirft Reflexe ins Fluß- waffer. Diese Farben bilden einen reizvollen Kontrast zu dem tiefblauen Wasser des Vor­dergrundes In prachtvoll sprühenden Farben äußert sich das Temverament des Starnbergei Malers P a u l T h i e m in der „Passauer Marktszene", die voll Sonne und Bewegung ist. Ein intimes, zart- und stimmungsvoll empfun­denes Interieur „Großmamas gute, Stube" hat ferner Martha Wenzel (Cassel) aus die Leinwand gebracht. Feine Kinderbildnisse stellt Walter Schiephacke (Cassel) aus. Zum Schlüsse fei noch Hendrik Jan Wol­ters Helle „Rheinlandschast" rühmend erwähnt.

r ' - B.

Klara wandte sich um, wurde, als sie ihn erblickte, totenblaß, und warf rasch das Tuch, welches ihre Schultern umhüllte, über die Staffelei. Dann ging sie ihm schwankenden Schrittes entgegen.

Und in diesem Moment wurde tbm klar, was die ganzen Jahre in ihm geschlummert hatte: Alle die klugen und schönen Reden, die er während der lange» Fahrt sich ausgedacht, waren seinem Gedächtnis entschwunden, und er konnte nur die Wort stammeln: „Klara, liebe Klara!"

Aber sie verstand ihn auch ohne, Worte. Und während draußen in einem Fenster nach dem andern die bunten Lichter der Weihnachts- bäume aufglommen, saßen sie schweigend Hand in Hand da und lauschten einer dem Herz­klopfen des ander» und waren glücklich.

„Du liebst mich also?" fragte Norden. Statt zu antworten, zog sie das Tuch von der Staffelei. Sein eigenes Bild leuchtete ihm entgegen.

„Ich habe es gemalt, so tote ich dich im Gedächtnis trug. Es war mein Trost: wenig­stens war ich doch nicht ganz verlassen."

Dann zündeten sie die zwei kleinen Lichter an, setzten sich auf das wackelige Sofa und verzehrten gemeinsam das frugale Nachtmahl, das für Klara allein bestimmt gewesen. Und es gab kein glücklicheres Paar in ganz München an diesem Weihnachtsabend. . . ,

Aus dem Reiche der MM.

Das Konzert des Oratorien-Vereins.

Gestern abend veranstaltete der O r a t o - rienverein im großen Stadtpark-Saale sein zweites Konzert. Es gelangten ausschließlich Werke von Job. Seb. Bach zur Ausführung. Eröffnet wurde der feierliche Abend mit dem ersten Satz der Suite in D-dur Nr. 4, für Or-

Letzte Telegramme.

(Nach Schluß der Redaktion eingegangen.?

Der Kaiser über die Aviatik.

Karis, 16. Dezember. (S p e z i a l - T e - legramin.) Der „Matin" will von einer kürzNly aus Berlin zuruckgekehrten Per­sönlichkeit interessante Aeußerungen Kais-r Wilhems über die Aviatik erlangt haben. Da­nach soll sich der Kaiser gegenüber seiner Um­gebung sowohl über die Lenkballons als auch über die Aeroplane abfällig geäußert ha­ben. 11. a. habe der Kaiser gesagt, die Franzosen würden noch schwere Enttäu­schungen mit den Lustsahrzeugen erleben. „Was mich betrifft" (so soll der Kaiser gesagt haben), „so bin ich mir über deren Wert voll­kommen klar. Wenn ich trotzdem Luftfahr­zeuge für dir deutsche Armee anschaffe, so ge­schieht das nur, um der öffentlichen Meinung Rechnung zu tragen." (Wir möchten unter diese Mitteilung des „Matin" doch ein großes Fragezeichen setzen. ■ D. Sieb.)

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Die neuesten Margarinevergiftungen.

Halle a. S., 16. Dezember. (Spezial- Telegramm.) I» Vaethen erkrankten im Lehrlingsheim bes bärtigen Eisen- und Emaillierwerks nach dem Genuß von B o ck a - Margarine 17 Lehrlinge unter schweren Vergiftungserscheinungen. Die noch übrige Margarine wurde sofort beschlagnahmt.

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Bei lebendigem Leibe verbrannt. A Köln, 16. Dezember. (Spezialtele­gramm.) Ein schwerer Unfall ereignete sich in dem Metallwerke in K ö l n - Z o l lst o ck. Ein Kessel mit flüssigem Metall stürzte um und die Masse ergoß sich über zwei Arbeiter, die furchtbar v-rbrannt wurden. (Sinei von ihnen ist bereits gestorben.

