vrr. io. — E Jahrgang.
Caffeler Neueste Nachrichten
DormerStag, 15. Dezember 1910.
des Herrn Nordau mehr Enthusiasmus entgegenbringen möge.
Nur dann kann er die Unzulänglichkeit der Mittel, die gegenkärtig noch seine großzügigen Pläne hemmt: Cassel die Kunst unserer eit restlos vorzufühlen, besiegen. Der Saal im Hanusch wäre auf die Dauer nicht für vollendete szenische Taten geeignet, was daraus hervorgeht, daß er die Nepertoireabsichten Rordaus mehr und mehr zu unterbinden droht. Hoffentlich erhalten wir jetzt wirklich ein modernes, intimes Theaterchen, dessen Interieur dem literarischen Spielplan des Residenztheaters entspricht. An einer durchgreifenden Verwirklichung dieser Idee müßte die Großstadt Cassel regsten An- teU nehmen, um künstlerisch nicht hintenan zu bleiben!
Zer aufgeklSrte „Ueberfsll".
Eine besonders, düstere Seite des Dienstbotendaseins Zeigt sich in zwei Kriminalfälle u. die beute die Oeffentlichkeit beschäftigen. Die Leser der .Casseler Neueste Nachrichten" sind durch unsere gestrigen Mitteilungen bereits von einem Ueberfall unterrichtet, der in der Spohrstraße auf ein Dienstmädchen verübt worden sein sollte, das sich allein in der Wohnung seiner Herrschaft befand. Schon unsere gestrige Darstellung ließ erhebliche Zweifel an der Erzählung des Mädchens erkennen. Heute steht es fest, daß nichts davon wahr ist. Das Mädchen hat die ganze Geschichte e r - f u n d e n, und hat den angeblichen Ueberiall s e l b st in Szene gesetzt. Daß die Hände des Mädchens auf den Rücken gebunden waren, läßt darauf schließen, daß eine zweite Person bei dem .Ueberfall" mitgeholfen hat. Wer dies ist, hat man aus dem Mädchen, das inzwischen verhaftet worden ist, noch nicht herausbringen können.
Es liegt nahe, nach den Motiven zu fragen, aus denen die Affäre erwuchs. Das Mädchen war in einem guten Hause in Stellung, man war mit ihm zufrieden und soll cs so gut gehalten haben, wie ein Kind des Hauses. Nie hätte sich die Herrschaft eines solch' schändlichen Verhaltens von der jugendlichen Uebcl- täterin versehen. Als die weniger mit dem Herzen als mit dem Verstand arbeitenden Kriminalbeamten die Gewißheit gewonnen hatten, daß das Mädchen selbst die Schuldige sei, kam man noch hinter andere Schliche: Der Ueberfall ist nämlich nur vorgetan worden, um einen Diebstahl zu verdecken. Außerdem wurde das Mädchen als .Urheberin von Schmähbriefen ernritelt, mit denen die Herrschaft vor einiger Zeit belästigt wurde.
In dem zweiten Fall, der in den Kreis dieser Betrachtungen zu ziehen ist. wurde die W i t w e e i n e s Pfarrers, die am Königstor wohnt, bestohlen und zwar erheblich. Die Diebin ist eine so verkommene Person (mit Zuchthaus vorbestraft, sittlich in jeder Hinsicht auf der untersten Stufe), daß man sich über ihren Zutritt zu der genannten Herrschaft Wundern müßte, wenn man nicht wüßte, daß die Hausfrauen in der Regel froh sind, überhaupt eine dienstwillige Hand zu finden. Allerdings liegt der Fall der Pfarrerswitwe so, daß die Dame eigentlich eine andere Auswärterin engagiert hatte, die aber aus irgend einem Grunde eine Zeit hindurch nicht kam und eine Vertretung schickte. Die .Auf- Wärterin in Vertretung" stahl dann wie ein Rabe: Schmucksachen von Wert, Brillant- und andere Ringe, Vorstecknadeln, Taschenuhr, Uhrketten, Kleidungsstücke der verschiedensten Art, überhaupt alles, was nicht niet- und nagelfest war. Die Diebin ist verhaftet, aber vor- läusig im Landkrankenhaus untergebracht, um sich dort von einer üblen Krankheit kurieren zu lassen.
