Nummer S.
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Fernsprecher 951 und 952.
Mittwoch, 14. Dezember 1910.
Fernsprecher 951 und 952.
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Merhmldert Menschemrtzser.
\ Die Meuterei in Brasilien.
telegraphische Meldungen.)
Die Militärmeuterei in Rio de Janeiro ?(Stint doch ernsterer Natur gewesen zu ein, als in den offiziösen Meldungen aus Rio zugegeben worden ist. Nach Depeschen, die in Mewyork ein gegangen sind, war das Bombardement Rio de Jauteros durch die meuternden Schiffe sehr heftig. Zweihundert Tote und Verwundete unter den 600 Meuterern und ebensoviel unter der Zivilbevölkerung waren die Folge dieser gegenseitigen Beschießung. Auch wurde vielfacher Schaden an Regierungsgebäuden angerichtet. Ein Primat-Telegramm aus
Newyork, 13. Dezember gerichtet uns noch folgende Einzelheiten:
Die Beschießung der Insel DaS Cobras die am Sonntag morgen eröffnet worden war, hat gestern nachmittag aufgehört, weil die Insurgenten dieweißeFlagge gehißt und um Abholung der Toten und Verwundeten ersucht hatten. Während der Nacht versuchten mehrere der Meuterer, in Schaluppen von der Insel zu entkommen. Sie wurden aber alle durch TorpedobomZrrrstö- rer und die Flottille der kleinen Fayrzeuge abgefaßt und gefangen genommen. Alle Gebäude auf der Insel Das Cobras, darunter die neue Kaserne und das Hospital, wurden durch Geschützfeuer beinahe vollständig weggefegt. Mehrere Granaten haben in der Stadt öffentliche und private Gebäude beschädigt. Von der bürgerlichen Bevölkerung sind mehralSLOOPer- sonen tot oder verwundet, von den Meuterern wurden etwa 200 Mann zu Gefangenen gemacht. Mehr als 300 Rebellen sind tot oder verwundet. Die Verluste der Regierungstruppen belaufen sich auf etwa 100 Mann an Toten und Verwundeten. Augenblicklich herrscht in der Stadt völlige Ruhe. Der Senat hat gestern die Verhängung des Belagerungszustandes über den Distrikt der Hauptstadt und des gegenüber liegenden Nictheroy für 30 Tage beschlossen. Die parlamentarischen Vorrechte werden respektiert weiden. Gestern sind Truppen aus den Garnisonen der Staaten Sao Paulo und Minas Geräts angekommen, ferner wurden alle Truppen aus Relengo nach Rw de Janeiro beordert. DaS englische Geschwader unter dem Admiral Farquar, daS am S. d. M. hier angekommen ist, liegt im Hafen in unmittelbarer Nähe der Kriegsschiffe. Ueber eine Beschießung von Rio de Janeiro durch den Kreuzer .Rio Grande del Sul und durch ein zweites Kriegsschiff ist auf der brasilianischen Gesandtschaft bisher keine Meldung eingelaufen.
Nach einem Telegramm aus Rio de Janeiro haben die Kreuzer .Rio Grande do Sur" und .Barroso" die Bucht auf Befehl der Regierung Pitt unbekannter Bestimmung verlassen; man glaubt jedoch, daß der erstgenannte Kreuzer nach Santos abgegangen ist. Die Regierung hat alle Maßnahmen getroffen, um ein Weiterumsichgreisen der Meuteret zu unterdrücken.
Die brafilirmifche Gesandschast
in Berlin hat (wie uns ein Telegramm meldet) eine Depesche aus Rio de Janeiro erhalten, wonach nicht mehrere Kriegsschiffe, sondern nur ein Teil der Besatzung des Kreuzers .Rio Grande del Sul" und das Seebataillon auf der Insel Dascobras gemeutert hätten. Bet dem Kampfe an Bord des .Rio Grande del Sul" zwischen den Meuterern und dem treu gebliebenen Teil der Besatzung wurde ein Offizier getötet. Durch haS auf die Insel gerichtete Feuer wurden saft alle Gebäude der Insel zerstört. Mehrere Granaten beschädigten in her Stadt öffentliche und private Gebäude. Die Verluste der Regierungstruppen belaufen sich auf etwa 100 Mann an Toten und Ver- tvundeten. Zurzeit soll Ruhe herrschen.
