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Erster Jahrgang.

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Schluß der Inseratenannahme für die betr. Tagesnummer 10 Uhr früh, r~ :

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von 5.75 an.

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und

Ser Liebe Ast.

Von Horst Bod eurer.

,0, auf mich können sich der Herr Doktor verlassen!"

.Das weiß ich, Sie treue Seele, Gott sei Dank. Also sehr schonend mit Herrn Reuter umgehen, sehr schonend und meine Anord­nungen ganz genau befolgen, dann ist Hoss- nung vorhanden, Karl, sonst nicht!'

»Herr Doktor sollen zufrieden sein!"

»Schön, in zwei Stunden komme ich wieder!^

(Fortsetzung folgt.)

Der Arzt zieht die Augenbrauen hoch schiebt die Brille aus die Stirn.

werden bis auf weiteres dieCasseler Neueste Nachrichten' allen Familien der Stadt durch 240 Trägerinnen zugestellt. Wer die Zeitung nicht pünktlich erhält, beliebe sich an uns zu wenden. Druckerei: Schlachthofftraße 28|30. Geschäfts- stelle: Kölnische Straße 5 (gegenüber der Spohrstraße).

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In Frankfurt am Main, im vornehmsten Viertel auf der Mainzer Landstraße, wohnt der Grobkaufmann Reuter. Seit dem Tode seiner Frau, drei Jahre sind es her, hat er sich zur Ruhe gesetzt, sein Geschäft verkauft. .

Wird jetzt nichts nützen, müssen warte», nur zwei, drei Tage, wie sich ... Sache gestaltet. Verlangt Herr Reuter, wenn er wieder zur Besinnung kommt, nach ihm, dann sagen sie es mir, aber sangen Sie nicht an von dem Herrn Leutnant zu sprechen, alle Erregungen müssen vermieden werden, ver­standen, Karl ?

Aber Fräulein Klara! Ist eS denn schwer michHeinz" zu nennen?"

Ganz verträuntt nickt sie bejahend mit den»

Was meinen Sie, soll ich vielleicht an Herrn Leutnant Rühling telegraphieren, Herr Doktor, an dem hangt mein Herr, als der sein eignes Kind!"

ter und biß herzhaft rem. Pfui Teufel, der Kerl war trotz der roten Backen noch nicht reif, gallebitter schmeckte ec. Und wie ich so da' stehe und eine tolle Grimasse schneide, den angebrssenen Apfel in der Hand, kommt Vater dazu. Ra, die Lektion war kurz, aber sehr emdrmglich, Fräulein Klara!"

(Nachdruck verboten.)

Heinz zieht sie die Treppe hinab, die dom Speisezimmer in den Park führt.

Als er ihre Hand ergriffen, wähnt sie einen elektrischen Schlag bekommen zu haben, alles Blut drängt nach ihrem Herzen, ihre Sinne sind ganz benommen, sie folgt, unfähig, ihm irgendwelchen Widerstand entgegensetzen zu können.

Hand in Hand schlendern sie durch den Park, milde scheint die Herbstsonne vom Him­mel, ein leichter Wind spielt mit chrem brünet­ten Haar an den Schläfen und im Nacken, kei­nes Wortes ist sie mächtig.

Sehen Sie da drüben die Bank, an der haben wir, mein Schwesterchen und ich, mit den Kindern des Vogtes und des Kutschers oft Hochzeit gespielt. Gretelein war die Braut nnd des Vogtes Aeltester der Bräutigam, ich der Pastor. Die andem funktionierten als Hochzeitsgesellschaft. Da aus der Laube kam immer der Zug heraus, vorneweg die Klein- iten, die mutzten Blumen streuen, 'ich erwartete ie hier, mein langer, dunkler Regenmantel war mein Talar. Gretelein trug einen Kranz und ein weitzes Stück Leinewand als Schleier, das Nicderknieen vor mir war natürlich die Hauptsache und dann sangen wir dumme Lie­der. Ein paar Verse will ich Ihnen sagen:

Der Fink, der Fink,

Der bracht' der Braut den Ring!

Der Geier, der Geier, Der bracht' der Braut den Schleier! Und so weiter. Kennen Sie das?' Nein, Herr Leutnant!"

gerade liebevoll um einen gewissen Teil unsres Körpers!"

,Ja, ja, verbotne Früchte schmecken süß," schalkhaft droht sie Heinz mit dem Finger.

Könnten recht haben," meint er ernst.