Ä Die Arbeiten am LandeSmuscum. Auf der Neubaustelle des L a n d e s m u s e u m 6 am Wilhelmshöher Tor sind die Erdarbeiten inzwischen zum großen Teile bewerkstelligt. Zurzeit ist man mit der Aufführung des Grundmauerwerks und der Kellerwände, besonders auf der Westseite der Gebäudeanlage, beschäftigt. Als Baustoffe dazu kommen in der Hauptsache Bruchstein und Ziegel zur Verwendung.
A Die alte FuldaSrücke. Bei den Arbeiten zum Abbruch des linksseitigen Pfeilers der alten F u l d a b r ü ck e ist man kürzlich der Schwierigkeiten ziemlich Herr geworden,
m o u ö l, das offenbar pflanzliche. Gifte enthält, deren Natur durch chemische Untersuchungen noch nicht festgestellt werden konnte.
YX, Die verhafteten Bankiers. Wie aus Bern depeschiert wird, wurde in das dortige Untersuchungsgefängnis außer dem Bankier Freedland auch der Bankier Maes aus Paris eingeliefert. Die Genannten sind mit anderen oKmplizen vor Jahresfrist auf Ersuchen der Liquidationskommission der internatio- naleit Eisenbahnbank in Bern in der französischen Hauptstadt verhaftet worden.
sa Ein Drama im Gerichtssaal. Aus P a- riS wird berichtet: In Riom (Dep. Puv de Dome (verwundete im Gerichtssaal ein Schuhmacher zwei Gerichtsbeamte durch Revolverschüsse schwer, als ihm mitgeteilt wurde, daß »er von ihm etngereichten Klage nicht stattgegeben werden könne.
ss Tammany Hall in Flammen. Aus N e w y o r k wird telegraphiert, daß T a m - manv Hall, das Heim des unter demselben Namen bekannten demokratischen Vereins, Ium Teil einOpferderFkammen geworren ist. Die Archive des Vereins, die recht seltene politische Dokumente enthalten sollen, tontzten gerettet werden. J -
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Zar Neueste aus staffel.
Frühling km Winter.
Unter den Lokalchronisten ist es ebenso verpönt, vom Wetter zu tekett, wie in Gesellschaft. Wenn jedoch der alte Jsegrimm Winter dte Zügel so am Bode» schleifen läßt, wie in diesen lauen Dezembertagen, dann ist eS ein Ereignis von mehr als Gewöhnlichem Interesse, umsomehr, als die Wetterkundigen einen strengen Winter vorausgesagt hab-err.
Dabei lstS jetzt, um die Mitte Dezember, keine Seltenheit, daß die liebe Sonne ihr freundlichstes Gesicht zeigt und daß Spaziergänger den Paletot auf dem Arm tragen. Dieses außergewöhnliche Wetter wird äußerlich bedingt durch einen ganz Europa beherrschenden Luft ström aus südlicher Richtung, der die Folge eines über Südosteuropa lagernden Hochdruckgebietes eines vor der indischen Küste befindlichen sehr tiefen Minimums ist. DaS milde Tauwetter erstreckt sich bis in den höchsten Norde» Europas hinauf und beherrscht auch die oberen Atmo- iphäuenschichten, wo dir Wärme sogar noch be- deutend fühlbarer als aus dem Erdboden ist. Sowohl tu 880 wie in 1270 Meter Höhe über der Erde wurden in den letzten Tagen vom statt des sonst dort üblichen Frostes Tenrpe- ratureir von über 10 Grad sestgestellt, während aeronautischen Observatorium in Lindenberg der Thermometer am Erdboden nur wenig über 2 Grad zeigte. Das ist eine höchst auffällige Erscheinung und man geht wohl kaum fehl, wenn man sie in Zusammenhang bringt mit dem um dt-e Zeit vom 5. bis 10. Dezember üblichen, starken Wärmerückfall, dem stärsten des ganzen Jahres, der seine Wirkung über ganz Mittcl-europa zu erstrecken pflegt.
Caffeler TheaterPWne.
Kein Zweifel mehr: Cassel wird bald ein zweites Theater bekommen! Die Gerüchte, die hierüber schon seit einiger Zeit in der Stadt umliefen, gewinnen jetzt feste Form. Der artistische Unternehmer ist ja rühmlichst bekannt: Herr Direktor Nordau vom Nesideuztheater, den unser Publikum mittlerweile als einen euergievollen und zielbewußten Bühnenleiter schätzen gelernt hat, trägt sich mit dem Plan, seine künstlerischen Intentionen fortan in einem eigenen Musentempel zum Ausdruck zu bringen.