Die Metternich-Affäre.

Wien, 16. Dez, (Privat - Tele­gramm.) Der Hof- und Gerichtsadvokat Dr. Viktor Rosenfeld, der die Vertretung des Grafen Wolff-Metternich übernom- men hat, hat sich gestern abend nach Berlin be­geben, um dort die Enthaftung des Gra- f c n gegen Stellung einer Kaution zu erwirken. Das Gericht hat hingegen einen dahin gehen­den Antrag abgelehnt. Der Graf beteuerte auch gestern wiederholt feine Unschuld. Er sei sich des ihm zur Last gelegten Deliktes des Folschspieles ncht bewußt. Wenn er ledtg wäre, würde er seine Verhaftung mit Gleich­mut ertragen. Es fchmerze ihn nur, daß seine Gattin jetzt kompromittiert sei. Der junge Gras verkehrte in Berlin vorwiegend in den Kreisen des Finanzadels und stand auch vor der V e rl o b u n g mit einer der reichsten Erbinnen, einer jungen, aber bereits geschie denen Dame.

Bildende MM in Kassel.

Die Ausstellung im Kunsthaus.

Im Kunsthause ist dieser Tage eine wert­volle Ausstellung eröffnet worden. Nutzt nur Bilder bieten sich dem Beschauer dar, sondern auch kunstgewerbliche Arbeiten, die dem Ge­schmack der Zeit ein rühmliches Zeugnis aus­stellen. Die kunstgewerblichen Resultate der

Die heutige Nummer der „Casseler Neueste Nachrichtcit" umfaßt

— 10 Seiten. —

Das Wetter am Sonnabend.

(Wetter-Telegramm.)

Der öffentliche Wetterdienst sagt für de» morgigen Sonnabend folgende Witterung voraus: Veränderlich, doch vorwie gend trübe, Negenfälle, milde, zeitweise stark windig.

der Zeit mit ihr zusammen lebte. Nach der Aussage des Angeklagten und der Springer hätten sie sich im Oktober 1910 miteinander verlobt. Nachdem sie einige Städte der Um­gebung besucht hatten, kamen sie int September d. I. nach Cassel, wo sie zuerst in der Pen­sion der Witwe K. äls „Ehepaar Saeger" Wohnung nahmen. Wegen des sonderbaren Lebenswandels der beiden „Eheleute" (sie ver­ließen regelmäßig nachts zwischen 12 und 3 Uhr das Haus) wurde ihnen von Fran K. nach 10 Tagen gekündigt. Schließlich schlugen sie in der Obersten Gasse ihr Heim auf. Hier wurde Saeger verhaftet. Er bestritt vor Ge­richt jede Schuld. Das Urteil lautete auf 3 Monate Gefängnis und Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte.

A Ein Opser seines Berufes. Bei Aus­übung seines Berufes verunglückte heute mor­gen der Tapezierer Kl., indem er in einem Neubau, in dem er arbeitete, durch den Fuß­boden brach, ein Stockwerk tief herabstürzte und auf einer steinernen Treppe aufschlug. Er zog sich einen Schädelbruck und eine Verstauchung der Wirbelsäule zu. Der Bedauernswerte wurde in das Land­krankenhaus überführt.

A Die Prüfung der Stadt-Assistenten. Heute wurde int Rathaus die Prüfung der Anwärter für die Assistentenstcllen der Residenzstadt Cassel abgehalten. Sämtlicke Kandidaten haben die Prüfung zum Stadt­assistenten bestanden, und zwar die Herren Bachmann. Brann, Freitag, Gcr- stenberg, Iaaa und Kann.

A Der Sittlichkeitsverbrecher vor Gericht. Wegen unsittlicher Handlungen, begangen an. Kindern ans achtbaren Familien unserer Stadt, hatte sich gestern der am 18. Rov. d. I. verhaftete Arbeiter T e i ck e r t. ein 34jähriger, schon fünfmal vorbestrafter Mensch, vor der Strafkammer zu verantworte». Die Oeffent- lichkeit wurde im Interesse der in Betracht kommenden Familien ausgeschlossen. Das Gericht erkannte gegen Teickert weaen Ver­brechens im Sinne des § 176, 3 (St.-G.-B.) auf 2 Jahre Z uchth aus und Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte aus die Dauer von 5 Jahren.

