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hessische Abendzeitung

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Fernsprecher 951 und 952.

Freitag, 16. Dezember 1910.

Fernsprecher 951 atü) 952.

Depeschen.

Lelegraphischer Dienst der Kasseler Reircsteu Aachrichtew.

Wiener SLnfationen.

Gras Wolff-Mctternich verhaftet.

(Privat - Telegramm.)

Wien, 15. Dezember. .

Hier ist gestern eine in aristokratischen und künstlerischen Kreisen aufs eb en- erregende Verhaftung erfolgt: Graf Wolff . Metternich, der Gatte der be­kannten Schauspielerin Claire Valentin, wurde auf Veranlassung des Berliner Land­gerichts wegen einer Spicleraffäre festgcnom- men und dem Landgericht ausgeliefert. Zu der Affäre werden folgende Einzelheiten be­kannt:

Die Verhaftung soll wegen Falsch- fpielens und Betruges erfolgt fein. Es dürfte sich jedenfalls um eine Klub- affäre handeln. Der Graf hatte vor längerer Zeit in London mit dem prcußi- fchcn Leutnant Backhaus und zlvei anderen Herren, die sich später als Falsch­spieler entpuppten, Hazard gespielt. Der Offizier verwr dabet grössere Beträge, und Graf Wolff-Metternich bezahlte die Spiel­schulden des Offiziers. Als dieser vor eini­gen Tagen von dem Offizier die Rückerstat­tung der Summe verlangte, erstattete der Offizier, da er annimmt, daß der Graf mit den beiden anderen Herren unter einer Decke steckte, gegen ihn Anzeige. Die Gat­tin deS Verhafteten erklärte in einem Inter­view, daß es sich jedenfalls um einen bedauerlichen Irrtum handeln müsse, da ihr Gatte niemals in den Verdacht kommen könne, mit Falschspielern gemein­same Sache gemacht zu haben. Bekannt ist allerdings, daß Graf Wolff-Mctternich sich zur Zeit seiner Verlobung mit Fräulein Valentin in großer Geldverlegen­heit befunden hat, und cs war in Wien ein offenes Geheimnis, daß Graf Metternich zeitweise fast völlig ohne Mittel war. An seinem Hochzeitstage soll er sich zur Bestreitung der dringendsten Aufwen­dungen sogar 100 Kronen geliehen haben.

Vom Berliner Landgericht wurde übrigens (wie uns ein Telegramm meldet) die Ver­haftung des Grafen erst dann angeordnet, als sich Tatsache« ergaben, die den von dem Leut­nant Backhaus ausgesprochenen Verdacht be­kräftigten. Es scheint also, daß der Affäre doch mehr als nur »ein bedauerlicher Irr­tum" zugrundcliegt.

Ein verschwundener Opernsänger.

Berlin, 15. Dezember. (Spezial-Te­legramm.) Der zuletzt in München tätig gewesene vierzigjährige Opernsänger Ma; Herzberg wird seit einigen Tagen ver­mißt. Seine Gattin hat Anzeige bei der Polizei erstattet. Man befürchtet, daß Herz­berg ein Unfall zugestoßen ist, da durchaus keine andere Erklärung für sein Verschwinden zu finden ist.

Keine Kronprinzenfahrt nach Afrika!

Berlin, 15. Dezember. (Privat - Te­legramm.) Das Hirschsche Telegraphen- Bureau erfährt amtlicherseits, daß die Ostasienreise des Kronprinzen keineswegs eine Ausdehnung erfahren wird und seitens des Kronprinzen nicht die Absicht vorliegt, an Bord des PanzerkreuzersGneifenau" die Küsten Afrikas zu besuchen. Vielmehr wird die Rückkehr auf direktem Wege mit der sibirischen Eisenbahn erfolgen.

Die neueste Grubenkatastrophe.

London, 15. Dezember. (Privat-Te- legramm.) Wie aus New York gemeldet wird, wurden infolge einer Explosion in der Green Mine zu Tagona in Virginia 22 Arbeiter getötet und 26 in der Grube ein- geschlossen. Es ist bisher nicht gelungen, zu den im Schacht Eingeschlossenen zu gelangen.