Wir können heute mitteilen, daß das lobenswerte Projekt schon lebhaft in Angriff genommen worden ist und die Verhandlungen wegen des Hausgrundstücks bereits dem Abschlüsse nahe sind. Das neue Theater soll seinen Platz in der Mittelstadt erholtem Wir wünschen lebhaft, daß das Publikum aus seiner bisherigen Reserve gegenüber dem heimischen Privattheater, dessen Bestand doch eine Notwendigkeit ist, heraustreten und den hervorragenden Ideen
kampf des Ritters Oluf vor dem geistigen Auge des Hörers zu fesseln. Nach dem weiteren Vortrag der drei Lieder und des Herold von Uhland, kam der Künstler in der altschottischen Ballade Tom der Reimer ganz aus sich heraus, erreichte er den Höhepunkt des Abends. In Tom der Rei m e r, dem so oft der Stempel der Minderwertigkeit ausgeprägt worden ist, zeigte uns Otto Süße Loewe in seiner ganzen schlichten und doch so erhabenen Kunst. Als Beschluß folgten noch Odins Meeresritt und Archibald Douglas. Reiche Anerkennung gebührt neben dem Sänger dessen Gattin Frau Albertine Süße-Wilsing, ohne deren ausgezeichnete Klavierbegleittmg der Erfolg nickt erreicht worden wäre. Die Hörer spendeten uneingeschränktes Lob, dann gingen sie still auseinander, man hörte kaum ein lautes Wort: Der Elfenzauber wich nur langsam Zurück. Niemand wird den Loewe-Abend für verloren ansehen. H. W.
Wie Tolstois Bücher Absatz fanden. Aus Petersburg wird uns geschrieben: Eine hiesige Zeitung hat berechnet, daß der klbsatz aller Werke Leo Tolstois über 45 Miläonen Rubel (100 Millionen Mark) ein gedrückt hat. Großen Anteil hat natürlich Rußland davon. Während des Revolutions- jahreS allein wurden Tolstois Schriften im Werte von 12 Millionen Rubel (26 Millionen Mark) verkauft. Dte Bücher, die im Buchhandel am besten gingen, waren: »Anna Karenina" und .Sewastopol". Anna Kare- nina ist bis jetzt in Rußland in zwei Millionen Exemplaren verkauft worden. In Deutschland ist es in vier Auflagen erschienen, in England und Frankreich find 200 000 Exemplare ab gesetzt worden. Einen großartigen Erfolg erzielte auch .Die Kreutzersonate", die in eckt Millionen Exemplaren verkauft worden ist, Aehnlich ging »Krieg und Frieden",
das einmal in Rußland in einer Auflage von 700 000 Eremplaren gedruckt wurde. Der Roman .Auferstehung" ist ungefähr ebenso verbreitet.
t£±i Kleine Chronik. Wie uns aus Berlin mitgeteilt wird, hat Paul Linke eine neue Operette in drei Sitten unter dem Titel .Griari" vollendet. Das Libretto stammt von dem französischen Dichter Chance! und Bolten Bäckers. Das neue Werk wird Anfang März im Mettopol-Theater in Köln seine Uraufführung erleben und voraussichtlich im Sommer an der Berliner Komischen Oper gespielt werden. Die Verhandlungen zwischen Linke und Direktor Gregor schweben noch. — Eleonore Düse, die seit einigen Jahren der Bühne ferngeblieben war, gedenkt ihre Kunst wieder aufzunehmen. Ihr Entschluß hängt mit der Absicht des römischen Stadttheatcrs zusammen, 1911 ein Bild des ganzen italienischen TheaterlebenS zu bieten. Dazu will die Düse ihre Mithilfe leisten. — Wie aus Monte Carlo geschrieben wird, gelangt dort in kommender Saison ein neues Werk von Jules M a s s e n e t zur Ausführung. Diese neue Oper, die Raoul Günzburg erwarb, ist ein Dreiakter und betitelt sich ,V e st a". Das Tertbuch, das einen ernsten Stoff aus der alten römischen Kaiserzeit bebandelt, stammt von Henry (Soin. — Der Kammersänger Oscar Bolz vom Hoftheater in Stuttgart ist für em mehrmaliges Gastspiel als Siegfried in der .Götterdämmerung" im Januar an das Königliche Theater in Madrid verpflichtet worden. — Ans Dresden wird uns depeschiert: Die internationale Vereinigung für Krebsforschung beschloß unter Vorsitz von Professor Dr. Czerny- Heidelberg ans Anlaß der internationalen Hygiene-Ausstellung in Dresden im Jahre 1911 eine Mitgliederversammlung und eine Vorstandssttzung abzuhaltev
die sich der Auspumpung der Fangedamm- Grube entgegenstellten. Der Fangcdammkör- per ist durch Einbringen von Lehmboden mehr gedichtet worden. Außer der ersten Lokomobile von etwa 38 Pferdestärken ist noch eine zweite Lokomobile nebst Pumpe daneben auf der Schlagd zur Mithilfe aufgestellt, die etwa 12 Pferdestärken aufweist. Sie soll hauptsächlich zur Reserve dienen.