A Todessturz von der Trevpe. Heute vor­mittag um 5 Uhr wurde im Flur des Hauses Ziegen ft raße 21 der im 2. Stock dessel­ben Hauses wohnhafte, lediqe Drechsler Rein­hold Sundheim durch einen Arbeiter tot aufgefunden. Offenbar liegt ein Unglücksfall vor. Es wird vermutet, daß Sundheim die Treppe heruntergestürzt ist. Das Ehepaar Jahn will nachts zwischen 12 und 1 Uhr im Trep­penhaus ein starres Poltern gehört haben. Der Verunglückte stammt vom Lande. Seine Eltern wohnen auswärts. •

A Konzert im Zentral-Hotel. In dem am Freitag, den 6. Januar 1911, im Saale des Zentral-Hotels stattfindenden Konzert tritt ein junger Casseler Sänger, Herr Otto Müller, zum ersten Male an die Oeffenttickkeit. Herr Müller verfügt üb^ einen 'schönen, woblausaebildeten tiefen Batz von guter Klangfülle, der selbst i» den.tiefsten Lage» nock seine volle Stäkke beibehält. Ter Sänaer wird u. a. die Cavatüte des Cardi­nals' Broani aus „Die Jüdin" von Halevv, die Sarastro-Arie aus „Die Zauberflöte" von Mozart, sowie Lieder von Wolf. Brahms, Strauß. Dessauer und (Humbert Vorträgen. In Fräulein Senta Wolsckke aus Leipzig wer­den wir einen jugendliche» dramatischen So­pran von hervorragender stimmlicher Bega­bung kenne» lernen. Fräulein Wolschke (In­haberin eines Reinecke-Preises) gastierte be­reits mit größtem Erfolg in Leipzig, Köln, Hannover. Chemnitz. Hamburg und anderen Städten. Der im gleichen Konzert mittoirkende bekannte Casseler Pianist Wickura hat außer den Begleitungen auch verschiedene Solis übernommen.

ü Ein neues Werk von Corradi Ricci. Unser römischer Mitarbeiter schreibt uns: Ter Generaldirektor der Künste in Rom, der auch außerhalb. Italiens rühmlichst bek--»!Ute Kunstforscher Professor Corradi Ricci, der in den letzten Iahten auch dadurch den Beifall aller Kunstfreunde erwarb, daß er eine reichere Totierung des Kunstdepartements bei der Regierung durchsetzte, hat ein bedeutsames neues Werk vollendet: „Ge­schichte der norditalienischen Kunst", das demnächst zugleich in sechs Ueberfetzungen er­scheinen wird. Tie deutsche Uebertragung hot der bekannte Archäologe Dr. Ludwig Pollak übernommen, der neuerdings auch in dem Streit zwischen Geheimrat Bode und dem Städelschen Institut in Frankfurt a, M. ost erwähnt wird.

△ Aus der Beanttcnwelt. Der Charakter als Geheimer Justizrat wurde de» hiesigen Amtsgerichtsräten Dr. Weiche und Kre­mer verliehen. Der zum Rechnungsdirektor beim Oberlandesgericht in Stettin ernannte Casseler Oberlandesgerichtssekretär L u » g - w i tz tritt fein neues Amt am 1. Februar 1911 an.

A Cassel und seine Straßen. Nach den Beschlüssen bet Stadtbaukommission sollen im Jahre 1911 u. a. die folgenden Straßen mit neuem Pflaster versehen werden: Ama­lien st raße mit Kleinpflaster (Kosten 12000 Mark), Königstor von Hermannstraße bis Sophienstraße mit Löhrschen Platten (Kosten 24 000 Mark), Frankfurter Straße von Nr. 105 bis Bosestraße mit Kleinvslaster (Kosten 36 000 Mark), desgleichen die M u r h a r d st r a ß e vom Wilhelmsplatz bis Luisenstratze (Kosten 11500 Mark) und die P a r k st r a ß e von Westendstraße bis Bismarckstraße (Kosten 8000 Mark), die Wil­helm st raße westlich des Ständeplatzes mit Asphalt (Kosten 4600 Mark), die Wolfs- s ch l u ch t von Wilhelmstraße bis Theater­straße mit Kleinpflaster (Kosten 17 600 Mark), der Steinweg vom Schloßplatz aufwärts 105 Meter Länge mit Reihenpslastcr (Kosten 10 400 Mark). Ferner sollen 10 000 Mark für Verbesserungen des Pflasters der Mombach- st r a ß e zwischen Heckershäuser Weg und Wolfhager Straße aufgetoenbet werden. Die diesbezüglichen 'Beschlüsse unterliegen indessen noch der Genehmigung des Magistrats und der Stadtverordneten.