Mo im Belagerungszustand.
Das letzte über die Vorgänge vorliegende Telegramm aus Rio de Janeiro meldet: Die Kammer hat gestern einstimmig hie Verhängung des Belagerungszustandes beschlossen. Die parlamentarische Immunität bleibt indessen bestehen. In der Stadt ist heute alles ruhig, doch lausen ^ehr widersprechende Gerüchte über die äugen- dickliche Lage um.
Ser Philosoph.
Bethmann Hollweg und die Parteien.
Herr Theobald von Bethmann H o l l w e g, dessen Kanzlerschaft nun schon die Jahrdauer längst überschritten hat, galt bis vor wenig Tagen den Leuten rechts und links vom Prästdentenstuhl im Wallothaus am Berliner Königsplatz als der Mann, der mit dem „schon etwas abgetragenen Mantel des Philosophen" umhangen, die Politik aus der Vogelperspektive stoischer Kühle betrachte und im Kampf ums Ziel über klingende Worte nicht hinausgelange. Von rechts ermunterte den „Zauderer" eindeutige Apostrophierung, und links vernahm der überm Parteigewühl Stehende den lauten Groll der Enttäuschung. Seit Sonnabend hat sich das Bild gewandelt: Man spricht vom fünften Kanzler mit der Aufmerksamkeit, die man einem seines Ziels bewußten Manne zollt, und die Spötter, die an die .Philosophenfigur" des Kanzlers längst den letzten Rest von Witz verschwendet hatten, schweigen. Dabei ist nichts geschehen, was eigentlich übers Selbstverständliche und Natürliche hinausragt. Herr von Bethmann hat am Sonnabend im Kuppelhaus des Rcichsparla- ments bekannt, daß er sich den vom Volk Erwählten und den Parteien nicht dien st bar fühle, daß er es ablehne, auf dem tönernen Sockel parteipolitischer Interessen die Politik der Reichsregierung aufzubauen, und daß er entschlossen sei, an den bewährten Grundlagen der von der Regierung vertretenen Polittk nichtrütteln zu lassen. Rechts und links im bunten Saal vernahm mans mit Staunen; rechts verwundert über die Schroffheit der Worte, die auch das konservative Empfinden nicht schwächlich schonte, links überrascht von der plötzlich erwachten Energie des Mannes, den man bis zum Tag der Offenbarung tatenlos am Steuer sitzen wähnte: Der „Philosoph" schien zum Leben zu erwachen!
Des Kanzlers Ruf zur Mitarbeit an Kon- fervattve, Zentrum und Liberale deutet klar und bestimmt den Weg an, den man in der Berliner Wilhelmstraße zu gehen gedentt: Z u - sammenfassung aller nationalen Kräfte zu gemeinsamer Arbeit im Dienst einer nationalen, auf die Interessen des Reichsganzen zugeschnittenen Politik! Mit diesem Programm (dessen Geist sicher auch die nahenden Reichstagswahlen beschatten wird) kann ein verantwortticher Staatsmann, und seis auch ein „Philosoph", vorttefslich regieren, denn die Sammlung der für eine nationale Politik zur Verfügung stehenden Kräfte ist das natürliche Gegengewicht gegen die kräftelähmende Zersplitterung der Interessen im Patteienkampf. Daß der Kanzler mit seiner Sammlungsparole dem Vorbild seines Meisters folgt, der in den Dezembertagen neunzehnhundertsechs den Block wider Schwarz und Rot formte, ist klug und nützlich, und nimmt der Zweckmäßigkeit des Gedankens nichts an Wertgehalt, denn es schießen auch heute noch die Leute mit demselben Pulver, das vor Jahrunderten der vortreffliche Berthold Schwarz erfand. Auf die Originalität des Gedankens kommts in der Politik eben weniger an als auf die Nützlichkeit des Plans und die geschickte Wertung des Moments. Und da hat Bülows gelehriger Schüler zweifellos einen achtenswerten Griff getan, der seiner Philosophie und auch seiner staatsmännischen Tattik alle Ehre macht. Daß seit dem unrühmlich-ttagischen Sterben des Bülow-Blocks der Parteien Hader so üppig ins Kraut schoß, danken wir nicht zuletzt dem Mangel großer und weitausgreifeuder Gedanken, der Unsichtbarkeit ersttebenswerter Ziele und der Dürfttgkeit der Ideen. Bethmanns Sammlungsparole bringt das wichfigste Ziel in greifbare Nähe, gibt der nationalen Kampfgemeinschaft wieder Inhalt, und deutet klar die Wege an, auf betten zukünftig dem Erfolg ent» gegengeschritten werden soll. Konnte ein „Philosoph" mehr tun?