A Wilhelmshöhe-Wolfsangcr. Die neue (gelbe) Straßenbahnlinie Wilhelms- Höhe-Wolfsanger hat heute morgen den Betrieb übernommen. Bunt bekränzt fuhr heute in der Frühe der erste Wagen nach dem Wolfsanger hinaus, besetzt von zahlreichen Fahrgästen, die es sich nicht hatten entgehen lassen, als .Erste" die neue Linie mit dem üblichen .Nickel" zu weihen.
A Ein Kunstwerk in Stein. Im Auftrag des Tiefbauunternehmers S o l m hierfelbst hat der Casseler Bildhauer Breit seid für Herrn Johns verstorbenen Vater, einem passionierten Jäger, ein wundervolles und in seiner Form höchst eigenartige» Grabdenkmal geschaffen. Aus dem breit ausholenden Sockel erhebt sich, wuchtig und kernig, ein Eichenpanier, in dessen Arsten die Jagdgerätschaften des toten Jägers in malerischer Gruppierung angebracht sind. Das Kunstwerk, bis ins fleinste Detail mit vollendeter Meisterschaft ausgeführt, ist im Atelier des Künstlers in der Holländischen Straße noch einige Tage ausgestellt. Jede Linie in der künstlerischen Struktur kommt voll zur Geltung und das Ganze atmet den Hauch einer Pietät, die, mit der Poesie der Knust innig verwoben, sich in allen Einzelheiten der Schöpfung auspragt.
A Bei Bechcrklang und froher Laune . . . In einer Wirtschaft des Westens beging ein junger Mann im Kreise feiner Arbeitskollegen die Feier feines Geburtstages, bei welcher Gelegenheit auf Kosten des Geburtstagskindes wacker gezecht wurde. Der fröhliche Gastgeber fiel schließlich, vom edlen Gerstensaft übermannt, in einen tiefen Schlaf und merkte bann beim Erwachen, daß ihm einer der .guten Freunde", während er in Morpheus Armen ruhte, zwei Zehnmarkstücke aus dem Portemonnaie entwendet hatte. Die fo froh begonnene Feier nahm unter diesen Umständen ein sehr eiaentünl- liches Ende und das .dicke Ende" wird vermutlich noch Nachfolgen.
A Im Schlaf beraubt. Im Wartesaal 4. Klasse erwartete vorgestern ein junaer Schneidergeselle von hier den um *412 Uhr mittags von München kommenden Zug. Da er müde war, schlief er ein, machte dann aber beim Erwachen die unangenehme Entdeckung, daß ihm, während er geschlafen hätte, die Geldbörse aus der Tasche gestohlen worden war. Die leere Börse sand der Bestohlene später unter der Bank, auf der er gefessen hatte, wieder. Im Wartesaal befanden sich um die fragliche Zeit zahlreiche polnische Landarbeiter und es ist wahrscheinlich, daß einer von diesen den Diebstahl begangen hat.
A „Das Glück im Winkel". In einer hiesigen Fabrik hatten sich einige Angestellte an den Gießtagen der Eisengießerei allerlei Hausgerät, Spielsachen für Kinder usw. mit« gießen lassen, Bügeleisen, Heine Lokomotiven usw. Diese Gegenstände wurden in einem kleinen Winkel der Fabrik aufbewahrt. Ein anderer Angestellter hatte hiervon Kenntnis erhalten und fühlte sich verpflichtet, der Direktion hiervon Kenntnis zu geben. Es wurde daraufhin eine Untersuchung eingeleitet, wobei die versteckten Gegenstände zutage gefördert wurden. Die Folge war die Kündigung der sämtlichen Schuldigen zum Schluß dieses Monats und der Verlust ihrer Ansprüche an die Vcrsorgungskasse des Unternehmens bis aus ein Drittel der eingezahlten Gesamtjahresbeträge.