*

Afrika im Erdbeben.

London, 15. Dezember. (Privat-Te- legramm.) Die Castern Telegraphen Com­pany erhielt eine Drahttneldung, daß ein heftiges Erdbeben an der Südostküste von Südafrika stattgefunden hat. Auch in Sansibar ist gestern vormittag 11 Uhr 40 Mi­nuten ein deutlicher Erdstoß verspütt worden.

Gespenster.

Dasmitteleuropäische Imperium".

Die internationale Presse beschäftigt sich zurzeit auffallend viel mit den Niedcrlan- d e rr. In erster Linie ist es die holländische Verteidigungsvorlage, die namentlich in Eng­land, Frankreich und Belgien, sowie au£ in einem Teil der niederländischen Presse zu allerlei Verdächtigungen gegenüber Deutsch­land benutzt wird; dann aber liest man zurzeit auch viel über die Zukunftsaussichten des niederländischen Jnsclbcsitzes in Ost - indien. Beide Erörterungen, mit einander in Zusammenhang gebracht, erinnern daran, wie gefährdet in der Tat die ganze nieder- tändiiche Macht daheim sowohl wie jenseits der Meere ist: ost genug aber ist von deutscher Seite dargclcgt worden, daß keineswegs Deutschland diejenige Macht ist. von der aus den Niederlanden Gefahren drohen. Nie­mals ist cs Deutschland eingefallen, sich den Niederlanden irgendwie feindselig gegenüber­zustellen, oder irgend welcheAufsaugungs­gelüste" zu zeigen. Deutschland hat die Selb­ständigkeit der Niederlande stets in vollstem Maße anerkannt und auch im eigenen Interesse dahin bewertet, daß die politisch unabhängigen Niederlande (sofern sie ihre Unabhängigkeit wahren können) in Kriegszeiten für Deutschland ein höchst wertvolles Durchgangs- gcbiet des internationalen Warenverkehrs dar­stellen würden. Wären ihre Küsten (aemäß den Wünschen, die man der deutschen Politik im Auslande fälschlich zuschreibt) in deutschem Besitz, io würden wir nur um so mehr kost­spielige Scestreitkräste brauchen und im Kriegsfälle dieses neutrale Vermittlungs­gebiet des internationalen Handels entbehren.

Erst die Aussprache der englisch-französi­schen Presse, die darauf hinausgeht, dass die gesamte deutsche Westgrenze, von der Schweiz bis zur Nordsee, durch die befteundeten Mächte , bekannt werden müsse (nkan nennt daseine Sicherung Frankreichs gegen einen deutschen Flankenangriff über Belgien") hat die Auf­merksamkeit der Niederlande darauf gelenkt, daß sie sich zur See gegen eine drohende Ver­letzung ihrer Neutariltät zur Wehr zu fetzen haben. Dazu kommen weiter als für die Niederlande bedrohlich zahlreiche Aeusserunaen der englisch-japanischen Presse, aus denen gar zu offenherzig das Streben Japans nach dem niederländisch-indischen Inselbefitz spricht. Uebrigens konkurriert dort mit Japan das australische Tochterland Großbritanniens, in dem eine einflußreiche Partei dem Streben obliegt, zunächst die deutschen und niederländi­schen Teile von Reu-Guinea dem von Austra­lien aus verwalteten britischen Telle der Insel zuzuschlagen und dann die Fangarme weiter über den deutschen und niederländischen Insel- besttz der Umgegend auszustrecken. Daß in jenen fernen Meeren deuffche und niederlän­dische Interessen nicht gegensätzlich, sondern verwandt sind, ist unter anderm zum Aus­druck gekommen in der Schaffung eines ge­meinsamen deutsch-niederländischen Kabels für Niederländifch-Indien und die deutschen Süd- see-Inseln. Daß auch daheim in Europa keine Gegensätzlichkeit, sondern eine Verwandt­schaft der deutfch-niederländischen Interessen besteht, liegt angesichts der geographischen läge auf der Hand, die den holländischen Han­del leben läßt von dem deutschen Hinterland.