Konservattve, Zentrum und Liberale: Die Mischung ist etwas bunt, kann aber, bei verständiger Arbeit, vorttefflichen Mörtel für den Betbmann-Block liefern. Daß Bülows Kummerblock nicht verjüngt aus den Ruinen emvorwächst, mag niemand kränken; er hat im letzten Stadium krankhaften Daseins dem Erzeuger selbst mehr Pein als Freude bereitet. Und die zur Mitarbeit Geladenen? Bisher ist nur wenig Erfreuliches zu schauen. Gestern erst erklärte die konservative Kreuzzeitung unwirsch, zwischen Konservativen und Nationalliberalen sei „das Tischtuch endgültig zerschnitten". Herr Paasche und seine Freunde hätten beim Präsidenten Grafen Schwerin weder (wie's üblich ist) Karten abgeben lassen, noch seien sie sich, als sie nach langer Ferienzeit zum Winterwerk ins Wallothaus einzogen, „der selbstverständlichsten gesellschaftlichen Pflichten bewußt gewesen". Im nationalliberalen Hause erllärt man zwar, kein Arg im Herzen gettagen zu haben, als man sich (im Drang der Arbeit) in dem im gesellschaftlichen Verkehr Ueblichrn auf das Dringlichste be
schränkte, aber der „Dorn im Herzen" bleibt stecken, und die Wogen der Erregung werden vermutlich noch ein Weilchen schäumen. Im freisinnigen Lager quält immer noch der Groll wider den „schwarz-blauen" Kanzler die Seelen, und Bethmanns Ruf zur Mitarbeit geht unter im Geflüster chronischen Mißtrauens. Vom Zentrum ganz zu schweigen. Kann mans dem Kanzler, der außer der Philosophie auch die Psychologie schätzt, verargen, wenn ers angesichts der Menge klein- licher Alltagsunerquicklichkeiten ablehnt, mit den Parteien in derselben Arena zu stehen? Auch ein Mann mit weniger philosophisch geschultem Hirn würde sich's »erbitten. Indessen: Die Arbeit wird auch jetzt wieder die „Forderung des Tags" bleiben und in der Erfüllung dringlicher Pflichten werden bann hoffentlich bie kleinlichen Erdenreste partei- politicher Schwächen mählich untergehen. Bethmanns Ziel ist hoch und groß, und es verlohnt sich für Alle (rechts und links im Haus bet Volkserwählten), dem Philosophen auf dem Weg zu diesem Ziel mannhaft Gefolgschaft zu leisten.
RuMche Wirtschaft.
Ein neuer russischer Flottenflandal.
(Von unserm Korrespondenten.)
Aus Petersburg wird uns geschrieben: In Wladiwostok, dem Ankerplätze des sogenanten Stillen-Ozean-Geschwaders, ist es zu unangenehmen Enthüllungen gekommen, bie in Petersburger Regierungskreisen sehr peinlich berührt haben. Das „Geschwader" im Stillen Ozean besteht nämlich aus dem seeuntüchtigen Kreuzer „Askold", der ohne Hilfe von Schleppern sich nicht fort« bewegen kann, etwa dreißig veralteten Tor- pedojägern und einigen fünfzehn Unterwasserbooten.
