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Nr. 11.
Erster Jahrgang.
2. Beilage.
Freitag, 16. Dezember 1916.
Georg Schröderfrüher Klug. Münch
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trautes Geplauder mit den Teuren daheim: Das ist eine Strafe für den Deutschen, und wer nur irgend kann, schnürt sein Bündel, kauft echte Pariser Geschenke und vertraut sich kühn der gefahrvollen französischen Bahn an.
Die kleinen Landsmänninnen aus den Pariser Pensionen rücken mit strahlenden Gesichtchen an, und in den Nachtkurierzügen kommt man vor lauter Schwatzen nicht zum
jährlich im Herbst findet im Ausstellungssalon ein Wettbewerb für dieses Spielzeug statt, bei dem auf Anregung des Polizeipräfekten Lepine Preise verteilt werden. Diesmal scheinen abermals Aeroplan -Konstruktionen am beliebtesten zu sein, nur finden wir Militärfahrzeuge bevorzugt, und auch die famose Ostrundfahrt an die deutsche Grenze wird dargestellt. Eine Neuheit ist der Hallehsche Komet
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ganze Zeit des Zuckcrbäckersriedens, der von Noel (Weihnachten) bis zum Drei-Königstag dauert.
Die Familien gingen früher in die Mitter- kmchtsmcssc, als es noch für „fein“ galt, kirchlich zu sein. Heute, wo man als guter Republikaner Noel am liebsten in ein farbloses „Fest der Familie, umtaufen möchte, geht man sofort zum RSVeillonschmaus, bei dem sich nach Mitternacht Fromme und Gottlose vereinigen. Da ißt man Truthahn und Schwarzwurst und trinkt Punsch und Champagner bis zum Morgen. Es ist unter diesen Umständen begreiflich, daß Franzosen mit über das Materielle hinausgehenden Neigungen die gemütvolleren Sitten der Nachbarvölker nachahmen. Indessen bleibt es beim NLveillon, und die Restaurateure ersuchen ihre Kunden, Plätze zum nächtlichen Gelage möglichst früh- zeitig zu belegen, da sonst kein Tisch mehr frei sein könnte. Zu den Weihnachtsvorbereitungen gehören auch die Bekanntmachungen der Eisenbahnen, daß für die Noel» und Neujahrszeit die Rückfahrkarten eine ausgedehntere Gel- tungsfrisi haben. Die Hauptreisenden sind die Deutschen, die auf dem Nord- und Ostbahnhofe in ganzen Karawanen antreten. Weihnachten ohne Tannenbaum und Lichterglanz und dem „Stille Nacht, Heilige Nacht“ lieber Kinderstimmen, ohne Glockenläuten und ohne
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Weihnachten in Paris.
Pariser Adventsbrief.
sPon unserm Korrespondenten.)
Paris, im Dezember.
Patts „verweihnachtlicht“ sich, denn in den von Deutschen besuchten Brasserten erscheine» Wandplakaie: „Hier wird Weihnachten und Sylvester gefeiert.“ Und an den Kais und auf vielen Pläyen sehen wir die Tannenbäume auftauchen, die entweder von deutschen Familienvätern gekauft werden oder von französischen Revancheaposteln. Die einen sind dabei der tteuherzigen Ansicht, der lieben Sitte der Heimat gemäß zu handeln, die andern der heroischen Ueberzeugung, den „Kult der Rache“ zu üben, denn der Weihnachtsbaum ist eine elsaß-lothringische Eigentümlichkeit, und wenn die Franzosen diese Eigentümlichkeit annehmen, glauben sie, die deutschen Provinzdiebe jenseits des Vogesenlochs schlagrührend zu ärgern. In den Stadtvierteln, die von angelsächsischen Pensionen unsicher gemacht werden, empfehlen sich die Verkäufer von Misteln, Stechpalmen und Plumpudding. Der Entente cordiale zuliebe feiern auch manche französische Familien Christmas auf altenglische Art. Das Schlimme beim fianzösischen Weihnachten ist eben, daß es nichts Herzbewegendes, sondern nur . . . Magenverderbendcs hat. Auch hier beschenkt man die Kleinen, aber das geschieht durchaus nicht ausschließlich gerade am Wcih- nachstage selbst, sondern verteilt sich auf die