Je natürlicher aber diese Interessenver- wandtschast ist, um so mehr sorgt man sich auf anderer Seite darum, künstlich Gegen­sätze zu schaffen und Mißtrauen zu säen. Das Neueste in dieser Beziehung ist ein von englischer Seite ausgeheckter, aber deuffchen Urhebern unterlegter Plan eines großen mitteleuropäischen Imperiums. Man mutet Deuffchland und Oesterreich- Ungarn im Verein die Absicht zu, die ganzen Balkanländer miffamt der asiattschen Türkei ru verspeisen, und natürlich zugleich auch die Niederlande. Dabei wird nicht gesagt, wer eigentlich derKaiser von Mitteleuropa und Vorderasien" »sein soll. Vielleicht hüllt man sich über diese Frage in Schweiaen in der freundlichen Absicht, Mißttauen zwischen Kai­ser Wilhelm und dem des weltpolitischen Weitblicks durchaus nicht ermangelnden öster­reichischen Thronfolger zu säen. Run, gleich­viel, unter welcher Spitze man sich das Im- pettum denkt: Es foll jedenfalls von der Rheinmündung bis zur Euphratmünduna reichen! Eigentlich kann dieEnthüllung" eines folchen Planes gar nicht mehr über- rafchen; denn bruchstückweife ist er (und zwar sehr bemerkenswerter Weife immer gleichzeittg in der englischen und stanzösifchen Presse) schon seit Monatenenthüllt" worden. Ein solches Bruchstück war die angebliche Mili­tär-Konvention zwischen Rumänien und der Türkei und ihre Erweiterung zu einer Militärkonvention dieser beiden Länder mit den beiden mitteleuropäischen Kaiserreichen. Jetzt ist die angebliche Militärkonvention zwi­schen Deutschland und den Nieder­landen gefolgt: und nun war es nur konse­

quent, gleich den ganzen Gesamtplan des .mitteleuropäischen Imperiums" zu enthüllen. Wenn schon, denn schon!

Was ist nun an diesen Ideen Tatsäch­liches? Nun offensichtlich das Vorhanden­sein einer ausgedehnten wirtschaftlichen und in gewissem Umfange auch militärifchcn Interessenverbindung, die ganz naturgemäß das Mündungsland des Rheines mit dem Hinterland dieses Sttomes und ebenso das Mündungsland der Donau mit dem Hinter­land dieses Stromes verknüpft. Dieser Jntereffenverknüpfung entsprechen auch (als ebenfalls ganz natürlich) die freundschaftlichen Beziehungen zwischen den Niederlanden, Deutschland, Oesterreich-Ungarn und Ru­mänien. Das Wirffchastsgcbiet der Türkei, und zwar sowohl der europäischen wie der astatischen, schließt sich zwanglos an als ein Gebiet, in dem deutsche Pionierarbeit ansehn­liche Kulturwerke geschaffen hat und eifrig zu fchasfen fortfährt. Und je weiter diese Kulturarbeit sich entwickelt, insbesondere auch in Mesopotamien, um so vollständiger werden die gegenseitigen wirtschaftlichen wie auch mi­litärisch-politischen Ergänzungsmöglichkeiten innerhalb des ganzen Landkomplcres zwischen der Rheinmündunq und der Euphratmün­dung. Aber zwischen der wechselseitigen wirt­schaftlichen Ergänzung der einzelnen Länder- teilc dieses Gef.imtgebictes, zwischen der auf Basis dieser wirtschaftlichen Jntereffenver- wandschaften sehr natürlichen Freundschaft und der Schaffung eines mitteleuropäifch- vorderasiatischen Imperiums besteht doch im­merhin ein beträchtlicher Unterfchied. Der­artige Weltmachtpläne sind ohne jede Frage den leitenden Kreisen von Berlin sowohl wie von Wien absolut ftcmd; und wer sie ihnen unterschiebt, treibt entweder Scherz oder Arg­list. Im vorliegenden Falle scheint's indessen die A r a l i st zu fein, die dieGespenster" aus der Versenkung emporsteigen läßt.

Nur keine Unruhe...!

(Privat Telegramm.)