Trotzdem residiert in Wladiwostok ein „Kommandeur deS Geschwaders", dem ein gewaltiger Stab zur Seite steht. Unzählige Offiziere und 4000 Mattosen vertreiben sich bie Zeit aus Mangel an Schiffen, so gut es eben geht. Russische Seeoffiziere entstammen zumeist bett aristokratischen Familien des Landes; sie sind daher an eine behagliche Lebensführung gewöhnt. Nun ist Wladiwostok ein ungemein vergnügtes, aber auch ein ungemein teures Pflaster, so daß die Herren Offiziere ost in Verlegenheit kommen. Sie wußten sich aber zu helfen: Zweiundzwanzig Kommandeure der „glorreichen" Flotte ließe« sich in Massen Zucker liefern, den sie ... sofort weiterverkaufte«, worauf sie daS Geld einsteckten. Das Geschäft hlühte, bis die Sache durch eine Jndisttetion bekannt wurde. Zwei der schuldigen Offiziere sind nach Australien geflohen, während gegen die übrigen ein militärisches Verfahren eingeleitet worden ist, das Wohl (wie alle solche Sachen) im Sande verlaufen wird, wenngleich die Presse mit ihrer Meinung nicht zurückhält und nachdrücklich verlangt, daß den unzähligen Gaunereien im Marineressort endlich einmal ein Ende gemacht werde. Man nennt auch di« Namen der an der Gaunerei Betelligten: Sie gehören ausnahmslos z« der „fine f 1 e u r" des bürokratischen Petersburg. Wenn die Jndisttetion nicht gewesen wäre, wären die Zuckerlieferungen für die Schiffe, die fabelhafte Umfänge erreicht haben sollen, mit Hllse „guter Freunde" in der Rechnungskammer wohl glatt durchgegangen. So hat man nun den Eklat: Mel mehr wird aber auch nicht geschehen, denn das Mattne- ministerium wird Wohl seiner Tradition folge« und beide Augen zudrücken, umsomehr, als den betelligten Zuckerfirmen große Lieferungen zugesichert sein solle«, wenn sie die Disttetio« wahren werden, auf daß kein Schatten auf die ruhmbeladene russische Flotte falle. Einige ähnliche „Mißverständnisse" mit Kohlenlieferungen sollen bereits in steundschastlicher Weise erledigt worden sein, dagegen hat der Kommandeur der sibirischen Flotte, Baron Rahden, über den Ver- bleib von 130 000 Rubeln keine befriedigende Auskunft erteilen können, und man hat gegen ihn ein Verfahren eingeleitet.
Den Rekord hat indessen der Kommandeur eines Transportschiffes aufgestellt, denn er hat Summen veruntreut, die er der wissenschaftlichen Expedition übergeben sollte, die von einem Moskauer Millionär zwecks Erforschung von Kamffchalla ausgerüstet worden ist. Die Expedition hat sich telegraphisch nach Moskau mit der Bitte um Geld wenden müssen, und man hat ihr daraufhin schleunigst die vom Herrn Kommandeur veruntreuten Bettäge in
neuer Auflage übermittelt. Es heißt, daß bet' Mann, der die Summe in seiner tiefen Tasche verschwinden ließ, vor ein Kriegsgericht gestellt werden soll, aber es wird auch hier wohl beim „Sollen" bleiben... . jj.
Gin Kaiser«.
Wilhelm II. in russischer Beleuchtung. (Von unserem KorresponDenten.)-
Petersburg, 10. Dezember.