A Ein Trichinenschwein im Schlachthaus. Gestern wurde bei einem im hiesigen Schlacht­haus geschlachteten Schwein das Vorhanden­sein von Trichinen fesigestellt. Der Fall ist um so seltsamer, als seit Jahren im hiesigen Schlachthaus fein trichinöses Schwein zur Schlachtung gekommen ist. Vo» der Schlacht­hofverwaltung wurden sofort die erforder­lichen Maßnahmen getroffen.

A Der Offiziersbursche als Weinliebhaber. Vorm Krieg, ger-ckt der 22. Devision in Cassel stand gestern der Gefreite der Reserve des Rhein. Dragoner-Regiments Nr. 5 in Hof­geismar unter der Anklage des qnaliftzterten Einbruchsdiebst-'h!. V batte im letzten Jahre seiner Dienstzeit als Bursche des Oberleut­nants K. die Gelegenheit benutzt, um dem im selben Hause wohnenden Oberstabsarzt F. aus seinem Keller Wein zu entwenden. Das Ge­richt erkannte gegen den Angeschuldtgten aus dreiMonateGefängnis und 14 T a g e Hast unter Anrechnung von 8 Tagen der er­littenen Untersuckungshaft.

A Die verpachtete Marftallskaserne. Wte wir erfahren, sind die Räume der alten Märst allskaferne, in der die vierte Eskadron des Husarenregiments cinquarHcrt gewesen war, jetzt sämtlich an hiesige Privat­personen auf die Dauer von zehn Jahren ver­pachtet worden. Der Packtzius, den der Fiskus dabei erzielte, beläuft sich auf 51000 Mark. „

A Das „Ehepaar Saeger". Am 1. Nov. d. I. wurde der Mechaniker Johan» Saeger unter dem Verdacht der Zuhälterei verhaftet. In der gestrigen Sitzung der Strafkammer wurde festgestellt, daß der Angeklagte 1907 in Wisbaden die jetzt in Cassel sich aufhaltende Prostituierte Sophie Springer Kennen gelernt hatte und feit

chester, der sich mit feine» jubilierende», fröh­lichen Themen fo recht eignete, die Stimmung für das darauffolgende Weihnachtsoratorium vorzubereiten, zumal dem letzteren keine Ouver­türe vorangeht. Die Wiedergabe der, Ouver­türe durch die Kapelle des 83. Infanterie-Regi­ments hätte in Bezug auf Klangschönheit der Blasinstrumente, sowie Durchsichtigkeit und dy­namische Schattierungen noch vollkommener sein können. Das nun folgende Weihnachtsorato­rium ist eigentlich kein Oratorium im engeren Sinne des Wortes, da es ihm an dem Haupt­erfordernis eines solche», der dramatische» Steigerung am Schlüsse, mangelt. Bach selbst legt derartigen, aus verschiedenen Kantaten be­stehenden Kompositionen auch oft den Namen Motette oder Konzert bei. Die Ausführung durch den Oratorienverein hinterließ einen günstigen Eindruck.

Der erste Chor, der gleich viele» anderen einer Festmusik weltlichen Inhalts entnommen ist, wurde mit Temperament und Frische wie­dergegeben. Auch in allen übrigen Nummern bewährte sich der Chor aufs beste und zeigte sich feiner Ausgabe vollauf gewachsen, einige Schwankungen im a capella-Gesang abgerech­net. Besonders fei auch die Klanafckönhe't der Männerstimmen hervorgehoben, während jedoch der Alt stärker sein durste und der Sopran in der Höhe abgerundeter und srischer klingen könnte. Von den Solisten fei zuerst Fräulein Agnes Lcydhecker (Berlin) genannt, die die Altvartie nach der musikalischen Serie hm einwandfrei wiedergab Das Timbre beresümmc ist jedoch mehr Mezzosopran und infolgedessen vermißte man in der Tiefe manchmal die nö­tige Kraft. Ihre schönen Stimmittel kommen besonders in der Höhe zur Geltung. Die Leistungen des Fräulein Leydhecker konnten nock vorteilhafter wirken, wenn sie sich noch un­abhängiger von den Noten macken und fick so­mit b«** Publikum freier zuwenden könnte.