Depeschen aus Paris zufolge ermächtigte der russische Minister des Aeußern, Sasanow, den Petersburger Korrespondenten des Matin", folgende Erklärung zu veröffent­lichen:'Ich habe der bei meiner Rückkehr aus Potsdam abgegebenen Erklärung weder etwas hinzuzufügen, noch davon etwas Weg­zunehmen. Bei der Unterredung mit dem Reichskanzler von Bethmann Hollweg und dem Staatsfekretär von Kiderlen-Wächter hat sich die vollständige Unverfehrtheit der gegenwär­tigen Lage ergeben. Die deutschen Staats­männer wissen, daß Rußland seinen Verpflich­tungen immer treu ist und weder einen Grund noch einen Vorwand hat, um sein Bündnis mit Frankreich und die herzliche Entente mit Eng­land zu verletzen.

Die Flucht vorm Parlament.

(Von unserem parlamentarischen Mitarbettcr.)

Bestände in Deutschland das parlamen­tarische Regierungssystem, wie cs für England feit langem kennzeichnend tft, dann würden sich bei den Neuwahlen z u m Reichstag auch die S t a a t s f e t r e t a r e um ein Man­dat bewerben müssen. Da die Sache bei uns anders liegt, kommen allenfalls gewefene Würdenträger als Kandidaten in Bettacht. Aber auch unter ihnen ist die Neigung, ins parlamentarifche Parkett hinabzusteigen, fehr gering. Bedauerlicherwcifr. So begegnet man bis jetzt in der fchon ziemlich ansehnlichen Reche von. Kandidaten, die für die nächstjährigen Neuwahlen in Aussicht genommen sind, kei­nem einzigen Namen früherer leitender Beamter in Reich und Staat. Sollte aber eine politische Kraft wie die des in Naumburg im Ruhestände lebenden langjährigenLokomotiv­führers der Sozialreform", Grafen Posa - d o w s k v, eines noch rüstigen Mannes, brach liegen müssen? Er ist doch die gegebene Per­sönlichkeit für eine bürgerliche Sammelkandi- datur, und fein Name hat so guten Klang, daß ihm sicherlich auch Stimmen von sonst Wahlunluftigen zufallen würden.

Vielleicht veranlaßt dieser Hinweis eine Partei, dem verdienten Staatsmann eine Kandidatur anzutragen. Sollte ferner die Fortschrittliche Volkspartei verabsäumen

wollen, sich rechtzeitig mit . der ihr nahe­

stehenden hervorragenden Persönlichkeit des früheren Kolonialsekretärs Ternburg

in Verbindung zu fetzen? Die Konser­

vativen hinwiederum dürsten es sich angelegen sein lassen, den allezeit frohgemuten einstigen Chef der Postverwaltung und nachtnaligen preußischen Landwittscstaftsminifter von Podbielski als Kandidaten zu küren, der ja seinerzeit auch aus der Parlamentsarena zur RegierungsestroV- aufstieg. Im allgemei­nen halten cs ja inatrive preußische Minister mit ihrer Würde nicht für vereinbar, als Man­datsbewerber am Wahlkampf teilzunehmen

und sich der Gefahr einer Niederlage auszu- scycn: Ein Vorurtell, mit dem gebrochen wer­den sollte, denn die Parlamente haben wahrlich keinen Ueberfluß an hervorragenden Männern. Das Niveau der Volksvertretung könnte nur gewinnen, wenn derAbschied vom Porte­feuille" für die amtlichen Würdenträger nicht länger mehr auch den Bruch mit dem politi­schen Leben bedeuten würde. -rs*

Der Admiral als Kandidat.

(Privat-Telegramm.)

Im Wahlkreis Elbing-Marienburg, den bisher der konservative Abgeordnete von Oldenburg-Januschau im Reichstag ver- treten hat, hat der vereinigte nationale Wahl­verein den Vize-Admiral a. D. Kala» vom Hofe als Kandidaten für die nächste Reichstagswahl aufgcstellt, und die Freisinni­gen haben sich bereit erklärt, diefe Kandidatur zu unterstützen. Admiral Kalan vom Hofe hat sich entschlossen, die Kandidatur anzuneh- men, und seine Wahl darf als sicher gelten.