A Cassel im Zeichen der Fleisch-Teuerung. Die Wirkungen der Fleischnot und der Fleischteuerung machen sich auch in der Residenzstadt Cassel bemerkbar und äußern sich besonders auffällig in einem bettächtlichen Rückgang der Schlachtungen. Den Nachweis zu dieser Tatsache erbringt die Statistik des städtischen Schlacht- und Viehboses. die für den Monat November dieses Jahres folgende Schlachtungsziffern ergibt: Ochsen 114, Bullen 89. Kübe 376, Rinder 170, Schweine 3178, Kälber 1043, Schafe 1382, Ziegen 22 und Pferde 34. Dagegen kamen in der gleichen Zeit des Vorjahres (November 1909) zur Schlachtung: 167 Ockfen, 113 Bullen, 399 Kühe. 193 Rinder, 3311 Schweine, 1321 Kälber, 1490 Schafe, 36 Ziegen und 46 Pferde. Am stärksten ist der Rückgang in der Schlachtung von Schweinen und Kälbern, und gerade in diesen beiden Fleifchsorten sind denn auch die Wirkungen der Fleischteuerung am empfindlichsten zu spüren. Allerdings ist in anderen Großstädten ein ähnlicher Rückgang der Schlachtungen gegenüber dem Vorjahre zu konstatieren.
A DeS Lebens müde. Im sogenannten .Küchengraben" in der Aue wollte sich gestern eine 72 Jahre alte Frau N. aus der Kohlenstraße ertränken. Glücklicherweise waren Leute in der Nähe, die der Verzweifelten wieder ans Ufer halfen. Mitglieder der Sanitätskolonne brachten sie dann in ärztliche Be- Handluna.
A Die Dau- und Kunstdenkmäler Cassels. Vor kurzem gelangte ein Werk zur Ausgabe, das für die Bewohner Cassels von hohem Interesse ist: Der vierte Pand der .Bau- und Kunstdenkmälcr des Regierungsbezirks Cassel, Cassel-Land". Der Regierungsbezirk Cassel war das erste größere Gebiet in Deutschland, für das im Jahre 1869 ans Anregung und nach dem Plan des bekannten Kunstforschers R. Lotz im Verein mit dem Baurät von Dehn- Rohfelser zu Cassel ein Inventar der Bau- und Kunstdenkmäler zur Ausführung gelangte. Seitdem bat diese Idee einer Inventarisation eine ganz erhebliche Fortentwicklung erfahren. Wekin kürzlich eine angesehene Fachzeitschrift über das Gesamtwerk sich dahin äußerte, daß .unter den jetzt abgeschlossenen oder in voller Entwicklung begriffenen Publikationen der Bau- und Kunstdenkmäler in Deutschland das hessische Werk wft obenan,
ja in mancher Hinsicht zu oberst stehe, so kann von dem zuletzt erschienenen Band .Cassel- Land" behauptet werden, daß er als ganz besonders gelungen bezeichnet werden darf. Der Herausgeber des Bandes, Dr. ing. Dr. phil. A. Holtmeyer, hat es verstanden, durch Text und Abbildungen wertvolle Uebersichicn zu geben, sowohl über die geschichtliche Entwicklung, wie über die kunstgeschichtlichen Eigenarten des Kreises. Das Werk, das tot Auftrag des Bezirksverbandes des Regierungsbezirks Cassel erscheint, bringt auf 209 Tafeln mehrere hundert Abbildungen und der Text umfaßt in gleich großem Format 47 Sogen. Das Werk ist zum Preise von 18.— Mark, gebunden zu 23.— Mark erhältlich.
A Der Caffeler Credit-Verein. In einer gestern abend im Kausmannshause abgehaltencn Versammlung des Credit-Vereins wurde nach einem Referat des Herrn Direktor Henkel und einer warmen Befürwortung durch den Vorstand beschlossen, der Ruhegehalts-, Witwen-, und Waisen kaffe der Dentfchen Erwerbs» und Wirt- schaftsgenosfenfchaften als korporatives Mitglied beizutreten. Wie ans den Darlegungen des Referenten hervorging, besteht angesichts der nabegerückten reichsgesctzlicken Regelung der Privatbeamtenverstcherung die Befiirchtung, daß fchon bestehende kleinere Pensionskassen zum Tx.il keine Anerkennung vonseiten der Regierung finden dürften, welche Möglichkeit auch gegenüber der über einen Fonds von 160 000 Mark verfügenden Kasse des Cre- di t v e r e i n s zur Anwendung kommen könne. Der Verein fei somit vor die Wahl gestellt, entweder den Kassen der Dentfchen Erwerbs- und Berufsgenossenschaft oder fpäter der Reichsversicherung beizutreten. Die Beiträge zu erstgenannter Versicherung würden sich auf 2836 Mark belaufen, die zum Teil aus Mitteln des Vereins aufzubringen wären. Die Verfammlung stimmte den Anträgen des Vorstandes zu. Der Abend brachte zugleich eine Ehrung des Herrn H o ch g p f e l, der 25 Jahre d§m Auffichtsrat des Creditvereins angehort.