Da wird Klara Herbart wieder rot.

Ich mutz aber jetzt zurück, sür das Abend­brot sorgen!"

Schade, aber was hilft'S, erst der Dienst, dann das Vergnügen! Wenn Sie Zeit haben, bummeln Sie mtt mir. nicht wahr Schwesterchen?"

Ja, Heinz,' leise sagte sie es.

Sein einziges Kind, ein Sohn, war ihw im Alter von 12 Jahren gestorben, nun war'S einsam um den , scchzigjährigen Herrn ge­worden. Eme Wwischasrerin führte ihm de» Haushalt und der alte Diener Karl, er war früher tm Geschäft Laufbursche, dann Portier, sctzlreßlich Hausmeister gewesen , mutzt, immer um ihn sein. Dann sprachen sie von den guten alle» Zeiten. Karl rückte näher und näher an Herrn Reuters Herz unb nun, da sein ehemaliger Prinzipal an den Krankensluhl gefessclr war, er litt an Gicht, ivuro, aus dem ehemaligen Laufburschen ein Freund ein Freund, weil er »licht vergaß, Herrn Reuter den schuldigen Respekt zu erweisen, niemals Mißbrauch machte von dessen Gute.

Nnd gerade an dem Tag, an welchem Heinz Rühling bei seinen Eltern eintraf, bekam Her, Reuter einen Schlaganfall, nun lag er be- Lesiiinungslos in den Kissen.

Der alte Hausarzt machte sich mit Karl um ihn zu schassen, die Wirtschafterin lief auf* geregt all Augenblicke von der Küche an dir Schlafzirttmectür, Tränen in den Augen.

Er wird doch nicht sterben?" fragte der alte Diener den Arzt

Der strich sich seinen langen, Weißen Voll, bart und sah durch seine scharfen Drillengläsc, auf den Kranken.

Hm, so'n Schlaganfall ist eine ernste Sache, hm, ja, ich glaube, wir hringen ihn noch emmal durch, denn sein Herz ist nur wenig in Mitleidenschaft gezogen, aber ewig wird's natürlich nicht mehr dauern, schließlich ist der Tod eine Erlösung für Herrn Reuter, rechte Freude am Leben hat er doch nicht »lehr!"

Gott, Herr Doktor, der gute Herr Reuter!' Da klopft der Arzt dem alten Diener auf die Schulter.

Recht haben Sie, gut war er immer, ich glaube mitunter zu gut, einer aus der alten Zeit, der das Herz auf dem rechten Fleck hat!"

Kar! wischte sich eine Träne aus den Augen.

Uns ist's allen nahe gegangen, als er das Geschäft verkaufte!"

Weiß ich, weiß ich, ist nun mal der« Laus der Welt, wir müssen auch bald den Jüngeren Platz machen, da hilft kein Klagen!"

Ist Ihnen aber ganz recht geschehen!" , -Soo, lein blschen Mitleid, Schwe­sterchen?'

Wenigstens nicht allzuviel,' meinte sie lächelnd.

. -Na Gott sei Dank, jetzt finden sie doch endlich die «spräche wieder!"

Da wird Klara Herbart wieder rot und er steht's und ihn verwirrt».

. -Run dort hinüber, da hat Gretelein mitbußen müssen. 'S war 'ne schlimme Sache, da haben wir alle beide eine Tracht Prügel bekommen und noch dazu zu Vaters Geburts­tag!"

Müssen Sie aber ungezogen gewesen sein!" Richt zu knapp, kann ick Ihnen sagen, Dort drüben schlugen wir seelenocrgnügt Pur­zelbäume im Heu, Vaters Geburtstag fällt ja gerade in dre Heuernte. Aus einmal "taucht er auf mit der Reitpeitsche in der Hand. ,Wcr von euch hat sich über Muttings Pfirsichkompott gemacht?', schreit er uns an. Natürlich sage rch sofort: ich!' Gretelein wollte aber Freud und Leid mit mir teilen und fügt treuherig lunzu: .ich mit. Varing, Heinz hat mit 'nem Bohrer die Blechbüchsen angebohrt, den meisten «ast hab' rch ausgezutsckt, aber die Pfirsiche sind noch alle drin', jawoll,' schimpft Vater los, ,dte sind allerdiugö noch drin, aber ver­schimmelt, ihr Rasselbande, weil die Lust rein konnte!' ,Und wir haben fte alle so schön auf den Kopf gestellt,' meinte Gretelein treu­herzig, Aber das verfing bei Vater durchaus nicht. Wenn ihr wenigstens ein paar übrig gelassen hättet, aber alle dreiundzwanzig Buchzen habt ihr ausgezutsckt und nun kommt Besuch und Mutlmg hat kein Pfirsich- kvmpott!" Sofort folgte ein Webgeschrei unsrerseits, denn Vater hat einen kräftigen Arm und die Reitpeitsche schmiegte sich nicht

Du mußte Klara Herbart lachen.