Leopolds Millionen.

Ein Erbschaftsstreit unter Köuigskindern.

(Von unserm Korrespondenten.)

Brüssel, 13. Dezember.

Leopold der Zweite von Belgien, den nun schon lange die Erde deckt, gibt der Welt auch nach dem Tode noch Anlaß zum Gerede, denn seine hinterlassenen Millionen werden in Bälde die Gerichte beschäftigen, da sich des toten Königs trauernde Hinterbliebe­nen nicht über die Tcttung des Vatererbes verständigen können. Als König Leopold starb, hinterließ er seinen drei Töchtern-" ett» Summe von etwa 15 Millionen Francs, die sofort zr Aufteilung gelangte. Bekannt ist indessen, daß die drei Prinzessin­nen (insbesondere die Prinzessin Luise) den Nachlaß des Königs nicht anerkannten, weil sie behaupteten, daß der König widettechtlich viele Millionen betragende Werte seines Be­sitzes der Hinterlassenschaft entzogen habe. Da eine Wiederaufrollung der Erbfchaftsfrags zahlreiche Dinge berührt haben würde, die geeignet fchienen, das Andenken ihres Vaters zu schmälern, so erklärten die beiden Prinzcs- sinnen Stephanie und Klementine, daß sie von weiteren Schritten in der Angelegenheit ab- fehen würden. Anders die Prinzefsin Luise, die zunächst allein gerichüiche Schritte gegen die Baronin Vaughan als Besitzerin des in Frankreich gelegenen Schlosses Balin- court unternahm und, als diese Schritte den gewünschten Erfolg nicht hatten, im Prozcß- wege die Erbschaft ihres Vaters.anzufechten begann.

Was die Haltung der beiden Schwestern Stephanie und Klementine betrifft, fo hat die erstere sich der Klage der Prinzessin Luise gegen die belgische Regierung angeschlossen, während die Prinzessin Klementine ihr weite­res Verhalten von den Erfolgen ihrer Schwe­stern abhängig zu machen entschlossen ist. Was nun den eigentlichen Streitgegenstand betrifft, so fei an folgende Tatsachen erinnert: Zu dem eigentlichen Privatvermögen des Königs ge­hörte ursprünglich der ganze Kongo­staat, den Leopold jedoch im Lause der Jahre auf Grund einer Reihe von Verträgen, die ihm ein hohes Darlehen von feiten des belgifchen Staates sicherten, dem belgifchen Staate vermachte. Er bedang sich aber einen Teil (und zwar den wirtfchaftlich criragsreich- stcn) des Kongo, die fogenannteKron- domäne", als bleibenden perfönlichcn Besitz aus. An dieser Krondomäne drohte die wiederholt versuchte Annexion des Kongo­staates durch Belgien zu scheitern, bis sich der König noch kurz vor seinem Tode cnffchloß, auch diese Krondomäne als Anspruch des bel­gischen Staates anzuerkennen. Es muß zu- gestanden werden, daß die Töchter des Königs einen Beweis ihrer Mäßigung gegeben haben, als sie in bett Verzicht des Königs und seiner Erben auf Kronbesitz willigten. Aber cs blie­ben in der Folgezeit noch zahlreiche andere SSertobiette, die der König seinem Vermögen eigenmächtig entzogen haben foll.

Insbesondere handelt es sich hierbei um einen Betrag von 30 Millionen, der der Baronin Vaughan vorn König zum Ge­schenk gemacht worden war, außerdem um mehrere Stiftungen, insbesondere um die so­genannte Koburgische Stiftung, bereit Rcalisicrng die belgische Regierung nach bem Tobe des Königs verhindert hat, weil der Staat die in diefen Stiftungen investierten Summen als sein Eigentum in Anfprnch nimmt. Im ganzen schweben bis jetzt vier verschiedene Prozesse. In dem ersten klagt die Prinzessin Suifa gegen ibre beiden Schwestern auf Herausgabe eines Teiles der Erbschaft, gegen den sie sich benachteiligt fühlt. In