Im Novemberhieft des „Westmk Jew- roph", der angesehensten russischen Monatsschrift, gibt C. Sslonimski eine interessante Charakteristik des „Markantesten Vertreters des monarchischen Prinzips im modernen Europa", Kaiser Wilhelms des Zweiten. Der Artikel ist überschrieben: „Kaiser Wilhelm in seinen Reden und Taten". „Unbedingt ehrlich und- aufrichtig 'von Natur, hervorrageud gewissenhaft bei seiner Arbeit, in Lebensgewobnheiien und Neigungen, gesellig durch Erziehu« g und Prinzip, stölz überzeugt von der Wiäftigkeit seiner Lebensaufgabe, zeigt Kaiser Afilhelm ein merkwürdiges Bedürfnis, sich dauernd öffentlich zu betätigen", schre ibt Herr Sslonimski: „Kaiser Wilhelm stellt einen neuen Typus des aktiven selbstänoig handelnden, reisenden und redenden Monarchen dar". Die Weltanschauung des deuffchen Kaisers ruht auf religiöser Grundlage, aber er begreift die Religion durchaus eigenartig. „Gott war der preußischen Erde und dem ganzen deutschen Vaterlande stets toeu", sagte der Kaiser im Jahre 1897 bei einer Ansprache an die Truppen. Und im Jahre 1901 erklärte er: „Ich bin überzeugt, daß wir stets Sieger fein werden, wenn uns auch von alle« Seiten Feinde umringen würden, da unser machtvoller Verbündeter lebt, unser alter, guter Gott im Him- mel, der schon seit de« Tagen des Große« Kurfürsten und des großen Königs immer auf unserer Seite war".
Dieses familiäre Verhalten zum Schöpfer der Welt, als zu einem alten Verbündeten (sagt Sslominski) entspringt nicht aus einer bewußten Nichtachtung der Religion, sondern aus einer äußerst hohen Vorstellung vom göttlichen Charatter der preußischen Königsgewalt. Die Hohenzollem als „erwählte Werkzeuge des Himmels" handeln auf Erden auf Ermächtigung von oben hi« und nehmen sogar im Himmel einen besonderen Ehrenplatz ein: Sie haltenParaden über die erschienenen Heeresteile ab und nehmen Berichte und Rechenschaften von ihren ehern. Untertanen entgegen. „Die Blicke meiner Vorfahren sind aus jener Welt auf mich gerichtet" (sagt Kaiser Wilhelm 2. in feinem 1. Armeebefehl nach feiner Thronbesteigung) „und ich werde ihnen Rechenschaft über den Ruhm und die Ehre der Armee geben müssen". „Der Blick des großen Kaisers ruht auf euch wie auf der ganzen Armee" wiederholte er acht Jahre später den Rekruten gegenüber; „gebe Gott, daß wir beim himmlischen Appell in würdiger Weise vor ihm erscheinen können." Aber dieses mehr oder weniger befremdende Element fehlt in den Erklärungen Kaiser Wilhelms' II. über laufende Angelegenheiten der inneren und besonders der auswärtigen Politik. Er spricht in völlig veränderter Weise über die Wichtigkeit eines dauernde« Friedens, der sich auf eine starke Armee stützt, und von der Notwendigkeit, eine starke Flotte zu schaffen, zur Erweiterung und Unterstützung des internationalen Handels und der koloniale« Interessen Deuffchlands.
Der Kaiser glaubt nicht an die Möglichkeit einer vollen Ausschaltung des Krieges durch allgemeine gegenseitige Vereinbarungen zwischen den großen Nationen. „Es ist natürlich ein großes Unterfangen, den Frieden für alle Völker Herstellen zu wollen; denn in die logischen Voraussetzungen dieser Idee hat sich ein Fehler eingeschlichen. So lange die ungesühnte Sünde unter der Menschheit herrscht, so lange werden Krieg und Feindschaft, Neid und Zwist entstehen, und die Menschen werden sich bemühen, einander zu besiegen; und was als Gesetz unter den einzelnen Menschen gilt, ist auch auf die Völker anwendbar. Daher müssen wenigstens wir Deutsche zusammenhalten wie eine feste Klippe, und an biefer Klippe des deutschen Volles wird weit im Meer und bei uns zu Hause in Europa jede den Frieden bedrohende Woge zerschellen". (Februar 1899.) „Bevor bie Theorien vorn ewigen Frieden allgemeine Anwendung finden, wird mehr noch als ein Jahrhundert «och vergehen, und so lange dient als sicherster Hort des Friedens das deutsche Reich, seine Herrscher und die von ihnen geführte Armee". (September dessel- ben Jahres.) Bismarcks Ausspruch: „Wir Deutsche fürchten Gott und sonst nichts in bei Welt" wird häufig zitiert, wenn auch ohne Nennung des Autors; doch einen Krieg zu unternehmen ohne die äußerste Notwendig-'