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schlafen. Die Zurückbleibendeu suchen sich, so gut es geht, zu trösten: Sie setzen sich zu Hause hin, nehmen eine unvermutete Kassenrevision vor und stellen fest, wieviel ihnen nach Abrechnung aller notwendigen „Etrennes“ noch bleiben wird, um Weihnachten zu feiern. Die Etrennes sind eigentlich die Neujahrsgeschenke, aber sie werden schon von der ersten Dezember- Woche an eingefordert, und die sonst so säumige Post entwickelt einen erstaunlichen Eifer. Die Herren, die am Abend zuvor in einer Versammlung gegen die Schmach dieses Trinkgeldcinsammelns für republikanische Beamte gedonnert haben, kommen, uns einen Wandkalender schenken und ein paar Silberlinge abnehmen. Die kleinen Telegrammträger erscheinen immer als Dioskuren. So groß ist das Mißtrauen schon in der heutigen Jugend, und die Gefahr ist ja auch groß bei der Nähe der Pastetenbäckereien. Auf bett Boulevards beginnt der große Weihnachtsmarkt. Da erhebt sich an der Madeleine bis zur Bastille eine ganze Budenstadt, und die so strengen Straßenordnungen, um die man sich sonst schon möglichst wenig kümmert, werden für die Zeit der Weihnachtsvorbereitungen auch mit amtlicher Feierlichkeit außer Kraft gesetzt. Es ist schwer zu sagen, was es in diesen Buden zu kaufen gibt, und noch schwerer ist es zu sagen, was da nicht zu kaufen ist.
Die Camelots können ihr Anrcißer-Genie zur vollen Geltung brittgcn, aber ich glaube, daß noch mehr Soustücke den stillen, verhärmten Frauen daneben mit ihrer armseligen Ware zufließen. Am interessantesten ist die sonst so vernachlässigte südliche Seite der Boulevards, denn sie ist den kleinen Geschäftsleuten eingeräumt, die selbst neue Spielwaren erfunden und sie ausschließlich mit Hilfe ihrer Familienangehörigen hergestellt haben. All
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in allen erdenllichen Abarten, der uns den Weltuntergang bringen sollte, und der jetzt den Böbös zu Kegelspiel oder sonstigem Unfug dient.
Sic transit gloria mundi. Die kleinen Damen werden sich für die Püppchen interessieren, die in neumodischen Fesselröcken als „entrav6es“ ein überaus drolliges Wettrennen veranstalten. Wie immer, sind auch allerlei Karikaturen wieder sehr beliebt. Daneben feiert das alte Lebensrad neue Triumphe, und das Zusammenlegspiel unserer Jugend wird unter der englischen Firma „Puzzle“ wieder modern. Die großen Kaufläden überbieten sich in immer anspruchsvoller toerbenbett Spiel- waren-Ausstellungen, und die Leidenschaft für bas „Kolossale“, die eine häßliche Eigentümlichkeit bet Deutschen (nach französischer Meinung wenigstens) sein soll, feiert in Paris wahre Orgien. Man weiß gar nicht, wo bie Gören mit ben 'Riesenpuppenstuben, Eisenbahnen, Festungen, Theatern und Aeroplanen von ein paar Metern Spannweite hin follem Uttb wir fragen uns, lote bet „Bonhomme Noel", bet doch all biefe Sachen bringen soll, sie ohne große Güterzüge sortschafien und wie er sie nach altgeheiligter Ueberliefreung am Kamin und gar in den Schuhen der Kleinen unterbringen wird. Das ist Paris, das Paris zur Vorweihnachtszeit; ein einziges Meer von hastigem Treiben, toller Unruhe und in unendliche Dimensionen geformter Festesfreude.
W.
Spott Md Spiel.