Kommen Sie, Galopp, Galopp, dort drüben nach dem Apfelbaum!*

Und sie, angesteckt von seiner Lustigkeit, läuft mit ihm schnell über den Rasen.

Als der das zweite Jahr Früchte trug, ausgerechnet sechs Stück, entsann ich mich, daß ich das Jahr vorher, von den zweien, die er gebracht, eine sehr dünne Schnitte bekommen hatte, die mir vorzüglich gemundet. Ich sagte nur, diesmal siud's sechse, da kommt auf dich mindestens einer und da ich gerade Hunger verspürte, langte ich mir den rotbäckigsten run-

Er aber wagt nicht mehr ihre Hand zu erfassen.

Auf seinem Zimmer findet er seine Mutter beim Auspaüen des Koffers vor.

Mutting!"

Laß nur, Heinz, es macht mir Freude, für meinen Jungen zu sorgen!"

Da zieht er sie an 'sich «nd küßt ihr ergrauendes Haar.

Ein ernstes Wort noch, Heinz!'

Ein ernstes Wort?"

Wie gefällt dir Fräulein Herbart?'

Er wendet sich ab und sieht zum Fenster hinaus, um seine Verlegenheit zu verbergen.

Gut, Mutting, sehr gut, ich freue mich, daß du so eine gute Stütze hast, sie wird die Grete im Haushalte ersetzen, übrigens tut sie mir leid, sehr leid!"

Ich habe Angst, daß aus deinem Mitleid Liebe wird, Heinz!"

Hab' keine Angst, Mutting,' verstchett er erregt und trotzdem ftirchtet er sich selbst davor.

Die Mutter aber seufzt bange auf. Nach dem Abendessen sitzt er Hand in Haird mit sein gut Mutting und erzählt ihr von Straßburg, von seinem Dienst, von den so gnrz anderen Verhältnissen dort. Und die große Lampe wirft ihren traulichen Schein auf die beiden, Vater sitzt in einer dunklen Ecke, die lange Pfeise in der Hand, am Tische Klara Herbart und bessert Tischwäsche aus.

Und immer und immer wieder gleiten Heinz' Blicke zu der jungen Frauengestalt; dem Vater scheint es, als sagt fein Heinz das alles nur für sie, für fein neues Schwesterchen und er nimmt sich vor, achtzugeben auf die beiden. Wieviele hat nicht unerfüllte Jugend­liebe aus dem Sattel gehoben und aus das Pflaster des Lebens geworfen, für immer für immer.

ab» die

Kopfe.

Wirklich,- aber warum denn?" Er sieht sie an.

Da kommen ihre Gedanken zur Wirklichkeit zurück, hastig sagt sie:

Nein. Heinz, es ist nicht so schwer!'

Da wendet der junge Osfizier den Blick zur Seite. Sonderbar, wie ihn eben ihr Heinz" berührt hat, so sonderbar! Er will nicht drüber nachdenken, trotzdem er sich sagt, daß das feige ist. Schnell fährt er fort:

Also das Kinderlied kennen Sie nicht?"

Nein!"

Und er denkt: warum setzt sie nicht Heinz Hinzu?

Es ist aus einem Lied: ,Der Vögel Hoch- jjcif; das beginnt:

Die Vöglein wollten Hochzeit hatte«

In einem grünen Wald.

Und am Schlüsse jedes Verses heißt eS:

Sieh mich, steh mich, steh mich an.

Wir sind Braut und Bräutigam!"

Da wird Klara wieder über und über rot. Und er sieht's und erschrickt und freut sich doch.

Eine Pause entsteht, die beiden jungen Menschenkinder stehen in der Herbstsonne und in beider Brust zieht der Frühling ein. Heinz beißt die Zähne auseinander. Wre soll das enden? Da erwacht seine Energie.

Nun will ich Ihnen zwei Plätze zeigen, an denen ich mörderliche Keile bekommen habe!'

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