Fräulein Schneider (Frankfurt a. M.), die Vertreterin der Sopranpartie, kam von den Solisten am wenigsten zu Worte. Sie verfügt über ein sehr sympathisches, namentlich in der Höbe wohlgeschnltes Organ, jedoch mangelt es diesem an Kraft. Geradezu hervorragende Leistunaen waren die Tenorsoli des Herrn A. Walter (Berlin). Der rein lyrische Klang feiner Stimme, feine vorzüalicheAussprache und nicht zuletzt das künstlerische Erfassen und Sich-Versenken in feine Ausgabe, waren Momente, die ihm die begeisterte Anerken­nung des Publikums verschafften. Seine her­vorragende Gesangstechnik und Leichtigkeit der Stimme zeigte er besonders in der eminent schwierigen Arie „Frohe Hirten, eilt, ach eilet". — Noch bleibt der Vertreter der Baßpartie, Herr Eweher, zu rühmen. Auch er wurde feiner Ausgabe nach jeder Seite hin vollauf gerecht. Seine künstlerische» und stimmlichen Vorzüge sind allgemein bekannt.

In dem von Poesie und religiöser An­dacht erfüllten Pastorale, das als selbständiger Orchestersatz die Einleitung zum zweite» Teil bildete, batte auch das Orchester Gelegenheit, seinen Tribut zum guten Gelingen des Wer­kes beizutragen. Den Schluß des Werkes bil­dete die Kantate „Ich bin ein guter Hirte" in der Bearbeitung von Mar Seissert. Sie schloß sich in bezug auf künstlerische Ausführung würdig den vorhergehenden Werken an. Be- fonders hervorzuheben ist die Arie „Jesu ist ein guter Hirt" für Alt, und „Seht, was die Liebe tut" für Tenor. Beide erfuhren durch Fräulein Leydhecker und Herrn Walter eine vorzügliche Wiedergabe. Besonders verstand es Herr Walter, die Stimmung der Arie auf das Publikum zu übertragen. Herr Musik­direkttor Hallwachs war der ganzen Auf­führung ein energifcher, feinsinniger Leiter, mit geschmackvoller^ stilgerechter Auffassung. Besonders dankbar muß man ihm fein, daß er uns den Genuß eines Bach-Abends verschafft

Nr. 12. — 1. Jahrgang. ______________

hader tarn nicht wieder. Als sie bann endlich entdeckte, daß ihr Geldbeutel ver­schwunden War, erwachte sie jäh aus ihrem Liebestraum. Jetzt wßte die Polin Bescheid um den „Heiratskandidaien". Sie schlug Alarm, stürzte zur Polizei, und dieser gelang cs auch bald, den durchgebrannten „Bräuti­gam" zu erwischen. Der Bursche ist ei» ge­wisser Julius T., de» die Polizei schon seit langer Zeit mit „liebvollem Auge" beobachtet hatte, und der nun Gelegenheit haben wird, über den kurzen „Brautstand" eindringlich nachzudenken.

Sonnabend, 17. Dezember 1910.

mit Krone und Siern" nicht in jene übliche süßliche Sentimentalität verschwimmen ließ. Sehr fein gab auch Herr Bartram den Bürgermeister. Er fang musikalifch vollendet, stattete die Gestalt nicht mit Mätzchen aus, ließ sie nicht in die Burleske fallen. Er schuf eine helle Komödienfigur. Ebenso sind der Peter Iwanow des Herr» Marbeck, die Marie des Fräulein Peters, und der Marquis, den Herr H o e g e I mit feinem, schönen lyri­schen Tenor sang, durchaus anzuerkennen. Das Ballett unter Fräulein Eordialy bescherte uns im Schlußakt den Holzschuhtanz in ent­zückender Ausführung. Das Orchester (unter Herr Dr. Pauli) führte seinen Part vollkom­men einwandfrei aus. Die Regie des Herrn Ehrl arbeitet nach gediegenen moderne» Prinzipien. Stimmungsvolle Bühnenbilder — namentlich sei die Helle Feststube im zwei­te» Akt mit beit Lampions und dem von grü­nem Mondlicht übergossenen Hintergrund er-