„Hermannia" und „Sportfreunde". Im Anschluß an unseren Bericht über das zwischen den beiden Casseler Fußballvereinen „Her- mania“ und „Sportfreunde“ am letzten Sonntag abgehaltene Wettspiel sind uns
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der „Casseler Neueste Nachrichten“ werden bis auf weiteres durch 240 Trägerinnen in Cassel zur Verteilung gebracht. Beschwerden über unpünktliche Zustellung beliebe man an uns gelangen zu lassen, da wir nur dann Abhilfe fchaffen können. Druckerei: Schlachthofstraße 28,30. Geschäftsstelle: Kölnische Straße 5 (gegenüber der Spohrstraße). ------------------ Telephon: 951 und 952. ............
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aus beiden Club-Lagern eine Reihe von Zuschriften zugeganaen, in denen gegenseitia.be- zügltch des sportlichen Verhaltens beim Wett- ipiel Anklagen erhoben werden. Wir sehen uns außerstande, bie Menge dieser Zuschriften zu veröffentlichen, ebenso, wie wir natürlich nicht in der Lage sind, sür oder gegen ben einen ober den anberen Verein StMzng zu nehmen, da wir uns lediglich auf die Berichterstattung über das sportliche Ereignis beschränken müssen.
e-* Skiwettläufe im Taunus. Der Skiklub „Taunus“ veranstaltet, natürlich entsprechendes Wetter vorausgesetzt, tote in den Vorjahren auch in diesem Winter wieder Skiwett - laufe, Langlauf und Sprunglauf. Als Termin ist der 5. Februar festg-sctzt. Die Ausschreibungen erscheinen anfangs Januar. Zur Meldung berechtigt sind nur Vereine, die dem „Deutschen Siiverband" angehören.
b* Tie Kieler Woche 1911. Das Programm für bie Kieler Woche 1911, bie bekanntlich als Jubiläumswoche abgehalten wirb, ist jetzt in einer gemeinsamen Sitzung von Vorstands- mitgliebern bes Kaiserlichen Jacht-Klubs, bes Norddeutschen Regatta-Vereins unb des Lübecker Jacht-Klubs festgelegt worden. Die Regatten finden danach in der Zeit vom 19. bis 30. Juni statt und setzen sich aus je 4 See- uud Binnenregatten, einem Handicap, 4 Sonderklassen - Regatten, drei Motorboot - Regatten und 2 Regatten für Kriegsschiffboote zu- fammen. Der Norddeutsche Regatta-Verein wird seinerseits seine 5 Bitmenregatten aus- schreiben. Außerdem kommen noch die deutsch- amerikanischen Sonderklassen-Regatten zum Austtag, die am 10. Juni mit den deutschen Auswahlkämpsen eingeleitet werden. Für diese deutsch-amerikanischen Regatten haben der K a i s e r und P r i tl z H e i n r i ch wertvolle Preise gestiftet.
e-<> Englische Hockeyspieler in Deutschland. Das Internationale Bonner Hockey-Turnier, das in der Zeit vom 25. bis 28. Dezember statt- finoet, wird eine englische Mannschaft unter seinen Teilnehmern sehen. Der bekannte Kingston Hill Hockey-Club, der zu den stärksten Clubs von Südengland zählt, hat für das Bonner Hockey-Turnier gemeldet und wird mehrere Wettspiele gegen deutsche Mannschaften ausfechten.
te* Der Kampf um den Welt-Bormeister. Ein neuer Borkampf um die Weltmeisterschaft soll (einer Meldung des Newyorker Herald zufolge) für April 1911 bevorflehen. Angeblich ist der derzeitige Weltmeister Jack Johnson bereits für Paris engagiert, ihm wird tut Kampf um den Weltmeiftettttel bet Sieger aus einem Match zwischen Je Jannette und Lamg- ferb gegenübertreten. Es sollen 33 Runben alle 3 Minuten gekämpft »erben. Jack John- sohn soll 100 000 Fts. garantiert erhatten haben. Die verehelichen Leser
werden höflichst ersucht, stch bei Einkäufen auf bie Inserate in den „Casseler Neueste Nachrichten" zu berufen::::::::