Letzte Lelegrkmme.
(Rach Schluß drr Redaktion etogegangen.)
Der Minister außer Dienst als RetchStags- kandidat.
Königsberg, 14. Dezember. Der frühere Minister des Innern von Moltke hat die ihm von den Konservativen angetragene Kandidatur in Tilsit wiederum angenommen, unter der Bedingung von seiner Seite, daß er wiederum der Reichspattei beitrete, im Falle er gewählt werden sollte.
Die Not der Zündholz-Industrie.
Berlin, 14. Dezember. (Telegramm.) Eine Abordnung deutscher Zündholzfabrikanten fuchte gestern den Staatssekretär des Reichsschatzamts auf, um ihm die ungünstige Lage zu schildern, in die die Mehrzahl der Zündholzsabriken durch die Auflösung des Zündholzsyndikats geraten sei und die in einer erheblichen Verbilligung der Zündhölzer ihren Ausdruck finde. Die Vertreter der Zündholzfabriken empfahlen namentlich eine Besteuerung aller Zündholz- erfatzmittel und Schaffung eines Monopols, an das die bisherigen Fabriken verpachtet werden sollen.
Ehre . . .
Leipzig, 14 .Dezember. (Privat - Telegramm.) Der 20jährige Student der Me- dizin, Hesse aus ondersbausen, hatte mit einem Kommilitonen ein Säbelduell ausgesochtcn. Der junge Mann erlitt eine schwere Hiebver- letznng, zu bet sich eine Lungenentzündung gesellte, die zum Tode führte. Die Ueberführung der Leiche nach Sondcrshaufen erfolgte gestern. Heute wird die Beisetzung stattfinden.
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Der letzte Akt.
Wien, 14. Dezember. (Privat-Tele- gramm.) Die Hinrichtung des Zugführers Santaler vom 4. Tiroler Kaiser,ager-Regr- ment, bet im vergangenen Sommer den aus Odessa stammenden Advokaten Feuerstein auf einem Berge bei Innsbruck ermordet und beraubt hat. wird am Donnerstag früh stattfinden. Das Todesurteil wurde erst gestern nach geheim geführter Verhandlung öffentlich bekannt gegeben und wird im Hofe ber Klosicr- Kaserne vollstreckt. Lantaler hat eingestanden, die Tat mit Vorbedacht und voller Ueberlegung ausgeführt zu haben. *
Ein Drama im Sattegatt.
Hamburg, 14. Dezember. (Telegtam m.) Der Rendsburger Schoner .Wilhelm", mit Steinen von Schweden nach Hamburg, ist im Kattegatt leck gesprungen und gesunken. Kapitän Peter Rönne ist ertrunken. Zwei Matrosen hielten sich am Mast fest, wo sie 13 Stunden ausharrten, bis sie von dem Fisch- bambfer .Proteus" aufgenommen wurden, der sie gestern in Altona landete.
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Wetterleuchten in Afrika?
Paris, 14. Dezember. (Telegramm.) Nach einer Meldung aus U f ch d a herrfcht unter den Stämmen in der Umgegend von Debdu und Taprata große Erregung. Aus dem siidlicken Oran sind zahlreiche Marabus eingettoffen, die die Bevölkerung gegen Frankreich aufreizen. Von französischer Seite sind alle Maßregeln getroffen, um die Ruhe in dem gefährdeten Gebiet auf» rechtzuerhalten. ,
Vom goldenen Horn.
Konstantinopel, 14. Dezember. Zele- gramm.) Die Cholera ist im Abneh- men begriffen. Es kommen täglich nur noch etwa zehn Fälle vor.
Die heutige Nummer der .Casseler Neueste Nachrichten" umfaßt
— 10 Seiten. =